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..... -..», ......................... ii i --^- i'ijh.1. tmai Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein» | gespaltenen Zeile 10pfg.,im amtlichen Teile 20 Psg. f Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen B wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nvv^«na D ---------- ---------------------------------^.^

herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 123. Sonnabend, den 17. Oktober 1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 9. Oktober 1908.

In den letzten Jahren hat die mißbräuchliche Verwendung von Bier-, Mineralwasser- u. s. w. Flaschen zum Auffüllen mit giftigen Flüssigkeiten vielfach zu verhängnisvollen Verwechse­lungen und infolgedessen zu schweren Gesundheitsschädigungen geführt.

Ich nehme hieraus Veranlassung, die Vorschrift des § 15 der Polizei-Verordnung des Herren Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten über den Handel mit Giften vom 22. Februar 1906 Amtsblatt Nr. 10 in Erinnerung zu bringen, wonaches verboten ist, Gifte in Trink- oder Kochgefäßen oder in solchen Flaschen oder Krügen abzugeben, deren Form oder Bezeichnung die Gefahr einer Verwechselung des Inhalts mit NahrungS- und Genußmitteln herbeizusühren geeignet ist.

Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, die Beachtung dieser Vorschrift sorgfältig zu überwachen und Zuwiderhandlungen auf Grund der § 22 der gedachten Polizeiverordnung un- nachsichtlich zu ahnden.

Gleichzeitig warne ich Käufer und Verkäufer dringend vor der Unsitte, Bier- und Mineralwasserflaschen zum Einkäufen von Petroleum, Benzin, Brennspiritus und anderen Flüssigkeiten zu verwenden, welche die Benutzung der Flaschen zu ihrem ursprünglichen Zwecke nach einfacher Reinigung mit Wasfer nicht ermöglichen oder welche gesundheitsschädlich wirken oder geeignet sind, Ekel zu erregen.

I. 10443. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 12. Oktober 1908.

Die unter dem Schweinebestande der Witwe Otto zu Leimbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. L 10491. Der Königliche Landrat

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Politische^Wochenbericht.

Die innere Politik Deutschlands wird nach wie vor von den Erörterungen über die R e i ch s s i n a n z r e s o r m be­herrscht. Gegen die vom Staatssekretär Sydow vorgeschlagene Nachlaßsteuer macht sich vielfach und zwar besonders aus agrarischer Seite ein heftiger Widerstand bemerkbar. Als Ersatz für dieselbe ist nunmehr von einem führenden Preß- organe der konservativen Partei, derKreuzzeitung", eine Vermögenssteuer vorgeschlagen worden, die nicht in die Finanz­hoheit der Einzelstaaten eingreift. Das Blatt hat diesen Vor­schlag dahin präzisiert, daß sich das Reich die Vermögens­steuer von den Einzelstaaten entrichten lassen soll, nicht von den Steuerzahlern. Es käme dies also auf eine besondere Matrikularumlage hinaus. Mehrfach nahm man an, daß dieser Vorschlag derKreuzzeitung- nach ersolgter Fühlung­nahme mit der Regierung erfolgt sei. Das Regierungs­organ, dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung", hat aber solchem Glauben ein Ende bereitet, indem es jenem Vor­schläge in längeren Ausführungen entgegengetreten ist. Die Ausführungen gipfeln in der Erklärung, daß für die Heran­ziehung des Besitzes neben einer vielleicht möglichen mäßigen Erhöhung der Matrikularbeiträge bei der Neuregelung der Reichsfinanzen eine andere Form als die allgemeine Nachlaß­steuer nicht zur Verfügung steht.Der Gedanke sie ganz oder teilweise durch eine Vermögenssteuer zu ersetzen, hat keine Aussicht auf Erfolg. Jedenfalls aber ergibt sich aus dieser Entwicklung der Finanzreformsrage in der Ocffentlichkeit doch das eine, daß man auch aus der Rechten mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß ohne die teilweise Heranziehung direkter Steuern das große Werk nicht zustande zu bringen ist, und das ist immerhin ersreulich. Ist solche Einsicht einmal Gemeinheit geworden, so muß und wird sich auch der Weg finden, der zum Ziele sührt.

Unter den auswärtigen Dingen nahmen naturgemäß auch während der verflossenen Woche die Geschehnisse auf dem Balkan das hauptsächlichste Interesse für sich in Anspruch. Es hat erfreulicherweise mehr und mehr den Anschein, als ob die daselbst stattgehabten Veränderungen von keinen kriegerischen Folgen begleitet sein würden. Vielmehr gewinnt der Ge­danke eines Kongresses oder einer Konferenz an Wahrschein­lichkeit. Deutschlands Haltung allen einschlägigen Fragen gegenüber erscheint klar vorgezeichnet. Deutschland wird in eine Konferenz nur dann einwilligen können, wenn eS Sicher­heit für eine Leitung der Verhandlungen gewonnen hat, die vom Geiste des Wohlwollens gegen die Türkei mit dem Ziele ihrer Stärkung und Kräftigung und unter Vermeidung von Demütigungen des bereits aufs schwerste geprüften os- manischer Reiches getragen erscheint. Der Unabhängigkeits» crklärung Bulgariens serner dürste unsere Regierung nur

dann die Sanktion erteilen, wenn eine die Türkei voll be- sriedigende Auseinandersetzung erfolgt. Für die Frage der Orientbahn versteht sich dies von selbst, aber auch wegen Ost- rumeliens wird Bulgarien nicht umhin können, der Türkei diejenigen Entschädigungen zu gewähren, welche diese für an­gemessen halten wird. In Sachen der Annexion von Bos­nien und der Herzegowina endlich erkennen wir an, daß Oesterreich-Ungarns Anspruch auf eine endgültige Regelung der bosnischen Verhältnisse wohlbegründet ist, und werden uns im übrigen bei Behandlung dieser Angelegenheit durch­aus von den Pflichten ehrlicher Kameradschaft gegenüber unserem österreichischen Bundesgenossen leiten lassen.

In Serbien gefällt man sich in lärmenden Demon­strationen gegen Oesterreich. Es dürste sich aber auch hier das WortViel Geschrei und wenig Wolle" bestätigen, und die ruhige, aber entschiedene Sprache, die Freiherr v. Aehren- thal im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der öster­reichischen Delegation geführt hat, wird hoffentlich in Belgrad ihres Eindruckes nicht verfehlen. Freiherr v. Aehrenthal er­klärte, er könne nun hoffen, daß man in Serbien zu einer realem Auffassung und besonneneren Haltung gelangen werde. Jeder Freund des europäischen FriedenS wird sich dieser Hoffnung von Herzen anschließen.

Auch der Besuch des russischen MinisterS des Aus­wärtigen Jswolski in London steht zweifelsohne mit den Balkanangelegenheiten in engem Zusammenhänge. Daß Rußland den dringenden Wunsch hegt, aus einer etwa zu­standekommenden Konferenz die Dardanellensrage und vielleicht auch die Donaufrage einer für sich günstigen Revision zu unterziehen, klingt höchst plausibel. Ob und inwieweit eS ihm aber gelingen wird,,hierfür die Einwilligung Englands sowie der übrigen Mächte zu verlangen, darüber lassen sich zurzeit noch keinerlei Vermutungen äußern.

Ein preußisches Heldenbild aus der Schlacht bei Hochkirch.

Ein unglücklicher und dennoch ruhmvoller Tag für die preußischen Waffen ist der 14. Oktober 1758, an dem die Truppen des großen Königs beim Morgengrauen von der über­legenen österreichischen Armee unter dem Feldmarschall Grafen Daun überfallen und zwar zum Verlassen der bisherigen Stellung gezwungen, aber weder besiegt noch entmutigt wurden. Nach dem blutigen Siege von Zorndorf war König Friedrich nach Sachsen geeilt, wo Prinz Heinrich mit 20 000 Preußen dem verbündeten feindlichen Heere von 80 000 Oesterreichern und Reichstruppen gegenüberstand. Diese ungeheure Ueber- macht gab den gegnerischen Feldherren Anlaß zu großen Plänen. Prinz Heinrich sollte zu gleicher Zeit von vorn und im Rücken angegriffen und völlig aufgerieben werden. Eingehend war der weitausschauende Entwurf von den Generalen der Ver- kündeten beraten worden, seiner Ausführung schien nichts im Wege zu stehen, als das Donnerwort:Friedrich kommt" den schönen Plan zunichte machte.

Der König seinerseits suchte nun eine Schlacht zu liefern, um die Oesterreicher nach Böhmen zu treiben und seinen in Schlesien stehenden, hartbedrängten HeereSabteilungen zu Hilfe zu kommen. Aber Daun wich jedem ernstlichen Zusammenstoß aus und bezog ein festes Lager bei Stolpen, welches er jedoch durch einen geschickten Marsch des Königs auf Bautzen auf» zugeben gezwungen wurde, um nicht die Verbindung mit Böhmen zu verlieren. Er nahm eine Stellung östlich von Hochkirch an der großen Straße von Bautzen nach Zittau, der gegenüber der König sein Lager ausschlug mit der Absicht, durch Besetzung deS in der rechten Flanke der Oesterreicher liegenden Strohmberges, diese zum weiteren Rückmarsch nach Böhmen zu zwingen. Der feindliche Feldherr hatte jedoch rechtzeitig durch eine Frontveränderung die beherrschende Höhe des Strohmberges in seine Stellung einbezogen, so daß die Preußen ihm nicht in der Flanke, sondern vorn gegenüber- standen, mit ihrem rechten Flügel bei Hochkirch, im übrigen aber ohne Geländestützpunkte.

Wie bedenklich die Lage des 30 000 Mann starken preu­ßischen Heeres in ganz geringer Entfernung von der doppelt so starken feindlichen, in beherrschender Stellung befindlichen Armee war, das erkannte der König ebenso, wie es seinen Generalen und dem ganzen Heere nicht verschlossen blieb. Bekannt ist der AuSspruch des FeldmarschallS Keith:Ich habe viele Feldlager in meinem Leben gesehen, aber niemals ein diesem ähnliches." Als Vertrauter seines königlichen Herrn konnte dieser erfahrene Führer, welcher am 14. Oktober den Heldentod fand, es wagen, dem Könige gegenüber die Aeußerung zu tun:Sire, wenn die Oesterreichs uns hier ruhig lassen, verdienen sie, gehängt zu werden", woraus dieser im Vertrauen auf die bisherige Untätigkeit seiner Gegner erwiderte:Wir müssen hoffen, daß sie sich mehr vor unS als vor dem Galgen fürchten". Seine Absicht war auch nicht, längere Zeit dort stehen zu bleiben, er wollte vielmehr, sobald der Nachschub geregelt sein würde, durch einen Nachtmarsch erneut versuchen, dem Feinde die rechte Flanke abzugewinnen, und hierbei gleich­zeitig daS bei Reichenbach stehende feindliche KorpS des Prinzen von Durlach angreifen.

Für die Nacht vom 14. zum 15. Oktober war diese Maß­nahme geplant, doch kam ihr Daun durch den Uebersall am Morgen des 14. Oktober zuvor. Der feindliche Vormarsch gegen daS Dorf Hochkirch wurde durch unübersichtlich, waldige- Gelände begünstigt, die wachsamen preußischen Husaren ent­deckten aber doch die gegnerischen Bewegungen, auf Grund deren die Generale Zielen und Seydlitz vom Könige den Be­fehl erbaten, daß einige Jnfanteriebrigaden sich gefechtsbereit machen und mehrere Kavallerieregimenter satteln mußten. Al- aber von feindlicher Seite nichts weiter erfolgte, wurde dieser Befehl nach einigen Stunden wieder ausgehoben, und der jetzt ganz unbesorgte Soldat überließ sich dem Schlaf ohne Be­denken. Bald aber änderte sich die Lage mit einem Schlage.

Eben schlug die Turmuhr in Hochkirch 5 Uhr, als der Angriff begann. Bei den preußischen Vorposten fanden sich österreichische Soldaten ein unter dem Vorgeben, sich als Ueber» läufer zu melden; ihre Zahl wuchs schnell derartig an, daß sie die Feldwachen überwältigten. Ihnen folgten auf dem Fuße stärkere Abteilungen, welche sich der Schanzen bei Hoch­kirch bemächtigten und deren Geschütze auf daS preußische Zelt­lager richteten. Selten befand sich ein Heer in einer schreck­licheren Lage. Weithin beleuchtete der Feuerschein des von den Panduren in Brand gesteckten Dorfes den Schauplatz des blutigen KampfeS, in dem sich die unsanft auS dem Schlafe geweckten Preußen mit ihren Gegnern maßen. In kurzer Zeit war dank ihrer guten Ausbildung und Disziplin ein großer Teil der Regimenter kampfbereit und ging mit Todesverachtung den Eindringlingen entgegen.

Der Brennpunkt deS Gefechts war das Dorf Hochkirch. Hier stand daS Regiment Markgraf Karl Nr. 19 mit dem 1. Bataillon bei - der B r» me auf der südlich vorliegenden Anhöhe, mit dem 2. ' ^ataillo,' unter der Führung der tapferen Majors von Sangen beim Kirchhof. Dieser wichtige Punkt war von dem umsichtigen Bataillonskommandeur zu harknäckiger Verteidigung eingerichtet worden. Der nach Süden zu führende Ausgang, ein noch heute vorhandenes über­wölbtes Tor, war durch Palisaden abgeschlossen, so daß sich im Verein mit den festen Umfassungsmauern eine gute Brust­wehr ergab. Der österreichische Oberfeldherr Daun, welcher persönlich den Angriff aus das Dorf leitete, war um V26 Uhr mit seinem Stäbe dort erschienen und hatte richtig erkannt, daß der Kirchhof den Schlüsselpunkt der gesamten Stellung in und um Hochkirch bildete. Deshalb setzte er sein ganzes Bemühen daran, sich in den Besitz des Kirchhofs zu setzen. Vier Grenadierbataillone, die besten Truppen der österreichischen Armee, tapfere, kriegsgewohnte Soldaten, wurden zum Sturm angesetzt, aber ihre Kraft zerschellte an den ruhig abgegebenen, sicher gezielten Salven des preußischen Bataillons. Mit ungeheuern Verlusten endete dieser erste Angriff für die Kaiser­lichen, welche beinahe aufgerieben zurückfluteten. Neue Kcrntruppen holte Daun herbei; nacheinander stürmten die Regimenter Clerici, Starhemberg, Bathiany, Alt-Colloredo und Puebla. unterstützt durch andere, gerade zur Hand be­findliche Truppenteile, aber vergebens.

Wacker hielt der Major von Langen mit seinem immer mehr zusammenschmelzenden Häuflein gegen die Uebermacht seinen Posten fest, auch nachdem die übrigen preußischen Truppen die brennenden Gehöfte hatten verlassen müssen; sein mili­tärischer Blick sagte ihm, daß der Kampf für den ganzen preußischen rechten Flügel eine noch viel schlimmere Wendung nehmen mußte, wenn der Kirchhof aufgegeben wurde. Mit unerschütterlichem Heldenmute, seine braven Leute durch fein Vorbild zu beispielloser Tapferkeit hinreißend, leistete er gegen 18 feindliche Bataillone erfolgreichen Widerstand. Nicht den stürmenden Gegnern überließ er den Kampfplatz, fonbern als er sah, daß das Heer den übrigens in bewunderungswürdiger Ordnung und unversolgt durchgeführten Rückzug in eine nur 8A Meilen entfernte Stellung antrat, und als alle Patronen verschossen waren, versuchte er, sich durch die Menge der ihn umringenden Feinde durchzuschlagen. Jedoch nur einem kleinen Teil gelang es, sich den Weg zu bahnen, die übrigen gerieten mit dem Major von Langen, der aus elf Wunden blutete, in Gefangenschaft. Die Oesterreicher zeigten ein rühmliches und ritterliches Verständnis für feine heldenmütige Aufopferung, indem sie ihn am folgenden Tage der preußischen Armee wieder zusandten. Wie furchtbar der Kampf um den Kirchhof gewütet hat, geht daraus hervor, daß die am Ostrande der Um» friedungsmauer liegende, hohlwegartige Gasse, die heute noch im Volksmunde dieBlutgasse" heißt, von den Leichen der gefallenen Oesterreicher angefüllt gewesen sein soll, so daß das Blut weithin die Rinnsale der Landstraße färbte. Infolge deS andauernden Kampfes Mann gegen Mann war es den An­greifern nicht möglich, mit Geschützfeuer gegen die Mauern zu wirken, die von den Geschossen der Artillerie wohl leicht hätten überwältigt werden können.

Der tapfere Major von Langen ist trotz der aufmerksamen Pflege, die ihm im Kriegslazarett in Bautzen zuteil wurde, an seinen ehrenvollen Wunden am 21. Oktober, eine Woche nach seiner Heldentat, gestorben. Ein herrliches Denkmal hat ihm sein dankbarer König gesetzt, indem er im Tagesbefehl vom 15. Oktober aussprach:Das 2. Bataillon von Markgraf Karl hat sich gestern ausnehmende Ehre erworben, ich werde