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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 120
Dienstag, den 13. Oktober
1908.
Amtlicher teil.
Berlin, den 14. September 1908.
In der Beschäftigung der bei dem Königlichen Polizeipräsidium in Berlin tätigen Versicherungsrevisoren treten infolge Ausscheidens des Versicherungsrevisors Pohl bis auf weiteres folgende Aenderungen ein.
Die Angelegenheiten der Sterbe-, Pensions-, Unterstützungs-, Kranken- usw. Kassen und Vereine werden bearbeitet von dem Revisor Marmetschke aus den Provinzen Ostpreußen, Schlesien, Hessen-Nassau, den Hohenzollernschen Landen, sowie aus Berlin und dem Regierungsbezirk Trier. Die Feuer-, Glas- und Fahrradversicherungen, sowie die Versicherungen gegen Wasser- leitungsschäden und Einbruchsdiebstahl werden nach wie vor von dem Mitgliede des Kaiserlichen Aussichtsamtes für Privat- Versicherung Regierungsrat D. Brillat, und die Hagel-, Vieh- und etwaigen sonstigen landwirtschaftlichen Versicherungen von dem Mitgliede derselben Behörde, Regierungsrat de Niem, und zwar von beiden im Nebenamte bearbeitet. Zuschriften an die beiden genannten Beamten sind auch künftig unter der äußeren Adresse des Königlichen Polizeipräsidiums in Berlin abzusenden. (I. b. 1698.) (M. f. H. II. a 3758.) (M. f. L. A. II. 5760.)
Der Minister des Innern, gez. Unterschriften.
* *
Hersseld, den 7. Oktober 1908.
Vorstehendes bringe ich unter Bezugnahme aus meine Verfügung vom 19. Februar 1902 I. I. Nr. 883 — Kreisblatt Nr. 23 — zur öffentlichen Kenntnis.
I. 10327. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 10. Oktober 1908.
Ich ersuche die Ortspolizeibehörden des Kreises sofort und wiederholt auf ortsübliche Meile bekannt machen zu lassen, dass die Anmeldungen der für das Kalenderjahr 1909 beabsichtigten Gewerbebetriebe im Umherziehen alsbald bei den zuständigen Ortspolizeibehörden unter Vorlage des für 1908 erteilten ^Üandergewerbe- scheins zu bewirken sind, damit die Gewerbetreibenden noch vor Beginn des neuen Jahres im Besitze des Wander- gewerbescheins sind.
Für diejenigen Personen, die für das Jahr 1908 noch keinen Gewerbeschein hatten, ist das Formular A (bei Begleitern außerdem Formular B) zur Entgegennahme des Antrags zu verwenden, in allen anderen Fällen das Formular C (bei Begleitern außerdem Formular D.)
Die Anträge, auf denen die Nummer des für 1907 erteilten Gewerbescheines anzugeben ist, sind sofort an mich einzureichen.
Die Formulare sind hier in der Ludwig Funkischen Buchdruckerei zu haben.
Im Nebligen verweise ich auf §§ 55 bis 63 der Reichsgewerbe-Ordnung.
L 10507. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 7. Oktober 1908.
DertelegraphischeWettervorhersagedienst hat weil im Reichshaushaltsetat für daS Rechnungsjahr 1908 hierfür nur beschränkte Mittel vorgesehen werden konnten, mit dem 30. September d. Js. geschlossen werden müssen.
Der öffentliche Anschlag der Wettervorhersage an allen Telegraphen-Anstalten hat somit vom 1. Oktober d. Js. aufgehört.
Die Wetterdienststellen werden jedoch auch während d e s W i n t e r L auf Grund des ihnen täglich zugehenden umfangreichen Nachrichtenmaterials Wettervorhersagen fortlaufend aufstellen. Diese um die Mittagszeit auszugebenden Vorhersagen können telegraphisch gegen Erstattung folgender Zustellungsgebühren bezogm werden:
a. bei Uebermittelung durch Fernfprecher an Teilnehmer der Ortssernsprechnetze oder an Inhaber von Nebentelegraphen sowie bei Zustellung im Ortsbestellbezirk gelegentlich der regelmäßigen Bestellgänge, monatlich 2 M. — vierteljährlich 4,50 M. — halbjährlich 8 M.
b. bei Zustellung durch den Landbriesträger im Landbe- stellbezirk monatlich 3 M. — vierteljährlich 6,75 — halbjährlich 12 M.
c. bei Zustellung durch Eilboten im Ortsbestellbezirk monatlich 4 M. — vierteljährlich 9 M. — halbjährlich 16 M.
d. bei Zustellung durch Eilboten im Landbestellbezirk: zu den unter a aufgesührten Gebühren unter Hinzurechnung der wirklich erwachsenden Botenkosten.
Die Preise für den Bezug ausführlicher Vorhersagen lür bestimmte Zwecke (telegraphisch oder telephonisch Mltzuteilen) sind von den Interessenten mit der zuständigen -Wetterdienststelle zu vereinbaren.
Die Wetterkarte des öffentlichen Wetterdienstes erscheint ebenfalls während des WinterS täglich weiter. Der monatliche
Abonnementspreis beträgt wie bisher 50 Pfg. wozu noch 14 Pfg. Postbestellgebühr treten.
Bestellungen auf die telegraphischen Wettervorhersagen und die Wetterkarte sind an die zuständige Wetterdienststelle oder an die nächstgelegene Postanstalt zu richten.
I. 10383. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 6. Oktober 1908.
Die Erdgeschoß-Wohnung in dem Wohnhaus Nr. 527 vor dem Peterstor dahier, die zur Zeit von dem Kreisboten Höhle bewohnt wird und auö 3 Zimmern (eins hiervon ist in der I. Etage gelegen), 1 Kammer und Küche sowie Stallung besteht, ist zum 1. Januar 1909 anderweit zu vermieten.
Der Mietpreis beträgt 240 Mark pro Jahr.
Reflektanten wollen sich im Kreisausschuß-Büro melden.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
I. A. 5353. von Grunelius.
Hersseld, den 7. Oktober 1908.
Dem Schornsteinsegermeister Adam Grau von Birstein, Kreis Gelnhausen, ist die Bezirksschornsteinfegerstelle des Kehr- bezirks Schenklengsfeld vom 1. November d. Js. übertragen worden.
Meine Verfügung vom 27. Mai 1908, I. I. 4744 — Kreisblatt Nr. 64 — durch welche die Versetzung der Stelle bis zur Wiederbesetzung durch den Schornsteinfegermeister H. Raacke II. in Friedewald angeordnet worden ist, ziehe ich vom genannten Tage ab zurück.
Die Herren Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemeinden ersuche ich, dies auf ortsübliche Weise in ihren Gemeindebezirken zu veröffentlichen.
I. 10281. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 6. Oktober 1908.
Im Anschluß an die in Nr. 116 des Kreisblatts zum Abdruck gekommene landespolizeiliche Anordnung über Pserde- influenza (Brustseuche) verfehle ich nicht, darauf hinzuweisen, daß nach § 9 des Reichsviehseuchengesetzes nicht nur von dem wirklichen Ausbruche der Krankheiten, sondern auch von allen verdächtigen Erscheinungen, die den Ausbruch der Seuche befürchten lassen, den Ortspolizeibehörden Anzeige zu erstatten ist.
Die Ortspolizeibehörden haben die vorgeschriebenen Maßnahmen gewissenhaft durchzusühren und deren Durchführung polizeilich zu überwachen.
J. I. 10225. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 7. Oktober 1908.
Der aus Donnerstag, den 22. Oktober d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6^/4 Uhr morgens begonnen werden.
I. 10372. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs-Referendar.
nichtamtlicher teil.
Die Valkänkrisis
Wird die allgemeine Unruhe in den Balkanländern zu kriegerischen Verwickelungen sührcn? Die schlimmste Gefahr für den Frieden droht augenblicklich von Serbien. Die Bevölkerung dieses Landes hat lange von einem Großserbien ge- träumt, das den größten Teil BoSniens und angrenzende türkische Gebiete umschlösse. Dieser Traum ist durch die formelle Angliederung BoSniens und der Herzegowina an die österreichisch-ungarische Monarchie zerstört. Dabei müssen die Serben sehen, wie ihre alten Gegner, die Bulgaren, ihr Land nebst dem von ihnen okkupierten, ehemals türkischen Ostrumelien in ein unabhängiges Königreich verwandeln. Die Erbitterung in Belgrad richtet sich gegen Oesterreich-Ungarn, das Bosnien annektiert hat und die Anerkennung des bulgarischen Königsreichs betreibt. Ein Krieg des kleinen Serbien gegen eine Großmacht wie Oesterreich-Ungarn wäre eine Tollheit; denn von Rußland hat es zurzeit nur Wohlwollen, aber keine militärische Hülfe zu erwarten. Trotzdem ist es noch ungewiß, ob die Mahnungen der Vertreter der Großmächte zur Ruhe fruchten, oder ob die Wut des Volkes die schwache Regierung zum Kriege treibt.
Die zweite Friedensgefahr liegt in Bulgarien. Die Aktion hat dort mit einem Gewaltstreich gegen den Berliner Vertrag in Gestalt der Wegnahme der durch Bulgarien laufenden Strecke der Orientbahn begonnen. Es folgte die Erhebung des Fürsten Ferdinand zum Zar aller Bulgaren. Die Bul
garen sind Slaven, und als solche unterliegen sie leichter als manche anderen Völkerschaften der Versuchung, durch Erfolge übermütig zu werden. Sie könnten deshalb sortfahren, die Türken zu provozieren, wobei noch in Betracht kommt, daß sie für den Kriegsfall vor den Türken die schnellere Mobilisierung ihres gut ausgebildeten Heeres voraus haben. Wir glauben aber, daß General Freiherr v. d. Goltz Recht hat, wenn er in einem soeben erschienenen Mahnwort zum Guten aussührt, daß das alte Regime am goldenen Horn wohl rasch Frieden geschlossen hätte, wenn die Bulgaren aus Adrianopel oder gar in die Nähe von Stambul vorgerückt wären, daß dagegen jetzt nach dem inneren Umschwung in der Türkei das ganze osmanische Volk im gleichen Fall mit seiner größeren Kraft den Friedensstörer zurücktreiben würde.
Der dritte dunkle Punkt liegt in Konstantinopel. Wird es dort etwa unter argem Blutvergießen zu einer Umwälzung kommen? Das neue Regime ist noch nicht gefestigt genug. Ist die Einbuße an Ansehen, welche die Türkei durch daS Vorgehen Oesterreich-Ungarns und Bulgariens erlitten hat, auch nur mehr den Formen als dem Wesen nach vorhanden, d. h. hat sie auch keinen tatsächlichen Besitz verloren, so sind doch alle reaktionären Elemente in Ausregung geraten. Frhr. v. d. Goltz, der alte Freund und genaue Kenner der Türkei, läßt sich dazu wie folgt auS: Jeder ruhige Beurteiler in der weiten Welt wird leicht begreifen, daß die Türkei jetzt Wichtigeres zu tun hat, als um formeller Hoheitsrechte willen blutige Kriege zu führen. Niemand wird das Entgegenkommen mehr für einen Ausdruck von Schwäche und mangelnder Energie, sondern nur für ruhige Besonnenheit halten. Das wird um so mehr der Fall fein, je rüstiger das neue Osmanen- rcich an seiner kriegerischen Erstarkung fortarbeiter, unbekümmert um die jüngste trübe Vergangenheit.
* * *
Konstantinopel, 10. Oktober. Die Blätter veröffentlichen die Erklärung, welche der deutsche Botschafter Freiherr von Marschall dem Großwesir machte: In bin namens Seiner Majestät beauftragt, mit größtem Nachdruck gegen die Supposition zu protestieren, daß die letzten Vorfälle aus dem Balkan auf einer Entente Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn oder einer Macht basieren. Dieselben erfolgten, ohne die Ansicht Deutschlands einzuholen. — Jkdam sagt, die von Seiner Majestät dem Kaiser ausgehende Erklärung bedeutet eine Beachtung der bestehenden Verträge und einen Akt der Gerechtigkeit gegenüber dem türkischen Reiche. Sie wird zweifellos mit Gefühlen warmen Danks seitens des türkischen Volks ausgenommen werden. — Sabah bemerkt, die Erklärung ist der Beweis der Freundschaft, den man von einer so friedensliebenden und hoch zivilisierten Regierung, wie der deutschen, erwatten konnte. Für uns ist sie ein ganz besonders wertvoller Beweis der Freundschaft, für den wir herzlich danken. — Jeni Gazetta sagt, nachdem sie von der bisherigen falschen Auffassung gesprochen hat, die von dem deutschen Botschafter dem Großwesir gegebene mündliche Erklärung habe diese Auffassung berichtigt und bewiesen, daß Deutschland seine Zustimmung nicht gegeben habe zu einem Vorgehen, das die Rechte der Türkei und die Verträge verletzt habe. Die Erklärung, welche mit Rücksicht aus die zwischen Deutschland und der Türkei bestehenden Beziehungen erwartet werden mußte, zeigt, daß die deutsche Regierung an den jüngsten Vorgängen unbeteiligt war. — Servet sagt, es sei ein Akt, der die schönen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei zu kräftigen geeignet sei.
Aus Ju- und Ausland.
Aus Königsberg i. P r., 10. Oktober, wird gemeldet: S e. Majestät der Kaiser ist heute mittag kurz nach I2V2 Uhr mit dem Hofzuge auf dem hiesigen Hauptbahnhof eingetroffen. Zum Empfange auf dem Bahnsteig waren erschienen Oberpräsident v. Windheim, Eisenbahndirektionspräsident Krüger und der Polizeipräsident v. Wehrs. Der Kaiser begab sich zunächst in das Fürstenzimmer, wo er den zum Kanzler im Königreich Preußen ernannten Oberlandsgerichtspräsidemen Exzellenz v. Plehwe begrüßte. Der Kaiser nahm aus den Händen der Vertreter Königsbergs die neueUlbrichsche Radierung des Königlichen Schlosses entgegen, während die Memeler Herren in einer kostbaren Mappe Ansichten von dem im Vorjahre enthüllten Nationaldenkmal überreichten. Der Kaiser verweilte einige Zeit im Gespräch mit den Genannten und fuhr dann, überall lebhaft begrüßt, durch die in Flaggcnschmuck prangenden Straßen nach der Kaserne seines dritten Grenadier- Regiments. Auf der Fahrt zur Kaserne nahm der Kaiser, dem Oberbürgermeister Koerte und Stadtverordnetenvorsteher Krohne im Wagen folgten, den Weg an der Südseite des Schlosses entlang, wo er die nunmehr sertiggestellten terrassenförmigen Anlagen in Augenschein nahm. Vor der prächtig geschmückten Kaserne des dritten Regiments hatten die Stammmannschaften mit ihren direkten Vorgesetzten und der Verein ehemaliger Kameraden Ausstellung genommen. Nach Begrüßung der Mannschaften und Abschreiten der Front begab sich der Kaiser nach dem Offizierskasino, wo ein Frühstück stattfand, an dem