Pforte ist ruhig. Man versichert, alles gehe gut; die bulgarischen Zwischenfälle würden in einigen Tagen mit Erfolg von der Türkei geregelt werden. Auch die Nachrichten über eine angebliche Mobilmachung in Bulgarien, über welche die Pforte in Sofia Erkundigungen eingezogen hat, scheinen die Pforte nicht zu beunruhigen. Aber größere Geschütz- und Munitionsttausporte haben nach Saloniki und Adrianopel begonnen.
" Ein Telegramm des Korrespondenten der Kölnischen Zeitung inDaressalam meldet u. a.: Auf der Bahnstrecke Moro- goro—Kilossa sind 6000 Arbeiter beschäftigt. Die Gleisspitze ist 15 Kilom. über Morogoro vorgeschoben. Die Ingenieure der Frankfurter Firma Holzmann werden jetzt die Fortsetzung bis Tabora traffieren. Kilosia soll Ende Februar, Tabora in vier bis fünf Jahren erreicht werden. Am Njaffa sind Kupferlager entdeckt worden.
Der s r a n z ö s i s ch-ch i n e s i s ch e Z w i s ch e n f a l l, der infolge des Einfalles chinesischer Revolutionäre von Pünnan nach Französisch-Jndochina entstanden war, ist, wie aus Peking berichtet wird, beigelegt worden. China zahlt 100 000 Dollar und den an der Düunanbahn angerichteten Schaden. Es erneuert die Minenrechte und gestattet den Ausbau der Eisenbahn bis Sianfu, aber lehnt es ab, den Vizekönig seines Amtes zu entsetzen.
In Eydtkuhnen traf ein Transport von 23 Leichen japanischer "Offiziere ein, die seinerzeit in der Kriegsgefangenschaft gestorben waren. Der Transport der exhumierten Leichen geht von hier nach Hamburg, wo sie eingeäschert werden sollen; die Asche wird später den Angehörigen der Verstorbenen nach Japan übersandt werden. Ein japanischer Major begleitet den Transpott.
Vom 25. September bis zum 1. Oktober kamen im ganzen Russischen Reich 3251 Ch o leraerkr ankungen und 1571 durch Cholera verursachte Todesfälle vor. In der Vorwoche waren 4922 Erkrankungen und 2281 Todesfälle zu verzeichnen. Seit Ausbruch der Epidemie sind 8947 Todesfälle bei 19 612 Erkrankungen' festgestellt worden. — Die Gouvernements Esthland und Witebsk und Stadt Warschau sind sür cholerabedroht erklärt worden. — In Petersburg wurden in den letzten 24 Stunden, bis gestern mittag, 136 neue Erkrankungen und 62‘ Todessälle an Cholera verzeichnet. Die Zahl der Kranken betrögt 1739.
Die Streikenden der englischen Smyrna— A'rdin-Eisenbahn setzten das Direktorium ab und bemächtigten sich des gesamten Bahnbetriebes. Truppen schritten gegen die Stteikenden ein und verjagten sie. Der gesamte Bahnbetrieb ist bis zur Wiederherstellung normaler Verhätt- niffe von Truppen übernommen worden. Einer Reutermeldung aus Smnrna zufolge haben die streikenden Angestellten die Truppen, die den Zugang zur Endstation bewachten, ange- griffen und einen Soldaten verwundtt. Das Militär feuerte, tötete einen Stteikenden italienischer Nationalität und verwundete einen andern.
Aus Provinz u. Nackbargebiet
* Die diesjährige Hühnerjagd fällt nach den aus den einzelnen Teilen Preußens kommenden Nachrichten mit verhältnismäßig wenigen Ausnahmen schlecht aus. Auch in unserer Heimatprovinz Heffen-Naffau sind die Ergebniffe der Hühnerjagd nur gering; es wird kaum ein Drittel der sonstigen B eute heimgebracht. Junge Rebhühner trifft man nur selten an.
* Bom 1. Oktober an können. beiden gegen die Druck- sachentoxe zu befördernden offenen starten aus dem linken Teile der Vorderseite gedruckte oder durch ein sonstiges mechanisches VcrvielsältigungSversahren hergestellte Angaben jeder Art angebracht werden, in der Weise, wie dies jetzt schon für alle Atten von Postkarten zulässig ist. — Zu den ordentlichen Posten werden jetzt auch die Landpostfahrten gerechnet. Es hat dies die rechtliche Wirkung, daß die Postverwaltung für etwaige Schäden, die den Fahrgästen zustoßen, haftet.
* Die militärische T ie n st z e i 1 gilt als anrechnungS- fähige Zeit zur Invalidenversicherung, doch muß unter Vorlegung des Militärpaffes bei der zuständigen Kaffenstelle die Dienstzeit eingetragen werden. Die jetzt entlassenen Reservisten seien hieran erinnert.
p Hersfeld, 5. Oktober. (Herbstliches Laub.) Der Herbst ist ein gar trefflicher Maler, der eS wunderbar versteht, daS einfarbige grüne Sommerkleid des Waldes in ein buntschillerndes, farbenprächtiges Herbstgewand zu verwandeln. Ucberall, wohin sich das Auge wendet, erglänzt der Wald in allen Farbentönen, vom tiefsten gesättigten Rot bis zum leuchtendsten Gelb. Nur schade, daß seine Kunst eine so vergängliche ist; denn das feine Geknister der todesmatt zu Boden ge
glaubt, daß ein ganzes seltenes, goldenes Glück aus mich herab« fallen könnte. Aber bin ich Ihnen wirklich etwas, haben Sie um mich gebangt, so lassen Sie mich Ihnen bleiben und werden, was ich nur vermag!•
Da Erika stumm blieb, aber ihr Auge so wundersam aus- leuchtete, wie er der hoffnungSttunkene Mann schon einmal geschaut hatte, streckte er ihr — unbekümmert um die staunende, froh lächelnde Römerin — statt der Hände die Arme entgegen und sie entwand sich ihm diesmal nicht. Sie fragte zwar: „Sieben Sie mich denn wirklich? Lieben Sie mich mehr wie Klara
Aber der selige Schimmer über ihrem Gesicht vierriet, daß sie keine Antwort ermatte und sich gern von seinem Kuß die Lippen schließen ließ. Noch einmal bot sie chm selbst den Mund, nahm dann, wie erwachend seinen Arm und sagte: „Komm! komm! ich glaubte nicht so früh, nicht so glücllich nach Rom zurückzukchren!" Sie ward im gleichen Augenblick ihres kleinen FührerS ansichtig, bei aus dem Torbogen der Abbadia della Tre Fontäne mit ziemlich betrübtem Gesicht berauSttot und nicht wenig verwundert schien, alS er seine Signora nicht mchr allein auf der Straße fand. Er wollte klagend beuchten, daß er drinnen nur dürftigen, unzureichenden Bescheid über die Bigne BreSchini erhalten habe. Doch Erika schnitt ihm die Worte ab, indem sie ihn belohnte und kurz sagte, daß die Padrona der Bigne Hierbergckommm sei. Sie ging weiter, schmiegte sich dabei schüchtern vertraulich an die Schütter deS ManneS und fragte: „Geht die Cerca mit uns —- begleitet sie unS nach Rom? Ich habe einen Wagen vor San Paolo!"
„Sie wollte nur bis zm Kirche mitgchen," erwiderte der Gelehrte. „Allein ich bestehe darauf, daß sie uns nach der Via Ean Basilio folge, sie hat, wie ich jetzt fühle, mchr für mich getan, als ich ihr bansen kann. Ich bin ihr schuldig, daß ich versuche, sie in etwas von dem wilden Frarck, unserm LandSmann, zu befreien — und ihm in einen andern Sattel zu helfen. Doch jetzt, Erika, Herzallerliebste — jetzt von Dir! Du hast, fürchte ich, auch mehr getan, als Du solltest, ob« schon ich lieber Leben und Glück, als den Bttck missen wollte, den ich eben in Deine Seele getan habe. Bangt Dir nicht
fallenen Blätter, die unter unsern Schritten noch einmal wie Abschied nehmend ausseufzen, belehrt uns darüber, daß die buntfarbigen Erzeugnisse seiner Palette nur auf einen vorübergehenden Ruhm Anspruch haben. Die Herbstfärbung der Blätter beruht auf einem chemischen Prozesse, der darin besteht, daß sich im Herbstlaub weniger Stärke, dafür aber desto mehr Zucker bildet, und daß der Einfluß der Sonne nach und nach in dem zuckerhaltigen Blatte eine chemische Verbindung hervorrust, welche die rote Färbung bewirkt. Die niedrige Temperatur, die im Oktober nachts zu herrschen pflegt, verhindert die sonst unausbleibliche Umwandlung des Zuckers in Stärke, und so steht dem ungehinderten Färbereibettiebe im Haushalte der Natur nichts im Wege. Das Fallen der Blätter beruht auf einem ganz merkwürdigen Vorgänge. Die die Wasserströme aus dem Erdboden leitenden Gefäßbündel setzen sich durch den Stamm des Baumes in die Neste und Zweige bis in die Blätter fort und bilden hier ein engmaschiges, wunderbar symmetrisches Adernetz, das man die Nervatur des Blattes nennt. Diese Gefäßbündel bestehen aus derben und zähen, daher widerstandsfähigen Geweben, die ohne mechanische Einwirkung nicht ohne weiteres reißen. Die Blätter würden also überhaupt nicht abfallen können, wenn die Natur es nicht so eingerichtet hätte, daß sich an der Stelle, wo der Blattstiel aus dem Zweige hervorgeht, ein wulst- artiges Gewebe bildet, das den Zweck hat, die zähen Gefäßbündel auszulockern und auseinanderzutreiben. Diese Neubildung ist die sogenannte Trennungsschicht. Hat diese sich vollkommen ausgebildet, so bedarf es nur eines geringfügigen äußeren Anstoßes, wie eines Windhauches oder eines Regentropfens, um das auf diese Weise außer Verbindung mit dem Zweige gesetzte Blatt zu Fall zu bringen. Das Fallen der Blätter aber mahnt daran, daß bald die bunte Pracht der Wälder entschwunden fein wird, und das große Sterben in der Natur seinen Anfang nimmt. Das farbenprächtige Herbstkleid des Waldes ist sein Sterbekleid, in Schönheit will er sterben:
Fühlt der Wald zum Sterben sich bereit, Holt er aus der Truh' sein Hochzeitskleid, Prangt in Gold, erglänzt in Scharlachrot, So geschmückt erwartet er den Tod.
Und die Sonne lächelt seiner Pracht, Gleich als wär' zum Lenz er neu erwacht.
Doch sein Lenz ist fern, nach kurzem Glanz Tanzt mit ihm der Sturm den Totentanz.
):( Hersfeld, 5. Oktober. Zur Besichtigung der hiesigen Kriegsschule traf heute vormittag der Inspekteur des Militär- Erziehungs- und Bildungswesens, General von Wallen» b e r g, mit seinem Adjutanten Hauptmann von Oppen hier ein. Die Herren nahmen im Hotel Hohenzollern Wohnung.
§ «chenksolz, 3. Oktober. Vom Hose eines hiesigen Landwittes wurde ein Fahrrad gestohlen, welches einem Maschinenheizer aus Wehrshausen gehörte. Die angestellten Ermittelungen nach dem Täter waren bis jetzt erfolglos.
Caffel, 4. Oktober. Freitag nachmittag gegen 3 Uhr ereignete sich bei Bad Saffendorf gegenüber dem israelitischen Kinderheim ein entsetzlicher Eisenbahnunfall durch den Zusammenstoß des von Paderborn kommenden Eilgüterzuges Nr. 6040 und des von Hagen-Soest kommenden Güterzuges Nr. 6349. Das Unglück entstand durch das Uebersahren des Haltesignals durch den von Paderborn kommenden Eilgüterzug. Der Anprall des Zusammenstoßes war so heftig, daß die Maschinen in voller ^abrF aufeinander fuhren und sich gegenseitig die Führerstände eindrückren. Von beiden Zügen kamen eine ganze Anzahl Wagen aus den Geleisen und zwei stürzten den Abhang hinunter, wo sie sofort Feuer fingen. Der von Paderborn kommende Eilzug hatte einen Transport ausrangierter Militärpferde, die von einem Hagener Händler ausgekauft waren. Aus der Maschine des das Haltesignal überfahrenden Eilgüterzuges befand sich auch der Regierungsrat Karitzki von der Eisenbahninspcftion Paderborn, der während der Fahrt das Führerexamen über den Eilgüterzug, abnahm. Er erlitt bei dem Zusammenstoß eine Kopfverletzung, war aber ttotzdem noch in der Lage, die Rettungs- und Aus- räumungsarbeiten zu leiten. In dem ersten Wagen befanden sich die Pferde, von denen 7 getötet wurden resp, getötet werden mußten. Ebenso wurden fünf junge Schweine in einem weiteren Wagen getötet. Die Unfallstelle gleicht einem wüsten Trümmerhaufen.
Rinteln, 30. September. In Silixen wurde der Viehhändler Katz von einem Pferde so heftig gegen den Kopf geschlagen, daß er besinnungslos zu Boden fiel und bald daraus starb. Katz war verheiratet und Vater von vier Kindern.
vor der ersten Stunde mit Deiner Tante, die mir so unsreund- lich gesinnt ist?"
„Nicht zu sehr — beinahe gar nicht, Friedrich!" entgeg- nete sie leise und glückvolle Schamröte überhauchte ihr Gesicht, als sie seinen Vornamen zum ersten Male brauchte. „Die Tante grollt Dir, doch der, auf den alles ankowmt, mein Vater daheim, tut baS nicht!" — Sie sah, daß er sie bei diesen Wotten gespannt, fast erschrocken anschaute und senkte den Blick und zögerte einige Minuten mit einem Geständnis, daS schon anmutig um ihre Lippen spielte. Zuletzt sagte sie, noch leiser als vorher: „Klara Addenhoven wollte immer behaupten, daß es so kommen würde, daß ich Deine Liebe sei, ttotz Deiner Werbung um sie! Ich glaubte ihr nicht und hätte ihr doch so gern geglaubt! Und einmal schrieb ich, nachdem ich mit ihr gesprochen, im Scherz meinem Vater daß er mich rascher heimrufen solle, damit ich nicht als Deine Braut zurückkehtte. Da antwortete mir Papa in allem Ernst, er könne sich nur freuen, wenn sein törichtes Mädchen die Braut eineS so vorzüglichen Mannes wie Doktor Gerland werde. Und ich trug von meinem Uebermut nichts als bittere Schmerzen davon, benn gerade in jenen Wochen glaubte ich ernstlich, daß Dein Herz Klara Addenhoven gehöre."
Sie schritten durch die Abendluft, die fast kübl zu werden begann, ihrem nächsten Ziele wieder zu und sprachen jetzt rück- wättS zu FranceSca HotterS, die ihnen mit freudig erstaunten Augen folgte. Friedrich Gerland ermähnte die Cecca noch einmal, sich mit nach der Stadt zu begehen, um vor dem ersten Ausbrausen deS Zorns ihreS Satten sicher zu sein, dem er schon morgen zu schreiben und unter Borhatt seines glücklich vereitelten Frevels, aus seiner jüngsten Genoffenschaft Hin- wegzuhelsen versprach. — Erika sah inzwischen glückselig nach dem abendlichen Himmel hinaus.
Schwere viollette und schwärzlich goldgerändete Sollen fluteten über den glühmdm Himmel dahin, doch immer wieber schössen breite Licht- und Purpurstreifen auS dem Dunkel hervor und verklärten die Spitzen des Campanila von San Paolo, den die Wanderer jetzt deutlich vor sich erblickten. Erika strebte zu erkennen, ob der Wagen, wie sie angeordnet, ihrer noch warte. Er hiett in der Tat an der Stelle, wo sie
Northeim, 1. Oktober. Heute Nacht stattete eine internationale Diebesbande unserer Stadt einen Besuch ab. Zuerst versuchten sie die Forstkasse, in der 40 000 Mk. lagen, zu berauben; sie hatten auch schon Haus- und Kaffenzimmertür erbrochen, als einer stolperte und durch den Lärm der Rentmeister aufgeweckt wurde. Als die Langfinger das merkten, entflohen sie. Am entgegengesetzten Ende der Stadt erbrachen sie das Kontor des Maurermeisters Warnecke, durchschnitten die Stahlplatten des Geldschrankes, legten die Schlösser frei und raubten 800 Mark, Nickel und Kupfer ließen sie verächtlich liegen. Es ist anscheinend dieselbe Bande, die ähnliche Diebstähle in Peine, Burgdors, Hannover rc verübt hat.
Vom Eichsfelde, 4. Oktober. Aus Bick enried e wird ein massenhaftes F i s ch st e r b e n, besonders unter den Forellen in dem Luhnefluß berichtet. Dies Vorkommnis ist daraus zurückzusühren, daß die Schasbesitzer Lysollösungen, in denen die räudekranken Schafe gebadet wurden, in die Luhne gössen. — In Seulingen (Kreis Duder- stadt) wollte ein Einwohner das Papiergeld, das seine auswärts arbeitende Tochter als ihren sauer verdienten Lohn nach Hause gesandt hatte, recht sicher ausbewahren und steckte es in den Ofen. Die Frau, die keine Ahnung hatte, daß der Ofen als Sparbüchse diente, machte Feuer daran und das mühsamErsparte flog durch denSchornstein.
Zeulenroda, 2. Oktober. Der Oberpostassistent Rempt ist nach größeren Unterschlagungen flüchtig. Bis jetzt sind 5000 Mk. als unterschlagen festgestellt. Niederkaufungen, 2. Oktober. Der hiesige Landwirt H. Wagner stürzte gestern abend von der Scheune und brach das Genick, sodaß sofort der Tod eintrat.
Oberkaufungen, 1. Oktober. Der Arbeiter Siebert, der in dem hiesigen Dampfsägewerk dadurch schwere Verletzungen erlitt, daß ihm an der Kreissäge ein Stück Holz vor den Unterleib flog, ist nach einer Operation im Landkrankenhaus gestorben.
Lengers, 2. Oktober. Das vierjährige Mädchen des Bergarbeiters Führer, welcher kürzlich im Bergwerk Hatlors verunglückte und das Augenlicht einbüßte, wurde vor einigen Tagen von einem Wagen übersahren. Dem Kinde wurden neben anderen schweren Verletzungen ein Ohr abgefahren.
Rommerode, 2. Okt. Heute nachmittag gegen halb 2 Uhr stürzte ein 19jähriger Gehilfe des Dachdeckermeisters Hartmann-Niederzwehren bei Reparaturarbeiten am hiesigen Kirchturm etwa 17 Meter hoch herab. Gemildert wurde der verhängnisvolle Sturz etwas dadurch, daß der junge Mensch vorerst auf ein kleines Schutzdach ausschlug, ehe er vollends in die Tiefe stürzte. Er fiel aus den Leib und war nur verhältnismäßig kurze Zeit besinnungslos.
Lollar, 1. Oktober. In Wißmar fiel ein Landwirt vom Apfelbaum und war sofort tot.
Marburg, 2. Oktober. Der Knecht Schultheiß aus Ransbach (Kr. Ziegenhain), der, wie wir meldeten, an der Dreschmaschine verunglückt und in die hiesige Klinik eingeliefert worden ist, ist jetzt seinen Verletzungen erlegen.
Altmorschen, 2. Oktober. Einen tragischen Tod sand gestern der hier wohnhafte, hochbetagte Lehrer a. D. Kurzrock. Der alte Herr hatte sich in Melsungen seine Pension geholt und überschritt von dort kommend, hier den Bahnübergang, ttotzdem dieser geschloffen war. Infolge seiner großen Schwerhörigkeit bemerkte er das Herannahen eines Zuges nicht und wurde von diesem ersaßt und total zermalmt.
Göttingen, 1. Oktober. Wegen fahrlässiger Tötuijf- seines dreijährigen Kindes verurteilte die Strafkammer den Landwitt Daniel Schumann aus Hattorf zu einem Monat Gesängnis. Er hatte die Jauchegrube unverdeckt gelassen, das Kind war hineingestürzt und ertrunken.
Hannover, 2. Oktober. Ein frecher Kirchenraub ist in der Nacht zum Mittwoch in der Gartenkirche verübt worden. Die Einbrecher erbrachen den zur Aufbewahrung der Altargeräte dienenden Raum und stahlen vier wertvolle Altarkelche, zwei Altarkannen, eine goldene Hostiendose, zwei Patenen und mehrere Wäschestücke. Zwei kostbare Altarleuchter, ein Geschenk der verstorbenen Königin von Hannover, hatten sie gleichfalls vom Altar heruntergenommen, doch hatten sie diese Wertstücke im Stiche gelassen, anscheinend, weil sie gestört worden sind. Zwei der geraubten Kelche und Kannen sand man am nächsten Morgen in beschädigtem Zustande auf dem Friedhose wieder.
Darmstadt, 2. Oktober. Das Schwurgericht verurteilte den Stadttechner Grebe aus Offenbach wegen Unterschlagung und Bücherfälschung in Höhe von 79 780 Mark zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis.
Hildburghausen, 3. Oftober. Hier hat sich gestern
ihn vor länger als einer Stunde verlassen hatte. Der Kutscher, der etwas geschlummert zu haben schien, war soeben durch das Heranrollen eines zweiten von Rom kommenden Wagens und durch den Anruf der in diesen Sitzenden erweckt worden. Gleichzeittg erfannte Erika die Stimme Klara Addenhovens und deS Generals v. Erpel und nahmen diese beiden die drei auf der Landstraße Daherkommende wahr. Der alte General brach in ein fröhliches Lachen aus und rief, noch ohne den Zusammenhang zu verstehen: „Da haben wir ja unsere schöne Waghalsige, die das ganze Haus der frommen Schwestern vom Kreuz in Schrecken versetzt hat — und wie mir scheint, nicht mehr allein!"
Klara Addenhoven aber riß dm Schlag aus, sprang aus dem Wagen und schloß in heftiger Bewegung das junge Mäd- chm in ihre Arme. Friedrich Gerland, der augenblicllith begriff, daß man nur Erika und nicht ihn zu suchen kam, wollte zuerst zurücktteten und dann sprechen, erläutern, Klara Adden- Hosen verhinderte daS eine wie das andere, indem sie seine Hand mit der ErikaS zugleich ergriff und sagte: „Wie es gekommen — erzählt nachher im Wagen. Aber eS hat sich, wie ich sehe, genau so gefügt, wie ich im Gebet für Euch beide erfleht habe. Da Ihr beide noch an ein Leben und Wirken in der Welt glaubt, danke ich Gott für Euch und darf fortan ohne jeden Zweifel, ohne Reue meinen eigenen Weg geben. Euch beidm wünsche ich soviel reineS Glück, als die Seit zu bieten hat!"
„Es ist jedmsalls mehr, als ich geträumt habe und je verdienen werde," entgegnete Friedrich Gerland ernst und doch mit glückseligen Blick aus die verstummte Erika. „Komm — komm, Enka, waS drinnen in Rom noch zu orbnen und zu schlichten ist, wird unS keine Stunde unseres reinen GlückeS rauben!"
— B ayreuth, 3. Oftober. Ein schwerer UnglückSfall ereignete sich heute nachmittag bei einer Feuenvehrvbung teS hiesigen 7. Infanterieregiments. Bon der vollständig auS- gezogenen Leiter brach bet obere Teil ab. Ein Unteroffizier blieb tot, zwei Mann wurden schwer und ein Mann leicht verletzt.