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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 117. Dienstag, den 6. Oktober 191)8.

nichtamtlicher Ceil.

Wand und das denische Flatttndan- pragramm.

Bekanntlich hatte lange Zeit hindurch der deutsche Flotten- bauplan die Engländer so nervös gemacht, daß sie ihre Vor­machtstellung zur See durch Deutschland bedroht glaubten, und daß sich dadurch die Beziehungen zwischen England und Deutschland ungemein verschlechterten und auch durch eine ganze Anzahl unfreundlicher Handlungen seitens der englischen Regierung zum Ausdrucke kamen. Nun scheint aber endlich doch in den maßgebenden Kreisen Englands bezüglich der Beurteilung des deutschen Flottenbauprogrammes eine voll­ständige Umwandlung eingetreten zu sein. Die Einleitung für diesen Umschwung ist offenbar schon durch die letzten Zu­sammenkünfte zwischen dem Könige von England und dem deutschen Kaiser herbeigeführt worden. Es darf auch erwähnt werden, daß alle englischen Minister bei verschiedenen Anläßen sich bereits dahin ausgesprochen haben, daß zwischen Deutsch­land und England keine Ursache für ein ernstes Zerwürfnis vorhanden wäre» und daß Englands Großmachtstellung zur See durch Deutschland nicht bedroht würde. In einem offen­baren Einverständnisse mit dem Ministerium hat nun aber auch am 2. Oktober der erste Kommissar im englischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten Mr. Harcourt in der Stadt Crawshawbooth vor einer Wählerversammlung über das deutsche Flottenbauprogramm und die englische Seemacht­stellung gesprochen, und dabei festgestellt, daß der deutsche Flottenbauplan nicht im geringsten einen Anlaß für politische Differenzen zwischen England und Deutschland ergebe. Harcourt führte in seiner Rede aus, daß sich der deutsche Flottenbauplan auf mehrere Jahre verteile und daß er voll­kommen klar und ehrlich gehalten sei. Nur eine krankhafte Einbildung könne in diesem deutschen Flottenprogramm eine Bedrohung des Weltfriedens erblicken. Außer England müßten auch die anderen Länder und zumal auch Deutschland auf die Verteidigung ihrer Interessen zur See bedacht sein, und jedes Land habe das volle Recht, in dieser Hinsicht alle er­forderliche Schritte zu tun. Solche Flottenbauten berührten Englands Interessen erst dann, wenn sie Englands Vorherr­schaft zur See zu gefährden drohten. Erst wenn dieser Fall wirklich eintrete, müsse England Vorkehrungen treffen, welche zur Aufrechterhaltung seiner Ueberlegenheit zur See nötig wären. England müsse diese Ueberlegenheit auch in Zukunft aufrecht erhalten, um zu vermeiden, daß die anderen Nationen in eine gewisse Versuchung kämen. (Mit dieser Versuchuug und der betreffenden Anspielung meint Mr. Harcourt offen­bar den Fall, daß eine Großmacht mit übermächtiger Flotte über England herfallen und ihm seine Seeherrschaft und Welt­handelsstellung entreißen könnte, ein Fall, an dessen Verwirk­

Welche von beiden ?

Novelle von Adolf Stern. (Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Von dem Wege aus, den das junge Mädchen jetzt ver­folgte und auf dem sie, ohne daran zu denken, in Gerlands Spuren ging, konnte sie weit in die Campagna hinausblicken, über deren dunkleren Flächen sich ein herrlicher purpurn ge­färbter Abendhimmel wölbte. Die letzte Flut des Lichtes, die aus sie und ihre Umgebung herabfloß und die lautlose Ruhe, die sie jetzt umfing, taten Erika wohl, obschon sie ein schmerzlich sehnsüchtiges Gefühl in ihrer Seele nicht völlig stillten.

Sie sah bei dem Schritt, den sie eingeschlagen hatte, die Mauern und Dächer von Tre Fontano vor Ablauf einer halben Stunde vor sich aufsteigen. Sie atmete wiederum etwas freier und sandte ihren kleinen Begleiter durch den dunklen Thor­bogen zur Abtei hinein, um dort nach dem Hause von Fran- cesca Breschini, und wenns sein könne, auch nach einem Führer Zu «ragen, der sie bis dorthin geleite. Keine Anwandlung von »urcht für sich selbst überkam sie nur einmal fuhr es ihr durch den Sinn, daß es peinlich sein würde, wenn ihr etwa am Eingang der Vigne Frank Holters selbst, statt seines Weibes begegne.

Es war weder Besorgnis noch Scheu, was sie jetzt ab= A ' dem Knaben in das schweigende Gehöft mit seinen alten Gebäuden und Kirchen zu folgen, aber sie hätte zur Zeit doch keinen Sinn für die Abtei gehabt, sie wollte sich das Gefühl erhalten, auf ihrem Wege zu sein, der sich noch immer ins Ungewisse dehnte, während die Stunde in dem abendlichen Hauch rascher zu verrinnen schien.

Ihr kleiner Führer kam noch immer nicht zurück: in träumerischer Ungeduld ging Erika abermals bis aus Ende der langen Mauer, wo sich der Blick aus ein paar nahe fonnenbeglänzte Hügel und in die farbige Wolkenserne wieder auftaty Sie mußte fort und fort daran denken, wo Fried­rich Gerland jetzt verweilen wie ihm zu Mute sein, wie

lichung in den nächsten Jahrzehnten überhaupt nicht zu denken ist, da die englische Flotte zurzeit immer noch größer und stärker ist, als die deutsche und französische Flotte zusammen­genommen.) Mr. Harcourt hat in seiner Rede dann noch ausgeführt, daß er nach bestem Wissen versichern könne, daß auch nicht ein Schatten für die Begründung des leidenschaft­lichen Lärmes vorliege, den diegelbe Presse" über diesen Gegenstand in letzter Zeit gemacht habe. Im Bewußtsein der vollen Verantwortlichkeit spreche er es aus, daß die Be­ziehungen zwischen Deutschland und England niemals auf festerem und freundschaftlicherem Fuße seit fünfzehn Jahren gestanden hätten, als heute, und dies gelte in kommerzieller, kolonialer, politischer und dynastischer Hinsicht. Von persön­licher Feindschaft zwischen den Herrschern, den Regierungen und Völkern Englands und Deutschlands sei überhaupt keine Rede, und wenn in beiden Ländern eine kleine Schicht von Zeitungsschreibern vorhanden sei, die in unpatriotischer Absicht den Wunsch hege, die Nationen zu verfeinden, so seien dies die Straßenräuber der Politik und die Feinde des Menschen­geschlechtes. Die Engländer sollten nur den Kopf kühl, die Flotte bereit und die Zunge höflich und im Zaume halten, da brauchten sie das Gekläffe dieser Pariahunde nicht zu fürchten.

Mr 3n» und Ausland.

Berlin, den 4. Oktober 1908.

Se. Majestät der Kaiser hörte gestern vormittag im Jagdhause Rominten den Vortrag des Vertreters des Chefs des Zivilkabinetts, Geh. Regier? ngsrats v. Berg.

Ueber den Stand der Vorvera»Utirj<.n in der. zuständigen Bundesratsausschüssen über die Reichs sinanzreform ist einer öffiziösen Berliner Meldung zu entnehmen, daß die einzelnen Teile dieser ebenso wichtigen wie umfangreichen Vor­lage zurzeit einer eingehenden allgemeinen Erörterung in den Ausschüssen unterliegen. Nach Abschluß dieser allgemeinen Besprechung soll gegen den 15. Oktober die erste Lesung er­folgen. Die zweite Lesung wird voraussichtlich bald nach dem 20. Oktober stattfinden, die Endberatung der Reichsfinanz­reformvorlage im Bundesratsplenum dürfte dann wohl glatt vor sich gehen. Ihre Drucklegung nach ihrer definitiven Ge­nehmigung seitens des Bundesrates soll derart beschleunigt werden, daß der Reichstag bei seinem Wiederzusammentritte am 4. November die Vorlage vielleicht doch bereits vorfinden wird, was bislang noch als einigermaßen fraglich galt.

Der Reichskanzler Fürst Bülow hat sämtlichen preußischen Ministern, sowie den Staatssekretären des Reiches eine Denkschrift zugehen lassen, in welcher die Notwendigkeit einer umfassenden Sparsamkeitspolitik in der Ver­waltung Preußens und des Reiches dargelegt wird. Der vom freikonservativen Abgeordneten v. Camp ausgearbeiteten Denk­schrift hat der Reichskanzler ein Begleitschreiben beigefügt, welche

er an seine Freunde und Hausgenossen in Rom und ob er unter diesen ihrer gedenken möge.

Sie hielt, während sie schon zum zweiten Male jenseits der Abtei stand, den Blick nach dieser und ihrem Tore zurück­gerichtet, um den Knaben und den neuen Führer, den er etwa aufgetrieben haben mochte, zur rechten Zeit.wahrzunehmen. Es war ihr, als sie vorhin über die im Schatten liegende Straße hinausgesehen hatte, als bewegten sich durch das Feld ein paar Gestalten zu der Stelle heran, auf der sie stand; sie hatte selbst daran gedacht, die ersten begegnenden Campagnolen nach der Vigne oder der Casa Breschini zu fragen.

Doch als sie jetzt, des Wartens aus den Buben beinahe müde, sich wieder einmal umwandte, fuhr sie hastig mit der Hand über die Augen, wie jemand, der sich vor einem grellen Strahl schützen will.

Dann durchlief ein plötzliches Zittern Erikas vorgebeugte schlanke Gestalt, ein schreckhaftes Erkennen malte sich in ihren Zügen immer deutlicher unterschied sie die unerwartet auf­getauchten beiden Menschen die Cecca, nach der sie seit zwei Stunden so heiß und dringend verlangt hatte und neben ihr der Mann, den sie in irgend einem Keller der alten Campagnaruine, in einem Buschdickicht der Salera gefesselt gewähnt hatte und der hier sie wagte nicht auszudenken, was sie lebendig vor sich erblickte! an der Seite der römischen Frau mit großen Schritten näher und näher kam. Ihre erste Regung war zurückzufliehen, ehe er sie erkennen konnte, ihre nächste ein jauchzender Dank, daß er so frei und rüstig, als ob nichts geschehen sei, daherkam und dann stürmte sie in ihrem Gedanken weit und weiter hinweg, bis zur Porte Paolo und blieb unbewußt doch fest stehen, nahm auch deut­lich an einer erschrockenen Bewegung Friedrich Gerlands wahr, daß er sie nun gleichfalls erkannt habe. Ein schmerzlich brennendes Gefühl der Eifersucht, daß Francesca Holters schon getan haben müsse, was sie ihr anzusinncn gekommen war, ein Gefühl eigener Nichtigkeit umfing sie bis zur Betäubung und hinderte sie vollends, einen Fuß zurückzusetzen, bis Friedrich Gerland fast in Sprüngen heranstürmte uud seine bebende

die Rückkehr zur altpreußischen Sparsamkeit empfiehlt und die vom Freiherrn v. Gamp in der Denkschrift gemachten Vor­schläge als teilweise recht beachtenswert bezeichnet.

Gegenüber anders lautenden Meldungen stellt dieNeue Politische Korrespondenz" fest, daß der H e e r e s h a u s h a l t 1909/10, soweit Preußen in Frage kommt, an Neubildungen fordern wird: einen Kavalleriebrigadestab, ein Kavallerieregi­ment, einen Kommandeur der Pioniere und ein Pionier­bataillon. Der Stab der 39. Kavalleriebrigade und das Jäger­regiment zu Pferde Nr. 6 kommen nach Erfurt; der Kom­mandeur der Pioniere des 18. Armeekorps und das 2. nassauische Pionierbataillon Nr. 25 erhalten Mainz als Standort.

Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin haben sich heute vormittag zu mehr­tägigem Aufenthalt nach dem Dambachshaus bei Thale im Harz begeben.

In der Presse ist mehrfach die Mitteilung verbreitet worden, daß ein Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der Be­stimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe zurückgezogen werden solle. Wie aus den Erklärungen des Staatssekretärs des Innern in der Sitzung des Reichstags am 28. März d. I. hervorgeht, liegt ein endgültiger Gesetzentwurf überhaupt noch nicht vor. Es sind vielmehr Aeußerungen der verbündeten Regierungen über die Möglichkeit einer günstigeren Gestaltung der Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe eingefordert, welche noch nicht voll­ständig eingegangen sind. Erst wenn dies der Fall ist, wird der Frage, in welchem Umfange eine weitere Einschränkung der Sonntagsarbeit möglich ist, nähergetreten werden können.

In der Angelegenheit des deutsch-französischen Zwischensalles von Casablanca ist nunmehr vom General hjtoa,:v£n^ Bericht von Casablanca nach Paris abgegangen. Schon je§r läßt sich aber kaum bezweifeln, daß der Bericht versuchen wird, die Haftung der französischen Behörden in Casablanca gegenüber dem deutschen Konsulat und den desertierten deutschen Fremdenlegionären zu rechtfer­tigen, wie dies alle bisherigen Meldungen von französischer Seite über den Vorgang schon andeuten.

Aus Budapest wird gemeldet: Als etwa 600 Sozialisten auf einem als Demonstration für das allgemeine Wahlrecht veranstalteten Umzüge heute nachmittag die Andraffystraße passierten, und ein auf dem Oktogonplatz ausgestelltes Polizei­aufgebot die Menge aufforderte sich zu zerstreuen, wurden acht Revolverschüsse auf die Polizei abgeseuert. Das Pferd eines berittenen Polizeibeamten wurde getötet. Acht Personen wurden verhaftet, Feuerwaffen fand man jedoch nicht bei ihnen. Die Menge wurde zerstreut. Nunmehr herrscht Ruhe.

Russische Konsularberichte bestätigen den Be­ginn der Zurückziehung türkischer Truppen von persischem Ge­biet. Mit der Zurückziehung ist hauptsächlich auf wiederholte Schritte Rußlands und Englands begonnen worden. Der frühere Beamte im Finanzministerium Saffi Eddin Bey ist zum Wali in Skutari ernannt worden. Die Stimmung der

Stimme an ihr Ohr schlug:Fräulein v. Herbert? Fräulein Erika?!"

Im bloßen Ausruf ihrer Namen klangen bestürzte Fragen und aufjauchzende Freude so wunderbar zusammen, daß sie nicht länger stark scheinen konnte und mitten aus einem hef­tigen Tränenschauer heraus nur zu nicken vermochte. Auf den erschrockenen und bittenden Blick des Gelehrten aber wandte sie sich zu Cecca und stammelte:

Ich wollte zu Ihnen, wollte Sie um Rat fragen! Wir erhielten in der Pension den Brief mit der schweren Nachricht und niemand dachte an Sie Frau Francesca! Ich konnte ja nicht wissen, daß Doktor Gerland schon frei und mein Gang unnütz und überflüssig sei!"

Friedrich Gerland lauschte den erregten Worten des Mäd­chens wie ferner Musik, deren Zusammenhang das Ohr noch nicht erfaßt hat. Dann erglühte seine gebräunte Wange und er streckte Erika, die noch immer ihre Tränen nicht zu stillen vermochte, beide Hände entgegen und sagte:Um Gottes­willen, Fräulein Erika, von welchem Briese sprechen Sie denn? Sie sind nur um meinetwillen hier Sie wähnen mich in Gefahr? Liebes, liebes Fräulein, nehmen Sie denn teil an mir?" Erika ließ ihm ihre Hand nicht, sie wich jetzt wirk- lich einige Schritte zurück und aus den nassen blauen Augen traf den Fragn ein so vorwurfsvoller Blick, daß der stattliche Mann den Kopf wie ein Knabe senkte, der einem Kinde wider Willen weh getan hat.

Sie wollten wohl, daß wir gleichgültig bleiben sollten, wenn Ihnen binnen drei Tagen der Tod angedroht war?" klang es von Erikas Lippen.Fräulein Addenhoven fährt in Rom umher und sucht bei Ihren Freunden das Lösegeld auf- zutreiben ich hatte mein Vertrauen aus die Cecca gesetzt, weil ich meinte, sie wüßte, wer Ihre Entführer seien. Jetzt sagen Sie rasch, was Sie ohne uns alle frei gekommen sind, und dann lassen Sie uns nach San Paolo und nach Rom zurück meine Tante wird vor Angst um mich vergehen!" Aus Gerlands Zügen lag noch ein Ausdruck der Bestürzung, nur daß dieselbe immer lichter, immer freudiger ward. Er trat jetzt ganz dicht an das bebende Mädchen heran und flüsterte ihr zu:Erika ich habe bis heute, bis jetzt niemals ge-