fanbS, der Auferstehung des Volkes zu nationaler Kraft und Größe. Ebenso wie die Losreißung Straßburgs vom Deutschen Reiche durch französische List die Zeit des tiefsten Verfalles unseres Vaterlandes bezeichnet, so ist durch eine wunderbare Fügung Gottes die Wiedervereinigung der alten deutschen Stadt mit dem neu erstehenden Reiche die erste Betätigung der geinigten Volkskraft Deutschlands geworden. Straßburg war das Ehrengeschenk, welches die zum erstenmal im Namen ihres ganzen Volkes kämpfenden deutschen Krieger der gemeinsamen Mutter zu Füßen legten als Sühne für Jahrhunderte der Schmach. In Straßburg haben wir das Elsaß erobert, aber wir haben dies urdeutsche Land nicht erobert in dem Dränge jener Raublust, die es uns vor 227 Jahren genommen hatte, sondern bei unserer Verteidigung in einem uns aufgezwungenen Kriege. Wir müssen das mit teuerm deutschen Männerblute Eroberte zu unserem Schutze festhalten, damit etwaigen ferneren Ueberfällen ein festes Bollwerk entgegenstehe und Süddeutschland nicht länger mehr jedem französischen Angriffe offen daliege!
Iit Wirren in Marokko.
Die französische Regierung hat, wie aus Paris gemeldet wird, von General d'Amade einen Bericht über die Umstände bei der Jnhaftnahme der desertierten Legionäre eingesordert. Einer halbamtlichen Meldung zufolge wird, sobald die Antwort des Generals d'Amade eingetroffen ist, die Angelegenheit den juristischen Beiräten des Ministeriums des Aeußeren unterbreitet werden.
Eine Meldung der Agence Havas vom 28. besagt: Der Minister des Aeußern Pichon hat heute abend den deutschen Geschäftsträger Frhrn. von der Lancken-Wakenitz empfangen, mit dem er über den Zwischenfall in Casablanca eine Besprechung hatte. Die Unterredung verlief in sehr verbindlichen Formen; von beiden Seiten wurde das größte Entgegenkommen gezeigt. Im Laufe der Unterredung bemerkte Pichon, bevor man über die Frage verhandeln könne, müsse man die Tatsachen ganz genau kennen. Ein ausführlicher Bericht sei von General d'Amade eingefordert worden.
Tanger, 29. September. Die französische Presse spricht fortdauernd von dem Rücktransport der Truppen. Es stellt sich nunmehr heraus, daß tatsächlich 3700 Mann abgegangen sind, während 1700 wieder nach Tanger beordert wurden, so daß per Saldo ein Abgang von 2000 Mann verbleibt.
Wien, 28. September. Der „Politischen Korrespondenz" zufolge, ist die Erwiderung Oesterreich-Ungarns auf die französisch-spanische Marokko-Note dem französischen und dem spanischen Botschafter in Wien zugegangen. Sie lautet in allen wesentlichen Punkten zustimmend, betont aber die Notwendigkeit eines solidarischen Vorgehens Europas in der marokkanischen Frage.
Aus In» unS Ausland.
Berlin, den 29. September 1908.
S e. Majestät der Kaiser hörte gestern vormittag im Jagdhause Rominten den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Admirals v. Tirpitz. Das Kaiserpaar trifft am 6. Oktober in Cadinen ein zu ungefähr fünftägigem Aufenthalt. Der Kaiser hat während seines gegenwärtigen Aufenthaltes in Rominten bisher Hechs stattliche Hirsche erlegt.
Den bevorstehenden Ausstiegen des „Zeppelin I" wird möglicherweise der Kaiser beiwohnen. Wie eine Ansage im Schloß Bebenhausen, wo der König von Württemberg während der jetzt stattfindenden Manöver weilt, ergeben hat, rechnet der württembergische Hof mit einem Besuche des Kaisers etwa in der zweiten Hälfte des Oktober. Ueber den Stand der Reparatur- und Verbesserungsarbeiten am „Zeppelin I" wird folgendes gemeldet: In den Werkstätten von Manzcll herrscht fieberhaftes Treiben, das darauf schließen läßt, daß „Zeppelin I" alsbald flugfertig sein wird, doch wird von maßgebender Seite mitgeteilt, daß vor dem 15. Oktober eine größere Reise nicht unternommen werden dürfte. Gras Zeppelin ist offenbar in bester Laune, und fast immer unterwegs, bald nach Manzell, bald nach der Neuanlage und taucht unerwartet bald in dem einen, bald dem anderen seiner verschiedenen, vorläufig noch ziemlich weit auseinanderge- legenen Bureaus auf. Gestern und heute hat >rr längere Konferenzen mit Direktor Colsman und seinen Ingenieuren gehabt, die augenscheinlich beschleunigend auf die Tätigkeit in den Zeppelinschen Unternehmungen eingewirkt haben.
Am Montag, den 28. September, fand im Kultus-
andere als äußere Dinge gehabt, so müßte sie gesehen haben, daß die blauen Augen ihrer Nichte leuchteten, als sei ein Nachmittagssonnenstrahl in dieselben gefallen.
Bei der Ankunft in der gemeinsamen Pension waren alle Teilnehmer des Vormittagausfluges auseinandergegangen, um in den eigenen Gemächern etwas zu rasten und erwarteten zuversichtlich, sich erst beim Mittagseffen und nicht wenige Minuten später wiederzusehen.
Klara Addenhoven hatte indes ihr Zimmer noch nicht betreten, als ihr eine der dienenden Schwestern einen Brief über- gab, der von einem eigenen Boten gebracht und als dringend bezeichnet worden fei. Das Schreiben, das die Dame noch auf der Schwelle öffnete und mit dem sie dann zum Fenster ging, war auf starkem Papier, mit den päpstlichen Schlüsseln als Zeichen geschrieben, so daß sie es im ersten Augenblick für eine Mitteilung in ihren eigensten Angelegenheiten hielt.
Doch sowie sie über einige Zeilen hinweggelesen hatte, erblaßte sie, ihr Gesicht nahm den Ausdruck ernster Bestürzung an, sie las zu Ende und las noch einmal und eilte alsbald aus ihrem Zimmer hinweg und zu der Oberin des Hauses hinüber, indem sie zu gleicher Zeit die dienende Schwester ersuchte, die deutschen Herrschaften, die mit in San Paolo gewesen seien, ins Sprechzimmer zu bitten, da sie eine schlimme Nachricht über Doktor Gerland erhalten habe.
Ehe noch eine Viertelstunde verflossen war, vernahmen Frau v. Herbert und ihre Nichte Erika, General v. Erpel und seine Gemahlin aus dem Unheilsbriefe, daß Doktor Friedrich Gerland in der Campagna gefangen und an einem sicheren Ort in Verwahrung gebracht worden sei, an dem ihn niemand lebend finden werde. Wenn seine Freunde in Rom nicht binnen drei Tagen, vom Sonnenuntergang des heutigen an gerechnet, die Summe von zehntausend Lire in Gold als Löse- geld sür ihn in einem kleinen genau bezeichneten Gemäuer zwischen San Ciriaca und Torre di Valle hinterlegten, würde der deutsche Gelehrte das Licht des Tages nicht Wiedersehen. Er sei in den Händen freier Leute, die es sehr wohl wüßten, daß es leicht sei, für ihren Gefangenen die mäßige, ja geringfügige Summe aufzubringen, die aber nicht mit sich spielen
Ministerium unter Beteiligung von Kommissaren der beteiligten Reichsämter und preußischen Ministerien eine Beratung statt, in welcher Uebereinstimmung darüber bestand, daß die Cholera in Rußland in letzter Zeit trotz ihrer räumlichen Ausbreitung zu einem verhältnismäßigen Stillstand gekommen zu sein und auch in Petersburg den Höhepunkt überschritten zu haben scheint. Gleichwohl wurde zu größerer Sicherheit gegen eine Einschleppung der Seuche nach Deutschland beschlossen, daß an denjenigen Stellen, wo die Memel, Weichsel und Warthe aus Rußland nach Preußen Übertritt, die gesundheitliche Ueberwachung des Schiffsahrts- und Flößereiverkehrs eingeführt; daß das Zugpersonal aus den aus Rußland kommenden Bahnzügen zur Beobachtung des Gesundheitszustandes der Reisenden ungehalten; daß sür die aus Rußland in deutsche Orte zureisenden Personen die Verpflichtung eingeführt wird, sich innerhalb 24 Stunden polizeilich anzumelden Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit ist zu hoffen, daß die Choleraepidemie in Rußland in kürze ihren bedrohlichen Charakter verlieren wird.
Einer Berliner Meldung der „Köln. Ztg." zufolge schweben zur Zeit wegen des Vorkommens von Diamanten bei Lüderitzbucht Verhandlungen, die auf ein gemeinschaftlicher Zusammengehen aller Jnteresfenten unter Gründung einer großen deutschen Gesellschaft abzielen. Das Reichskolonialamt sperrte durch Verfügung vom 22. September das für die Diamantenfunde wichtige Gebiet der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika von der allgemeinen Schürffreiheit.
Die Reichspost- und Telegraphenverwaltung wird im Lause dieses Jahres voraussichtlich ein höchst ungünstiges finanzielles Ergebnis haben. Wenn die Ausgaben, die im vorigen Etatsjahr den Anschlag um fast UV2 Millionen überschritten, in einem ähnlichen Verhältnis weiter wachsen, (der Etat sieht allerdings eine Steigerung von 30V2 Millionen Mark voraus), so wird die Reichspost laut Voss. Ztg. einen Ausfall von 35 bis 40 Millionen Mark gegenüber dem Etatsanschlag erleiden, sodaß der reine Ueber- schuß von 100 Millionen Mark, mit dem der Etat rechnet, sich sehr wesentlich herabmindern wird.
Die „Deutsche Weinzeitung" meldet, die Besteuerung aller im Reich gefüllten und vom Ausland eingeführten Flaschenweine betrage unter 1 Mark Wert nur die Grundgebühr von 10 Psennig; dann setze die Zuschlagsskala von 10 Pfennig bis 3 Mark ein. Schaumweine, deren Grundgebühr 1 Mark betragen, unterliegen ebenfalls der Wertzuschlagsskala. Die Ausfuhr soll steuerfrei bleiben.
Aus Paris wird gemeldet: Wilbur Wright hat gestern nachmittag auf dem Lagerfelde von Anvours zwei neue sehr bemerkenswerte Flüge ausgeführt. Der erste Ausstieg erfolgte gegen 3 Uhr. Der Aviatiker blieb trotz ziemlich starken Windes eine Stunde sieben Minuten 274/s Sekunden in der Luft und landete, weil das zur Schmierung des Motors erforderliche Oel ausging. Die offiziell gemessene Distanz betrug 48.120 Kilometer; die Maschine legte dabei 10 Kilometer in 14 Minuten zurück, wobei man feststellte, daß sie für 1000 Meter gegen den Wind 17 Sekunden mehr benötigt als die gleiche Distanz mit dem Wind im Rücken. Um 4 Uhr unternahm Wright mit dem Aeronauten Paul Tissandier an Bord seines Apparates einen zweiten Aufstieg und flog, bisweilen eine Höhe von 35 Meter erreichend, 11 Minuten 352/5 Sekunden lang, was einen Weltrekord für einen Flug mit zwei Personen darstellt. Der dritte Flug, der 7 Minuten 15 Sekunden währte, führte Wright mit dem Grasen Lambert, dem bekannten Gleitboot- Konstrukteur aus. Tissandier wie Lambert waren von den Flügen begeistert. Den Aufstiegen wohnte der Unterseeboot- Konstrukteur Lake bei, der erklärte, daß man in dem Aero- Plan einen gefährlichen Feind der Unterseeboote erblicken müsse, die gezwungen sein würden, viel tiefer zu schwimmen, um der Entdeckung durch den über dem Meere schwebenden Flieger zu entgehen.
Die Wegnahme der in Bulgarien gelegenen Strecken der O r i e n t b a h n seitens der bulgarischen Regierung hat jetzt einen Protest des österreichisch-ungarischen Geschäftsträgers in Sofia gegen diese Maßnahme gezeitigt. Der deutsche Geschäftsträger in Sofia fchloß sich dem Protest seines österreichischen Kollegen an. Die Antwort Bulgariens steht noch aus; jedenfalls wird die bulgarische Regierung der Stimmung im Lande mehr oder weniger Rechnung tragen müssen, die sich energisch gegen die Rückgabe der bulgarischer- seits besetzten Strecken der Orientbahn ausspricht. Im übrigen heißt es, die bulgarische Regierung sei bestrebt, eine gütliche Lösung der ganzen Angelegenheit herbeizusühren. Türkischerseits trifft man indessen trotzdem Vorsichtsmaßnahmen; wie verlautet, ordnete der Kriegsminister alles erforderliche
ließen und den deutschen Herrn, falls das Lösegeld ausbleibe, nach drei Tagen, beim Versuch aber, Carabinieri oder Kriminalbeamte nach dem Vermißten auszusenden, auf der Stelle töten würden!
Während der alte General zum dritten oder vierten Male das bedrohliche Schriftstück las und die Bemerkung zum besten gab, dasselbe scheine auf altes Aktenpapier aus der päpstlichen Zeit geschrieben und vielleicht könne schon dies aus die Spur helfen, nahm Frau von Herbert plötzlich wahr, daß ihre junge Nichte bleich, mit beinahe weißen Lippen und schweren Tränen in den Augen neben ihr stehe. Klara Addenhoven drückte das einer Ohnmacht nahe Mädchen soeben in die Kissen der kleinen Chaiselongue, die in dem engen Zimmer stand und sagte dann mit bebender Stimme, sie glaube kaum, daß nach allen, was sie von diesen traurigen Fällep gehört habe, etwas anderes zu tun sei, als Sorge für die Beschaffung der geforderten Summe zu tragen; Doktor Gerland sei zum Glück vermögend genug, dieselbe sofort erstatten zu können, inzwischen aber würden seine Landsleute ihre Hilfsquellen und ihren Kredit anstrengen müssen. Das sei auch der Rat der Oberin des Hauses, die ihrerseits schon tausend Lire zur Verfügung gestellt habe.
General Erpel widersprach beinahe heftig, meinte, eS sei vor allen Dingen nötig, die deutsche Botschaft zu verständigen, und er erbot sich, sofort zum Palazzo Caffarelli zu fahren.
Frau v. Herbert aber, die mit ihrem Kommen nur dem ersten Antrieb der Neugier gefolgt war und sich aus diesem sentimental teilnehmenden Kreise weit hinweg wünschte, schalt jetzt vernehmlich ihre Nichte:
„Was soll man denken, Erika, daß Du an dem Mißgeschick des Doktor Gerland, das ihm höchstens ein Stück Geld kosten wird, so unschicklichen, unweiblichen Anteil nimmst? Es tut ja unS allen leid, daß dem Doktor das widerfahren ist, aber er steht uns doch viel zu fern, um sich so erregt zu zeigen. Er ist weder Dein Verwandter, noch Dein Verlobter, noch auch nur ein näherer Bekannter Deiner Familie. Es ist seine eigene Thorheit, die ihn ins Unglück geführt hat, — wer läuft denn in die verrufene Campagna aus gut Glück
an, um das 3. türkische Armeekorps in Saloniki binnen 24 Stunden zu mobilisieren.
Auch die Antwort Italiens aus die französisch- spanische Marokkonote ist jetzt in Paris übergeben und hiermit bekannt geworden. Die italienische Note schließt sich vollständig den Anschauungen der französischen und der spanischen Regierung betreffs der Bedingungen für die Anerkennung Mulay Hafids als Sultan seitens der Mächte an. Zuletzt erklärt sie, die italienische Regierung sei der Meinung, daß es angemessen sein würde, in einem mit den Interessen aller Mächte einschließlich Frankreichs und Spaniens zu vereinbarenden Maße dem neuen Sultan von Marokko von jetzt ab seine Ausgabe zu erleichtern im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die sich aus der inneren Lage Marokkos der unmittelbaren Erfüllung aller dieser Verpflichtungen entgegenstellen.
Aus Provinz u. Dachbargebiet
):( Hersfeld, 29. September. Die gestern nachmittag im Rathaussaale abgehaltene Sitzung der Stadtverordnetenversammlung war von 18 Stadtverordneten besucht. Ferner waren Herr Bürgermeister Strauß sowie vom Magistrat die Herren A u e l, S e e l i g und Zicken- draht erschienen. Kurz nach 4 Uhr eröffnete Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker die Sitzung und gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des verstorbenen Mitgliedes Herrn Kaufmanns Gustav Schreiber. Derselbe habe seit mehr als 20 Jahren den städtischen Körperschasten angehört. Die Anwesenden erhoben sich zum ehrenden Andenken an den Verstorbenen von ihren Sitzen. — Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Rechnung des Holzmagazins. Dieselbe schließt in Einnahme und Ausgabe mit 12 810 Mk. ab. Da sich bei der Rechnungsführung nichts zu erinneren fand, erteilten die Stadtverordneten Decharge. — Zur Regelung der Fluchtlinien in der Dippelstraße war ein Grundstücksaustausch mit Herrn Schreinermeister Weidmann nötig, welchen die Versammlung genehmigte. — Der Magistrat hatte beschlossen, ein im Hasenwinkel zum Verkauf kommendes forst- fiskalisches Grundstück in Größe von 1289 qm zu erwerben. Der Kaufpreis hierfür beträgt 2100 Mk. Die Versammlung erklärte sich mit dem Ankaus einverstanden. — Zur Regulierung des Weges im Schlippental muß die Stadt von Herrn Dachdeckermeister Ritzel ein Areal von 2 ar 70 qm erwerben, zur Taxe der Ortsschätzer von 2,20 Mk. pro qm. Die Stadtverordneten stimmten auch diesem Ankauf zu. Herr Stadtverordneter Stern beantragte, schon jetzt den gesamten Grund und Boden anzukaufen, der nötig sein würde, wenn die Straße später ausgebaut wird. Ueber diesen Punkt entspinnt sich eine längere Debatte, an der sich die Herren Schimmel- pfeng, Israel und Hirschberger beteiligen. Schließlich wurde der Antrag des Herrn Stern angenommen. — Einem kleinen Grundstücksverkauf an Herrn Bierverleger Joh. Sauer am Neumarkt erteilte die Versammlung ihre Zustimmung, desgleichen einem kleinen Grundflächenaustausch mit Herrn Ingenieur Paul Schilde am Seilerweg. — Bei dem nächsten Punkte handelte es sich um die A n st e l l u n g eines P 0 l i z e i a r z t e s. Die Anregung hierzu war von dem Kommando der Feuerwehr ausgegangen, da öfters Gesuche um Befreiung vom Feuerlöschdienst eingehen, denen ein ärztliches Attest bestiegt. Es sei wünschenswert, daß diese Leute von einem beamteten Arzte untersucht würden, der auch mit den verschiedenen Obliegenheiten eines Feuerwehrmannes bn- traut wäre. Da auch die Polizeiverwaltung öfters in die Lage kommt, ärztliche Gutachten einzuholen, so hatte der Magistrat beschlossen, Herrn Sanitätsrat Dr. Schumann gegen eine jährliche Vergütung von 350 Mk. als Polizciarzt anzustellen. Herr Stadtverordneter Sanitätsrat Dr. Israel findet gegen die Anstellung eines solchen Arztes nichts einzuwenden, wünscht jedoch, daß der Titel „Polizeiarzt" nicht angewendet würde, um evtl. Konflikte mit dem staatlichen Arzte zu vermeiden und schlägt vor, ihn städtischer Arzt zu nennen. Herr Bürgermeister Strauß hält jedoch die Funktionen eines solchen Arztes sür zu gering, um ihm den Titel eines städtischen Arztes zu geben. Ueberhaupt solle derselbe nicht den offiziellen Titel Polizeiarzt tragen, da die Stadt zu einer solchen Titelverleihung nicht das Recht habe. Im weiteren Verlaufe der Debatte regt Herr Sanitätsrat Israel noch die Anstellung eines Schularztes an, dem sich auch Herr Hirschberger anschließt. Nach längeren Auseinandersetzungen wird der Vorschlag des Magistrats angenommen, und die Anstellung des Herrn Sanitätsrates Dr Schumann als Polizeiarzt beschlossen. Ferner faßte die Versammlung noch den Beschluß, daß es bei den heutigen Gesundheitsverhältnissen wünschenswert sei, einen Schularzt
allein hinein? Wäre er hübsch mit uns zurückgekommen, so säße er so sicher als wir unter diesem Dach! Aber ich will die Beratung der Herrschaften nicht stören, die dem Herrn vielleicht näher stehen — komm aus unser Zimmer, Erika. Das sind Dinge, die einem jungen Mädchen nichts angehen."
Frau v. Herbert hemmte den Strom ihrer Worte nur, weil sie merkte, daß derselbe an ihrer Nichte völlig abprallte und daß selbst der alte General und seine Gattin mit mißbilligender Verwunderung aus sie sahen. Klara Addenhoven erklärte, daß sie zwar die Rückkehr Herrn v. Erpels von der Botschaft erwarten wolle, daß aber schließlich doch nur übrig bleiben werde, das Geld bis morgen auszutreiben und an den im Briefe bezeichneten Ort zu bringen.
Das Anrufen von Gesetz und Gewalt habe in allen ähnlichen Lagen nur den Unglücklichen das Leben gekostet, für deren Befreiung man habe handeln wollen. Der General wiederholte, daß es gegen sein Gewiffen gehe, das Briganten- tum solchergestalt groß zu ziehen und ergriff schließlich, hochrot vor Erregung, seinen Hut, um nach dem nächsten Droschken- stand zu eilen und nach dem Kapitol zu fahren.
(Fortsetzung folgt.)
— In erschreckender Weise mehrt sich die Zahl der Brandstiftungen, die seit dem Beginn der Erntezeit in den ländlichen Kreisen der Provinz Hannover stattgefunden haben. Seit Mitte August sind 187 ländliche Gehöfte bezw. Scheunen niedergebrannt. Bei weitem mehr als bei za. zwei Drittel aller Brandunfälle konnte Brandstiftung sestgestellt werden. In allen Fällen aber handelte es sich um Gebäude, die kurz zuvor mit Erntevorräten gefüllt worden waren. Der Schaden, der an Getreide und anderen Feldfrüchten, ferner auch an Vieh und Mobiliar entstanden ist, ist ganz bedeutend. In vielen Fällen war die Ernte noch nicht versichert. In einigen Ortschaften des Calenberger Landes kamen die Feuerwehren jeden Tag in Tätigkeit. In den Ortschaften zwischen dem Beuther Berge, dem Gehrdener Berge und dem Deister findet man kaum ein Dorf, das nicht eine Brandstätte ausweist, wohl aber viele Ortschaften, die deren mehrere zeigen.