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Hersseloer Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 115

Donnerstag, den 1. Oktober

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 23. September 1908.

Die Herren Bürgermeister weise ich auf die Bestimmungen des § 23 des Einkommensteuer-Gesetzes in der Fassung vom 19. Juni 1906 hin.

Im verflossenen Jahre sind von einzelnen Arbeitgebern Klagen laut geworden, daß ihnen durch sehr späte und kurz­fristige Ansuchen um Auskunfterteilung über Lohnbezüge Be­lästigungen entstanden wären, die zu vermeiden sind, wenn die Anfragen rechtzeitig erfolgen.

Auch sind in einigen Gemeinden infolge zu späten Ein- holens der Lohnnachweisungen Verzögerungen in den Vor­arbeiten für die Veranlagung entstanden.

Teilweise ist es überhaupt unterlassen worden, von sämt­lichen Arbeitern pp. Lohnnachweisungen einzuziehen. Infolge­dessen sind mehrere unrichtige, teils zu hohe, teils zu niedrige Veranlagungen erfolgt, sodaß sie einzelnen Veranlagten wie auch einzelnen Unbeteiligten Grund gaben, Einspruch zu er­heben bezw. sich zu beschweren.

Im Interesse der Arbeitgeber wie im Interesse einer recht­zeitigen und richtigen Veranlagung ersuche ich mit dem Einholen der Auskünfte über die von Ar­beitern und Angestellten in der Zeit vom 1. 1. 1.10. 08 verdientenLöhneund Gehälter rechtzeitig zu beginnen, damit dieNachw eisungen, soweit es möglich ist, bereits am 1. Oktober d. Is. in Händen der Arbeitgeber sind. Hierbei darf es nicht unterlassen werden, über die außerhalb des Kreises beschäftigten, aber in den Gemeinden des hiesigen Kreises zu veranlagenden Personen ebenfalls Lohnnachweisungen einzuziehen.

Ich ersuche auch, sich stets einer recht höflichen Schreib­weise gegenüber den Auskunftsstellen zu bedienen.

Die Formulare sind in der Funkischen Buchdruckerei vorrätig. Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.

I. V.: F e l l i n g e r, St. Nr. 2265. Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 25. September 1908.

Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß im hiesigen Kreise vielfach der Ausbruch der Rotlausseuche von den Vieh­besitzern nicht zur Anzeige gebracht bezw. verheimlicht wird.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich deshalb, mit Nachdruck darauf zu sehen, daß die Bestimmungen der Anweisung über die Bekämpfung des Rotlaufs vom 6. März 1907 Amtsblatt S. 75 streng befolgt werden.

Die Viehbesitzer sind auf die Folgen der Zuwiderhand­lungen der gedachten Bestimmungen ausdrücklich hinzuweisen I. 9815. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

Aelcke von beiden?

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Mit wachsendem Staunen vernahm Friedrich Gerland, vor welchem Abgrunde er gestanden habe überrascht und mit einer Art Ehrfurcht vor dem unscheinbaren ehrlichen Dankgefühl und dem bescheidenen Stolz des armen Weibes, vor der einfachen Größe und Sicherheit, die Cecca in diesem Pflichtenkampf gezeigt hatte, rief er jetzt:

Frau Francesca, ich danke Ihnen also meine Freiheit vielleicht mein Leben! Ich glaube Ihnen jedes Wort und kann Ihnen leicht versprechen, daß ich niemals eine Anklage gegen Ihren Gatten erheben will, um den ichVwahrlich Besseres verdient hätte. Aber Sie haben, wie ich merke, bei alledem nur an mich, nicht an sich gedacht. Was wird aus Ihnen, wenn ich die Herren im Savelliturm um ihren vermeinten Fang betrüge nun Ihr Mann vielleicht durch Beppo oder erfährt, daß Sie zwischen ihn und mich getreten sind?

fwwen wir, ich meine mich und meine Freunde ^w^ vielleicht auch die Schwestern vom Kreuz, für Sie . ,kümmern Sie sich nicht um mich, Herr!" sagte die Frau des Malers fast hart.Frank wird mich vielleicht schlagen es ist nicht das erste Mal! Und er wird wieder ein paar Wochen in der Campagna herumschweisen, ohne darnach zu frT^ S ^ einen Bissen Brot habe. Einerlei es ist noch Mehl zur Polenta und Oel im Hause! Geben Sie mir nichts, Signor Federigo, es würde mir vorkommen, als ob ich Teil an der Schändlichkeit hätte, ja zuviel, wenn Sie um meinetwillen, und weil ich seine Frau bin, schweigen!"

Der Gelehrte fühlte beschämt, daß die unwillkürliche Be­wegung nach seinem Geldtäschchen die erregte, in ihrer Art großherzige Frau verletzt hatte.

Er war von dem römischen Grabstein ausgestanden und reckte letzt Francesca beide Hände hin, um ihr zugleich zu

Der Saatenstand Mitte September 1908.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfelv.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. s. L. I b 3646 M. d. I.)

Fruchtarten usw.

Winterweizen .

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen. Sommergerste . Haser ....

Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) Klee ....

Luzerne Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)wässerung Andere Wiesen .

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.

Dr. Blenk, Präsident.

Dkbtaiatikber teil.

Straszburg.

Zum 30. September.

Straßburg ist, wie der Name schon sagt, eine alte deutsche Stadt. Wenn Straßburg, die alte Hüterin des Rheins, auch fast 200 Jahre zu Frankreich gehört hat, so hat der Deutsche es doch niemals vergessen. Mit unzähligen Fäden ist es mit seinem Nationalbewußtsein verwachsen. In Straßburg weilten seine mächtigsten Kaiser. Karl V. hatte einst mit prophetischem Scharfblicke die Worte ausgesprochen:Wenn die Franzosen vor Straßburg ständen und die Türken vor Wien, so würde ich Wien fahren lassen und Straßburg retten!" So dachte das deutsche Volk, so sangen die deutschen Barden, so oft ihre Blicke aus Straßburg fielen, die wunderschöne Stadt und aus das verlorene Heiligtum, das herrliche Münster, das Deutsch­lands größter Baumeister geschaffen hat. Der Altan des Münsters war daS Rütli, auf welchem die Bannerträger des deutschen Liedes aus allen Gauen des Rheinlandes sich zu- sammenfanden. Hier wehte deutsche Lust, hier beschloß man,

danken und sich zu entschuldigen. Dann hob er zögernd und nachsinnend wieder an:

Aber es muß doch für Sie etwas geschehen, Frau Fran­cesca. Wäre es Ihnen denn recht, wenn der wilde Mann, der mit jedem Mittel zum Zwecke zu kommen trachtet, nun doch noch nach Afrika gelangte? Ich fände vielleicht Mittel und Verbindungen, ihm die Reise zu ermöglichen. Vielleicht wäre die Trennung auch von Glück für Sie!"

Fragen Sie nichts nach mir, Herr!" entgegnete die Cecca ruhig, fast feierlich.Fragen Sie nur, ob Frank dadurch besser oder schlechter werden kann. Ich bin sein Weib und büße die Sünde, daß ich um seinetwillen ehemals die Meinigen hintergangen habe. Und jetzt lassen Sie uns aufbrechen, die, die im Turm der Savelli auf Sie warten, müssen anfangen zu merken, daß die Zeit verstreicht und Sie nicht kommen!"

Sie wandte sich, nachdem sie noch einmal nach dem Strome hinüber und in die südwestliche sonnenüberglänzte Campagna hinausgeblickt hatte und ging Friedrich Gerland auf dem Pfade, den er vorhin gekommen war, voran. Es war jetzt Spätnachmittag, das zitternde Licht schon gedämpfter und einzelne fernere Umrisse traten deutlicher hervor. Das Weib des Malers zeigte auf einen dunklen Punkt hart am Tiberrande:

Dort ist's dort hat's sein sollen! Dort wäre er der Genosse von Gaunern und Mördern für ein Stück Geld ge­worden!" sagte sie dumpf.Und nun nach Tre Fontäne, Herr! lassen Sie mich dem Heiligen Vincenz für Sie danken!"

Sie blieb dem langsam Folgenden immer um einige Schritte voraus, ihre dunklen Augen wanderten unablässig sorgsam in die Runde und Gerland hatte das seltsame Gefühl, daß Frau Francesca es als ihre Pflicht erachte, ihn zu be­schirmen und sicher zurückzuleiten, während er sich innerlich sorgte, wie sie zu schützen und vor schlimmen Folgen ihrer Guttat zu bewahren sei.

Unwillkürlich schlug er doch den Schritt ein, zu dem sie den Takt gab und ging bald neben der schweigsamen Frau, die ihm auf seine teilnehmenden Fragen nach ihrem häuslichen Leben und ihren Umgebungen nur karge, herbgefaßte Antworten

mit den goldnen Aepseln der deutschen Literatur auch die silberne Schale der Muttersprache festzuhalten"; hier wurde die goldene Brücke gebaut, welche die Vogesen mit dem Schwarz­walde verbindet und den Uebergang von einer sturmbewegten, drangvollen Vergangenheit zu einer schöneren, lichteren Zukunft erleichtern sollte. Als Prediger in der Wüste klagten die deutschen Dichter dem treuen Eckard ihres Volkes, dem alten Dome, was sie unter dem harten Drucke der französischen Re­gierung verschweigen mußten. Gerührt und sehnsuchsvoll wendet sich Georg Theodor Klein an den Hüter der deutschen Nation:

Du aber blickst so trübe mein Münster, riesengroß,

Herab zur alten Reichsstadt bunt wimmelvollem Schoß.

Auf der Zinne des Tempels hört August Stöber die Grüße und die Klagen, welche d^e benachbarten Gebirge miteinander austauschen:

Der Wasgau schüttelt seine Eichen, Der Schwarzwald rauscht im Tannenkleid: Seid euch verwandt, und nimmer schweigen

Will euer Sehnsucht tiefes Leid.

Vor 227 Jahren, am 30. September 1681 war es, als Ludwig XIV. von Frankreich die alte Reichsstadt Straßburg zur Kapitulation zwang und ohne weiteres an sich riß. Ganz Deutschland war damals wihl bestürzt und erzürnt, aber keiner Tat der Vergeltung fähig. Der Raub Straßburgs war allen Deutschen das immer gegenwärtige Beispiel von der Gier und von der gewalttätigen Gesinnung der welschen Nachbarn. Straßburg war der stets schmerzende Stachel, der das deutsche Volk nie zu dem Gefühl einer friedlichen und offenherzigen Stimmung gegen Franks ch gelangen ließ. Der Gedanke, daß Straßburg wiedergew nnen werden könnte, belebte alle Gemüter und mit herzkl.'^ud.r Spannung und auft chtigr-, Teilnahme für seine Bewohner harrten alle des Ausganges, seitdem im Jahre 1870 die Belagerung der alten Reichsstadt beschlossene Sache war. Die Deutschen konnten den Tag kaum erwarten, an dem, wenn auch über Schutt und Trüm­mern, das siegreiche deutsche Banner vom Münster wehen würde.

Und wieder war es ein 30. September, der 30. September 1870, als General von Werder nach mehrwöchiger Belagerung und Beschießung der Stadt seinen feierlichen Siegeseinzug hielt in die wiedergewonnene Tochter des Deutschen Reiches. Am 8. Oktober siedelte dann der Generalgouverneur des Elsaß, Graf Bismarck-Bohlen, von Hagenau nach Straßburg über und kündigte der Einwohnerschaft an, daß die Landeshaupt­stadt unter Beseitigung derfranzösischen Herrschaft" dem deut­schen Vaterlande von neuem verbunden, daß Straßburg nun wieder eine deutsche Stadt sei.

Hatten unsere Truppen auch während der Belagerung schwere Verluste erlitten, so war doch durch diesen großen Waffenerfolg die bittere Schmach vom 30. September 1681 getilgt. Die Wiedergewinnung Straßburgs galt dem deutschen Volksbewußtsein als das Wahrzeichen der Wiedergeburt Deutsch­

gab und jeden weiteren Dank seinerseits mit den Worten abschnitt:

Ich habe nur an uns gedacht, Signor Federigo. Ich wollte Frank nicht unter den Sträflingen sehen, er ist einmal mein Mann und ich selbst wollte nicht den Fluch der Undank­baren auf mich laden, von dem Frate Cyrollo sagt, daß er der schwerste sei!"

Und wieder wies sie auf den Pfad nach der Abtei zurück und umging sorgfältig die Steinblöcke und Dornengestrüppe, die den wunderlich gekrümmten Weg vielfach unterbrachen.

Im Strahl der allmählich niedergehenden Sonne bewegte sich das seltsame Paar, die Frau in der Campagnatracht und der deutsche Gelehrte, weiter; wer von der Abtei der drei Brunnen herankam, mußte sie lange zuvor erblicken.--

Zur gleichen Stunde, als Friedrich Gerland auf seinem Wege nach dem Savelliturm Tre Fontäne erreicht hatte, war die Gesellschaft von Landsleuten, deren Führer er in San Paolo abgegeben hatte und bei der sich Klara Addenhoven und Erika v. Herbert befand, wieder im Innern der ewigen Stadt angelangt.

Nur die süddeutschen Damen hatten sich an der Piazza Montanara von der Gesellschaft getrennt, um noch die Tiber- insel zu besuchen. Die anderen traten gemeinsam den lang­gedehnten Weg nach der Via di San Basilio an. Unter leb­haften Gesprächen, an denen gelegentlich auch Fräulein Adden­hoven teilnahm, während Erika stumm blieb, langte man, zuletzt ziemlich erschöpft, beim Hause der Schwestern vom Kreuz wieder an.

Während man über Straßen und Plätze ging, waren Fräulein Addenhoven und Fräulein v. Herbert nur einmal zu einer kurzen und heimlichen Unterredung zurückgeblieben, in welcher das jüngere Mädchen plötzlich erglüht war, und in leidenschaftlicher Bewegung beide Hände des älteren zwischen die ihren genommen hatte.

Da aber in der nächsten Minute der General v. Erpel stillstand, um sich nach den zurückbleibenden Damen umzu- sehen, so war Fräulein Addenhoven rasch zu ihm und seiner Gemahlin vorgeeilt und Erika wieder stumm neben ihrer Tante Hedwig gegangen. Hätte Frau v. Herbert Augen für