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herrWer Armblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 111.

Dienstag, de« 22. September

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 17. September 1908.

Am Donnerstag den 24. d. Mts. von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags findet seitens der hiesigen König­lichen Kriegsschule Scharfschießen am Johannesberg, südlich Bingartes statt. Allgemeine Schußrichtung: südlich.

Das Gelände mit sämtlichen darin befindlichen Wegen, welches wie folgt begrenzt wird, darf während dieser Zeit nicht betreten werden.

Im Westen: Weg Bingartes nach Kohlhausen durch das Laufholz.

Im Osten: Weg Bingartes nach Unterhaun.

Im Süden: Verbindungslinie der Orte Unterhaun- Johannesberg-Eichhof.

I m N o r d e n: Verbindungslinie Bingartes-Fähre westlich Bingartes.

Der Weg Bingartes-Unterhaun (an der Bahn entlang) und der Weg Bingartes-Kohlhausen (durch das Laufholz) bleiben für den Verkehr frei.

Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis mit dem Hinzufügen, daß den Anweisungen der militärischen Warnungsposten, die an den in Betracht kommenden Wegen aufgestellt sind, unbedingt Folge zu leisten ist.

I. I. 9627. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Berlin, den 13. August 1908.

In den Fällen des § 5 und § 7 Abs. 2 letzter Satz des Reichsveremsgesetzes vom 19. April 1908 ist die Erteilung eines kostenfreien Bescheides vorgeschrieben, dagegen wird für den Fall der Genehmigung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel (§ 7 Absatz 2 a. a. O.) nur angeordnet, daß schriftliche Bescheidung zu erfolgen hat. Aus dem Fehlen einer Bestimmung über die Kostenfrage ist gefolgert worden, daß jene Genehmigungen, wenn sie amtliche Ausfertigungen sind, d. h. wenn ein Konzept vorhanden ist, mit dem die Ausfertigung einen wörtlich gleichlautenden Inhalt hat, und wenn sie in förmlicher Weise und unter ordnungsmäßiger Unterschrift ausgestellt werden, stempelpflichtig seien. Dies ist nicht zutreffend. Die Ausstellung einer Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel erfolgt ebenso wie diejenige einer Bescheinigung über die An­meldung öffentlicher Versammlungen zur Erörterung politischer Angelegenheiten ausschließlich im öffentlichen Interesse. (Vergl. Erlaß vom 29. November 1868 Min. Bl. 1869 S. 23.)

Es muß daher der unter dem alten Stempelsteuergesetz in Geltung gewesene und durch den Erlaß vom 25. Dezember 1896 (Min. Bl. 1897 S. 24) auch für das neue Stempel- steuergesetz als fortbestehend anerkannte Grundsatz zur Anwendung gelangen, daß die lediglich im öffentlichen Interesse erteilten

Oldcht von beiden?

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Frau von Herbert unterdrückte einen Seufzer und eine strafende Bemerkung darüber, daß Erika sich ihren eigenen Belehrungen unzugänglich erwiesen habe und Fräulein Adden- Hoven ein Vertrauen schenke, daS ihr, der Tante, versagt worden sei.

Sie fand überhaupt seit einigen Wochen ihre Nichte wunderbar verändert schweigsamer und auffallend blässer, sie begann zu fürchten, daß der römische Frühling, der sich schon mehr und mehr zum Sommer wandelte, dem jungen Mädchen unzuträglich sei. Sie sprach jetzt jeden Tag von der Abreise, ohne damit bei Erika besondere Freude oder Ungeduld hervorzurufen.

Einmal, vor Wochen, am Tage, nachdem die Pension in oer Via di San Basilio durch daS plötzliche Verschwinden des

Fsank Holters und seiner Frau in eine gewisse Er- f .9h'"L gesetzt worden war, hatte das junge Mädchen fast Sehnsucht nach der Heimat gezeigt und um Aufenthaltes in Rom gebeten seither aber - ?/?^V bei ihr nicht wiedergekehrt und sie hatte £ » C Monat im regeren Verkehr mit Klara Adden- yoven sich empfänglicher für alle Eindrücke der ewigen Stadt bn ersten Zeit ihres Aufenthaltes. Wäre Frau v. Herbert scharfsichtiger gewesen, so würde sie bemerkt haben, daß im Anfänge dieser Zeit Erika sich von dem älteren Mädchen K?UktÜCf9^ ""b sich dann plötzlich nach einer einzigen Unterredung der rheinischen Landsmännin eifriger und herz, licher als je zuvor wieder angeschlossen hatte. Sie sah eben nur, daß an dem öfteren Beisammensein und an gemeinsamen Sinnst § tenn und der jüngeren Dame Doktor Gerland Zufalls keinen Anteil hatte - ja es kam ihr vor, als ob

Addenhoven weniger als früher mit Friedrich Unh^ sei, obgleich sie seine Tischnachbarin blieb, und dies beruhigte die oberflächliche Frau vollkommen, seit

Ausfertigungen stempclsrei zu behandeln sind. Hiernach ist die Erhebung einer Stempelgebühr für die Ausfertigung von Genehmigungen zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel nicht angängig.

Euere Durchlaucht Hochgeboren Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst, die Nachgeordneten Behörden mit entsprechen­der Anweisung zu versehen. (II. c. 2938. Fin. Min. 14305.)

Der Finanzminister. I. A.: gez. Hummel.

Der Minister des Innern. I. V.: gez. W o l tz.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel.

* * *

Hersfeld, den 15. September 1908.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.

J. I. 9521. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Ae grüßt FockrW des Äges.

Die Franzosen haben offensichtlich die Hoffnung, die von ihnen und den Engländern im Herbst vorigen Jahres so triumphierend zum Ausdruck gebracht worden ist, uns ein finanzielles Sedan zu bereiten, noch nicht ausgegeben. Während die Engländer jetzt hin und wieder freilich mit einem heiteren, einem nassen Auge anerkennen, daß die damaligen Hoffnungen trügerisch gewesen sind und die finanzielle Lage Deutschlands sich fester suNdibn Erwiesen hat, als man annahm, wird in Frankreich aus der jetzigen Reichsfinanznot noch immer politisches Kapital geschlagen. DasEcho de Paris" z. B. läßt sich von seinem Frankfurter Korrespondenten jede kleine Pleite melden, ebenso vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der französischen Presse auf die Ueberschuldung Deutschlands auf das gedrückte Kursniveau unserer Reichs- und Staats­papiere und aus das starke Anleihebedürfnis des Reiches hin­gewiesen wird, in der Absicht, Deutschland als am Rande eines finanziellen Abgrundes stehend erscheinen zu lasten.

Solche tendenziösen Uebertreibungen der unleugbar vor­handenen Schwierigkeiten unserer Reichsfinanzwirtschaft gehen zumeist von dem Kreise des Marokkanischen Komitees aus, also von Leuten, die durch Vorspiegelung eines tiefen finanziellen Schwächezustandes Deutschlands auf Regierung und öffentliche Meinung im eigenen Lande einen Druck zu schärferem Ver­gehen ausüben wollen und damit auch jetzt wieder nicht zu leugnende Erfolge in dieser Richtung erzielt haben. Solche Spekulationen auf einen finanziellen Krach haben ohne Zweifel bei den Vorstößen mitgewirkt, welche die französische Politik wiederholt in der Marokkofrage gemacht hat.

Auf der andern Seite veranschaulicht die politische Ab­

Wochen hatte sie der Argwohn, daß ihre Nichte einen tieferen Anteil an dem jungen Gelehrten nehme, der ihr selbst so wenig sympathisch war, nicht mehr beschlichen. Wich doch Erika jedem längeren Gespräch mit ihm eher aus, als daß sie das­selbe suchte.

Selbst heute konnte es ein Zufall heißen, daß sich Doktor Gerland bei der Gesellschaft befand man hatte sich in der Nähe der Piazza Montanare getroffen und von ihm gehört, daß er für seine Studienzwecke nach der Abtei zu den drei Brunnen wollte.

General v. Erpel hatte ihn veranlaßt, mit der Gesellschaft zusammen San Paola zu besuchen und keine Einrede gelten lassen Friedrich Gerland hatte freilich erst nachgegeben, als Klara Addenhoven ihre Bitte mit der des alten Soldaten vereinigte.

Jetzt aber, da man beisammen war und blieb, machte es sich ganz von selbst wieder wie in den ersten Wochen deS römischen Aufenthalts. Die älteren Mitglieder der Gesellschaft gingen voraus und Doktor Gerland blieb neben Klara und Erika und sprach mit ihnen von der Kirche, die man demnächst besuchen wollte.

Und da er wußte, daß Fräulein Addenhoven über den Brand und den Neubau der uralten Wallfahrtskirche so gut wie er selbst unterrichtet sei, so wandte er sich mehr zu dem jungen Mädchen, die anfänglich seine Erzählung nur halb zu hören schien und dann doch wider Willen von derselben ge­fesselt wurde.

Als man die ländliche Wirtschaft an der Straße erreicht hatte und unter einem breiten Strohdach, das kunstlos über vier Pfosten gespannt war, sich auf hölzernen Bänken um den Tisch reihte, behielt Friedrich Gerland seinen Platz neben Fräulein Addenhoven und Fräulein v. Herbert. Der General bestellte bei der dicken Padrona, die selbst herzukam, Frascati- wein und das landübliche Gebäck, das zum Wein verzehrt wird. Frau v. Herbert und die älteren Damen erfreuten sich an dem Hinüberblick aus die im Sonnenschein schimmernde Kirche und dem wunderlichen Gegensatz des Prachtbaues zu der einsamen, fast öden Umgebung.

Erika v. Herbert aber wandte sich, wie mit plötzlicher Ein-

hängigkeit SpanienS und ^-'rtugals von Frankreich und Eng­land die hohe Wichtigkeit großer Kapitalmacht und vor allem geordneter staatlicher Finanzverhältnisse für die äußere Macht­stellung eines Landes Auch aus Gründen der äußeren Politik und der Erhaltung ^es ehrenvollen Friedens ist also eine möglichst schleunige k estigung unserer in Unordnung geratenen Reichsfinanzverhältnisse aufs dringendste wünschenswert. Militärisch können uns die andern, denen wir zu stark und groß geworden sind, noch nichts anhaben. Aber unsere aus­wärtige Politik ist gelähmt, wenn sich bei den andern immer mehr und nicht ohne Grund der Glaube festsetzt, daß uns drohende schwere finanzielle Kalamitäten abhalten würden, uns gegen diplomatische Einengung und Zumutungen, die gegen unsere Würde und unsere Rechte verstoßen, zur Wehr zu setzen. Deshalb ist eben eine gründliche Verbesserung der Finanzlage des Reiches eine nationale Frage ersten Ranges, ebenso wie es die Wehrgesetze waren.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 20. September 1908

S e. Majestät d er Kaiser ist heute morgen, von Ostpreußen kommend, in Hubertusstock wieder eingetroffen. Ihre Majestät die Kaiserin ist vom Neuen Palais aus dort eingetroffen. Im Gefolge Ihrer Majestät befinden sich Hof­dame Gräfin zu Rantzau und Kammerherr Graf v. Carmer. Als Gast Sr. Majestät ist Professor Slaby geladen.

Nachdem Staatssekretär Sydow mit Vertretern aller bürger­lichen Parteien, auch des Zentrums, über die neuen Steuervorlagen verhandelt hat, dringen weitere Einzel­heiten über deren Inhalt in Die Oeffentlichkeit. So soll, wie die Kölnische Volkszeitung berichtet, als Belastung des Massen- konsums eine Erhöhung der Einnahmen aus Bier, Brannt­wein und Tabak mit rund 300 Millionen Mark in Aussicht genommen sein. Rechnet man hierzu die teilweise sehr hohen Erhebungskosten, welche gerade die Getränkesteuern erfordern, und die Abfindungen, welche ein Branntweinmonopol, das in der Tat geplant sein soll, nötig macht, so käme man für diese drei Genußmittel allein aus eine Mehrbelastung der Konsumenten mit etwa 350 Millionen Mark jährlich! Als Ausgleich für diese Belastung des Konsums der breiten Volksmassen sollen auch Luxussteuern: eine Weinsteuer und eine Steuer auf Gas und Elektrizität, beide zusammen mit einem Ertrag von etwa 70 Millionen Mark jährlich eingeführt werden. Damit auch der Besitz von den neuen Steuern erfaßt wird, soll außer der schon bestehenden Reichs-Erbschaftssteuer, d. h. außer der Steuer auf die einzelnen Erbansälle, der bisher die Erbansälle der Kinder und Ehegatten nicht unterworfen waren, eine Nach­laßsteuer von allem hinterlassenen Vermögen, gleichviel, an wen solches als Erbteil fällt, erhoben werden. Diese Steuer soll etwa 120 Millionen Mark jährlich betragen, wovon jedoch ein beträchtlicher Teil als Erhebungskosten abgeht. Alle diese

gebung zu Doktor Gerland und fragte ihn:Haben Sie seit ihrem plötzlichen Verschwinden denn gar nichts wieder von Frank Holters und der Cecca gehört, Herr Doktor?"

Doch doch, Fräulein Erika!" entgegnete Friedrich Ger- land, den die Frage, er hätte selbst nicht zu sagen gewußt, warum, wohltuend berührte.Ich habe zweimal von ihm eine Sendung empfangen, Aquarelle, die er früher versprochen hatte und mir mit Taddeo, dem Eseltreiber, ganz unerwartet hereinschickte. Er wolle mir nichts schulden, schrieb er mir kurz und gut dazu! Immerhin hat er sich damit von einer besseren Seite gezeigt, als mit seinem plötzlichen Ausbruch aus Rom. Er scheint die Afrikareise ausgegeben zu haben, obschon ich noch vorgestern in San Luigi dei Francese den Monsieur Lareveilliere sah, der nach seiner damaligen Aussage längst hinüber nach Tunis sein müßte. Man sollte einmal nach dem Wilden oder vielmehr nach seiner armen Frau sehen wir sind hier auf dem Wege nach der Vigne von Onofrio BraSchini. Sie müßten sich an einer solchen Campagne- wanderung beteiligen, meine Damen; ich allein kann doch, wenn es Signor Franco gefällt, in der Gegend herum- zuschweifen, Signora Francesca nicht in ihrem Häuschen auf­suchen."

Er hatte daS letztere durchaus in scherzendem Tone gesagt, bemerkte aber, daß Fräulein v. Herbert sehr ernst dazu drein- schaute.

Klara Addenhoven sagte ruhig:Es freut mich von Herzen, daß der bedenkliche Landsmann sich wenigstens in einem Punkte zuverlässig erwiesen hat. Ihren Vorschlag, das Paar in der wilden Vigne einmal zu besuchen, um zu er­fahren, wie eS der Cecca geht, könnte man wohl überlegen, wie ist's, Erika möchten Sie nicht dabei sein?"

Nein, mein Fräulein Addenhoven, ich müßte mir denn doch ernstlich verbitten, daß Sie Erika zu einem solchen Aben- teuer verleiten!" rief Frau von Herbert über den Tisch herüber.

Ihr mißfiel die plötzlich wiederhergestellte Vertraulichkeit zwischen ihrer Nichte und Doktor Gcrland.Es ist ohnehin höchste Zeit, daß wir aus Rom fortkommen, die Lust wird täglich heißer und die Campagna soll schon recht ungesund