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Beilage turn

Nr. 107.

Sonnabend, den 12. September

1908.

Olelcbe von beiden?

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der vermeintliche Franzose sprach eifrig auf den von Zeit zu Zeit die Schultern zuckenden Deutschen ein und der letztere hielt die scharfen Augen so fest auf sein Gegenüber gerichtet, daß er das Gewühl um sich her nicht beachtete und seinen Landsmann und Gönner zunächst nicht entdeckte. Gerland aber, der heute des wunderlichen Schützlings noch gar nicht

gedacht hatte, fühlte keinen Antrieb, ihn hier Er hatte für ihn getan, was er vermochte, und Hoven hatte ihm mehr als einmal wiederholt, der Frau willen dem Manne gründlich

zu begrüßen. Klara Adden- daß man um helfen müsse.

Friedrich Gerland bezweifelte nur, daß sich Frank Holters auf die Dauer helfen lassen würde.

Die bessere Wohnung und veränderte Lebensweise hatten schon nach einer Woche ihre Wirkung getan und die Fieber­anfälle des Künstlers gemildert. Er war dann bereit gewesen, ein paar Aufträge, die ihm der Gelehrte vermittelte, zu über­nehmen und Gerland hatte ihm Käufer für vielleicht ein Dutzend feiner wildeigentümlichen Skizzen verschafft. Dieselben erwiesen sich als flüchtige Blätter voll Leben und Kraft, streiften aber immer hart an der Grenze des Zerrbildes hin, es war Frank Holters nicht gegeben, die Gegenstände treu und schlicht auf- zufassen und feine eigenen Hinzutaten hatten einen fratzen­haften, unerquicklichen Zug, so daß Gerland neben dem Kunst­sinn gelegentlich auch das Mitleid der Käufer anrufen mußte. Dabei schien Frank Holters selbst fast gleichgültig gegen die Verbesserung seiner Lage, die ihm durch Doktor Gerlands und Fräulein Addenhovens Bemühungen erwuchs. Kaum, daß er sich ein wenig gesunder fühlte, verlangte ihn wieder in die Campagna nach der verfallenen Vigne hinaus, die seiner Frau gehörte; seine harte Natur bäumte sich gegen den Einfluß seiner neuen Umgebungen auf und er hatte nach wenigen Tagen kein Hehl gehabt, daß ihm die Teilnahme der deutschen Dame an seinem Weibe höchst lästig dünke. Bei einer ruhig freundlichen Vorstellung, die ihm der jüngere Gelehrte hierüber gebracht hatte, war er mit dem Wort herausgefahren:Lassen Sie doch alle falschen Sentimentalitäten zu HauS, Doktor. Es ist gerade genug, daß ein Mann für ein törichtes Ver­langen sein ganzes Leben verpfutscht und drangegeben hat und Sie dürfen ihm nicht zumuten, zur Strafe nun auch noch jeden einzelnen Tag zu opfern."

So war es nur natürlich, daß Friedrich Gerland wenig Ver­langen empfand mit dem verwilderten Landsmann hier zusammen- zutreffen, der selbst im Getümmel des Korso, in dem es weder an abenteuerlichen, noch an ärmlich unscheinbaren Gestalten fehlte, bedenklich prüfende Blicke aus sich zog. Doktor Gerland begrüßte eben einen römischen Gelehrten, dessen Bekanntschaft er durch seine Arbeit gemacht hatte, und dachte im Gespräch mit diesem an dem unwillkommenen Schützling vorüberzu- gehen.

Aber das falkenscharfe Auge des Malers hatte ihn bei einer einzigen zufälligen Wendung des Kopfes erspäht und an einer Handbewegung Frank Holters gegen den Franzosen erriet der Erkannte, daß zwischen jenen beiden eben von ihm selbst . die Rede gewesen sei. Ohne sich durch den Begleiter Gerlands beirren zu lassen, schnitt Frank Holters mit lautem Anruf dem Landmann die Fortsetzung des Weges ab und streckte ihm die Hand so entschieden entgegen, daß Gerland einschlagen mußte.

Sie kommen zur guten Stunde, Doktor", hob Holters an,ich habe Sie eben gegen Monsieur Lareweilliere hier als meinen besten, ich sollte sagen, einzigen Gönner gerühmt und ihm gesagt, daß ich keine Entscheidungen ohne Sie treffen kann. Haben Sie ein paar Minuten Zeit für mich, Doktor? eben wird mir ein wichtiger Antrag gemacht, den ich Ihnen vor allem mitteilen muß. Doch ich bitte um Verzeihung Sie sind in Gesellschaft"

Die letzten Worte wurden italienisch gesprochen, der höf­liche Römer erwiderte sofort, daß er nach der Fahrstraße hinübergehen und dort auf einer voraus bezeichneten Strecke Signor Federigo erwarten wolle. Friedrich Gerland blieb nichts übrig, als dem Maler zu einer Ecke der Balustrade zu folgen, die für den Augenblick menschenleer war und dort mit einer fragenden Miene der weiteren Ansprache seines Gegenüber zu warten.

Frank Holters zog den braunen Mantel wieder fester um sich, als ob ihn ein wenig fröstele und sagte dann erst ^gernd und nach Worten suchend und danach im raschen Fluß innerer Erregung:

»^ wissen, wie es um mich steht, Herr Doktor, haben vielleicht mehr Mühe mit mir gegeben, als ich wert sein wag mehr als andere, denen es näher gelegen hätte. Habe kaum recht dafür gedankt wüßte auch nicht, ^llte in dieser verpfutschen unheimlichen Existenz. Ich suhl-, aber ehrlich, daß Sie mir etwas von der alten Lust, zu

^n wenig von der Zuversicht, nicht zu den schlechtesten zu gehören, wiedergegeben haben. Nun wäre ew Gelegenheit, das zu beweisen, mit einem Male alle Bastseile und Haarseile zu zerreißen, mit denen ich gebunden H^r Monsieur Lareveilliere wird im Auftrag eines sran- zosischen Verlegers die Pantellaria, Lampedusa und die ganze Regentschaft Tunis bereisen, bis in die Wüste hineingehen und L L Oasen besuchen Er ist Zeichner, Illustrator, er hat l^et "ff .Bvrd zu nehmen und meint mit Recht, daß Arbeit für zwei in Afrika wachse."

»Wenn ich mit ihm könnte", fuhr er fort,mich los- machen von den elenden, tausendmal breitgepinselten Motiven die hier wachsen, drüben mit neuen Augen sehen, neue, nicht zu Schanden gesehene Gegenstände behandeln könnte, möchte ich >>hnen am Ende Ihre Mühe um mich noch lohnen können.

Ich ginge lieber heute als morgen mit dem Franzosen, ich fühle, daß hinter seinem Antrag ein besseres Schicksal für mich steht. Doch ich kann nicht gehen, wenn mir nicht eine gütige Hand hilft, freie Fahrt allein kann's nicht tun. Aber hätte ich nur ein paar hundert Franken, für die ich gern alle meine alten Blätter und Skizzen zum Pfande lassen würde, könnten Sie, Herr Doktor, mir dazu verhelfen, so würde ihre seitherige Wohltat erst Sinn bekommen Sie könnten sich am Ende rühmen, mir mehr als ein Almosen, mir Hoffnung, Tätigkeit, ein neues Gefühl meiner selbst gegeben zu haben, was so viel und mehr wert wäre, als wenn Sie mich an meinem Leben erhalten, an dem mir schon lange verteufelt wenig lag!"

Frank Holters hatte, während er sprach, nicht in Gerlands Züge, sondern auf die Piazza del Popolo hinabgesehen, die von dem Wagen- und Menschgewühl des Spätnachmittags erfüllt war. Ein einziger Blick, mit dem er das ernste Gesicht des Gelehrten streifte, ließ ihn die Antwort zum voraus er­raten, die ihm zu teil werden würde. Noch ehe Doktor Ger­land ein Wort erwiderte, zog Frank Holters hochmütig gleich­gültig die Achseln empor und begleitete die Worte des Lands­mannes mit einem geringschätzigen Lächeln, das ausdrücken sollte, wie oft er dergleichen schon vernommen.

Es tut mir leid, Herr Holters, daß Sie ein Vertrauen auf mich setzen, für das meine Schultern zu schwach sind", entgegnete Friedrich Gerland.Ich bin nicht reich genug, Ihnen die gewünschte Summe selbst zu geben. Und wenn ich versuchen wollte, Ihnen durch weiteren Verkauf Ihrer Blätter oder durch Aufträge aus Deutschland zu verschaffen, was Sie so plötzlich und eifrig verlangen, so würde darüber mehr Zeit vergehen, als Ihnen das Anerbieten des französischen Herrn vermutlich läßt. Ich bin aber, wenn Sie mir erlauben, keineswegs sicher, daß Sie recht tun würden, den Zug in die Wüste zu unternehmen, auch wenn Sie ohne weiteres die Mittel dazu beschaffen könnten. Ob er Ihnen künstlerisch so wesentlich und entschieden frommen würde, wie sie jetzt meinen, weiß ich nicht und verstehe wohl, daß dies jeder schaffende und tätige Mann mit sich selbst abmachen muß. Aber Sie sind noch halb krank uud einer großen Anstrengung, wie die Asrikareise sein würde, noch in keiner Weise gewachsen. Und Sie schulden es Ihrer Frau, den Rest Ihrer Gesundheit und Ihrer künstlerischen Kraft nicht in einem unbedachten Versuche aufzubrauchen. Es kann doch unmöglich ihre Meinung sein, die arme Frau hier hilflos zurückzulasfen, und wenn es Ihr ernstlicher Vorsatz bleibt, eine große Reise zu tun, so werden Sie doch vor allem daran denken müssen, für Frau Francesca Sorge zu tragen."

Frank Holters hatte die letzten Aeußerungen Doktor Ger­lands mit taktmäßigem Kopfnicken begleitet. Dann rief er, aber mehr, als ob er's zu dem Obelisken auf der Piazza hinüber, als zu dem vor ihm stehenden deutschen Landsmann spräche:

Gewiß gewiß, man ist allfort wieder ein Esel. Hätt' ich doch beinahe geglaubt, daß die Teilnahme ein wenig mir selbst, ein wenig meiner Kunst gelte. Ich hätte es ja denken können, daß nur die Cecca mit dem frommen Augenaufschlag gemeint sei. Die Frau und immer wieder die Frau! Zum Teufel mit allen Männern, was haben sie in der Welt zu suchen, als für ein Weib zu sorgen!"

Sie tun sich selbst Unrecht, Herr Holters, wenn Sie sich als rohen Selbstling darstellen, der nicht nach einer Frau frägt, die ihm ihre Jugend und sich selbst gegeben hat", ver­setzte Friedrich Gerland mit einer leichten Röte des Unwillens im Gesicht.Auch nehme ich an, daß Ihr Unmut nur dem Hindernis gilt, das man unerwartet auf einem rasch betretenen Wege findet. Ich glaube, Ihnen gezeigt zu haben, daß ich an Ihrem Schicksal teilnehme und bedaure mein Unvermögen, Ihnen so entschieden und von Grund aus zu helfen, wie Sie wohl wünschen dürfen."

Worte, nichts als Worte, Herr!" rief der verwilderte Künstler, der aus der Entfernung ganz gut seinen französischen Bekannten spöttisch lächeln sah und nun seinen Ingrimm nicht länger bezähmen konnte.Seien Sie versichert, daß Frank Holters keine zweite Fehlbitte an Sie tun wird. Und Frau Cecca soll fernerhin ihre Dankgebete nur an den heiligen Vincenz draußen richten und nicht andere Götter neben ihm haben! Guten nachmittag, Herr Doktor, und angenehme Unterhaltung mit den Damen. Grüßen Sie Ihre künftige Herrin von mir, falls Sie schon wissen, welche von beiden es sein wird!"

Er griff an den Hut, den er nicht abnahm, noch rückte, und ging mit Schritten, bei denen er symbolisch den Staub von seinen Füßen schüttelte, obschon zwischen ihm und Doktor Gerland gar kein Staub gelegen hatte, zu Monsieur Lare- veillier zurück.

Der deutsche Gelehrte sah ihm betroffen nach, halb die unbezähmbare Wildheit des trotzigen Mannes bedauernd, halb verstimmt von dem letzten Ausruf desselben, der eine geheime Empfindung seiner Seele gewaltsam ans Licht riß. Der wüste Maler hatte gut gesehen Friedrich Gerland sühlte in dieser Minute, daß hinter seinem Anteil an dem jungen Mädchen in der Pension der Schwestern vom Kreuz warme Bewun­derung ihrer Jugend und Schönheit pulse. Seine Wangen färbten sich mit dunkler Glut der Scham, daß ein anderer errate, was er sich selbst verfehlt habe; sein ganzes Innere ward durch das eine höhnische Wort des unholden Gesellen ausgestört und er konnte sich nur mit dem herben Vorsatz be­schwichtigen, in Zukunft Fräulein Erika noch viel entschiedener als eine Fremde anzuschen, an der er keinen Teil habe. Er drängte sich hastiger, als sonst seine Art tvar, durch das Ge­wühl der Wandelnden und Umherstehenden, um den gelehrten Römer wiederzufinden, von dem ihn vorhin Frank Holters mit seiner ungestümen Ansprgche getrennt hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Urnntobtu.

De r Fesselkünstler Houdini, der auch den NamenAusbrecherkönig" führt, wird in dieser Saison im Zirkus Busch in Berlin wieder austreten, wo er bereits früher seine aufsehenerregenden Künste gezeigt hat. Inzwischen hat Herr Houdini aber noch viele neue Tricks seinem Programm hinzugefügt. Am Sonnabend vormittag hatten sich im Zirkus Busch Berliner Aerzte und Vertreter der Presse versammelt, denen Herr Houdini seinen neuesten Trick vorführte. Gewisser­maßen als Einleitung hierzu schob er sich ein paar Dutzend Nähnadeln in den Mund, verschluckte sodann ein paar Meter Zwirn, trank darauf ein Glas Wasser und zog hierauf schein­bar dieselben Nadeln an dem Zwirnsfaden gefädelt wieder aus dem Munde. Hierauf zog sich Herr H. einen Schwimm- anzug an und wurde nunmehr mit starken Ketten und Schlössern gefesselt. Vorher hatten Aerzte festgestellt, daß er unmöglich irgend welche Schlüssel oder sonstige zum Oeffnen der Schlösser dienende Instrumente an seinem Körper versteckt haben konnte. Eine Droschke entführte den Gefesselten, der von Aerzten und anderen Herren an den Händen gehalten wurde, nach der Friedrichsbrücke, von deren Geländer aus er ins Wasser sprang. Dreißig Sekunden gebrauchte er, um unter dem Wasser die Fesseln zu lösen. Ein lebhaftes Bravo empfing den an die Oberfläche Tauchenden, der von einem bereit gehaltenen Kahn ausgenommen und samt seinen Ketten nach dem Zirkus gebracht wurde. Wie verlautet, beabsichtigt Herr Houdini, außer den genannten noch andere verblüffende Kunststücke den Berlinern im Zirkus Busch vorzuführen.

Auf eigenartige Weise wurde in dem oberschlesischen Orte Zalenze ein Spitzbube der Tat überführt. Ein ge­rissener Ruthene schlief mit fünf polnischen Arbeitskameraden im Schlafhause zu Zalenze. In einer der letzten Nächte waren ihm 24 M. abhanden gekommen; aber seine Schlafkameraden leugneten entrüstet, den Diebstahl begangen zu haben. Der Ruthene aber kannte den Aberglauben seiner Mitarbeiter. Er rief sie zusammen und überreichte jedem einen kurzen Stab mit einer Ansprache etwa dieser Art:Hiermit bekommt Ihr von mir je einen Stab. Der eine ist genau so lang wie der andere. Aber wenn 30 Minuten vergangen sein werden, wird der Stab desjenigen, der mir das Geld gestohlen hat, um einen Zoll gewachsen sein. Nach einer halben Stunde gibt mir jeder den Stab triebet." Und so geschah eS. Nach einer halben Stunde bekam der Ruthene fünf Stäbe zurück. Vier davon waren noch so lang wie vorher; einer aber hatte seine Länge verändert. Indessen nicht länger war er geworden, sondern kürzer. Dem Ueberbringer dieses Stabes sagte der Ruthene den Diebstahl aus den Kopf zu, und unter Tränen gestand jener auch die Tat. Nur konnte er nicht recht be­greifen wie der Bestohlene ihn herausgesunden hatte. Er hatte nämlich den Stab um genau einen Zoll gekürzt, damit der Ruthene nicht merken sollte, daß das verräterische Holz einen Zoll gewachsen war.

(Seiner Majestät Patenkind".) AuS Mutzig wird derStraßburger Post" gemeldet: Bei der Fahrt des Kaisers aus die Feste Kaiser Wilhelm II. am verflossenen Donnerstag stellte sich der Fortifikationstechniker Wilh. Braun mit seiner aus 13 Köpfen bestehenden Familie darunter sieben Knaben bei Sulzbad quer über die Straße, vor das heransausende kaiserliche Automobil. Der Kaiser ließ sofort halten, als Herr Braun ihm seinen Jüngsten emporhielt mit den Worten:Seiner Majestät Patenkind". Er hob den Kleinen ins Automobil und unterhielt sich mit Herrn Braun aufs freundlichste. Dann fuhr er weiter nach der Feste.

(Einträgliches Geschäft.) Daß der Billett- Handel ein sehr einträgliches Geschäft ist, konnte man, so schreibt die Freist Ztg., dieser Tage wieder in der Behren- straße beobachten. Im Metropoltheater fand am letzten Sonnabend die Premiere der neuen Jahresrevue statt. Schon lange vorher befanden sich die Einlaßkarten in den Händen der Händler. Diese nutzten denn auch daS glänzende Geschäft weidlich aus, indem sie für einen 4 Mark-Sitzplatz sage und schreibeEinhundertfünfzig Mark" verlangten und erhalten haben. Für 2.50 Mark-Plätze wurden vormittags 25 Mark bezahlt, also der zehnfache Preis. Eine dieser Karten erstand eine Herr, dem sofort 30 Mark dafür wieder geboten und bezahlt worden sind.

(Der arme Reich e.) Reich zu werden, tut nicht allen Menschen gut. Auch einem jungen Berliner ist der plötzliche Wechsel verhängnisvoll geworden. Vor sieben Jahren erbte der damals 24 Jahre alte Handlungsgehülfe Paul Metto, Lothringerstraße 7, von seiner Mutter etwa 150 000 Mark in bar. Metto meldet sich auf Reisen ab, blieb aber heimlich in Berlin, wo er später wegen Steuerhinterziehung vergeblich gesucht wurde. Seit zwei Jahren wohnte er in einem Hotel in der Eichendorfstraße 8. Hier bezahlte er Tag für Tag 1 Mark für ein kleines Zimmer, daS weder der Wirt noch der Hausdiener betreten dursten. Das Mittagessen nahm er in der Volksküche, das Abendbrot im Volkskaffee­haus. Der reiche Arme trug sein ganzes Verinögen in Papiergeld in einem Beutel an zwei Schnüren auf der bloßen Brust. Niemand wußte, daß der fast schäbig gekleidete Mann etwas besaß, er aber bildete sich ein, daß alle Welt wüßte, wie reich er sei, und daß jedermann es darauf abgesehen habe, ihm seinen Schatz zu stehlen. Des Nachts versteckte er den Beutel unter der Matratze. So führte der Mann, der in bescheidenen Verhältnissen lebenslustig gewesen war, als reicher Erbe ein einsames Dasein. Da er seit Freitag abend nicht mehr gesehen wurde, ließ sein Wirt gestern die Türe öffnen und fand ihn tot vor dem Bette liegen. Vom Schlage gerührt war Metto aus dem Bett gefallen. Der Geldbeutel wurde unter der Matratze gefunden. Er erhielt noch 148 000 Mark, die die Polizei vorläufig beschlagnahmte. Als Erbe hat sich bisher ein Gürtler aus Rixdorf gemeldet.