Kirmse. Komm' Se nächstes Jahr wieder mit Ihren Museum!
Adjee I
Gera, 10. September. Die 60jährige geisteskranke Frau Eisel sprang aus dem zweiten Stockwerk aus die Straße hinab und war sofort tot.
Drakenburg bei Nienburg, 9. September. Ein schwerer Unglückssall ereignete sich hier an einer beim Ackerbürger Erich ausgestellten Dreschmaschine. Beim Nachsehen der Lager wurde der Besitzer Hackmann aus Holtorf von einer Riemenscheibe ersaßt und kam in das Getriebe. Er konnte nicht eher aus seiner Lage befreit werden, bis die Lokomobile abgestellt war und die Maschine still stand. Der rechte Unterarm war total zersplittert, so daß die Hand nur noch an einer Hautstelle hing. Der Bedauernswerte wurde sofort nach Nienburg ins Krankenhaus geschafft. .
Altenburg, 7. September. Bei dem Manöver in der Gegend vom Lumzig und Dobitschen stürzte, wie das „Leipz. Tageblatt" meldet, ein Husar in einem Hohlweg mit dem Pferde und brach dabei das Genick. Ein Pferd eines Meldereiters hat sich in der Nacht auf einem Patrouillenritt an einem Stacheldraht die Brust aufgerifsen. Ein anderes Tier lag in Göhren in einem Gehöft mit zerbrochener Kniescheibe. Es wurde erschossen. Bei dem Manöver zwischen Braunshaun und Hartha geriet das Pserd eines Signalisten in einen Graben, überschlug sich und kam aus den Reiter zu liegen. Durch schnell herbeigeeilte Hilse konnte er von der Last befreit werden, dürste jedoch trotzdem erhebliche innere Verletzungen davon- getragen haben.
Hannover, 10. September. Am Reform-Realgymnasium iuE. erschoß sich heute morgen während der Schulzeit der 13- jährige Schüler Ernst O. der Oberreal-Untertertia. Während der Zeichenstunde ging er in die Klasse, legte dort seine Bücher ab, zog den Rock aus und schrieb auf einen Zettel: „Ich scheide freiwillig aus dem Leben. Ernst O." Darauf nahm er einen Revolver und schoß sich ins Herz, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Es muß angenommen werden, daß der Knabe durch übermäßiges Lesen von Abenteuerromanen und sonstiger Schundliteratur beeinflußt worden ist.
Göttingen, 9. September. Der Unternehmer August Deppe aus Wülsten ist gestern beim Ausstellen einer Schutzwand, die das weitere Ausspülen des Bahndammes verhindern sollte, auf der Strecke Nordhausen—Northeim in der Nähe des Bahnhofs Wülsten auf entsetzliche Weise zu Tode gekommen. Die Wand fiel um und traf Deppe so unglücklich, daß ihm die Brust eingedrückt und der Unterleib zerquetscht wurde. Auf dem Transport nach der Klinik in Göttingen starb der erst 44 Jahre alte Mann.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
Die am 9. September abgeschlossene Berichtswoche hatte für Getreide einen ruhigen Verkehr mit nicht besonders großen Preisschwankungen. Die Beschickung der Märkte ist geringer geworden, da die Landwirte von der Feldbestellung mehr iu Anspruch genommen werden. Auf dem Weltmärkte haben die starken Verschiffungen von Weizen, wozu wider Erwarten Südrußland einen bedeutenden Teil beigetragen hat, allgemein überrascht und schließlich einen drückenden Einfluß auf die Notierungen ausgeübt. Die schwimmenden Weizenmengen übertreffen nicht nur die der Vorwoche, sondern auch die der entsprechenden Zeit des Vorjahres ansehnlich. Am Berliner Markt zeigen die Schlußpreise für Weizen gegen die Vorwoche eine Steigerung, welche auf die Geringfügigkeit des inländischen Angebots zurückzuführen ist. Ware zur Erfüllung der für September bestehenden Lieferungsverflichtungen ist nur wenig angedient worden; infolgedessen besteht fast kein Unterschied mehr zwischen den Septemberpreisen und den Oktober- und Dezemberpreisen. Daneben besteht noch sehr wohl die Möglichkeit einer Ausfuhr, wird aber während der geringen Verläßlichkeit der Qualität der Inlandsware kaum benutzt. Im Gegensatz hierzu ist Roggen stark exportiert worden; eine preissteigernde Wirkung ist davon aber nicht ausgegangen, da die Frühzeitigkeit der Ernte und die Trockenheit des Korns diesmal ungewöhnlich große Roggenmengen bisher haben zum Ausdrusch kommen lassen. Bei ungenügender Nachfrage für den Konsum verraten die Preise eher eine Neigung zur Ab- schwächung. Haser lag in der ersten Hälfte der Berichtöwoche infolge kleiner Jnlandsofferten, vielfacher Ernteklagen und Käufen der Proviantämter recht fest, ermattete dann aber, als sich wesentlich vermehrtes russisches Angebot zeigte. Mais blieb fest bei mäßigen Zufuhren. Für Lieferung im September wurden am letzten Tage der Berichtswoche nachstehende Preise ermittelt: Weizen 203,25 Mark, Roggen 174,00 Mark, Hafer 160,75 Mark, Mais 159,00 Mark.
vermischtes.
— Bei lebendigem Leibe verbrannt ist die Ehefrau des Bergmanns Krause in Rhüden bei Braunschweig. Die Frau stieß versehentlich eine auf dem Herde stehende Petroleumlampe um. Die Flammen ergriffen die Kleidung der Frau, die im Nu lichterloh brannte. Die unglückliche Frau trug, bevor Nachbarsleute die Flammen erstickt hatten, so schwere Brandwunden am ganzen Körper davon, daß sie nach kurzer Zeit starb.
— (Seltsamer Unglücksfall.) In Nürnberg
hat sich ein elfjähriger Knabe, der beim Holzhacken eine festgeklemmte Axt aus dem Klotz herausriß, mit der Axt derart heftig gegen die Stirn getroffen, daß er einen Schädelbruch erlitt und bald daraus starb.
— (Millionenstistung.) Den Beamten und Arbeitern der Maschinensabrik Gritzner in Durlach wurde mitgeteilt, daß durch eine Bestimmung des verstorbenen Fabrikgründers C. Gritzner und feines Sohnes Rudolf Gritzner eine Stiftung von 1 Mill. M. für die Beamten und Arbeiter der Fabrik errichtet worden ist.
— Ein tragis ches Automobilunglück wird aus Genua berichtet. Der Ingenieur Galori, der in dem Dörfchen Albenga zur Sommerfrische weilte, war auf dem Wege zu seiner Villa, als sein einziges Kind, ein sechsjähriger Knabe, ihm freudig entgegengelausen kam. In demselben Augenblick brauste ein Automobil, in dem außer dem Chauffeur die beiden Töchter des Marquis Revedin saßen, mit rasender Schnelligkeit um die Straßenecke. Der Vater sah den Wagen nahen, und verzweifelt schrie er dem Kinde eine Warnung entgegen. Es war zu spät. Der Wagen brauste über das Kind hinweg, das tot im Straßenstaube liegen blieb. Den unglücklichen Vater übermannte verzweiflungsvolle Wut. Er reißt einen Revolver aus der Tasche und feuert blindling auf das davonsausende Automobil. Der erste Schuß geht fehl, der zweite aber durchbohrt den Oberkörper der jüngeren Schwester, die tödlich verwundet wird, und dringt dann in den Kopf des Chauffeurs, der sofort leblos zur Erde sinkt. Seines Führers beraubt, saust das Automobil weiter. Die ältere der beiden Schwestern, entsetzt und fassungslos, macht nicht einmal den Versuch, die Katastrophe aufzuhalten. Einige dreihundert Meter weiter, und das Automobil rast mitten hinein in die Felsen der Meeresküste und zerschmettert in Stücke. Schwer verletzt und furchtbar verstümmelt trug man das verunglückte Mädchen aus den Felsen; es ist kaum Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Der Ingenieur wurde sofort verhaftet; man fand ihn immer noch über der Leiche seines einzigen Kindes liegend, die er nicht aus den Armen lassen wollte.
— Washington, 9. September. Orvill Wright unternahm heute vor Beginn des Exerzierens des Signalkorps der Bundes-Armeeeinen Ausstieg mit seinem Aeroplan. Er umkreiste das Gelände 28 mal und blieb 57 Minuten 31 Sekunden in den Lüsten. Die stündliche Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 36 englische Meilen. Orvill Wright hat damit jeden bisherigen Rekord für Flugmaschinen gebrochen. Der Rekordflug Orvill Wrights, der bei prächtigem Wetter von statten ging, bildet hier das Tagesgespräch. Wright, der die Bewegungen des Aeroplans vollständig meisterte, erklärte den seinen Flug beobachtenden Offizieren gegenüber, er hätte noch länger in der Luft bleiben können. Die Aufstiege Wrights bilden die Proben für seine offiziellen Flüge. Die Armeeverwaltung wird seine Flugmaschine ankaufen, falls es ihm bei den offiziellen Flügen gelingt, bei einer Stundengeschwindigkeit von 40 englischen Meilen eine Stunde in der Luft zu bleiben. Wright machte gestern nachmittag noch einen weiteren Ausstieg mit seinem Aeroplan, bei dem er 62 Minuten 15 Sekunden in der Lust verblieb. Bei dem Aufstieg waren u. a. Kriegsminister Wright und der Marinesekretär Metcalf zugegen.
— (Der Vorsteher d es Antiselbstmord- bureaus als — Selbstmörder.) Ueber einen Selbstmord, den man wirklich sensationell nennen kann, wird aus Newyork berichtet. Dort besteht, von der Heilsarmee eingerichtet, ein sogenanntes Antiselbstmordbureau, das die Ausgabe hat, die sich mit Selbstmord Tragenden von ihrem Entschluß abzubringen und sie dem Leben wiederzugewinnen. Das Bureau hat schon schöne Erfolge erzielt, an denen nicht zuletzt der Vorsteher namens Scott Anteil hat. Um so überraschender wirkt es, daß Scott soeben einen Selbstmordversuch gemacht hat. Er vergiftete sich mit Blausäure und mit Gas, doch glaubt man ihn am Leben erhalten zu können, da er noch beizeiten ausgefunden wurde. Die Beweggründe zu der Tat sind bis jetzt in Dunkel gehüllt.
— (Ein luxuriöses Gefängnis.) Aus New Jork wird berichtet: Die Entrüstung über die außerordentlichen Vergünstigungen, die Harry Thaw im Gefängnis genießt, wird durch neu bekannt werdende Einzelheiten immer mehr gesteigert. Seit drei Monaten befindet sich Thaw im Ducheß County-Gefängnis, wo er auf feinen Geisteszustand geprüft wird. Da er als Geisteskranker verurteilt wurde, so lebt er nicht mit den andern Gefangenen zusammen, und da die Gummizelle schon besetzt ist, hat man Thaw eine ganze Flucht von 13 Zellen mit dem Korridor eingeräumt, in günstiger Lage, mit prächtiger Aussicht auf den Hudson. Ein Journalist, der den Gefangenen besuchen durfte, berichtet, daß sein Gefängnis mit dem raffiniertesten Luxus eingerichtet ist. Thaw schläft in einem breiten kostbaren Bette und bewegt sich ungehindert in seiner Zellenflucht, in der bequeme breite Armsessel stehen. Ein Zimmer ist als Salon eingerichtet, in einem andern befindet sich ein großer Schreibtisch und eine reichhaltige Bibliothek, deren Benutzung Thaw die Zeit verkürzt. Er hat sich jetzt daran gewöhnt, seine Korrespondenz schriftlichen Arbeiten selbst mit der Schreibmaschine zu schreiben; die Maschine hat ihm der bekannte amerikanische Politiker Woodruff ins Gefängnis geschickt. Die Mahlzeiten für Thaw werden aus den vornehmsten New Porter Restaurants bezogen, und das Menü läßt weder an Reichhaltigkeit noch Erlesenheit der kulinarischen Genüsse etwas zu wünschen übrig. Allwöchentlich erhält Thaw die Erlaubnis zu einer längeren
Automobilfahrt, angeblich anläßlich der nötigen Vernehmungen wegen seines Gesuches um Bankrotterklärung. Inzwischen sind die Mitgefangenen Zeugen der Vergünstigungen, die Thaw sich durch seine Dollars verschafft, und ihre Empörung teilt auch die Oeffentlichkeit, die immer energischer Einspruch dagegen erhebt, daß der reiche Mann mit seinem Scheckbuch die Härte des Gesetzes breche.
Ein Problem für Familienmütter ist die Beschaffung standesgemäßer Kleider. Zum Glück gibts in dem reich ausgestatteten Favorit-Modenalbum der Internationalen Schnittmanusaktur, Dresden-N. 38 (nur 70 Pf. franko) eine geradezu mustergiltige Anleitung, sich sparsam und doch elegant zu kleiden und in den Favorit-Schnitten unschätzbare Hilsen sürs schneidern. Außerdem zu empfehlen: Die Ballkleidung 70 Pf., Jugendmode 60 Pf., Favorithandarbeitsmuster für Haus und Kleid 100 Ps., Selbstversertigung von Spielsachen 100 Ps.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 10. September. Die Militärverwaltung beabsichtigt, in Straßburg, Köln und Griesheim b. Franksurt Lustballonstationen zu errichten.
Deutsch-Krone, 10. September. Bei Dreetz überfiel der Arbeiter Milarch einen Schulknaben, betäubte und erwürgte ihn, worauf er ihn begrub in der Meinung er sei tot, nachdem er dessen Barschaft geraubt hatte. Der Knabe wurde halberstickt aufgesunden. Der Täter wurde verhaftet.
Bern, 10. September. Von einer Brandkatastrophe wurde das Alpenstädtchen Clarus im Vintschgau heimgesucht. — Auf der Gemsjagd im Urner Hochgebirge ist der 22jährige Stationsgehilfe Gamma aus Altdors abgestürzt.
M ü h l h a u s e n i. E., 10. September. Hier stieß ein elektrischer Straßenbahnwagen mit einer Dampfwalze zusammen. 10 Personen wurden verletzt, darunter drei schwer.
L e m b e r g, 10. September. Die Cholera dringt westwärts in das Weichselgebiet vor.
S a n g e r h a u s e n, 10. September. Bei einer vom Landwehroffizierkorps veranstalteten Jagd verunglückten Leutnant Böving und Leutnant der Reserve Bösenrodt durch einen Zusammenprall ihrer Pferde. Böviug trug eine Gehirnerschütterung und Knochenbrüche davon, während Bösenrodt leicht verletzt wurde.
Kopenhagen-, 10. September. Nachdem daS Ergebnis der vom Sparkasfen-Jnspektor vorgenommenen vorläufigen Untersuchung des Standes der Seeländischen Bauern- sparkasse dem Ministerium übergeben worden ist, haben der Finanzminister und der Minister des Innern heute über Möglichkeiten verhandelt, um die Folgen des eingetretenen Uebelstandes zu mildern. Das gesamte Defizit beträgt danach etwa lOVt Millionen Kronen, wovon 1 900 000 Kronen durch die von Vertrauensmännern gezeichnete Garantiesumme gedeckt sind. Der Finanzminister verhandelte später mit den führenden Bankiers über die Lage.
Petersburg, 10. September. Die Stadt und ihre Umgebung sind für cholerabedroht erklärt worden. Das städtische Gesundheitsamt macht bekannt, daß an der Cholera in den letzten 24 Stunden 37 Personen erkrankt und 12 gestorben sind. ___________________________________________________
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 13. September. (Missionsfest.)
Vormittags 9 Uhr: Herr Superintendent Schafft.
Nachmittags V23 Uhr: Herr Missionar Dürr aus Indien und Herr Missionar Müller aus China. Schlußwort: Herr Pfarrer Schröder.
Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zu Petersberg.
Ev. Männer- u. Jünglingsverein.
Sonntag 8 Uhr: Geselliges Beisammensein.
Donnerstag 83/i Uhr: Bibelstunde.
Sonnabend 88/4 Uhr: Gebetstunde.
sämtlich im Vereinshaus.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule.)
Wetteraussichten für Sonnabend, den 12 September.
Kühl, veränderliche Bewölkung, strichweise leichter Regen
Hierzu eine Beilage und Nr. 37 des
„Illustrierten Sonntagsblattes."
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Carl Sommer jr., Leipziger Tuchversand, Leipzig No. 88.