ausgebaut werden solle. Daneben ist eine Reform der Matrikular- umlagen geplant. Durchaus ablehnend verhält sich die Kundgebung in der „Nordd. Allg. Ztg." gegenüber einer direkten Reichs-Einkommen- und Vermögenssteuer. — Hierzu schreibt der Berliner Lokal-Anzeiger: Daß zu den modernen Einrichtungen, die besteuert werden sollen, in erster Linie die Elektrizität und das Gas gehören, ist bereits bekannt. Es soll dabei aber weniger die von diesen beiden Quellen ausgehende Kraft als das Licht besteuert werden, und auch nicht die Produktion, sondern diese Abgabe soll den Konsumenten auferlegt werden, wenngleich ihre Erhebung bei den Produzenten statt- finden dürste. Die gewerblichen Interessen sollen nach Möglichkeit geschont werden. Ferner ist unter jenen modernen Ein- richtungeu auch an das Reklamewesen gedacht, das ebenfalls zur Besteuerung herangezogen werden soll, ob es nun in Gestalt von Plakaten, von Inschriften an Mauern, Bergen usw. oder von Zeitungsinseraten auftritt. Was diese anbelangt, so will man weitgehende Unterschiede machen, die sogenannten „kleinen Anzeigen" unabhängig von ihrem Umfange und nur nach ihrem Zweck betrachten, also Stellengesuche und Stellenangebote, Familienanzeigen u. dergl. ganz steuerfrei lassen und auch die minder leistungsfähigen kleineren Blätter zu der Jn- seratensteuer nicht heranziehen, sondern sie lediglich von den größeren, ertragreichen Blättern erheben.
Eine Aenderung derPostordnung, die vom 1. Oktober 1908 ab in Kraft tritt, ist unter dem 31. August verfügt worden. In der Hauptsache handelt es sich um die Einfügung eines neuen Paragraphen 18 a, der den Post- Wechselprotest regelt. Außerdem wird u. a. verfügt, daß bei den gegen die Drucksachentaxe zu befördernden offenen Karten auf dem linken Teile der Vorderseite gedruckte oder durch ein mechanisches Vervielfältigungsverfahren hergestellte Angaben jeder Art angebracht werden können.
Die bisher in Deutschland eingetroffenen deutsch-süd- west afrikanischen Diamanten sind, wie in Fachkreisen verlautet, mit im ganzen 22 000 Mark Wert eingeschätzt worden. Es sollen nicht große, aber sehr gute, wasserhelle Steine sein, für die durchschnittlich 26 Mark pro Karat bezahlt wurden, also ein recht ansehnlicher Preis.
Die Lage der Deutschen in Böhmen wird durch die fortgesetzten tschechischen Ausschreitungen nachgerade eine haltlose. Besonders lehrreich ist in dieser Beziehung ein neuer Vorfall in Bergreichenstein, in welchem deutsch-böhmischen Orte schon am letzten Sonntag nachts deutsche Turner von fanatischen Tschechen überfallen wurden. Am Abend des 8. September kam es dort abermals zu einem Streit zwischen Deutschen und Tschechen, in welchen der tschechische Bezirkskommissar Pawlowsky schroff eingriff. Er ließ gegen die Deutschen durch Gendarmen einen Bajonettangriff untemehmen, wobei zwei Deutsche und allerdings auch ein Tscheche, tötlich verletzt wurden, fünf weitere Deutsche erhielten schwere Verletzungen. Schließlich requirierte der Bezirkskommissar aus dem nahen Klattau noch zwei Eskadronen Dragoner, welche auf sein Geheiß auf die Deutschen in Bergreichenstein an- sprengten und viele von ihnen niederritten. Der Stadtrat von Bergreichenstein richtete infolge dieses unerhörten Vorfalles einen scharfen telegraphischen Protest an den Statthalter Grafen Coudenhove.
In Dänemark bilden die aufgedeckten sensationellen Betrügereien und Schwindelein des bisherigen Justizministers Alberti, welcher erst im vergangenen Juli aus dem Amte schied, das Tagesgespräch. Ueber die Gesamthöhe der von Alberti begangenen Unterschlagungen werden verschiedene Angaben gemacht; jedenfalls bettägt die Gesamtsumme viele Millionen Kronen. Wie es heißt, hat Alberti diese gewaltige Summe während seiner Ministerzeit in allerhand mißlungenen Spekulationen, namentlich in Goldminenaktien, vergeudet. Alberti galt als die Seele des Kabinetts Christensen, es ist daher erklärlich, wenn in Kopenhagen alsbald Gerüchte vom bevorstehenden Rückttitte des ganzen Ministeriums infolge des Albertiskandals auftauchen. Vorläufig werden indessen diese Gerüchte in einer offiziösen Kopenhagener Meldung als jeder Grundlage entbehrend bezeichnet.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Nach einer Meldung des Sabah ist es am 6. September bei Viranschehir zu einem Kampfe mit den Kurden Ibrahim Paschas gekommen. Die Kurden haben 150, die Türken 20 Mann verloren. Das 4. und 5. Korps haben Befehl erhalten, umfassende Maßregeln zur Unterweisung des Kurdenstammes, JbrahimeS und dessen Anhanges zu ergreifen. Eine gestrige Depesche aus Dersim besagt, daß die Kurden ihre Angriffe fortsetzten und daß die Bevölkerung in Gefahr schwebt. Der bisherige Kommandant der dort operierenden 22 Bataillone General Neschet wurde abgesetzt und General Aly statt seiner ernannt.
Die Agitation der Arbeitslosen in Glasgow dehnt sich immer mehr aus und nimmt gleichzeitig einen gefährlicheren Charakter an. Mehr als sechzigtausend Personen sind infolge der industriellen Depression mittellos und in Verzweiflung. Die Arbeitslosen wollen neuerdings den Versuch unternehmen, in das Rathaus einzudringen, um von dem Stadtrat, der sich eben versammelt, Abhilfe zu verlangen. Sie drohen auch, das reiche Stadtviertel zu plündern. Die Behörden ergreifen alle notwendigen Maßnahmen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.
D e r S e g e n der Landarbeit für die körperliche Gesundheit ist so groß, daß man neuerdings in England daS Pflügen unter die sportlichen Uebungen ausgenommen. Die Ausübenden müssen dabei ganz wie die Knechte hinter dem Pfluge einhergehen und die Pferde antreiben. Es haben bereits Wettpflügen stattgefunden. Das englische Sportsblatt „Körperkultur" schreibt darüber: Derartige Körperarbeit im Freien wirkt im wahren Sinne des Wortes veredelnd auf den Körper des Menschen, da sie gesund ist. den Körper stählt und ihn widerstandsfähig gegen hereinbrechende Krankheiten macht. Gartenarbeit ist nicht nur für Dicke, sondern für alle Personen gesund, die viel sitzen oder sonst wenig Bewegung haben. Man sollte seine Haut möglichst an die frische Lust und den Wind gewöhnen, der ein kräftigendes Luftbad gewährt und der Gesundheit ebenso förderlich ist wie ein Wasserbad zur heißen Sommerzeit. Diese Ausführungen beweisen, so schreibt die „KreuM.", welch ein Segen für die Gesundheit des Leibes und auch zugleich der Seele, in der Landarbeit steckt. Nichts wäre törichter, als wollte auch das deutsche Volk sich ihr mehr und mehr entfremden, um schließlich aus dem Umwege über den Sport zu ihr zurückzukehren. Schon mancher, der vom Lande in die Stadt zog, dort in licht- und luftarmen Räumen wohnte und arbeitete und das frische Rot der Wangen bald gegen ein farbloses Gesicht austauschte, hat es zu spät bereut. Nicht viele finden die Entschlossenheit, einfach dahin zurückzukehren, wo es ihnen im Grunde genommen viel besser gefiel. Daher wäre es sehr zu wünschen, daß die Ab- wanderer vom Lande sich über ihr Beginnen und seine Folgen genau klar würden, ehe sie in die Stadt ziehen.
Wr Provinz u. Nachbargebiet.
* Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestell- gang ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Wertangabe, Einschreibesendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Pakete und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern der an kleineren Landorten errichteten Posthilskstellen geführt. Da dem Absender das Recht eingeräumt ist, die Eintragungen selbst vorzunehmen, so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug empfohlen werden, die den Landbriefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfsstellen zur Weitergabe an den bestellenden Boten niederzulegenden Postanweisungsbeträge, Wertsendung^ pp. tunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbriesträgers oder der Posthilfstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriefträger oder Posthilsstelleninhaber zu überzeugen.
* (Die Sparkassen der Provinz Hessen- Nassau.) Am Ende deS Jahres 1907 bestanden in der Provinz Hesien-Naffau -82 Sparkassen mit zusammen 447 Millionen Mk. Spareinlagen. Neu gegründet wurden im vergangenen Jahre die städtische Sparkasse in Biebrich und die Kreissparkasse in Homburg. Auf den Regierungsbezirk Cassel allein entfallen 57 Sparkassen mit 215 Millionen Mk. und aus den Reg.-Bez. Wiesbaden 25 Sparkassen mit 232 Millionen Mk. Spareinlagen. An Sparkassenbüchern entfielen Ende 1907 auf den Reg.-Bez. Cassel 286,000 Stück und auf den Reg.-Bez. Wiesbaden 386,000 Stück, zusammen 672,000 Stück. Der Zuwachs an Spareinlagen war auch im vergangenen Jahre erheblicher, nämlich 7Va Millionen Mk. im Reg.-Bez. Cassel und 8V2 Millionen Mk. im Reg.-Bez. Wiesbaden, zusammen also 16 Millionen Mk., gegen 24 Millionen Mk. in 1906, 25 Millionen Mk. in 1905 und 26 Millionen Mk. in 1904, der Betrag deS Zuwachses ist also ständig zurückgegangen. Es wiederholt sich hier eine auch in früheren Perioden beobachtete Tatsache, daß zu Zeiten steigender Konjunktur der Zufluß der Gelder nach den Sparkassen abnimmt. Am meisten hat sich dies bei den großen Sparkassen geäußert, mit Ausnahme der Nassauischen Sparkasse, deren Zuwachs sogar eine kleine Erhöhung gegen das Vorjahr erfahren hat, wohl infolge des Umstandes, daß bei dieser Sparkasse der Höchstbetrag der Einlagen in den letzten Jahren von 1000 Mk. auf 10,000 Mk. erhöht worden war. Die Zahl der Sparer hat wieder bei allen Sparkassen stark zugenommen, in der Provinz Hessen-Nassau zusammen um 26,000 Sparer, gegen 27,500 in 1906 und 29,000 in 1905. Die größten Sparkassen der Provinz sind die Frankfurter Sparkasse der polytechnischen Gesellschaft (96 Millionen Mk.), Nassauische Sparkasse (93V2 Millionen Mk.), Städtische Sparkasse Cassel (22 Millionen Mk.), Städtische Sparkasse Frankfurt (I8V2 Millionen Mk.), Kreissparkasse Eschwege (13V2 Millionen Mk.), Städtische Sparkasse Marburg (11 Millionen Mk.) Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet entfielen Ende 1907 aus je 100 Einwohner im Reg.-Bez. Caffel 30, im Reg.-Bez. Wiesbaden 34 Sparkassenbücher. Aus den Kops der Bevölkerung entfielen im Reg.-Bez. Caffel 225 Mk., im Reg.- Bez. Wiesbaden 208 Mk. Spareinlagen.
* (Der Honig und die Nahrungsmittel- fälschung.) In den Kreisen der Hvniginteresfenten ist neuerdings die Frage erörtert worden, ob solcher Honig als vollwertiger Honig in den Handel gebracht werden dürfe, der von den Bienen nicht aus den Pflanzen gesammelt, sondern durch künstliche Fütterung der Bienen mit Zuckerlösung erzeugt sei. Jetzt veröffentlicht der Jmkerverein zu Freiburg i. B. folgende Klarstellung der Angelegenheit: „Der Bienenmeister N. hat in der Absicht, die Honigernte zu vergrößern und das so gewonnene Produkt durch Verkauf und Tausch in den Verkehr zu bringen, seine Bienenvölker fortgesetzt mit Zuckerlösung gefüttert; er hat von dem so gewonnenen bzw. hergestellten Honig unter Verschweigung der Art feiner Herstellung zum Preise von 80 Ps. und 75 Pf. (Grospreife) verkauft. Die Gerichte sind nun in die Untersuchug eingetreten, ob in der Zuckerfütterung ein „Nochmachen" oder ein „Verfälschen" im Sinne des Nahrungsmittelgesetzes liege. ES wurde zu gegeben, daß man durch Benutzung der in belebten Wesen sich vollziehenden innern Arbeitsleistung möglicherweise Nohrungs- und Genußmittel nachmachen oder verfälschen könne; diese Möglichkeit wurde aber hinsichtlich der Bienen bestritten, aus Gründen, auf die hier einzugehen, zuweit führen würde. So kam man zu dem Schlüsse, die durch Fütterung der Bienen mit Zuckerlösung erzeugte Masse sei natürlicher Honig, eine Nachahmung oder Verfälschung liege nicht vor, Bestrafung der Zuckerfütterung an sich auf Grund des Nahrungsmittel- gesetzes sei daher unmöglich. Die Gerichte hatten aber das Empfinden, daß damit dem Rechtsgefühl des Volkes nicht gedient sei; sie suchten und fanden, daß die durch die Zucker- fütterung erlangte Masse zwar physiologisch immer noch Honig, „aber doch gegenüber dem im freien Fluge der Bienen erzeugten sowohl sachlich als nach der allgemeinen Verkehrsanschauung hin äußerst minderwertig sei", daß, wer schlechthin „Honig" verlangt, nach der Verkehrssitte und Treu und Glauben erwarten dürfe, solchen Honig zu erhalten, den die Bienen aus den Pflanzen selbst gewinnen. Dieser rechtlich begründeten Erwartung des Käufers stehe die nicht weniger begründete Verpflichtung des Veräußerers — lediglich Pflanzen- honig zu liefern — gegenüber. Weil nun N. die minderwertige Ware unter Verschweigung der Art der Erzeugung verkaufte und zu den Preissätzeu für „Honig" sich bezahlen ließ, so habe er sich dadurch bewußt einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft, wie auch festgestellt worden fei, daß die Käufer bei Kenntnis des wahren Sachverhalts die betr. Kaufverträge nicht abgeschlossen haben würden. Er habe in der Absicht gehandelt, andere zu täuschen, dementsprechend zu schädigen, sich selbst zu bereichern; diese Handlungsweise aber erfülle den Tatbestand des Betrugs. Es erfolgte denn auch Bestrafung wegen Betrugs zu einer empfindlichen Geldstrafe und den sehr erheblichen Kosten. Straferschwerend wurde die große Gefährdung des öffentlichen Verkehrs durch das betrügerische Gebühren des N. und die dadurch herbeigeführte empfindliche Beeinträchtigung der Interessen der ehrlich betriebenen, für den Volkswohlstand nicht unwichtigen Bienenzucht in Betracht gezogen."
§ Hersfeld, 11. September. Den zum aktiven Militärdienst ausgehobenen Versicherungspflichtigen jungen Leuten ist dringend zu empfehlen, ihre QuittungSkarten kurz vor dem Rekruteneinstellungstermin bei der zuständigen Behörde umzutauschen, auch wenn die Gültigkeitsdauer der Karten noch nicht abgelaufen sein sollte. Es wird dadurch verhütet, daß die Karten, die mit ihrer mehr oder weniger großen Markenzahl einen besonderen Wert besitzen, während der Militärdienstzeit verlegt werden oder sonst in Verlust geraten.
):( Hersfeld, 10. September. (Schöffengericht). Von drei Burschen aus Tann wurden wegen gegenseitiger Körperverletzung der eine zu 15 Mk. ev. 3 Tage, die beiden
anderen zu je 10 Mk. ev. je 2 Tagen Gefängnis verurteilt. — Ein hiesiger Weißbindergchülse erhielt wegen Versäumnis der Fortbildungsschule 6 Mk. Geldstrafe ev. 2 Tage Haft. — Zwei hiesige Fuhrknechte wurden wegen Tierquälerei mit 4 Mk. ev. 1 Tag Haft, resp, mit 2 Mk. ev. 1 Tag Haft bestraft. — Ein hiesiger Bürger wurde wegen Bauens ohne Erlaubnis zu 6 Mk. Geldstrafe ev. 2 Tagen Hast verurteilt. — In einer Einspruchssache erfolgte Freisprechung.
):( Hersfeld, 11. September. Der heutigen m ü n d- lichenReifeprüfung am hiesigen Königlichen Gymnasium hatten sich die Oberprimaner Braun-Oberrode, Nußbaum- Hersfeld und Dornemann-Weichersbach unterzogen, welche die Prüfung bestanden.
Caffel, 11. September. In der gestrigen Nacht ist ein unbekannter Reisender auf der Eisenbahnstrecke Cassel-Scher- fede-Arnsberg in der Nähe der Station Neheim-Hüsten aus einem Kupee gestürzt. Dies geschah während der Zug noch in voller Fahrt begriffen war. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren, sodaß er blutüberströmt auf den Schienen liegen blieb und im bewußtlosen Zustande ins Krankenhaus transportiert werden mußte. Sein Zustand ist leider hoffnungslos. Ueber die Veranlassung nnd die näheren Umstände deS Unglücksfalles gehen die Mitteilungen auseinander. Wie es heißt, soll der junge Mann bei der Revision der Fahrkarten den Sprung aus dem Zuge unternommen haben, weil er keine gültige Fahrkarte besessen hat.
Caffel, 10. September. Zu den H e rb st m a n ö v er n sind gestern auch die beiden hiesigen Bataillone des Jnf.- RegtS. Nr. 83 abgerückt. Die Fahrt ging zunächst im Militärzüge bis Weimar i. Th.
Caffel, 10. September. Gestern vormittag benutzte eine junge Frau in der Jordanstraße Petroleum zum Feuer- anmachen. Als sie dann die Kanne neben das Herdfeuer stellte, explodierte die Kanne und die Frau wurde fürchterlich zugerichtet. Sie mußte sofort ins Rote Kreuz transportiert werden. Der Mann war zu einer Beerdigung abwesend. — Ein sonderbares Resultat zeigte die gestern vom hiesigen Königlichen Meliorationsbauamt abgehaltene Verdingung der Arbeiten zur Ausführung der rund 300 Hektar großen Genossenschaftsdrainage in Ehrsten im Kreise Hofgeismar. Es handelte sich um die Ausführung von 211000 Meter Draingräben, wobei sich wunderbare Preisunterschiede zeigten. Der Mindestfordernde, eine hiesige Firma, verlangte 43 889,20 Mark, der Höchstsordernde, eine bekannte Baufirma in Stettin, forderte 123 098,90 Mark, also die Kleinigkeit von 79 209,70 Mark mehr, als der Mindestsordernde. Die schlechten Zeiten für die Tiesbaugewerbe scheinen demnach immer noch an= zuhalten, denn bei jeder derartigen Verdingung finden sich für Laien wie Fachleute gleich unverständliche Preisunterschiede.
Linden, 8. September. Heute morgen gegen 6 Uhr stürzte sich die Frau des Gerichtsvollziehers Monenschein, Wittekindstraße 2 wohnhaft, in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster der vierten Etage und war sofort tot.
Eschwege, 10. September. In die Landesheilanstalt Marburg mußte der 15 Jahre alte Sohn des Ackermanns Sandrok aus dem benachbarten Langenhain gebracht werden. Im Zorn hatte ihn der Zimmermann K. roh mißhandelt. Er schlug den Jungen mehreremal mit einer Flasche so heftig an den Hinterkopf, daß der Junge bewußtlos zusammenbrach. Seit der Zeit machten sich bei demselben sehr schwere geistige Störungen bemerkbar, die Uebersührung nach Marburg war daher dringend nötig. Ob es der ärztlichen Kunst gelingen wird, das junge Menschenleben zu retten, ist sehr fraglich.
Altenbeken, 8. September. Nach dem Genuße unreifer« Trauben, auf die wie ärztlicherseits vermutet wird, Wasser getrunken worden war, sind die sieben- und neunjährigen Knaben des Fabrikarbeiters S. zu B. vorgestern, und wie der Arzt sestgestellt, an hochgradiger Cholerine schwer erkrankt und an demselben Tage durch einen sehr schmerzvollen Tod von ihrem Leiden erlößt worden. — In der Abteikirche zu Freckenhorst stieß man bei Ausschachtungsarbeiten aus eine Anzahl neben- und übereinander liegender Baumsärge, die, wie auch die darin Vorgefundenen Skelette noch gut erhalten waren und von Sachkundigen aus 700 bis 800 Jahre alt geschätzt werden.
Hessisch Oldendorf, 9. September. Der kleine Sohn des Lehrers Seele in Uffeln fiel beim Spielen auf dem Hofe in eine Regentonne und ertrank.
Arnstadt, 9. September. Der Arbeiter Christian Gleich- mann von hier hat die Witwe Luise Schreiber heute mittag 11 Uhr, nachdem er sie in ihrer Wohnung Überfällen hatte, durch Axthiebe und einen Revolverschuß tödlich verletzt. Gleichmann richtete darauf die Waffe gegen sich selbst und tötete sich durch einen Revolverschuß in die Stirn.
Friedberg, 8. September. Der verstorbene Fabrikant Leonhardt vermachte der Stadt Friedberg zur Errichtung eines Krematoriums 30000 Mark.
Apolda, 9. September. Im Dorfteich zu Jserstadt wurde heute der Kassierer der Ortskrankenkasse Zahn mit durchschnittenem Halse tot aufgesunden. Die Ursache zu dem Selbstmord sollen Unterschlagungen sein.
Neunkirchen, 9. September. Der frühere Hirte Julius Mudersbach von Biersdorf starb an Milzbrand, nachdem er beim Oeffnen eines an Milzbrand verendeten Stück Viehes dem Tierarzt geholfen hatte.
Mainz, 10. September. Der Diebstahl von Patronen- Hüljen bei den 117ern beschäftigte das Mainzer Kriegsgericht, dem aus der Untersuchungshaft die bisher unbestraften Unteroffiziere Paul Mathesius und Gustav Max Strack von der 4. Kompagnie vorgesührt wurden. Der Gefreite Franz Wilhelm Schlink von Mainz war der Begünstigung mitangeklagt. Die beiden Unteroffiziere vertraten den Schießunteroffizier und benutzten diese Gelegenheit, einen Koffer abgeschossener Patronenhülsen an sich zu nehmen. Schlink sollte sie an einen Althändler verkaufen. Er bekam den Musketier Bräuner mit zum Tragen und den Erlös von 8 Mk. lieferte er an die beiden Unteroffiziere ab. Bald darauf sandten sie den Bräuner mit einem zweiten Koffer voll Hülsen zum Althändler, wofür sie 8,15 Mk. erhielten. Als der Feldwebel von Bräuner wissen wollte, was in dem Koffer war, redete ihm Strack vor, zu sagen, er hätte an die Mutter von Schlink Wäsche gebracht. Er machte aber dem Hauptmann Mitteilung von dem Hülsen- verkauf. Schlink behauptet, er hätte geglaubt, daß die Unteroffiziere zum Verkauf der Hülsen berechtigt waren. Das Gericht verurteilte die beiden Unteroffiziere zu 6 Wochen Mittelarrest unb Degradation, Schlink wurde freigesprochen.
Aus Thüringen, 7. September. In dem thüringischen Dorfe S. befinden sich mehrere kulturhistorisch interessante Altertümer. Dies ist auch in Fachkreisen bekannt. So kam denn eines Tages der Direktor des Germanischen Museums nach S. und trat ins Zimmer des Ortsschulzen: „Guten Tag, ich bin der Direktor des Germanischen Museums —" „Nisch ze machen!" unterbrach der Schulze abwinkend. „Neben war schon einer da mit en Asfenzirkus — ene Dame ohne Unterleib hamm' mer auch schon — merre brauch' mer nich fer unsre