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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 107.

Sonnabend, den 13. September

1908.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, deN 9. September 1908.

In der Zeit vom 14. bis einschließlich 18. d. Mts. werden die Reparaturarbeiten an der Fahrbahn der Werrabrücke bei Widdershaufen zur Ausführung gelangen.

Der Landwegezug Widdershausen ist in dieser Zeit für jedes Fuhrwerk gesperrt.

J. I. 9313. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 8. September 1908.

Das im Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeiteteGe­sundheitsbüchlein" enthaltend eine gemeinsaßliche Anleitung zur Gesundheitspflege ist soeben in einer neuen (dreizehnten) durchgesehenen und in Einzelheiten geänderten Ausgabe er­schienen.

Das Buch ist von der Verlagsbuchhandlung Julius Springer in Berlin M., Monbijouplatz Nr. 3, zu beziehen und kostet kartoniert 1 M, in Leinwand gebunden 1,25 M, bei gleichzeitigem Bezüge von mindestens 20 Exemplaren das Exemplar kartoniert 0,80 M, in Leinwand gebunden 1,00 M.

Ich verfehle nicht, aus das mit allgemeiner Anerkennung aufgenommene Gesundheitsbüchlein erneut aufmerksam zu machen. I. 9262. Der Königliche Landrat.

I. V.: F e l l i n g e r, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 9. September 1908.

Unter den Schweinen des Landwirts Nuhn in Allendorf ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 8309. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 8. September 1908.

Die unter dem Schweinebestande des Fabrikarbeiters Konrad Kühn zu Hersfeld, Wallengasse Nr. 18, ausgebrochene Rot­lausseuche ist erloschen.

I. 9190. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 7. September 1908.

Unter den Schweinen des Landwirts Heinrich Croll zu Gittcrsdorf ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 9263. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 9. September 1908.

Bei der Schafherde des Schäfers Johs. Sichler in Mengs- bausen ist die Räude festgestellt.

I. 9310. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 7. September 1908.

Bei der Schafherde in Arzell, Kreis Hünfeld, ist Räude sestgestellt worden.

L 9251. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 9. September 1908.

Bei der Schafherde des Schäfers Glebe in Beiershausen ist die Räude festgestellt.

9316. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Während der verflossenen Woche hat der A l l d e u t s ch e Verband in Berlin getagt. Bei aller Anerkennung der hohen patriotischen Begeisterung, die der Wirksamkeit dieses Ver- baudes das auszeichnende Gepräge verleiht, läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß in der Vergangenheit alldeutsche Kreise sich auch lnanchen unnützen Ueberschwang und manche vS^nsprünge haben zuschulden kommen lassen. Hinsichtlich der Berliner Tagung aber vermag das unpartei- ische Urteil nur günstig zu lauten. Hier hat sich der Alldeutsche

&uub feine großzügige, von echt nationalem und patriotischem Geiste getragene Behandlung der Reichs- s l n a n z r e s o r m zweifelsohne um das Vaterland wohlverdient gemacht. Wenn es in der hierauf bezüglichen Resolution des

Verbandstages heißt, daßes die Aufgabe der zum Block ge­hörigen Parteien ist, die Regierung bei der Reichsfinanzreform ohne Rücksicht aus die Parteiprogramme zu unterstützen und damit den Beweis zu erbringen, daß ihm das Vaterland über der Partei steht", so ist das in der Tat die einzig richtige Stellungnahme zu dieser nationalen Frage ersten Rangesund man kann nur von Herzen wünschen, daß die alldeutsche Re­solution bei allen denen, an deren Adresse sie gerichtet ist, ihres Eindruckes nicht verfehlen möge.

Die Erklärung Deutschlands, daß eine rasche Anerkennung Mulay Hafids im Interesse der endlichen Beruhigung der marokkanischen Verhältnisse liege, hat in einem Teile der auswärtigen Presse Angriffe gegen die deutsche Politik hervorgerufen. Dabei ist es nicht ohne Interesse, wahrzu­nehmen, daß die englischen Blätter einen bei weitem gehässigeren Ton anschlagen als die französische Presse. Der von letzterer erhobene Vorwurf, daß Deutschland gehandelt hätte, ohne überhaupt erst einen Antrag Mulay Hafids auf Anerkennung abzuwarten, ist so haltlos wie nur möglich. Ein solcher An­trag liegt bereits vor, und wenn er den Franzosen noch nicht genügt, so unterliegt es keinem Zweifel, daß Mulay Hafid bereit fein wird, ihn zum zweiten Male zn stellen. Bei ruhiger Ueberlegung wird man sich auch in Frankreich sagen müssen, daß das deutsche Verhalten keinen Anlaß zur Erregung bietet. Klar und treffend schreibt dieNorddeutsche Allgem. Zeitung":Wenn eine Großmacht glaubt, zur Hebung be­stehender Schwierigkeiten einen praktischen Vorschlag machen zu können, so wird sie doch wohl noch das Recht haben, ihn den anderen Mächten zur Prüfung zu unterbreiten. Sie wird es umso mehr tun können, als sie auf einer so festen Grund­lage, wie der Bries Mulay Hafids es ist, handelt, und be­achtenswerte Interessen deutscher Untertanen durch die Fort­dauer der bestehenden Zustände geschädigt werden." Es wäre wünschenswert, daß man in Frankreich allgemein die Richtig­keit und Unanfechtbarkeit dieses Standpunktes einsehen unb anerkennen möchte.

Auch von Ministerbegegnungen weiß die Chronik der Berichtswoche wieder zu melden. In Berchtesgaden hat der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen Freiherr v. A e h r e n t a l unserm Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön einen mehrstündigen Besuch abgestattet, und in Salzburg fand eine Zusammenkunft des Leiters der auswär­tigen Politik Oesterreich-Ungarns mit dem italienischen Minister des Auswärtigen T i t t o n i statt. Diese Ministerbegegnungen sind erneute wertvolle Kundgebungen der Dreibundpolitik und des ungeschwächten Fortbestandes des Friedensbündnisses, das nun bereits über ein Vierteljahrhundert in allem Wandel der Zeit seine Kraft bewährt hat. Zwischen Freiherrn v. Aehren- thal und Tittoni dürfte insbesondere die Neugestaltung der türkischen Verhältnisse einen Gegenstand des Gedankenaustausches gebildet haben. Bisher verfolgten die österreichische und die italienische Politik hinsichtlich der Balkanfrage den gleichen Kurs, und es läßt sich wohl mit Sicherheit annehmen, daß hierin auch die Neugestaltung der türkischen Zustände keinen Wandel herbeiführen, sondern daß die Uebereinstimmung der beiderseitigen Auffassungen auch in Zukunft ihre Geltung be­halten wird.

Eine kaiserliche Märtyrerin.

(Zum 10. Todestage der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich.)

Am 10. September jährte sich zum zehnten Male der Tag, an dem die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich dem mörderischen Dolche des Italieners Luecheni zum Opfer fiel. Wenige Tage vorher hatte sie zu ihrem Vorleser gesagt:Ich wünsche mir einen schnellen, schmerzlosen Tod ich möchte nicht in meinem Bette sterben." So war ihr Wunsch erfüllt worden. Sie war des Lebens müde und doch hatte es ihr beim Beginne fo sonnig zugelächelt, wie nur wenigen Sterblichen. Ein lebensfrohes, kaum siebzehnjähriges Kind war sie, als die Wiener der jugendschönen Kaiferbraut bei ihrem Einzüge zu- jubelten. Aber der Hauch der Weltstadt, die intriguenge- schwängerte Hofluft hatten derRose aus Bayerland" nicht gut getan. Sie war zu jung und zu warmherzig, um sich von der Hofetikette einschnüren zu lassen. Mit Recht urteilte ihre Mutter von ihr:Du besitzest von Natur ausgezeichnete Gaben und einen edlen Charakter." Aber was ihr fehlte, war die Anpassungsfähigkeit. Einmal ließ sie sich dazu hin­reißen, einem ihr verhaßten Hofbeamten im Beisein vieler Zeugen eine Ohrfeige zu geben; und noch lange lachten die Wiener über den Mann, dem der Kaiser zum Trost für diese Ohrfeige einen Orden verliehen hatte. Ihrem warmen Herzen folgend, hätte sie sich gern jeden Tag unter die Wiener Be­völkerung gemischt, um Freuden zu stiften; aber das fand man nichtkaiserlich" genug. Groß war ihre Liebe zu dem un­garischen Volke; sie sprach seine Sprache wie eine Ungarin und betete auch mit ihren Kindern täglich aus ungarisch. Die schönste Zeit ihres Lebens nannte sie die Tage, die sie im Jahre 1867 bei der Königskrönung in Budapest verbrachte. Was ihr den Aufenthalt auf ihrem ungarischen Lustschlosse Gödöllö besonders lieb machte, war, daß sie dort ihren liebsten Sport, das Reiten, nach Herzenslust ausüben konnte; in der Reitkunst war sie so vervollkommnet, daß sie sich in einem

Zirkus hätte sehen lassen können. Ihre Liebhaberei für Pferde war groß; als sie einst auf einer Wiener Kunstausstellung Gemälde für ihre Gemächer aussuchte, stellte sich nachträglich zu ihrer und des Kaisers größter Heiterkeit heraus, daß die 24 von ihr ausgewählten Bilder sämtlich Pferde darstellten.

Körperlichen Leiden unb den Verhältnissen am Hofe, nicht zuletzt aber auch ihrer eigenen großen Reiselust ist es zuzu- schreiben, daß sie viele Jahre auf Reisen verbrachte.Ich sehe Europa am liebsten im Profil," pflegte sie zu sagen, wenn sie auf ihrer Jacht an den Mittelmeerküsten entlang fuhr. Ein großer Schmerz war ihr der tragische Tod des Königs Ludwig von Bayern, ihres Vetters, mit dem sie eng befreundet war. Aber auch in ihrem engsten Familienkreise hat sie genug erlitten. In den ersten Jahren ihrer Ehe starb ihr erstgeborenes Töchterchen. Der schrecklichste Schlag ihres Lebens war jedoch das tragische Ende ihres einzigen Sohnes, des Kronprinzen Rudolf. Als man sie davon benachrichtigte, nahm sie aus sich, was kein Minister und kein Hosbeamter wagte: sie fetzte den Kaiser von dem Schrecklichen in Kenntnis. Allerdings vergaß sie während der Trauerfeierlichkeiten ihr eigenes Leid, um den Gatten zu trösten. Aber sie war seit der Zeit gebrochen. Es gibt für jeden Menschen einen Augenblick, in dem seine Seele stirbt," sagte sie,und es ist durchaus nicht nötig, daß dieser Zeitpunkt mit dem körperlichen Tode zusammenfällt." Und ferner:Wenn der Wunsch, länger zu leben, aufhört, lebt man tatsächlich nicht mehr." In tiefer Melancholie begann sie wieder die Welt zu durchschreiten. Manchmal fürchtete sie, wie ihr unglücklicher Vetter, dem Wahnsinn zu verfallen. Viel Trost fand sie in dem Studium der Literatur und des Griechischen, das sie mit großem Eiser aus ihrem Lieblingssitz in Korsu betrieb. Ihr Lieblingsdichter war bekanntlich Heine, und seine Schwester, Frau Charlotte von Embden in Hamburg, sagte von ihr:Kein Kritiker,' ^» Biograph hat jemals meinen Bruder so gut verstanden." In ihren letzten Lebensjahren neigte sie immer mehr zur Welfflucht:Ich wünsche von den Menschen nichts, als daß sie mich in Ruhe lassen." Nur wenige außerhalb ihres Hofstaates haben die Kaiserin auS der Nähe gesehen; denn sie ging stets, indem sie einen Fächer vor ihr Gesicht hielt, zum Schutz gegen Photographen und neu­gierige Blicke. Nur ihrer großen Vorliebe für Sport hat sie es zu danken, daß sich ihre Schönheit ttotz aller Leiden bis in die letzten Lebenstage erhalten hat.Die Frau mit den kleinsten Händen und den längsten Haaren", so urteilte eine Dame von ihr, und noch in späteren Jahren nannte man sie dieschöne Großmutter".

Aus 3«- und Ausland.

Berlin, den 9. September 1908.

Aus Urville, 9. September, wird gemeldet: S e. Majestät der Kaiser begab sich heute morgen zunächst aus die Höhe südlich Leyweiler und nach kurzem Aufenthalt dort auf eine Höhe südwestlich Helimer, die einen aus­gezeichneten Rundblick gewährte. Hier beobachtete der Kaiser die Umfassungsbewegungen des linken Flügels des 15. Korps. Er verfolgte wie durch das gleichzeitige Vorgehen der 30. Division von Süden und der 60. Jnsameriebrigade von Osten der rechte Flügel von Rot geworfen wurde. Hierauf begab sich der Kaiser nach den Höhen nordöstlich von Fremersdors und beobachtete den Rückzug der 34. Division (Rot), sowie das erfolgreiche Vordringen der 33. Division und der Reserve des 16. Korps über Maxstadt und den Büdinger Wald. Die Entscheidung des Schiedsrichter erging dahin, daß Blau durch seine umfassenden Angriffe den rechten Flügel von Rot zurückgeworfen habe, und daß durch das erfolgreiche Vor­gehen des linken Flügels von Rot in der Linie Maxstadt- Barst das Gefecht zum Stehen gekommen sei. Der Kaiser erhielt die Meldung, daß der kommandierende General des 16. Korps (Rot) aus Grund des Gefechtsverlaufs sein Korps hinter die deutsche Ried zurücknehme, linker Flügel südlich St. Avold, rechter Flügel bei Tetingen. Der Kaiser verließ hierauf das Manöverfeld im Automobil und traf um 6 Uhr mit Erzherzog Franz Ferdinand auf Schloß Urvillc ein. Ein bedauerlicher Unfall war zu verzeichnen: Gestern vormittag ist Prinz Heinrich von Bayern im Manöver mit dem Pferde gestürzt. Der Prinz wurde nach Groß-Tänchen gebracht. Er hatte bei dem Sturz leichte Verletzungen am Kops und Hautabschürfungen erlitten.

Die offiziöseNordd. Allg. Ztg." bringt jetzt in einer längeren Veröffentlichung die Ansichten der Reichsregierung über die R e i ch s f i n a n z r e s o r m. Nach diesen Dar­legungen des Berliner Regierungsblattes ist eine umfassende Reorganisation der gesamten Finanzgebahrung des Reiches geplant, da nur eine solche Maßnahme das notwendige Gleich­gewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben des Reichsbudgets herzustellen vermag. Es wird die dringende Notwendigkeit betont, die Ausgaben systematisch auf das Unerläßliche zu be­schränken und zugleich die Einnahmen planmäßig zu erhöhen. Hinsichtlich der Einnahmen-Erhöhung vermeidet es der Artikel derNordd. Allg. Ztg.", näher aus Einzelheiten einzugehen, lediglich wird angedeutet, daß der Massenkonsum gewisser Genußmittel stark besteuert und die Nachlaßbesteuerung weiter