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hersselM Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 105. Dienstag, den 8. September 1908.

Amtlicher teil.

Cassel, den 6. August 1908.

Um die Kenntnis der zur Errettung Ertrinkender und zur Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, läßt der Deutsche Samariterverein in Kiel Blechtaseln mit entsprechenden An­weisungen herstellen. An Königliche Behörden werden die Tafeln kostenlos unter der Voraussetzung abgegeben, daß mit­geteilt wird, für welche Orte oder Stellen sie bestimmt sind und daß nur die unbedingt nötige Anzahl von Tafeln bestellt wird. An Private werden die Tafeln gegen Erstattung des Selbstkostenpreises geliefert.

Anträge auf unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an den Königlichen Polizeipräsidenten hier, die Königlichen Polizeidirektoren in Hanau und Fulda und die Landräte des Bezirks zu richten. (A. II. 6291/8.) Der Regierungs-Präsident.

I. V.: gez. Schenk zu Schweinsberg.

* * *

Hersfeld, den 2. September 1908. Wird veröffentlicht.

I. 8369. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellin ger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 3. September 1908.

Obwohl durch Ziffer 12 der Vorschriften vom 5. März 1907 (Sonderbeilage Nr. 14 zum Amtsblatt pro 1907) den Gesindevermietern und Stellenvermittlern jede Einwirkung auf zur Dienstleistung Verpflichtete dahin, daß sie ihre Stellung mit einer anderen vertauschen, verboten ist und durch Ziffer 19 a. a. O. ihnen sowie ihren Angestellten jeder geschäftliche Verkehr mit zur Dienstleistung Verpflichteten und Dienst- berechtigten ohne besonderen Auftrag außerhalb ihrer Ge­schäftsräume untersagt ist, wollen die Klagen über das Treiben von Agenten, die unter allerhand Versprechungen die länd­lichen Arbeiter zur Aufgabe ihrer Stellung veranlassen und damit der Landwirtschaft Arbeitskräfte entziehen, nicht ver­stummen.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises, weise ich deshalb auf die genannten Vorschriften hin und mache ihnen das strengste Vorgehen gegen herumziehende Stellenvermittler oder Gesinde­vermieter oder Angestellte solcher Gewerbetreibenden zur Pflicht. Im Falle von Bestrafungen ist mir zu berichten.

I. 9132. Der Königliche Landrat.

I. V.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.

Hcrsfeld, den 1. September 1908.

Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Einzahlung des

Welche von beiden ?

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Doktor Gerland hörte mit ernsten, etwas ungläubigen Mienen den Bericht des Landsmanns an; der cynische Ton berührte ihn unbehaglich, aber die Wahrheit, die hinter den höhnischen Worten des armen Teufels lag, flöste ihm eine gewisse Teilnahme ein. Dazu sah er die dunklen, tränen­feuchten Augen der Frau des Malers mit einem Ausdruck von Spannung und hoffender Hilflosigkeit auf sich ge­richtet.

Die Römerin hatte von der deutsch geführten Unterredung zwischen ihrem Manne und dem stattlichen Landsmann kein Wort verstanden, aber sie erriet aus der Haltung und den prüfenden Blicken des Deutschen, daß derselbe sich nicht kurz und kalt abwenden wolle. So hing sie mit sorglicher Span­nung an den Mienen des Gatten wie des Fremden, ihre stumme Sorge schloß für Gerland eine rührende Bitte ein und itimmte ihn zur Nachsicht gegen den verwilderten und ver­bitterten Künstler.

^"gen, was Sie in diesem Hause zu finden und was Ihnen nicht gewährt worden ist und zugleich Namen bitten? Ich heiße Doktor Friedrich Ger-

Ich bin Frank Holters, doch da ich nicht zu den Be­rühmten gehöre, werden Sie nichts von mir wissen", entgeg- nete der Gefragte.Meine Not ist kein Geheimnis; seit drei Jahren, seit der alte Abraham, der Kunstjude hinter Ponte so gestorben ist, habe ich meine Aquarellen aus der Cam- pagna nicht mehr loszuschlagen gewußt. Die Liebhaber hier geben der zahmeren Pinselei den Vorzug und ich weiß nicht, wohin der verdammte Abramo meine Blätter verkauft hat. Es I uns schlimmer und schlimmer ergangen und die Vigne, auf ^^^ar wenig schlechter Wein wächst, samt der verräucherten L d'e Cecca von ihrem Großvater, Signor Onofrio, ge- ervt hat, sind nicht gesünder geworden. Ich habe seit vorigem

Betrages für das den Gemeinden im laufenden Jahre staats- seitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskasse unter­bleibt, wodurch die betreffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loosholz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt aus den Inhalt der diesseitigen Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18 aufmerksam zu machen.

A. 4781. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 1. September 1908.

Von der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem bei Steglitz ist ein Flugblatt Nr. 44 betitelt:Der Wurzelbrand der Rüben" herausgegeben worden, das für Behörden, Körperschaften und Vereine, sowie in einzelnen Abdrücken auch für Privat-Personen durch die genannte Anstalt unentgeltlich bezogen werden kann.

Interessenten des Kreises können durch meine Vermittelung dieses Flugblatt beziehen.

I. 9066. Der Königliche Landrat.

J. V.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 1. September 1908.

Mitte Mai und Oktober findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakonissenhaus verbundenen Seminar zur Ausbildung von Kleinkinderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Ausnahme neuer Zöglinge statt. Der Cursus des Seminars ist einjährig.

Die Pension für den Cursus, Unterricht eingeschlossen, beträgt 330 Mark.

Anfragen sind zu richten: An den Vorstand des Diakonissen- Hauses bei Cassel, Poststation Wehlheiden.

* *

Wird veröffentlicht.

I 9073. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersfeld, welche ihre Gesellenprüfung machen müssen, werden aufgefordert, sich bis zum 15. Sept. d. I. bei dem Unterzeichneten zu melden und nachstehende Schriftstücke einzusenden: 1) Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung, 2) einen eigenhändig geschriebenen Lebens­lauf, 3) ein Zeugnis des Lehrmeisters, 4) ein Zeugnis der Schule, 5) ein Zeugnis der Fortbildungsschule, sofern dieselben eine solche Schule besucht haben, 6) den Lehrvertrag.

Der Prüsungstermin wird den Betreffenden schriftlich mit­geteilt werden.

Hersseld, den 3. September 1908.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses:

H. Schulz, Maurermeister.

Sommer das Fieber und werde es auch im Winter nicht ab- fchütteln und Francesca wirds über kurz oder lang auch haben und hält dabei sechs Fasttage in der Woche. Die guten Brüder in Abbaia della tra Fontäne wähnten, wir könnten hier vielleicht für ein paar Wochen gesunde Wohnung und billige Unterkunft finden; dazu aber muß man, wie ich höre, nicht bloß ein Deutscher sein, sondern auch aus Deutschland kommen. Nun, da es denn nichts ist, kriechen wir wieder in unseren Winkel und warten ab, was Gott und dem Fieber gefällt."

Haben Sie sich nicht an den deutschen Künstlerverein hier gewendet?" fragte Friedrich Gerland etwas zögernd, da er die Antwort ungefähr voraussah.

Frank Holters hatte eben wieder das Glas erhoben, er setzte es augenblicklich ab, fein Gesicht färbte sich beinahe so dunkelrot wie der Wein und mit zornheiferer Stimme sagte er:

Wollen Euer Hochwohlgeboren nicht die Herren Lands- leute und teuren Kollegen selbst nach Frank Holters befragen? Sie können da klipp und klar und zur Not schwarz auf weiß erfahren, daß der Holters ein unverbesserlicher Strolch und Galgenstrick ist. Ich habe seit vielen Jahren mit den Tröpfen, die sich Ateliers halten und die Kavalieri spielen, nichts zu schaffen, Herr Doktor, wünsche Ihnen aber Glück zu den ver- ehrlichen Bekanntschaften. Sie werden die Augen aufreißen, wenn Sie hören, daß ich noch lebe grüßen Sie sie schön von mir und sagen Sie ihnen, ich würde mir die Freiheit nicht lange mehr nehmen."

Der Ton des gereizten Mannes war immer rauher und gröber geworden, die junge Frau, obwohl sie seine Worte nicht verstand, erriet ganz gut, was vorging und faltete er­geben und mit einem traurig müden Ausdruck ihre Hände, nachdem sie dieselben bittend gegen den Mann erhoben hatte.

Es hätte dieser Gebärde und der leisen Worte nicht be­durft, die Klara Addenhoven ihrem Jugendbekannten zuflüsterte, um Doktor Gerlands Entschluß zu reifen. Er kämpfte fein inneres Widerstreben rasch nieder und sagte, imdem er dem armen Paare näher trat:

Hersfeld, den 3. September 1908.

Unter dem Schweinebestande des Konrad Groß in Obergeis ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 9124. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Sit Wirren in Mnrnkkn.

Die neueren Nachrichten aus Marokko bestätigen, daß Abdul Asis als Faktor in der Gestaltung der inneren Ver­hältnisse des scherifischen Reiches völlig ausgeschieden ist Nach­dem noch in den letzten Tagen Meldungen aus französischer Quelle von einer Niederlage der hafidischen Mahalla bei Marra- kesch berichtet hatten, stellen jetzt französische Blätter ebenfalls fest, daß in Wirklichkeit die Mahalla Mtugis, des lebten Abdul Asis treugebliebenen Sci<,5, nicht nur geschlagen, sondern voll­kommen aufgerieben worden ist. Nach den letzten Nachrichten aus Marrakesch herrscht dort großer Jubel darüber, daß die Truppen Mulay Hafids gesiegt haben, und daß die Macht Abdul Asis' auch im Süden gebrochen ist. Abdul Asis hat bereits die unvermeidliche Folgerung aus der Wendung der Dinge gezogen. Sein letzter Minister des Auswärtigen, El Mokri, erklärte gegenüber einem Vertreter des Pariser Matin, Abdul Asis verzichte auf weiteren Kampf und überlasse den Thron Mulay Hafid. Was den letzteren anbelangt, so hat seine Anerkennung im Lande weitere Fortschritte gemacht. Unter anderem ist er a"ch in Udschdas an der algerischen Grenze, das von den Franzosen besetzt ist, zum Sultan pro­klamiert worden. Ueber die AbsichtenEulay Hafids gegen­über den Mächten liegt eine Aeußerung El Menebbis in Tanger vor, der versicherte, der neue Sultan werde für seine Achtung vor den Verträgen und den legitimen Rechten Bürgschaften geben.

DieMorning Post" veröffentlicht ein Telegramm ihres Korrespondenten in Tanger, in welchem ausgeführt wird, daß die aus dem Westen Marokkos eingelaufenen Telegramme über die Niederlage des Sultans Abdul Asis unweit Marrakesch durchaus nicht die Wahrheit in ihrem ganzen Umfange wieder- gäben. Jetzt erst fingen die zuverlässigeren Telegramme aus der südlichen Hauptstadt einzulausen an. Danach sei die Abteilung, die aus zwei Brigaden, 300 Mann Kavallerie und 3500 Mann Infanterie bestand, sowie sie sich außerhalb des BereicheS der französischen Truppen befand, von allen Seiten angegriffen worden, und zwar mit einer außerordentlichen Gewalt. Vor dem eigentlichen Angriff begannen die Truppen Abdul Asis schon zu wanken. Das Sorte wurde buchstäblich auseinander­gerissen. In weniger als einer Stunde war die Niederlage vollständig. Alles, was sich im Lager befand, die Munition sowohl wie die Geldkassen, wurde im Sttch gelassen. Mit

Ereifern Sie sich nicht, Herr Holters. Ich möchte, gleich­viel was unsere Landsleute meinen, Ihnen meine Hilfe an­bieten. Ich bin kein reicher Mann, aber mit Ihrer Erlaubnis will ich gern für ein paar Monate ein bescheidenes Quartier hier in der Nähe für Sie zahlen, Ihnen auch ärztliche Hilfe verschaffen vielleicht kann ich auch ein paar Käufer für einige Ihrer Aquarelle finden. Fräulein Addenhoven, eine Landsmännin, sagt mir soeben, daß in einem der kleinen Häuser hier gegenüber ein Zimmer und eine Kammer zu haben sind. Entschließen Sie sich dazu und gestatten Sie mir, Ihnen einen Vorschuß zu machen, den wir künftig schon ausgleichen wollen. Wenn sie hier in der Nähe bleiben, können wir leichter nach Ihnen sehen und vielleicht die Schwestern hier noch bestimmen, daß dieselben etwas für Sie und Ihre Frau tun."

Frank Holters blickte mit ungeheucheltem Erstaunen auf den Hilfreichen Landsmann, der die Börse hervorgeholt hatte und ihm zwei Zwanziglirestücke darbot. Der höhnische, harte Zug um den Mund des Malers wich einem Ausdruck von Verlegenheit er zögerte eine Minute, das Geld zu nehmen. Friedrich Gerland erleichterte ihm den Entschluß, indem er die Goldstücke in die Hand der Frau legte und ihr in italie­nischer Sprache wiederholte, was er ihrem Manne vorgeschlagen habe.

Die großen dunklen Augen Francescas leuchteten auf, sie stammelte ihren Dank einmal um das andere und beugte sich dann plötzlich nieder und küßte den Saum von Klara Adden- hovens dunklem Kleide. Sie hielt die schlanke Dame, die neben dem hohen, blondbärtigen Deutschen stand, offenbar für dessen Frau und ein anmutiges, mädchenhaftes Erröten Fräulein Klaras bezeugte, daß diese den Gedanken der Römerin er­raten hatte.

Frank Holters aber reichte dem Gelehrten die Hand und sagte mit seltsam gedämpfter Stimme, wie ein Mensch, dem es schwer wird, zu danken und der ungewohnt ist, anderen nach- zugeben:

Ich danke, Herr Doktor! Will es versuchen, was Sie Vorschlägen, glaube kaum, daß es geht und hilft aber Sie handeln als ehrlicher Landsmann und um der Cecca willen