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Herrselder Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 104

Sonnabend, den 5. September

1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 31. August 1908.

Die unter dem Schweinebcstande des Heinrich Herbst zu Kalkobes ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 9016. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Das politische Ereignis der verflossenen Woche ist die Rede, die unser Kaiser in Straßburg gehalten hat. Wohl selten hat eine Rede so sehr der Situation entsprochen und ist in solchem Maße geeignet gewesen, allenthalben, in In­land und Ausland ungeteilte Befriedigung hervorzurufen, wie die an der Westmark des Reiches in der wiedergewonnenen wunderschönen Stadt" gehaltene Kaiserrede. Die Ausführungen Kaiser Wilhelms atmeten unbedingte Friedensliebe und waren doch zugleich auch wiederum durchdrungen von dem Geiste der Waffenbereitschaft gegenüber jedem mutwilligen Angreifer. Wir freuen unS aufrichtig, daß der Friede gesichert scheint. Ihn zu stören, wäre frivol und mit der Verantwortung, die Fürsten und Völker vor Gott tragen, nicht vereinbar. Sollte aber freventlich von anderer Seite der Friede gestört und uns der Kampf um unsere nationale Ehre und Zukunft auf­gezwungen werden, so^g w^ in solchen Kampf mit Siegeszuversicht eintreten können, und das vermögen wir nur, wenn und solange wir kampfestüchtig sind. Lavdheer und Flotte müssen so erhalten und ausgebaut werden, daß wir Wechselfällen mit Ruhe entgegensehen und entgegengehen können. In Fragen der Wehrmacht entscheidet nur unser eigenes Bedürfnis. Hier ist ein Paktieren mit anderen Völkern, mögen sie uns noch fo nahe stehen, schlechthin unmöglich. So hat unser Kaiser gesprochen und damit allen patriotisch gesinnten Deutschen das, was sie selber im Herzen tragen, von den Lippen genommen. Auch im Auslande aber hat die Rede Kaiser Wilhelms allenthalben sympathischen Widerhall gefunden. So bemerkt, um nur eine ausländische Preßstimme anzusühren, beispielsweise das französische RegiemngsorganPetit Parisien", man müsse dem Kaiser besonderen Dank für diese Kundgebung wissen, die in einem kritischen Augenblicke der internationalen Politik er­folgt sei.

Die Rede unsers Kaisers traf zeitlich fast genau mit dem Gedenktage von S e d a n zusammen, und sie war auch insofern eine rechte Sedanrede, als sie auf den Grundton gestimmt war, auf den alle Festreden zum Sedantage gestimmt sein und bleiben sollen. Wir wollen keine Chauvinisten sein, aber wir wollen danach streben, unserm Volke einen gesunden nationalen und männlich tapferen Sinn zu erhalten, und deshalb feiern wir Sedan. Wenn wir uns des großen Tages freudig und ernst erinnern, so geschieht das zunächst im Ausblicke zu dem Herrn der Heerscharen, der uns damals so wunderbar geführt und mit Sieg gekrönt hat. Wir widmen weiter den Zoll treuen Gedenkens und Dankens den großen Führern von da­mals sowie allen denen, die draußen in den Massengräbern schlummern, oder die heute noch das Ehrenzeichen des Mitkämpfers von 1870/71 auf der Brust tragen. Die Grundstimmung der Feier soll aber immer das Gelöbnis sein, ihnen nachzufolgen und nachzueisern im Dienste am Vaterlande, sei es durch tüchtige, treue Friedensarbeit, sei es, wenn es das Erkämpfte zu behaupten gilt, durch die alte deutsche Kampfestreue bis in den Tod. In diesem Sinne wollen wir immerdar das Sedan- fest feiern.

Die bisher noch immer ziemlich verworrene Lage in Marokko geht nunmehr ihrer Klärung entgegen und die osfizlelle Anerkennung Mulay Hafids als Sultan von Marokko durfte in Kürze bevorstehen. Das Deutsche Reich hat nämlich ourch seine Vertreter den Regierungen der Signatarmächte von mitteilen lassen, daß die kaiserliche Regierung an- gcncyts der neuen Lage in Marokko die Signatarmächte darauf Hinweisen zu müssen glaube, daß die rasche A n - "9 Mulay Hafids im Interesse der endlichen Bc- marokkanischen Verhältnisse liege. Diese deutsche Signatarmächte trifft mit der Rückkehr des französischen Munsters des Auswärtigen vom Urlaub nach Hans zusammen. Wenn man in Frankreich einer schleunigen C ledigung der nachgerade brennend gewordenen Frage nicht will, so würde sich eine Einigung über ^s^orS^ens der Mächte bei allseitigem guten Willen wohl in Bälde erzielen lassen. Ob man aber diese Voraus- ÜJ'1 ?en maßgebenden Faktoren Frankreichs alS gegeben annehmen darf, ist emsüvellen doch noch einigermaßen zweisel- ^S rret$r»n^ Zeit gewinnen möchte, um dem Sultan Abdul Afts, dem Gaste des französischen Generals semn Anwesenheit in Casablanca vor den Kopf zu stoßen. 7

in ^ ^S^^en Ba nksrage scheint eine ständlgung auf dem Wege zu sein und zwar im Sinne der

Errichtung einer selbständigen ungarischen Bank, die jedoch ihre Bankpolitik im Einvernehmen mit der österreichischen Notenbank einzurichten hätte, um auf diese Weise größere Schwankungen im öffentlichen Kredite Ungarns zu verhindern. Trifft diese Annahme zu, dann dürste auch in die Fusions­verhandlungen ein rascheres Tempo kommen, da dann das größte Hindernis für die Vereinigung der Unabhängigkeits­partei mit der Verfassungspartei aus dem Wege geräumt wäre.

Die Streitigkeiten zwischen Holland und Venezuela sind noch immer nicht zum Austrag gebracht worden. Der venezolanische Präsident Castro besteht nach wie vor darauf, die Anerkennung seiner Beschwerden gegen die Verwaltung von Curacao durchzusetzen, und rüstet sich zu energischer Gegenwehr. In Holland dagegen zögert man, sich auf einen kostspieligen Feldzug einzulassen, dessen Erfolg als höchst zweifelhaft gilt.

Während in den meisten Landesteilen P e r s i e n s äußerlich die Ruhe hergestellt und seit Wochen nicht mehr ernstlich gestört worden ist, wird die nordwestliche Ecke des Reiches der Sonne ohne Unterlaß durch Kämpfe zwischen den An­hängern und Gegnern des Schahs beunruhigt. Erst in den letzten Tagen haben in Täbris wieder solche Kämpfe statt- gefunden, bei denen die RegierungStruppen allem Anschein nach nicht der siegreiche Teil waren. Jetzt verstärkt der Vertreter des Herrschers seine militärischen Streitkräfte, um für zukünftige Fälle besser gerüstet zu sein.

«t 22. SiBifioE M.

In den Augusttagen werden für diejenigen, welche die Zeit des deutsch-französischen Krieges mit erlebten, die Erinnerungen wach an das Elend und die Trauer desselben, aber auch an die glorreichen Erfolge, welche die vielhundertjährige Zeit des Niederganges Deutschlands beenden, ein einiges, mächtiges Reich die Sehnsucht aller Deutschen schaffen sollten.

Im Wettstreit aller deutschen Stämme um die Palme des Sieges haben auch unsere hessischen Truppen ihren alten Ruhm bewährt. Wer nicht mit sein konnte, verfolgte mit klopfendem Herzen und glühenden Wangen die Waffentaten unserer Hessen, von den ersten Schlachten über Sedan nach Paris bis zu dem Feldzug nach dem Süden mit seinen endlosen Kämpfen und harten Entbehrungen und Strapazen. Wer atmete nicht erleichtert auf, als die 22. Division endlich in Versailles einrückte, und las mit froher Befriedigung die Berichte auswärtiger, besonders englischer Kriegskorrespondenten über den Einzug dereisernen Division", deren Regimenter in bösem Zustande einmarschierten, aber festen, dröhnenden Schrittes, mit der Haltung von Helden blitzenden Auges, im Bewußtsein, zahllose Kämpfe gegen einen hartnäckigen, tapferen Feind siegreich bestanden zu haben. Geradezu begeistert schrieben diese englischen Berichterstatter, denen man sonst eine Partei­nahme für die Deutschen durchaus nicht nachsagen konnte! Aber weit wertvoller als diese Schilderungen war gewiß den Soldaten der 22. Division ein Brief Kaiser Wilhelms an die Kaiserin vom 14. Februar 1871, an den wieder zu erinnern jetzt vielleicht zeitgemäß ist:

An die Kaiserin-Königin!

Gestern und vorgestern rückten hier die Regimenter durch von der armen 22. Division, die seit dem 7. Oktober im Westen unausgesetzt am Feinde war, erst unter von der Tann, dann unter Mecklenburg, als selbständiges Korps und zuletzt als Armee unter ihm zur 2. Armee gehörig; es hat zwischen 20 und 30 Schlachten und Gefechte bestanden; alle Horreurs des Wetters vom nassesten Herbst, Kälte, Schmutz usw. durch­gemacht, sehr große Verluste gehabt, sich stets mit der größten Auszeichnung geschlagen, immer gesiegt, große Ehre eingelegt, ist aber in Bekleidung so herunter, daß die Mannschaften und Offiziere sich mit den Kleidungsstücken der Toten bekleiden mußten! Teilweise tagelang ohne Fußbekleidung in Sabots marschierend, sogar Offiziere und dennoch kamen sie hier in einer Haltung und Ordnung, bei mir, vom Fenster aus sehend, an mit vorbei, daß mir die Tränen herunter liefen, weil man den Leuten ansah, daß sie sich zusammennahmen, um sich trotz ihrer mangelhaften Bekleidung, die sie so gut wie möglich gereinigt hatten so gut wie es möglich war, zu produzieren!!!"

Unsere Veteranen werden gern diese Anerkennung ihres Kaisers und KönigS nachlesen, die Erinnerung an jene große Zeit ist ja ein köstliches Gut, und unsere Jugend wird nach- fühlen können, was die Alten bewegt!

Sie Wirreil in Mmkks.

Der bei Marrakesch so gründlich geschlagene Sultan Abdul Asis hat sich jetzt zu einer unumwundenen Erklärung ent­schlossen, die die endgültige Thronbesteigung seines Bruders Mulay Hafid wesentlich erleichtern dürfte.

El Mokri erklärte bei einem Interview in Mediuna, Abdul AsiS verzichte nach eingehenden Erwägungen und in Ueber­einstimmung mit seinen Ministern auf weiteren Kampf und überlasse den Thron Mulay Hafid. Er beabsichtige, eine

ein- bis zweijährige Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande zu machen und hoffe dann, in Fez, Marrakesch oder MekineS Wohnsitz nehmen zu dürfen.

Die französischen und spanischen diplomatischen Vertreter im Auslande erhielten bisher nur einen telegraphischen AuSzug aus dem Inhalt der in Vorbereitung befindlichen Note an die Mächte, nicht aber diese selbst, weil das Madrider Kabinett die Rücksendung des Aktenstückes nach Paris in unerwarteter Weise verzögerte.

In Frankreich ist man jetzt mehr und mehr geneigt, eine baldige günstige Erledigung der marokkanischen Frage zu er­warten, soweit sie die internationale Politik berührt. Petite Rspublique glaubt zu wissen, daß die zwischen dem Minister des Aeußeren Pichon und dem deutschen Botschaftsrat Frei» herrn von der Lancken ausgetauschten Versicherungen eine be- sriedigende Lösung der letzten Vorfälle erhoffen lassen.

C o l o m b B s ch a r, 3. September. Ueber den Angriff der Harka auf das Blockhaus bei Bu Denib wird noch ge­meldet, daß der Hauptangriff um 2 Uhr nachts erfolgte. Er wurde mit Hilfe von Mitrailleusen und von Handgranaten abgeschlagen, die sich ganz besonders wirksam erwiesen. Obwohl die Angreifer beim Rückzüge ihre Toten Mitnahmen, wurde noch eine große Zahl Leichen gefunden, die mitzunehmen der Feind nicht mehr Zeit hatte, was vermuten läßt, daß er sehr schwere Verluste hatte. Auf französischer Seite wurden nur ein Schütze getötet und sieben verwundet.

Aus Jn- und Ausland.

Bertw, den 3. September 1908,

Ihre Kaiserlichen Majestäten machten gestern nachmittag einen Ausflug im Automobil mit der Kronprinzessin von Griechenland nach dem Grunewald. Die Kronprinzessin ist gestern um 10 Uhr von hier abgereist. Die Abreise Sr. Majestät des Kaisers nach Straßburg i. E. erfolgte Abends 10 Uhr 50 Min. vom Potsdamer Bahnhöfe. Der kaiserliche Sonderzug ist um 3 Uhr in Sttaßburg i. E. eingetroffen. In Begleitung Sr. Majestät des Kaisers befand sich außer den Herren des Gefolges Fürst Fürstenberg. Die Prinzen August Wilhelm und Oskar, die eine Stunde vorher einge­troffen waren, waren zum Empfang am Bahnhof erschienen, ebenso der Statthalter Gras Wedel. Der Kaiser begab sich im Automobil nach dem Kaiserpalast, wo er Wohnung nahm.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Vor einigen Worten brachten mehrere Zeitungen die Nachricht, daß die Einbringung einer neuen Militärvorlage bevorstehe. Wir haben damals diese Nachricht als blanke Erfindung bezeichnet. Trotzdem wird sie jetzt in gewissen Blättern wiederholt. Auf Grund von Eckundigungen an zuständiger Stelle sind wir zu der Erklärung ermächtigt worden, daß auch diese ueueren Mitteilungen jeder tatsächlichen Unterlage entbehren. Eine Verquickung der Reichsfinanzreform mit einer solchen Vorlage, von der in einigen Zeitungen die Rede war, ist niemals in Aussicht genommen gewesen.

Der bedingteStrafausschubist bisher (seit 1895 bis 1. Juli 1908) in 146,000 Fällen bewilligt worden. Von den Bewilligungen sind 36 v. H. noch nicht erledigt. Im allgemeinen bewährt sich der bedingte Strafaufschub der nur Jugendlichen unter 18 Jahren zugute kommt; etwa 75 v. H. der bedingten Begnadigung nahmen einen günstigen Ausgang, d. h. die Personen, denen Strafaufschub bewilligt wurde, machten sich später keiner strafbaren Handlung mehr schuldig. Die bedingte Begnadigung hat die allgemeine Kriminalität also günstig beeinflußt.

Einen bedeutsamen Schritt auf dem Gebiete der Ar­beiterfürsorge bildet die Witwen- und Waisenverficherung der Arbeiter. Ueber den Zeitpunkt ihrer Einführung verlautet, daß sie bestimmt für den 1. Januar 1910 in Aussicht ge­nommen ist. Die Versicherung der Witwen und Waisen der Arbeiter bildet einen Bestandteil desGesetzentwurfes der ArbeiterversicherungSreform", an deren Fertigstellung augen- blicklich gearbeitet wird. Hierzu werden bekanntlich von der zuständigen Behörde über einzelne Fragen Sachverständige ge­hört werden, die als Männer der Praxis jedesmal in den einzelnen Fällen ihr Urteil abgeben. Es ist noch fraglich, wann dieser gesamte Entwurf dem Reichstage vorgelegt wird. Voraussichtlich wird dies schon in der nächsten ReichStagS- sesiion geschehen. Allerdings wird eS sich vor Weihnachten nicht mehr ermöglichen lassen, so daß die Vorlegung des Ge­setzentwurfs um Ostern 1909 zu erwarten ist.

Der Reichstag wird lautLokalanzeiger" am 20. Oktober seine Arbeiten wieder aufnehmen. Das wäre also gleich nach Abschluß der von vornherein in Aussicht genommenen Vertagungsperiode, alsdann wird auch die Veröffentlichung der Rcichsfinanzreform erfolgen. Die neuerdings darüber ge­machten Angaben, daß der Bedarf an neuen Steuern die Summe von 400 Millionen Mark darstellen würde, ist unbegründet. Dagegen soll es sich bestätigen, daß unter den Steuervorschlägen der Regierung sich eine Steuer auf Elek- trizität befindet.

Noch immer sind die russrschenRäuberbanden