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herssel-er Armblatt
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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 102. Dienstag, den 1. September 1908.
Amtlicher teil.
Berlin, den 25. Juli 1908.
In einem Einzelsalle ist die Rechtsauffassung vertreten worden, daß ein „Weggeben" von Milch aus Sammel- molkereien im Sinne des § 44 a des Reichsviehseuchengesetzes nur dann vorliege, wenn eine Ueberlaffung an ein anderes Rechtssubjekt erfolge, und daß somit das Verfüttern dieser Milch an das Vieh der zur Meierei gehörigen Wirtschaft nicht als ein „Weggeben" anzusehen sei. In einem von der Maul- und Klauenseuche gefährdeten Gebiete besteht aber auch für das Verbot des Verfütterns roher Milch und roher Molkereirückstände an Vieh in Sammelmolkereien ein dringendes Bedürfnis, um der Uebertragung der Seuche auf das Vieh vorzubeugen. Unabhängig von der Auslegung des § 44 a des Reichsviehseuchengesetzes bietet nur § 20 Absatz 1 daselbst in Verbindung mit dem § 1 der Bundesratsinstruktion eine ausreichende Grundlage, um nötigenfalls das Verbot des Verfütterns roher Milch pp. im Molkereigehöfte selbst erzwingen zu können.
Auf Grund der genannten Vorschriften ordne ich daher an, daß in der meinem Erlasse vom 13. November 1906 — I G1. 10707 — beigegebenen Zusammenstellung der für die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wichtigsten Maßregeln unter 11,6 folgende Bestimmung hinzugefügt wird:
„Das Verfüttern von Milch und Molkereirückständen an das Vieh der Sammelmolkereiinhaber ist nur unter gleicher Bedingung gestattet."
Allgemeine Verfügung Nr. 46 für 1908. (I. A IIU. 3123.) Ministerium für Landwirtschaft Domänen und Forsten.
I. A.: gez. S ch r o e t e r.
An sämtliche Herren Regierungs-Präsidenten — mit Ausnahme von Königsberg — und den Herrn Polizeipräsidenten in Berlin.
* *
Hersfeld, den 25. August 1908.
Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 3. Dezember 1906 I. 9808 — Kreisblatt Nr. 144 — zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.
I. 8723. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 29. August 1908.
Nach Mitteilung des Königlichen Kreisarztes Dr. Ewers hier ist eine Anzahl der Herren Bürgermeister des Kreises noch mit der Einsendung des gemäß Verfügung vom 3. Mai 1893 J. I. Nr. 2772 — Kreisblatt Nr. 57 — vorgeschriebenen Verzeichnisses im Rückstände.
Ich ersuche daher, das fragliche Verzeichnis ordnungsmäßig
weich« von beiden ?
Novelle von Adolf Stern.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Keine halbe Stunde später verließ der Deutsche das stille Haus der Suore della Croce und schlug den Weg nach der Piazza del Popolo und dem Korso ein, über die ihn sein guter Plan der ewigen Stadt nicht im Zweifel ließ.
Am Abend desselben Tages wurden in dem Speisezimmer für die Gäste des Hauses die bescheidenen Kronleuchter über den beiden langen Tafeln eben angezündet, als sich die ersten dieser Gäste in den kleinen Vorgemächern zu sammeln begannen.
Auch Doktor Gerland, der von seinem ersten Gang über Straßen und Plätze ziemlich ermüdet zurückgekehrt war, trat in die kleinen Räume, prallte aber alsbald wieder zurück, als er nur Gruppen unbekannter Gestalten in demselben wahrnahm und sich mit einem Blick überzeugte, daß Fräulein Addenhoven nicht in den Zimmern anwesend sei. Er begab sich in den dämmrigen Hof hinaus, über dem in köstlicher Reinheit noch ein Stück blaßgrünen Abendhimmels glänzte, und schritt zwischen der Schwelle zum erleuchteten Seisesaal und dem Becken des Brunnens hin und her. Auch hier fand er sich nicht allein und ward alsbald wider Willen Ohrenzeuge eines Wortwechsels, der zwischen zwei weiblichen Gästen des Hauses stattsand und von unhörbarem Geflüster zu immer lauteren, erregten Worten überging.
An der rechten Seite des Hofes, ihm gegenüber, gingen eine ältere Dame in bunter, ein wenig auffallender Frühlingskleidung und ein noch sehr junges Mädchen im lichtgrauen Reisekleide auf und ab. Da sie ihr Gesicht ihrer Begleiterin zugewandt hielt, so konnte Friedrich Gerland nur bei einer gelegentlichen Wendung gewiß werden, daß das reiche, blonde Haar des Mädchens ein Gesicht von reiner Schönheit der Züge und jugendlicher Frische der Farbe umschmiegte. Ein paar Mal, wo der Auf- und Abwandelnde sich ein paar Schritte näher wagte, blitzten ihn unter dichten langen Wimpern hervor
ausgefüllt umgehend dem Königlichen Kreisarzt hier zu übersenden.
I. 8915. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
HerSfeld, den 28. August 1908.
Unter dem Schweinebestande des Konrad Kühn zu Hersfeld, Wallengasse Nr. 52, ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 8911. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Lehrschmiede in Fulda.
Am 1. Oktober d. Js. beginnt in der Lehrschmiede zu Fulda ein neuer Kursus von dreimonatiger Dauer. Der Kursus schließt mit einer Prüfung ab, durch deren Bestehen der Befähigungsnachweis zur selbständigen Ausübung des Husbeschlaggewerbes erworben wird. Der theoretische und der praktische Unterricht wie auch die Prüfung sind unentgeltlich. Die Kursisten erhalten wöchentlich 1 Taschengeld. Für Prämienzwecke bei der Prüfung stehen 50 cM zur Verfügung. Für Unterkunft und Kost haben die Kursisten selbst zu sorgen.
Anmeldungen sind bis zum 20. September d. Js. an den Leiter der Lehrschmiede, Herrn Kreistierarzt Weber in Fulda, einzureichen. Der Anmeldung sind beizufügen: eine Geburtsurkunde, ein Unbescholtenheitszeugnis und ein Nachweis, daß der Aufnahmesuchende drei Jahre ordnungsmäßig das Schmiedehandwerk erlernt hat.
Ferner hat ein jeder Kursist mitzubringen bzw. aus eignen Mitteln zu beschaffen: ein Schurzfell, einen Hushammer, ein englisches Riemenmesser, eben Falzhammer, einen Stempel, ein Lehrbuch nach Angabe des Leiters der Lehrschmiede.
Hersfeld, am 27. August 1908.
L 8876. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs- Referendar.
nichtamtlicher teil.
$a§ Mstr-m in 6tri6linro i. 8.
Ihre Majestät der Kaiser und die Kaiserin mit den Prinzen August Wilhelm und Oskar sind am Freitag nachmittag um 3 Uhr mittels Sonderzuges von Metz nach Straßburg abgereist. Der Kronprinz und die Kronprinzessin, sowie Prinz und Prinzessin Eitel-Friedrich hatten sich schon um 2 Uhr Nachmittags nach Straßburg begeben.
Aus Anlaß der bevorstehenden Ankunft der Kaiserlichen Majestäten hat die Stadt Straßburg festlichen Schmuck angelegt. Besonders der Bahnhof, sowie der ihn umschließende Platz und die Straßen, welche die Majestäten passieren werden,
die leuchtendsten, blauen Augen an, in die er seit langem geschaut hatte.
Trotz der Dämmerung sah er, daß die rosig angehauchten Wangen der jungen Dame sich mehr als einmal mit dunkler Glut färbten, wenn die ältere Begleiterin in scheltendem Tone sprach.
Eben hörte Gerland deutlich sagen:
„Du bist ein unreifes Kind, Erika, Dir sind Ohr und Auge und Seele nur halb erschlossen, Du verstehst das meiste von dem nicht, was Du hier siehst und hörst. Ich verzeihe Dir, aber möchte nicht, daß man meiner Nichte ein unempfängliches Gemüt und kleinstädtische Oberflächlichkeit zutraute. Nimm Dich darum bei Tische mit Sprechen in acht, damit Deine unreifen Urteile kein Aergernis geben!"
„Wenn ich zu unreif bin für die Herrlichkeit hier, warum haben Sie mich nicht zu Hause gelassen, Tante Hedwig? Ich sähe weit lieber in unserem grünen, schimmernden Rhein die Frühlingssonne untergehen, als in dem schmutzig gelben Tiber", entgegnete das junge Mädchen und Gerland sah wieder ihre Wangen flammen. „Sie wissen gar wohl, wie gern ich in Boppard wäre!"
„Du bist wirklich nicht kindisch genug, Erika, um nicht zu wissen, warum wir in diesem Frühjahr nicht in unserm Landhaus sein können", versetzte Tante Hedwig. „Du solltest Gott und Deinem Vater danken, daß er Dich mit mir nach Italien reisen ließ und sich und Dir die Verlegenheit sparte, dem Herrn v. Römer einen Korb zu geben."
„Ich bin ja dankbar!" klang die Erwiderung und die zitternde Stimme des schönen Mädchens verriet, daß ihr Unmut demnächst in Weinen übergehen könne. „Aber es wäre vielleicht doch besser gewesen, der Vater hätte Herrn v. Römer sogleich gesagt, daß ich zu jung zu einer Heirat sei und daß ich ihn nicht mag, auch wenn ich älter wäre, und hätte mich daheim behalten. Ich kann doch nicht aus Dankbarkeit hier alles golden finden, was ich sehe und vielleicht nicht verstehe."
„Du kannst aber so bescheiden fein, den Rat und das Urteil und die Einsicht erfahrener Leute, als Du bist, Erika,
find mit Blumengewinden und Bändern geschmückt, bei denen die violette Farbe vorherrscht. — Das bisher regnerische Wetter fing an, sich aufzuklären.
Um 5 Uhr 47 Minuten traf der kaiserliche Sonderzug mit den Majestäten in Straßburg ein. Auf dem Bahnsteig fand großer militärischer Empfang statt, zu welchem daS große Hauptquartier, der kommandierende General Hentschel v. Gilgenheimb mit der Generalität des Armeekorps, ferner der Statthalter, der Gouverneur von Straßburg, General der Kavallerie v. Moßner, der Kommandant von Straßburg Generalmajor v. Thieffenhausen sich eingefunden hatten. Nach Begrüßung der Fürstlichkeiten schritt der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie vom 1. Unterelsässischen Infanterieregiment Nr. 132 ab, welche- hierauf einen Vorbeimarsch aussührte.
Nun begann der Einzug der Majestäten in die Stadt, den der Polizeipräsident eröffnete. Die Kaiserin hatte mit der Kronprinzessin und der Prinzessin Eitel-Friedrich im offenen Wagen Platz genommen. Hinter ihnen ritt der Kaiser in einer Reihe mit seinen vier Söhnen, zwei zur Rechten und zwei zur Linken. Der Kaiser trug die Uniform eines GeneralseldmarschallS, die Prinzen diejenige des 1. Garderegiments. Eine Eskadron vom 2. Rheinischen Husarenregiment Nr. 9 geleitete die Majestäten. Die Glocken läuteten. Es wurde Salut geschossen. Die Kapellen der Spalier bildenden Truppen des Standorte- setzten mit dem Präsentiermarsch ein. Ein vieltausendköpfige- Publikum begleitete den Zug mit andauernden Kundgebungen, die sich an der Tribüne, wo Bürgermeister und Gemeinderat zur Begrüßung der Majestäten sich aufgestellt hatten, zu einem ungeheuren Jubel steigerten. Bürgermeister Dr. Schwander trat, vom Kaiser mit einem Händedruck begrüßt, an die Majestäten heran und begrüßte sie im Namen der Stadt.
Auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters winkte der Kaiser diesen zu sich heran und dankte ihm mit herzlichen Worten für den schönen Empfang.
Damit reichte der Kaiser dem Bürgermeister zu einem kräftigen Händedrucke die Hand. Nach huldvoller Verabschiedung von dem Gemeinderat setzte sich unter dem brausenden Jubel der Menge, die Kopf an Kopf hinter dem Spalier der Garnison stand und fort und fort die Begrüßung erneuerte, der Zug der Fürstlichkeiten nach dem Kaiserpalast in Bewegung. Hier trafen die Majestäten mit ihrer Begleitung kurz vor 6Va Uhr ein. Eine Ehrenkompagnie vom 4. Lothringischen Infanterieregiment Nr. 136 erwies die Honneurs.
Bei dem Festmahl am gestrigen Sonntage brächte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus:
Von ganzem Herzen heiße ich die Herren willkommen und spreche Ihnen der Kaiserin und meinen wärmsten Dank auS für den schönen Empfang, durch den hier wie in Metz die elsässisch-lothringische Bevölkerung ihrer Liebe und Anhänglichkeit so beredten Ausdruck gegeben hat. Auch liegt mir am Herzen, noch einmal für die tatkräftige Beteiligung am Wiederaufbau der alten hehren Hohkönigsburg Ihnen zu danken, insbesondere den Lothringern für ihre patriotische Stiftung des reizendm
zur Richtschnur zu nehmen, und nichts zu äußern, von dem ich Dir sage, daß eS töricht sei."
Friedrich Gerland, dessen Teilnahme an der Unterredung mit jeder Minute gewachsen war, sah wohl, daß daS junge Mädchen auch auf diese Mahnung noch antwortete. Aber da er seinen Gang durch den Hof fortgesetzt hatte und jetzt am weitesten von den Damen entfernt war, zu gleicher Zeit die Tischglocke ein zweites Mal ertönte, so hörte er nicht mehr, was die Gescholtene erwiderte.
Ein Gefühl der Verwunderung, wie rasch er hier aus seiner gleichmäßigen Vereinzelung aufgestört worden sei und am Schicksal anderer teilzunehmen genötigt ward, überkam ihn. Er sagte sich, daß er besser getan haben würde, eine abgelegene, ganz einsame Privatwohnung zu wählen, beruhigte sich mit dem Alltagstroste, daß es dazu immer noch Zeit sei und spähte in dem Gewühl, das sich um die Tafeln zu reihen begann, nach Fräulein Addenhoven und nebenher aber doch auch nach den beiden Damen, die er im Hofe weniger belauscht als gehört hatte.
Die einfache Hausregel, daß die zuletzt Angekommenen die untersten Plätze an der Tafel erhielten, erwies sich seinen Wünschen unverhofft günstig — er fand sich neben Fräulein Addenhoven und sah die beiden unbekannten Damen sich gegenüber.
Er verneigte sich vor den beiden, während er seiner Nachbarin die Hand reichte und verbindlich sagte: „Je weniger ich noch gehofft habe, Ihnen zu begegnen, nachdem ich Sie in Pisa verfehlte, um so erfreulicher ist mir das Zusammentreffen im gleichen Haus."
„Vetter Peter, Ihr Freund, hat auch dafür gesorgt", gab sie scherzend zur Antwort. „Ich wette, nur er hat Sie zu den ehrwürdigen Schwestern geschickt — wie er mir deren Adresse für den unwahrscheinlichen Fall gab, daß ich nach Rom käme."
Friedrich Gcrland nickte — das Tischgebet, daS eine der an den Tafeln zur Aussicht anwesenden Schwestern sprach, hinderte jede weitere Antwort. Als aber die Mahlzeit ihren Anfang nahm, richtete sich seine Aufmerksamkeit mehr auf die Gegenübersitzenden, als auf seine Nachbarin. Die junge Dame,