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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 101.
Sonnabend, den 29. August
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 26. August 1908.
Die Herren Bürgermeister sowie die Herren Vorsitzenden der Schulvorstände der Einzel- und Gesamtschulverbände des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß in der Beilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 25 vom 17. Juni 1908 der VerteilungsPlan des Bedarfs der Alterszulagekasse für die Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen des Regierungs-Bezirks Cassel für das Rechnungsjahr 1908 veröffentlicht worden ist. I. 8813. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fe lling er, Regierungs-Reserendar.
Hersscld, den 26. August 1908.
Der von der Gemeinde Hilmes nach der diesjährigen Frühjahrskörung angekauste Bulle, 16 Monate alt, Simmen- taler Gelbschack mit weißem Kopf, ist von der Körungskommission am 25. d. Mts. besichtigt und zur Nachzucht für tauglich befunden worden.
A. 4713. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Lehrschmiede-Weistenborn.
Am 1. Oktober 1908 beginnt an der Husbeschlag-Lehr- schmiede in Weißenborn im hiesigen Kreise -ein neuer Kursus zur Vorbereitung für Schmiede, die ihre Hufbeschlagprüfung hier ablegen wollen.
Anmeldungen, denen ein Geburtsschein, ein polizeiliches Führungsattest, sowie ein Lehrzeugnis beizusügen ist, nimmt entgegen Lehrschmiedemeister Diegel in Weißenborn bei Sontra, der auch jede weitere Auskunft erteilt.
Rotenburg a. d. Fulda, den 13. August 1908.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, gez. Tuercke, Landrat. * *
Hersfeld, den 24. August 1908.
Wird veröffentlicht.
I. 8748. Der Königliche Landrat.
J. V.: F e l l i n g e r, Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 25. August 1908.
Die Rotlausseuche unter dem Schweiuebestande des Korbmachers Konrad Jckler zu Goßmannsrode ist erloschen. I. 8779. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
PolitischllWochenbericht.
Unter den der inneren Politik gewidmeten Preßerörterungen nimmt die Frage der Reichsfinanzreform einen mit der Annäherung an die parlamentarische Saison immer breiter werdenden Raum ein. Es ist dies bei der überragenden Be- deutung, die der Lösung dieses Problems für unser nationales Leben zukommt, ja auch durchaus verständlich. Leider aber läßt die Behandlung des Gegenstandes vielfach den zutreffenden Maßstab und das richtige Verständnis seiner Größe und Wichtigkeit vermissen. Zwar muß anerkannt werden, daß die Notwendigkeit einer gründlichen und nachhaltigen Reform unserer Reichsfinanzen kaum noch irgendwo in Abrede gestellt wird. Umso unerfreulicher aber wirkt die kleinliche Art, in der weite Kreise der Nation zu den etwaigen Mitteln und Wegen einer solchen Reform Stellung nehmen. Indem bald dieses bald jenes Steuerprojekt als zu dem Reformplan der verbündeten Regierungen gehörig verkündet wird, sucht man zugleich in den davon betroffenen Interessentenkreisen eine möglichst lärmvolle Protestbewegung zu entfachen und hat damit auch leider nur zuviel Glück. Der wirtschaftliche Egoismus ergreift begierig den hingeworsenen Bissen und kämpft mit Feuereifer gegen das heraufbeschworene Schrecknis neuer Steuerbelastung an. Es ist dringend zu wünschen, daß dieses Treiben endlich aushören und einer würdigeren und großzügigeren Behandlung der zurzeit bedeutungsvollsten Frage unseres nationalen Lebens Platz machen möge.
Unsere Diplomatie hat mit dem plötzlichen Tode des bisherigen Vertreters Deutschlands bei den Vereinigten Staaten von Amerika, FreiherrnSpeckvonSternburg, einen herben Verlust erlitten. Der Verewigte hat es verstanden, während seiner Tätigkeit als Botschafter in Washington die Beziehungen zwischen Deutschland und der Union überaus herzlich und warm zu gestalten und mancherlei Brücken zwischen hüben und drüben zu schlagen. Sehr zustatten kam ihm hierbei seine intime Kenntnis von Land und Leuten in Amerika sowie sein enges Freundschastsbündnis mit Theodor Roosevelt. In der gesamten amerikanischen Presse gibt sich denn auch ein auf
richtiges Beileid über den Tod des Botschafters kund. Frhr. Speck von Sternburg verkörperte in sich die mustergültige Pflichttreue und Opferwilligkeit des deutschen Beamtentums. Obwohl schon seit längerer Zeit von körperlichen Schmerzen und Leiden gebeugt, hat er dennoch auf seinem verantwortungsvollen Posten ausgeharrt, bis der Tod ihn abrief. Das Vaterland wird ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren.
In Marokko hat Mulay Hafid einen letzten entscheidenden Sieg über Abdul Asis davongetragen. Er wurde daraufhin auch in Tanger zum Sultan proklamiert und darf nunmehr als der unbestrittene Herrscher Marokkos gelten. Abdul Asis gedenkt den marokkanischen Boden zu verlassen und sich nach Damaskus zu begeben, um von dort auk seine Ansprüche weiter zu verfechten. Zweifelsohne bedeutet diese Gestaltung der Dinge ein schmähliches Fiasko der französischen Politik; denn Frankreich hat sich offensichtlich des bisherigen Sultans Abdul Asis angenommen und ihn gegen das Vordringen Mulay Hafids auf dem Throne zu erhalten gesucht. Diese Bemühungen müssen jetzt als gescheitert angesehen werden. Es fragt sich nun, welche Konsequenzen Frankreich hieraus für feine künftige Haltung ziehen wird. In der französischen Presse wird zwar die Möglichkeit einer Anerkennung Mulay Hafids erörtert, doch werden dabei gleichzeitig allerlei Vorbehalte gemacht. So behauptet man, daß diese Anerkennung nur allgemein durch sämtliche Unterzeichner der Algecirasakte gewährt werden könne und daß ihr die Anerkennung der Algecirasakte durch Mulay Hafid selbst vorausgehen müsse. Die letztere Forderung ist ziemlich überflüssig, denn Mulay Hafid hat bereits mehrfach seine Bereitwilligkeit erklärt, die Akte anzuer- kennen. Im übrigen ist selbstverständlich alles, was gegenwärtig über die weitere E^.aoicklung der marokkanischen Angelegenheit verlautet, noch Zukunftsmusik. Auf jeden Fall aber dürfen wir zu der bewährten Leitung unserer auswärtigen Pokitik das Vertrauen haben, daß sie diese Entwickelung auch weiterhin wachsamen Auges verfolgen und Schädigungen unseres wirtschaftlichen Einflusses in Marokko fernzuhalten verstehen wird.
Nach langwierigen parlamentarischen Verhandlungen, die mehrmals zu scheitern drohten und noch im letzten Augenblicke beinahe zu einer Minisierkrisis geführt hätten, ist der unabhängige Kongo st aat dem belgischen Staate als Kolonie angegliedert worden. Belgien erlangt damit einen Kolonialbesitz von 2,3 Millionen Quadratkilometern und 20 Millionen Einwohnern. Die Freude der Belgier über die nach so vielen Schwierigkeiten endlich zustande gekommene Annexion aber wird getrübt durch die Aussicht, daß es damit, wie ein liberales Brüsseler Blatt sich ausdrückt, „in die Abenteuer der Kolonialpolitik verwickelt" wird. Insbesondere dürsten von- seiten der englischen Politik noch mancherlei Ungelegenheiten zu befürchten sein. Auch hier gilt es für Deutschland, ein wachsames Auge zu haben.
In Berchtesgaden hat der italienische Minister des Aeußern T i t t o n i unserm Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Schön einen Besuch abgestattet. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die Unterredung der beiden Staatsmänner teilweise auch einen politischen Charakter getragen, und es dars bei der Art der deutsch-italienischen Beziehungen als Ergebnis der Unterredung zweifellos die Feststellung völliger Uebereinstimmung in allen schwebenden Fragen der internationalen Politik angenommen werden.
Das Kaiferpaar in Metz.
JhreKaiserlichen Majestäten mit dem Prinzen August Wilhelm und Oskar sind am Mittwoch nachmittag um 4 Uhr 40 Mim, von Wilhelmshöhe kommend, in Metz eingetroffen.
Bei Ankunft der Majestäten auf dem Bahnhof erwies eine Ehrenkompagnie des KönigS-Jnsanterieregiments Nr. 145 die Honneurs. Der Kaiser, in der Uniform des Regiments mit dem Feldherrnstab, schritt die Front ab und nahm den Vorbeimarsch der Kompagssie entgegen. Es fand hierauf auf dem Bahnhöfe großer militärischer Empfang und anschließend daran großer Zivilempfang statt. Hierzu waren auch der Kronprinz und die Kronprinzessin und Prinz und Prinzessin Eitel-Friedrich erschienen, ebenso das gesamte Hauptquartier und die Spitzen der Militär-, Zivil- und geistlichen Behörden. Hieraus begann der festliche Einzug unter Glockengeläute und den stürmischen Zurufen des versammelten Publikums. — Das Wetter war gut. — Die Kaiserin hatte mit der Kronprinzessin und der Prinzessin Eitel-Friedrich in einem vierspännigen, ä la Dau- mont bespannten Wagen mit Spitzreitern Platz genommen. Hinter dem Wagen ritten der Kaiser und seine vier anwesenden Söhne, diese in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß. Eine Eskadron des 2. Hannoverschen Ulanenregiments Nr. 14 geleitete die Majestäten. Mit den Herren des Hauptquartiers folgte dem Kaiser der Fürst zu Fürstcnberg. Am Prinz- Friedrich-Karl-Tor war der Gemeinderat der Stadt Metz versammelt. Gegenüber hatten 80 weiß gekleidete junge Damen Ausstellung genommen. Eine von ihnen überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß, eine zweite dem Kaiser einen Ehrentrunk lothringischen Weines in einem schönen Kristallpokal aus dem
städtischen Museum, welcher mit dem Wappen der Stadt Metz, mit dem Wahrzeichen der Pucelle, geschmückt war.
An der ganzen Einzugsstraße hatten die Truppen deS Standortes Spalier gebildet, ferner Krieger-, Arbeiter-, Sport- und andere Vereine, Innungen, Gewerkschaften und Schulen mit ihren Fahnen.
Am Donnerstag begab sich Ihre Majestät die Kaiserin von Metz zu Wagen mit Geleiteskorte vom Schleswig-Holsteinischen Dragonerregiment Nr. 13 nach dem Paradefelde bei Frescati. Um 971 Uhr folgte Seine Majestät der Kaiser im Automobil.
Die Schulen des Stadt- und Landkreises Metz und der lothringischen Kreise bildeten Spalier und brachten mit einem zahlreichen Publikum den Majestäten andauemd lebhafte Huldigungen dar.
v Sie Wirre» in Rarokls.
Paris, 27. August. Die Harka von Colomb-Bschar (Süd-Oran) hat eine Effektivstärke von 25000 Mann erreicht und erfährt noch immer Verstärkungen. Sie setzt sich auS krieg?gewohnten, aber schlecht bewaffneten Fanatikern zusammen. Die französischen Generale wollen einen entscheidenden Schlag führen, da sie der Ansicht sind, daß ein halber Erfolg in Marokko als Mißerfolg ausgelegt werden und einen Gegen- schlag zu Folge haben würde. Aus den Gebieten von Figig und der Schauja wird nichts Neues gemeldet. Aus Bu Denib kommt die Nachricht, daß marokkanische Reiter den französischen Vorposten auf 300 Meter nahe kamen. Der bevorstehende Angriff wurde nur durch die Uneinigkeit unter den Führern verzögert. Die Kolois-e Alix, deren Zusammenstellung beendet ist, ist völlig marschbereit.
Aus > und Ausland.
Berlin, den 25. August 1908.
Gegenüber einem Artikel der „Dortmunder Zeitung" unter der Ueberschrist: „Eine Englandreise Kaiser Wilhelms" ist die „Nordd. Allg. Ztg." ermächtigt, zu erklären, daß bei der Zusammenkunft deS Kaisers und Königs mit dem König von England von einer für den kommenden Herbst geplanten Reise des Kaisers nach England mit keiner Silbe die Rede gewesen ist. Die in dem Artikel aufgestellte Behauptung kennzeichnet sich als eine ebenso dreiste Erfindung, wie die von demselben Blatt für den Mai dieses Jahres verbreitete Meldung, daß Hosbeamte nach England gereist seien, um dort Vorbereitungen für den Besuch des Kaisers zu treffen.
Bei der zur Vornahme der großen Herb st Übungen nach der Ostsee am Donnerstag ausgelaufenen Hochseeflotte bildeten die Kreuzer der Aufklärungsgruppe die Vorhut, das erste und zweite Linienschiffgeschwader folgten, und das Flotten- flaggschiff „Deutschland" mit dem Prinzen Heinrich an Bord bildete den Beschluß. Die Hochseeflotte umfaßt einschließlich der Hochsee-Torpedoboote und Minenschiffe 100 Kriegsfahrzeuge mit 20,000 Mann Besatzung.
Ueber eine Einschränkung der Bestimmungen über die Konkurrenzklausel hat die Regierung in den letzten Wochen Erhebungen in der Handels- und Kaufmannswelt und den Handelskammern anstellcn lassen. Zu der Frage liegt jetzt umfassendes Material vor. Die Regierung glaubt als Mittelweg folgende Vorschläge als Unterlage für eine Reform benutzen zu können: Die Konkurrenzklausel ist ungültig, wenn der Angestellte weniger als 3000 Mark Jahreseinkommen hat, der Zeitraum, für den eine Konkurrenzklausel vereinbart werden darf, darf ein Jahr niemals überschreiten, als Vertragsstrafe darf höchstens die Hälfte des Jahreseinkommens vereinbart werden, bei Lehrlingen ist die Konkurrenzklausel unzulässig, dem Prinzipal stehen auS der Konkurrenzklausel Ansprüche nur soweit zu, als ihm der Angestellte nachweisbar durch Verletzung des Konkurrenzverbots einen Schaden zugesügt hat. Die letzte Bestimmung hat vielfache Gegner gefunden, doch glaubt die Regierung, bei einer Reform der Bestimmungen im Interesse der Arbeitnehmer verlangen zu müssen, daß ein Schaden auch wirklich nachgewiesen wird.
Nach Erklärungen der portugiesischen Presse soll die politische Lage in Lissabon höchst beunruhigend geworden sein. Die Blätter „O Mundo" und „Liberal" melden übereinstimmend, daß für nächsten Sonnabend eine Revolte geplant sei. Der „Scculo" erfährt, daß die königliche Jacht „Amelia" beständig unter Dampf gehalten wird, um im Augenblick der Gefahr den König und die königliche Familie in Sicherheit zu bringen. Was man sich in politischen Kreisen und im Volke über die Gefahren der Situation und die Pläne der Gegner der Dynastie erzählt, geht noch weit über das in der Sache Mitgeteilte hinaus. Ob die Gerüchte auf Wahrheit beruhen, läßt sich freilich nicht kontrollieren.
Die Räubereien der persischen Regierungstruppen in Täbris haben ihren Höhepunkt erreicht. Gegen 1500 Läden und 3000 Häuser sind ausgeraubt. Ain ed Dauleh versucht,