nicht kannte, so hatte er ihn statt unter Dach und Fach zu bringen, auf den Hofraum unter freiem Himmel hingelagert. Um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde der Kalk mit alten Laken, Säcken, Hosen und Röcken, sogar mit einem alten Bette hübsch zugedeckt. Um Mitternacht ging es, Puff, paff, puff, paff und ein Geknalle wurde laut, daß die Hausbewohner erschreckt aus dem Schlafe erwachten. Ein starker Gewitterregen war niedergegangen, und die Kalksteine waren ins Löschen geraten. Die alten Laken waren durch die Hitze verkohlt. Es ist noch glücklich abgegangen, denn nicht viel hätte gefehlt, so wäre das ganze Gehöft in Brand geraten.
Heiligenftadt, 19. August. Von einem Hunde ange- fallen und zerfleischt wurde hier ein 15jähriges Mädchen, das ruhig an der Käsemannschen Zigarrenfabrik vorbeiging, wo der Hund, ein großer Neufundländer, vor der Tür lag. Er stürzte sich auf das Kind, zerbiß ihm die rechte Wange und riß ein Stück Fleisch heraus, sodaß das Gebiß bloßgelegt wurde. Die furchtbaren Wunden wurden vom Arzt sofort vernäht, doch fehlte ein Stück Fleisch und das Mädchen wird wohl immer ein Loch in der Backe zurückbehalten.
Reichensachsen b. Eschwege, 20. August. Ein schwerer Unglückssall ereignete sich gestern nachmittag. Als die Frau des Weißbindermeisters Aschenbrenner ein Bund Heu sür die bei ihr einquartierten Soldaten von der Scheuer herabwerfen wollte, stürzte sie ebenfalls in die Tiefe hinab, wo sie bewußtlos liegen blieb. Der Arzt stellte schwere Verletzungen im Innern fest.
Jesberg, 19. August. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich hier zugetragen. Der Tagelöhner Cirus von hier, der auf dem Hofe des nahen Brünchenhain beschäftigt ist, hat aus dem Felde Frucht mit der Maschine, einem Selbstbinder abgemacht. Da kamen zwei Rehe aus dem nahen Walde, durch deren Erscheinen die Pferde scheuten und durchgingen. C. fiel so unglücklich aus die Maschine, daß er ein tiefes Loch im Rücken davontrug, mehrere Rippen zerbrach und ein Bein so zerschnitten wurde, daß es nur noch lose am Fleische hing.
Liesingen bei Frielendorf, 20. August. Hier ereignete sich heute ein gräßlicher Unglücksfall. Auf dem Hose des Bürgermeisters arbeitete die Dreschmaschine; der 14jährige Knabe Hocke wollte einen Besen hinaufreichen, geriet dabei in das Getriebe der Trommel, sodaß ihm ein Bein vollständig abgequetscht wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Schwerverletzte in die Klinik nach Marburg verbracht.
Oberrieden bei Allendorf a. d. W., 18. August. Ueber den Blitzschlag in der Kirche zu Oberrieden erhält die „Fuld. Ztg." noch folgende Mitteilungen: „Gestern morgen um 9 Uhr 49 Min. schlug der Blitz in die hiesige schöne Kirche ein. Sämtliche 18 Fenster und 3 Türen sind wie verschwunden; alle Scheiben sind in tausend Stücke zerschlagen. Vom sechseckigen Turme sind 3 Seiten vollständig herausgerissen. Die schöne eiserne Eingangstür lag 15 Meter weit unter den Bänken; der über der Eingangstür befindliche schwere Stein mit alten Inschriften ist in drei Teile zerschlagen. An der Orgel ist die vordere Wand, sowie einige Flöten fortgeschleudert. Alle Bänke lagen zertrümmert in einer Ecke; der ganze gedielte Fußboden ist aufgewühlt worden. Die Uhr ist schwarz verbrannt und stehen geblieben. Der Turm hängt schief und droht umzustürzen; den Glocken hat es nichts geschadet, jedoch hängt der Glockenstuhl schief. Der Altar ist in vier gleiche Teile zerrissen, nur die Altardecke ist merkwürdigerweise unbeschädigt geblieben. Die Straße ist mit Holzteilen und Ziegeln bedeckt; bis an's Pfarrhaus flogen einzelne Teile. Derselbe Blitz schlug dann noch in einen an der Straße stehenden Apselbaum und splitterte ihn. Die Kinder in der neben der Kirche stehenden Schule sind ohnmächtig von den Bänken gefallen. Das Gewitter kam so plötzlich daß viele Leute im Orte von dem Einschläge garnichts gemerkt hatten. Die Kirche ist polizeilich gesperrt."
Frankfurt a. M., 18. August. Vor einigen Tagen stürzte sich die 21jährige Kontoristin Emilie Götting in den Main und ertrank. Darüber war die Stiefmutter, die Frau des Zugführers Lepper, so konsterniert, daß sie sagte: Jetzt gehe ich auch ins Wasser. Gestern wurde sie denn auch als Leiche aus dem Main geländet. — Ueber den Prellbock gefahren ist heute wieder einmal der Hanauer Personenzug, der um 9 Uhr früh hier eintrifft. Die Maschine stand vollständig in der Bahnhofshalle. — In seiner Mansarde erhängt aufgesunden wurde heute früh der von seiner Frau getrennt lebende 39jährige Tapezierer Karl Kirsamer aus der Scheidwald- straße 29.
Roda, 19. August. Gestern nachmittag hat sich im Walde bei Tröbnitz der seit etwa zwei Jahren hier amtierende Bürgermeister Dieterizi erschossen. Ueber die Motive zu dem Selbstmord verlautet nicht bestimmtes, doch dürften dienstliche Verfehlungen nicht in Frage kommen.
Koburg, 19. August. Das Automobil, das gestern die Prinzen August Wilhelm und Oskar nach Koburg gebracht hat, verunglückte auf der Rückfahrt auf der Chaussee nach Oberlangenstadt. Der Wagen stürzte die Böschung hinunter und begrub den Chauffeur unter sich. Der Chauffeur war aus der Stelle tot. Die Leiche wurde nach Lichtenberg gebracht.
Gera, 19. August. Eine aufregende Szene spielte sich hier in der Reichsstraße ab, wo der Gehilfe des Barbiers Groß rückständigen Lohn verlangte, der ihm von G. verweigert wurde. Darauf nahm der Gehilfe als Pfand einige Rasier
messer weg. Als G. dem Gehilfen die Messer abnehmen wollte, schnitt der Gehilfe den G. mehrere Male in den Arm, wobei die Pulsader durchschnitten wurde. G. brach infolge des enormen Blutverlustes zusammen und wurde lebend ins Krankenhaus eingeliefert, wo er noch ohne Besinnung liegt. Der Täter wurde verhaftet.'
zur Grubenkatastrophe in England.
Die Hoffnung, noch einige der in der Maypolc-Grube in Lancashire durch die Explosion eingeschlossenen Bergleuten zu bergen, muß jetzt endgültig aufgegeben werden. Bis auf wenige gleich am Anfang Gerettete haben alle in der Grube Eingeschlossenen unter furchtbaren Qualen ihren Tod gefunden.
London, 20. August. Die drei Arbeiter, die einige Stunden nach der Explosion lebend ausgesunden wurden, werden wahrscheinlich die einzigen Geretteten sein. Ihre Namen sind Fairhurst, Doran und Farrell. Fairhurst ist Wegeausseher und arbeitete zur Zeit der Explosion mit den beiden anderen 700 Meter vom Unglücksschacht entfernt. Die Gewalt der Explosion warf sie nieder, sie fühlten, wie ein Orkan heißer Lust über sie wegsegte. Sie sprangen auf und liefen um ihr Leben, doch Balken und Kohlenstücke krachten rings um sie nieder. Fairhurst schrie: „Nicht nach dem Eingang, wir müssen zurück." Nun begann der Kampf gegen den Tod im Dunkeln. Nur eine Lampe gab einen schwachen Schimmer. Sie kletterten über große Blöcke, rissen sich die Finger blutig, stürzten, kamen wieder auf die Füße. Ihre Kleider hingen ihnen in Fetzen vom Leibe, die Gase drohten sie zu ersticken. Sie benetzten die Lippen mit kaltem Tee, befeuchteten ihre Mützen damit und atmeten durch diese. Sie hielten sich bei den Händen, um sich nicht zu verlieren. Fairhurst überredete sie schließlich, in einer Nische zu warten. Hier harrten sie stundenlang aus. Die Gase wurden immer unerträglicher. Die Abgeschnittenen riefen die Namen von Kameraden, doch niemand antwortete. Endlich hörten sie die Rufe der Retter. Sie schrien zurück, da tauchten elf funkelnde Lampen in der Dunkelheit auf. Die drei wurden aus ihrem Grabe gezogen und waren gerettet.
Unter welchen Qualen die Umgekommenen ihren Tod gefunden haben, lassen die Berichte der drei Geretteten erkennen. Es wird berichtet, daß die Rettungsarbeiten fortdauern, daß aber jegliche Hoffnung aufgegeben ist, die Verschütteten noch lebend aufzufinden, da der Schacht voller giftiger Gase ist. Man denkt zwar an die Möglichkeit, daß einzelne in Seiten- nischen Eingeschlossene noch am Leben sein könnten, wie bei der Katastrophe von Courrieres, und setzt deshalb die Bemühungen, in den Schacht vorzudringen, mit aller Energie fort. Die Hoffnungen sind äußerst gering. Die mit Sauerstoffhelmen und den neuesten Apparaten versehenen Rettungsabteilungen konnten bisher nicht weiter als mehrere hundert Meter in den Unglücksschacht vordringen. Sie erzählen von grauenhaften Eindrücken, die sie dort erlebt haben. Ueberall liegen halbverkohlte, schrecklich verstümmelte Leichen mit verzerrten Gesichtern umher; ihre Zahl ist noch nicht bekannt. Die meisten konnten noch nicht zutage gefördert werden. Das Rettungswerk, an dem sich fast alle Grubenbeamten des Distrikts in heroischer Weise beteiligen, ist mit großer Lebensgefahr verknüpft. Eine Gruppe von Rettungsmannschaften wurde gestern abend verschüttet, aber von Kameraden schnell befreit. Die Leute von den Rettungskorps kommen meist mit vom Leibe gerissenen Kleidern, mit Wunden bedeckt und halb erstickt an die Oberfläche; ihre Nerven sind von den grauenhaften Szenen, dem furchtbaren Leichengeruch und den bestandenen Gefahren so erschüttert, daß sie sich mit Schauder abwenden, wenn man stet um Auskunft fragt. „Alles ist tot", ist das einzige, was sie sagen.
— Essen, 20. August, An dem Eisenbahnübergang bei Wattenscheid wurde ein Fuhrwerk vom Zuge überfahren. Ein Kind war sofort tot, ein Insasse wurde schwer verletzt.
— (Der Tausendmarkschein im Ziegen- magen.) Bei der Hauptkasse der Berliner Reichsbank erschien, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, ein Hirte mit einem Ziegenmagen und erzählte die folgende seltsame Geschichte: Er habe einen Tausendmarkschein in der Tasche gehabt, und im Schlafe sei ein Ziegenbock, der gewohnt war, aus dieser Tasche Salz zu fressen, herangekommen, habe den Schein herausgezogen und gefressen. Das Tier ward daraus geschlachtet, und der Hirte brächte den Magen. Eine Sachverständigenuntersuchung ergab wirklich die Ueberreste des Scheines, und der Mann bekam einen funkelnagelneuen Tausendmaik- schein ausgehändigt. Möglich ist ja Vieles, aber ist der Papiergeld fressende Bock schon wunderbar. Der Hirte mit dem Tausendmarkschein in der Tasche ist es doch noch mehr.
— Dresden, 19. August. Der Kassierer der Dresdener Bank Eckert in Dresden hat das Institut durch raffinierte Fälschungen um 233 000 Ma>k geschädigt. Er ist seit gestern flüchtig. In zurückgelassenen Briefen spricht er die Absicht aus, sich das Leben zu nehmen. Die Angelegenheit ist den Behörden übergeben worden. Eckert war 34 Jahre lang im Dienste der Bank tätig und genoß das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten.
— Leipzig, 19. August. Heute morgen gegen %4 Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Hause Zeißerstraße 17 gerufen. Der ganze Dachstuhl des Gebäudes stand in
Flammen und die unter dem Dach wohnenden Kellnerinnen- Lina Beck aus Erfurt und Emilie Jung aus Eilenburg wurden beim Oeffnen der Schlafkammer erstickt vorgefunden. Eine 73jährige Witwe wurde noch im letzten Augenblick von der Feuerwehr durch ein Fenster gerettet.
Hetzte nachrichten.
Hamburg, 20. August. Die Führer der in Hamburg ankommenden Seeschiffe berichten, daß in der Nordsee Schiffs- trümmcr treibend, angetroffen wurden. Man vermutet, daß sie von Schiffskatastrophen während der Sturmperiode der letzten Tage herrühren.
Magdeburg, 20. August. Die Stadtverordneten beschlossen, der Magistrat möge beim Bundesrat und dem Reichstag gegen eine etwaige Steuer auf Licht Einspruch erheben, falls eine solche bei der Reichsfinanzresorm geplant ist. Es handelt sich um die Besteuerung von Elektrizität, Gas und elektrische Kraft.
Koburg, 20. August. Die Stadtverordneten beschlossen, den Kriegsteilnehmern mit einem Einkommen bis zu 12 00 Mark 90 Prozent der Kommunalsteuer zu erlassen.
Hirschberg, 20. August. In Seidorf ist in der letzten Nacht das Hotel Elysius vollständig niedergebrannt.
London, 20. August. Der Verband der Spinnerei- besitzer beschloß, mit einer Mehrheit von 92 Stimmen eine fünsprozentige Lohnermäßigung. Falls die Arbeiter die Annahme verweigern, werden sämtliche Fabriken geschlossen werden. Die Maßregel würde 200 000 Arbeiter treffen, deren Stimmung zur Ablehnung hinneigen soll.
Standesamtsbezirk Schenklengsfeld.
Monat Juli 1908.
Eheschließungen.
Am 8. Kaufmann Adolf Richheimer von Aschenhausen mit Meta Weinberg dahier.
Geburten.
Am 9. Anna Martha, T. des Dienstknechts Johann Heinrich Ernst dahier. — 17. Anna Susanna, T. des Tagelöhners Heinrich Schneider zu Dünkelrode. — 24. Katharina, T. des Schreiners und Musikers Oswald Mohr dahier. — 26. Maria Elise, T. des Tagelöhners Wilhelm Rothamel zu Conrode. Hildegard, T. des Gastwirts Gustav Schröer zu Conrode.
Standesamtsbezirk Niederaula.
Monat Juli 1908.
Eheschließungen.
Am 12. Gutspächter Ludwig August Graf auS Forchtenberg mit Rosine Wilhelmine Ermold aus Jagsthausen.
Geburten.
Am 3. Anna Katharina 'Elisabeth, T. deS Ziegeleibesitzers Konrad Grenzebach dahier. — 17. Elisabeth, T. des Landwirts Jakob König aus Mengshausen. Anna Margretha, T. deS Land- wirts Jakob König daselbst. — 21. Maria Elisabeth, T. deS Briefträgers Johannes Schäfer dahier. — 24. Louise Katharina, T. des Arbeiters Valentin Gies dahier. — 26. Wilhelm Heinrich, S. des Landwirts Karl Faupel zu Niederjosia. — 31. Anna Dorothea, T. des Schneiders Adam Hartwig dahier.
Sterbefälle.
Am 5. Schuhmacher Johannes Diebel zu Niederjosia, 58 Jahre alt. — 10. Auszüger Heinrich Völker zu Niederjosia, 101 Jahre alt. — 11. Maria Hofmann, T. des Landwirts Hofmann zu Niederjosia, 4 Monate alt. — 21. Anna Margretha König, T. des Landwirts Jakob König zu Mengshausen, 4 Tage alt.
— 22. Tagelöhner Heinrich Zulauf zu Hattenbach, 52 Jahre alt. — 25. Auszüger Valentin Blum zu Mengshausen, 84 Jahre alt.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 23. August.
Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Todenhö fer von Wippershain.
Vormittags Vall Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Feyerabend. Mittags V2I2 Uhr: Gottesdienst zu Petersberg.
_ Ev. Männer- u. Jünglingsverein.
Sonntag 8 Uhr: Geselliges Beisammensein. Donnerstag 83/* Uhr: Bibelstunde. Sonnabend 83/< Uhr: Gebetstunde.
Jugendabteilung Sonntag Nachmittag 3Vs—6 Uhr. Jnvgfrauenvereiv Sonntag von 4—6 Uhr sämtlich im Vereinshaus.
Hierzu Nr. 34 des „Illustrierten Sonntagsblatts" und Nr. 16 der „Illustrierten Landwirtschaftlichen Beilage."
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule.) Wetteraussichten für Sonnabend, den 22 August.
Vereinzelte Gewitter, Abkühlung.
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Cöln 1902.
Düsseldorf 1903.
Groningen 1903.
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Bonn 1904.
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