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Herrselder Kreisblatt

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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 88. Sonnabend, den 22. August 1908.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die verflossene Woche hat uns von neuem das imposante Schauspiel der alljährlich wiederkehrenden Katholiken- versammlungen gebracht, und zwar war diesmal Düssel­dorf zum Tagungsorte ausersehen, das schon zweimal in früheren Jahren die Ehre genossen hat, die Katholiken Deutsch­lands innerhalb seiner Mauern zu beherbergen. Es war ein Festgepränge, das an Glanz und Pracht kaum noch übertroffen werden kann. Ein Festzug von 60000 Arbeitern ist in der Tat eine Leistung, mit der der höchste Rekord auf diesem Ge­biete erreicht sein dürste. Zwei Bestrebungen traten bei den Verhandlungen offensichtlich in den Vordergrund: einmal die Tendenz, der Versammlung einen streng kirchlich-konfessionellen Charakter zu wahren und alles sernzuhalten, was die Politik unmittelbar angeht, und zweitens das Streben, die deutsch­nationale Gesinnung des katholischen Teils der Bevölkerung unseres Vaterlandes mit Nachdruck zu unterstreichen und alle etwaigen Zweifel hieran mit Schärfe zurückzuweisen. Wir freuen uns aufrichtig dieses Strebens, können aber nicht umhin, zu bemerken, daß es mit Gesinnungen und Worten allein nicht getan ist, sondern daß dem auch die Taten entsprechen müssen. Solange sich aber das Zentrum, das nun doch einmal die politische Organisation des weitaus überwiegenden Teils der Katholiken Deutschlands darstellt, so durch und durch anti- nationaler Handlungen wie des Bündnisses mit den Polen schuldig macht, werden jene Zweifel an der nationalen Voll- wertigkeit des deutschen Katholizismus niemals verstummen, was umso bedauerlicher ist, als unter diesem Urteil der öffent­lichen Meinung auch die zahlreichen Katholiken mitzuleiden haben, die tatsächlich dem nndeutschen Verhalten des Zentrums widerstrebend gegenüberstehen. Die Wortführer auf dem Düsseldorfer Katholikentage, die ihrer deutschen Gesinnung so laut und kraftvoll Ausdruck gegeben haben, würden sich daher ein unschätzbares Verdienst nicht bloß um den deutschen Katholizismus, sondern auch um die gesamte innere Entwick­lung Deutschlands erwerben, wenn sie ihre einflußreiche Stellung innerhalb des Zentrums dazu benutzten, um diese Partei zur Abkehr von ihrer bisherigen Haltung und zum Einlenken in streng nationale Bahnen zu bewegen.

Die Zeppelinbegeisterung flaut vorläufig wieder ab, doch nehmen die öffentlichen Sammlungen zur National­spende für den Grafen Zeppelin noch immer ihren Fortgang. Wie man hört, beabsichtigt der Graf, zunächst mehrere Ballon­hallen bei Friedrichshasen zu errichten und dann erst an den Bau seines neuen Luftschiffes zu gehen. Uebrigens macht sich jetzt auch der Parsevalballon des Lustschifferbataillons in Berlin durch seine Versuchsfahrten recht bemerkbar. Am Mittwoch abend unternahm er eine neue etwa halbstündige gelungene

Wem Mc Berge mildern.

Eine Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienenstein.

(Fortsetzung.)

VII.

Am nächsten Tage bereute es Toni bitter, daß er, als er den Bergschießl im Gasthause sah, nicht gleich umgekehrt war, noch mehr bereute er es aber, daß er die Roserl allein hatte nach Hause gehen lasten. Er hätte seine Scham über den Vorfall überwinden und ihr selbst sagen sollen, wie sich alles zugetragen hatte.

Nun erfuhr sie es sicher von ihrem Vater, und wie es der darstellen würde, das konnte er sich ausmalen. Und noch dazu sollte er übermorgen wieder auf die Alm und eS war absolut reine Gelegenheit, die Roserl srüher nochmals zu treffen. Er zergrübelte sich den Kopf, wie er der Roserl alles mitteilen könne, aber da er keinem seiner Kameraden den Auftrag geben wollte und auch mit dem Schreiben nicht gut umzugehen wußte, mußte er sich schließlich ins Unvermeidliche fügen und «nm Trost in dem Glauben suchen, daß die Roserl von selbst annehmen würde, daß er nicht der schuldtragende Teil sei.

Und in dem Glauben irrte er sich nicht. Der Knecht auf dem Bergschießl-Hose hatte im Gasthause von dem Streit er­fahren und teilte der Roserl alles mit, und sie, sie wußte sofort, aus wen die Schuld falle. Aber daß sich der Geliebte an dem Vater vergriffen hatte, das konnte sie doch nicht über- winden und es kostete ihr viele Tränen, die jeden Abend, wenn sie allein in ihrer Kammer lag, aufs neue zu fließen begannen.

Zudem stieg auch mit jedem Tage mehr eine unerklärliche Angst in ihr auf, denn der Vater war seit diesem Sonntage ganz unheimlich still. Er beinahe nichts, er sprach nur das Allernotwendigste und er konnte nun viertelstundenlang auf einem Flecke sitzen oder stehen und wie entgeistert vor sich

Fahrt unter Führung des Hauptmannes v. Kehler. Herzog Ernst von Altenburg beteiligte sich an der Fahrt.

Der greise Herrscher des uns befreundeten und verbündeten Nachbarreiches Oestreich, K a i s e r F r a n z I o s e f, hat in seltener Rüstigkeit und Frische seinen 78. Geburtstag begehen können, und mit den Gebeten und Wünschen, die aus so vielen Herzen seiner treuen Untertanen zum Himmel emporstiegen, haben sich die Wünsche des deutschen Volkes vereinigt, das mit seinem Kaiser dem Patriarchen aus dem Throne seine ver- ehrungsvollen Sympathien entgegenbringt. Dank dem hohen Ansehen, das Kaiser Franz Josef im Rate der Fürsten und Völker genießt, ist es ihm gelungen, durch lange Jahre nicht nur seinem Reiche das unschätzbare Gut des Friedens zu sichern, sondern auch als mächtiger Schirmherr des europäischen Friedens zu walten. Möge den Völkern der österreichischen Monarchie ihr kaiserlicher Herr noch lange in Frische und Rüstigkeit erhalten bleiben und es dem erlauchten Monarchen beschieden sein, einen langen friedlichen und ruhigen Lebens­abend in dem beglückenden Bewußtsein der Liebe seines Volkes zu genießen!

Der Umschwung in den i n n e r t ü r k i s ch e n Verhält­nissen hat erfreulicherweise nicht die Aenderung in den Be­ziehungen der Türkei zu Deutschland herbeigesührt, die von unsern ausländischen Gegnern erhofft wurde. Vielmehr be­wegte sich die auswärtige Politik der Türkei, die auch weiterhin in den bewährten Händen Tcwfik Paschas liegt, Deutschland gegenüber nach wie vor in durchaus freundschaftlichen Bahnen. Es beruht dies aus der richtigen r^alpolitischen Erwägung, daß Deutschlands Kaiser und Volk b^ Türkei in völlig selbstloser Weise die wertvollsten Dienste geleistet haben, während andere Mächte nur darauf ausgeganZW^,find, ihrer Ländergier aus Kosten des osmanischen Recches Befriedigung zu schaffen. Wir dürfen wohl mit Zuversicht erwarten, daß diese zutreffende Beurteilung der Tatsachen und ihre Nutzbarmachung für die praktische Politik auch weiterhin den Kurs der jungtürkischen Politik und ihrer Lenker bestimmen wird.

M Wirre« in Marokko.

In Marokko scheint sich tatsächlich mehr und mehr eine Wendung der Lage zugunsten des rechtmäßigen Sultans Abdul AsiS zu vollziehen. Wie aus Marrakesch vom 15. August gemeldet wird, vernichtete die Mahalla Abdul Asis die Truppen El Glauis bei Sidi Guallal und eine zweite hafidische Mahalla bei Sidi Rahel. Zu derselben Zeit zog Kaid Mtugi in Marrakesch ein. Abdul Asis soll selber noch acht Stunden von Marrakesch lagern. Die Einnahme der zweiten Haupt­stadt Marokkos durch die Truppen Abdul Asis würde jedenfalls die gesamte Situation für ihn erheblich verbessern. Sonst geht es aber in Marokko noch fortgesetzt darunter und drüber. Unter den Stämmen zwischen Fez und dem Fluß Muluja herrscht Anarchie. Die Douls erheben erhöhte Abgaben von Viehtransporten, die durch ihr Gebiet von Fez nach dem

Hinstarren. Um sie kümmerte sich der Vater gar nicht mehr, sie schien für ihn gar nicht vorhanden zu sein.

Am nächsten Sonntage ging der Berschießl gar nicht aus. Dafür aber kam nachmittags der Hinterleitner zu ihm. Der begegnete auf dem Wege der Roserl, die eben zum nach­mittägigen Segen ging.

Na, bist du heute allein?" redete sie der Hinter­leitner an.

Wer sollt' denn bei mir sein?" gab sie abweisend zurück.

Eh nit, eh nit", erwiderte er begütigend.Oder soll i ein bißl mit dir gehen?"

Dank schön, is nit notwendig, i find' den Weg allein auch."

Aber wann i gern a Stückl mitging?"

So danket i auch schön für die Ehr'!" fuhr es der Roserl heraus, der die Augen vor Verachtung sprühten.Mit dir tät i mich aufrichtig schämen."

Der Hinterleitner wurde totenblaß,

.Also schämen tätst dich mit mir?" sagte er mit leiser, vor Erregung heiserer Stimme.Das will i dir nit antun. I wünsch' dir nur, daß du das Wort nie bereust! gar nie, hörst, schöne Roserl, gar nie!"

Sie hörte nicht auf ihn, sondern schritt eilig fort. Er aber sah ihr mit einem Blicke nach, in dem Haß und Begehren glühten und murmelte vor sich hin:I werd' dich klein und demütig machen, stolze Dirn!"

Der Bergschießl saß grübelnd aus der Bank an der Haustüre, als der Hinterleitner plötzlich vor ihm auftauchte.

Muß doch ein wenig nachschaun, was du machst", redete ihn dieser an.Warum bist denn heut nit ins Dörfl hinab­kommen ?"

Warum nit? Da fragst du noch? Ach Gott, i sag dir, Nachbar, das halt i nit aus. Ein Narr muß i werden! Mich, den Bergschießl, haben sie aus dem Wirtshaus hinaus­geworfen. Und warum, wegen diesem Brandebner-Buben! Da" zähneknirschend faßte er den Hinterleitner am Aermel da schau mich an, bin ich noch ein Mensch, oder bin ich ein wildes Vieh, auf daS jeder Mensch Jagd machen darf?

Markt in Lallamarnia getrieben werden und andere Stämme folgen diesem Beispiel.

Mr Jn- und Ausland.

Berlin, den 20. August 1908.

S e. Majestät der Kaiser ist gestern abend um 11 Uhr 20 Min. im Sonderzuge von Wilhelmshöhe nach Mainz abgereist. Dort traf Se. Majestät der Kaiser heute morgen 8 Uhr an der Haltestelle beim Großen Sand ein. Nachdem der Kaiser, welcher die Uniform des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich hessischen) Nr. 116 trug, zu Pferde gestiegen war, begann die Truppenbesichtigung auf dem Großen Sande. Das Wetter war herrlich. Der Besichtigung wohnte u. a. auch der englische Oberst Davison bei. Zuerst fand ein Exerzieren des Garde-Dragonerregiments (1. Großherzoglich Hessischen) Nr. 23, dessen Inhaber der Großherzog von Hessen ist, statt. Es folgte um 8s/< Uhr eine Gefechtsübung. Hierzu waren besohlen die 41. Infanterie- brigade, das Füsilierregiment von Gersdorff (KurhessischeS) Nr. 80, das Magdeburgische Dragonerregiment Nr. 6 und die 1. Abteilung des 1. Nassauischen Feld-ArtillerieregimentS Nr. 27 Oranien. Die Gefechtsaufgabe war vom Generalleutnant Scholtz gestellt. Die 41. Jnfanteriebrigade unter Generalmajor Freiherrn v. Süßkind stellte die blaue Partei, das Füsilierregiment von Gersdorf unter seinem Oberst v. Conta die rote Partei dar. Die Dragoner und die Artillerie waren auf beide Parteien verteilt. Hieran schloß sich eine längere Kritik.

Aus Berlin wird gemeldet: Am Donnerstag früh kurz vor 8 Uhr stiegen -as Militärluftschiff deS Majors Groß sowie der Parsevalballon vom Regelet Schießplatz aus auf und blieben zwei Stunden in der Luft. In der Gondel des Militärluftschiffes hatte Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg Platz genommen. Den Parsevalballon steuerte Hauptmann Kehler. Ueber dem Brandenburger Tor manöverierten beide Ballons und fuhren dann die Linden entlang nach dem Zeughaus. Fahrt und Landung gingen glatt von statten. Um V2I2 Uhr stieg das Parsevalsche Luftschiff mit Hauptmann Kehler als Führer zum zweiten Male aus und landete nach halbstündiger Fahrt.

Die seit Jahren schwebende Frage einer durchgreifenden Reform des Mädchenschulwesens ist nunmehr aus dem Stadium der Vorbereitung herausgelangt, indem der Kaiser den ihm vorgelegten Bericht des Kultusministers mit den Vorschlägen sür den Neuaufbau der höheren Mädchen- ausbildung in einer aus Wilhelmshöhe datierten KabinettS- order vom 15. d. M. genehmigt hat. Die Grundlagen der Reform sind im allgemeinen folgende: Die höheren Mädchen­schulen rücken in den Aussichtskreis der Provinzialschulkollegien und werden auch hinsichtlich der Rang- und Titelverhältnisse den höheren Knabenschulen gleichgestellt. Es wird unterschieden werben zwischen solchen öffentlichen höheren Mädchenschulen,

Bin ich ein Bettler, ein Landstreicher, daß sich jeder Knecht, jeder Lausbub schon an mir die Schuh abputzen darf? Wenn i denk, wie die Buben vor dem Wirtshaus gestanden sind und mich verspottet haben, ein Narr muß i werden, ein Narr! Alle Leut' zeigen mit dem Finger aus mich, den hat der Brand- ebner-Bub g'haut, 0 0"

Der Bergschießl schlug die geballten Fäuste vor die Stirn und stöhnte wie einer, der unsägliche Schmerzen leidet. Ueber das Gesicht des Hinterleitner zog ein triumphierendes Lächeln, das aber sofort wieder verschwand.

Nun schien ihm der Bergschießl dazu reif, daß er ihn ganz in seine Gewalt brächte und mit ihm die stolze Roserl. Er wollte nur das Feuer noch ein wenig schären, viel war ja ohnehin nicht notwendig.

Ja, ja, Nachbar, die G'schicht' is für unS ein bißl schlecht ausgangen. Aber es is halt nit anders: sie helfen alle über dich zusammen. Sogar die jungen Lausbuben, die noch gar nix zu reden haben. Weißt, was die sür ein Spottliedl über dich singen? Aber i sag dir's lieber gar nit."

A Spottlied?" fuhr der Bergschießl aus seiner Versunken- heit auf, in die er wieder verfallen war,ein Spottlied, sagst? Und über mich?"

Ja, ja, über dich!"

Was singen sie, sag's!"

Und als sich der Hinterleitner scheinbar sträubte, brauste er auf:Sag's, sag's auf der Stell', sonst sind wir zwei auch miteinander fertig."

Na, wann's schon durchaus sein muß, sagen tu i bir5 schon, aber du darfst dich halt nit giften. Heut haben daS Liedl die Buben im Wirt seinem Salettl g'sungen, und ein Fremder, der dort g'sesien ist, hat sich's gleich aufg'schrieben; das Lied! geht a so:

Der Bergschießl-Bauer geht in d' Kirchen zum Wirt, dort wird er vom Toni mit Hieb absolviert."

Eine wächserne Blässe überzog das Gesicht des Bergschießl, ein Zittern ging durch seinen Körper, und schluckend nur brächte er die Worte hervor:Und das singen die Buben