Einzelbild herunterladen
 

wieder lebendig, man hörte schrilles Pfeifen und scharfe Kommandorufe, die Versuchsmannschaften, die sich in ihren Quartieren im Alarmzustande befunden hatten, eilten über das Feld, um dem Luftschiff seine Landung zu erleichtern, während die Posten anhaltend Blinksignale mit dem Luftschiff austauschten.

Die Uhr des Turmes des Luftschiffer-Bataillons schlug gerade 2 Uhr, als das Schiff in majestätischer Ruhe und in vollkommener Stabilität nur mit Hilfe seiner Höhensteuerung und Luftschraube und in kurzen Windungen seinen Abstieg begann, der eine Viertelstunde später durch eine glatte Landung beendigt war. Die Lustschiffer entstiegen sodann der Gondel, während der Ballon von den Mannschaften nach seiner Halle zurücktransportiert wurde. Das Luftschiff wie seine Organe hatten während der Fahrt hervorragend funktioniert, die Motoren tadellos und ohne Unterbrechung bis zum Abfangen des Schleppseils gearbeitet, und ebenso hatten die Navigatious- instrumente gute Dienste geleistet.

Diesem nächtlichen Fahrmanöver, das nur einen interessanten Versuch darstellen und in seinem ganzen Verlauf einen Beweis für die Sicherheit der Führung des Ballons des Nachts bei bewölktem Himmel geben sollte, wird demnächst eine über die ganze Nacht sich erstreckende Fahrt folgen.

Ae Wirren in Marokko.

Paris, 17. August. Aus Oran wird gemeldet, daß die französischen Posten Budenib und Buanana in Erwartung der etwa 20 Kilom. von Budenib entfernten Harka Verstärkung erhalten, und zwar eine Schwadron Spahis und eine Kom­pagnie Schützen. Die Artillerie aus Colomb-Bschar wird in Budenib erwartet, so daß man nun über vier 75 Millim.-Ge- schützc und vier Bergkanonen verfügen wird.

B en i Unis (Süd-Oran), 17. August. Die in der Nähe von Budenib vereinigte Hacka hat Schanzen aufgeworfen, um die Franzosen in Schach zu halten. Während ein Teil der Hacka nach Kenada gehen soll, dessen Marabut ein Freund Frankreichs ist, soll der andere Teil die französischen Soldaten zwischen Bukar und Buanana beunruhigen. Diese Harka um­faßt 25 000 Mann., 15 000 von ihnen sind wohl bewaffnet. Man glaubt, eine Angriffsbewegung stehe nahe bevor, denn die marokkanischen Kontingente der Harka aus Tafilalet sind nur unter der Bedingung ins Feld gezogen, daß sie im Oktober zur Dattelcrnte wieder daheim sein würden.

Paris, 17. August. Aus Mekines wird vom 13. August gemeldet: Auf dem Marktplatz der Stadt kam es zwischen den Beni Mir, die zu Abdul Asis halten, und hafidistischen Stammesangehörigen zu einem Zusammenstoß, wobei ungefähr 30 Personen getötet wurden.

Tanger, 17. August. (Havas.) Omrani hat mit einer hafidischen Mahalla Elksar verlassen, um gegen Bu Auda zu marschieren.

Aus In- und Ausland.

Aus Cassel, 18. August, wird berichtet: S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r mit Gefolge ritt heute morgen um 8 Uhr durch die Rasenallee nach dem Bergamt und kehrte im Automobil durch das Druseltal nach dem Schloß zurück. Beide Majestäten mit Herren des Gefolges unternahmen dann um 11 Uhr einen Spaziergang nach der Löwenburg und den Cascaden und kehrten von da gegen Val Uhr in das Schloß zurück. Um 1 Uhr fand bei Ihren Majestäten anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Oesterreich eine größere Tafel statt. Während des Mahles konzertierte die Kapelle des 83. Regiments. Im Verlauf des Mahles brächte Se. Majestät der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: Der heutige Tag vollzieht sich unter den Auspizien des 60jährigen Regierungs­jubiläums Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef. Zu den heißen Gebeten und Segenswünschen, die aus so vielen Seelen seiner Untertanen emporsteigen, gesellen sich diejenigen meines Hauses und Volkes. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß es Seiner Majestät beschieden sein möge, einen langen sried- lichen und ruhigen Lebensabend im beglückenden Bewußtsein der Liebe seines Volkes und seines Heeres zu genießen. Der Liebe und Dankbarkeit, die sowohl ich und meine Frau und meine Kinder Seiner Majestät bezeugen und immer bezeugen werden, solange wir leben, ihnen gebe ich Ausdruck, indem ich rufe: Gott segne und schütze Seine Majestät den Kaiser Franz Josef, meinen erlauchten und treuen Verbündeten. Seine Majestät hurra, hurra, hurra!"

Laut einer anscheinend offiziösen Münchener Mitteilung in derS. Ztg." sind die Aussichten aus das Zustandekommen einer Betriebsmittelgemeinschast der deutschen Staatsbahnverwaltungen infolge der herrschenden staatsrechtlichen,

begannen zu rollen, und krampfhaft ballten sich die Fäuste. Der Hinterleitner sah dies, und im nächsten Augenblicke hatte er schon seinen Vorteil wahrgenommen. Er wollte den Berg- schießl auf dm Toni hetzen.

Kam es zwischen den beiden zur Rauferei, dann, meinte er, sei es auch mit der Liebschaft zwischen dem Brandebner- Buben und der Roserl vorbei.

Der Bergschießl trommelte in seiner Erregung schon mit den Fäusten auf den Tisch, als ihm der Hinterleitner zu- wisperte:Jetzt hast ihn, jetzt kannst ihm deine Meinung jagen. Oder traust dich vielleicht nicht?"

Der letzten berechnenden Worte hätte es gar nicht mehr bedurft, denn schon stand der Bergschießl aus und schritt mit etwas unsicherem Schritt auf Toni zu, vor dem er sich nun auspflanzte.

Bist du nit der Lausbub von der Brandeben?"

Der Toni erhob sich und sagte verächtlich:Mit einem Besoffenen red i nix."

Damit wollte er sich der Tür zuwenden. Aber ehe er sich versah, hatte ihn der Bergschießl schon am Rocke gepackt und zurückgerissen und im nächsten Augenblick spürte der Toni einen Faustschlag im Gesicht, den die höhnischen Worte be­gleiteten:Dös Bussl schickt dir aber nit die Roserl!"

Das war sür den Toni zu viel. Flugs hatte er sich aus den Fäusten des Bergschießl freigemacht und nun gab er dem betrunkenen Mann einen derartigen Stoß vor die Brust, daß er zurücktaumelte, dabei über einen Astknorrens des Fuß­bodens stolperte und nun rücklings der Länge nach zu Boden schlug.

Dabei tras er mit dem Kopfe auf die Kante der Trittleiste eines Tisches so stark, daß sofort aus einer breiten Rißwunde das Blut quoll.

Erschlag ihn, Hinterleitner, erstich ihn, den Hund!" schrie der Bergschießl, und versuchte mühsam, sich zu er­heben.

Aber der Hinterleitner hatte keine Lust, den Toni anzu- greisen, denn der hatte bereits einen Stuhl erfaßt, um ihn dem ersten Angreifer aus den Kopf zu schmettern.

Nur her da!" schrie er,wer haben will, daß ihm der

politischen und eisenbahntechnischen Bedenken ungemein geringe geworden. Dafür sind wenigstens die Verhandlungen über die Anbahnung einer Güterwagengemeinschaft zwischen den deutschen Staatsbahnverwaltungen zu einem befriedigenden Abschlüsse gelangt.

Die immer wieder austauchenden Gerüchte einer Zu- sammenkunst desZaren mit unserem Kaiser in diesem Jahre sind, wie dieTägl. Rundsch." auf Grund zuverlässiger Informationen mitteilen kann, unbegründet.

Endlich ist nun auch das Ende desNieterstreiks auf derStettinerVulkan werft gekommen. Nach­dem Montag vormittag 618 Nieter die Arbeit wieder aus­genommen hatten, hat die Direktion den vollen Betrieb wieder eröffnet. Der Verein der Eisenindustriellen in Stettin, der zur Unterstützung des Vulkans 60 v. H. seiner gesamten Arbeiter ausgesperrt hatte, hat diese Aussperrung nunmehr aufgehoben. Damit hat der Konflikt auf dem Stettiner Vulkan sein Ende gesunden. Eine weitere Aussperrung, wie sie von den deutschen Wersten angedroht ist, wird nunmehr unterbleiben. Nur der nachgiebigen und entgegenkommenden Haltung der Arbeitgeber ist es zu danken, daß eine Katastrophe, durch die 45 000 deutsche Arbeiter nebst ihren Familien brotlos geworden wären, vermieden worden ist.

Kaiser Franz Josef feierte am Dienstag in seiner Sommervillagialur Jschl seinen 78. Geburtstag in er­freulichster geistiger Frische und guter Gesundheit unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung. Anläßlich feines Geburtstages verfügte der greise Monarch in einem Hand­schreiben an den Justizminister den Erlaß einer Amnestie für alle wegen des Verbrechens der Majestätsbeleidigung oder der Beleidigung von Mitgliedern des Kaiserhauses, sowie für alle zu Freiheitsstrafen bis zu zwei Wochen oder Geldstrafen bis zu 150 Kronen Verurteilten, wenn sie vorher noch keine Verurteilung erlitten. Die Amnestie erstreckt sich noch weiter; es werden die gesetzlichen Folgen von Verurteilungen zu Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten oder Geldstrafen nach- gcfehen. Endlich sind 562 namentlich aufgeführten Personen der Rest ihrer Freiheitsstrafen, 190 namentlich angeführten werden Freiheitsstrafen und Geldstrafen erlassen. Dieser Rechtswohltat werden solche Verurteilte teilhaftig, die durch heftige Gemütsbewegungen, jugendlichen Unverstand, Not und andere mißliche Verhältnisse zur Tat bestimmt wurden. Die Amnestie ist am Dienstag in Kraft getreten. Der Kaiser stiftete ein Jubiläumskreuz für staatliche Zivilbeamte zur Erinnerung an sein 60jähriges Regierungsjubiläum und weiter ein Militärjubiläumskreuz; letzteres soll allen Personen ver­liehen werden, die mit dem Kaiser unter Radetzky den Feldzug von 1848 in Italien mitgemacht und damals an irgend­einem Gefechte teilgenommen haben. Die offiziöseWiener Abendpost" widmet dem 78. Geburtstage des Kaisers Franz Josef einen längeren Festartikel.

Der Oesterreichische Evangelische Bund hielt in Teplitz seine Hauptversammlung 'ab. Es wurde be­schlossen, den Gemeinden den Bau von Gemeindehäusern als Lutherhäuser zu empfehlen. Außerdem faßte man eine Reso­lution zur Hochschulfrage dahingehend, daß nur die Fortführung der Los-von-Rom-Bewegung den Erfolg gegen die ultramon- tanen Bestrebungen auf Unterdrückung der Forfchungssreiheit sichern könne.

Hur Provinz u. Nachbargebiel

* (Witterung im Juli.) Im Lause des Juli schwankte, wie die Statistische Korr. schreibt, die Temperatur beträchtlich, ihr Monatsmittel aber wich nur wenig von dem langjährigen Durchschnittswerte ab. Vorwiegend war es etwas zu warm, nur an den Nordwestküsten und am Mittel­rhein hatten einige Gebiete das Gesamtmittel ein wenig unterhalb der Normalen. An den wärmsten Tagen, die sich am Anfänge und am Schluß der zweiten Dekade, sowie am Ende des Monats einstellten, stieg das Thermometer nahezu im ganzen Gebiet über 30 Grad, stellenweise sogar über 35 Grad. Die Niederschlagsverteilung war unter dem Einfluß von Gewitterregen, deren Intensität stark wechselte, sehr un­gleichmäßig. Rheinland, Schleswig-Holstein und Schlesien wiesen einen größeren Ueberschuß aus, während Mittel­deutschland meist Regenmangel hatte. Bemerkenswert ist der Niederschlag in Meldorf am 27. Juli, wo bei einem Gewitter innerhalb 3 Stunden 95 mm gemessen wurden. Die Be­wölkung war im Durchschnitt, nahezu normal, die Sonnen­scheindauer überstieg ein wenig den Mittelwert. Im Beginn des Monats war der Luftdruck über Zentraleuropa ziemlich hoch, so daß allgemein ruhiges, heiteres und trockenes Wetter herrschte. Während sich der hohe Luftdruck mehr nach Nord­westen verlagerte, entsandte ein Tiefdruckgebiet von Rußland

Schädel auseinandergedroschen wird! I fürcht euch alle zwei nit!"

In diesem Augenblicke kam der Wirt mit dem Wein in die Stube.

Um Gottes Willen, was gibts denn da?" rief er.

Wutbebend schleuderte ihm der Toni entgegen:Recht nett geht's in deinem Wirtshaus zu. Kaum ist man herinnen und setzt sich ruhig nieder, wird man anpackt, als wenn man unter Straßenräuber kommen wär'. Das werd' ich den anderen Buben sagen, dann hast mitunS nimmer viel gu tun!"

I bitt dich, Toni, ich kann ja nix dafür!" entschuldigte sich der Wirt.Wenn i dagewesen wär', hätt i's sicher nit gelitten, daß dir einer von die zwei was antut. Und mir is'r jetzt überhaupt zu dumm! Ihr zwei" damit wendete er sich scharf gegen den Hinterleitner, der eben dem Bergschießl ausgeholfen hatteschaut's, daß ihr weiterkommt, und wann's mir gar nimmer hereinkommt's, is's mir am aller­liebsten. Habt mir eh schon eine Menge Gast vertrieben, jetzt leid' i's nimmer."

Was, wegen so einem Lausbuben willst du mir das Haus verbieten?" brüllte der Bergschießl.

Wer is ein Lausbub!" donnerte der Toni und machte Miene, den Bergschießl anzupacken.

Aber der Wirt hielt ihn zurück, während er zugleich die beiden Bauern anherrschte:Augenblicklich aus meinem Haus, sonst mach ich euch Füß'. Meine zwei Knechte sind daheim!"

Aber Wirt", suchte nun der Hinterleitner zu besänftigen.

Nix, Wirt. Fort mit euch, und du, Lump, gehst zuerst. Augenblicklich, oder i schrei meinen Knechten!"

Und wann i nit geh?" schrie der Bergschießl.

Statt jeder Antwort riß der Wirt die Tür aus und rief laut:Mich!! Hansll"

Du willst also wirklich*

Euch hinauswerfen lassen, wann ihr nit gutwillig geht."

Der Hinterleitner wollte gehen, aber eben als er bei der Tür war, kamen die Knechte, und ohne weiter zu fragen, ob sie auch den Richtigen hätten, packten sie ihn ohne weiteres und stießen ihn unsanft zur Tür hinaus.

her allmählich Ausläufer nach Westen, so daß vom 4. ab mit nördlichen Winden namentlich in den östlichen Gebieten Abkühlung, Trübung und Niederschlag eintrat. Gegen Ende der ersten Dekade erstreckte sich das Depressionsgebiet über England hinaus, so daß nunmehr in ganz Deutschland bei weiterer Abkühlung Gewitter und Regensälle niedergingen. Vom 10. ab wanderte ein Maximum über Mitteleuropa nach Osten, es wurde daher trockener und, da das Heran­nahen einer Depression im Nordwesten gleichzeitig südwestliche Luftströmung bedingte, auch wärmer. Die Temperaturen erreichten um diese Zeit fast im ganzen Gebiete die höchsten Werte des Monats; am 12. wurde in Berlin das bisher bekannte höchste Tagesmittel von 25 Grad noch um 1,5 Grad überschritten. Bei ihrem Fortschreiten bedingte die Depreffion jedoch alsbald wieder Abkühlung, Niederschläge und Gewitterneigung. Gegen Ende der zweiten Dekade stiegen die Temperaturen in den östlichen Landesteilen wieder hoch an, indem sich ein Rücken hohen Luftdruckes von Süd­westen her vorschob, gefolgt von einem neuen Tiefdruckgebiet im Westen. Unter Wechselwirkung dieser nach Osten wandernden Depression und eines von Westen her vor­dringenden Maximums wurde am Anfänge der letzten Dekade das Wetter bei mäßigen nördlichen Winden bald wieder wolkig und kühl. Da sich aber nachher ziemlich hoher Druck über ganz Mitteleuropa verlagerte, herrschte bis gegen Ende des Monats allgemein warmes, heiteres Wetter; erst am letzten Tage brächte ein im Norden vorüberziehender Zyklon aber­mals Abkühlung und Regen.

* Der Monat Juli des laufenden Jahres weist gegen den gleichen Monat des Vorjahres eine ganz bedeutende Steigerung im Betrieb der deutschen Krematorien auf. Es fanden 303 gegen 212 Einäscherungen statt, ein Mehr von 91 Fällen gleich 43 v. H. An der Spitze stehen Gotha und Hamburg mit 43 bzw. 41 Einäscherungen; 205 der Einge­äscherten waren männlichen, 98 weiblichen Geschlechts. Dem Bekenntnisse nach waren 245 evangelisch, 14 katholisch, 1 alt­katholisch, 7 mosaisch, 7 freireligiös, 3 Dissidenten, 2 gehörten andern Bekenntnissen an (1 Buddhist), von 24 (in Gotha Eingeäscherten) war das Bekenntnis nicht angegeben; sie dürsten der Mehrzahl evangelisch gewesen sein. In allen Krematorien zusammen ist genau in zwei Dritteln der Fälle, nämlich 202 mal, religiöse Trauerfeier im Krematorium abgehalten worden. Der Gesamtbetrieb der deutschen Krematorien vom 1. Januar bis 31. Juli 1908 ergab 2393 Feuerbestattungen gegen 1734 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Steigerung beträgt also 659 gleich 38 V H.

Cassel, 18. August. Zur Truppenbesichtigung bei Mainz wird SeineMajestät derKaiser heute Mittwoch abend nach 11 Uhr mit Sonderzug abreisen. Der Sonderzug fährt über Bockenheim-Goldstein und kommt 8 Uhr morgens bei Mainz-Alzey an, woselbst S. M. der Kaiser zu Pferde steigt und nach dem großen Sande zur Truppen- besichtigung reitet. Nach den militärischen Uebungen und der Truppcnbesichtigung reitet Seine Majestät an der Spitze der Truppen nach dem großherzoglichen Schlosse in Mainz, wo­selbst um 1 Uhr Gabelfrühstück stattfindet, woran die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, das Gefolge des Kaisers, die Generalität und das Offizierskorps teilnehmen. Nach Beendigung des Frühstücks unternimmt der Kaiser eine Fahrt durch die Stadt und fährt sodann mittelst Automobils nach Cronberg und nimmt Absteigequartier im Schlosse Friedrichshof. Am Freitag nachmittag fährt Se. Majestät um 3 Uhr mittelst Sonderzuges wieder nach Wilhelmshöhe zurück, woselbst gegm 7 Uhr abends die Ankunft erfolgen wird.

Cassel, 19. August. Gestern morgen gegen 7 Uhr rückte das hiesige Artillerieregiment Nr. 11 in das Manöver- gelände ab. Die ersten Quartiere wurden in Helsa nnd in den benachbarten Ortschaften bezogen. Zurückgeblieben ist zu­nächst noch die dritte Batterie des genannten Regiments, die anläßlich der am nächsten Sonntag stattfindenden Fahnen­weihe zum Salutschießen bestimmt ist. Am Montag wird diese Batterie gleichfalls ausrücken.

Cassel, 17. August! Am Sonnabend schoß ein etwa 12jähriger Knabe in der Holländischen Straße einem Spiel­kollegen beim Spiel aus Unvorsichtigkeit eine Platzpatrone in den Leib. Aus einer heute morgen vorgenommenen Operation war ersichtlich, daß der Papierstopsen der Patrone bis auf eine handbreite Entfernung vom Rücken durchgedrungen war. An einem Wiederauskommen des Kleinen wird ge­zweifelt.

Cassel, 18. August. Heute nachmittag gegen Va3 Uhr kletterte das etwa 1% Jahre alte Söhnchen deS in der Karolinenstraße 7 wohnhaften Eisenbahnrangierers Wilhelm auf einen Stuhl und von hier aus auf die Fensterbrüstung.

Dann aber machten sie sich an den Bergschießl, der es darauf ankommmen lassen wollte, ob sich der Wirt tatsächlich getraue, ihn vor die Türe zu setzen.

Als er sah, daß es ernst sei, setzte er sich zur Wehre. Während er mit der Rechten den Bierkrug zum Schlag erhob, suchte er mit der Linken nach dem Messer. Aber er kam weder zum Schlage noch zum Stechen.

Geh, Tschapperl," lachte der Mich! gutmütig,tu dich nicht so spreizen. Hinaus mußt ja doch!"

Und im nächsten Augenblicke fühlte sich der Bergschießl von seinem Sitze empor- und über die Stube gezerrt, die Tür öffnete sich und er taumelte aus die Straße. Hätte ihn nicht der Hinterleitner aufgefangen, er wäre nochmals der Länge nach hingesallen.

Das Unglück wollte eS, daß eben ein Trupp junger Burschen gegen das Wirtshaus heranzog, die den Vorgang beobachtet' hatten und nun mit ihrem Spotte nicht zurück- hielten.

Da fchaut's", rief einer,die Wirtsknecht' tun mit dem Bergschießl und dem Hinterleitner Ballschupfen!"

Geht's her", meinte ein anderer,schmeißen wir's wieder hinein, das ist schöner wie's Kegelschieben I"

Im Bergschießl kochte eine namenlose Wut und am liebsten hätte er sich aus die Burschen gestürzt, aber ihre Anzahl hätte ihn nur zu einer neuen Niederlage geführt, und so folgte er dem Drängen des Hinterleitner und ließ sich von diesem fort­ziehen.

Einige Schimpfworte, die er den Burschen zurief, hatten nur ein dröhnendes Gelächter und einige böse Witzworte zur Folge, die wie Wespen um seine Ohren flogen.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Granate von 1866 hat, in Mainaschach bei Aschaffenburg einen Schmied getötet. Er hielt das Ge­schoß für eine eiserne Kugel, die als Gewicht an einem Pumpenschwengel befestigt war. Beim Pumpen brächte er das 42 Jahre alte Geschoß zur Explosion. Dem Unglück­lichen wurde der Unterleib aufgerissen; er war aus der Stelle tot.