Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. na
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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 97. Donnerstag, den 20. August 1908.
Amtlicher teil
Hersfeld, den 18. August 1908.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden und die Herren Vorsteher der bewohnten Gutsbezirke im Kreise ersuche ich, mir innerhalb 5 Tagen bestimmt anzu- zeigen,
1. wieviel Haushaltungsvorstände,
2. wieviel einzelstehende Personen katholischen Glaubens,
3. wieviel Personen katholischen Glaubens überhaupt zur Zeit im Gemeinde- bezw. Gutsbezirk wohnhaft sind.
J. I. 8446. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
Ar intemtimle Wettbewerb Her Wurstückn.
Der internationale Wettbewerb der Kulturstaaten hat auf drei Gebieten eine Höhe und Schärfe erreicht, daß man trotz der Segnungen, die im allgemeinen jeder Wettbewerb zur Folge hat, doch wünschen möchte, daß dieser internationale Wettbewerb ein ruhigeres Tempo anschlagen und ohne Argwohn und Leidenschaftlichkeit geführt werden möchte. So stellt sich immer mehr heraus, daß ein Teil der Bewohner Englands den Wettbewerb Deutschlands auf dem politischen, militärischen und wirtschaftlichen Gebiete in einer Weise zu fürchten scheinen, daß ihnen jedes Mittel recht ist, um den deutschen Nebenbuhler niederzuschlagen. So können wir jetzt die seltsame Beobachtung machen, daß, während der englische Finanzminister Lord Churchill in einer Rede festgestellt hat, daß es zwischen Deutschland und England keinen materiellen Streitgegenstand gebe, der eines Krieges wert wäre, gleichzeitig in England eine große Bewegung angeschürt werden soll, welche der englischen Regierung hundert Millionen Pfund Sterling zu neuen Flottenbauten zur Verfügung stellen will, um Deutschland zur See gänzlich zu übertrumpfen. Man sieht also daraus, daß der natürliche internationale Wettbewerb bei vielen Engländern in dem Falle einen leidenschaftlichen nationalen Eifer erzeugt, in welchem der Engländer auch nur von weitem die Gefahr wittert, daß seine alte Ueberlegenheit zur See einmal zu Ende gehen und eine andere Großmacht die Erste werden könnte. Es wird eine sehr schwere Aufgabe bleiben, in dieser Hinsicht den nationalen Eifer und den Argwohn der Engländer zu beseitigen. Deutschland kann als Großmacht auf keinem Gebiete auf den internationalen Wettbewerb verzichten, denn die Verteidigung seiner
Wem die Berge miern.
Line Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienen st ein.
(Fortsetzung.)
Der Weg durch den Oedgraben war schmal, aber doch nicht so schmal, daß nicht zwei Liebesleute ihn nebeneinander hätten gehen können.
Arm in Arm — „wie die Stadtlcut" meinte der Toni — schritten sie dahin und begannen sich ihre Erlebnisse während der bitteren Zeit der Trennung zu erzählen.
„Wie kommst denn du heut' eigentlich von der Alm hinab ?" fragte die Roserl.
„ „Wie? Der Vater muß zu einer Leich' von einem Vettern fahren, gar drüber der Donau, und da will er die Wirtschaft
ben Knechten allein überlassen. Drum hat er um mich Ü lchickt. Der Altknecht ist derweil auf der Alm, bis i ihn, vielleicht in vier Tagen, wieder ablös'."
»Du, das is g'scheit von dem Vettern, daß der jetzt ge- "0-ben is!" sagte die Roserl treuherzig.
m^hst.nit!" rief Toni mit komischer Entrüstung, „so ein Reden! Bist leicht vor lauter Lieb' eine Heidin ge- woroen r
.. ^°^ erzählte Toni von seinem Almleben und dann kam ®ie mit ihren Erlebnissen an die Reihe.
„Ach Gott", sagte sie, von mir is nit viel zu erzählen. Weißt ja eh, wies bei uns geht. Nur noch schlechter is's geworden. Mit mir is ja der Vater so weit ganz gut, aber sonst, verzeih mir's unser Herrgott, wann's eine Sünd' is, daß 1 das über meinen leibeigenen Vater sag' — sonst g'fallt er mir gar nit. In einemfort steckt er jetzt mit dem Lumpen, dem Hinterleitncr, beisammen, und der hat ihn auch zum Sausen gebracht. Wie oft kommt er jetzt betrunken heim, und da redet er dann so merkwürdig dran, daß einem frei der ©raufen angehn könnt'. Wie wann er im Hirn nimmer recht richtig wär', kommts einem manches Mal vor. Und wann er dann wieder nüchtern is, dann is er so verloren und weiß
Interessen zu Wasser und zu Lande mit den denkbar größten Machtmitteln, ferner die höchste Entwicklung seiner wirtschaftlichen Interessen und die Ausbreitung feines Welthandels und Weltverkehrs enthalten ja die Lebensbedingungen für die ganze Zukunft der deutschen Nation und für diese Zukunft muß mit allen Kräften gearbeitet, und wenn es sein muß, auch mit allen Machtmitteln gekämpst werden. Es ist nun von den wegen Deutschlands Fortschritten erregten Engländern ein himmelschreiendes Unrecht, in der großartigen Entwicklung Deutschlands eine Bedrohung Englands zu erblicken. Was ist denn geschehen, was Englands bevorzugte Stellung in der Welt erschüttern könnte? Die statistischen Zahlen beweisen ja noch immer, daß Englands Handel und Verkehr der größte von allen Kulturstaaten ist und beweisen auch, daß Englands Kriegsflotte dreimal stärker als die deutsche ist, und es ist daraus auch klar der Schluß zu ziehen, daß auch in Jahrzehnten noch nicht der Fall eintreten wird, daß Deutschland so viel oder gar mehr Kriegsschiffe als England haben wird. Der englische Argwohn ist also unbegründet und kann nur als das Produkt einer leidenschaftlichen und deshalb ungerechten nationalistischen Erregung bezeichnet werden. Die Bewegung gegen Deutschland in gewissen englischen Kreisen ist aber auch noch deshalb im hohen Grade ungerecht, weil dadurch der natürliche Wettbewerb zwischen den Kulturstaaten ausgehoben und Deutschland erst bei England anfragen soll, wo und wie es noch Fortschritte machen darf. Es erscheint uns eines so großen Volkes wie des englischen unwürdig, wenn es wegen der großen Fortschritte eines anderen Landes nervös und ungerecht wird. Der Wettbewerb unter den Völkern und Staaten muß bleiben, denn er ist ein Naturgesetz und die Bedingung für jeden Fortschritt. Auf wirtschaftlichem und technischem Gebiete kann vor allen Dingen dem Fortschritte auch gar kein Einhalt geboten werden, denn solche Versuche würden in das Reich des Wahnsinns gehören. Etwas anders wäre es allerdings um die Einschränkung der Heeresrüstungen und der Flottenbauten. Wenn aus diesem Gebiete ein internationales Uebereinkommen stattsände und dadurch die Mittel und Kräfte mehr für die innere Wohlfahrt der Nation freigemacht werden könnten, fo wäre dies eine große Sache und auch ein Fortschritt von höchster Güte. Es heißt, daß die Liberalen Englands ein solches Ziel erstreben. Wenn es mit ehrlichen und brauchbaren Vorschlägen geschieht, wird Deutschland sicher nicht nein sagen.
Ständige Bahnhöfe für Zeppelin-Luftschiffe.
Aller Voraussicht nach wird Friedrichshafen jetzt permamente „Luftschiffbahnhöfe" erhalten. Eine Gesellschaft von rheinischen Großindustriellen, denen Gras Zeppelin sehr nahe steht, ist im Begriffe, ein etwa 4300 Ar großes Grundstück in unmittelbarer Nähe der Stadt anzukaufen, das durch einen Schienenstrang mit der Bahn verbunden wird. Auf diesem Grundstück sollen zunächst drei Ballonhallen, Werkstätten und vielleicht auch
oft von einer Minute auf die andere nit, was er sagt, oder was i ihm g'sagt hab. I sag' dir, Toni, mir is jetzt oft recht hart ums Herz."
Während sie nun eine Weile schweigend nebeneinander Herschritten, überlegte die Roserl, ob sie dem Geliebten auch von der Werbung des Hinterleitncr um sie erzählen solle, kam aber zu dem Entschluß, nichts zu sagen, um Toni, der in diesem Punkte keinen Spaß verstand, abzuhalten, etwa mit dem verkommenen Manne einen Streit anzufangen.
Mählich und mählich verbreitete sich der Graben und eher, als es ihnen angenehm war, standen die beiden Liebesleut am Eingänge des Dorfes.
Bor dem ersten Hause drückte der Toni der Roserl noch ein halbes Dutzend Küsse auf die roten Lippen und dann gingen sie ernst nebeneinander der Kirche zu.
Als sie in genügender Entfernung waren, trat aus dem Gebüsch, das sich von dem ersten Hause des Dorfes den Weg entlang zog, der Hinterleitner.
Er war eben auf dem Wege zu dem Bergschießl-Hofe gewesen, als er die beiden, in ihr Gespräch vertieft, hatte herankommen sehen. Schnell hatte er sich noch im Gebüsch bergen können, und nun wollte er eilends zum Bergschießl hinauf, um ihm diese Neuigkeit brühwarm mitteilen zu können und seinen Zorn dadurch aufs neue zu reizen.
Als der Bergschießl die Mitteilung des Hinterleitncr gehört hatte, tobte er. Wie konnte die Roserl, die doch die ganze Woche nicht aus dem Hause kam, wissen, daß der Toni gerade an diesem Sonntage von der Alm herunterkomme! Der Verrat mußte also schon in sein eigenes Haus reichen. Dieser Gedanke brächte ihn zur Raserei. Er bezichtigte seine Frau und die Dienstleute der Falschheit und Hinterlistigkeit, und der Hinterleitner, der eine so arge Wirkung seiner Mitteilung nicht erwartet hatte, mußte sich alle Mühe geben, den rasenden Mann so weit zu beruhigen, daß er schließlich ein- willigte, mit ihm ins Wirtshaus zu gehen.
Zum Glück schlugen die beiden Männer den kürzeren Weg ins Dorf ein, sonst hätte ihnen die Roserl aus ihrem Heimwege von der Kirche begegnet, und das hätte für jeden Fall eine böse Szene gegeben, denn der Bergschießl war entschlossen,
Arbeiterhäuser errichtet werden. Ob Gas- oder Aluminiumwerke angelegt werden sollen, ist noch nicht entschieden. Ein aus dem Grundstück befindlicher Weiher ermöglicht den Auf- und Abstieg der Ballons vom Wasser, doch soll auch Landung und Ausstieg vom festen Boden geübt werden. Die Verhandlungen mit den bisherigen Grundeigentümern werden durch den Anwalt Leuthi geführt, Direktor Kolsmann tritt als Käufer auf. Der Gesamtpreis beträgt 140,000 M. Mit der Stadt und der königlichen Domäne dürfte der Abschluß leicht zustande kommen.
Die beteiligten Privateigentümer kamen bereits am Abend zusammen, gelangten aber nicht zu einem definitiven Resultat bezüglich der zu fordernden Preise. Morgen will der Gemeinderat seinen ganzen Einfluß ausbieten, um eine Reduzierung übergroßer Ansprüche durchzusetzen, damit die Industrie Friedrichshasen erhalten bleibe. Der Graf und seine Berater gehen von dem Standpunkt aus, daß sie mit dem vom Volk anvertrauten Geld sparsam zum Nutzen der Nation schalten müssen und deshalb auf die Gratisangebote von Baugrund in anderen Städten zurückkommen müssen, wenn die hiesigen Interessenten auf ihren exorbitanten Preisen bestehen.
Ueber eine Nachtfahrt -es Militarlenkballons berichtet der L. A. folgendes:
Der Militärballon des Luftschiffer-Bataillons, der gestern abend um 10 Uhr von Reinickendorf zu einer längeren Nachtfahrt aufgestiegen war, hat eine prächtige Reise von vierein- Viertel Stunden gemacht. Nachdem das Luftschiff von den Versuchsmannschaften gestern abend unter dem Kommando des Hauptmanns von Jena aus der Ballonhalle nach dem Tegeler Schießplatz geführt worden war und der Kommandeur des Bataillons, Major Groß, mit Major Sperling, Ingenieur Basenach und einem Mechaniker in der Gondel Platz genommen hatte, nahm der Ballon zuerst seinen Weg in der Richtung der Tegeler Gaswerke. Doch bald drehte das Fahrzeug backbord ab, und nun ging es mit der Geschwindigkeit von 12 Sekundenmeter und in e ner Höhe von 300 Metern auf den Tegeler See zu. Noch lange Zeit sah man bei der klaren Atmosphäre das Blinkfeuer nach dem Tegeler Schießplatz, der nun bald von den wenigen Zuschauern und den Mannschaften geräumt war, hinüberblitzen, bis auch der gelbe Riese schließlich über Spandau den Blicken ganz entschwand.
Jetzt ging es, wie beabsichtigt, längs des Bahnkörpers der Hamburger Strecke über Finkenkrug, Nauen, Paulinenaue auf Neustadt an der Dosse zu, dessen Lichter die Lustschiffer in der ersten Morgenstunde blitzen sahen. Das Fahrzeug trat nun seinen Rückweg an, auf dem sich das Luftschiff zumeist in einer Höhe von 400 Meter, die jedoch einmal auf dynamischem Wege erfolgreich bis zur Höhenlage von 900 Meter überschritten wurde, bewegte. In ungefähr 500 Meter über der Erde erschien es sodann gegen 2 Uhr wieder über der Tegeler Forst. Rasch wurde es auf dem einsamen Schießplatz
der falschen Tochter, die hinter seinem Rücken mit seinen Todfeinden verkehrte, handgreiflich zu beweisen, daß er solches nicht dulde.
Der Alkohol wirkte fürs erste etwas beruhigend auf den Bergschießl ein; als aber nach' dem Hochamte die Bauem kamen und sich, ohne ihn nur im geringsten zu beachten, an andern Tischen gemütlich zusammensetzten, da wuchs feine Erregung wieder in bedenklicher Weise an und wäre gewiß zum Ausbruch gekommen, wenn sich nicht die Bauern, einer nach dem andern, wieder entfernt hätten, da die Uhr aus die Mittagsstunde ging.
Nun saß er wieder mit dem Hinterleitner allein und machte wie gewöhnlich in wüster Schimpferei über alle und jeden feinem Herzen Luft.
So kam die zweite Nachmittagsstunde heran, zu der in der Kirche der „Segen" begann.
Als der Toni in der Frühe an der Kirchentüre von der Roserl Abschied genommen hatte, hatten sie verabredet, sich nach dem Segen wieder zu treffen und wie sonst ein Stück mitsammen zu gehen.
Es war schon zwei Uhr vorbei, und das Orgelspiel in der Kirche verriet, daß der Segen schon begonnen habe, als Toni vom Brandebner-Hofe herab wieder nc^h Rotwald kam, Da er jetzt nimmer in die Kirche gehen und auf der Straße doch auch nicht herumstehen wollte, trat er in das Gasthaus, um hier das Ende des Segens abzuwarten.
Als er den Bergschießl sah, gab es ihm unwillkürlich einen Ruck. Nicht nur, daß es ihm einfiel, die Roserl könne am Ende, da der Vater hier sei, gar nicht im Segen sein, sondem es war ihm auch so unangenehm, allein mit ihm und dem Hinterleitner im Gasthause zu sein.
Aber fortgehen, das wollte er auch nicht, das ließ sein Mannesstolz nicht zu. Er wollte schnell ein Glas Wein trinken und dann wieder gehen.
Ohne der beiden weiter zu achten, ließ er sich an einem Tische nieder und bestellte ein Viertel Wein.
Auf den Bergschießl wirkte die Erscheinung Tonis wie das rote Tuch auf den Stier. Das durch den Alkoholgenuß ohnehin schon erhitzte Blut schoß ihm ins Gesicht, die Augen