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willig dem Steuer. Die Stabilität war tadellos. Ueberhaupt war das Ergebnis der Probefahrt derart befriedigend, daß für das Gelingen der von der Heeresverwaltung geforderten zehnstündigen Dauerfahrt die besten Aussichten bestehen. Hauptmann von Kehler machte einem Mitarbeiter der B. Z. am Mittag über seine Fahrt folgende Mitteilungen: Wir stiegen zunächst 400 Meter in die Höhe. Es regnete oben. Infolgedessen gingen wir auf eine Höhe von 250 Meter herab. Auf dieser Höhe bewegte sich der Ballon auf der ganzen Fahrt. Der Abstieg wurde wie bei der gestrigen Fahrt rein dynamisch ohne Ballastverlust und ohne Ventil­ziehen ausgeführt. Der Wind wehte in südöstlicher Richtung und hatte anfangs eine Stärke von 34 Meter in der Sekunde. Er nahm allmählich zu und entwickelte sich über den Grunewaldseen zu nicht unbeträchtlichen Böen mit einer Windstärke von za. 10 Meter, die aber glatt genommen wurden. Es wurde eine ziemlich lange Strecke gegen diese Windstärke gesteuert. Der Abstieg vollzog sich glatt. Der Ballon landete tadellos.

Bliche ROMWfe in M-Amrik».

Der niemals überbrückte Gegensatz zwischen den Weißen und Negern in den Freistaaten der Nordamerikanischen Union ist wieder einmal in wahren Schreckensszenen zum Ausbruch gekommen, die bisher kaum ihresgleichen haben dürften. In Springfield in Illinois ist im Anschluß an einen Akt der Lynchjustiz ein blutiger Rassen- und Bürgerkrieg ausgebrochen. Trotz Ausgebots der gesamten Miliz ist es den Behörden nur mit Mühe gelungen, die Ruhe wiederherzustellen.

Aus N e w - I o r k wird gemeldet, daß in Springfield in Illinois heftige Rassenkämpfe stattfinden. Die Stadt ist in den Händen des Mobs. Die Veranlassung war eine gestern erfolgte besonders brutale Vergewaltigung einer weißen Frau durch einen Neger. Dies erregte die Wut der Weißen der­maßen, daß die Polizei machtlos gegen ihre Gewalttaten war. Gruppen Bewaffneter machten organisierte Angriffe auf das Negerviertel, die Mehrzahl der Schwarzen floh, einzelne jedoch leisteten mit Revolyern Widerstand. Das Feuern war bald allgemein. Gleich zu Anfang wurden zwei Weiße erschossen. Dadurch wurde die Wut der Weißen noch mehr gesteigert. Alle Schwarzen, die ihnen in die Hände fielen, wurden er­barmungslos mit Stöcken oder Revolverkolben niedergeschlagen, überall stürzen Verwundete zu Boden, die Polizei bemühte sich vergeblich, den Aufruhr zu unterdrücken, das Negerviertel wurde in Brand gesteckt. Vorher war es jedoch schon fast gänzlich zerstört worden. Mehrere Neger wurden getötet und viele verwundet. Der Gouverneur des Staates wurde gebeten, Truppen zu entsenden. Dieser Bitte wurde nun heute statt- gegeben, da neue Ausbrüche der Volkswut erfolgten. Der Gouverneur beorderte alle im Staate vorhandene Miliz nach Springfield. Heute morgen wurden sechs Personen in den Straßen erschaffen. Ein Neger wurde mitten in der Stadt gelyncht, Feuer brach an mehreren Punkten aus. Der be­trunkene Pöbel übte eine Schreckensherrschaft aus, sodaß das Militär schließlich Maschinengeschütze auffuhr. Als Bürger­meister Reiß zu dem Pöbel reden wollte, ertönten Rufe: Werst ihn ins Feuer 1" Die Führer des Mobs ergriffen ihn, doch seine Freunde rissen ihn aus ihren Händen und ver­schanzten sich mit ihm in einem Laden, bis Soldaten kamen. Er soll seitdem aus der Stadt geflohen sein. Der Kandidat für die Präsidentenwahl Claflin wurde durch einen Ziegelstein am Kops ernstlich verwundet. Schließlich gelang es dem Militär, den Aufruhr zu unterdrücken. Es feuerte zuerst über die Köpfe des Pöbels hinweg, dann in denselben hinein. Viele Personen wurden verwundet, 35 Negerläden und 105 Häuser­blocks liegen in Trümmern. Die Trinksalons wurden ge­schloffen.

Eine weitere ergänzende Meldung sagt über die Vorgänge, daß die Kämpfe die ganze Nacht hindurch anhielten. Nachdem eine weiße Menschenmenge zahlreiche Häuser im Negerviertel in Brand gesteckt und verschiedene Geschäfte erbrochen hatte, ergriff sie einen Neger, fchoß zahlreiche Kugeln auf ihn ab und knüpfte die Leiche an einem Baum auf. Die Menge tanzte dann unter ungeheurem Jubelgeschrei um die Leiche hemm. Während der wüsten Szenen wurden 2 Weiße ge­tötet und 75 Personen verletzt. Der Hilssschatzmeister des Be­zirks ist von einer Negermenge angegriffen und tödlich verletzt worden. Die größeren Geschäfte sind geschlossen.

At Wirre» in Rmkl».

Paris, 16. August. Ueber die Kämpfe des Kaids Mtugi gegen die hafidistischen Mahallas wird noch weiter gemeldet:

Ehe der Pfarrer noch ein Wort der Entrüstung fand, tönte ihm wieder ein grelles, giftiges Lachen ins Ohr, dann fchlug die Tür ins Schloß und er war allein.

Lange, lange Zeit sah er stumm vor sich hin, dann hob ein tiefer Seufzer die Brust des greifen Mannes.Eine ver­lorene Seele!" murmelte er vor sich hin und wandte sich traurig seinem Betschemel zu.

Als der Bergschießl dem Hinterleitner von der Unterredung mit dem Pfarrer erzählte, zwinkerte dieser mit den Augen und sagte:Also hab i doch recht g'hört, wie der Langmann und der Hierhamer neulich geredet haben, daß dir der Pfarrer das Ehrenamt nehmen will, weil's der Brandeaner nit haben will. Einen neuen Kirchensahn, haben sie g'sagt, hat der Brandebner dem Pfarrer dafür versprochen."

Die schnell erfundene Lüge verfehlte die beabsichtigte Wir­kung nicht.

Nun war der Bergfchießl felsenfest überzeugt, daß auch der Pfarrer sich seinen Feinden angeschlossen habe, und als der Hinterleitner meinte:Uebrigens kannst du dem Pfarrer auch ganz was Empfindliches antun, du laßt deine Roserl nimmer fingen gehn!" da war der Bergfchießl sofort dabei und noch am selben Abend erklärte er seiner Tochter, daß sie, falls sie seine Tochter heißen wolle, von heute an keinen Schritt mehr aus daS Kirchenchor setzen dürfe.

Der Ton, in dem ihr der Vater diese Eröffnung machte, ließ die Roserl erkennen, daß jede Bitte, jede Einsprache ganz vergeblich sei, und ohne ein Wort zu erwidern, wendete sie sich um und ging aus der Stube zur HauStüre hinaus, und draußen lehnte sie sich an den Gartenzaun, um ihrem Schmerz in stürzenden Tränen freien Lauf lassen.

Auf einmal hörte sie ein leises:St, st!"

Erschrocken sah sie auf und da gewahrte sie an der Scheunenecke im Dämmern eine Gestalt, die ihr mit beiden Armen winkte.

Dem Mädchen fing das Herz zu pochen an. Sollte das der Toni sein? Nein, dazu war er zu klein. Aber wie sie mechanisch ein paar Schritte tat, da erkannte sie die Gestalt; eS war der Geißbub von der Brandebner-Alm. Schnell schritt sie auf ihn zu und flüsterte:Was gibts denn, Seppl?"

Mtugi verfolgte den Feind bis 10 Kilometer vor Marrakesch und erbeutete Zelte, Geschütze, Pferde, Waffen und Munition. Die Hafidisten hatten 300 Tote und 500 Verwundete. Ihr Führer Jraui ist in die Berge geflohen. Sämtliche Stämme haben Mtugi Mannschaften gestellt. Von Marrakesch sind 300 Mann mit sechs Geschützen unter Führung deS Sohnes Glauis gegen Mtugi aufgebrochen.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 16. August 1908.

Seine Majestät der Kaiser hörte gestern vor­mittag im Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Infanterie Grafen v. Hülsen-Haeseler. Heute morgen vor dem ersten Frühstück machte Se. Majestät der Kaiser mit dem Generaladjutanten von Plessen und dem Gesandten Frhru. v. Jenisch einen iVastündigen Spaziergang. Von 10 Uhr ab hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Zur Frühstücks- tasel bei den Majestäten sind geladen der schaumburg-lippische Staatsminister Frhr. v. Feilitzsch, der sich als Stiftsschirmvogt des Klosters Fischbeck meldete, Gräfin Viktoria v. Bernstorff, und Regierungspräsident v. Bernstorff. Prinz Adalbert ist auf zwei Tage dort eingetroffen, in seiner Begleitung befindet sich Kapitänleutnant v. Haxthausen.

(Ein zweites Kaisermanöver 1908.) Unter der Oberleitung des Generals der Infanterie und General- Inspekteurs der 6. Armee-Inspektion Colmar Freiherrn von der Goltz wird, einer Meldung derMil.-pol. Korrespondenz" zufolge, am 18. September ein besonderer Uebungstag der beiden preußischen Armeekorps abgehaltcn werden, dem nach den bisherigen Dispositionen auch der Kaiser beiwohnen will. Es werden gegeneinander fechten: das I. (ostpreußische) Armee­korps unter General der Infanterie Kluck und das XVII. (westpreußische) unter dem General der Kavallerie und General­adjutanten des Kaisers, v. Mackensen. Hierzu wird das I. Korps auf 3 Infanterie- und 1 Kavallerie-Division gebracht; das XVII. Korps wird 2Vs Infanterie-Divisionen und ebenfalls 1 Kavallerie-Division stark sein. Die beiden Kavallerie-Divisionen werden von den Generalen von Rauch (Kavallerie-Inspekteur in Königsberg i. Pr.) und von Stangen (Stettin) geführt. Die Gegend des voraussichtlichen Zusammenstoßes wird bei Hohenstein und Neidenburg zu suchen sein.

Das Deutsche Reich steht hinsichtlich der Betätigung des S p a r s i n n s und der durch die Postsparkassen erreichten Ziele denjenigen Ländern, welche jene Kassen eingerichtet haben, keineswegs nach. Der Bestand an Sparern und Sparguthaben ist im Deutschen Reich weit größer als in den fraglichen Ländern; er war schon vor zwei Jahren auf 14 Millionen Sparer und 9Vs Milliarden Mark Sparguthaben zu schätzen, wovon allein auf das Königreich Preußen IOV2 Millionen Sparer und 7% Milliarden Guthaben entfielen. Nach den neuesten Feststellungen beträgt der Einlagenstand in Preußen gegenwärtig sogar 8V4 Milliarden Mark. Zum Vergleiche feien hier die letzten Geschäftsergebnisse einzelner Postsparkassen beigefügt: In England betrug die Zahl der Sparkassenbücher 10,3 Millionen, die Summe der Guthaben aber nur 3,1 Milliarden Mark, in Frankreich stellten sich diese Zahlen auf 4,8 bezw. 1,1 Milliarden, in Italien auf 5,5 bezw. 0,8 Milliarden und in Belgien auf 2,4 bezw. 0,7 Milliarden.

Ueber die Kosten eines Zeppelin-Ballons werden der Frkf. Ztg. auSk Friedrichshafen nachstehende Mit­teilungen gemacht: Ein Zeppelinsches Luftschiff von der Größe des zerstörten kostet 600,000 Mk., in mehrfacher Ausführung vielleicht 550,000 Mk. Das mag hoch erscheinen, ist es aber nicht im Vergleich mit den Kreuzern der Marine, wenn wir das Luftschiff als Ausklärungsinstrument im Kriege uns denken! Bei Echterlingen ist übrigens nicht der Totalwcrt des Schiffes vernichtet worden, vielmehr repräsentieren die völlig intakt ge­bliebenen Motore und die Gondeln, sowie das wertvolle Aluminium, das eingeschmolzen wurde, recht erhebliche Werte. Die Motore sind übrigens 600 Kilogramm schwer und leisten jeder 150 PS. Die Gasfüllung von etwa 15,000 Kubik­meter kostet inklusive Fracht Griesheim-Friedrichshafen rund 7000 Mk. Man überlegt sich nunmehr bereits, ob es sich angesichts der bevorstehenden Erweiterung des Unternehmens nicht vielleicht lohnen würde, in Friedrichshafen selbst eine Wafferstoffsabrik zu errichten. Da aber Wasserstoff gewöhnlich, wie z. B. auch in Griesheim, woher Zeppelin sein Gas be­zieht, als Nebenprodukt gewonnen wird, ist es sehr fraglich, ob man es billiger selbst in eigener Fabrik herstellen kann. Man bezieht das Gas in Stahlflaschen, die je etwa fünf Kubik­meter unter einem Druck von 150 Atmosphären enthalten. Da

Gott sei Dank!" flüsterte dieser zurück,daß du endlich einmal da bist. Drei Viertelstund' steh i schon da und paß, ob du nit einmal herauSkommst. Hab mir schon nimmer zu helfen g'wußt."

Was is?" drängte die Roserl.

Was is? Na, der Toni laßt dir sagen, daß er am Sonntag nach Rotwald herabkommt. Um sechs Uhr is er drunt' beim Kreuz im Oedgraben, da sollst hinkommen. Aber g'wiß! So und jetzt geh i schnell, sonst wird der Toni aus der Alm no närrisch. B'hüt dich Gott!"

Auch jetzt erglänzten die Augen der Roserl wieder in feuchtem Schimmer, aber diesmal war es kein Schmerz, sondern es war strahlendes Glück.

Der Bergschießl war heimlich sehr erstaunt, wie geduldig nach der ersten Aufwallung von Tränen seine Tochter das Verbot des Singens hinnahm. Kein Wort sagte sie, kein Sinnieren und Trauern war zu beobachten. Noch erstaunter war er aber, als am Samstag die Roserl vor ihn hintrat und bat:Vater, i möcht morgen gern in die Frühmesse gehn, die der Kaplan hält. Wann i eh nimmer singen darf, mein' i, es is so gescheiter, und die Leut schauen mich auch nit so an, als wann i inS Hochamt geh und statt aus dem Chor drunten im Kirchstuhl fitz'."

Der Bergschießl hatte gegen diese Bitte nichts einzuwenden, denn sie schien ihm sehr vernünftig.

Eben begannen die Gipfel des Oedsteins sich mit den ersten Rosen des erwachenden Morgens zu schmücken, als Roserl schon munter in den Stall Hinausschritt, um vor dem Kirch­gänge noch die ihr anvertrauten Haustiere zu füttern und die Kühe zu melken.

Eine halbe Stunde darauf trat sie im schmucken Sonntags­staat, ein Nelkensträußlein vor der Brust und eins im Gebet­buch, den Kirchgang an.

Erst nahm sie den gewöhnlichen Weg, dann aber, im Walde angelangt, schwenkte sie von ihm ab und schlug den schmalen Steig ein, der zum Oedgraben hinunterführte.

Wie hell ihre Augen in die grüne Wildnis des Hochwaldes hineinleuchteten! Und der stand selbst so froh im jungen Licht und rauschte leise, als wolle er von einem heimlichen

eine solche Flasche selbst 60 Mark kostet und reichlich 3000 Flaschen für die Füllung benötigt werden, steckt in dem leeren Flaschenlager, das am besten Eigentum des Unternehmens bleiben sollte, ein erheblicher Wert. Man sieht, daß es nicht schwer halten wird, auch bei sparsamster Verwendung deS Zeppelinfonds diesen vollständig in einigen Ballons und Zu­behör anzulegen.

Zur Reichsfinanzreform teilt dieNordd. Allg. Ztg." mit, daß die Angaben der Blätter über Einzelheiten des ReformentwursS auf Vermutungen beruhen und daher keinen tatsächlichen Wert besitzen; daß aber die Regierung die Beschäftigung der Presse mit dem Gegenstände gern sieht. Auf Wein-, Inseraten-, Elkctrizitätssteuern, Veredelung der Matrikularbeiträge und andres mehr wurde geraten und daran von andrer Seite erneut der Wunsch nach Veröffentlichung geknüpft. Von einer solchen muß z. Z. abgesehen werden. Die Verbündeten Regierungen werden die Vorlagen zum Beginn der parlamentarischen Kampagnen veröffentlichen, und es wird damit zu einer mehrmonatlichen eingehenden Diskussion im Parlament und Presse Zeit und Gelegenheit gegeben sein. Nichts ist falscher als die Annahme, mit den neuen Steuer­gesetzen sollte der Reichstag oder sollten die deutschen Steuer­zahler überrumpelt werden; im Gegenteil, eine möglichst gründliche Behandlung der Finanzsragen liegt im allgemeinen vater­ländischen Interesse. Halbfertige einzelne Entwürfe aus dem Zusammenhänge zu reihen und zu publizieren, ist aber niemals üblich gewesen und entspricht auch kaum dem Ernst der Lage.

Nach der in der neuesten Nummer des amtlichen Deutschen Kolonialblattes veröffentlichten vorläufigen Zusammenstellung der Ergebnisse des Außenhandelsderafriranischen Schutzgebiete im Jahre 1907 hat im Vergleich zum Vorjahre Kamerun die günstigste Entwicklung genommen. Seine Einfuhr stieg von 13305 514 Millionen Mark aus 17 296 547 Millionen, seine Aussuhr von 9 945 903 aus 15 867 021 Millionen. In Deutsch-Ostasrika ging die Einfuhr um rund 1350 000 Mark zurück, während die Ausfuhr um IV2 Millionen zunahm. In Südwestasrika sank die Einsuhr (infolge Beendigung des Feldzuges) um 36 Millionen, während die Aussuhr sich um 1 230 000 Mark hob. In Togo nahm die Einsuhr nur um ein Geringes, die Ausfuhr dagegen um 1700 000 Mark zu. Alles in allem weist der Gesamthandel dieser vier Schutzgebiete einen Rückgang von 139 auf 116 Millionen auf.

Der Konflikt zwischen den Niederlanden und Venezuela scheint sich weiter zuzuspitzen. In An­betracht der Lage hat der Marineminister seinen Urlaub unter­brochen und ist nach dem Haag zurückgekehrt. Der Kreuzer Friesland" geht Ende d. Mts. nach Westindien ab. Der PanzerUtrecht" ist schon früher angewiesen worden, die Gelderland" in Westindien zu ersetzen, aber eS wird von der Lage der Verhältnisse abhängen, ob dieGelderland" nach der Ankunft derUtrecht" zurückkehren wird.

Nach einer Meldung aus Lima ist dort ein Attentat auf den Präsidenten von Peru verübt worden. Als er sich auf dem Wege nach dem Parlament befand, wurde er von einem Mann namenes Lirola mit dem Messer ange­griffen. Der Präsident wehrte den Angriff erfolgreich ab und wurde nicht verletzt, doch gelang es Lirola, zu entkommen.

Der neue englische Militärballon, der bereits bei seinem ersten Ausstieg wenig günstig abschnitt, wurde auch bei einer gestrigen Versuchsfahrt vom Mißgeschick verfolgt. Durch einen Windstoß erlitt das Luftschiff bei. der Landung Havarie, doch wurde von den Aeronauten MMno verletzt. Der englische Militär-Lenkballon Nr. 2, der heute nachmittag mit Oberst Capper, Mr. Cody und dessen Sohn eine Ausfahrt von Farnborough aus unternahm, erlitt beim Niedergang einen Unfall. Nachdem der Ballon ungefähr eine Stunde lang Manöver in der Lust ausgesührt hatte, stieg er wenige hundert Meter von seinem Schuppen in Farnborough nieder. Als er dicht am Boden war, ergriff ihn ein Windstoß und blies die Gashülle um. Einer der Schraubenflügel stieß auf den Boden und verbog sich etwas, und die Hülle erhielt einen Riß; die Insassen wurden fast aus der Gondel geworfen, blieben aber unverletzt. Der Lenkballon wurde danach in den Schuppen geschafft. Bei der Untersuchung ergaben sich keine weiteren Schäden. Die Leistungen des Luftschiffes werden als befriedigend bezeichnet.

Aus Provinz u. Nackbargebiel.

* Zu den diesjährigen größeren Herb st Übungen des XL Armeekorps, welche in der Zeit vom 9.23. September stattfinden, werden außer sämtlichen Regimentern genannten Korps auch Truppen anderer Armeekorps hinzuge-

Glück erzählen und die Vögel sangen so klar und immer näher und näher klang das Brausen des Oedbaches, der sich mi* gischteNden Wellen den Felsblöcken entgegenwarf, die seinen Lauf hemmen wollten.

Nun leuchtete über die Büsche herauf das satte Rot des Holzkreuzes, noch eine steile Lehne war herabzusteigen, und als die Roserl mit den letzten Schritten über diese unwillkürlich, ins Laufen kam, da fingen sie zwei kräftige Arme auf, in die sie sich glückselig hineinschmiegte.

Mein Roserl!"

Mein Toni!"

Weltvergessen schlug Herz an Herz, ruhte Mund auf Mund, lange, lange Zeit. Und dann kamen die zwecklosen Fragen: Hast mich noch gern?" undHast doch auch an mich denkt!" und die ebenso einfältigen Versicherungen über beide Dinge, die aber den liebenden Herzen wie Musik klingen und wohl deshalb immer wieder über die Lippen quellen.

Schließlich erinnerten sich aber die beiden jungen Leutchen doch daran, daß sie gehen müßten.

(Fortsetzung folgt.)

(Die beiden glücklichen Rivalen.) In einem englischen Irrenhause führte der Direktor Besucher durch die Anstalt. Dabei sahen sie einen Kranken in stummer Melancholie aus einer Bank sitzen.Dieser Mann", erklärte der Direktor,ist aussunglücklicher Liebe wahnsinnig geworden. Seine Frau hat ihn betrogen und .einen andern geheiratet." Er macht einen meckwürdig ruhigen Eindruck," meinte die Dame. Etwas später kam die Gesellschaft zu den Tob­süchtigen, die man in vergitterten Zellen eingesperrt hielt. Da tobte ein Wahnsinniger in grauenerregendem Zustande. Der Direktor zeigte ayj ihn und sagte:Das ist der Mann, der die untreue Frtm geheiratet hat. . . ."

Petersburg, 15. August. Vom 8. bis zum 14. d. Mts. sind in den von der Cholera ergriffenen Be­zirken 508 Erkrankungen und 270 Todesfälle vorgekommen. Die Stadt Nischni Nowgorod ist für choleragesährlich und die Wolga von dieser Stadt ab bis nach Rybinsk für cholerabedroht erklärt worden.