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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 96.

Dienstag, den 18. August

1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 12. August 1908.

Die unter dem Schweinebestand des George Rößing zu

Gittersdorf ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 8372. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 12. August 1908.

Unter dem Schweincbestande des Konrad Seiler zu Goß- mannsrode ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

1. 8333. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Berlin, C 2, den 9. Juni 1908.

Nach § 1 des Gesetzes, betreffend die -Kosten der Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen vom 8. Juli 1905 (G. S. S. 317) kann durch Polizeiverordnung des Oberpräsidenten, des Regierungspräsidenten (in Berlin des Polizeipräsidenten) oder des Oberbergamtes angeordnet werden, daß 1. Aufzüge, 2. Kraftfahrzeuge, 3. Dampffässer, 4. Gefäße für verdichtete und verflüssigte Gase, 5. Mineralwasserapparate, 6. Azetylen­anlagen, 7. Elektrizitätsanlagen durch Sachverständige vor her Inbetriebsetzung oder wiederholt während des Betriebs geprüft werden.

Die von den Sachverständigen ausgestellten Annahmebe­scheinigungen, also die Bescheinigungen, die bei der ersten Prüfung vor der Inbetriebnahme der Anlage zu erteilen sind, unterliegen dem Zeugnisstempel der Tarifstelle 77 des Stempel­steuergesetzes vom 31. Juli 1895, da die mit der amtlichen Prüfung der Anlagen beauftragten, auf ihre Dienstpflichten vereidigten Sachverständigen bei Ausführung dieser Aufträge als beamtete Personen und die von ihnen abgegebenen Be­scheinigungen als amtliche anzusehen sind. Die Bescheinigungen dienen auch im wesentlichen privaten Interessen, da von ihrer Beibringung durch den Besitzer die behördliche Zulassung der Anlage abhängig ist.

Dagegen sind die Bescheinigungen, welche über die regel­mäßig wiederkehrenden Prüfungen der vorerwähnten Anlagen ausgefertigt werden, stempelfrei, weil sie lediglich dem Zwecke dienen, die Polizeibehörden in den Stand zu setzen, die Jnne- Haltung der in den Verordnungen festgesetzten Fristen für die regelmäßigen Prüfungen zu überwachen, sowie auf die Besei­tigung gefahrdrohender Mängel in den Überwachungspflichtigen Anlagen hinzuwirken. Die Ausstellung dieser Bescheinigungen an den Besitzer der Anlage erfolgt mithin lediglich im polizei­lichen, also öffentlichen Interesse. Ebenso sind Bescheinigungen über außerordentliche Untersuchungen zu behandeln, welche von den Polizeibehörden im öffentlichen Interesse angeordnet werden, während Bescheinigungen über außerordentliche Untersuchungen,

Wem die Berge wandern.

Eine Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienen st ein.

(Fortsetzung.)

VI.

Von nun an hatte es der Hinterleitner darauf abgesehen, den Bergschießl ganz in seine Gewalt zu bekommen. Er wollte sich ihm so unentbehrlich machen, daß jener zum Schluß einen Zwang auf seine Tochter ausüben sollte. Der Hinter­leitner hatte sich vorgenommen, wieder ein braver Mensch zu werden, und diesen Zweck zu erreichen, scheute er selbst vor schlechten Mitteln nicht zurück.

Und das brauchbarste Mittel schien ihm, den Bergschießl gänzlich zu vereinsamen. Und das gelang bei dem ohnehin ungemein mißtrauischen und leicht aufbrausenden Manne nur zu leicht.

Der Bergschießl war geneigt, jeden, der mit dem Brand- ebner verkehrte, als seinen Feind zu betrachten und wenn er Machbar mit diesem im Gespräche sah, dann war auch Verdacht in ihm rege, die beiden sprächen über ihn und führten Böses im Schilde.

m ^er Hinterleitner kannte diese krankhafte Schwäche des Bergschießl und nützte sie für seine Zwecke aus. Immerzu wußte er diesem zu erzählen, wie er das und jenes erlauscht habe, was der oder der andere mit dem Brandebner gesprochen habe, und alles ging nach seiner Schilderung daraus hinaus, dem Bergschießl irgend einen Schaden hinzuzufügen, oder doch einen Possen zu spielen.

Außerdem gefiel sich der Hinterleitner in dunklen War- nungen, und so brächte er es dahin, daß der Bergschießl schließlich in jedem Bauern von Rotwald einen tückischen Feind witterte.

Das brächte den ohnehin verdüsterten Mann in eine stete Stimmung von solcher Gereiztheit, daß er bei dem gering- luglgsten Anlaß der ganzen in ihm aufgespeicherten Wut die

welche von den Besitzern beantragt werden, als im privaten Interesse liegend, für stempelpflichtig zu erachten sind.

Die in den allgemeinen Erlassen vom 23. September 1902 (M. Bl. d. Hand.- u. Gew.-Verw. S. 366) und vom 6. Februar 1904 (Zentralblatt S. 42) anerkannte Stempelfreiheit der ersten (Abnahme-) Bescheinigungen für Fahrstühle und Kraftfahrzeuge und für die Prüfungszeugnisse der Fahrer läßt sich für die Folge nicht mehr aufrecht erhalten.

Der allgemeine Erlaß vom 5. Dezember 1896 (M. Bl. d. i. Verw. 1897 S. 23, Zentralblatt 1897 S. 26) betr. die stempelsteuerliche Behandlung der bei den Dampskesselunter- suchungen auszustellenden Bescheinigungen, der mit der im vorstehenden angeordneten Regelung in Uebereinstimmung steht, wird durch das Gesetz vom 9. Juli 1905 nicht berührt und bleibt deshalb bestehen. (I. Nr. III. 10070.)

Der Finanzminister.

Hersseld, den 13. August 1908.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.

J. I. 8370. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Gefundene Gegenstände:

Ein Regenschirm. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Allmershausen.

10 Mark und ein Regenschirm. Meldung der Eigentümer bei dem Ortsvorstand in Widdershausen. -

nichtamtlicher teil.

Versuchsfahrten des neuen Parseval- Luftschiffes.

Der neue Parseval-Ballon der Motor-Lustschiff-Studien- gescllschast ist am Freitag abend zum ersten Male aufgestiegen, und hat über dem Tegeler Forst eine Probefahrt in der Dauer von zwanzig Minuten unternommen. Die Fahrt ist zur vollsten Zufriedenheit der Beteiligten ausgefallen. Gleich­zeitig mit dem neuen Parseval-Ballon ist auch das Militär­lustschiff des Majors Groß auf dem Tegeler Schießplätze aufgestiegen und landete nach fünfzehn Minuten.

In den mächtigen Ballonhallen auf dem Tegeler Schieß­plätze herrschte in den Abendstunden emsiges Treiben. Es war, wie die B. Z. a. Mittag schreibt, vereinbart worden, daß der neue Parseval-Ballon und das Militärlustschiff, dessen Hülle seit der letzten Fahrt erneuert worden ist, zu gleicher Zeit eine kurze Fahrt unternehmen sollten. Soldaten der Luftschifferabteilung zogen nach 7 Uhr die beiden Ballons aus den Hallen und brachten sie auf den Tegeler Schießplatz, wo

Zügel schießen ließ und in lästerlichster Weise über die Nachbarn loszog.

Das geschah natürlich immer im Gasthause, weil er wollte, daß den andern auch hinterbracht würde, wie er über sie denke.

Selbstverständlich wurde dieser Zweck auch erreicht, und das hatte zur Folge, daß sich die Nachbarn nun gänzlich von ihm zurückzogen, so daß er schließlich mit dem Hinterleitner allein am Tische saß. Eine Klage wegen Ehrenbeleidigung war den Rotwaldern unbekannt, sie straften mit stillschweigender Verachtung.

Der Bergschießl empfand diese Verachtung sehr wohl, aber statt ihn zur Besinnung zu bringen, vertiefte sie nur seinen Haß, und wenn es einmal in ihm wie bittere Erkenntnis auf- stieg, dann betäubte er sich vor ihr im Trunke.

Er wurde ein Säufer wie der Hinterleitner, und sein wüstes Schimpfen über die Nachbarn wurde von Tag zu Tag ärger.

Endlich nahm sich der Pfarrer vor, dem Bergschießl ein­mal ernst zu Gewissen zu reden. Er ließ ihm durch die Roserl sagen, daß er am nächsten Sonntage zu ihm in den Psarrhos kommen sollte.

Und der Bergschießl kam.

Der Pfarrer lud ihn ein, sich zu setzen, setzte sich ihm gegenüber und begann:Mein lieber Bergschießl! Ich muß heute einmal ein ernstes Wort mit dir reden, und ich will hoffen, du hast so viel Vertrauen zu mir, daß du auch ein- siehst, daß ich's gut mit dir meine."

Der Pfarrer fetzte ab und sah ernst, aber milde aus den Mann vor sich. Der aber starrte mit gleichgültiger Miene auf seinen Hut, den er auf den Knien hielt und gab keine Antwort.

Da fuhr der Pfarrer fort:Schau, Bergschießl, so wie du's jetzt machst, so kann's unmöglich fortgehn. Dieses über­mäßige Trinken und vor allem deine Schimpferei über deine Nachbarn, sogar über solche, die dir gar nichts getan haben, das gehört sich nit für einen ordentlichen Menschen. Zu dem allen hat dich nur der saubere Hinterleitner gebracht. Von dem, Bergschießl, mußt du dich losmachen. Wirst sehen, wann

nun beide Luftschiffe in kurzer Entfernung von einander lagen. In die Gondel des neuen Parseval-BallonS fliegen ein: Major v. Parseval, Hauptmann v. Kehler und Haupt­mann v. Krogh als Führer, Mechaniker Kendel und ein Werkmeister der Daimler-Werke. In der Gondel deS Militär­ballons befanden sich: Major v. Sperling als Führer, Hauptmann v. Jena, Hauptmann George, Leutnant Kirchner, Oberingenieur Castner und ein Mechaniker. Um Va8 Uhr begannen die Motoren der beiden fast nebeneinander liegenden Luftschiffe zu arbeiten, zehn Minuten später stieg zuerst daS Militärlustschiff in die Höhe und nahm, immer höher steigend, die Richtung nach Nordwesten über die Tegeler Forst. Zwei Minuten später stieg der neue Parseval-Ballon hoch, und zwar in der Richtung nach Nordost. Die Windstärke betrug etwa 4 Meter. Nun begannen die beiden Luftschiffe oben zu manövrieren. Sie stiegen immer höher und höher, bald hörte man das Geräusch der arbeitenden Motoren nicht mehr. Einige Offiziere und Fachleute verfolgten die Manöver der beiden Ballons mit gespannter Aufmerksamkeit. Beide Luft­schiffe hielten sich so ziemlich auf gleicher Höhe: 300 Meter und darüber, und vollführten die gleichen Drehungen und Wendungen. Beide beschrieben einen großen Kreis um den Tegeler Schießplatz und entwickelten, besonders gegen Ende der Fahrt, eine bemerkenswerte Geschwindigkeit. Fünf Minuten vor 8 Uhr ging der Militärballon nieder, während der Parseval-Ballon noch einen kleinen Halbkreis über dem Schieß­platz beschrieb. Fünf Minuten später landete auch er, und zwar auf rein dynamischem Wege, ohne daß Ballast auSgeworfen oder das Ventil gezogen worden wäre. Beide BallonS wurden von den Soldaten des LuftschifferbataillonS wieder in die Hallen gezogen.

Am Sonnabend früy machte der Parseval-Ballon eine Fahrt von 2Vi Stunden rund um Berlin. Um 6 Uhr 15 Minuten erhob sich das Luftschiff vom Tegeler Schießplatz und ging über Pankow, Weißensee und Stralau nach Ober­schöneweide, nach den Werken der neuen Automobilgesellschaft, wo die Gondel des Motorballons gebaut worden war. Von dort ging die Fahrt nach dem Tempelhofer Felde, über Friedenau, Steglitz, Groß-Lichterfelde, Zehlendorf, Manns« und über Kladow und Gatow zurück zum Ausstiegsort, wo eine glatte Landung erfolgte. In der Gondel befanden sich Hauptmann v. Kehler als Führer, Hauptmann v. Krogh und Ingenieur Kiefer, die die Höhen- und Seitensteuerung be­dienten, und Mechaniker Troschwitz. Major v. Parseval befand sich nicht im Ballon, er beobachtete, soweit eS anging, die Flugbewegungen und nahm den Abstieg entgegen. DaS Luftschiff hielt sich während der Fahrt durchschnittlich in Höhen von 200 bis 400 Meter. Während bei der Abfahrt die Windgeschwindigkeit nur etwa 3 Meter in der Sekunde betrug, stieg sie in größeren Höhen auf 8 bis 10 Meter an, auch war es, besonders in der Gegend von Zehlendorf, in einer Höhe von etwa 300 Meter, sehr böig. Trotzdem ent­wickelte der Ballon eine sehr gute Geschwindigkeit und gehorchte

der nimmer um dich ist, dann denkst du auch wieder anders und siehst dein Unrecht ein. Und wann du's eingesehen hast und du sagst ein paar gute Wörtl zu deinen Nachbarn, ich weiß's bestimmt, sie verzeihen dir von Herzen gern!

Ein kurzes, aber schrilles und höhnischer Lachen deS Berg­schießl war die nächste Antwort.

Dann beugte er sich gegen den Pfarrer vor, kniff die Augen höhnisch ein und sagte:Die Nachbarn werden mir verzeih« ? O, das freut mich aber, ja, da muß i freilich gleich von einem zum andern rennen und schön bitten. Schön bitten seine Stimme wurde heiser vor Erregung und Haß daß sie aufhören, solche Lumpen zu sein, die sich alle mit dem Brandebner zusammengcredt haben, daß sie mich z'grund richten können. Aber das" er sprang auf und schüttelte die Fäustedas bringt die ganze Bagasch nit zusammen. I will nix mehr mit dem Gesinde! zu tun haben, i brauch keinen, und wann i im Sterben läge, und eS könnt' mich einer erretten, lieber verreck ich wie ein Hund, bevor ich von einem Hilf' annehmct. DaS könnt Ihr Ihnen sagen, Herr Pfarrer, und wenn Ihr sonst nix wißt, so geh i.

Der Pfarrer war erst bleich geworden, nun flieg ein leichteS Rot in seine Wangen, und sich erhebend sprach er:Berg­schießl, ich hab es gut mit dir gemeint. Wenn du aber so verstockt bist, dann mnß ich dir sagen, daß wir zwei auch fertig sind. Du hast bisher bei den Hochämtern daS Wind­licht getragen. Das ist ein Ehrenamt. Für Menschen aber, die einen solchen sündhaften Haß im Herzen tragen, ist daher dieses Amt nichts. Zum letztenmal frag' i dich: Willst dich mit deinen Nachbarn vertragen? Ich will gern alles tun, daß du kein Wort zu ihnen zu sagen brauchst, denn i möcht dir nit vor der ganzen Pfarrgemeinde die Schande antun und dir das Ehrenamt in der Kirchen wegnehmen. Also willst?"

Also darauf ist's abgesehen?" zischte der Bergschießl,na das hätt' der Herr Pfarrer gleich auch sagen können. Mir is's recht. Meinetwegen soll Windlicht tragen, wer will. 9 pfeif drauf, i pfeif auf Eure ganzen Kirchen. Wann'S schon sein soll, so halt ich's halt mit dem Teufel, wer weiß, ob er nit braver i's, wie das ganze Rotwald samt dem Pfarrer!