in der Nähe des Bahnhofes Sarnau verunglückte, ereignete sich gestern nachmittag abermals ein ähnliches Unglück auf ber ,Stoiber Chaussee unweit der Kupferschmiede. Der Fuhr- knecht E. Pausch, ebenfalls aus Schönstadt, in Diensten bei Fuhrwerksbesitzer Wick hier, kam mit einem mit zwei Pferden bespannten, mit einem starken Eichenstamm beladenen Wagen die Straße herunter, wobei er unter die Räder geriet und sofort getötet wurde.
Marburg, 9. August. Bei der Station Sarnau wurde gestern abend um 10 Uhr ein Holzfuhrwerk von hier vom Frankenberger Zuge überrannt. Der Fuhrmann, ein 22jähriger Bursche aus Schönstedt, blieb tot, der Wagen wurde zertrümmert und das Pferd blieb unverletzt.
Oberweimar, 9. August. Ein rabiater Hauswirt hatte vor kurzem wegen Mietsstreitigkeiten eine Frau zur Treppe hinuntergeworfen. Eine Flasche, die die Frau bei dem Sturze in der Tasche trug, war dabei in Scherben gegangen. Diese fügten ihr am Bein derartige Verletzungen zu, daß es amputiert werden mußte. Die Amputation führte jetzt den Tod der Frau herbei.
Schlüchtern, 10. August. Ueber eine seltsame Submissionsblüte ist von hier zu berichten. Die hiesige Bauabteilung hatte die Erd-, Böschungs- und Oberbauarbeiten zur Herstellung eines Lagerplatzes und Anschlußgleises für den Bau des Tunnels der Umgehungsbahn bei Elm im Ver- dingungswege zu vergeben. Es handelte sich um recht umfassende Arbeiten, und zwar um rund 44 000 cbm Bodenbewegung, etwa 8600 qm Böschungsbekleidung, rund 2200 qm Herstellung von Seitenwegen und Verlegen von etwa 2000 m Gleis und 11 Stück Weichen einschließlich des Einbauens des Bettungsmaterials. In der Hauptsache also Erdarbeiten. Bei dem Submissionstermin zeigten sich nun außerordentlich große Preisunterschiede, indem der Mindestfordernde 43 483 Mk., der Höchstfordernde dahingegen nicht weniger wie 117 230 Mk. verlangte. Es ist dies eine Preisdifferenz von 73 747 Mk.
Beckerhagen, 11. August. Der Königliche Forstmeister Pauli war gestern Abend ausgeblieben, und da er trotz umsichtigen Suchens nicht aufgefunden wurde, verbreitete sich das Gerücht, daß ihm ein Unglück zugestoßen fei oder daß ein Verbrechen an ihm verübt worden ist. Endlich morgens 1 Uhr ward er ausgefunden, aber als Leiche und zwar neben einem ganz waidgerecht aufgebrochenem Hirsche. Infolgedessen verstärkte sich erst recht das Gerücht, daß ein Verbrechen statt- gefunden habe. — Wie sich aber nun herausstellt, ist der Forstmeister von einem Herzschlage betroffen worden, als er noch beim Ausbruch des erlegten Wildes beschästigt war.
Vom Eichsfelde, 10. August. Der Fabrikarbeiter Georg Apel in Gerbershausen zeigte seinen Familienangehörigen einen neuen Revolver. Als er die Waffe sichern wollte, richtete er unvorsichtigerweise die Mündung auf sich. Plötzlich entlud sich die Waffe und das Geschoß drang in den Unterleib. Der Schwerverletzte wurde sosort nach Göttingen in die Klinik geschafft, um sich einer Operation zu unterziehen. Ob er mit dem Leben davon kommen wird, erscheint sehr fraglich.
Frankfurt a. M., 10. August. Heute nacht verstarb im Städtischen Krankenhause der 24jährige, seit zwei Jahren verheiratete Schlosser Karl Schulz aus Niederrad. Er hatte sich vorige Woche Pilze aus dem Wald geholt und sie gegessen. Kurz nach dem Genuß der Pilze erkrankten Schulz und seine Frau, die auch davon gegessen hatte. Beide mußten nach dem Krankenhaus verbracht werden, wo Schulz verstarb. Die Frau ist auch noch nicht außer Lebensgefahr.
Mainz, 11. August. Die Truppenschau auf dem Großen Sand findet am 20? d. M. unter dem Kaiser und in Anwesenheit des Großherzogs von Hessen statt.
Mainz, 9.. August. Zu der Feier des 100jährigen Bestehens des 2. Naff. Jnf.-Regts. Nr. 88, die vom 12. bis 14. August hier stattfindet, werden nicht weniger als 5000 auswärtige Teilnehmer, die ehemals in den Reihen des Regiments standen, eintreffen. Es sind bedeutende Vorbereitungen getroffen, um die Festteilnehmer verpflegen und unterbringen zu können. Vor allem kommen die Stadthalle und andere größere Restaurationslokalitäten in Betracht. In der Stadthalle sollen mehrere Tausend/ im Schöffenhof rund 1000 Personen verpflegt werden.
Heiligenstadt, 10. August. Teures Obst gibt es in diesem Jahre. Die Obsternte ist fast auf dem ganzen Eichsfelde eine sehr geringe. Bei den Versteigerungen wurden in- folgedessen außerordentlich hohe Preise erzielt. So wurden hier 24—27 M. für vier Apfclbäume geboten, ein noch nicht dagewesener Preis. Im ganzen hat die Verpachtung des Kernobstes in den städtischen Anlagen rund 1400 M. Erlös gebracht, eine willkommene Nebeneinnahme für den Stadtsäckel.
Höchst a. M., 9. August. Ein dreister Gaunertrick wurde vorgestern in den hiesigen Farbwerken ausgeführt. Der mit den Verhältnissen wohl vertraute Spitzbube hatte an genanntem Tage gemerkt, daß der Betriebsbeamte, der den Lohn an der Kasse abzuholen hatte, diesmal nicht genau zur gewohnten Stunde an die Kasse ging. Er machte sich daher selbst sofort aus den Weg dorthin und verlangte mit ein.r beispiellosen Dreistigkeit die Lohnkassette für die Abteilung Nr. so und soviel. Man händigte sie ihm auch mit zirka 1600 Mark Inhalt anstandslos aus. Als jedoch wenige Minuten später der richtige Empfangsberechtigte erschien, merkte man, daß man einem geriebenen Gauner zum Opfer gefallen war. Alle Nachforschungen nach ihm waren bis jetzt vergeblich.
Mühlhausen i. Thür., 9. August. Je mehr die Einzelheiten über die Mordtat im benachbarten Oberdorla bekannt werden, desto grauenhafter erscheint sie. Die beiden Mörder Karmrodt und Richter sind erst kaum 17 bezw. 19 Jahre alt und haben die Mathilde Groß mit einer Gefühlsroheit umgebracht, die aller Beschreibung spottet. Das Mädchen wurde von Karmrodt abends außerhalb des OrteS bestellt, wo er sie dann einem Uebereinkommen mit Richter gemäß beim Spaziergange am Wassertümpel vorbeiführte, hinter dem Richter aus der Lauer lag. Sobald das Mädchen nun ahnungslos an dem Strauch vorbeigegangen war, sprang Richter hervor, packte es an der Kehle und warf es ins Wasser. Aus Leibeskräften schrie die Groß um Hilfe und nannte den Namen ihres Begleiters/ der nunmehr ebenfalls in§ Wasser sprang und das Mädchen unter die Füße nahm, um es so unter der Oberfläche zu halten. Trotzdem gelang es der Groß noch einmal, den Kopf übers Wasser zu bekommen, und sie rief laut den Namen beider Mörder, die sich dann gemeinsam auf ihr Opfer stellten, bis eS tot war. Der Mordplan bestand seit einigen Wochen, und zwar ist er ausgetaucht, als ein Versuch, die Folgen deS Liebesverhältnisses mit Gewalt zu beseitigen, erfolglos geblieben war. Karmrodt ist elternlos; er hat ein ziemlich ansehnliches Vermögen; die Eltern des Richter leben noch, sie bewirtschaften die Schenke in Oberdorla.
Münster, 9. August. An Blutvergiftung gestorben ist
ein Gutsbesitzer aus Dackmar bei Warendors, der sich durch einen Stacheldraht eine geringfügige Verletzung an der Hand zugezogen hatte. Trotz eines operativen Eingriffes an dem bereits geschwollenen Arm trat unter schrecklichen Schmerzen der Tod ein.
Erfurt, 10. August. Als die Frau eines Landwirts in Bischleben den Pferden Futter in die Krippe schüttete, schnellte plötzlich eine Schlange empor, und biß die Frau in die Hand. Es gelang, die Schlange, eine Kreuzotter, zu erschlagen. Trotz alsbald angewendeter Gegenmittel wirkte das Gift derartig, daß die Verletzte schleunigst ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Es ist anzunehmen, daß die gesährliche Gist- schlange beim Hineinsahren mit auf den Futterboden gebracht wurde.
Vermischtes.
— Beim D iab o l ospiel sprang einem 12jährigen Mädchen in einem Berliner Vorort die Rolle mit solcher Gewalt in das rechte Auge, daß es auf der Stelle auslies. Also auch bei diesem weit verbreiteten und anscheinend harmlosen Spiel ist Vorsicht geboten.
— Berlin, 10. August. Heute nacht wurde in der Schindlerstraße in Charlottenburg der 21jährige Portraitmaler Otto Natke tot und die gleichaltrige Verkäuferin Marquardt aus der Kirchstraße durch Revolverschüsse schwer verletzt aufgesunden. Es steht noch nicht sest, ob Mord oder Selbstmord vorliegt.
— S o est, 10. August. Gestern abend wurde der 18- jährige Bahnschlosser Kroll von dem Fürsorgezögling GenSke auf offener Straße mit einem Schustermesser erstochen. Genske hatte die Tat schon lange Zeit geplant. Der Täter ist flüchtig.
— (Streichhölzer in Kinderhand. Auf dem Anwesen des Stellenbesitzers Meier in Weißwasser (Schlesien) brach in Abwesenheit der Eltern durch Spielen eines achtjährigen Kindes mit Streichhölzern Feuer aus. Das Wohnhaus ist in Flammen ausgegangen, wobei das Kind verbrannt ist.
— (Eine erfolgreiche Beschwerde.) Ein Herr, der tagtäglich mit der Bahn fuhr, hatte einen großen Kummer. Immer, wenn er auf seinen Zug wartete, war die einzige Bank, die den Bahnsteig zierte, ganz und gar mit Milchkannen besetzt, deren Besitzer dort die zum Verkauf bestimmte Milch durch einen Zusatz von Wasser zu verbessern pflegte. Endlich bat er die Verwaltung um Abhilfe. Am folgenden Morgen war die Milchkannenbatterie tatsächlich verschwunden, die Bank, auf der sie bisher gestanden, — allerdings auch.
— Ihre drei Kinder und sich selb st getötet hat, wie bereits gemeldet, die 33 Jahre alte Ehefrau des Gewerkschaftsbeamten Habak in Pforzheim. Habak hat seit längerer Zeit mit den Seinen im Dachstock des Hauses Wertweinstraße 15 eine kleine Wohnung inne. Seine Ehefrau war lungenkrank und hat sich zur Kur 4 Wochen in einem Bade aufgehalten. Schon öfters äußerte sie Bekannten gegenüber, daß sie freiwillig aus dem Leben scheiden wolle, nur war sie immer besorgt um ihre Kinder. Als Habak dieser Tage am Abend von seiner Arbeitsstätte nach Hause zurück- kehrte, bot sich ihm ein entsetzliches Bild. Der Tisch war aus dem Wohnzimmer entfernt worden; aus dem aus dem Boden ausgebreiteten Bettzeug lagen die Mutter und zwei ihrer Kinder, während das älteste, ein neunjähriger Knabe, ein Stück Brot in der erstarrten Hand haltend, in einem Lehnstuhl saß. Alle vier gaben kein Lebenszeichen mehr von sich. Am Rohr der Gasleitung für den Gaskocher befand sich ein langer Gummischlauch, der bis zu den Köpfen der nebeneinander liegenden Kinder und der Mutter führte. Die Körper der Frau und der beiden jüngeren Kinder waren beim Auffinden noch warm, der ältere Knabe im Stuhl war bereits erkaltet. Die sofort herbeigerufenen Aerzte erklärten jede Rettung für ausgeschlossen.
— (D i e H o n n e u r k i st e.) Oberst v. Z. legte — so erzählt ein Leser der „Tägl. Rdsch." — großen Wert darauf, daß die Mannschaften seines Regiments nicht nur im Dienst den höchsten Ansprüchen genügten, sondern daß sie auch außer Dienst sich jederzeit musterhaft betragen sollten. Während der Rekrutenausbildung pflegte Oberst v. Z. manchmal unerwartet in die Kaserne zu kommen und dem Unterricht bei irgendeiner Kompagnie beizuwohnen. Eines Abends entdeckte er in einer Stube in der Nähe der Tür auf einem Wandbrett eine leere Holzkistc, aus welcher sich kein Name befand, und deren Bestimmung ihm nicht klar war. Er fragte daher den Unteroffizier nach der Bedeutung dieser Kiste. „Das ist die Honneurkiste, Herr Oberst, antwortete der Unteroffizier. „Die Honneurkiste?" fragte der Oberst nun kopfschüttelnd den Leutnant. „Jawohl, Herr Oberst, das ist die Honneurkiste." Dem Oberst wurde die Sache immer unklarer und er verlangte daher eine nähere Aufklärung von dem Rekrutenoffizier. „Wenn unter den Rekruten," erklärte daraufhin der letztere, „sich solche Leute befinden, die in den Ehrenbezeugungen noch nicht ganz sicher sind, wird ihnen, wenn sie ausgehen, die Kiste mitgegeben, damit sie nicht durch schlechtes Grüßen auf der Straße auffallen. Wenn sie die Kiste tragen, brauchen sie nicht zu grüßen und vor allem nicht Front zu machen." „So," meinte der Oberst, „und diese Kiste ist besonders für diesen Zweck beschafft?" „Jawohl Herr Oberst, früher bekamen die Leute ein Kommisbrot mit, aber weil mal ein Rekrut ein solches Brot unterwegs aufgegessen hat, befindet sich jetzt auf jeder Stube eine Honneur- kiste!"
— (Tödlicher Absturz in den Vogesen.) Auf dem Hohneck, dem höchsten Gipfel der Vogesenkette an der deutsch-französischen Grenze, stürzte der Rentner Nico aus Jsenheim ab und war sosort eine Leiche. Der völlig zer- schmetterte Körper des Verunglückten konnte nach einigen Stunden geborgen werden. Dies ist bereits der zweite tödliche Absturz in diesem Jahre in den deutschen Vogesen.
— EineganzeKinderscharmitTollkirschen vergiftet hat in Thürnthenning in Niederbayern, eine 78- jährige Beerensammlerin. Sie hatte fahrlässigerweije die Tollkirschen mit anderen Beeren gesammelt und den Kindern davon gegeben. Vier Kinder sind bereits gestorben.
— (Die Jagd nach dem Kinde.) Nach vierzehnjährigem rastlosen Suchen steht eine Mutter am Vorabend des Tages, der ihr ihr einziges Kind wiedergeben soll. Am Donnerstag haben die New Yorker Gerichte sich mit dem romantischen Fall beschäftigt. Es handelt sich um eine Russin, die vor beinahe 20 Jahren als völlig mittellose Einwanderin nach Amerika kam und nach langer entsagungsvoller Arbeit ein kleines Vermögen von ein paar tausend Mark zusammen- sparte. Sie heiratete dann einen Mann, der sie bald darauf verließ. In einem Trambahnwagen gab sie dem Kind das Leben, das sie nun endlich wird ihr eigen nennen können. Der Mann kehrte wieder zurück, sie wurde krank, kam inS
HoSpital, und als sie schließlich entlassen wurde, war ihr Mann samt dem Kinde verschwunden. Eine leidenschaftliche Sehnsucht erfaßte die vereinsamte Frau, und all ihre Kraft, raffte sie zusammen, um die Mittel zu erringen, ihr Kind wiederzufinden. Sie arbeitete, sie sparte, unternahm eine kleine Spekulation, die glücklich verlief, kaufte Grundbesitz, verkaufte ihn mit Nutzen, das Glück blieb ihr hold, und heute ist die arme Einwanderin von damals eine reiche Frau, die über ein Vermögen von 4 Millionen verfügt. Ihre ganze Kraft und all ihre Gedanken, ihr Vermögen und ihr Leben war nur der Suche nach dem Kind gewidmet. Vor fünf Jahren nahm sie den Antrag des Fabrikanten Klugmann an, der ihr gelobte, an der Erfüllung ihres Lebenswunsches mitzuarbeiten. Aber alle Arbeit, Reisen und Ausgaben, sie waren umsonst. Endlich, vor einem Monat, sand sie die erste Spur. Ein alter Bekannter, den sie durch Zufall traf, erzählte ihr, daß ihr einstiger Gatte in Broux lebe, verheiratet und Vater von sechs Kindern wäre. Sosort suchte sie ihn aus; von ihm erfuhr sie, daß ihr Kind seinerzeit in ein Findelhaus gebracht wurde. Dort verweigerte man ihr die Auskunst, weil das Kind von reichen Leuten adoptiert worden war und man ihm Verwicklungen ersparen wollte. Aber die Mutterliebe war nicht gesonnen, vor solchen Erwägungen zu kapitulieren; sie appellierte an das Recht, und die Gerichte haben den Vorstand des Findel- Hauses jetzt vorgeladen, damit er über den Verbleib des so lange gesuchten Kindes der schwergeprüsten Mutter Auskunft gibt.
— (Ein Vater als Mörder seiner eigenen Tochter.) Aus Triest wird berichtet: Der Steinsetzmeister Valeriano Negriolli, der schon über dreißigmal wegen Gewalttätigkeit gerichtlich vorbestraft ist, verübte eine entsetzliche Tat. Vor etwa drei Monaten war Negriolli, der seiner 20- jährigen Tochter Valeriana nachstellte, die väterliche ErziehungS- gewalt über seine Tochter entzogen und er selbst als geistesgestörter Alkoholiker in einer Anstalt interniert worden. Gestern gelang es ihm nun, aus der Anstalt zu entweichen. Er suchte seine Tochter auf und feuerte plötzlich einen Revolverschuß aus sie. Das Mädchen wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Negriolli eilte auf das Dach des Hauses, ein Schutzmann setzte ihm nach, und nun begann eine wilde Jagd nach dem Mörder über die Dächer der Nachbarhäuser. Von einem niedriger gelegenen Hause schwang sich der Verfolgte zur Erde, wo er von herbeieilenden Polizeibeamten ergriffen und aus die Polizeiwache gebracht wurde. Bei seiner Verhaftung erklärte Negriolli, er fühle sich von seiner Tat äußerst befriedigt.
— (Eine diebische P y t h i a.) Frl. Zacharasien, eine in Paris lebende österreichische Künstlerin, ließ sich in ihrer Woh- nung in Passy von einer Zigeunerin namens Merce des nach einer angeblich neuen Methode wahrsagen. „Alle Ringe, die jemals deine göttlichen Finger umgaben, mußt du mir anvertrauen!" rief die Wahrsagerin aus. Die Künstlerin entsprach dieser Aufforderung. Sie ließ sich dann die Augen verbinden und lauschte entzückt den wunderbaren Prophezeiungen. Plötzlich entstand ein befremdendes Schweigen. Das Fräulein riß die Binde von den Augeu und mußte die betrübende Wahrnehmung machen, daß Mercedes mit den Ringen im Werte von über 30 000 Fr. verschwunden war.
Cetzte nachrichten.
Cronberg, 11. August. Die Verabschiedung der Monarchen aus dem Bahnsteig war sehr herzlich; ebenso verabschiedete sich der König von seinen fürstlichen Verwandten und deren Gefolge. Er sprach mit dem Kaiser noch vom Coupeefenster aus, bis der Zug sich in Bewegung setzte. Unmittelbar darauf nahm der Kaiser von dem Prinzenpaar von Hessen und der Kronprinzessin Sophie von Griechenland Abschied und bestieg mit Gefolge den Sonderzug, der um 12 Uhr nach dem Sennelager abfuhr. Die Zusammenkunft der beiden Monarchen ist überaus angenehm verlausen. Der König sowie der Kaiser haben sich sehr befriedigt über den gemeinsam verlebten Tag ausgesprochen und beide waren andauernd in guter Laune und bester Stimmung.
Fri e d r i ch s h a fe n, 11. August. Der Kronprinz traf kurz nach 7 Uhr bei Zeppelin ein. Der Besuch dauerte IV2 Stunden. Der Abschied gestaltete sich sehr herzlich. An den Verhandlungen zwischen dem Kronprinzen und Zeppelin nahm nur der Hofmarschall teil.
Le Mans, 11. August. Wrigth unternahm heute abend einen neuen Flugversuch. Er beschrieb in drei Minuten 43 Sekunden drei große Kreise in verschiedener Höhe mit einer Geschwindigkeit von 65 Kilometern.
Wien, 11. August. Im Salzkammergut bei Weißenbach am Achensee ist gestern der 28jährige Wiener Ingenieur bei einen Ausflug aus dem Schoberstein tödlich verunglückt.
Hannover, 11. August. In der hannoverschen Port- land-Zementfabrik wurde der Arbeiter Kaczarek durch den Ar- bester Ahrens ohne jede Veranlassung durch einen Dolchstich getötet. Der Täter ist flüchtig.
B 0 u l 0 g n e s u r M e r, 11. August. Ein von einem
Amerikaner aus Boston gesteuertes Automobil stürzte heute abend in eine Schlucht bei Boulogne. Der Amerikaner fand den Tod. Der Chauffeur und zwei Mitreisende wurden verletzt. _______________
Athen, 11. August. Auf der Insel Leukas wurde heute früh ein heftiges Erdbeben verspürt, das aber keinen erheblichen Schaden angerichtet hat.
Uesküb, 11. August. In der letzten Nacht ist die Hälfte der Stadt niedergebrannt. Es sollen hauptsächlich die türkischen Einwohner betroffen sein.
N i s h n i n 0 w g 0 r 0 d, 11. August. Hier wurde ein tödlich verlaufener Cholerafall festgeftellt.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Wetteraussichten für Donnerstag, den 13. August.
Vorwiegend heiter, meist trocken, tagsüber wärmer.