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herssel-er Kreisblatt
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Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 94.
nichtamtlicher teil.
Sie MmchenzusmmenkWft in Frie-richshos.
König Eduard von England ist gestern nachmittag um 4 Uhr von London abgereist, um sich nach Cron- berg zu begeben. Der Prinz von Wales und der deutsche und der österreichisch-ungarische Botschafter, sowie Admiral Sir John Fisher waren bei der Abreise auf dem Bahnhof zur Verabschiedung erschienen.
S e. Majestät derKaiser traf heute früh um 8 Uhr 30 Minuten im Ueberrock der Posener Jäger zu Pferde mit Stahlhelm mit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und Gefolge auf dem Bahnhöfe Cronberg ein. Ferner hatten sich dort eingefunden Regierungspräsident Dr. v. Meister, Landrat Dr. v. Marx, Bürgermeister Pitsch-Cron- berg, der englische Botschafter Sir Frank Lascelles und der englische Militärattache Trench. Der Kaiser zog letzteren in ein längeres Gespräch. Um 9 Uhr lief der Zug mit dem König von England ein. König Eduard in der Uniform seines Stolper HusarenregimentS mit Sir Stanley Clark und Mr. Ponsonby entstiegen dem Salonwagen. Die Begrüßung der Monarchen war sehr herzlich. Sie küßten einander auf beide Wangen. Der König begrüßte sodann den Prinzen und die Prinzessin Friedrich Karl ebenfalls auf das herzlichste, worauf die Gefolge vorgestellt wurden. Der Kaiser und der König fuhren sodann im offenen Automobil unter den andauernden Hochrufen des Publikums, das sich aus der Feststraße angesammelt hatte, zum Schlöffe. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl und die Herren des Gefolges schloffen sich in Automobilen an.
Als Vertreter des Auswärtigen Amts ist Gesandter Frhr. v. Jenisch in Cronberg anwesend. — Die Meldung, daß auch Staatssekretär v. Schoen sich im Gefolge des Kaisers befinde, beruht auf einem Irrtum.
Die Stadt Cronberg ist mit Girlanden, sowie deutschen und englischen Fahnen reich geschmückt.
Nach der Ankunft in Schloß Friedrichshof frühstückten die fürstlichen Herrschaften en famille und zogen sich darauf in ihre Gemächer zurück.
Im Gefolge König Eduards befindet sich außer den bereits genannten Personen auch Unterstaatssekretär Charles Hardinge.
* * ♦
Die Londoner Morning Post schreibt: Die allgemeine europäische Lage wird durch die Zusammenkunft in Friedrichshof kaum berührt. Die deutsche Nation aber sollte wenigstens darin eine Bestärkung der Rede sehen, welche Staatssekretär Grey am 27. Juli gehalten hat. Die Beziehungen zwischen England und Deutschland werden beständig durch Gefühls- ausbrüche auf beiden Seiten gestört, die offiziellen Beziehungen
Wem die Berge muhn
Eine Geschichte von Haft und Liebe von Karl Bienen st ein.
(Fortsetzung.)
Der Hinterleitner, der dem Bergschießl den Racheplan ausgearbeitet hatte, wäre tatsächlich zu einem Meineid bereit gewesen.
Er hätte ihn um so unbesorgter ablegen können, als mit Ausnahme eines Knechtes, der aber im Ochsenstalle schlief, niemand in seinem halbverfallenen Hause war, der bezeugen hätte können, daß der Bergschießl nicht bei ihm gewesen war.
Der Hinterleitner hatte einmal bessere Tage gesehen. Aber Trunk und Spiel und unsinnige Wetten und Käufe, die er '^ Rausch abschloß, hatten ihn immer mehr heruntergebracht. schließlich konnte er selbst die Steuern nicht mehr entrichten und mußte zusehen, wie ihm der Exekutor ein Stück Vieh nach Dem andern aus dem Stalle sührte. Nun war's ihm gleich- guttig, tote s mit seiner Zukunft werden sollte, und das Lotterleben ging erst recht an
War er aber bisher ein harmloser Lump gewesen, so hatte der Stiert zwischen dem Brandebner und dem Bergschießl um geweckt "^ ^"^ b*e schlechten Instinkte in ihm vollends {sich nun, daß ihm gerade der Brandebner S Pachtung immer am deutlichsten habe fühlen lassen, und das bewog ihn, sich auf die Seite von dessen Gegner zu schlagen.
Dazu kam jetzt auch uoch ein anderer Grund. Der Hinter- «uner V6 b?. s^" Besuchen im Bergschießl-Hause des öfteren Wegenljett, Roserl zu sehen und bei der Arbeit zu ihm ^fiel ihm von Tag zu Tag besser, sodaß J rln ^ und zu der Gedanke kam, es wäre die rechte Frau für ihn.
Ja, mitunter meinte er sogar, es wäre auf diesem Wege
Donnerstag, den 13. August
aber sind seit einiger Zeit gleichmäßig freundschaftlich gewesen, und es liegt kein Grund vor, warum dieser Zustand nicht aufrecht erhalten werden sollte. Der deutschen öffentlichen Meinung hat es beliebt, verletzt zu sein, weil England Ententen geschlossen hat. Wie aber Grey sagte, versuchen wir nicht, unseren Freundschaften eine feindliche Spitze zu geben. Es ist nicht unsere Absicht, irgend eine Macht zu isolieren. Müßig wäre es, zu behaupten, daß wir mit Deutschland nicht rivalisieren, oder daß unsere Bestrebungen nicht merklich einander Widerstreiten. Aber von irgend einer feindseligen Absicht ist England vollständig frei. Das muß Deutschland anerkennen, wenn es die Schwierigkeit sieht, mit welcher unser Volk sich von der Notwendigkeit überzeugen läßt, bloß Rüstungen zur Verteidigung zu bestreiten. Die Tatsache, daß der König von Friedrichshof nach Jschl geht, sollte weiter den Umstand betonen, daß unserseits kein Versuch vorliegt, Deutschand zu isolieren oder zu beleidigen. Deutschland ist mit Oesterreich enger verbündet als je. Die einzige politische Bedeutung, welche dem Besuche in Jschl beizulegen ist, ist die Kundgebung der freundschaftlichen Anteilnahme Englands an den Angelegenheiten dieser Staates. Die persönliche Popularität des Königs und seines kaiserlichen Neffen in ihren Ländern sollte beitragen, daß die beiden Nationen einander mit freundschaft- licheren unbsympathischeren Augen betrachten. Denn es liegt kein Grund vor, warum unser nationaler Wettbewerb verbittert werden soll durch falsche Darstellungen. In der Hoffnung, daß dieses bessere Verständnis durch einen freimütigen Gedankenaustausch gefördert wird, begrüßen wir die Besuche von Friedrichshof und Jschl.
3tWtlin§ Mit Am.
Friedrichshafen, 10. Aug. Ueber die nächsten Absichten des Grafen Zeppelin ist schon manches verlautet und sogar getadelt worden, daß bereits in wenigen Wochen ein neues Luftschiff fertig sein soll. Demgegenüber erfährt man, daß in bezug auf einen Neubau überhaupt noch gar keine Erwägungen getroffen worden sind. Der Gras ist überhäuft mit der Erledigung schriftlicher Sachen, die ihn vorläufig noch einige Tage vollkommen in Anspruch' nehmen. Das Resultat der Beratungen mit dem Geh. Regierungsrat Dr. Lewald, zu denen Dr. Linke als Sachverständiger hinzugezogen wurde, werden streng geheim gehalten. ES ist nur sicher, daß der wesentliche Teil der Besprechungen dazu diente, die Form der beiden Berichte festzulegen, die dem Reichsamt dcS Innern über den Unfall zugehen werden.
In eingeweihten Kreisen ist man über den Unfall nicht allzusehr betrübt. Der Ausgang ist geradezu die Grundlage dafür gewesen, daß der Graf nun ungestörter weiter arbeitet an seinem Problem, ohne von den Zuwendungen des Reiches abhängig zu sein. Ueberdics wußte man, daß sich bei dem alten Ballon noch eine Gewichtsersparnis von etwa 300 Kilogramm hätte erzielen lassen. Es war aber zu spät, um diesen
nochmals möglich, daß auch für ihn wieder ein ordentliches Leben begänne. Wie ein sehnsüchtiger Hauch zog es jetzt oft durch seine Seele, seine ganze Vergangenheit zu begraben und ein neuer tüchtiger Mensch zu werden. Und diese Sehnsucht wuchs und wuchs, und stieg zu gewaltiger Flamme empor, die wie ein Opferbrand vor dem Bilde der Roserl brannte.
Inniger schloß er sich an den Bergschießl an, der nun, nachdem ihn die Nachbarn nach Möglichkeit mieden, froh war, wenigstens einen zu haben, der zu ihm hielt.
Und eines Sonntag abends, als der Hinterleitner den Bergschießl vom Wirtshaus ein Stück Wegs begleitete, konnte er fein Herz nicht mehr bemeistern und sprach: „Du, i hätt' eigentlich mit dir was recht Ernstes zu reden."
„So, nur heraus damit. Hoffentlich is's nix Schlechtes für mich."
„Das grad nit. Aber du mußt mir versprechen, daß du mich ruhig anhörst, denn, weißt, mit so ein paar Wort is das nit g'sagt."
„Also red, i werd' schon aufpassen."
„Siehst, Bergschießl", begann nun der Hinterleitner langsam, nach Worten suchend, „i bin im ganzen Dorf und in der ganzen Gegend als Lump auSgeschrien. Und die Leut' haben nit ganz unrecht. Warum i'S worden bin, darum fragt freilich keiner. Du wirst es ganz gut wissen, daß mein Vater in der Wirtschaft viel Unglück g'habt hat. Aber er hat immer getan, als tät ihm das nit viel, und hat in der Still Geld auf Geld aufs HauS ausgenommen, ohne daß er nur einem Menschen waS davon g'sagt hätt'. Und mir hat er schon gar nix g'sagt. I bin alleweil der junge Bub für ihn g'west, der von solche Sachen nix versteht, und den'S nix angeht. So hab i glaubt, eS steht mit uns ganz passabel und hab mir nix abgehn lassen. Da aus einmal stirbt der Vater und i muß das HauS übernehmen. Jetzt sind mir die Augen ausgangen. Von alle Seiten sind's jetzt kommen um ihr Geld, und da sind der ganze schöne Wald, die Alm, die besten Wiesen und Aecker auf einmal hing'west. Da hab i in meiner Zaghaftigkeit und in mein' Zorn zum Trinken angefangen und wie's weiter worden iS, daS weißt ja selber."
1908.
Vorteil dem jetzt zerstörten Luftschiff zugute kommen zu lassen. Wenn diese Gewichtsersparnis jetzt nur zur Hälfte für die Verstärkung des Motors zur Anwendung gelangt, so ist für dessen Betriebssicherheit bereits manches erreicht und die übrige Gewichtsersparnis kann dem neuen Luftschiff zustatten kommen.
Alle Gerüchte in bezug auf bestimmte Pläne in bezug auf einen Neubau sind völlig unzutreffend. Es scheint dagegen weniger wahrscheinlich zu sein, daß Zeppelin den neu zu erbauenden Ballon vergrößern wird. Wenn Graf Zeppelin in seiner bekannten Erklärung zugibt, daß der Mangel an Erfahrung in der Ballonführung die Mitschuld an dem Unglück treffe, so ist daS nach guten Informationen dahin zu deuten, daß eS nicht praktisch war, am frühen Morgen die beiden Motore laufen zu lassen, bei der um diese Zeit noch kühlen Witterung genügte die mit einem Motor zu erzielende Geschwindigkeit vollkommen, um die Höhenlage in der Kontrolle zu haben. Man konnte dann beide Motore abwechselnd laufen lassen, bis die steigende Wärme oder Gasverlust eine größere Geschwindigkeit erforderlich machten. In Wirklichkeit aber wurden die Motore zwecklos angestrengt, denn der Ballon fuhr bis Basel in drei Stunden bei einer Geschwindigkeit von annähernd 50 Kilometer in der Stunde seine höchste Geschwindigkeit zu einer Zeit, wo dies nicht unbedingt erforderlich war.
Daher ist hier beschlossen worden, vorläufig den alten Ballon betriebsfertig zu machen. Aber auch dies dürfte vor Mitte Oktober kaum möglich sein. Bis jetzt ist etwa ein Drittel des Gerippes zusammengestellt. Man beabsichtigt überdies den Ballon um 8 Meter, auf das Maß des verbrannten Ballons zu verlängern. Bei 13 Meter Durchmesser hatte der verbrannte Ballon ein Gewicht von 15 200 Klgr. und annähernd die gleiche Kapazität in Kubikmeter. DaS Modell 3 dürfte nach der Verlängerung bei 11,70 Meter Durchmesser etwa 12 750 Klgr. Gewicht haben. Das alte Modell erhält die ihm fehlende Schwanzflosse für die horizontale Stabilisierung und im übrigen beabsichtigt man die Motore zu ändern. Sie haben jetzt 85 Pferdestärke, sind aber zurzeit in den Werken von Untertürkheim, um auf 100 Pferdestärke gebracht zu werden. Erforderlich war diese Verstärkung, um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen.
Grubenkatastrophe im Saarrevier.
Ein folgenschweres Grubenunglück, dem mehr als ein Dutzend wackerer Bergleute zum Opfer gefallen sind, hat sich in der Grube Dudweiler im Saarrevier ereignet. Die Ursachen der Katastrophe konnten noch nicht mit Sicherheit festgcstellt werden, doch vermutet man, daß es sich um eine Explosion schlagender Wetter handelt. Einzelheiten über das Unglück werden in nachstehendem berichtet:
Saarbrücken, 11. August. Die Katastrophe auf Grube Dudweiler erfolgte gestern abend gegen IOV2 Uhr auf der dritten Sohle bei Flötz 15 gerade vor Beendigung der Nachmittagsschicht. Gleich nach der Explosion fuhr eine
Der Bergschießl nickte schweigend mit dem Kopfe, dann sah er schweigend auf: „Und?"
„Ja, und siehst, Nachbar, i glaub', es könnt' doch noch einmal anders mit mir werden, wann i ein tüchtiges Weib krieget. Kraft hab i, verstehn tu i die Wirtschaft auch, und ein bißl was, zum Anfängen', gehört ja, Gott sei Dank, noch mein. I brauchet nur ein tüchtiges Weib dazu, das selber die Wirtschaft versteht und mir Freud macht. Und siehst, so ein Weib für mich wäre halt deine Roserl. Brauchtest ihr nit viel mitzugeben. Nur so viel, daß i das Haus ein wenig Herrichten lassen kann und ein paar Stückl Vieh dazu. DaS wär' alles, und das sag i dir: i möcht beweisen, daß i arbeiten kann und daß in mir mehr steckt, als ein Lump. So das is's, was i auf dem Herzen g'habt hab, und jetzt überleg dirs und sag mir deine Meinung."
Der Bergschießl war von dieser Eröffnung so überrascht, daß er augenblicklich kein Wort der Entgegnung fand. Mit nachdenklich vorgebeugtem Haupte schritt er neben dem Hinter- leitner einher und sog mit heftigen Zügen an seiner Pfeife, bis diese plötzlich ausging.
Da blieb er stehen und während er sie wieder stopfte, erwiderte er endlich: „I kann dir nit gleich so antworten, wie du's willst, weil mir die Sach' ein bißl zu jäh kommen is. I sag nur so viel, und du wirst nit bös sein, wann i auch ganz aufrichtig red, die beste Rekommandation hast du bei einem Dirndl nit. Ob dirs meine Roserl glaubt, wannst sagst, daß du wieder ein ordentlicher Bauer werden willst, is eine große Frag'. I hätt nix dagegen. Du hast zu mir g'halten, und das vergiß i dir nit, und g'freuen tät's mich, wann i sagen könnt: „Sehts, Leut, i, der Bergschießl, dem ihr alle ausweicht, i hab den Hinterleitner wieder zu was g'macht. Und auf einen Tausender und ein paar Stückl Vieh käms mir auch nit an. 's Geld müßt i zwar aufnehmen, aber das könnt' i schon leisten. Aber's Dirndl, da liegt der Hund, ob die will. Denn weißt, zwingen tu i die Roserl nit."
„Müßtest halt mit ihr ordentlich reden, und ihr alles sagen, was i dir g'sagt hab. I mein', wann du willst, kannst es zuweg bringen."
Noch eine geraume Zeit redete der Hinterleitner aus den