müdlichen Vorkämpfers der deutschen Luftschiffsahrt zu zerstören droht, ist es Pflicht eines jeden vaterlandsliebenden Mannes» durch rasches Handeln helfend einzutreten.
Jeder Deutsche trage zur möglichst schnellen Beschaffung eines deutschen Luftschiffes bei» indem er einen Beitrag an die Sammelstelle des deutschen Reichskomitees in Berlin sende.
Wir müssen den einmal gewonnenen Vorsprung im Kampfe um die Beherrschung des Luftmeeres unter allen Umständen behaupten.
Das Ehrenpräsidium Wilhelm,
Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen.
Der Schwäbische Merkur meldet aus Friedrichshasen, daß die Summe, die bis jetzt für den Grafen Zeppelin gezeichnet wurde, nach oberflächlicher Zusammenstellung etwa 1800 000 Mark betrage. Beständig laufen ganze Stöße von Wertbriefen und Postanweisungen für den Grafen Zeppelin ein. Die heutige Morgenpost konnte bis Mittag noch gar nicht erledigt werden. — .Die Ausräumungsarbeiten in Echterdingen sind vollendet. Das Aluminiumgerüst wurde zersägt, zwei Waggons gingen sofort nach Manzell ab, zwei weitere an die Fabrik zum Einschmelzen. Die Gondeln sind noch recht gut erhalten, der Hintere Motor war sogar noch betriebsfähig und lies noch.
Der Kaiser überwies dem Deutschen Reichskomitee zur Ausbringung einer Ehrengabe an den Grasen Zeppelin für den Bau eines neuen Luftschiffes 10,000 Mark.
Friedrichs Hafen, 8. August. Oberingeneur Dürr äußerte, daß sofort mit dem Bau eines neuen Luftschiffes begonnen wird. Als wichtigste Lehre aus der Dauerfahrt habe zu gelten, daß die zur Fortbewegung des Luftschiffes dienenden Motore bei gleicher Leistungsfähigkeit weit kräftiger gebaut werden müßten. Das schwerere Gewicht, das sich dadurch ergebe, soll durch eine anderweitige Gewichtsersparnis ausgeglichen werden. Die Pserdekraftstärke der Motore habe sich als ausreichend erwiesen. Neben dem Neubau soll zunächst das Modell 1907 flott gemacht werden.
S t u t t g a r t, 8. August. Vom Diplomingenieur Grafen Zeppelin junior erhielt der Schwäbische Merkur folgende authentische Darstellung der Katastrophe bei Echterdingen:
Friedrichshasen, 8. August. Das am 5. August morgens 7 Uhr 51 Min. auf freier Wiese zwischen Echterdingen und Bernhausen ohne jede Beschädigung glatt gelandete Luftschiff wurde um 2 Uhr 55 Minuten durch eine quer ankommende sehr heftige Gewitterböe aus seiner Verankerung losgerissen. Der am Luftschiff zur Bewachung zurückgebliebene Monteur Schwarz begab sich kaltblütig und entschlossen nach der vorderen Gondel und zog die Ventile. Hierdurch wurde das Luftschiff nach einem Sprung von 1150 Metern wieder zur Erde gebracht und entflog nicht wie die Patrie. Im Momente des Streifens über Bäume beim Hinuntergehen schoß oben bei den Ventilen eine Flamme empor. Nach völlig einwandfreier Bekundung des Monteurs Schwarz und den Angaben aller außenstehenden Augenzeugen war in der Gondel oder an der Unterseite des Luftschiffes zu diesem Zeitpunkt kein Brand entstanden. Demnach ist völlig ausgeschlossen, daß die Entzündung durch Unvorsichtigkeit oder Leichtsinn der Bedienung oder der Zuschauer entstand, ebenso, daß Benzin- Entzündung oder dergleichen die Ursache des Brandes war. Beide Motoren waren seit früh 8 Uhr außer Betrieb. Keinerlei Arbeit mit offener Flamme wie Löten usw. war vorgekommen. Es ist sonach, wie auch bei früheren Ballonexplosionen, die Ursache ausschließlich auf elektrostatische Entladung mit Funkenbildung zurückzusühren. Die Vorbedingungen hierzu waren besonders günstig, da die atmosphärische Elektrizität durch das herrannahende Gewitter in höchstem Maße gesteigert sein mußte. Nach früheren Messungen konnten hierbei Spannungen bis zu 100 000 Volt entstehen, welche sich im Augenblick der Berührung des Luftschiffes mit den Bäumen durch Fuuken von 5 bis 10 Millimeter Länge ausglichen. Zweifellos ist durch einen solchen Funken der aus den Ventilen ausströmende Wasserstoff, der sich mit der Luft mischte, zur Entzündung gebracht worden. Die Gasverfüllung verbrannte in etwa 10 Sekunden, die Hüllen und andere Stoffteile in etwa 8 Minuten. Gleichzeitig schmolzen oder verbogen sich Aluminiumteile. Monteur Schwarz, der erst im letzten Augenblick die Gondel verließ, erhielt durch Herabtropfen des Aluminiums Brandwunden und Labourdas wurden beim Aufprallen des brennenden Luftballons schwer verletzt. Entzündungen dieser Art konnten bei allen Luftschiffen vorkommen. Ein Luftschiff mit Metallgerippe ist hiergegen geschützter als andere.
Graf Zeppelin junior.
Friedrichshafen, 8. August. Graf Zeppelin veröffentlicht folgende Mitteilung:
Motorschäden und Mangel an Erfahrung in der Führung
Wie schnell ertrinkt ein Mensch?
Hierüber lesen wir in der dänischen Zeitschrift „Frem" folgendes: Wie lange ein Mensch unter Wasser sein kann, ohne zu ersticken, ist eine sehr umstrittene Frage. Die langen Zeiträume, die man nennen hört, wo es sich um Unglücks- fälle handelt, sind sicher nicht glaubwürdig. Teils erscheint einem ja in solchen Fällen die Zeit immer lang, und selten steht einer dabei mit der Uhr in der Hand, um die Zeit zu messen, teils steigt ein Ertrunkener mehrere Male an die Oberfläche und kann auf diese Weise Gelegenheit bekommen, wenigstens einen vereinzelten Atemzug zu tun, etwas, das nicht immer mit in Rechnung gezogen wird. Anderseits weist man auf Korallen-, Perl- und Schwammtaucher und die berufsmäßigen „Wassermänner" hin, die in den letzten Jahren öffentlich auftreten und in großen, wassergefüllten Glasgefäßen Vorstellung geben. Die zeigen jedoch nur, wie lange ein Mensch freiwillig, ohne die Besinnung zu verlieren, unter Wasser bleiben kann, aber die Zeit zwischen Eintritt der Bewußtlosigkeit und des Todes kann verhältnismäßig lang sein.
Taucher, ohne Tauchertracht natürlich, bleiben selten oder nie mehr als 2 Minuten unter Wasser, in der Regel nur 1—1V2 Minuten. Und dennoch werden viele dadurch stark mitgenommen, werden ohnmächtig, bekommen Krämpfe und Blutungen und sterben oft an Schlagfluß. Dies ist jedoch wohl mehr eine Aeußerung des hohen Druckes, dem sie sich aussetzen, indem sie in Tiefen bis zu 200 Fuß hinuntersteigen, und des plötzlichen Aufhörens desselben, wenn sie wieder emporkommen, als eine Folge des angehaltenen Atemzuges, denn es ist sicher, daß die in Varist4s und an anderen ähnlichen Stellen austretenden „Wasserkünstler" weit länger unter Wasser bleiben ohne diese üblen Folgen. Auch in dieser Beziehung werden „Rekorde" gestellt, die Jahr sür Jahr immer höher getrieben werden. Vor einigen Jahren zeigte sich in London eine Dame, die 3 Minuten unter Wasser blieb. Darauf trat Hood in Amerika auf und besiegte sie mit 1. Min. 8 Sek. Daraus setzte James Finney in London einen neuen Rekord mit 4 Min. 29Vi Sek., „Prosessor"
haben mich zweimal zum Länden aus dem begonnenen Daucrfluge meines Luftschiffes genötigt. Auch die Landung auf festem Boden vollzog sich vollkommen glatt. Unerwartet ausgetretene elementare Gewalten haben dann das schöne Fahrzeug zerstört. Mittel und Wege sind bekannt, um solche Vorkommnisse immer seltener werden zu lassen, sodaß die Luftschiffe bald zu den betriebssichersten Fahrzeugen zählen werden. Das ist auch der begeisterte Wunsch des deutschen Volkes. Nur ein Wille beherrscht alle, hoch und nieder, alt und jung. Alle verlangen, daß ich ungebeugt durch den harten Schicksalsschlag dem Vaterlande ein neues Luftschiff bauen soll, und alle spenden an Mitteln, was in ihren Kräften steht. Diese einmütige nationale Bewegung, die ihren. Eindruck in der Welt nicht verfehlen wird, ergriff mich mit un- widerstehlicher Macht. Meine Wehmut ist in stolzes Glücksgesühl gewandelt und mit gerührtem Dank, und in freudiger Begeisterung übernehme ich den mir von der Nation gewordenen Auftrag zum Wiederbau des Luftschiffes. Für einkommende Spenden habe ich die Allgemeine Rentenanstalt in Stuttgart bestimmt, bei der eine besondere Rechnung unter dem Titel „Nationaler Luftschiffbaufonds sür Gras Zeppelin" geführt werden wird. Dahin bitte ich die Spenden richten zu wollen, und werde ich die unmittelbar an mich gelangten leiten. Ich beabsichtige den Herrn Reichskanzler um Bestimmung einer Kontrolle über die Verwendung des Fonds im Sinne der Spender zu bitten. Gras Zeppelin."
Mr 3fr und Ausland.
Ihre Kaiserlichen Majestäten sind mit Gefolge unter den begeisterten Zurufen der Voksmenge gestern nachmittag 2V* Uhr im Hoszuge von Swinemünde abgereist und abends um 6V2 Uhr in Berlin aus dem Stettiner Bahnhof eingetroffen. Zum Empfange waren erschienen Oberstallmeister Frhr. v. Reischach, der Kommandant von Berlin, Generalmajor v. Boehn, Polizeipräsident von Stubenrauch und die Herren des engeren militärischen Gefolges, die an den Reisen des Kaisers nicht teilgenommen hatten. Aus der Straße hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge gesammelt. Als erster entstieg dem Salonwagen Se. Majestät der Kaiser in Marineuniform. Es folgte Ihre Majestät die Kaiserin, Allerhöchstwelche ein resedasarbenes Reisekostüm und einen Straußsederhut trug. Der Kaiser zog zunächst den Polizeipräsidenten und später den Oberstallmeister in ein kurzes Gespräch. Dann begab Sich das Kaiserpaar durch das Fürstenzimmer zu dem vor dem Bahnhof harrenden Automobil. Durch die Invaliden- und Gartenstraße ging die Fahrt zum Schloß, auf dessen Zinnen die Königsstandarte aufgezogen wurde. Ueberall bereitete das Publikum dem heimkehrenden Herrscherpaar eine herzliche Begrüßung.
Ueber ein Bombenattentat in'Altkirch im Elsaß berichten die „Straßb. Nachr.": Vor dem Kreisdirektionsgebäude in Altkirch explodierte eine Bombe und eine halbe Stunde später eine weitere vor dem Hause des Fabrikanten Gilardoni. In beiden Fällen wurde ein bemerkenswerter Schaden nicht angerichtet. Ferner wurden noch drei Bomben gesunden, die noch nicht geplatzt waren. Vom Täter sehlt jede Spur.
Der bedauerliche Streik d er Arbeiter auf der Werft „Vulkan" in Stettin hat nun doch alle deutschen Wersten zu der beklagenswerten Maßregel veranlaßt, eine Aussperrung über die Streikenden zu verhängen und zwar werden von der Aussperrung vom 12. August ab etwa 45 000 Arbeiter betroffen werden.
Von dem Fortgange der deutschenFlottenbauten erfährt man, daß von den großen Kriegsschiffen von je 18 000 Tonnen in diesem Jahre vier vom Stapel gelausen sind, und daß deshalb die erste deutsche Flottendivision mit den 18 000 Tonnen schweren Panzern schon im Jqhre 1910 zur See fahren wird.
Nach französischen Blättermeldungen soll mit Beginn des nächsten Jahres abermals eine neue Verteilung der englischen Kriegsflotte erfolgen, die wie die vorhergehenden zum Zweck hat, die im Kanal bezw. in der Nordsee stationierten Geschwader zu verstärken und ihre Operationsbasis nach den Häfen der Nordsee zu verlegen. Von der eigentlichen Kanalflotte, die jetzt aus 14 Linienschiffen und 6 Panzeckreuzern besteht, soll ein besonderes „Nordseegeschwader" abgezweigt werden, welches wahrscheinlich aus 4 Linienschiffen und 4 Panzerkreuzern bestehen und im Norden Schottlands stationiert werden soll.
In der serbischen S k u p s ch t i n a kam es zu ungeheuren Lärmszenen, da der altradikale Abgeordnete Misitsch
Beaumont in Melbourne schlug ihn 1893, indem er 4 Min. 35 Sek. unter Wasser in seinem Aquarium zubrachte, und endlich hat nun „Professor" Enoch einen Weltrekord von 4 Min. 46Vö Sek. gesetzt. Das ist also die jetzt bekannte Zeit- länge, während der ein Mensch durch Uebung das Atmen entbehren und unter Wasser bleiben kann, ohne das Bewußtsein zu verlieren.
Wie schon gesagt, muß die Zeit, die ein Mensch unter Wasser zubringen kann, ohne zu sterben, bedeutend länger sein, und es finden sich auch zuverlässige Angaben, die dieses bekräftigen. So ist ein zweijähriges Kind wieder zu sich gebracht worden nach Verlauf von 10 Min., ein junger Mann nach 14 Min. Es finden sich mehrere zuverlässige Berichte darüber, daß Ertrinkende wieder belebt worden sind, nachdem sie V* Stunde unter Wasser zugebracht hatten, aber diese Zeit muß wohl auch als Höchstgrenze hingestellt werden; in der Regel wird der Tod viel früher eintreten. Oft ist es erwiesen, daß der Verunglückte nur ganz kurze Zeit, 2—3 Min. oder noch kürzer, unter Wasser zugebracht hatte, und doch ist er gestorben, trotz langer und wohlgeleiteter Belebungsversuche. Dies erklärt sich zum Teil aus der bei den verschiedenen Menschen sehr verschiedenen Widerstandsfähigkeit, teils — ganz abgesehen natürlich von den Fällen, wo der Fall an und für sich tödlich gewesen ist — aus der außerordentlichen Einwirkung auf das Nervensystem, wie sie eine ähnliche sein kann bei plötzlichem Schrecken oder tiefer Sinnesbewegung. In Wirklichkeit sind bei Unglückssällen die Betreffenden oft gestorben, bevor sie das Wasser erreicht hatten.
Der neue Luft-Iorpe-o.
Die Firma Krupp in Essen hat die Patentrechte des von dem schwedischen Obersten Unge erfundenen Lufttorpedos angekaust, unter der Bedingung, daß die schwedische Regierung das Recht haben soll, von dieser neuesten Waffe in jeder Weise Gebrauch zu machen. Oberst Unze hat, nachdem er so seinen patriotischen Gefühlen gerecht geworden ist, ein ausgezeichnetes Geschäft gemacht, denn die Firma Krupp hat für die Patente dieses Lufttorpedos, das als die furchtbarste
behauptete, die Fortschrittspartei habe den Königsmord von 1903 veranlaßt. Die Nationalisten riefen: „Lügner, Schurke!" Misitsch, der sich auf sie stürzen wollte, wurde von seinen Freunden daran verhindert; die Sitzung wurde unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung bezeichnete Velikowitsch die Behauptung Misitschs als eine gemeine Lüge. Misitsch erwiderte, Velikowitsch sei für die Ermordung des Königs Alexander und Proklamierung der Republik nach der Tat gewesen. Die Liberalen hätten daraus gerechnet, daß sie zur Macht gelangen würden. Ribarac habe, als Gerüchte austauchten, daß er an der Verschwörung beteiligt gewesen sei, dies dementieren lassen. Ribarac bezeichnet dies als eine Lüge. Als Ribarac weiter erklärte, er wäre niemals sähig gewesen, für Geld zu morden, wurde von der linken Seite des Hauses gerufen: „Für 300 000 Dinars." Der Führer der Fortschrittspartei wies die Behauptungen Misitschs mit der Erklärung zurück, daß diese Partei von 1896 bis 1906 überhaupt nicht bestanden habe. Was einzelne Personen vielleicht auf ihre Rechnung unternommen hätten, könne der Partei nicht zur Last gelegt werden.
Ueber die surchtbaren Waldbrände in Britisch-Kolumbien
wird aus New-Iork berichtet: Die riesige Katastrophe die sich jetzt im Westen des amerikanischen Kontinents abspielt, scheint immer noch nicht ihren Abschluß erreicht zu haben. Meldungen aus dem Brandgebiet bestätigen, daß gegen 10 000 Menschen ihrer Heimat beraubt und völlig mittellos vor dem riesigen Flammenmeer fliehen, das vom Wind zu wilder Wut ausgepeitscht immer weiter um sich greift. Schon jetzt spricht man von 500 Toten; wie viel es genau sind, wird man wohl nie erfahren können, aber eher ist zu befürchten, daß die Zahl der Opfer größer ist als kleiner. Seit den Tagen von San Francisco ist Amerika von keiner so schrecklichen Katastrophe heimgeftlcht worden, wie dieser riesige Waldbrand sie darstellt. Hosler, Offen, Sparwood, Michelwith, Kostenay Valley, Fernie und andere Städte und Dörfer sind vollkommen vom Erdboden vertilgt. Der Schaden wird bereits auf weitaus über 80 Mill. Mark beziffert; welchen Umfang er schließlich erreichen wird, ist einstweilen gar nicht abzusehen. Am furchtbarsten war die Katastrophe in Fernie, das so rasch von den Flammen umzingelt wurde, daß mehr als 70 Leute nicht mehr Zeit fanden, das Städtchen zu verlassen, und so, an allen Seiten von einem roten Flammenmeer den Ausweg versperrt sehend, verzweifelt in ihren Häusern den Tod erwarteten und fanden. Der Flammenzug hat bereits über 100 Quadratmeilen Land durchwogt, Gebiete, die gerade in den letzten Jahren einen starken Zuzug von Ansiedlern zu verzeichnen hatten. Von furchtbarer Tragweite war es, daß bereits kurz nach dem Brande der Eisenbahnverkehr vollständig brach gelegt wurde. In weitem Umkreise wurden die Brücken zerstört, und damit wurde sowohl die Hülfeleistung von außen als auch die Flucht aus der Brandzone fast zur Unmöglichkeit. Mr. Carswell, ein Beamter der großen Nordbahn, unternahm das kühne Wagnis, das Eigentum der Bahn in Fernie zu retten, und blieb bis zum letzten Augenblick in dem Städtchen. Dann ergriff er auf einer Draisine vor den heranstürmenden Flammen die Flucht. Ein furchtbares Wettrennen entspann sich nun. Mit der Krast der Verzweiflung handhabte der Beamte den Handgriff seines Fahrzeuges; der Wind hatte sich verstärkt und trieb mit wachsender Geschwindigkeit die dumpsrollenden und knisternden Flammen durch Forst und Feld. Eine Zeitlang gelingt es dem Beamten, einen kleinen Vorsprung zu gewinnen. Er kommt vorüber an Stellen, wo tot und verkohlt Bahnarbeiter liegen, die bereits als Opfer der Flammen und der Glut ihr Ende gefunden haben. Schon wähnte er sich gerettet, als er an eine Stelle kam, wo die Schienenstrecke von dem Feuer zerstört war. Er mußte von seinem Fahrzeug herunter und, alle Krast zujammenraffend, zu Fuß die Flucht fortsetzen. Schließlich gelingt es ihm doch, nach Cranbrook zu entkommen; aber seine Kleider sind verbrannt und verkohlt und ihn selbst schafft man als einen halb Ohnmächtigen ins Hospital. In Sparwood versuchte Mr. Vorester mit seiner Frau und 25 tapferen Männern das Städtchen noch im letzten Augenblick zu retten. Allein nicht schnell genug werden sie fertig mit den Vorsichtsmaßregeln, das Feuer überrascht sie, und nun muß die wackere Schar Hals über Kopf die Flucht ergreifen, einem ungewissen Schicksal entgegen. Rechts und links begleiteten sie die Flammen auf ihrer verzweifelten Jagd. Fünf der Männer bleiben als Opfer der Hitze auf dem Wege liegen und sind wenige Sekunden später in knisternde Lohe gebettet. Die anderen erreichen einen kleinen Flußlauf, stürzen sich hastig in das Wasser und in den Wellen watend und kriechend suchen sie
Zerstörungswaffe, die je erfunden wurde, bezeichnet wird, eine große Summe bezahlt. Ueber den Lufttorpedo werden erstaunliche Mitteilungen gemacht. Oberst Ungcs Torpedo kann abgeschossen werden, ohne daß ein Rückschlag erfolgt. DaS Torpedorohr ist leicht und kann schnell von Ort zu Ort bewegt werden. Das Lancierrohr ist auf einem Automobil befestigt, kann leicht abgeprotzt und ohne besondere Vorbereitungen abgeseuert und auch viel schneller in die Feuerstellung gebracht werden als die Geschütze der Feldartillerie. Die Waffe kann in jeder Art der Kriegführung benutzt werden. Bei Belagerungen von Festungen muß sie an den stärksten Verteidigungswerken furchtbare Verheerungen anrichten. In offener Feldschlacht kann das Torpedo ebenso gegen Truppenverbände wie gegen Truppen in gedeckter Stellung geschleudert werden. Die Tatsache, daß das Torpedo geräuschlos abgefeuert werden kann, macht es dem Feinde schwer, die Stellung der an= greisenden Torpedobatterie auszufinden. Bei der Küsten- verteidigung könnte ein Lufttorpedo so abgefeuert werden, daß es auf dem Verdeck feindlicher Schiffe niederfällt. Oberst Unze hat für den Marinegebrauch ein Lufttorpedo größeren Kalibers erfunden, und so können in Zukunft Kriegsschiffe mit Torpedos über und unter der Wasserlinie beschossen werden. Für den Gebirgskrieg wird ein kleinerer Typ der Torpedos konstruiert, wo es noch in Gegenden Dienst tuen kann, die für die jetzige Gebirgsartillerie unerreichbar sind. Die militärischen Sachverständigen erklären das Luft-Torpedo für eine epochemachende Erfindung, die der modernen Kriegsführung einen neuen Schrecken hinzufügt.
— Naumburg, 7. August. Aus eigenartige Weise verunglückte im Eishause des hiesigen Schlachthofes der Geselle des Fleischermeisters Kunthe. Er hatte aus einer Leiter von einem Haken ein Stück Fleisch herabgenommen und glitt dabei so unglücklich aus, daß der Haken sich ihm in die Achselhöhle bohrte, so daß er an dem Haken hängen blieb. Mit einer schweren Verletzung wurde der Verunglückte ins Krankenhaus gebracht.