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Die kleine Bahn, aus der in diesem Jahr zum ersten Mal öffentliche Rennen gelaufen wurde, ist geradezu vorzüglich. Die Kurven sind mit Sachverständnis angelegt, die Hindernisse fair und mit Fängen sachgemäß eingefaßt. Um die Anlage der Bahn wie um die Organisation des Ganzen hat sich Ober­leutnant Steudner ganz besondere Verdienste erworben. Der technische Betrieb wickelte sich ausgezeichnet ab, was sicher nicht bei jedem kleinen Platz der Fall ist. Das Richteramt hatte Rittmeister der Reserve Braun-Oberrode, die technische Leitung hatte Hauptmann Baun übernommen. Die Starterflagge führte Major Kutscha mit der Routine und Sicherheit eines Berufsstarters. Besonders im Preis der Stadt Hersfeld gelang ihm ein ausgezeichneter Start. Landstallmeister von der Marwitz wohnte den Rennen bei. Auch aus den umliegenden größeren Städten waren zahlreiche Besucher herübergekommen, um die Rennen zu sehen.

I . Eichhof-Jagd-Rennen. Ehrenpreis, gegeben von Herrn Drescher dem Reiter des Siegers. Ehrenpreis dem Reiter des zweiten, dritten und vierten Pferdes. Herren- Reitcn. Distanz 2500 Meter.

Lt. v. Gorrissen's br. W. Ziethen a. 82 Kg. . . Bes. 1 Hptm. Baun's F.-W. Madiar a. 82 Kg. . . . Bes. 2 Hrn. A. Rechberg's F -W. Trojan a. 82 Kg. Lt. Steudner 3 Hrn. Braun Oberrode's br. St. Olga a. 82 Kg. Lt. Naendrup 4 Hrn. A. Rechberg's br. W. Nebukadnz. a. 79 X^. Lt. v. Oheimb 0 Hrn. C. Baumann's F.-St. Anita 5j. 80 Kg. . . Bes. 0

2 8. 1 L. 4 L. Wert: Ehrpr. Ehrpr. Ehrpr. Ehrpr.

Ziethen führte vom Start mit Trojan an nächster Stelle. An der ersten Hürde brach Anita aus. Ueber den Wall kamen die Pferde in der Reihenfolge Ziethen, Trojan, Nebukadnezar, Olga und Madiar. Im Einlaufsbogen fetzte Ziethen noch mehr Dampf auf, während hier Madiar in's Vordertreffen ge­bracht wurde. Nach der Einlaufshürde versuchte Madiar, dem führenden an die Gurten zu gehen, konnte aber nur Trojan passieren und blieb schließlich mit zwei Längen geschlagen, dann Troja vor Olga. Nebukadnezar wurde zuletzt nicht mehr ausgeritten und kam knapp vor der nachgerittenen Anita ein.

II. S t. Lullus-Steeple-Chase. Ehrenpreis, gegeben von Herrn Fritz Rechberg, dem Reiter des Siegers und drei weitere Ehrenpreise vom Verein. Distanz 3000 Meter.

Hptm. Wols's (11. Art.) schwbr. W. Clorios v. Alarm-

Jenny Sun a. 79 Kg....... Bes. 1 Lt. Liebe's br. W. Murillo a. 79 Kg.....Bes. 2 Lt. Steudner's br. St. Genofeva a. 79 Kg. . . Bes. 3 Lt. Wilke's br. W. Mazeppo a. 79 Kg.....Bes. 4 Hrn. C. Baumann's br. W. Jakobiner 5j. 79Kg. Lt. v.Gorissen 0

3 L. 1 L. 2 L. Wert: Ehrpr. Ehrpr. Ehrpr. Ehrpr.

Genofeva führte das geschlossene Feld über den Graben und die Tribünenhürden. Nach der Hecke hinter dem Damm ging Clorios an die führende Genofeva heran, zog von der Einlaufshürde von den Anderen fort und gewann schließlich leicht gegen Murillo, dichtauf endete die zuletzt in der Geraden ermüdende Genofeva, vor Mazeppa. Jakobiner war nach dem Wall angehalten worden.

III. Preis des Kreises Hersfeld. (Landwirt- fchaftliches Rennen.)

IV. Preis der Stadt Hersseld. Ehrenpreis, dem Reiter des Siegers. 750 Mk. (davon 300 Mk. gegeben von der Stadt Hersseld). Distanz 4000 Meter.

Hptm. Wols's (11. Art.) F.-W. Montisant v. SaintBrise-

Montague Noire 5j. 75 Kg......Bes. 1 Rittm. Roos' F.-St. Hedwig 4j. 74 Kg. . Lt. Sichler 2 Lt. Wilke's schwbr. W. Hildebrand 5j. 77 Kg. . Bes. 3 Hrn. C. Baumann's F.-St. Elfe 5j. 75 V2 Kg. Lt. v. Gorissen 4 Lt. Sardemann's Sch.-St. Meta a. . . . . Lt. Liebe 0 V.« L. - 2 L. 15 L. Wert: Ehrpr. u. 390 Mk. 190 Mk. 90 Mk. 40 Mk.

Hedwig sührte über die ersten Sprünge, am Graben blieb Meta stehen, wurde aber hinübergebracht und nachgeritten. Am Wall lagen Montifaut, Hedwig und Hildebrand zusammen, Else begann hier zurückzufallen. Die Einlaufshürde sprangen Hedwig und Montifaut zusammen, gleich darnach mußte jedoch Hedwig geritten werden. Obgleich Montifaut von Anfang an das bessere Ende für sich hatte, konnte er doch erst zum Schluß die scharf gerittene Gegnerin abschütteln. Hildebrand war Dritter vor Elfe, dichtauf die zuletzt noch ausgekommene Meta.

V . Hessen-Preis. (Landwirtschaftliches Rennen.)

V I. Tro st-Jagd-Rennen. Für solche Pferde, die in den Rennen I. und II. unplazirt gelaufen sind. Drei Ehrenpreise. Distanz 1500 Meter.

Hrn. C. Baumann's F.-St. Anita 5j. 77 kg. . . Bes. 1 Hrn. A. Rechberg's br. W. Nebucadnez. a. 77 kg. Lt. v. Oheimb. 2 Hrn. C. Baumann's br. W. Jakobiner 5j. 77 kg. Lt. v.Gorrisscn 3

1 L. Weile. Wert: Ehrpr. Ehrpr. Ehrpr.

Nebucadnezar führte vor Anita und Jakobiner. Im Einlauf ging Anita an dem Walach des Herrn Rechberg vorbei und gewann leicht. Nach einer Weile Jakobiner.

Oermiscbtes.

(Großer Brand in Donaueschingen.) Am Mittwoch brach Großfeuer aus. Das Feuer soll an mehreren Stellen zugleich ausgebrochen sein. Die Entstehungs­ursache ist unbekannt. Ein heftiges Gewitter mit starken Regengüssen hinderte das Feuer an seiner weiteren Ausdehnung.

Ganze Häuserreihen liegen in Schutt und Asche. Infolge des herrschenden Wassermangels und des rapiden Umsichgreifens des Elementes waren die Feuerwehren geradezu machtlos. Pioniere aus Kehl sind zur Hilfeleistung unterwegs. Die Tragweite des Brandunglückes läßt sich noch nicht übersetzen. Beim Ausbruch des Brandes, zu dessen Ausdehnung ganz besonders Flugfeuer beitrug, herrschte Südwind. Die Wehren aller Städte und Ortschaften der Umgegend eilten in Extra­zügen herbei. Das Feuer entstand wahrscheinlich im RestaurantZur Schmiede". Wohltuend berührte das väter­liche Zusprechen des Bürgermeisters Fischer an die Betroffenen. Einer Frau starb vor Schrecken das Kind in den Armen. Die Not ist groß. Nach direkter Meldung aus Donau- eschingen sollen gegen 130 Häuser verbrannt sein, darunter auch das Gefängnis. Die Trümmer brennen noch.

Ein tr agischer Unfall beim Baden hat sich in dem Badeort Champex in Wallis zugetrageu. Drei einer englischen Familie angehörige junge Leute nahmen im See von Champex ein Bad. Plötzlich verloren sie den Boden unter den Füßen und verschwanden in der Tiefe. Trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war, konnte man nur ein junges vier­zehnjähriges Mädchen dem nassen Element entreißen. Obwohl es das Bewußtsein bereits verloren hatte, hofft man doch, es am Leben erhalten zu können. Die beiden andern Verun­glückten, ein Fräulein und ein junger Mann von 20 und 25 Jahren kamen nicht wieder zum Vorschein. Der ganze See wird nunmehr nach ihnen abgesucht. Das Unglück ruft unter den Kurgästen von Champex, zu denen die Familie der Ertrunkenen gehört, große Bestürzung hervor.

Die zusammengebundenen Leichen eines Liebespaares wurden, wie die Kiel. Ztg. aus Plön berichtet, im Stocksee gesunden. Es handelt sich um den früheren Vor- knecht des Gutes Nehmten, den Vater von süns Kindern, und um die Tochter des Schmicdemeisters in Sande. Beide wurden schon seit Montag dieser Woche vermißt.

(Die Juwelenschätze des Gaekwar von B a r o d a.) Wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht lieft sich die Schilderung von den Edelsteinschätzen eines indischen Maharadscha, die derHindoc Patriot" gibt. Kein indischer Fürst kann sich eines solchen Schatzes rühmen wie der Gaekwar von Baroda. Eines der köstlichsten Stücke ist ein Teppich von etwa vier Meter Größe, der vollkommen mit Rubinen, Diamanten und Perlen bedeckt ist, die zu einem prunkenden phantastischen Muster sich zusammenschließen. An diesem leuchtenden Wunderwerk haben eine Reihe Juweliere drei Jahre lang ununterbrochen gearbeitet und der Wert des Stückes wird aus über 16 Millionen Mk. geschätzt. Noch kostbarer freilich ist eines der berühmten Halsbänder des Gaekwar, große prachtvolle Diamanten sind dazu verarbeitet worden und mehr als 40 Millionen Mark beträgt sein Wert.

(Die Fortschritte des Panamakanals.) Die Arbeiten am Panamakanal werden von den Amerikanern mit größter Energie gefördert, und den neuesten Nachrichten zufolge ist es auch mit der Zeit gelungen, das anfangs den Anforderungen wenig entsprechende Arbeitspersonal zu ergänzen und zu ihren Aufgaben zu erziehen. Die meisten Arbeiter, die jetzt am Werke sind, sind Fachleute, die aus allen Welt- gegenden herbeiströmen und meist bereits in den Tropen ge­arbeitet haben. Bei den Grabungen arbeiten zur Zeit nahe­zu 11000 Mann, während 5000 Arbeiter bei der Aus- baggerung beschäftigt sind. Weitere 5000 Mann sind bei den Konstruktionsarbeiten am Werke, so daß insgesamt 21000 Paar Hände an der Herstellung des Panamakanals arbeiten.

(Geschenke, die ihn nicht erreichten.) Den unzähligen Anekdoten vom russischen Hofe fügt die Nassanische Zeitung" folgende neue hinzu: Der verstorbene Geh. Hosrat Louis Schneider in Potsdam, der bekanntlich persona grata am russischen Hofe war, erzählte einst im engeren Kreise des Berliner Geschichtsvereins ein bezeichnendes Geschichtchen, das ihm persönlich widerfahren war. Er hatte ein neues Werk geschrieben und ein Exemplar in schönem Ein­band seinem Gönner, dem Kaiser von Rußland, übersendet. Es verging lange Zeit, Schneider hörte nichts über den Ver­bleib der Sendung. Als im nächsten Sommer der Zar durch Berlin kommt, empfängt er auch den Gehcimrat Schneider, und dieser erwähnt sein dem kaiserlichen Gönner überreichtes Opus. Der Kaiser gesteht, ein solches nicht zu kennen, da er es nicht erhalten habe, und fragt, in wieviel Exemplaren die Einsendung geschehen sei. Als er hört, es sei nur eins gewesen, tröstet er den Einsender mit den Worten: Lieber Schneider, wenn Sie nicht gleich mehrere Exemplare schicken, bleibt keins für mich übrig."

(Die Heuschreckenplage in Algier.) Aus den Grenzgebieten Algiers und von Tunis laufen jetzt gleich­zeitig die Alarmnarichten ein von dem Hereinbrechen gewaltiger Heuschreckenschwärme, die die Jahresarbeit der Bauern und Pflanzer vernichten und damit zu Vorboten einer verderblichen Hungersnot werden. Biskra, die prachtvolle reiche Oase, Lag- houat, Schellaha mit seinen entzückenden Gärten, sie alle sind von den gefräßigen Insekten vollkommen verwüstet, und jetzt sind die Schwärme bereits bis zur Umgebung von Algier, Arba und Rivet vorgedrungen und haben die sorgsam gepflegten schönen Kulturen fast vollkommen vernichtet. Man muß ein­mal in den Tagen dieser furchtbaren Plage in Afrika geweilt haben, um sich eine Vorstellung von diesen gewaltigen end­losen Wolken von Tieren zu machen, die in einer langen Linie, ost 100 Kilometer breit und mehr, wie ein Hagelwetter über das Land hinziehen. Man muß gesehen haben, wie diese Tiere sich in wildem Wirbel, gleich dem windgepeitschten

Flockenspiel des Schnees, auf den Boden niedersenken, Felder und Gärten buchstäblich zudecken und in kurzer Zeit die grüne Landschaft in ein ödes Bild abgenagter kümmerlicher Gewächse und kahler Bäume und Büsche umwandeln. Es ist eine wahre Ueberschwemmung, die über das Land hingeht, und wo man hinkommt, wo man Hinsicht, wo man Hintritt, an den Flußusern, an der Küste, auf den Feldern, in den Gärten oder draußen in der Wüste, überall kommen diese gefräßigen gierigen Insekten in wilden Hausen dahergekrochen. Anfang- sind sie grau, aber rasch werden sie braun, und schließlich schwarz. Ein ruheloses Rascheln, Knistern, Knattern begleitet ihren Einbruch. Und wo sie dann vorübergezogen sind, da liegt wenige Stunden später das Land öde und leer, und jede Pflanze, jedes Blatt und jedes Gras ist verschwunden. Fünf oder sechs heiße Tage genügen, um diese Plage über das Land herauszubeschwören. Dann, nach Ablauf der Frist, taucht im Süden, in der Wüstengegend die große schwarze Wolke aus, die man längst allzu genau kennen gelernt hat, und alles weiß, die Flut der Heuschrecken kommt. Der Präfekt von Algier hat seine Ferien in Europa unterbrochen, um auf seinen Posten zurückzukehren und für die Bekämpfung der Plage alle Maßnahmen zu treffen.

Cctzte Dachrichten.

Mannheim, 6. August. Die am 5. eingeleitete Samm­lung von Beiträgen zur Aufbringung von Mitteln für ein neues Luftschiff erbrachte beim deutschen Flottenverein bereits über 100 000 Mark.

Berlin, 6. August. Der Tägl. Rundschau zufolge waren dem Grafen Zeppelin von Amerika 20 Millionen für das ganze Unternehmen als Kaufpreis vor einiger Zeit angeboten worden. Graf Zeppelin hatte aber das Angebot abgelehnt.

Gießen, 6. August. Die Stadtverordnetenversammlung hat dem Grasen Zeppelin ihr Bedauern ausgedrückt und zum Bau eines neuen Luftschiffes 3000 Mark bewilligt.

D onaueschingen, 6. August. Das Großfeuer soll im Hause der Witwe Engers in der Weserstraßc dadurch ent­standen sein, daß Kinder mit Streichhölzern spielten. Das Amtsgebäude mit allen Akten ist verbrannt. Auch die Grnnd- bucheinträge von Immobilien der Einwohner sind nicht ge­rettet.

DonauLschingen, 6. August. Wie nunmehr feststeht, sind 120 Ortsgebäude und 168 Nebengebäude ein Raub der Flammen geworden. Der Gesamt-Gebäudeschaden wird auf IV2 Millionen geschätzt. Eine Frau und zwei Kinder sind bei dem Brande umgekommen. Aus der Fürst von Fürsten- bergschen Schenkung im Betrage von 40000 Mark sind sofort jedem Abgebrannten 10 Mark ausbezahlt worden. Die Burschenschaft Teutonia in Freiburg spendete 2000 Mark.

Wien, 6. August. Aus Belgrad verlautet, daß Fürst Nikolaus von Montenegro noch im Herbst zugunsten feiner Sohnes Danilo abdanken und vorher sämtliche in den Bomben- prozeffen Verurteilte, ungefähr 50, begnadigen werde.

Kirchliche Nachrichten.

Sonntag den 9. August.

Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Hebel auS KerSpenhausen. Vormittags V2II Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Parrer Feyerabend. Mittags V2I2 Uhr: Gottesdienst zu Petersberg.

Ev. Männer- u. ZüvglivgsVereiv. Sonntag 8 Uhr: Geselliges Beisammensein. Donnerstag 8% Uhr: Bibelstunde. Sonnabend 83/i Uhr: Gebetstunde.

Jugendabteilung Sonntag Nachmittag 3V26 Uhr. Zuagsrauevvereiu Sonntag von 46 Uhr sämtlich im Vereinshaus.

Hierzu eine Beilage sowie Nr. 32 des Illustrierten Sonntagsblatts" und Nr. 15 derIllustrierten Landwirtschaftlichen Beilage."

Oeffentlicher Wetterdienst

Dienststelle Weilburg (Landwirtschastsschule). Wetteraussichten für Sonnabend, den 8. August.

Abnehmende Bewölkung, TagS über wärmer, meist trocken.

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