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beiden verunglückten Monteuren ist einer tot, dem zweiten wurden beide Beine abgerissen, außerdem die rechte Körper- Hälfte völlig verbrannt; er wurde im Automobil nach Echter- dingen gebracht. Ein Soldat wird vermißt. Gras Zeppelin erhielt die erste Nachricht um 3 Uhr 15 Minuten durch einen Redakteur einer Stuttgarter Zeitung. Zeppelin stieg gerade vor demHirsch" in Echterdingen in sein Automobil, wo ihm die Bevölkerung eine begeisterte Huldigung darbrachte. In diesem Augenblick kam der Redakteur in seinem Automobil dort an und schrie in die Menge hinein:Zeppelins Ballon ist zerstört!" Kreidebleich wurde der Graf, der sich sofort im Automobil nach der Unglücksstelle begab, wo auch der Kriegs­minister weilt.

Gne andere Darstellung wird in nachstehendem gemeldet:

Echterdingen, 5. August. Der Unfall desZeppelinschen Ballons wurde dadurch verursacht, daß infolge eines überaus heftigen, plötzlich einsetzenden Gewittersturmes eine Gondel des Ballons in die Höhe gehoben wurde. Als sie wieder auf den Boden aufprallte, explodierte ein Motor und der betreffende Teil des Ballons fing Feuer. Mehrere Soldaten, die mit dem Halten der Gondel beschäftigt waren, wurden mit in die Höhe gerissen und bei der Explosion schwer verletzt. Graf Zeppelin stand tief erschüttert vor seinem vernichteten Lebens­werke; er wurde mit einem Automobil hierher gebracht. Die Zahl der Verwundeten steht noch nicht sest. Die im Augen­blicke des Unfalls anwesende Menschenmenge wird aus 4050,000 Personen geschätzt. Der Ballon wurde vom Sturme weggerissen und, in der Luft brennend, völlig ver­nichtet.

Ueber Einzelheiten des Unglücks, und über die Schuldfrage wird folgendes berichtet:

Echterdingen, 5. August. Die Schuld an dem Unglücksfall wird der nachlässigen Unachtsamkeit des Be­obachtungspostens zugeschoben. Man hatte bereits fünf Minuten vor Eintreffen des Sturmes am Landungsplatz in der Ferne Staubwolken, die der Sturm aufwirbelte, beobachten können. Trotzdem wurden keinerlei Vorkehrungen getroffen, um den Ballon, der nur schwach verankert war, zu sichern. Der Anker, der die Form einer Egge hatte, lag auch noch dazu mit dem Haken nach oben. Der Ballon selbst war nur an zwei schwache Pfähle durch Taue befestigt, die natürlich durch den Sturm sofort ausgerissen wurden. Etwa 40 Mann des Militärs versuchten noch, den Ballon niederzuziehen, doch wurde die Mehrzahl durch die Gewalt des Sturmes umgestoßen; nur 6 Mann wurden einige 50 Meter weit mitgeschleppt. In der Höhe von 3 Metern sah man noch einen Feldwebel schweben, der versuchte, den Ballon zu halten, dann mußte er auch ab­springen. Der Ballon flog ungefähr 600 Meter weit, dann senkte sich plötzlich die Spitze, der nachschleppende Anker hatte sich in einem Baum verfangen, und riß das Hindernis mit sich fort und prallte dann nach einer weiteren, rasend zurück­gelegten Fahrt mit voller Wucht auf den Erdboden auf und in diesem Augenblick sah man am hinteren Ende des Ballons weiße Rauchwolken aufsteigen, gleich darauf gab es einen furchtbaren Knall und eine Sekunde später sah man den Ballon in einer starken Rauchsäule verschwinden. Beim Davonfliegen des Ballons bemerkte man zwei Personen, von denen die eine aus der vorderen Gondel nach hinten ging, um den Motor einzustellen, was allgemein den Anschein er­weckte, als ob ein Aufstieg erfolgen sollte. Das Gerippe des Ballons ist vollständig verbeult und verbogen, die Zigarrenform ist kaum noch zu erkennen.

Die Ausräumungsarbeiten auf der Unglücksstätte hofft man am heutigen Freitag zu beendigen. Sie werden von dem Geschäftsführer des Grafen Zeppelin, Herm Uhland und einigen Ingenieuren geleitet. Eine Gondel, an der wertvolle Teile sich noch als brauchbar erwiesen, wurden in Sicherheit gebracht, desgleichen ein Motor, der auf dem verbrannten Rasen lag. Im übrigen ist nur noch das zusammengedrückte Gerippe des Luftschiffes erhalten geblieben. Als Ursache der Explosion wird nunmehr eine Selbstentzündung des Benzins angegeben.

Der Kaiser, der von dem Unglück sofort in Kenntnis ge­setzt worden war, hat an den Grafen Zeppelin nachstehendes Telegramm gesandt:

Erfuhr zu meinem aufrichtigen Bedauern, daß Ihr Ballon vom Gewitter zerstört worden ist, und spreche Ihnen bei diesem überaus unglücklichen Mißgeschick meine Teilnahme um so mehr aus, als ich und ganz Deutschland allen Anlaß zu haben glaubten, Sie jetzt zum Abschluß Ihrer epochemachenden, großartigen Leistung beglückwünschen zu können. Immerhin bleibt der erzielte Erfolg im höchsten Grade anzuerkennen und muß Sie über das erfahrene Unglück trösten. Wilhelm."

Ferner sind u. a. Beileidstelegramme eingegangen vom Reichskanzler Fürsten von Bülow und dem Staatssekretär des Innern.

Bezeichnend für den Anteil, den ganz Deutschland an dem tragischen Ereignis nimmt, ist die ungezählte Fülle von Bei­leidstelegrammen, die in Friedrichshasen eingehen, und die große Anzahl der Sympathieerklärungen von öffentlicher und privater Seite.

Friedrichshafen, 6. August. Gestern abend hatte sich lange schon vor Ankunft des Zuges, der den Grafen um 12 Uhr 10 Minuten nach Friedrichshafen bringen sollte, eine riesige Menschenmenge auf dem Bahnhof eingefunden. Als der Gras aus dem Wagen stieg und seine Tochter innig um­armte, drängte sich die Menge ringsherum und brächte ihm begeisterte Ovationen in nicht endenwollenden Hochrufen, in die lauter Zuspruch und Trost von allen möglichen Seiten hineinklangen, dar. Der Graf war sichtlich freudig ergriffen, dankte zuerst mit beschwichtigender Geste und sprach dann, als der Sturm sich etwas gelegt hatte, mit bewegter Stimme: Ich danke Ihnen für das große Vertrauen, das Sie als meine Mitbürger mir entgegcngebracht haben. Es war eben ein Unglück." Hierbei zuckte der Graf heftig mit der Schulter. Seine Tochter zog ihn an sich und sagte beruhigend:Laß doch, Vater!" Die Szene war so ergreifend, daß man feuchte Augen sah. Auf dem Wege zum Deutschen Hause wurden auf den Grasen immer wieder Hochrufe ausgebracht. Anläßlich der Bodenseeregatta vom 6. bis 9. August will das Komitee dem Grafen Zeppelin eine große Huldigung darbringen. Zeppelin hat diese Huldigung bereits angenommen. Er wird der ganzen Regatta beiwohnen und eine Rede halten.

Friedrichshasen, 6. August. Graf Zeppelin sandte an den Kaiser folgende Dankdepesche:Eurer Majestät aller- gnädigster Trostspruch verwandelte Trauer in Freude. Alleruntertänigster Dank dafür. Mit Begeisterung werde ich mich Eurer Majestät und des deutschen Volkes Auftrag zum Weiterarbeiten unterziehen. Gras Zeppelin."

Die privaten Sammlungen haben bis gestern (Donnerstag) mittag, soweit sich übersehen läßt, bereits IV2 Millionen Mark betragen. Die Berliner Börse hatte schon bis V23 Uhr 80 000 Mark gespendet. Ein Lübecker Senator hat für seine Person allein 100 000 Mark gegeben. Die Nordd. Allg. Ztg. sowie die Voss. Ztg. haben Sammel- stellen errichtet. Auch der Berliner Magistrat hat eine

Hilfsaktion eingeleitet und maßgebende Personen zu einer Besprechung eingeladen.

Essen, 6. August. Der Bergbauliche Verein Essen-Ruhr hat heute mittag dem Grasen Zeppelin ein Sympathietelegramm gesandt und ihm als Beihilfe zum Bau eines neuen Luftschiffes 100000 Mark überwiesen.

K ö l n a. R., 6. August. Die Sammluugen der Kölnischen Zeitung für den Grafen Zeppelin hatten heute abend die Summe von 33625,51 Mk. erreicht.

Aus > und Ausland.

Ueber den Besuch Ihrer Majestäten desKaisers und der Kaiserin in Schweden wird aus Stockholm gemeldet: Gestern nachmittag 2 Uhr fand beim König und der Königin von Schweden Familientasel statt. Für das Gefolge war eine Marschalltasel gedeckt. Um 3 Uhr besichtigte der Kaiser, vom König und der Königin begleitet, das Biologische Museum und das Nationalmuseum. Um 5 Uhr fand Familienthee beim Königspaar statt. Daraus begaben sich der Kaiser und die Kaiserin an Bord der Hohenzollern. Der König und die Königin sowie die übrigen Mitglieder der königlichen Familie begleiteten das Kaiserpaar bis zum Kastell Holmen; auch der schwedische Gesandte in Berlin, Graf Taube, und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden hatten sich eingesunden. Als die Majestäten sich an Bord der Dampspinaffe begaben, um nach der Hohenzollern zu sahrcn, wurden vom Kastell Holmen Kanonenschüsse gefeuert, und die Volksmenge brach in Hochrufe aus. Die Abreise der Kaiser­lichen Majestäten mit der Hohenzollern erfolgte in aller Stille ohne Salut um 3 Uhr Nachts. Ein schwedisches Torpedoboot- geschwader folgte den deutschen Schiffen bis Almagrunden, wo die letzten Grüße gewechselt wurden. Das Kaiserpaar begibt sich über Swinemünde nach Berlin, wo die Ankunft am 7. August, 6 Uhr nachmittags, stattfindet.

Die tatsächlichen Ausgaben für die Marine belaufen sich für das Jahr 1908/09: in Deutschland auf 329 Millionen Mark, in England auf 656 Millionen Mark. England gibt für seine Flotte also genau das Doppelte wie Deutschland aus.

Präsident Falliöres ist von seiner nordischen Besuchsreise wieder nach Paris heimgekehrt. Er berichtete im Ministerrate über seine Reise und gab seiner Befriedigung über den herzlichen und warmen Empfang Ausdruck, den er überall gefunden habe.

Das erst vor kurzem im Zusammenhänge mit dem Erlasse einer Verfassung für die Türkei ins Leben getretene neue türkische Ministerium Kutschuk Said Pascha hat schon wieder die Flinte ins Kom geworfen. Es reichte seine Entlassung ein, die auch vom Sultan genehmigt wurde. Im Mdizpalast dauern die Beratungen über die Bildung eines neuen Ministeriums fort. Auch in der persönlichen Umgebung des Sultans finden noch immer Veränderungen statt. Türkischen Blättern zufolge sind der erste Sekretär des Sultans Tachsin Pascha und der Kammerherr Ragib Pascha ihrer Posten ent­hoben worden. Zum ersten Sekretär des Sultans wurde Ali Dschewad-Bei ernannt. Der Chef der aufgelösten Konstan- tinopeler Geheimpolizei, Fehim Pascha, der auf Betreiben des deutschen Botschafters v. Marschall wegen vielfacher Amtsver­brechen seines PostenS entsetzt und dann nach Brussa verbannt worden war, wurde dort bei einem Fluchtversuche von der gegen ihn ergrimmten Volksmenge erschlagen.

Etwas Sicheres läßt sich über den Ausbau der japanischen Kriegsflotte nichtigen, weil in Japan selbst alles, was mit der LandesverteidigungWsammenhängt, geheim gehalten wird. Trotz der immer wieder betonten schlechten Finanzlage Japans hat sich das Gerücht verbreitet, daß das sogenannte Flottengesctz von 1907 ganz beträchtlich mehr Neubauten Vorsicht, als bisher verlautete. Von angeblich gut unterrichteter Seite wird behauptet, daß Japan außer den drei LinienschiffenAki",A" undB und den vier PanzerkreuzernKurama",Jbuli",E" undF" noch vier weitere Linienschiffe von je 20 800 Tonnen und fünf Panzer­kreuzer von je 18 500 Tonnen bewilligt bezw. im Bau habe. Durch diesen Zuwachs würde Japans Flotte im Jahr 1910/11 an die dritte Stelle aller Marinen gerückt sein.

Aus Provinz u. naebbargebkt

* (Personal-Chronik.) Ernannt: der bisherige Forstausseher Rüthnick zu Neukirchen, Oberförsterei Burghaun, vom I.Juli d. J. ab zum Förster 0. R.; an Stelle des aus dem Amte geschiedenen Bürgermeisters Schmerer der jetzige Bürger­meister B a t t e n b e r g zum Standesbeamten und für den letzteren der Schöffe Georg Otto zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk F r i e l i n g e n. Versetzt: der Oberförster Benecke von Burghaun zum 1. Oktober 1908 auf die Oberförsterstclle Steegen, Reg.-Bez. Danzig; der Strafanstaltslehrer Matern zum 1. August 1908 von der Strafanstalt Wartenburg an die zu Cassel-Wehlheiden. Entlassen: Der Regierungsreferendar Dr. v. Fischer- Treuenfeld auf seinen Antrag aus dem Staatsdienst.

* (Die fiskalischen Holzverkäufe in Hessen- Nassau.) Wie den jetzt veröffentlichen forstlichen Statistiken zu entnehmen ist, stellt sich der Holzertrag in den Staatsforsten des RegierungS-Bezirks Cassel für das Jahr 1906 wie folgt: Es wurden insgesamt 787 335 fm und zwar 338 043 fm Laubderbholz, 195 876 fm Nadelderbholz und 253 416 fm Reis- und Stockholz geschlagen. Auch Bau- und Nutzholz enthalten hiervon 225 602 fm und zwar 73 557 fm auf Laubderbholz, 146 992 fm auf Nadelderbholz und 5053 fm auf Reisholz. Auch Brennholz enthalten 561733 fm u. zw. 264 486 fm auf Laubderbholz. 48 484 fm auf Nadelderbholz und 248 363 fm auf Reis- und Stockholz. Bedeutend geringere Holzerträge lieferte der Regierungs-Bezirk Wiesbaden. Es wurden geschlagen insgesamt 245 490 fm, und zwar 145 084 fm Laubderbholz, 31526 fm Nadelderbholz und 68880 fm Reis- und Stockholz. Auf Bau- und Nutzholz entfallen hiervon 53 242 fm, und zwar 25188 fm auf Laub­derbholz, 26 201 fm aus Nadelderbholz und 1856 fm aus Reisholz. Aus Brennholz entfallen 192 248 fm, und zwar 119 899 fm auf Laubderbholz, 5325 fm aus Nadelderbholz und 67024 fm auf Reis- und Stockholz.

* (Neue Lokomotiven.) Aus der Strecke Bebra Frankfurt werden neue Lokomotiven eingefahren von un­geheurer Größe und einem Gewicht bis 1200 Zentner. Diese Kolosse sind mit den Rauchverbrennungsapparaten neuesten Systems ausgestattet. Dem 40 cm hohen Kamin entsteigt nur der Abdampf, als einziges Merkmal, daß die Maschine überhaupt geheizt ist. Hinter diesem vierachsigen Ungeheuer läuft noch eine schwere Lokomotive unter Dampf, die aber nur eingreift, wenn die Probemaschine versagen sollte.

* Ueber die Geschäfte bei den Gerichten Preußens und Waldecks veröffentlicht das Justizministerial­

blatt soeben eine Hauptübersicht, aus der wir hier eine Reihe interessanter Ziffern wiedergeben. Die Zahl der GerichtS- cingcsessenen betrug nach der im Jahre 1905 stattgehabten Volkszählung 37 352 451. Im Jahre 1907 waren 3379 Amtsrichter, 1288 Landrichter, 337 Landgerichtsdirektoren, 96 Landgerichtspräsidenten, 380 Oberlandesgerichtsräte, 70 Senats­präsidenten und 14 Oberlandesgerichtspräsidenten tätig. Ferner zählte das Berichtsjahr 1907 14 Oberstaatsanwälte, 108 Erste Staatsanwälte und 390 Staatsanwälte. Anhängig waren im Jahre 1907 bei den Amtsgerichten 1329165 gewöhnliche und 165254 Urkundenprozesse. Mündlich ver­handelt wurde 1813 693 mal. 4433 Konkursverfahren wurden eröffnet. Bemerkenswert ist, daß sich die Zahl der Privat- klagesachen von 1905 bis 1907 um mehr als 4000, nämlich auf 96 547 gesteigert hat. Bei den Landgerichten waren in erster Instanz 184 078 gewöhnliche und 13137 Ehe­prozesse anhängig, in zweiter Instanz 48 527 gewöhnliche Prozesse. Es fanden weiterhin 2690 Hauptverhandlungen vor den Schwurgerichten, 54 888 vor den Strafkammern in erster und 63 604 Hauptverhandlungen vor den Strafkammern in der Berufungsinstanz statt. Bei den OberlandeSgerichten wuchs die Zahl der gewöhnlichen Zivilprozesse von 23 773 (1905) auf 29 514 im Jahre 1907. In der Revisionsinstanz wurden vor Oberlandesgerichten im ganzen 5092 Strafprozesse geführt.

):( Hersfeld, 6. August. (Schöffengericht.) Ein Schlossergeselle und ein Bahnarbeiter, beide aus Meckbach, wurden wegen Körperverletzung verurteilt. Der erste erhielt 40 Mark Geldstrafe ev. 8 Tage Gefängnis, der zweite 20 Mark Geldstrafe ev. 4 Tage Gefängnis. Zwei Ueber- tretungen gegen polizeiliche Strafversügungen endeten mit Ver­urteilung der Beschuldigten. In einer Einspruchssache wurde auf Freisprechung erkannt, und eine andere wurde vertagt. Außerdem wurde eine Privatklagesache verhandelt.

):( Hersfeld, 7. August. Heute vormittag passierte eine Abteilung Train unsere Stadt. Dieselbe führte eine große Anzahl der verschiedensten Fahrzeuge mit sich, u. a. eine Feldküche, Vorratswagen, Lazarettwagen, eine Reichs-Feldpost, große und kleine Boote, Werk- und Schanzzcugwagen usw.

Weimar, 6. August, Einem Arbeiter aus dem benach­barten Dörnberg stieß heute vormittag ein folgenschwerer Un­fall zu. Der in den hiesigen Basaltsteinbrüchen beschäftigte junge Mann geriet unter einen mit Steinen beladenen Karren und zog sich schwere innere und äußere Verletzungen zu, sodaß an seinem Auskommen gezweifelt wird.

Guntershausen, 6. August. Der Hofbesitzer Werner in Rhünda stürzte heute vom Roggenboden auf die Scheunen- tenne und war sofort tot.

Herstelle a. d. Weser, 5. August. Der Gastwirt Hassel- Horst von Lüchtingen war auf dem Wege zum Anstand mit dem geladenen Gewehr über dem Rücken auf einen Wagen gestiegen. Bei einem plötzlichen Stoß des Wagens entlud sich das Gewehr, der Schuß drang dem Unvorsichtigen in den linken Arm und zerschmetterte ihn vollständig, so daß das Glied am anderen Tage amputiert werden mußte.

Heiligenstadt, 5. August. Ein Knecht des Landwirts Arand in Rengelrode schnitt zwei Kindern seines Dienstherrn die Kehle durch. Der Mörder ist flüchtig. Näheres wird hierzu noch mitgeteilt: Der Landwirt Heinrich Arand in dem eine halbe Stunde von hier entfernten Rengelrode war mit dem Einfahren des Roggens auf seinem Lande am sogen.Dün- bache" (nach Heiligenstadt zu) beschäftigt, wobei der Vater des A., der Knecht und zwei Kinder mithalfen. Nachdem eine Wagenladung voll war, begaben sich Arand und sein Vater ins Dorf, um ein zweites Fuhrwerk herbeizuholen. Als sie auss Feld zurückkehrten, bot sich ihnen ein fürchterlicher An­blick: Beide Kinder des Arand schwammen im Blute. Dem 9 Jahre alten Mädchen war die Kehle bis auf die Wirbel­säule durchschnitten; es war tot. Der 11 Jahre alte Knabe hatte ebenfalls einen tiefen Messerstich im Halse. Er lebte noch und nach den Aussagen des Knaben hat der auf dem Felde zurückgebliebene Knecht Josef Heimbrodt die Tat be­gangen. Gegen V27 Uhr starb auch der Knabe unter den Händen des aus Heiligenstadt herbeigerufenen Arztes. Der Knecht ist flüchtig. Die Gründe, die ihn zu der schaurigen Tat veranlaßt haben, sind noch völlig unbekannt. Er soll in der letzten Zeit Spuren von Tiessinn gezeigt haben. Die Verfolgung des Flüchtigen ist von der Gendarmerie sofort ausgenommen. Eine Gerichtskommission aus Heiligenstadt be­gab sich sofort nach dem Tatorte. Der Mörder Heimbrodt wurde in einem Haferselde gefunden und verhaftet.

Altenbeken, 4. August. Beim Zusammensturz eines Gelüstes aus dem HüttenwerkPhönix" in Nachrodt waren zwei Maurer 13 Meter in die Tiefe gestürzt. An den er­littenen Verletzungen ist bereits einer gestern gestorben, während der andere in Lebensgefahr schwebt. Beim Aussteigen aus einen haltenden Wagen aus der Landstraße nach Jbbenbürcn, war eine Frau, in dem Augenblick als die Pserde anzogen, rücklings abgestürzt und brach das Genick, Aus Unkennt­nis, durch den Genuß giftiger Pilze, ist in R. bereits als viertes Opfer der Bahnarbeiter Jambeck in große Lebensge­fahr geraten.

Aus dem Kreise Marburg, 4. August. Der Arbeiter Wolf zu Eslohe fiel gestern beim Ueberspannen eines Lakens von einem Wagen und war sofort tot.

Speele, 5. August. Ein schweres Gewitter zog heute über unser Fuldatal und ein Blitzstrahl zündete das Haasesche Wohnhaus im benachbarten Landwehrhagen, welches zum größten Teil vom Feuer zerstört wurde.

Ueber das Rennen des Hersselder Reitervereins,

welchels am vorigen Sonntage stattfand, schreibt die Sport- Welt in Nr. 182 folgendes:

Es war eine geradezu erstaunliche Zuschauermenge, die sich aus der Rennbahn des HerSfelder Reiter-Vereins am Sonntag eingesunden hatte. Etwa 7000 bis 8000 Personen mögen anwesend gewesen sein. Die ganze Umgegend war herbeige­strömt, um die Rennen zu sehen, ein Zeichen, wie sehr seit vorigem Jahr der Rennsport und die Liebe zum edlen Pferd in dem Herzen der Bevölkerung festen Fuß gefaßt hat. Die Lage der Bahn ist von ganz besonderem landschaftlichen Reiz, hinter ihr erhebt sich steil der Johannisbcrg, dem ein pracht­voller Wald einen Hintergrund gibt, wie er nicht schöner ge­dacht werden kann. Dazu liegt die Bahn neben dem altehr­würdigenNest der Zaunkönige"! dem heutigen Eichhof, der im Mittelalter die Sommerresidenz der Aebte der alten Abtei Hersfeld war. Auch das Wetter war vorzüglich. Es hatte Tags vorher geregnet und es ging eine wahre Seebrise, übrigens keine Seltenheit in dieser Gegend mit ihren meilenweiten Wäldern. Dazu schöner heller Sonnenschein, so daß die Damen in ihren hellen Toiletten kommen konnten, die mit den vielen bunten Uniformen auf dem Rennplatz einen reizvollen Kontrast bildeten.