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hersfelöer Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. Sonnabend, den 8. August 1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 5. August 1908.

Nach bereits früher getroffenen Anordnungen sollen die nach 8 9 und 10 der Baupolizeiordnung III vom 3. November 1902 vorgeschriebenen Bauabnahmen, soweit hierbei Bauten der Baugruppe II und III in Betracht kommen, unter Mitwirkung des zuständigen Gendarmen vorgenommen werden. Um kontrolliren zu können, daß diese Bestimmung in allen Fällen beachtet wird, ist es erforderlich, daß hierüber ein entsprechender Vermerk in die einzureichenden Bauabnahme- protokolle ausgenommen wird.

Ich ersuche deshalb künftig in allen Fällen bei Einreichung von Bauabnahmeprotokollen besonders zu erwähnen, daß der Gendarm bei der Bauabnahme zugegen gewesen ist.

B. 3862. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 4. August 1908.

Der Mühlenbesitzer Bernhard Braun zu Eichmühle beabsichtigt in seinem vor der Eichmühle links am Wege ge­legenen früheren Bäckereigebäude eine

Blechwarenfabrik einzurichten und zu betreiben.

Ich bringe dieses zur öffentlichen Kenntnis mit dem Be­merken, daß Einwendungen hiergegen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen sind. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Die rechtzeitig erhobenen Einwendungen werden im münd­lichen Verhandlungstermin am

»4 Den 26. W 6. U

10 Uhr vormittags im Sitzungssaal des Landratsamtes erörtert werden und zwar auch im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden.

Die Zeichnung und Beschreibung liegen während der Dienststunden hier zur Einsicht der Beteiligten offen.

I. A. 4391. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Fellinger, Regierungs-Referendar.

Statut für den Fortbildungsschulverband Eilra-Sieglos.

8 i.

Die Landgemeinden Eitra und Sieglos vereinigen sich zu einem Verbände zwecks Einrichtung und Unterhaltung einer geineinschastlichen ländlichen Fortbildungsschule in Eitra.

Der Verband führt die BenennungFortbildungsschulver­band Eitra-Sieglos". Sitz der Verwaltung ist Eitra.

§ 3.

Die Verwaltung der Verbandsangelegenheiten wird durch den Verbandsausschuß und durch den Verbandsvorsteher geführt.

§ 4.

Der Verbandsausschuß besteht aus fünf Mitgliedern, nämlich den jeweiligen Bürgermeistern der Gemeinden Eitra und Sieglos und aus drei weiteren Vertretern von den zwei die Gemeinde Eitra und einen die Gemeinde Sieglos aus die Dauer von sechs Jahren wählt. Vertreter im Verbandsausschuß können nur die zur Uebernahme des Amtes als Gemeindever- ordneter in der Gemeinde befähigten Personen sein.

8 5'.

Der Verbandsausschuß hat über alle Angelegenheiten des Verbandes zu beschließen. Er ist zusammenzuberusen, so ost es die Geschäfte erfordern. Die Zusammenberufung erfolgt in ortsüblicher Weise unter Angabe der Gegenstände der Beratung durch den Verbandsvorsteher. Mit Ausnahme dringender Fülle müssen zwischen der Zusammenberufung und dem Ver­handlungstermin mindestens zwei Tage frei bleiben.

8 6

Der Verbandsausschuß ist beschlußfähig, wenn mehr als die Hälfte der Mitglieder anwesend sind. Bei der Einladung ist darauf hinzuweisen, daß die nicht Anwesenden sich den gefaßten Beschlüssen zu unterwerfen haben. Wird der Ver­bandsausschuß zum zweiten Mal zur Beratung über denselben Gegenstand zusammenberufen, so sind die erschienenen Mitglieder ohne Rücksicht auf ihre Anzahl beschlußfähig. Bei der zweiten Zusammenberufung muß auf diese Bestimmungen ausdrücklich hingewiesen werden.

Der Ortsschulinspektor ist, soweit er nicht Mitglied ist, befugt, an den Sitzungen des VerbandSauSschusses mit be­ratender Stimme teilzunehmen und muß zu diesen zugezogen

§ 7.

Die Beschlüsse werden nach Stimmenmehrheit gefaßt. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Die Gemeinden können gegen einen mit der Abstimmung ihrer Vertreter im Widerspruch stehenden Beschluß des Verbands- ausschusses die Entscheidung des Kreisausschusses anrusen. Der Kreisausschuß entscheidet endgültig.

§ 8.

Der Verbandsvorsteher sowie ein Stellvertreter für ihn werden vom Landrat aus der Zahl der Mitglieder des Vcr- bandsausschusfes ernannt.

Der Verbandsvorsteher ist die ausführende Behörde. Er vertritt den Verband nach Außen.

8 9.

Die Verteilung der gemeinsamen Ausgaben aus die dem Verbände angehörenden Gemeinden erfolgt nach Maßgabe der Bestimmungen im § 9 des Gesetzes über die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1906 (G. S. S. 335). Den Gemeinden bleibt die Ausbringung ihrer Anteile an den gemeinsamen Ausgaben nach Maßgabe ihrer Verfassung überlassen.

*

*

Vorstehendes Statut wird, nachdem die Gemeinden Eitra und Sieglos durch Beschlüsse vom 2. Januar 1907 15. Dezember 1906 und vom 24. Oktober 1907 19. Oktober 1907 hierzu ihr Einverständnis gegeben haben, unter ihrer Verbindung zu einem Verbände gemäß § 100 der Landge­meindeordnung vom 4. August 1897 bestätigt.

Hersseld, den 28. November 1907.

Der Kreisausschutz des Kreises Hersfeld.

* *

Vorflehendes Status wird gemäß § 104 Abs. 2 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 veröffentlicht.

Hersseld, den 30. Juli 1908.

J. I. 7940. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 3. August 1908.

Der Bürgermeister August Reinhard in Landershausen ist als solcher für einen am 13. August d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 4387. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 4. August 1908.

Die unter dem Schweinebestande des Schuhmachers Carl Graf hier ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 7986. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Unser K a i s e r hat seine Nordlandsreise beendet, der Reichs­kanzler hat ihm in Swinemünde den nach Beendigung großer Kaiserreisen üblichen Vortrag gehalten, das schmucke Kaiser­schiff aber ist dann wieder in See gegangen, um das Kaiser­paar nach Stockholm zum Besuch des schwedischen H o s e s zu führen. Daß die Kaiserin ihren hohen Gemahl auf dieser Besuchsreise begleitet hat, und daß auch die ver­witwete Großherzogin von Baden, die Tochter Kaiser Wilhelms I. und Mutter der Königin von Schweden, sich in der schwedischen Lagunenstadt eingcsunden hatte, zeugt davon, daß dieser Be­such einen besonders herzlichen und familiären Charakter trug. Auch die Begrüßungsartikel der schwedischen Blätter, die zum Teil in deutscher Sprache geschrieben waren, trugen ausnahms­los einen sehr herzlichen Charakter. _ So schloßVortland" seine überaus warm gehaltene Begrüßung:So denken wir an daS ganze deutsche Volk und seine vielfachen Verbindungen mit uns, wenn wir mit dem Herzen rufen : Es lebe hoch das deutsche Kaiserpaar! Vivat Germania, crescat/floreat!" Wir aber erwidern mit ausrichtiger Sympathie die in den Will­kommensgrüßen der schwedischen Presse ausgedrückten Empfin­dungen und knüpfen daran den innigen Wunsch, daß der Be­such unseres Kaiserpaares dazu beitragen möge, das Bewußtsein der Gemeinschaft zwischen den beiden stammverwandten Völkern neu zu stärken zum Segen der schwedischen und der deutschen Nation.

In dem unS befreundeten Nachbarstaate Oesterreich hat der Streit um den deutschen LandSmannministerposten bereits begonnen. Am heftigsten strebt diesen Posten der vor noch nicht gar so langer Zeit aus dem liberalen in das agrarische Lager übergegangene Abgeordnete Dr. Schreiner an. Deshalb sahren die ihm nahestehenden Blätter das gröbste Geschütz gegen den deutschfortschrittlichen Abgeordneten Dr.

Pergelt auf, der bisher an der Spitze der Kandidatenliste für die Nachfolgerschaft Prades steht. Auf deutschradikaler Seite aber, wo man ebenfalls schon beim Tode des früheren LandS- mannministerS Pefchka diesen Posten sür sich reklamierte, damit aber in der eigenen Wählerschaft aus einigen Widerstand stieß, nimmt man offenbar aus Unmut darüber gegen die Kandi­daturen Pergclts und Schreiners Stellung, und so herrscht um dieser Personenfrage willen die schönste Uneinigkeit im deutschen Lager. Gelingt es nicht, die Vereinbarung eines gemeinsamen nationalen Programms zu erreichen, auf Grund dessen der neue Landsmannminister sein Amt übernehmen könnte» und in dessen Rahmen er der rückhaltlosen Unterstützung aller deutschen Parteien sicher wäre, so ist eS gleichgültig, wer deutscher Landsmannminister wird; denn er wird dann wohl ein Amt bekleiden, aber keinen Einfluß haben.

In Frankreich ist eS in der abgelaufenen Woche zu blutigen Arbeiterausständen gekommen. DieCons^dsration Generale du Travail" (Allgemeiner Arbeiterverband), die bereits im Sommer 1907 den großen Ausstand der Winzer Süd­srankreichs zu einem Generalstreik ausnutzen wollte, hatte in den Städtchen Villeneuve und Draveil eine Arbeiterrevolte in Szene gesetzt, die durch Militär niedergeworfen werden mußte, und danach, um gegen die von der Regierung gebrauchte Gewalt zu protestieren, in Paris einen Generalstreik zu organi­sieren beschlossen, der aber mit einem glänzenden Fiasko ge­endet hat. Nur wenige Arbeiter legten die Arbeit nieder, und Minister Clemenceau ließ die gewissenlosen Hetzer kurzerhand hinter Schloß und Riegel bringen, um ihnen den Prozeß wegen Aufreizung und Verleitung zur Rebellion zu machen.

Mit aufrichtiger Befriedigung ist in Deutschland von den Kundgebung en.^nql^scher Staatsmänner über das Verhältnis Englands zu Deutschland Kenntnis genommen worden, die dasMärchen von der Einkreisung Deutschlands" desavouierten. Während der Minister des Aus­wärtigen Sir Edward Grey diesem Märchen ebenso eingehend wie rückhaltlos zu Leibe ging, um es als ein leeres Wahn- gebilde zu kennzeichnen, ging sein Kollege, der HandelSminister Lloyd George, sogar so weit, die deutschen Flottenrüstungen als durch die englischen Dreadnoughts und den Zweimächte- Standard provoziert darzustellen. Ja, er ging noch weiter und wies auf Deutschland als die größte Landmacht hin, wo bisher noch niemand daran gedacht habe, analog Englands Zweimächte-Flotte ein Zweimächte-Heer zu organisieren. Der­artige Geständnisse aus dein Munde englischer Minister sind gewiß erfreulich, scheinen aber auch darauf hinzudeuten, daß starke Einflüsse in England tätig sind, seine äußere Politik in andere Bahnen zu lenken.

In Marokko scheinen augenblicklich die Aussichten von Abdul Asis etwas günstiger zu liegen, aber nichts bürgt dafür, daß es dabei bleibt, trotz des Rückhalts, den ihm die fran­zösische Okkupation bietet. Fest steht nur das eine, daß daS unglückliche Land nicht zur Ruhe kommen kann. Ständen Mulay Hafid und Abdul-Asis einander allein gegenüber, so wäre die Entscheidung längst gefallen, und wir könnten wieder mit einer Einherrschaft rechnen, von der sich Bürgschaften sür die Rückkehr normaler Beziehungen zu der nicht marokkanischen Außenwelt gewinnen ließen. So, wie die Dinge liegen, läßt sich ein Ende nicht absehen.

Zeppelins Luftschiff vernichtet.

Nahe dem Ziele ist, wie bereits in voriger Nr. gemeldet, der Ballon des Grafen Zeppelin, dem sich nach seinen letzten großartigen Leistungen das erhöhte Interesse deS In- und Auslandes zuwendete, auf seinem Ankerplatz zwischen Stuttgart und Echterdingen von einer furchtbaren Katastrophe ereilt worden. Näheres wird in folgendem berichtet:

Stuttgart, 5. August. Heute nachmittag erhob sich ein starker Sturm, der den Ballon von den Ankern losriß und in südwestlicher Richtung weitertrieb. Etwa 50 Meter von der Landungsstelle neigte sich daS hintere Ende nach unten, weiße Wolken stiegen aus der Spitze. Plötzlich flammte mit furchtbarem Knall eine Feuerfäule auf, eine Rauchwolke folgte, der Ballon entschwand den Blicken. Er ist vollständig verloren.

Stuttgart, 5. August. Zu der Zeit als der Ballon plötzlich vom Landungsplatz abgetrieben wurde, besanden sich zwei Personen in der Gondel, die beiden Monteure Schwarz und Labuda. Der eine der beiden versuchte den Motor zum Antrieb zu bringen, um mit dem Ballon aufzufliegen, was ihm jedoch nicht gelang. Nach etwa einem Kilometer rasender Fahrt senkte sich plötzlich die Spitze des Ballons nach unten. Es erfolgte eine Benzinexplosion, eine Feuersäule stieg auf, der eine schwarze Rauchwolke folgte. Der Ballon liegt etwa eine halbe Stunde von Bernhanscn auf einem Felde. Von der Umhüllung sind nur noch einige Fetzen übrigaeblieben. Das Gerüst zeigt sich nur noch als Trümmer, die vom Rauch und Feuer schwarz gefärbt sind. Zurzeit brennen die Flammen teilweise noch. Die Feuerwehren von Bernhausen und Echter­dingen sind an die Unglücksstelle beordert worden. Von den