angerichtet. In Jenbach setzte er das große Kalkwerk der Gebrüder Kirchner in Brand, in Hall schlug er in die dortige Pfarrkirche ein.
Hur Provinz u. Nackbargebiet
* Deutschland, wo die Postkarte erfunden wurde, ist nach wie vor das Land der Postkarten geblieben. Nach der letzten Weltpoststatistik werden hier jährlich 1394 Millionen geschrieben, eine Summe, die von keinem anderen Lande der Welt auch nur annähernd erreicht wird. An zweiter Stelle steht hier Großbritannien mit 808 Millionen. Dann folgen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 799 Millionen. An vierter Stellt kommt Japan mit 665 Millionen, dann Oesterreich mit 326, Britisch-Jndien mit 310, Rußland mit 162 und Ungarn mit 104 Millionen. Alle übrigen Länder haben unter 100 Millionen, Frankreich verbraucht nur 39V2 Millionen, einmal weil dort das Porto für Karten und Briefe dasselbe ist, und dann, weil die Postkarten dort wenig beliebt sind. Die meisten Briese schreibt dagegen der Amerikaner. In den Vereinigten Staaten wurden nicht weniger als 5302 Millionen aufgeliefert, ein Verkehr, wie er sonst nirgends erreicht wird. An 2. Stelle steht hier Großbritannien mit 2694 Millionen und erst an 3. Stelle Deutschland mit 1967 Millionen. Schon an 4. Stelle steht Frankreich mit 1011 Millionen. Kein anderes Land erreicht auch nur V2 Milliarde Briese. Dieser Zahl nahe kommen Rußland mit 474 Millionen und Oesterreich mit 451. Einen großen Briesverkehr haben außerdem Japan mit 273, Argentinien 257, Britisch Indien und Italien je 178, Ungarn 161, Spanien 142, die Schweiz 114, Belgien 113, Dänemark 100 Millionen usw. Den größten Drucksachenverkehr hat ebenfalls der Amerikaner mit 4735 Millionen. An 2. Stelle steht Frankreich mit 1553 und an 3. Stelle Deutschland mit 1210. Die Zeitungen sind eingerechnet.
* (Das Rauchverbot in Speisewagen.) In verschiedenen Blättern war unter Bezugnahme aus eine angebliche Vorschrift des Eisenbahntransportverbastdes mitgeteilt worden, daß das Rauchverbot in den Speisewagen ausgehoben worden sei. Der „Nordd. Allg. Ztg.„ zufolge ist in maßgebenden Kreisen nichts davon bekannt.
* Die Aus sichten für eine gute Hühnerjagd sind in diesem Jahre aus vielen Distrikten mäßig. Man bringt dies in Zusammenhang mit dem häufig niedergegangenen Regen, unter welchem die Rebhühnergelege und die Aufzucht der Kücken sehr gelitten haben. Was die Hasen anbetrifft, so läßt sich ein bestimmtes Urteil über deren Vermehrungen in diesem Jahre noch nicht sällen, da das Getreide noch sehr viel Terrain deckt.
) :( Hersfeld, 3. August. Auch die diesjährigen Rennen des Hersfelder Reitervereins hatten sich am gestrigen Sonntage eines ganz außerordentlich zahlreichen Besuches zu erfreuen. Zu Fuß und zu Wagen zogen die Zuschauer zu Tausenden nach dem Rennplätze aus der Domäne Eichhof. Besonders viel auswärtiges Publikum war in diesem Jahre erschienen, darunter viele Offiziere der benachbarten Garnisonen. Ein buntes Bild bot die Tribüne dar, welche dicht besetzt war. Die I. und II. Zuschauerplätze waren in diesem Jahre leider nicht so günstig angelegt, wie im vergangenen und manche Klage dürste darüber erhoben worden sein. Wäre der Graben als Grenze angenommen worden, so hätte das Publikum wohl mehr sehen können. So aber versperrten die an dem Drahtzaun stehenden, den übrigen die meiste Aussicht. Jedenfalls wird aber der Reiterverein bei seiner nächsten Veranstaltung hier für Abhülfe sorgen. Im übrigen Verliesen die Rennen sehr interessant und hatten folgendes Resultat: An dem Eichhof-Jagdrennen beteiligten sich 6 Herren. Von diesen nahm Herr Oberleutnant von Gorissen von Anfang an die Führung und gewann das Rennen leicht als erster. Als zweiter folgte ihm Herr Hauptmann Baun, als dritter Herr Oberleutnant Steudner und als vierter Herr Oberleutnant Naentrup, sämtlich von der hiesigen Kriegsschule. Das zweite Rennen, St. Lullus-Steeple-Chase, wurde von 5 Pferden gelaufen, von denen eins bereits nach der ersten Runde das Rennen aufgab. Unter den übrigen vieren entwickelte sich ein heißer Kampf, aus dem Herr Hauptmann Wolff (Feld-Art.-Rgt. 11) als erster, Herr Leutnant Wille (Feld-Art.- Regt. 11) als zweiter, Herr Oberleutnant Steudner von der hiesigen Kriegsschule als dritter und Herr Oberleutnant Liebe (Feld-Art.-Regt. 47) als vierter Sieger hervorgingen. Die Sieger erhielten jeder einen prachtvollen Ehrenpreis. Zu dem dann folgenden Landwirtschaftlichen Rennen des Kreises Hersfeld lagen 11 Nennungen vor. Von diesen erhielt Herr Rohrbach aus Niederaula den ersten Preis mit 60 Mk., Herr Witzel-Hersseld den zweiten mit 30 Mk. und Herr Landsiedel-Hilmes den dritten mit 10 Mk., außerdem jeder Sieger noch ein Andenken. An dem vierten Rennen, Preis der Stadt Hersfeld, beteiligten sich 5 Herren. Hierbei erhielt Herr Hauptmann Wolff den ersten Preis (Ehrenpreis sowie 400 Mk.), dem kurz darauf Herr Leutnant Sichler (Feld-Art.-Rgt. 11) als zweiter folgte, als dritter ging Herr Leutnant Wilke (Feld-Art.-Rgt. 11) und als vierter Herr Oberleutnant Liebe (Feld-Art.-Rgt. 47) durchs Ziel. An dem zweiten Landwirtschaftlichen Rennen, Hessenpreis, beteiligten sich 15 Reiter. Den ersten Preis von 100 Mk. erhielt hier Herr Seume, den zweiten (50 Mk.) Herr Schemper, den dritten (30 Mk.) Herr Deifch (ein Ungar) sämtlich von der Domäne Eichhof, und den vierten (10 Mk.) Herr Klaus aus Mecklar. An dem zum Schluß stattfindenden Trost-Jagdrennen nahmen nur 3 Herren teil. Von diesen ging Herr Baumann- Eichhos als erster, Herr Oberleutnant Oheimb als zweiter und Herr Oberleutnant v. Gorissen als dritter durchs Ziel. — Abends fand im Hotel Hohepzollern unter regster Beteiligung ein Festessen statt, dem sich noch ein Tänzchen anschloß.
p . Hersfeld, 3. August. (Ferien ende). „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende!" wird mit wehmütigem Ausdruck unsere Schuljugend heute ausrufen; denn die Zeit der goldenen Freiheit ist vorüber, und die Pforten der Schulklassen tun sich wieder aus, um nach den Tagen der Erholung für den Körper dem Geiste Gelegenheit zu neuer frischer Arbeit zu geben. Unter Jubeln und Jauchzen zogen die Scharen der jugendlichen Schulflüchtlinge hinaus in die von goldenem Sonnenschein bestrahlte Natur; mit gebräunten Gesichtern, etwas verwildert, aber bei weitem nicht so froh gestimmt, haben sie wieder ihren Einzug gehalten in das väterliche Heim oder die alte Pension, um heute einzutreten in die gewohnten Räume, wo die Pflicht ihr strenges Regiment führt. Auch in der Natur vollzieht sich derselbe Vorgang wie im Leben der jungen Sommersrischler. Die Scharen der geflügelten Wanderer, die uns im Frühling mit luftigem Zwitschern und lautschallendem Gesänge begrüßten, sind still geworden und rüsten sich bereits zur Abreise. Natur und Menschenleben gehen hier einmal parallel; beide zeigen uns, daß es ein Stehenbleiben nicht gibt. Freilich erfüllt uns, wenn wir all die Pracht des Sommers scheiden sehen, eine
Art Wehmut, und doch ist diese unberechtigt. Im Grunde genommen hätten wir alle Tage dieselbe Ursache, über den Wechsel des Bestehenden traurig zu sein; denn unausgesetzt, mit unabänderlicher Konsequenz ändert die Natur nicht bloß von Tag zu Tag, sondern in jedem Augenblick ihre Formen, und wir wissen es sogar, aber erst durch das Auge kommt es uns zum Bewußtsein. Immerhin macht uns diese ernste Stimmung, die das allmähliche Scheiden des Sommers mit sich bringt, die Rückkehr zu unseren alltäglichen Pflichten leichter. Und so wünschen wir, daß die verflossene Ferienzeit allen Beteiligten eine angenehme Erinnerung sein möge, die sie dazu anspornt, mit frischen Kräften und verstärktem Eifer den Pflichten nachzukommen, welche die Schule ihnen nun wieder auferlegt.
Casfel, 3. August. Der Kaiser wird am 11 August abends von Homburg bezw. Cronberg im Taunus sich nach der Senne begeben, wo tags daraus, am 12 August, eine Besichtigung der dortselbst zusammengezogenen Kavallerie- Division C, welche aus den Husaren-Regimentern Nr. 8, 10, 14, 15, 16, 17, den Dragoner-Regimentern Nr. 5 und 16, dem 4. Kürassier- und dem 16. Ulanen-Regiment, sowie aus einer Maschinengewehr-Abteilung und zwei reitenden Abteilungen Feldartillerie besteht, stattfindet. Am 13. August abends begibt sich der Monarch nach Schloß Wilhelmshöhe. Am 18. August wird voraussichtlich der Kaiser Teile des 18. Armeekorps auf dem „Großen Sande" bei Mainz einer Revue unterziehen.
Cussel, 3. August. Von der Kommission für den Wettbewerb um den vom Kaiser gestifteten Wanderpreis ist jetzt das Rundschreiben an die deutschen Männergesangvereine betreffs des nächstjährigen Wettsingens versandt worden. Die Kommission besteht aus den §erren Generalintendant der Königlichen Schauspiele und der Hosmusik Georg von Hülsen, Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Dr. Schmidt, Geheimen Regierungsrat Pros. Dr. Friedländer, Geh. Regierungsrat Pros. Dr. Kretzschmar, Musikdirektor Pros. Prüser, Professor Georg Schuhmann, Professor Ernst Eduard Taubert. Das Wettsingen findet im Sommer 1909 in Frankfurt am Main statt. Alle deutschen Männergesangvereine, die sich mit einer Mitgliederzahl von mindestens 100 Sängern beteiligen können und wollen, werden zur Teilnahme an dem Wettstreit eingeladen und ausgefordert, sich bis spätestens zum 1. Dezember 1908 bei dem Vorsitzenden der Kommission, Herrn General-Intendanten von Hülsen, Dorotheenstr. 2 anzumelden.
Rotenburg (an der Fulda), 30. Juli. Ein Unglücksfall ereignete sich auf einem Gute. Ein dreijähriges Kind des Pächters hatte sich, ohne daß es von Jemand bemerkt worden war, in ein Stück Korn, das abgeerntet wurde gesetzt und wurde von einem Selbstbinder schwer verletzt, der ihm zwei Zehen des linken Fußes abfchnitt.
Lingelbach (Kr. Ziegenhain), 1. August. Bei dem vorgestern hier niedergegangenen Gewitter wurde die 80jährige Frau S. beim Nachhausegehen aus dem Walde vom Blitze getroffen. Der Blitz fuhr in die Kötze, in der die alte Frau die gesuchten Heidelbeeren nachhaufe bringen wollte. Der Frau wurde ein Schuh vom Fuße gerissen, und die Kötze geriet in Brand; doch konnte die Frau von letzterer durch Passanten befreit und so vor dem Verbrennungstode bewahrt werden. Die Aermste erwachte lange nachher erst wieder von ihrer Bewußtlosigkeit und ist jetzt in ärztlicher Behandlung.
Eschwege, 31. Juli. Eine Frau aus Jestädt wurde von einer Fliege in den linken Arm gestochen, der bald daraus stark anjchwoll. Die Aerzte kppstatierten eine Blutvergiftung und veranlaßten die sofortige Ueberjührung der Erkrankten in das hiesige Landkrankenhaus.
Bon der Diemel, 30. Juli. Bei Leimathe ließ sich gestern der Sohn des Metzgermeisters H. in Altena von einem Güterzuge übersahren. Er war sofort tot. Das Motiv der Tat ist einstweilen unbekannt.
Schlächtern, 31. Juli. Schwere Gewitter entluden sich gestern im Kreise Schlüchtern. In Ulmbach schlug der Blitz in das Wohnhaus des Landwirts Paul Hau, wodurch sowohl das Wohnhaus, wie die angrenzende Scheune eingeäfchert wurde. Bei Bad Brückenau war das Gewitter mit wolken- bruchartigen Regen begleitet, der Blitz schlug in das Elektrizitätswerk, ohne jedoch zu zünden und sonstigen Schaden an- zurichten. — In Junkersdors (Untersranken) wurde der 16- jährige Präparandenschüler Ernst Ludwig Precklein, der während des Gewitters unter einem Getreidehauseu Schutz suchte, vom Blitz erschlagen. Besonders schwer hat das Gewitter bei Bischofsheim v. d. Rhön gehaust. Die Hagelkörner fielen in der Größe von Taubeneiern, auf dem Kreuz - berg wurde die nordöstliche Giebelseite der Klosterkirche durch einen sogenannten kalten Schlag beschädigt.
Marburg, 30. Juli. Professor Dr. med. et phil. August Gürber hat in Würzburg den Ruf nach hier angenommen; er übernimmt mit Beginn des kommenden Wintersemesters die Professur der Pharmakologie und die Leitung des pharmakologischen Instituts als Nachfolger von Pros. Heffter. — Der ordentl, Professor für Mathematik Dr. phil. Kurt Hensel hat den Ruf an die Universität Leipzig abgelehnt. Er sollte dort den verstorbenen Geh. Hosrat Professor W. Scheibner ersetzen.
Duderstadt, 27. Juli. Die Frau des Arbeiters Sommerfeld, die von ihrem Mann morgens auf der Straße durch Revolverschüsse schwer verletzt worden war, ist im hiesigen Krankenhause ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Gattenmörder hatte sich nach der Tat selbst entleibt. — Die Ehefrau Minna Brodrück in Zwinge geriet auf dem Felde in die Mähmaschine, die ihr den rechten Fuß fast ganz abschnitt. Die Verunglückte wurde sofort in das hiesige Krankenhaus geschafft.
Schweinsberg, 1. August. Bei der Reparatur des Kirchturms im nahen Ober-Ofleiden wurde gestern die Ehe- frau des Weißbinders Wiesner von einem niederstürzenden Balken erschlagen. Sie hinterläßt ihrem Gatten '4 kleine Kinder.
Corbach, in Waldeck, 31. Juli. Das etwa drei Jahre alte Söhnchen des Handelsmannes Leyhe in Schmalefcld stürzte in einem unbewachten Augenblicke in einen nur zirka IV2 Fuß tiefen Jauchetümpel und ertrank.
Beverungen, 30. Juli. Bei Heinfeld wurde der Arbeiter Heinrich Krüger, welcher auf dem Felde gearbeitet hatte und vor dem Regen Schutz suchte, vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet.
Eisenach, 30." Juli. Auf dem Hof des Ritterguts Stedtfeld wurde ein fünfjähriger Knabe von einem Pferd totgetreten.
Bom Eichsfelde, 30. Juli. Die 11 Jahre alte Tochter des Landwirts Hermann Eckmann in Breitenberg wollte Kaffee kochen. Um das Feuer schneller in Gang zu bringen, goß sie Petroleum in die Flammen. Die Petroleumflasche explodierte und der brennende Inhalt ergoß sich über die Kleider des Mädchens, dieses in eine Feuersäule verwandelnd. Nach fürchterlichen Qualen gab das unglückliche Geschöpf gestern mittag seinen Geist aus.
Erfurt, 31. Juli. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Neubau einer Fabrik. Einem besuchsweise anwesenden Mädchen namens Therese Hoffmann aus Friedrich- roda, das einen auf dem Bau beschäftigten Verwandten aussuchen wollte, fiel aus einer Höhe von drei Stockwerken ein schwerer Holzhebel auf den Kopf. Das bedauernswerte Kind erlitt einen schweren Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung.
Vermischtes.
— (Ein seltsamerNachlaß.) Eine fast unglaubliche aber wahre Geschichte, in welcher der Aberglaube krasse Blüten treibt, wird dem Berner Bund aus einer reformierten Gemeinde des Züricher Oberlandes berichtet. Einem bekannten Juwelier in Zürich wurden vom Gemeinderat von Egg aus einer Verlassenschast goldenes Tafelgeschirr und fürstliche Schmuckstücke, alle in Gold, im Gewichte von etwa acht Kilo im Werte von über 30 000 Frank zum Kaufe angeboten. Da waren eine goldene Suppenschüssel von 1500 Gramm Gewicht, Tortenschaufeln, Teller, Platten, Bestecke, Becher, Kerzenleuchter, alles in Gold; ferner eine Krone in massivem Gold, auf der Stirnseite mit zwei je siebenkarätigen Diamanten und einem zweikarätigen Smaragden nebst einem dreieinhalbkarätigen Saphir geziert; ein Gürtel und ein Schwert aus massivem Golde, der Knauf des Schwertes mit einem Diamanten gekrönt; eine goldene Brille, deren Charniergelenk mit je einem Diamanten versehen war. Der Goldschatz enthielt ferner Ketten, Armbänder, Strumpfbänder, Knöpfe, Ringe, Broschen, Schuhschnallen, Kämme, Haarnadeln usw. Alle die Sachen stammten aus neuerer Zeit. Wie kamen nun die Erblasser, ein älteres bäuerliches Ehepaar in bescheidenen Verhältnissen, zu diesem fürstlichen Nachlaß? Die Leute wohnten in der Nähe von Egg in einem Hause, genannt zur „Auferstehung". Sie galten als fromm und lebten sehr zurückgezogen. In diesem Hause fanden allnächtlich geheime religiöse Zusammenkünfte statt, zu welchem Zwecke eine Art Kapelle eingerichtet war. Das Haupt dieser geheimen Sekte war die Frau des Hauses, einst eine stattliche Erscheinung, welche ihr Anhänger völlig in ihrem Banne hatte. Ueber ihren Kultus war den Angehörigen der Sekte strenge Verschwiegenheit zur Pflicht gemacht. Niemand wußte, waS in diesem Hause vorging. Erst jetzt spricht man von allerlei Exzessen religiöser Schwärmerei. Die Frau habe zum Beispiel vor ihren Gläubigen im Blute von weißen Kälbern gebadet und andere extravagante Gepflogenheiten getrieben. Neben diesen exzedenten Begleiterscheinungen bei Ausübung des Kultus waren die Mitglieder der Sekte zu reichen Spenden von Gaben verpflichtet, zu dem besondern Zweck, Vorbereitungen zu treffen für die Auferstehung der Jungfrau Maria, welche sich der Frau einst in einem Traume offenbart haben soll. Neben den goldenen Schmuckstücken wurden auch große Summen Bargeld und Silbergeschirr gespendet, von dem nicht weniger als dreizehn Kilo vorhanden sind. So häufte das zurückgezogen lebende Ehepaar Schätze aus Schätze, die jetzt von den lachenden Erben zu Geld gemacht werden.
— Für die Jahresmitte 1908 wird im Statistischen Jahrbuch die Einwohnerzahl des Deutschen Reiches auf 63 017 000 Personen angenommen gegen 62 097 000 um Mitte 1907 und 6117 7 000 um Mitte 1906. Hiernach schätzt man die Zunahme für jedes der beiden letzten Jahre auf 920 000 Köpfe. Bei der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1905 betrug die Einwohnerzahl des Reiches 60 641 278 Personen, so daß seitdem eine Vermehrung um rund 2 375 000 stattgefunden haben sollte. Im Jahre 1898 belief sich die Bevölkerungsziffer auf rund 54 406 000 Personen; in den letzten 10 Jahren hat also eine Zunahme um 8 611 000 Personen oder 15,8 v. H. stattgefunden. Im Jahre 1888 betrug die Schätzungsziffer 48 168 000, im Jahre 1878 44129 000. Im Jahre 1871 wurden 40 997 000 Personen gezählt, so daß seit der Gründung des Reiches eine Zunahme um rund 22 Millionen oder mehr als 53 v. H. stattgefunden hat. Verdoppelt haben würde sich die Bevölkerung des jetzigen Reichsgebietes gegenüber dem ungefähren Stande von 1838.
Letzte nachrichten.
Newy 0 rk, 2. August. In Britisch-Columbien ist die Stadt Fernic durch einen Waldbrand bis auf 17 Häuser eingeäschert worden. 5000 Personen sind wohnungslos; 100 sind verletzt. Der Schaden wird auf 2V2 Millionen berechnet. Der Waldbrand, der sich nach allen Richtungen ausdehnt, bedroht noch andere Städte.
Paris, 2. August. In einem Zimmer des Kasinohotels in Villers für mer wurde der Student der Medizin K. aus Berlin erschossen aufgesunden. In demselben Zimmer lag die 20jährige Tänzerin Betty H. ebenfalls aus Berlin durch eine Schußwunde ferner verletzt. Die Unmöglichkeit einer ehelichen Verbindung scheint die Ursache zu dem Selbstmord zu sein.
Bukarest, 2. August. Ein schwerer Eisenbahnunfall forderte gestern in der rumänischen Station Adjud mehrere Opfer. Dort entgleiste ein Lastzug, wobei sechs Getreidewagen vollständig zertrümmert wurden. Drei Tote und mehrere Verletzte wurden unter den Trümmern hervorgezogen.
Teheran, 2. August. Angesichts der bedrohlichen Lage schloffen die europäischen Gesandtschaften die Tore und gewähren Inländern keine Zuflucht mehr.
Petersburg, 2. August. Der Petersburger Telegr.- Agentur wird aus Täbris über Dschulsa gemeldet, daß die Revolutionäre heute früh die erst kürzlich ausgebesserten Leitungen nach Rußland und Teheran zerstört haben. Gestern und heute fielen vereinzelte Schüsse.
Fernsprechmeldung.
Potsdam, 3. August. Der Chef des Zivilkabinets Dr. von Lukanus ist heute nacht gest0 rb en.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilbury (Landwirtschaftsschule). , Wetteraussichten für Dienstag, den 4. August:
Zeitweise trübe, meist trocken, kühler.