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Herrselder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Flnschlutz Nr. 8

Nr. 90

Dienstag, den 4. August

1908.

Amtlicher teil.

Berlin W 66, den 4. Juni 1908.

Die von den Bezirksschornsteinsegern aus der Reinigung der Kochmaschinen erzielten Einnahmen sind ebenfalls im Kehrbuche zu vermerken. Zu diesem Zwecke -wird der Ueber- schrist der Hauptspalte 2 des KehrbuchsZu reinigende Schornsteine" der Zusatz:oder Kochmaschinen" hinzugesügt. Der Minister für Handel und Gewerbe. I. A.: gez. Neumann.

Der Minister des Innern. I. V.: gez. Ho ltz.

* *

Hersseld, den 30. Juli 1908.

Wird veröffentlicht.

I. 7932. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 31. Juli 1908.

Ich sehe mich veranlaßt, den Herren Vorsitzenden der Schulvorstände des Kreises meine Rundversügung vom 14. Februar d. Js. (I. 1633) in Erinnerung zu bringen, nach welcher unstatthaft ist, daß die Reinigung der Schulräume durch Schulkinder besorgt wird, diese Arbeiten vielmehr nur durch erwachsene Personen auszuführen sind. Ich erwarte genaue Befolgung dieser Anordnung und ersuche, soweit noch nicht geschehen, geeignete erwachsene Personen für die Reinigung der Schulräume zu bestellen.

I. 7981. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

>» -.....- - -................

Hersfeld, den 30. Juli 1908.

Der Bürgermeister Valentin Jffland in Mecklar ist als solcher für einen am 24. August d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 4324, Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 30. Juli 1908.

Die Gewerbebetreibenden der Stadt Hersseld mache ich daraus aufmerksam, daß die diesjährigen technischen Maaß- und Gewichtsrevisionen durch den Eichtechniker Herrn G. Rößing hier vom 7. September d. Js ab vorgenommen werden. L 7910. Der Königliche Landrat.

J. V.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 27. Juli 1908.

Der Herr Kreisarzt hat für die noch ausstehenden Impfungen bezw. Wiederimpfungen für Hersfeld Stadt und Land folgende Termine angesetzt, die sämtlich im Saale des Gastwirts Konstantin Otto hier abgehalten werden.

Wem die Berge muhn

Eine Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienen st ein.

(Fortsetzung.)

Die Nächte waren schon empfindlich kalt, das Gras gilbte und die Rinder fraßen nur mehr wenig, gingen wie in Er­wartung baldiger Heimfahrt den Almboden hin und her und stießen immerzu ein ungeduldiges Gebrüll aus.

Und eines Morgens war der Winter da. Als der Wast ans der Sennhütte trat, um sich wie gewöhnlich am Röhren­brunnen notdürftig zu waschen, da war über die ganze Alm eine weiße Decke gebreitet, und der Himmel stand so bleigrau darüber, als könnte jeden Augenblick ein neuerliches Schneege­stöber beginnen.

Die Rinder standen eng aneinander gedrängt, sahen den Mast an und brüllten ihm so kläglich zu, daß es ihm wie ein Vorwurf klang.

Teufel hinein I" brummte er vor sich hin.Das is doch noch ein wenig zu früh. So a närrisches Wetter. Soll man denn heuer gar schon im Anfang vom September heim­gehen ?"

Eine Kuh brüllte in langgezogenem Tone.

Der Wast sah hinüber und erkannte seine Freundin.Was meinst?" redete er zu ihr hinüber.

Das Tier brüllte abermals.

Ja, ja, laß nur gut sein, Scheckin", sagte er begütigend, i weiß schon, was du sagen willst. Freilich gehen wir heim. Nur einen Tag warten wir noch, denn gleich muß man nit verzagt sein. Js's morgen aber nit besser, dann meinetwegen gehen wir, in Gottes Namen!"

Der Geißbub war derselben Ansicht wie der Wast, und 1° erwarteten denn die beiden, was der morgige Tag bringen würde.

Aber schon der Abend brächte ihnen die Gewißheit, daß es mit der Almzeit endgültig vorbei sei. AlS die ersten

1. Impfung für Hersfeld Stadt.

Mittwoch, den 5. August d. Js. Vormittags 9V2 Uhr.

Am gleichen Tage und zur gleichen Stunde müssen die Impflinge aus den Gemeinden Kalkobes, Heenes und M e i s e b a ch anwesend sein, die zu je 50 im Zeitraum von einer halben Stunde vorzuführen sind.

2. Die Nachschau für die Impflinge aus Hersfeld Stadt und für die aus den Gemeinden Kalkobes, Heenes und Meisebach findet am Mittwoch, den 12. August d. Js. Vormittags 91/2 Uhr statt.

3. Die Wiederimpfung für Hersfeld Stadt und Land zu Hersfeld Land gehören die Gemeinden Bingaries, Meisebach, Kalkobes, Heenes, AllmershausenmitHählgans erfolgt am Sonnabend, den 8. August d. Js. Vormittags 9V2 Uhr, die Nachschau am Sonnabend, den 15. August d. Js. Vormittags 91/2 Uhr.

Zu den letzten beiden Terminen sind vorzustellen: a) um 9V2 Uhr die Mädchen, b) um 10 Uhr die Knaben der Volksschulen, c) um IOV2 Uhr die Schülerinnen der Töchterschule, d) um 11 Uhr die Schüler des Gymnasiums.

Die Impfung ist unentgeltlich.

Außer denjenigen, welche sich aus freier Entschließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1908.

1. jedes im Jahre 1907 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat,

2. die Kinder, die im Jahre 1907 ohne Erfolg oder gar nicht geimpft worden sind, sofern sie nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden haben,

3. jeder Schüler einer öffentlichen oder Privatschule, welcher a. in diesem Jahr das 12. Lebensjahr zurückgelegt, bezw.

b. zurllcklegt, oder den Nachweis der geschehenen Impfung, oder wenn er über 12 Jahre alt ist, auch denjenigen der Wieder­impfung nicht erbracht hat.

Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes, namentlich die Termine auf ortsübliche Weise zu wiederholten Malen bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß alle zu impfenden Kinder und Schüler an Ort und Stelle sind. Sie haben ferner darauf zu achten, daß die Impflinge sauber ge­waschen und mit reiner Wäsche und Kleidern erscheinen.

Bei der Bekanntmachung der Termine ist gleichzeitig aus­drücklich darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 14 des oben erwähnten Gesetzes Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche es unterlassen, den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder oder Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mark und Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebefohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz amtlicher Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Nachschau entzogen geblieben find, mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft werden. Die Herren Lehrer haben ebenfalls als Vorsteher der Schulanstalten die Verpflichtung, bei der Aufnahme von Schülern durch Einfordern der vorgeschriebenen Bescheinigungen festzustellen, ob die gesetzliche Impfung erfolgt ist bezw. dafür zu sorgen, daß die während des Besuchs der An­stalt impfpflichtig werdenden Zöglinge dieser Verpflichtung genügen.

Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß gemäß der zur Sicherung der gehörigen Ausführung des Jmpfgeschästs er- gangenen Vorschriften ein Vertreter der Ortspolizeibehörde und (für die Wiederimpfung) ein Lehrer in dem betreffenden Jmpf- geschäftstermine zur Unterstützung des Jmpfarztes und Aufrecht­erhaltung der Ordnung zu erscheinen haben.

Für Bereithaltung des Jmpflokals und Stellung der erforder­lichen Schreibhülfe beim Jmpfgeschäft ist seitens der Herren Bürgermeister der Jmpfstationsorte Sorge zu tragen. Das Jmpf- lokal muß gehörig feucht gereinigt und gelüftet sein. Auch muß es mit zweckmäßigen Sitzgelegenheiten für den Jmpfarzt und die

Schatten der Dämmerung einfielen, begannen die Flocken zu fallen, erst ganz sacht und vereinzelt, dann aber immer dichter, so daß die beiden gezwungen waren, das Vieh in den Not­stall zusammenzutreiben. Also morgen sollte es unwiderruflich zu Tale gehen.

Schon in aller Frühe war der Wast auf und begann seine paar Habseligkeiten wie das wenige Kochgeschirr aus die beiden Kraxen auszupacken, die er und der Geißbub auf dem Rücken tragen mußten.

Dann ging er in den Notstall hinaus und band der Scheckin die große Leitglocke um den Hals, überzeugte sich, ob der Geißbub wirklich auch das Herdfeuer ordentlich gelöscht habe, an dem sie sich die Frühstücksmilch gewärmt hatten, und dann ging es fort, die Alm abwärts. Trübselig trotteten die Tiere durch das leichte Schneetreiben, und der Geißbub hatte alle Mühe, die durch die sommerliche Freiheit jeder Marsch­disziplin Entwöhnten zusammenzuhalten. Als sie an die Fels- Hiase kamen, wo die Wege der beiden Almen zusammenliefen, war er gerade wieder gezwungen gewesen, die Spitze des Zuges zu verlassen, um ein paar Ausreißer mit Peitschen­hieben in die Reihe zu treiben, und konnte es daher auch nicht hindern, daß der vordere Trupp der Tiere sich unter die Schar der Rinder des Bergschießl mengte, die eben auch von der Alm zu Tale geführt wurden.

Himmelsakra, is denn da niemand beim Vieh!" wetterte die Stimme des Bergschießl, der am vorigen Tage selbst zu Berge gestiegen war, um den Abtrieb der Tiere zu leiten und zu überwachen.

Dabei hieb er mit seinem langen Haselstock in den Schwärm der durcheinander drängenden und stoßenden Tiere, ohne damit aber etwas anderes zu erreichen, als daß das Durcheinander noch ärger wurde.

Der Geißbub suchte umsonst nach vorwärts zn gelangen, die Tiere verstellten ihm überall den Weg und drängten bald vorwärts, bald rückwärts, je nachdem der in allen Tonarten schimpfende und fluchende Bergschießl seinen Stock nieder­sausen ließ.

So schlag' doch nit so drein, du machst ja das Vieh

Mütter der Impflinge, mit einem Tisch zum Aufstellen der Jmpf- geräte und mit der nötigen Waschgelegenheit ausgestattet sein. Wo diese Einrichtungsgegenstände fehlen, müssen sie beschafft und rechtzeitig bereit gestellt werden.

I. 7462. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 28. Juli 1908.

Unter dem Schweincbestande des Schuhmachers Karl Graf dahier ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 7829. Der Königliche Landrat.

I. B.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Hersfeld, dm 30. Juli 1908.

Die unter dem Schwcinebestande des Heinrich Hettrich zu Niederjossa ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 7929. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

ein Blick auf Die Weltlage.

Gerade der diesjährige Sommer zeichnet sich politisch durch eine ganze Reihe mehr oder weniger interessanter Vorgänge aus, welche zusammen der Weltlage gerade während der Hunds­tage ein lebhaftes Relief verleihen. Zweifellos das bemerkens­werteste all dieser Ereignisse ist der so überraschend eingetretene Erlaß einer Verfassung für die Türkei, wodurch letzteres Reich mit einem Schlage in die Reihe der konstitutionellen Staats­wesen eingerückt ist. Daß Sultan Abdul Hamid,nur der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe", dem türkischen Volke eine solche wichtige zeitgemäße Konzession gemacht hat, kann kaum noch bezweifelt werden, immerhin hat dies uner­wartete Entgegenkommen des Padischah gegenüber der türkischen Reformpartei recht günstige Wirkungen geäußert, fo daß man nun die Lage im europäischen Wetterwinkel vorerst mit etwas weniger pessimistischen Augen betrachten darf. Zu den interessanten Vorgängen des Hochsommers darf auch die nun­mehr wieder abgeschlossene offizielle nordische Reise des Präsi­denten Falliöres gerechnet werden, die ihn zunächst nach Kopen­hagen, dann nach Stockholm, hierauf nach Reval und zuletzt nach Christiania führte. Wenngleich die Besuche des Herrn Fallisres an den drei nordischen Königshöfen einer besonderen politischen Bedeutung entbehrten, sich vielmehr eigentlich nur als unerläßliche Höflichkeitsakte darstellten, so haben sie durch ihren Verlauf immerhin erkennen lassen, daß Frankreich nach wie vor starke Sympathien gerade in den skandinavischen Ländern genießt, und dies darf die auswärtige Politik Frank­reichs mit auf ihr Gewinnkonto buchen. Von politischem Charakter war dagegen die Begegnung des französischen Staats-

ganz wild und damisch!" schrie endlich der Geißbub, als er sah, wie unsinnig der Bergschießl in den wirren Knäuel des Viehes cinhieb,treiben wir weiter bis auf die Hald, dort werden wir unser Vieh schon auseinander bringen."

Aber seine Rinder gemeinsam mit denen des Brandebner zu Tale zu treiben, das war für den Bergschießl ein unfaß­barer Gedanke und noch wütender als vorher begann er, auf einen jungen Stier des Brandebner loszudreschen, so daß das Tier, um den krachenden Schlägen zu entgehen, mit gesenktem Nacken nach vorwärts stürmte, den Bergschießl über den Hausen warf und eine Kalbin so ungestüm anrannte, daß diese mit dumpfem Ausbrüllen über den Felssturz der Terasse in die Tiese fiel, wo sie mit gebrochenen Beinen und von einem vorstehenden Knieholzstumpf ausgeschlitzten Leibe verendend liegen blieb.

Die Kalbin gehörte dem Bergschießl, der nun selbstver­ständlich über die bodenlose Schlamperei, die bei dem Brand­ebner herrschte, in der gröblichsten Weise zu schelten begann.

Die Kalbin", schloß er,wird euch teuer zu stehen kommen, das sag ich euch. Ihr, nur ihr ganz allein seid die Schuld, daß das geschehen ist. Wär' einer von euch, wie's der Brauch is, und wie's auch sein muß, vor dem Vieh gegangen, so wär kein Durcheinander worden und das Unglück wär' nit ge­schehn."

Wär' auch so nit g'schehen, wenn du nit so närrisch dreindroschen hältst, du Rüppel!" schrie ihm der nun auch erboste Wast entgegen.Aber gelt, dich hat's g'freut, daß du einmal an dem unschuldigen Vieh vom Brandebner dein Haß hast auslassen können. Kein Pfifferling wird dir zahlt gar nichts, denn du bist ganz allein schuld."

Da der Bergschießl infolge des entstandenen Wortwechsels nicht mehr Zeit fand, auf die Tiere loszuschlagen, beruhigten sich diese und kamen, wenn auch im bunten Durcheinander, ohne weiteren Unfall über die gefährliche Terassenstelle.

Unter Geschrei und Geschimpft mit Fäusten und Stecken gegeneinander in bedrohlicher Weise gestikulierend, kamen die Männer nach.

Und i laß nit früher nach und wann i bis zum Kaiser