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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 86.

Sonnabend, den 25. Juli

1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 23. Juli 1908.

Nach § 9 zu 11 und § 10 zu 3 der Baupolizeiordnungen II und III vom 1. bezw. 3. November 1902 ist dem Bauherrn über die stattgehabte Rohbauabnahme und die erfolgte Schluß­abnahme jedesmal eine schriftliche Bescheinigung zu erteilen. Die Ortspolizeibehörden haben diese Bestimmungen bisher nicht überall befolgt. Ich ersuche diese Bestimmung für die Zukunft aus das Genaueste zu beachten und ordne gleichzeitig an, daß sich die Ortspolizeibehörden in ihrer Ausführung des nachstehend abgedruckten Musters für Rohbau- und Gebrauchs-Abnahme- scheine zu bedienen haben.

Das im Einzelfalle nicht Zutreffende in den Mustern ist bei ihrer Ausfüllung entsprechend zu streichen. Formulare zu Rohbau- und Gebrauchsabnahmescheine werden in der L. Funk'schen Buchdruckerei hier vorrätig gehalten.

B. 3587. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

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*

Der Bürgermeister. . . ., den . . ten . . 19 . .

Tagebuch Nr. . . (nicht zutreffendes ist zu streichen).

Rohbauabnahmeschein.

Die Rohbauabnahme des durch Bauschein Nr. . . vom . . ten . . . 19 . . genehmigten ..... ist am .. . erfolgt.

Die Vornahme der inneren und äußeren Verputzarbeilen darf sofort am . . ten . . . 19 . . begonnen werden.

Von einer besonderen Schlußabnahme ist abgesehen worden.

Nach vollständiger Fertigstellung des Neubaues ist die Schlußabnahme bei der unterzeichneten Polizeibehörde schriftlich zu beantragen.

Vor Erteilung der Schlußabnahmebescheinigung dürfen die Räume nicht in Benutzung genommen werden. An.......zu ... .

*

Der Bürgermeister. . . ., den . . ten . . 19 . . Tagebuch Nr. . .

Gebrauchsabnahmeschein.

Die Gebrauchsabnahme des durch Bauschein Nr. . . . vom . . ten . . 19 . . genehmigten . . . ist am . . . erfolgt.

Der Bau darf sofort am . . ten ... 19 . . in Benutzung genommen werden.

An.......zu ... .

Hersfeld, den 21. Juli 1908.

Der Bürgermeister Johannes Hcß in Kirchheim ist am 4. d. Mts. für einen am 24. d. Mts. beginnenden weiteren acht­jährigen Zeitraum wiedergewählt worden.

Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 4058. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 20. Juli 1908.

Unter dem Schweinebestande des Heinrich Herbst zu Kal- kobes ist Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 7593. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger,

RegierungS-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Politische^Wochenbericht.

Die große Sommerpause der Politik ist ein- getreten, und in der politischen Atmosphärespürest du kaum einen Hauch". Den bis vor kurzem noch umherschwirrenden Gerüchten über allerlei Spannungen in der Weltlage, die be- onders für Deutschland bedrohlich wären, ist durch die Tat­sache, daß der Kaiser sich an die fernen Gestade Norwegens degeben hat, der Boden entzogen worden. Ist auch die Er- Yolungssahrt des deutschen Kaisers eine durchaus unpolitische, ° lie insofern politisch bedeutsam, als durch sie eine wohltuende Beruhigung in der auswärtigen Politik hervor- gerufen worden ist. Nur die Sorge um die kommende Reichs- flnanzresorm, die den Angelpunkt der Winterverhandlungen des Reichstages bilden wird, setzt noch die Federn in Be­wegung, natürlich fast durchweg in dem Sinne, daß man zwar allgemein die Notwendigkeir einer Reform zugibt, an jedem einzellien konkreten Vorschläge aber sein Nörglermütchen kühlt. Freilich wird die Regierung sich dadurch sicher nicht beirren - "*^ ^m von ihr als richtig erkannten Wege, daß nämlich eine Finanzreform nur durch indirekte Steuern vor- zunehmen ist, unentwegt weiterzuschreiten.

Aus der Politik des Auslandes ist zunächst zu berichten, daß nunmehr auch das österreichischxAbgeordneten- us seine Ferien angetreten hat. In den letzten acht Tagen hatte es sich daran erinnert, daß es noch mehr als ein Dutzend

iU habe, und nun wurde Hals über Kops gearbeitet, um das Pensum zu erledigen. Die Generalbilanz 5 ct'ten ^hres des neuen Abgeordnetenhauses ist sonach

nicht schlecht, indes man kann sich doch schon nicht mehr der Erkenntnis verschließen, daß ohne eine entsprechende Abände­rung der Geschäftsordnung auch das Haus des allgemeinen gleichen Wahlrechts zu keiner geordneten Tätigkeit wird ge­langen können. Fortgesetzt ist das Haus in seiner Arbeit durch Dringlichkeitsanträge behindert worden, die in der Regel nicht eingebracht wurden, um in großen Fragen eine Wendung in der Politik der Regierung herbeizuführen, sondern um die Regierung und die Majoritätsparteien zu ärgern und wohl auch von ihnen irgendwelche vielleicht auch persönliche Vorteile zu erpressen. In dieser Beziehung muß eine Aenderung ein­treten, allein es läßt sich nicht verkennen, daß die Frage der Revision der Geschäftsordnung auss innigste mit der nationalen Frage zusammenhängt und sich hieraus für die Regierung die Notwendigkeit ergibt, während der parlamentarischen Ferien auch der deutsch-tschechischen Frage näher zu treten und ihre Regelung vorzubereiten.

In Prag hat ein allslawischer Kongreß getagt. Die erste derartige Veranstaltung in den 40er Jahren hat eine heitere Berühmtheit dadurch erhalten, daß die durchweg deutsch­feindlichen Teilnehmer sich untereinander nicht verständigen konnten und daher die Verhandlungen in deutscher Sprache sührten. Diesmal wird die Verständigung wohl nicht so schwer gewesen sein, da hauptsächlich Tschechen und Polen erschienen waren. Während der Gegensatz zwischen den Polen und Ruthenen auf dem Kongreß stark hervortrat, zeigten die Polen sich bestrebt, zu einer Versöhnung mit den Russen zu gelangen, offenbar, um sie besser gegen Deutschland ausspielen zu können.

Im Reiche des Sultans hat die wiedererwachte j u n g - türkische Bewegung bereits zur Ermordung hoher türkischer Würdenträger geführt. Diese Bewegung hat vor allem eine nationale Seite. Die Jungtürken sind glühende Verfechter der Integrität der Türkei, und ihr Ziel ist eben, durch Reform der Verfassung und Verwaltung dem zerrissenen Gemeinwesen frische nationale Kraft und Widerstandsfähigkeit nach außen einzuhauchen. In diesem Ziele geht wohl auch die Bewegung auf, welche die jungtürkischen Offiziere und Soldaten jetzt auf dem Balkan ergriffen hat. Die Mittel sind freilich verwerflich.

Das neue japanische Ministerium Katsura wird die auswärtige Politik Japans nach den bisherigen Grund­sätzen der Mäßigung und strenger Loyalität weitersühren und es gewiß, ohne die berechtigten Forderungen des Heeres und der Marine zu vernachlässigen, als seine vornehmste Aufgabe ansehen, die finanzielle Gesundung des Landes zu fördern. Und dazu gehört Ruhe von außen her, kein Blicken in schillernde Fernhöhen, sondern Lust an den Werken und den Arbeiten des Friedens. Im Zeichen dieses Programms dürfte das neue Ministerium Katsura, dessen Persönlichkeit eine sehr wert­volle Bürgschaft dafür ist, an die Arbeit gehen.

nahen wieder, die nicht nur die noch lebenden Feldzugsteil­nehmer, sondern unser gesamtes Volk, das sein Vaterland nicht zu lieben aufgehört hat, aufs neue erinnern werden an die heißen Kämpfe, als Deutschland vor nun schon 38 Jahren um Sein oder Nichtsein ringen mußte. Immer wieder gilt es, unser heranwachsendes Geschlecht, welches in aller Behag­lichkeit die Früchte jener damals ausgestreuten und mit kost­barem deutschem Blute gedüngten Saat genießt, auf die Ge­schichte jener Tage hinzuweisen und ihm zuzurusen,was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Nur so kann es gefeit werden gegen die öden und unwahren Behauptungen, mit denen eine Vaterlands- und religionslose Partei und Presse uns die Freude am Vaterlande, an Kaiser und Reich verekeln wollen. Lauschen wir den Worten eines unserer größten Geschichtsschreiber, dem jene einzigartige Zeit das Herz mit hoher Begeisterung erfüllte; er schreibt:

Die Erhebung jener großen Tage (1870) offenbarte selbst den Einfältigen und Schwachen zu ihrer eigenen Ueberraschung, wie reich das Leben sein kann, und welchen Schatz bürgerlicher Tugenden dies erwerbende Zeitalter sich noch bewahrt hat. Die Kampfgenossenschaft in Not und Tod hatte ein festes Band der Treue geschlungen um die Herzen unserer Krieger,, mit einem Schlage tausend gehässige Vorurteile zerstört, die" den Süden von dem Norden trennten und der friedlichen Ueberrebung nie gewichen wären. Auch eine altväterliche, von den starken Geistern des Radikalismus oft verspottete Wahr­heit kam wieder zu Ehren: die Einsicht, daß nur fromme Völker frei und tapfer sind. Wie ein Naturlaut brach der Name Gottes über hunderttausend Lippen, als die Blüte unserer Jugend in dichten Haufen gleich gemähten Halmen hinsank. Und wahrlich, nicht blöde Unfreiheit des Denkens, nicht jene knechtische Angst, die noch in allen schweren Zeiten die Fran­zosen scharenweise nach Amuletten greifen ließ, sprach aus dieser deutschen Frömmigkeit. . . . Alle die zahllosen persönlichen Glaubensbekenntnisse, die das Geistesleben unseres Volkes mit edler Duldsamkeit umschließt, beugten sich andächtig vor der göttlichen Vernunft, die über den Schrecken und Nöten jener Tage sinnvoll waltete. Ohne den männlichen Glauben an das Ewige, das über die niederen Sorgen des Einzeldaseins

hinausreicht, konnten unsere tapferen Heere nicht schlagen wie sie schlugen, nicht leiden wie sie litten".

Der Segen ist nicht ausgeblieben. An allen Quellen dieser Kraft sollte die deutsche Nation gesunden; ein halbes Jahr später stand das neue Deutsche Reich wie ein Wunder vor aller Augen da. Unser durch Jahrhunderte hindurch ver­stümmeltes, zerschlagenes deutsches Vaterland war wieder zu einem lebendigen Körper erweckt und beseelt, wie es seit Jahr­zehnten das Sehnen aller deutschen Patrioten gewesen war. Nun ist Deutschland stark und einig und soll es mit Gottes Hilfe imnrrdar bleiben, wenn auch manchem übelgelaunten Nachbarn die Freude an bösen Anschlägen dadurch verdorben ist, daß Deutschland, das Herz Europas, wieder in strotzender Kraft seinen Pulsschlag spüren läßt.

Auch unter der Regierung des gegenwärtigen Kaisers hat sich das Deutsche Reich immer herrlicher entwickelt und ge­staltet. Als echter Sproß der Hohenzollern zeigt sich unser Kaiser nicht nur als begeisterter und begeisternder Soldat, der unablässig auf die Verbefferung unseres Heeres sinnt und uns eine stets mächtiger werdende Flotte geschaffen hat, sondern auch als Friedensfürst im besten Sinne des Wortes. Unter dem Schutze des Schwertes haben Handel und Gewerbe einen früher nie erlebten Aufschwung genommen. Wohin man im Lande blickt, reden Neubauten aller Art von Deutschlands wachsendem Wohlstand. Die Lebenshaltung der unteren Volks­schichten, im Vergleich zu früher, ist ungleich besser geworden; die Sparkasseneinlagen halten eine steigende Richtung ein. Für die Armen und Bedrängten ist durch unsere großartige Arbeiter­schutzgesetzgebung gesorgt wie in keinem andem Lande der Welt.

Und dies alles war möglich, weil das, was unser Kaiser einst bei der Uebernahme des Erbes seiner Ahnen in feierlicher Stunde gelobt hatte, nämlich Jle Zeit ein Mehrer der Reiches und der Segnungen des Friedens zu sein, sich erfüllt hat. So sollen uns die kommenden unvergeßlichen Gedenktage wieder daS Gewissen schärfen, damit wir uns der schönen Gegenwart recht von Herzen freuen und begeisterungsvoll in den Ruf ein­stimmen können: Heil unserem Kaiser und seinem erhabenem Hause! Hoch das Deutsche Reich!

Aus In- und Ausland.

Von der Nordlandreise Sr. Majestät deS Kaisers wird gemeldet: Molde, 22. Juli. Es ist leider nur von recht schlechtem Wetter zu berichten. Das Wetter scheint sich aber auszuklären. An Bord alles wohl. Se. Majestät der Kaiser hörte gestern in Molde an Bord der Jacht Hohenzollern die Vorträge des Chefs des Militär­kabinetts, Generals der Infanterie Grafen v. Hülsen-Haeseler, des Chefs des Marinekabinetts, Vizeadmirals von Müller, des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Gesandten v. Treutler und des Chefs des Generalstabs der Armee, Generals der In­fanterie v. Moltke.

Der deutsche Reichstag wird in seiner kommenden Session ein so gewaltiges Aufgabenmaterial zu bewältigen haben, daß er damit ohne Teilung nicht fertig werden kann. Außer dem Etat und der Reichsfinanzreform ist es zunächst die große Novelle zur Gewerbeordnung, die Vorlage über die Sicherung der Besörderungeu und die umfangreiche Vieh- seuchengesetznovelle, mit denen er sich befassen muß.

Die Königliche Ansiedlungskommission hat im ersten Halbjahr 1908 1350 Kauf- und Pachtverträge abgeschlossen. Das sind etwas mehr als in derselben Zeit des vorigen Jahres.

Ueber die wirtschaftlichen Kämpfe im Jahre 1907 wird eine Uebersicht veröffentlicht. Die Zahlen beweisen, daß 1907 ein Streikjahr war; immerhin hat sich auch in ihm wieder gezeigt, daß die friedliche Beilegung von Lohn- und Arbeitsstreitigkeiten im Zunehmen begriffen ist. In 2986 Fällen kann es zu Lohnkämpfen; dagegen wurden 5067 friedliche Lohnbewegungen gezählt. Die Aussperrungen kosteten den Gewerkschaften 6 147 079 M., mehr als in den letzten Jahren. Als Erfolg sämtlicher Arbeitskämpfe und Lohnbewegungen ist ermittelt worden: für 248 911 Personen eine Verkürzung der Arbeitszeit, die im Durchschnitt und für die Woche 2 zwei Drittel Stunden ausmachte, und für 513 213 Personen eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,93 M.

Der Handel des Schutzgebietes Togo im Kalenderjahr 1907 weist nach der imD. Kol. Bl. ver­öffentlichten vorläufigen Uebersicht eine Zunahme um 1 983145 Mark, das sind 18,6 v. H., gegen das Vorjahr auf. ES be­trug die Einfuhr 6 699 984 Mark, das sind 4,1 v. H. mehr als 1906, die Ausfuhr 5 915 609 Mark, 40,8 v. H. mehr. Der Gesamthandel betrug 12 615 293 Mk., gegen 10 632148 Mark im Jahre 1906.

Die italienische Regierung plant eine neue größere koloniale Aktion. Seit dem unglücklichen Tage von Adua hat die italienische Regierung sich von militärischen Expeditionen ferngehalten. Jetzt haben sich die Verhältnisse aber so zugcspitzt, daß ein energisches Eingreifen notwendig wird. Wie verlautet, plant die Regierung eine Expedition