Trittbrett und Fußboden handle, so erscheine das als eine ganz ungewöhnliche und in besonderem Maße gefährliche Lage, auf die der Reisende nicht gefaßt zu sein brauche. Es sei Sache der Verwaltung gewesen, den Aussteigenden Hilse zu gewähren oder sie wenigstens aus die besondere Gefahr aufmerksam zu machen. Bei der gebotenen Eile blieb der Klägerin kein längeres Besinnen, sie konnte daher auch nicht warten, bis ihr etwa Hilfe gebracht wurde. Der Schadenersatzanspruch wurde daher für gerechtfertigt erachtet.
* Saaten st and in Preußen Mitte Juli, wenn 2 gut, 3 Mittel, 4 gering bedeutet: Winterweizcn 2,4, Sommerweizen 2,7, Winterspelz 2,2, Winterrogen 2,5, Sommerroggen 2,9, Sommergerste 2,8, Hafer 2,9, Erbsen 2,7, Ackerbohnen 2,7, Wicken 2,7, Kartoffeln 2,8, Zuckerrüben, 2,8, Winterraps und -Rübsen 2,6, Flachs 2,7, Klee 2,6, Luzerne 2,6, Ricselwiesen 2,4, andere Wiesen 2,8. In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt es, die Berichte beklagten einstimmig die ungewöhnliche Trockenheit, die in manchen Gegenden schon bis zu sechs Wochen angehalten haben soll. So sei die gänzliche Regenlosigkeit in der zweiten Hälfte des Juni der gesamten Pflanzenwelt nicht günstig gewesen. Eine weitere ungünstige Beeinflussung der Planzenentwickelung habe um die Monatswende ein Wettersturz gebracht, der in den Provinzen Ost- und Westpreußen, sowie im Regierungsbezirk Köslin die Temperatur dermaßen abgekühlt habe, daß dort in der Nacht zum 1. Juli das Thermometer bis unter den Gefrierpunkt gesunken sei. Die Heftigkeit der Regengüsse habe das Getreide in großem Umfange zum Lagern gebracht. Mehr als die Nutzpflanzen habe die Witterung das Gedeihen von Unkraut aller Art begünstigt, hauptsächlich des Hederichs, der alles überwuchere. Weiter leide das Getreide vielfach durch Rost und Brand. Von tierischen Schädlingen schienen die Pflanzen nicht übermäßig behelligt zu werden. Von den Winterhalmfrüchten dürste der Weizen bisher unter den verschiedenen Witterungseinflüssen wenig gelitten haben, nur die Rostbildung habe hier und da zugenommen. Der Roggen, der vielfach ins Lager gegangen sei, lasse jetzt erst deutlich erkennen, daß er infolge der heftigen Niederschläge im Mai in seiner Blüte doch mehr geschädigt worden sei, als früher angenommen wurde; seine Körnerbildung sei, wie häufig gemeldet werde, mangelhaft. Sodann werde vielfach berichtet, daß die Reise des Roggens infolge der langen Trockenheit zu früh eingetreten fei. Die frühere Befürchtung, daß der Strohertrag schwach sein werde, trete diesmal wieder bestimmter auf. Nicht günstig sei die Beurteilung über den Sand der Sommerhalmfrüchte ausgefallen. Du meisten Bemerkungen verursache der Hafer wegen seiner Kürze, er soll in manchen Gegenden fast verdorrt sein. Die Hackfrüchte, Kartoffeln und Zuckerrüben ständen im allgemeinen zwar nicht ungünstig, doch werde in sehr vielen Berichten hervorgehoben, daß sie nicht vorwärts kommen wollten. Was die Futterpflanzen und Wiesen anlange, so werde allgemein zugestanden, daß der erste Schnitt sehr reichlich ausgefallen und zum größten Teil auch in vorzüglicher Beschaffenheit geborgen worden sei. Weniger gut dürste nach den bisherigen Beobachtungen der zweite Schnitt gedeihen, da aus den kahlen Plänen infolge der großen Trockenheit und Hitze die Pflanzen vielfach ausgebrannt seien.
* (696 Personen ermordet oder totge - schlage n.) Viel größer, als für gewöhnlich angenommen wird, ist die Zahl der Personen, die jährlich in Preußen ermordet oder totgeschlagen werden. Dem Mord und Totschlag sind im Jahre 1906 allein 696 Personen in Preußen zum Opfer gefallen. Darunter befanden sich 491 männliche und 205 weibliche Personen, meist Erwachsene. Nach dem Verhältnis zur Zahl der Einwohner kamen die meisten Morde in Westfalen mit 3,03 auf 1000 Lebende vor. Es folgen: Hohenzollern mit 2,93, Schlesien mit 2,26, Westpreußen 2,25, Rheinprovinz 1,86, Hessen-Nassau 1.74, Brandeuburg 1,67, Sachsen 1,61, Pommern 1,60, Ostpreußen 1,53, Posen 1,51, Hannover 1,45, Schleswig-Holstein 1,33, und erst an letzter Stelle der Landespolizeibezirk Berlin mit 1,28. Die Zahl schließt 13 Hingerichtete Männer ein. Erschlagen oder erstochen wurden 1906 insgesamt 341 von 696, insgesamt getöteten, 1905 315 von 690, 1904 361 von 688, 1903 363 von 680, 1902 325 von 580. Die Aufstellung zeigt, daß auch eine große Anhäufung von Menschen, wie in Berlin, für sich allein nicht mit einer besonders starken Zunahme von Kapitalverbrechen verbunden ist.
§ Hersfeld, 20. Juli. Die am gestrigen Sonntage dahier stattgefundene II. Bezirksversammlung des Bezirkes Fuldatal vom Kaninchenzüchterverband Hessen-Nassau und Großherzogtum Hessen wurde unter starker Beteiligung vom stellvertretenden Vorsitzenden Herrn P i l g r a m-Hersseld mit einer Begrüßungsansprache und Ermahnung zur friedlichen Arbeit gegen lOVa Uhr vormittags eröffnet. Vertreten waren Fulda, Kalkobes und Hersseld mit insgesamt 160 Mitgliedern, nicht vertreten waren die Vereine Salzschlirf und Bronzell; außerdem waren Züchter aus Bebra anwesend. Nachdem noch der Vorsitzende des hiesigen Vereins die Versammlung im Namen der hiesigen Züchter willkommen geheißen, wurde zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. Als erster Punkt stand die Ersatzwahl für den seitherigen Vorsitzenden. An Stelle des Herrn Pfeiffer-Fulda wurde Herr B ü r k l e-Hersfeld einstimmig gewählt. Derselbe nahm unter Niederlegung des Rechnungsführeramtes die Wahl bedingt an, worauf Herr H i l d-Kalkobes als Rechnungsführer gewählt wurde. Der nächste wichtige Punkt betraf die Bezirksausstellung. Es wurde nach lebhafter Besprechung beschlossen, im Interesse der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Kaninchenzucht im November d. Js. eine Ausstellung abzu- halten. Auf Antrag des Herrn Schäser-Fulda wurde Hersseld als Ort der I. Bezirksausstellung gewählt. Auch Erledigung weiterer interner Angelegenheiten hielt der Vorsitzende Herr B ü r k l e einen Vortrag „Ueber den wirt- NafUichen Wert der Kaninchenzucht". Die sehr interessanten Ausführungen fanden bei den aufmerksamen Zuhörern reichen Verfall, worauf Herr Pilgram-Hersseld, unter Hinzufügung einzelner Aufklärungen für die vortrefflichen Ausführungen
.Mit Dankesworten für die rein sachlich geführten Verhandlungen und die Ermahnung zur weiteren friedlichen Zusammenarbeit schloß der Vorsitzende um l80 Uhr die Versammlung. Nachmittags besichtigten die auswärtigen Vertreter unter Führung einiger hiesiger Herren, hiesige Züchtereien f°W he S-hm-wmdig!-Um Ijiefiger Stadt.
(Ern en n u n g.) GerichtSassessor Weymar in Eschwege wurde zum Amtsrichter in Sontra ernannt.
'^^^» 18. Juli. Vor etwa 8 Tagen war aus der hiesigen Irrenanstalt der Arbeiter Christian S. entsprungen. Während dieser Zeit trieb er sich in der Umgegend umher und verübte, um sein Leben zu fristen, eine ganze Anzahl von Embruchsdlebstählen. Einem Gendarm aus Treysa gelang es endlich, ihn in einem Versteck ausfindig zu machen. Ä Arre widersetzte sich seiner Festnahme jedoch so tatkräftig, oc,p der Gendarm, der durch einen Biß an der Hand erheb
lich verletzt wurde, Beistand holen mußte. Mit Hilfe des Metzgermeisters R. aus Neustadt gelang es endlich den Irren mit Stricken zu fesseln und in die Anstalt zurückzutransportieren.
Vom Eichsfelde, 17. Juli. Der Landwirt Georg Herold aus Hildebrandshausen wollte mit einem leeren Wagen nach Hause fahren. Auf dem steilen Wege gingen die Zugtiere durch. Herold wurde vom Wagen heruntergeschleudert und kam unter denselben zu liegen. Der Unglückliche wurde eine Strecke Weges mitgeschleist. Er hat sehr schwere Verletzungen davongetragen und an seinem Auskommen wird gezweifelt.
Schmalkalden, 15. Juli. Durch heißen Kaffee verbrüht wurde gestern abend das etwa 1jährige Kind einer Arbeiterfamilie. Die Mutter faß mit dem Kinde am Tisch, auf dem die gefüllte Kaffeekanne stand. Ohne daß es die Frau gewahr wurde, ergriff das Kind die Kanne, welche umstürzte. Der heiße Kaffee ergoß sich über den Körper des Kindes und verbrühte Brust, Arme und Beine in schrecklicher Weise. Auch die Frau erlitt schwere Brandwunden.
Fulda, 17. Juli. Geheimrat Rockel aus Weimar ist im Rhöngebirge beim Ausstieg zur Wasserkuppe kurz vor der Schutzhütte am Hitzschlag gestorben.
Rengershausen, 16. Juli. Heute morgen wurde der 35 Jahre alte Wilhelm Unger aus Braunshaufen im hiesigen Backhaus tot ausgesunden. Unger, der gestern abend noch die hiesige Wirtschast besucht und das Backhaus wahrscheinlich zur Uebernächtigung ausgesucht hatte, litt an Starrkrampf, der wohl auch als Todesursache anzusehen ist. Die Untersuchung wurde sofort eingeleitet.
Oberhone, 17. Juli. Ein recht schwerer Unfall traf die Frau des Landwirts Müller hier. Sie war mit Gras- mähen beschäftigt und hatte ihre Kuh neben sich. Durch eine geringe Veranlassung scheu gemacht, raste dieselbe davon. Die Frau aber erfaßte ihre Kette und wurde, an derselben hängend, eine lange Wegestrecke fortgeschleift, ehe das Tier stehen blieb. Dabei erhielt sie mehrfach schwere Verletzungen, die sofortige ärztliche Hilfe aus Eschwege nötig machten.
Frankfurt a. M., 16. Juli. In einem Kornfeld an der Mörselder Landstraße, in der Nähe der Riedhöfe, wurde gestern mittag eine unbekannte weibliche Leiche entdeckt. Die Frauensperson mußte sich vor 2 oder 3 Tagen dort selbst getötet haben. Sie hatte sich mit einem Küchenmesser, das neben ihr lag, das linke Handgelenk bis auf die Knochen durchschnitten. Außerdem fand man ganz nahe ein Fläschchen, in dem noch etwas Salzsäure war, so daß anzunehmen ist, daß sich die Frau auch vergiftet hat. Ihr Trauring ist gezeichnet: „I. G. 5. 4. 1901."
Frankfurt a. M., 17. Juli. Heute Morgen sollten in der Gelnhäusergasse zwei Einbrecher verhaftet werden, die auch in ihrer Behausung angetroffen wurden. Zwei Kriminalschutzleute legten ihnen Handketten an und führten sie die Treppe herunter. Plötzlich riß sich der eine Verbrecher los, sodaß der Kriminalschutzmann Hosmann II sich aus der Treppe übelschlug und einen Schädelbruch erlitt. Lebensgefährlich verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht.
Schlitz, 16. Juli. Die Schlitzer Fehde ist nunmehr als beigelegt zu betrachten, da nach den Verhandlungen mit Minister Braun die Gemeinde Schlitz sich bereit erklärt hat, die Jagd freihändig auf sechs Jahre an den Grasen Görtz zu dem auf 1000 Mk. erhöhten Jagdpreise zu vergeben, während andererseits Graf Görtz darin nachgegeben hat, daß er auf das eigene Jagdrecht verzichtet, falls er in der Gemeinde Schlitz Gelände- ankäufe über 300 Morgen machen sollte.
Darmstadt, 16. Juli. Vergiftet hat sich der Kaufmann Richard Hartmann aus Frankfurt a. M., 17V2 Jahre alt, der in einem hiesigen Materialwarengeschäft tätig war, aus Liebeskummer, mit Cyankali. Er hatte aus einem Zettel seinen Tod und die Ursache gemeldet. Man brächte ihn alsbald nach dem Krankenhaus, doch trat der Tod trotz aller Belebungsversuche sofort ein.
Darmstadt, 17. Juli. Heute mittag IV2 Uhr ließ sich der frühere Hofopernsänger Edmund Schlosser hier in der Nähe von Eberstadt von einem Zuge der Main-Neckar-Bahn überfahren und war sofort tot.
vermischter.
— Bremerhafen, 17. Juli. Auf dem Dampfer Schwaben explodierten gestern im hiesigen Hasen während der Verladung zwei Kisten bengalische Zündhölzer aus unbekannter Ursache. Der erste Schiffskoch Schiller aus Lehe erlitt schwere Verletzungen, denen er erlag. Das Schiff hat keinen Schaden genommen und wird voraussichtlich Sonnabend nach Australien abgehen.
— Beuthen a. O., 17, Juli. Hier ertranken beim Baden in der Oder an einer unerlaubten Stelle die beiden neun und elf Jahre alten Knaben Heideprim aus Berlin. Die Mutter der Kinder und der Handelsmann Werner aus Berlin, die den Kindern nachsprangen, um sie zu retten, sind ebenfalls ertrunken.
— Munitionsdieb stählen in großem Umfang, die in der Kaserne des 118. Infanterieregiments vor- gekommen sind, ist man in WormS auf die Spur gekommen. Es wurden, soweit biS jetzt sestgestellt wurde, 40 000 neue scharfe Patronen des JnfanteriegewehreS gestohlen. In der Nacht auf Sonnabend wurde auf der Straße von Schutzleuten ein Mann gesehen, der einen Handkarren schob. Er wurde gefragt, was er in der Nacht mit einem beladenen Karren auf der Straße anfange, und er erklärte, daß der Karren mit Sand beladen sei. Die Schutzleute sahen sich die Ladung näher an und fanden in dem Karren 8000 scharfe Patronen, der Mann wurde verhaftet. Es wurde sestgestellt, daß es ein Sergeant Leinweber ist. Er hatte die Patronen aus den Beständen der Kompagnie gestohlen und wollte sie dem Bar- bier Appelhans bringen. Bei einer Haussuchung fanden sich, nach der Köln. Ztg. bei dem Appelhans dann noch 20 000 Patronen. Auch bei anderen Kompagnien fehlten Patronen. Der letzte Polizeibericht meldet, daß es sich um gemeinen Diebstahl mit Hehlerei aus Gewinnsucht handelt. Der Hehler Appelhans hat jede Auskunft verweigert; er wurde nach seiner polizeilichen Vorführung zunächst auf freien Fuß gesetzt, später jedoch wieder verhaftet. Weitere Ermittlungen haben ergeben, daß Appelhans die noch fehlenden Patronen nach Ludwigshafen befördert und dem Waffenhändler Schüler abgeliefert hat. In Ludwigshafen wurde eine Nachsuchung yorgenommen, die weitere 25- bis 30 000 Patronen zu Tage förderte. Man nimmt an, daß nun keine Patronen mehr fehlen. Leinweber und seine Braut sind verhaftet worden.
— WilhelmShaven, 18. Juli. Aus Oldenburg wird telegraphiert: In Moorhausen wurde der 83jährige Landmann Wichmann, der vor einem Gewitter Schutz in einem Heuhaufen suchte, durch einen Blitzstrahl getötet.
— (Ein g e st 0 h l e n e r E i s e n b a h u z u g.) Es ist bereits bekannt, welch kolossale Unterschleife auf der MoSkau- Kasanschen Bahn stattgefunden haben. Aber nicht bekannt ist
die Geschichte von dem Verschwinden eines ganzen ZugeS. Nachdem die Untersuchung eingcleitet war und die verantwortlichen Persönlichkeiten der Bahn zögernd dem Richter Mitteilung über die stattgehabten Unterschleife gemacht — immer in der Furcht, daß einflußreiche Beamte, die geschont werden müssen, in der Affäre verstrickt würden —, suchte schließlich ein Vertreter der geschädigten Bahn wiederum den Untersuchungsrichter auf. Verlegen und zögernd und erst auf Zureden des Untersuchungsrichters gab er zu Protokoll, daß nicht nur die Waren eines Zuges, sondern dieser gesamte Zug mit Waggons und Maschine und allem auf Nimmerwiedersehen verschwunden sei. Da Waggons irgendwo zu verstecken, einigermaßen schwierig ist, so schien die Angelegenheit zunächst rätselhaft. Schließlich ermittelte der Untersuchungsricher das folgende: Ordnungsgemäß war dieser beladene Zug im Anfang dieses Jahres abgelassen worden. Die Nummer der einzelnen Waggons, die Ladung, alles konnte sestgestellt werden. Der Zug hatte an einem Abend Moskau verlassen; er war dann, wie der Untersuchungsrichter feststellte, einige Stunden von Moskau entfernt aus einem Nebengleise in der Nähe von Waldungen zum Halten gebracht worden. In aller Gemächlichkeit wurde der Zug seiner Waren beraubt, und darauf dampfte er nach Moskau zurück. Die Spitzbubengenialität zeigte sich nun darin, daß man in Moskau sogleich die alten Nummern der Wagen frisch überstrich, neue Nummern anpinselte und nach Gutdünken sogar die Ausschristen der einzelnen Wagen über ihre Zugehörigkeit zu den einzelnen Eisenbahnsystemen veränderte. So verschwand ein ganzer Zug, und ein solches Meisterwerk konnte natürlich nur geleistet werden, wenn ganze Gruppen von Angestellten an den Betrügereien teilnahmen.
— Nürnberg, 18. Juli. Direktor Schramm vom Nürnberger Apollotheatcr hat sich wegen finanzieller Schwierigkeiten zunächst vergiftet und dann auf dem Schnürboden erhängt.
— Landau (Pfalz), 16. Juli. Ein 14jähriger Gymnasiast, der Sohn eines hiesigen Schneiders Quinttus, stürzte heute Nacht von einem Fenstersims des dritten Stocks auf die Straße und erlitt einen Doppelbruch des Armes. Der schwer Verunglückte ist mondsüchtig.
— Bern 18. Juli. In den Tessiner Alpen stürzte der Pfarrer von Dongio, Pater Ciwa, ab und blieb tot.
— Düsseldorf, 17. Juli. Gestern abend stürzte beim Ausbau einer Halle für das am Sonnabend beginnende Schützenfest das Gerüst ein. Vier Arbeiter kamen dabei unter die Trümmer und wurden lebensgefährlich verletzt.
— (Wie man vor hundert I a h »- n über die E i s e n b a h n d a ch t e.) Die Sommerreisenden, die jetzt mit ruhiger Selbstverständlichkeit ihr Leben dem Dampfroß anvertrauen, um fern von der Großstadt Erholung zu suchen, denken beim Anblick der keuchenden Lokomotive wohl kaum an das Mißtrauen, die Furcht und die Angst, mit denen die ersten Eisenbahnzüge von den Urgroßvätern betrachtet wurden. Die geringe Geschwindigkeit, die damals die ersten Lokomotiven entfalteten, erfüllten die geruhsamen Bürger mit Schrecken und die Erfinder mit Stolz; die Namen der Lokomotiven spiegeln dieses Selbstgefühl; und in England gab es damals Dampfrosse, die den Namen „Hasche mich wer kann", „Blitz" usw. führten. Die Rivista mensile del Touring erzählt von der ersten Lokomotive von Stephenson, die mit einem Zug von 13 Tonnen Gewicht eine Geschwindigkeit von 24 Kilometer in der Stunde erreichte, und die ohne Wagen sogar 48 Kilometer entwickeln konnte. Aber in der Oeffentlichkeit hatte man wenig Sympathie für dies neue Verkehrsmittel, und als der Ingenieur vom englischen Oberhaus die Konzession für eine Eisenbahn erbat, traten Redner auf, die zornig darauf hin- wiesen, wie der Rauch der Lokomotive die Vögel töten müsse, die Tierzucht auf dem Lande gefährde und vor allem die Wolle der Schafe schwärze. Im Volke regte sich der Aberglaube, und in den Dörfern rotteten sich die Bauern zusammen, um mit Gewalt gegen das rauchende feuerspeiende Ungeheuer vorzugehen. Aber Stephenson errang durch seine Zähigkeit schließlich doch den Sieg, und als er in einer Kommission behauptete, daß es leicht möglich sein würde, Eisenbahnzüge mit einer Geschwindigkeit von 50—60 Kilom. in der Stunde fahren zu lassen, da sanken allmählich die Einwände der Gegner des Fortschrittes zu komischen Nichtigkeiten. „Aber denken Sie doch, Mr. Stephenson, wenn der Zug, von dem Sie sprechen, auf seiner Strecke nun eine Kuh trifft: welch furchtbares Unglück!" Aber der Ingenieur blieb ruhig und gab nur die trockene Antwort: „Ja gewiß — für die Kuh ..."
Letzte Nachrichten.
Bromberg, 20. Juli. In Tobshöhe bei Lobsenz ist die 14jährige Tochter eines Arbeiters nach dem Genuß von Pilzen gestorben. Die Mutter liegt sehr schwer krank darnieder. ___
Bromberg, 20. Juli. Gestern nachmittag entluden sich über Brombcrg und Umgebung schwere Gewitter, die von orkanartigem Sturm und teilweise von Hagelschlägen begleitet waren. In den Anlagen wurden Bäume entwurzelt. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Auch die Nacht brächte schwere Gewitter mit starken Niederschlägen.
K 0 t t b u s, 20. Juli. Gestern nachmittag herrschte hier sowie in verschiedenen Orten der Lausitz ein furchtbares Unwetter, begleitet von orkanartigem Sturm und wolkenbruch- artigem Regen, das großen Schaden an den Feldfrüchten anrichtete. Die tiefer gelegenen Straßen der Stadt wurden überschwemmt.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Wetteraussichten für Dienstag, den 21. Juli:
Meist noch trübe, doch nur vereinzelt regnerisch.
Die Abfahrtszeiten der auf der hiesigen Station ankommenden Züge sind folgende:
In der Richtung nach Frankfurt a. M.: 403D, 530* 61O 741, 1029 1051, 1287, 210, 428, 581, 510, 62B**, S22, 1014,
*) Nur Sonn- und Festtags. **) Nur Wochentags, f) Bis Gclnhausen nur Montags und an Werktagen nach Feiertagen.
In der Richtung nach Bebra:
601 805 046 U33 1154 12« 1<H 341, 408 502 5^1), 618* 7M 10« 1127** U40 120D.
*) Nur Wochentags, **) Nur Sonnabends und Sonntags.
In der Richtung nach Treysa:
652, 10« Z22, ö15 715 1Q20