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herrfel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 84.
Dienstag, den 21. Juli
1908.
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 17. Juli 1908.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich auf die im Amtsblatt Nr. 28 pro 1908 zum Abdruck gekommene Polizei- Verordnung des Herrn Ober-Präsidenten vom 26. Juni d. Js. betreffend Aufstellung, Beschaffenheit und Betrieb von beweglichen Kraftmaschinen aufmerksam.
Da wegen der Freizügigkeit der beweglichen Kraftmaschinen die Beaussichtigung ihrer Kessel von jeher erhebliche Schwierigkeiten bereitet hat, indem die Besitzer solcher Kraftmaschinen von dem Zu- und Abgänge in ihrem Besitzstand und von länger währenden Verwendungen außerhalb des Bezirks des zuständigen Kesselprüfers den zuständigen Stellen keine Kenntnis geben, ist nachdrücklich dafür zu sorgen, daß die Besitzer beweglicher Dampfkessel den ihnen nach § 2 obliegenden Verpflichtungen genau nachkommen. Versäumte An- und Abmeldungen im Sinne der Absätze I und II sind ohne Nachsicht durch Bestrasungen zu ahnden.
Ferner sind die Anzeigen von Zu- und Abgängen seitens der Polizeibehörden in jedem Falle den zuständigen Damps- kesfel-Ueberwachungsvereincn weiterzumelden, da diese mit der Durchführung der Vorschriften über die Beschaffenheit der beweglichen Dampfkessel betraut sind.
Von den Polizeibehörden ist alsbald nach Eingang einer nach § 10 vorzunehmenden Anmeldung über die Aufnahme des Betriebs eines beweglichen Explosionsmotors innerhalb von Gebäuden zu vorübergehenden Zwecken eine Revision der Betriebsstätte vorzunehmen, um die Befolgung der Bestimmungen über die Ausstellung solcher Motoren sicher zu stellen.
I. 7216. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 16. Juli 1908.
In Abänderung meiner Verfügung vom 23. Januar 1907 I. Nr. 715 — Kreisblatt Nr. 13 — wird der auf den 1. November j. Js. festgesetzte Termin für die Einreichung der Anträge auf Bewilligung von Staatsbeihülsen zur Anpflanzung von, Obstbäumen sowie zur Förderung des Obstbaues im allgemeinen hiermit auf den 1. September j. Js. festgesetzt.
-Bei der Vorbereitung der Anträge und der Ausführung subventionierter Pflanzungen ist tunlichst die Mitwirkung der Landwirtschastskammer in Anspruch zu nehmen.
Die Auszahlung der Beihülfe wird in Zukunft nur dann erfolgen, wenn die Ratschläge der Landwirtschaftskammer bezw. ihres Sachverständigen befolgt worden sind.
J. I. 7318. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 18. Juli 1908.
Ich habe die Königliche Gendarmerie des Kreises beauf
Die Dordpolfahrt.
Novelle von Theodor Werner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Streit genug*, wiederholte der Leutnant, „stets aber schlössen wir bald wieder Frieden."
„Siehst Du, eine deutlichere Antwort kannst Du nicht verlangen. Bist Du nun zufrieden? Herr Steventon, bitte helfen Sie mir, da Klara nicht will. Wilhelm! stehe nicht so müßig da. Der Korb hier enthält viel. Wir müssen uns in die Arbeit teilen. Du deckst den Tisch. Fasse das Tischtuch nicht so ungeschickt an! Du nimmst es ja auseinander, als ob Du ein Segel aufwickeltest. Lege die Messer auf die rechte und die Gabeln auf die linke Seite, die Serviette und das Brödchen in die Mitte. Klara, in der Lust mußt Du auch Hunger bekommen. Klara, tue Deine Pflicht und iß etwas."
Sie sah auf, während sie sprach. Klara schien endlich der Verschwörung, die sie im Dunkeln halten wollte, den Willen zu lassen.
Langsam war sie bis an die Tür des BoothauseS gegangen und stand nun allein auf der Schwelle und schaute hinaus. Frau Craysord nahte sich ihr, um sie an den Frühstückstisch zu holen, und hörte dabei, daß sie leise mit sich selbst sprach.
die Worte, welche Richard Wardonr ihr beim Abschied aus dem Balle gesagt hatte.
„Die Zeit wird kommen, wo ich Dir vergebe. Dem Scanne aber, der mir Dich geraubt hat, soll der Tag gereuen, an dem er Dich das erste Mal sah. O Franz! Franz! lebt Richard noch, Dein Blut auf dem Gewissen und mein Bild im Herzen?" "
Ihre Lippen schloffen sich plötzlich. Sie fuhr erschrocken aus und trat heftig zitternd von der Tür zurück. Frau Cray- ford blickte aus daS ruhige Meer hinaus.
„Erschreckte Dich etwas, meine Liebe?- fragte sie. „Ich Ä ~ ^ d'e Boote, die dem Ufer zusahren."
»Jch sehe auch nichts, Lucie."
tragt, eine allgemeine Revision der Betriebe vorzunehmen, in denen ausländische, der Jnlandslegitimationspflicht unterliegende Arbeiter beschäftigt werden.
Die Arbeiter, welche noch nicht im Besitze der vorgeschriebenen LegitimationSkarte sind, sollen sich diese nunmehr bis spätestens den 1. Augu st d. I s. beschaffen, da anderen- falls mit AusweisungSmaßregeln gegen sie vorgegangen werden muß.
Die Königliche Gendarmerie wird den Ortspolizeibehörden die Arbeiter namhaft machen, welche noch nicht die vorgeschriebene Legitimationskarte besitzen.
Letztere ersuche ich, den betreffenden Arbeitern dann sofort aufzugeben, sich die Legitimationskarte nunmehr bis spätestens zum 1. A u g u st d. I S. zu beschaffen.
Diejenigen Arbeiter, welche bis zu dem angegebenen Zeitpunkte nicht im Besitze der vorgeschriebenen Legitimationskarte sind, ersuche ich, auszuweisen und mir davon Mitteilung zu machen.
I. I. 7404. Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 16. Juli 1908.
Die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Landwirts Paul Lenz zu Beiershausen ist erloschen.
I. 7371. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 20. Juli 1908.
Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß ein Beamter der Landesversicherungsausialt Hessen-Nassau von dieser beauftragt ist, bei den Arbeitgebern im hiesigen Kreise zu kontrollieren, ob für die bei ihnen beschäftigten versicherten Personen die fälligen Jnvalidenbeitragsmarken in zutreffender Anzahl und Höhe verwendet worden sind.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, dem betteffenden Beamten die evtl. erforderliche Unterstützung zu gewähren.
L 7515. Der Königliche Landrat.
I. A. Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 17. Juli 1908.
Die Ortsschulinspektion über die Schulen zu Mengshausen und Niederjossa ist dem Pfarrer Bierschenk zu Niederaula durch Verfügung Königlicher Regierung vom 11. d. Mts. B. I. 716 übertragen worden.
I. 7434. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger,
Regierungs-Referendar.
„Und doch zitterst Du, als ob Du hier von der Tür aus etwas Entsetzliches gesehen hättest."
„Es ist auch etwas Entsetzliches in der Nähe. Ich fühlte es näher und näher herankommen in der leeren Luft, dunkler und dunkler in dem sonnigen Lichte. Ich weiß nicht, was es ist. Nimm mich mit fort. Nein, nicht hinaus an den Strand. Ich kann an der Türe nicht vorübergehen. Wo anders hin! Wo anders hin!"
Frau Crayford wandte sich um und gewahrte eine zweite Tür an der inneren Seite des Boothauses.
„Sieh zu, wohin jene Tür führt, Wilhelm", rief sie ihrem Manne zu.
Crayford öffnete die Türe. Sie führte nach einem verwüsteten, eingezäunten Raum, halb Garten, halb Hof. Einige Netze hingen da über Pfählen zum Trocknen ausgespannt. Weiter war nichts zu sehen, kein lebendes Wesen zeigte sich. „Das sieht nicht sehr einladend aus, meine Liebe", sagte Frau Crayford, „aber ich stehe Dir zu Diensten! Willst Du?"
Damit bot sie Klara den Arm. Diese lehnte aber ab und hing sich statt dessen an Crayfords Arm.
„Ich fürchte mich, fürchte mich entsetzlich!" sagte sie schwach. „Bleiben Sie bei mir, eine Frau ist kein Schutz; ich will bei Ihnen fein."
Noch einmal schaute sie nach der Tür zurück. „Ach", flüsterte sie, „ich bin über und über eiskalt, ich vergehe hier vor Angst, Kommen Sie in den Hof! Kommen Sie!"
„Ueberlaß Sie mir", sagte Crayford zu seiner Frau. „Ich rufe Dich, wenn es ihr in der freien Luft nicht bester wird." Er führte sie hinaus und schloß die Hoftür hinter sich.
„Herr Steventon, verstehen Sie das«?" fragte Frau Crayford, als sie sich allein sahen. „Was kann sie nur so erschreckt haben?“
Sie stellte die Frage, während sie noch immer unverwandt nach der Tür blickte, hinter welcher ihr Mann mit Klara soeben verschwunden war. Da keine Antwort erfolgte, schaute sie nach Steveuton um.
Er stand am entgegengesetzten Ende des Tisches, daS Auge durch die Haupttür des BoothauseS ins Freie gerichtet. Frau Craysord folgte seinem Blick. Da plötzlich entdeckte sie aus
nichtamtlicher Ceil.
te XL Teutsche Turnfest.
Frankfurt a. M., 18. Juli.
Mehr alS 40,000 deutsche Turner aus dem Süden und Norden, dem Osten und Westen des Reichs, aus den Nachbarstaaten und selbst von jenseits des Ozeans haben sich in Frankfurt zusammengefunden, um nach altem Brauch ihr Turnfest zu feiern. Fahnen und bunte Wimpel, Girlanden und Blumenschmuck an den Häusern, fröhliche Gesichter überall, wohin man schaut, verkünden den Turnern, daß die gastfreundliche Kaiserstadt sie gern willkommen heißt, und die wogende Menge, die schon seit Tagen den Festplatz süllt, beweist, daß Frankfurts Bürger und Bürgerinnen auch der Turn- kunst reges Interesse entgegenbringen. Und sie verdient es in der Tat! Denn des Turnens Endzweck geht ja doch in letzter Linie dahin, dem Vaterlande gesunde, wehrfähige Männer zu ziehen, Männer, die mit festem Schritt und gradem Rücken durchs Leben gehen und die Recht für Recht und Unrecht für Unrecht erklären.
Nachdem die deutschen Turner ihren Einzug in die Feststadt gehalten hatten, wurde heute nachmittag mit einem Akt der Pietät gegen den Vater der deutschen Turnerei, mit einer nationalen Gedenkfeier für Friedrich Ludwig Iahn in der historischen Paulskirche, wo er als Abgeordneter des deutschen Volkes in der Nationalversammlung von 1848/49 geweilt und gewirkt hatte, feierlich geöffnet. Die Umgebung des Altars war mit Lorbeerbäumen und Palmen weihevoll dekoriert. Um die Rednertribüne gruppierten sich die Fahnen und Banner der Franksurter Turnerschaft. Parterre und Balkon der Kirche waren dicht gefüllt mit Turnern. Vor der Rednertribüne hatten die Ehrengäste, darunter der Oberbürgermeister Adickcs und der Festausschuß ihre Plätze eingenommen; Orgelspiel und Posaune leitete die Feier ein. Hierauf hielt der Pfarrer an der Paulskirche Werner die Festrede auf den Turnvater Iahn. Nachdem dann die Turner-Gesangvereine Beethovens: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" vorgetragen hatten, brächte der Kreisvorsitzende der deutschen Turnerschaft Dr. Ferdinand Goetz-Leipzig ein dreifaches Gut Heil auf das liebe deutsche Vaterland aus. Mit gemeinsamen Schlußgesang und Orgelnachspiel schloß die erhebende Feier. Der Platz, welchen Iahn in der Paulskirche eingenommen hatte, wurde mit einer Erinnerungstafel an die heutige Feier geziert und mit einem grünen Fichtenkranz geschmückt.
Am Sonnabend abend fand in der Festhalle ein Begrüßungsabend statt, bei dem der Kommandierende General v. Eichhorn das Kaiserhoch ausbrachte. Oberbürgermeister Dr. Adickes begrüßte die Turner namenS der Stadt und Geheimrat Hintze überbrachte die Grüße der preußischen Unterrichtsverwaltung. Sodann verlas der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft Dr. Götz-Leipzig ein Begrüßungstelegramm des
dem weichen, gelben Sand vor der Tür den langgestreckten Schatten einer menschlichen Gestalt. Noch einen Augenblick — und die Gestalt selbst erschien. Ein Mann zeigte sich langsam und blieb aus der Schwelle stehen.
15.
Der Mann bot einen traurigen, schrecklichen Anblick. Seine Augen stierten wie die eines wilden Tieres, sein Kopf war unbedeckt; das lange, graue Haar zerzaust und verwirrt, die elenden Kleider hingen in Lumpen von seinem Körper. Da stand er in der Tür, eine sprachlose Gestalt des Elends und Mangels, einem hungrigen Wolfe gleich, nach der vollbesetzten Tasel starrend.
„Wer sind Sie?" fragte Steventon.
„Ein dem Tode naher Mann!" entgegnete der Angeredete mit rauher, hohler Stimme. Langsam, nur mit großer Mühe, als ob er vor Mattigkeit zusammenbrechen müßte, kam er einige Schritte näher und fuhr fort: „Werfen Sie mir ein paar Knochen von dem Tische zu. Geben Sie mir mein Teil mit den Hunden."
Während er so sprach, schaute ebensoviel Wahnsinn wie Hunger aus seinen Augen. Steventon stellte sich vor Frau Crayford, so daß er sie im Falle der Not leicht beschützen konnte und gab den am Boothause eben vorübergehenden Matrosen zugleich einen Wink.
„Gebt dem Manne etwas Brot und Fleisch", sagte er zu ihnen, „und bleibt bei ihm".
Die abgezehrten Hände, die mit ihren langen Nägeln Klauen glichen, griffen gierig nach dem Dargereichten. Als er den ersten Bissen gegessen, hielt er, einen Augenblick mit sich zu Rate gehend, inne, und brach dann das Brot und Fleisch in zwei Teile.
Die eine Hälfte steckte er in einen alten Leinwandsack, den er über die Schulter gehängt trug, die andere verschlang er heißhungrig.
„Woher kommen Sie?" fragte Steventon weiter.
„Vom Meere."
„Schiffbruch erlitten?"
»Ja."