Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt fürhersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ro

Der Anzeigenpreis betrögt für den Baum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg, im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 2E pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nLrs^^

herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 83.

Sonnabend, den 18. Juli

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. Juli 1908.

Der KreiSausschuß hält gemäß § 5 des Regulativs zur Ordnung des Geschäftsganges und des Verfahrens bei den Kreisausschüssen vom 28. Februar 1884 während der Zeit vom 21. Juli b i s zum 1. September d. Js. Ferien.

Während dieser Zeit dürfen Termine zur mündlichen Ver­handlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden.

Aus den Lauf der gesetzlichen Frist bleiben die Ferien ohne Einfluß.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. 4040. von Grunelius.

Hersseld, den 14. Juli 1908.

Diejenigen Herrn Bürgermeister der Schulorte des Kreises, welche meine Verfügung vom 21. April 1882 Kreisblatt Nr. 32 betreffend das Weißen der Schulräume pp. noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben nunmehr binnen 8 Tagen bestimmt entgegen.

I. 7296. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 14. Juli 1908.

Dem Landwirt Heinrich Hedderich zu Niederjosfa ist ein Schwein an Rotlausseuche verendet. 1. 7288. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fell in g er,

Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 14. Juli 1908.

Die Rotlaufseuche unter den Schweinen der Witwe Steinberg zu Hersseld ist erloschen. I. 7276. Der Königliche Landrat.

J. A.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die Reichstags stichwahl in Kolmar-Czar- n i k a u - F i l e h n e hat mit dem Siege des deutschen Kan­didaten, des konservativen Gutsbesitzers Ritter-Stieglitz, geendet, der den Polen mit nahezu doppelter Stimmenzahl schlug. Die Polen hatten rund tausend Stimmen mehr aufgebracht als bei der Hauptwahl, bei der damals die Sozialdemokratin 1003 Stimmen erhielten. Woher diese Zunahme der Stimmen in der Stichwahl bei den Polen stammt, ist daher nicht schwer zu erraten. Der Wahlkreis ist, weil alter konservativer Besitz, als einziger nicht in das Kompromiß der deutschen Parteien in der Provinz Posen ausgenommen worden, und so gab es bei der Hauptwahl außer dem Sozialdemokraten drei deutsche Kandidaten nebeneinander. Aber mit Recht ist schon damals darauf hingewiefen worden, daß sich die Deutschen auch in den angeblich vom Polentum nicht bedrohten Kreisen unter keinen Umständen den Luxus der Parteizersplitterung leisten sollten. Eine solche Zersplitterung hat stets ihr Gefährliches, weil sie, wie Beispiele der Nachbarkreise zeigen, leicht einen Teil der Wähler vor eine schwierige Stichwahlentscheidung stellt und so den Kreis in die feindlichen Hände hinüberspielen kann. Das sollten alle nationalen Parteien bedenken.

Die großartig gelungene Fahrt des Zeppelinschen Lustschisfes nach der Schweiz hat die Engländer rein aus dem Häuschen gebracht. Nachdem man sich durch ungeheuerliche Anstrengung kaum vor dem angeblich drohenden Einfall der deutschen Flotte gesichert wähnt, steigt jetzt das Schreckgespenst der Beherrschung der Lust durch eine deutsche Lustschiffarmada am Horizont aus und macht die vor kurzem noch so hochgemut auf ihre Allianzen und ihre Flotte stolzen Engländer nervös und verzagt. Bei fortschreitender Entwicklung der deutschen Lustschiff.Flottille sei England keine Insel mehr, und die englische Flotte würde aushörcn, seine erste Ver­teidigungskraft zu sein. Man kann diese Unruhe wohl be­greifen, wenn man sich vergegenwärtigt, was England sich alles uns gegenüber herauszunehmen wagte, solange es sich auf seinen Inseln durch eine starke Flotte und gute Freunde vor uns sicher fühlte. Das eigene schlechte Gewissen schlägt ihm jetzt, und es befürchtet die deutsche Quittung. Wir aber können frohen Mutes in die Zukunft sehen und im festen Ver­trauen auf unsere vorbildliche Heeresverwaltung darauf bauen, daß dieser gewaltige Vorsprung Deutschlands gehörig ausgenutzt wird.

Das u n g a r i sjch e A b g e o r d n e t e n h a u § hat seine Sommerserien begonnen und sich bis zum 22. September ver­tagt. Die beendete Session hat die vielfach erwartete Klärung hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Parteiverhältnisse im

Abgeordnetenhause nicht gebracht. Allerdings ist es unrichtig, wenn behauptet wird, daß die Verhandlungen wegen der Fusion der Unabhängigkeitspartei ins Stocken geraten oder gar im Sande verlaufen seien. Das ist nicht der Fall, sie werden vielmehr ohne Unterbrechung fortgeführt, allein die Schwierigkeiten, die sich hinsichtlich einer Verständigung der beiden Parteien in der Armeesrage auf Grund eines Pro­gramms, das auch die Billigung der Krone finden würde, er­geben haben, konnten bisher nicht beseitigt werden, und darauf ist es wohl zurückzuführen, daß der Minister des Innern Graf Andrassy die für den Herbst angekündigte Einbringung des Wahlresormentwurss neuerdings auf den Januar 1909 ver­schoben hat.

Auch die russische R e i ch s d u m a ist in die Ferien gegangen, die bis zum 28. Oktober dauern sollen. Die Be­fürchtung, daß auch diese dritte Duma das Schicksal ihrer Vorgängerinnen teilen könnte, ist glücklicherweise nicht ein­getroffen. Die dritte Duma hat sich ohne Zweifel als arbeits­fähig erwiesen, kann mit Stolz aus ein tüchtiges Stück Arbeit zurückblicken und nimmt das Bewußtsein mit, daß ihr Ansehen bei der Bevölkerung im Laufe der Session stetig gewachsen ist. Eine ganze Reihe kleinerer Vorlagen wurde verabschiedet und ebenso das Wichtigste, das Budget. Freilich in ihrer Auffassung von der Nichtnotwendigkeit der Flottenbauvorlage hat sich die Duma durch den Reichsrat eine Korrektur gefallen lassen müssen. Aber dieser Streit war schließlich auch mehr eine Formfrage. Daß für Rußland eine neue Flotte not­wendig ist, sieht selbst der schlichteste Muschik ein. So kann die Duma befriedigt in die Ferien gehen. Für die nächste Session harrt ihrer die Beh'anÄung hochwichtiger Ausgaben innerpolitischer Art. Die dritte Duma hat sicherlich den Beweis der Lebensfähigkeit geliefert und so die Existenz­berechtigung einer russischen Volksvertretung bewiesen.

Dagegen bietet der Schluß der parlamentarischen Tagung in Frankreich nicht gerade ein erhebendes Schauspiel. Mit dem Hauptgegenstand, der diese ordentliche Tagung seit dem Monat Februar beschäftigt hat, der Ein­kommensteuer, ist man nun doch nicht fertig geworden, ja von den Paragraphen der Vorlage ist erst die Hälfte durchberaten worden. Gerade ein paar der am meisten umstrittenen Be­stimmungen harren noch der Erledigung, z. B. die über das Einkommen aus landwirtschaftlichem Betrieb, und die Mehrheit der Abgeordneten ist sicherlich froh, der Entscheidung darüber vorläufig aus dem Wege zu gehen.

Zeppelins Fernfahrt abermals verschoben.

Ueber derGroßen Fahrt" des Zeppelinschen Ballons waltet kein günstiges Geschick. Nachdem der Motordefekt, der das Fahrzeng bald nach Antritt seiner vorgestrigen Fahrt zur Rückkehr gezwungen hatte, schneller, als man gedacht, repariert worden war, beabsichtigte Graf Zeppelin bereits im Laufe des gestrigen Vormittags, die Fahrt nach Mainz anzutreten. Im letzten Augenblick wurde aber der Plan durch einen unglück­lichen Zufall aufs neue vereitelt. Das Fahrzeug erlitt nämlich beim Heraussahren aus der Halle Beschädigungen am Vorderteil, besonders an der Höhensteuerung und dem Propeller, die für die nächsten Tage einen Ausstieg voraussichtlich unmöglich machen. Ueber den Unfall, der überall das größte Bedauern erregen wird, erhält der L. A. nachstehende Meldung:

Friedrichshasen, 15. Juli. Als'das Luftschiff kurz vor 11 Uhr aus der Halle herauskam, machte es, wegen der Enge des Raumes zwischen der Halle und dem langen Landungssteg, eine kurze Wendung und wurde in nächster Nähe der Halle vorbei geschleppt. Eine darauf eintretende Veränderung der Windrichtung trieb die Ballonhalle infolge deS Reißens eines Taues gegen das in der Fahrt begriffene Luftschiff, dessen Seite unter großem Krach gegen die Längs- wand der Halle geriet, aber bald wieder davon abkam. Die vordere Höhensteuerung links und der entsprechende Propeller nebst der vorderen Gaszelle sind beschädigt. Die Fernfahrt ist vor der Hand verschoben.

Friedrichshafen, 15. Juli. Als heute früh gegen 11 Uhr der Regen etwas nachgelassen hatte, versuchte Gras Zeppelin abermals zu der Fernfahrt auszusteigen. Zunächst ging alles sehr gut. Das Lustschiff kam mit gewohnter Sicherheit aus der Halle hervor, und die ausgeführten Manöver zeugten von einer erfreulichen Sicherheit der Handhabung. Plötzlich aber erhob sich, so weit man vom Lande aus be­obachten konnte, ein Windstoß quer über den See herüber, der den gerade vorn sich erhebenden Ballon und die ihm entgegeuschlagende drehbare Halle gegeneinander warf, wobei der Zusammenstoß infolge des Bruches des Schlepptaues be­sonders heftig war. Es brach der vordere Propeller, auch lösten sich einige Drahtbänder der vorderen Gondel, und die ganze linke Seite der Spitze des Ballonkörpers selbst zeigte einen starken Riß, so daß die Fetzen in der Luft flatterten. Der Ballon ging sofort auf den See nieder und wurde durch das flinke Motorboot etwas von der Halle weggezogen, auf deren Auslaufbrücke sich dann auch sofort wieder die Mann­schaft in Bereitschaft hielt. Ein ebenso schwieriges, wie

interessantes und spannendes Unternehmen, bisweilen sogar ein sehr aufregendes Schauspiel bW nun die Bergung <W Ballons, die sich infolge des stark einfe^enM Sturmes zu einer außer­ordentlich schwierigen Aktion gestaltete.

Friedrichshafen, 15. Juli. Das Luftschiff wurde beim Hinausbringen aus der Halle infolge falschen Manövrie- rens des neubeschafften Schleppbootes und des dadurch veranlaßten Reißens des Schleppseiles vor Angehen seiner Motore vom Winde gegen die eiserne Ballonhalle getrieben. Bei dem Anprall brach das vordere linke Höhensteuer, der Propeller wurde beschädigt, der Lustschiffkörper selbst blieb unverletzt und bewies damit seine außerordentliche Widerstands­fähigkeit. Eine abgerissene Holzplanke stieß ein Loch in die Stoffbekleidung und in die Gaszelle an der Spitze. Alle übrigen sechszehn Gaszellen blieben völlig intakt. Die Re­paratur des Luftschiffes erfordert etwa 14 Tage, da bierzu die Gaszellen entleert werden müssen und die Beschaffung der neuen Gasfüllung drei Wochen dauert, könnten die Fahrten früher nicht wieder ausgenommen werden.

Dieser erneute notwendige Aufschub der Fernfahrt Friedrichs­hafenMainz könnte zu pessimistischen Prophezeihungen über die weitere Zukunft der Zeppelinschen Erfindung verleiten, wenn es eben nicht feststünde, daß bloße widrige äußerliche Umstände einstweilen die Ausführung des Unternehmens nicht gestatteten. Wohl muß es für den Grasen Zeppelin verdrießlich sein, daß ihm ein neidischer Zufall gerade in dem Augenblick, da er vor dem größten Triumph seines Lebens steht, das Steuer aus der Hand nimmt. Dennoch beweisen beide Unfälle nichts gegen die Brauchbarkeit des Fahrzeuges. Es hat so glänzende Beweise seine Leistungsfähigkeit bereits erbracht, daß diese Störungen nichts besagen wollen. Auch Gras Zeppelin selber hat schon Schwereres ertragen als die peinliche Not­wendigkeit, die Herren, die mit ihm die Fahrt unternehmen wollen, wieder auf einen späteren Tag vertrösten zu müssen. Jedenfalls wird nach Beendigung der Reparaturen an dem Ballon sofort der Ausstieg zur Fahrt nach Mainz wiederum unternommen werden und es steht nicht zu bezweifeln, daß sie dann zu einem glücklichen Ausgange führen und hiermit dem kühnen Manne, aus den die ganze Welt jetzt mit staunender Bewunderung blickt, nach der soeben erlittenen kleinen Ent­täuschung eine um so größere Genugtuung gewähren wird. Bereits jetzt erscheint ja Graf Zeppelin als der Träger eines der größten Siege des menschlichen Geistes über den Widerstand der Elemente und mit berechtigtem nationalen Stolze dürfen daher wir Deutsche auf ihn, den trotz seiner 70 Lebensjahre noch wie mit Jugendsrische und Jugendmut austretenden Ueberwinder der Lust blicken möge Graf Zeppelin ein volles Ergebnis seines Schaffens und Wirkens im Reiche der Lüfte beschieden sein!

Ein schweres Grubenunglück bei Essen.

Auf der Essener Zeche Carolus Magnus ereignete sich vorgestern nachmittag tief unten aus der siebenten Sohle im Dynamitlager eine verhängnisvolle Explosion, der 19 brave Bergleute zum Opfer fielen. Elf davon waren sofort tot; drei von ihnen liegen noch unter den Trümmern und konnten, trotz fieberhafter Tätigkeit der Rettungsmannschaften, bisher nicht geborgen werden. Vor den Eingängen zu den Zechen- anlagen spielten sich herzzerreißende Szenen. ab;

Essen, 4. Juli. Gegen 4 Uhr nachmittags explodierten aus noch unausgeklärter Ursache auf der Sohle 7 der Zeche Carolus Magnus 475 Kilogramm Dynamit und richteten furchtbare Zerstörungen im Schacht an, so daß man erst nach vierein- halbstündiger ununterbrochener Arbeit einigermaßen einen Ueber- blick über den Umfang des Unglücks gewinnen konnte. Im ganzen hat die Katastrophe 11 Tote gefordert; 5 Bergleute wurden schwer verletzt; außerdem erlitten noch drei Verwundungen leichterer Art. Die Verletzten sind bereits geborgen, während von den Getöteten erst acht aus den Trümmern herauS- gearbeitet worden sind. An dem Tod der drei noch fehlenden, darunter der Steiger Spitznas, besteht bei den Rettungsmann­schaften kein Zweifel. Sie sind jedenfalls unmittelbar durch den gewaltigen Luftdruck infolge der Explosion getötet worden, denn sie liegen gleich an der Unfallstelle in der nächsten Um­gebung der siebenten Sohle, wo der Dynamitschuppen ex­plodierte. Die Strecken sind so stark zu Bruch gegangen, daß man zu den Aufräumungsarbeiten längere Zeit brauchen wird; es ist also unbestimmt, wann die noch fehlenden drei Leichen geborgen werden können.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 16. Juli 1908.

Von der Nordlandreise Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Odde, 15. Juli. Die für heute in Aussicht genommene Partie nach dem Buar Brä mußte wegen Regens unterbleiben, Se. Majestät der Kaiser konnte aber Nachmittags einen Spaziergang mit den Herren der Umgebung unternehmen, der auch bei Regen endete. Morgen Donnerstag früh 9 Uhr erfolgt die Absahrt nach