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Frau Craysord kommt soeben daher, Herr. Sie war hinter Ihnen, als Sie in das HauS gingen."

Ist Fräulein Burnham bei ihr?"

Nein, Herr; Fräulein Burnham ist unten am Strande bei den übrigen Passagieren. Ich hörte, wie sie nach Ihnen fragte."

Nach mir?" sagte Craysord überlegend und fügte leiser und ernster hinzu:So sagen Sie Fräulein Burnham, daß Sie mich hier gesehen haben."

Der Mann grüßte und ging. Craysord schritt im Boot- hause ab und auf.

Obgleich er vom Tode in den Orden des Nordpols er­rettet und mit seinem schönen Weibe wieder vereinigt war, sah er doch unsagbar bekümmert und gedrückt aus. Woran mochte er wohl denken? Er dachte an Klara. Am ersten Tage, an dem sich die Geretteten an Bord derAmazone" befanden, hatte Klara nicht allein Craysord, sondern auch all' die anderen Offiziere der Expedition durch die Art, in welcher sie nach Franz Aldersley und Richard Wardour fragte, in Verlegenheit gebracht. Sie hatte keine Spur von Kummer oder Verzweiflung gezeigt, als sie hörte, daß man nichts über die zwei Vermißten erfahren hatte. Sie hatte sogar traurig vor sich hin ge­lächelt, als Craysord aus Mitleid für sie erklärte, daß er und die Kameraden die Hoffnung, Franz und Wardour wiederzu- sehen, noch nicht aufgegeben hätten. Obgleich sie ruhig sprach, verrieten ihre ersten Worte doch, daß derselbe Verdacht in ihrer Seele lauerte, wie ihn auch Craysord hegte: eS mußten böse Dinge vorgefallen sein. Der Leutnant war darüber so be­kümmert und seine Kameraden so betreten, daß alle, einer Antwort unfähig, sie sprachlos anstarrten. Die Vorboten des Sturmes, welcher bald daraus losgebrochen war, zeigten sich schon am Himmel und auf der See. Craysord erfaßte die Gelegenheit, um, sich kurz entschuldigend, die Kajüte, in der das Gespräch stattgefunden hatte, verlassen zu können und seine Kameraden schützten, seinem Beispiele folgend, ihre Pflichten aus Deck vor und gingen, wie er.

An den zweitnächstsolgenden Tagen wütete der Sturm und die Passagiere waren nicht im Stande, ihre Zimmer zu verlassen.

Jetzt aber, da sich der Wind gelegt, das Schiff Anker ge­worfen hatte, jetzt, da Offiziere wie Passagiere am Land waren, und mehrere freie Stunden vor sich hatten, ergriff Klara die Gelegenheit, auf die Vermißten zurückzukommen und daraus bezügliche Fragen zu stellen, welchen zu entgehen Craysord diesmal keine Ausrede finden konnte. Wie sollte er ihren Forschungen begegnen? Wie konnte er sie noch länger im Unklaren über die Wahrheit laffen?

Das warm die Gedanken, welche Craysord bestürmten und ihn, den erst Geretteten, in dem eigentümlich wider­sprechenden Lichte eines gedrückten, bekümmerten Mannes zeigten.

Seine Kameraden schobm ihm, wie er recht gut wußte, die Pflicht der Verantwortlichkeit hauptsächlich zu. Nahm er sie an, so mußte er sofort den entsetzlichen Verdacht Klaras be- stätigen. Dem mußte gesteuert werden. Aber wie, barmherzig

und ehrenhaft zugleich? Das war mehr, als Craysord sagen konnte.

Er stand noch in seine düsteren Gedanken verloren, als seine Frau in die Hütte trat. Ein Blick auf ihr Gesicht ge­nügte, um zu wissen, daß sich seine eigene Unruhe und Be­sorgnis in ihrer Seele wiederspiegelte.

Hast Du Klara gesehen, ist sie noch am Ufer?" fragte Craysord.

Sie folgt mir hierher", antwortete Frau Craysord.Ich habe sie heute morgen gesprochen. Sie besteht noch ebenso entschieden daraus wie früher, von Dir die näheren Umstände, unter denen Franz vermißt wird, zu hören. Wie die Sachen stehen, bleibt Dir kein Ausweg, Du mußt ibr ant­worten."

Hilf mir, Lucie. Sage mir, ehe sie kommt, woher ihr zuerst der entsetzliche Verdacht kam. Sie konnte, als wir England verließen, unmöglich mehr wissen, als daß die Beiden verschiedenen Schiffen zugeteilt waren. Wie bemächtigte sich ihrer der Argwohn, daß sie zusammengekommen wären?"

Schon als die Expedition England verließ, war sie fest überzeugt, Wilhelm, daß sie zusammenkommen würden; und sie laS in Büchern über Nordpolreisen von Leuten, welche auf dem Marsche hinter ihren Kameraden zurückgeblieben waren, von anderen, welche auf Eisbergm herumtricben. Den Geist mit dergleichen Bildern und Befürchtungen erfüllt, sah sie Franz und Wardour, oder träumte von ihnen in einem ihrer mag­netischen Schlasanfälle.

Ich war an ihrer Seite, ich hörte jedes ihrer Worte: Sie warnte Franz vor Wardour, weil er die Wahrheit entdeckt hätte, und rief ihm zu:So lange Dich Deine Füße tragen, halte Dich zu den andern, Franz!"

Großer Gott!" rief Craysord,ich warnte ihn, als ich ihn zum letzten Mal sah, fast mit denselben Worten."

Gieb ihr das niemals zu, Wilhelm, laß sie stets in Un- wissenheit darüber, was Du mir soeben sagtest. Sie würde es nicht als ein befremdendes Zusammentreffen, was es ja in der Tat ist, ansehen, sondern als bestimmte Bestätigung ihres abscheulichen Aberglaubens hinnehmen. So lange Du nicht mit Bestimmtheit weißt, daß Franz tot und durch Wardours Hand gefallen ist, so lange leugne alles ab, was sie sagt, leite sie um ihretwillen falsch, widersprich allen ihren Schlüssen wie ich. Hils mir, sie an den besseren, edleren Glauben, an ein gütiges Geschick verweisen!"

Sie brach ab und schaute sich aufgeregt um.

Still!" flüsterte sie daraus,tue, wie ich Dir gesagt. Klara ist hier."

(Fortsetzung folgt.)

vermischter.

(Die Sprachlehrerin als Spionin.) In der Kieler LandesverratSaffäre, über die wiederholt berichtet wurde, finden fortgesetzt Vernehmungen statt. In den letzten Tagen sind u. a. mehrere junge Damen vernommen worden, die mit der verhaftetenSprachlehrern" bekannt geworden

waren. Die Petersen knüpfte in den Monaten ihres Kieler Aufenthalts zahlreiche Bekanntschaften, namentlich mit jungen Damen an, in deren Familien sie sich dann einführen ließ. Sie zeigte sich außerordentlich gewandt und belesen und gab, wenn ihr lebhaftes Interesse für die Kieler Verhältnisse auffiel, an, daß sie Berichterstatterin für auswärtige Zeitungen sei. Sie liebte es, als Französin angesehen zu werden. Als sie eines Abends der Mutter einer neuen Bekannten die Frage vorlegte, für was sie sie halte, antwortete diese scherzhaft: Für eine Spionin." Die unerwartete Antwort brächte die Fragestellerin fast ganz aus der Fassung, doch legten die übrigen Anwesenden der Angelegenheit kein Gewicht bei. Die Bekanntschaft des Oberfeuerwerkersmaat Dietrich machte sie eines Tages bei einem Ausflug in die Umgegend. Daß das verbrecherische Paar Helfershelfer hatte, steht fest. Wie in eingeweihten Kreisen verlautet, soll es sich um sehr wichtige Geheimnisse gehandelt haben, denen die beiden Verhafteten aus die Spur zu kommen suchten, und von denen sie auch schon etwas in Erfahrung gebracht hatten; die Polizei ist gerade rechtzeitig dahinter gekommen. Unter den Helfershelfern sollen sich zahlreiche Matrosen befinden.

Zu dem Einsturz der neuen Militär­ball o n h a l l e i n Metz, die, wie wir berichteten, durch einen Sturmwind zerstört worden ist, wird berichtet: Die eingestürzte Ballonhalle war bestimmt zur Ausnahme eines Zeppelinschen Luftschiffes, für das Metz als Station ausersehen ist. Die Halle ist etwa seit zwei Monaten im Bau begriffen und sollte in beschleunigtem Tempo fertiggestellt werden. DaS 35 Meter hohe Eisengerippe war vollendet. Heute sollte mit dem Mauerwerk begonnen werden. Zwischen fünf und sechs Uhr fegte ein kurzer, aber heftiger Wirbelwind über die Stadt, der auf den großen freien Freskatyplatze mit unerwarteter Gewalt auf die Ballonhalle prallte. Die Eifenteile wurden geknickt und ge­dreht, als seien sie durch einen riesigen Schraubstock gezogen und unter donnerndem Getöse stürzte der stolze Bau zusammen. Er bildet nur noch einen gewaltigen Schutthaufen. Fünf Arbeiter wurden von den Eisenstücken mit großer Wucht ge­troffen, einem derselben mußte der linke Fuß amputiert werden, auch die übrigen sind schwer verletzt.

(Folgen der Hitze.) Wie aus Wien gemeldet wird, sind infolge der großen Hitze und Trockenheit, die be­reits Obst- und Waldbäume bedroht, gestern zahlreiche Brände entstanden. Bei Mauer kam im Lainzer Tiergarten ein Wald­brand aus, der trotz angestrengter Arbeit aller Feuerwehren 400 Quadratmeter Wald einäscherte. Außerdem entzündeten Funken einer vorüberfahrenden Lokomotive bei Leopoldau an der Nordbahn die Felder von zchn Grundeigentümern.

Madrid, 14. Juli. Nach einigen Wochen fürchter­licher Hitze hat vorgestern das Wetter plötzlich umgeschlagen. Im Norden und Zentrum Spaniens ist Feuchtigkeit und em­pfindliche Kälte eingetreten. An der Nordwestküste ist die See stark bewegt. Zahlreiche Fischerboote aus Bilbao San- tander und San Sebastian wurden vom Sturm zerschlagen. Etwa dreißig Fischer ertranken.

Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei, Hersseld.Verantwortlicher Redakteur Friedrich Funk in HerSseld.