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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 80. Sonnabend, den 11. Juli 1908.

Amtlicher teil

Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Eintalerstücke deutschen Gepräges. Vom 27. Juni 1907.

Auf Grund der Artikel 8,15 Abs. 1 Ziffer 1 des Münz- gesetzeS vom 9. Juli 1873 (Reichs-Gesetzbl. S. 233) hat der Bundesrat die nachfolgenden Bestimmungen getroffen:

§ 1-

Die Eintalerstücke deutschen Gepräges gelten vom 1. Ok­tober 1907 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

§ 2.

Die Taler der im § 1 dieser Bekanntmachung bezeichneten Gattung werden bis zum 30. September 1908 bei den Reichs- unb Landeskassen zu dem Wertverhältnisse von drei Mark gleich einem Taler sowohl in Zahlung als auch zur Um- wechselung angenommen.

§ 3.

Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausch (§ 2) findet aus durchlöcherte und anders als burdj den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf ver­fälschte Münzstücke keine Anwendung.

Berlin, den 27. Juni 1907.

Der Reichskanzler: J. V.: gez. Freiherr von Stengel.

»

Wird veröffentlicht. HerSfeld, den 6. Juli 1908.

J. I. 7014. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

HekSseld, den 4. Juli 1908.

Zwecks Feststellung der in den einzelnen Gemeinden des KreiseS vorhandenen Handwerksbetriebe, in denen Lehrlinge beschäftigt werden, hat die Handwerkskammer in Castel den Herren Bürgermeistern deS Kreises Ermittelungslisten übersandt, welche auszufüllen und alsbald zurückzusenden sind.

Ich ersuche diese Listen ordnungsmäßig auszufüllen, der Handwerkskammer in Castel umgehend zurückzusenden und mir binnen 8 Tagen zu berichten, daß dies geschehen ist.

I. 6954. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 6. Juli 1908.

Der Ziegeleibesitzer Konrad Heimeroth in Schenk- lengsfeld beabsichtigt auf seinem Grundstück Kartenblatt 10 Parzelle 62 in der Gemarkung SchenklengSfeld (bei der Ober­mühle) einen

Ringofen zu erbauen.

Etwaige Einwendungen hiergegen sind binnen 14 Tagen dahin schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr gellend gemacht werden.

Sofern Einsprüche rechtzeitig erhoben werden sollten, werden diese im mündlichen Verhandlungstermin am

Sonnatenb, den 25. M ). H

morgens 10 Uhr dahin erörtert werden und zwar auch im Falle des Ausbleibens deS Unternehmers oder dn Widersprechenden.

Die Zeichnungen und Beschreibung liegen während dn Dienststunden zur Einsicht der Beteiligten hier offen.

J. A. Nr. 3815. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 10. Juli 1908.

Herr List, Lehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule zu Fulda wird hier im Kreise folgende Vorträge halten:

1. am Sonntag, den 12. d. Mts., nachmittags 6V2 Uhr in Frielingen überStallmistbehandlung und Stallmist­düngung",

2. am Montag, den 13. d. MtS., abends 8 Uhr, in Sann überTagesfragen der Praxis",

3. am Freitag, den 17. d. Mts., abends 8 Uhr in Philippsthal überDüngung der Kulturpflanzen",

4. am Sonnabend, den 18. d. Mts., abends 8 Uhr, in H eringen überWasserwirtschaftliche Fragen landwirtschaft­licher Betriebe".

Die Herren Bürgermeister der Ortschaften, in denen der Vortrag stattfindet, haben rechtzeitig für ein geeignetes Lokal zu sorgen.

Ferner haben die Herren Bürgermeister der VortragSorte und die der Nachbargemeinden für alSbaldige ortsübliche Be­kanntmachung der gedachten Vorträge Sorge zu tragen. Ich empfehle den Besuch der Vorträge dringend.

I. I. 7074. Der Königliche Landrat.

3. A.: Fellinger, RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher teil.

PolitischeHöchenbericht.

Der Kaiser hat seine alljährliche Nordlandreise angetreten, der Reichskanzler weilt auf der stillen Nordseeinsel Norderney. das sind die äußeren Zeichen, daß die Zeit der großen Sommerruhe in der inneren Politik angebrochen ist. Im Grunde nicht viel später als in anderen Jahren, der Ausgang der Kieler Woche pflegt schon feit geraumer Zeit die tote Saison einzuleiten. Indes geht ihr sonst wohl eine Art Vorsaison voraus, ein paar stille Juniwochen, in denen nichts passiert und die Seeschlange schon schüchtern ihr Haupt reckt. Das ist diesmal bekanntlich anders gewesen. Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause haben mit ihrem Drum und Dran fast den ganzen Juni erfüllt. Wird aber dem Reichskanzler die Sommerrast von innerpolitischen Problemen diesmal wohl kaum behelligt werden, so ruhen inzwischen doch auch in dieser Zeit die vorbereiteten Arbeiten für die nächste parlamentarische Kampagne nicht, und in den Arbeitsstuben deS Staatssekretärs v. Sydow wird sicherlich an dem finanz­politischen Reformkleide gewoben, das im Herbste dem Reiche beschert werden soll.

Inzwischen hat sich in derLellung der Ansiedlungs- k o m m i s s i o n ein Wechsel vollzogen: der bisherige Präsident Blomeyer übernimmt das Präsidium der Regierung in Stral- sund, und der bisherige Regierungspräsident von Allenstein Dr. Gramsch hat sein Amt als Präsident der Ansiedlungs- kommission bereits angetreten. Daß das staatliche Ansiedlungs- werk allmählich Früchte trägt, das hat sich am deutlichsten bei den Reichstags- und Landtag-Wahlen gezeigt. Dem neu* ernannten Präsidenten aber sind die Verhältnisse, unter benen er zu arbeiten hat, nicht fremb. Seit Begründung der ost­deutschen Landgesellschaft, deren Aussichtsrate er angehörte, hat er den Ansiedlungsfragen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Als hervorragender Verwaltungsbeamter mit ungewöhnlicher Arbeitskraft wird er das Werk feiner Vorgänger entschlossen weiterführen und ausbauen. Die nationalgesinnten deutschen Kreise haben daher zu ihm das Vertrauen und die Zuversicht, daß er trotz der Schwierigkeiten, welche die Umgestaltung deS VerwaltungSorganismus der AnsiedlungSkommission mit sich bringt, an der Kräftigung und Mehrung des ostmärkischen Deutschtums erfolgreich Wirten wird.

Ruht so daS Deutschtum in unserer Ostmark in guten Händen und darf es mit froher Zuversicht in die Zukunft schauen, so ist das Deutschtum in Böhmen durch den tschechischen Fanatismus arg bedrängt und schwer gefährdet. Ueberall verlangen die Tschechen auch in rein deutschen Ge- genben eigene tschechische Schulen und die durch den fortgesetzten Zuzug tschechischer Arbeitermassen nach Deutschböhmen wachsende nationale Gefahr kündigt sich auf keinem Gebiete mit solcher Deutlichkeit an wie aus dem der Schulen. Ist doch allein im vergangenen Jahre die Schülerzahl in den bereits den deutschen Gemeinden zur Last fallenden tschechischenMinoritätsschulen" um fast elshundert gewachsen. Das sind Tatsachen, die das österreichische Deutschtum zu entschiedenster Abwehr aufrufen müssen.

Die eigenmächtige Besetzung von Azemmur in Marokko durch den sranzösischen Oberbefehlshaber d'Amade hat der französischen Regierung arge Verlegenheiten bereitet, so daß sie daS Vorgehen ihres Generals bereits in einer amtlichen Note hat mißbilligen müssen. Die französische Regierung hat darin anerkannt, daß der General durch die Besetzung von Azemmur gegen seine Instruktion gehandelt hat und hat ihn aufgefordert, sich aus seine ursprüngliche Operationsbasis zurück- zuziehen. DaS Verhalten der französischen Regierung ist also korrekt, und die Verantwortung für den kriegerischen Seiten- fprung fällt dem General d'Amade zu; denn die Besetzung Azemmurs ist eine unleugbare Einmischung in innere marok­kanische Verhältnisse. Die französische Regierung hat durch ihre Zurechtweisung des übereifrigen Generals bekundet, daß sie nicht durch Maßregeln ihrer in Marokko tätigen Organe kompromittiert zu werden wünscht, für die es kein .Bestreiten und keinen Vorwand gibt. Vor weiteren Verlegenheiten wie der durch die Besetzung Azemmurs verursachten, würde die französische Regierung sich aber am besten sichern und zur Be­ruhigung des Landes beitragen, wenn sie nunmehr mit der Anerkennung Mulay Hafids nicht länger zögerte.

Recht überraschend sind die Nachrichten gekommen, die von einer großen Erhebung in Nordmexiko meldeten. Seit Beginn der Regierung des Präsidenten Porfirio Diaz haben in Mexiko jahrzehntelang Ruhe und Ordnung geherrscht, und von aufständischen Bewegungen, die früher dort an der Tagesordnung waren, ist keine Rede mehr gewesen. Da über die Ursachen und näheren Umstände der jüngsten Unruhen bisher nichts verlautet, ist eS auch nicht möglich, sich ein Urteil darüber zu bilden.

Vom Schlachtseld -es 4. Zull.

Die blutigen Kämpfe der Vereinigten Staaten um ihre Freiheit und um ihre Unabhängigkeit haben den Amerikanern

nicht so riesige Opfer an Toten und Verwundeten auserlegt, als die Feier des Jahrestages der Unabhängigkeit, deS 4. Juli; allein in den letzten 20 Jahren hat der 4. Juli mehr Menschenopfer gefordert, als der ganze Unabhängigkeitskrieg. Wenn auch in diesem Jahre die Opfer in ihrer Zahl gegen die der Vorjahre zurückbleibt die bis jetzt vorliegenden Berichte, die freilich noch nicht vollständig sind, verzeichnen 52 Tote und 1300 Verletzte, so geben sie doch ein vielsagende» Bild von der wilden patriotischen Leidenschaft, die an diesem Festtage im amerikanischen Volke aufschäumt und die ganze Union in ein einziges freudig lärmendes Chaos von natio­nalem Stolz und patriotischer Erregung umwandelt. Wenn man die patriotische Hingabe einer Volkes nach dem Straft* auswande mißt, mit dem die nationalen Festtage gefeiert werden, so wird der fremde Beobachter bald zu der Ueberzeugung kommen, daß wohl kein Volk es den Amerikanern an Patriotis­mus gleichtut. Wer niemals einen 4. Juli in Amerika erlebt hat, vermag sich keine Vorstellung zu machen von dem ohren­betäubenden Lärm und dem frenetischen Jubel, der an diesem Tage die Sttaßen aller amerikanischen Städte erfüllt. Man begnügt sich nicht mit Festreden; die große Mehrheit der Volkes drängt zu lebhafterer und volltönenderer Bekundung ihres Vaterlandsgefühls, und das Mittel dazu ist daS Feuer» werk. Vom Morgen bis zum Abend hallen die Sttaßen wider von Schüssen und zischend auffausenden Raketen. Böllerschläge dröhnen dumpf durch die Lüfte, und aus dem Fahrweg knattert ein pausenloses Schnellfeuer von Fröschen und allen anderen Arten lärmender Feuerwecke. Aber diese geräuschvolle Ack des- FestefeiernS, die den unverbrauchten amerikanischen Nerven alle Ehre macht, hat aus der anderen Seite die traurigsten Folge­erscheinungen, die zwar in dem Rausch des Tages überfein werden, am 5. und 6. Juli aber tn den langen, fast kriegs- mäßig zugestutzten Verlustlisten der Zeitung ihr mahnendes" Echo finden und schon lange den Staatslenkern und den Aerzten schwere Sorgen bereiten. Das Journal der amerika­nischen ärztlichen Gesellschaft hat eine genaue Statistik aufgestellt, in der alle Opfer des 4. Juli zusammengestellt werden. Allein eine Uebersicht über die letzten Jahre veranschaulicht die Größe der Opfer, die der entfesselte PattiotiSmuS alljährlich fordeck. Im Jahre 1903 blieben 466 Tote und 3983 Verwundete auf dem Schlachtfeld deS 4. Juli, im Jahre 1904 waren e» 183 Tote und 3986 Verwundete, 1905 182 Tote und 494 Ver­wundete, und im Jahre 1906 bezahlten 158 Bürger ihren Patriotismus mit dem Leben und 5308 trugen in mehr oder minder schweren Verletzungen bleibende Erinnerungen an den Nationalfesttag mit nach Hause.

Unter den Todesursachen bildet eine eigenartige Form der Starrkrampfes, den die amerikanische Aerztewelt bereits den Namen desStarrkrampfes vom 4. Juli" gegeben hat, einen Hauptteil; meist sind es Kinder, die nach einem furchtbaren Todeskampf dabei ihr Leben verlieren. Völlig erblindet sind in der letzten Zeit im Jahre 1903 10, 1904 19, 1905 25, 1906 22 Menschen, und mit dem Verlust eines AugeS be­siegelten im Jahre 1903 75, 1904 61, 1905 106 und 1906 72 Allzubegeisterte ihre nationale Festesfreude vom 4. Juli. Aber nicht allein die Bürger, die an diesem Tage auf den Sttaßen und Plätzen der Städte durch Feuerwerk und Freuden- schüsfe ihren Jubel manifestieren, fetzen sich großen Gefahren aus; die Aerztewelt führt drohende Klagen über die furchtbaren Verheerungen, die der sinnesbetäubende Straßenlärm an diesen Tagen in Hospitälern und Krankenhäusern anrichtet, in denen schwache Kranke um ihr Leben ringen. Im Jahre 1905 wurden in den Krankenhäusern Chicagos infolge des Straßen- lärmS Hunderte von Kranken von furchtbaren Nervenansällen befallen, die in vielen Fällen von dauernden Folgen für die Genesung und Gesundheit gewesen sind. Zahllos sind am 4. Juli auch die Brände, die infolge des unbekümmerten Feuerwerksspiels in allen Stadtteilen ausbrechen und den amerikanischen Feuerwehrleuten den Nationalfesttag zu einem Tag der härtesten Arbeit machen, aus den sie schon lange vorher mit allen Mitteln sich vorbereiten. In New Dock wurden im Jahre 1904 am 4. Juli nicht weniger als 64 Brände verzeichnet. Die meisten Opfer des Festes stellt natürlich die Jugend, die diesen Tag, wo es zum guten Ton gehört, Lärm zu machen und das sonst verpönte Feuerwerk spielen zu lassen, nach Kräften ausnutzt. Auch in diesem Jahre ist die Zahl der Fälle ohne Ende, in denen harmlose Spielerei ein tragisches Ende fand. In New York fiel ein Junge bei seinen Experimenten mit Raketen vom Dach auf die Straße und zerschmetterte zu einer unförmigen Masse. Drei Jungen, die in einem Boot Feuerwerk machten und die Frösche in die Luft warfen, brachten durch ein Versehen einen Feuerwerks- körper im Boot zur Explosion; in dem Eifer, dem Feuer zu entgehen, kenterte das Boot, einer der Knaben erttank, und die anderen konnten nur mühsam gerettet werden. Ein Mann wurde aus dem Dache seines Hauses zufällig erschaffen, und ein anderer tötete sich durch einen Zufall beim Laden seines Revolvers. Und derartige Unglücksfälle bilden durchaus keine Ausnahmefälle. Das beste Geschäft freilich machen dabei die Händler, die sich mit dem Vertrieb von Feuerwerk beschäftigen, und die alljährlich zum 4. Juli gewaltige Mengen ihrer Waren absetzen. Die Fabrikanten schätzen in diesem Jahre