öffentlichen Arbeiten gerichtete Denkschrift, die auch die Unterstützung von verschiedenen Handelskammern gefunden hat, erstrebt die Abänderung der gegenwärtig für die Verausgabung von Sonntagsfahrkarten geltenden Bestimmungen in folgendem Sinne: 1. Wegfall der Festsetzung bestimmter Trasien, für die Sonntagsfahrkarten verausgabt werden und Zulassung solcher Karten nach jeder beliebigen Station, die innerhalb einer gewissen Entsernung vom Ausgabeorte liegt.
2. Gültigkeit derjenigen Sonntagssahrkarten, die am ersten Weinachts-, Öfter- und Pfingstseiertage gelöst werden, zur Rückfahrt auch noch am zweiten Feiertage dieser hohen Feste. 3. Herabsetzung der Taxe für Sonntagsfahrkarten aus den einfachen Normalsatz d. h. auf 3 Pfg. sür den Kilometer in der dritten Wagenklasse und 4Va Pfg. in der zweiten Wagen- klasfe (die jetzigen Sätze betragen bekanntlich 4 Psg. für die dritte und 6 Pfg. für die zweite Wagenklasse). 4. Gültigkeit der Sonntagssahrkarten zur Rückfahrt auch für Eilzüge unbeschränkt und im Bedarssfalle auch für bestimmte Schnell- und D-Züge, eventl. gegen Nachzahlung von nicht mehr als 1 Pfg. pro Kilometer oder des tarifmäßigen Schnellzugs- zuschlages. Die Denkschrift regt weiter an, überhaupt keine besonderen Sonntagssahrkarten auszulegen, sondern die gewöhnlichen Fahrkarten an Sonn- und Feiertagen aus jeweiliges Verlangen des Reisenden einfach mit dem Stempel „S" zu versehen, wodurch die Karte auch zur Rückfahrt innerhalb der beschränkten Frist gültig gemacht wird. Da durch die hier angestrebten Erleichterungen eine bedeutende Hebung des Touristen-Verkehrs sicher zu erwarten sei, so werde, wie in der Denkschrift ausgeführt wird, dem Eisenbahn- fiskus aus der Erweiterung der Sonntagssahrkarten nicht nur kein Einnahme-Ausfall, sondern eher noch eine Mehreinnahme erwachsen.
):( Hersfeld, 6. Juli. Herrn Kantor Quehl in A s b a ch wurde von Sr. Majestät dem Kaiser und König der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Die Auszeichnung wurde dem Genannten am gestrigen Sonntage von dem Königlichen Landrat Herrn von Grunelius persönlich überbracht.
§ Hersfeld, 6. Juli. Wir machen unsere Leser wiederholt darauf aufmerksam, daß vom Magistrat dahier eine öffentliche Arbeitsvermittlungsstelle im hiesigen Rathause ins Leben gerufen worden ist. Die Vermittlungstätigkeit erstreckt sich aus gewerbliche und nicht gewerbliche Arbeiter und Arbeiterinnen, auf männliches wie auch auf weibliches landwirtschaftliches Personal, insonderheit auch aus Dienstmädchen. Die Vermittlung selbst ist sür Arbeitgeber wie Arbeitnehmer vollständig kostensrei. Sollte es nicht möglich sein, den Bedarf an Arbeitskräften oder an offenen Stellen am Ort selbst zu decken, so ist der Magistrat auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Mitteldeutschen Arbeits- nachweisverbande, der in allen Orten der Provinz Hessen- Nassau, des Großherzogtums Hessen, Fürstentum Waldeck sowie angrenzender Gebietsteile öffentliche Arbeitsnachweise unterhält, jederzeit in den Stand gesetzt, durch telephonische Anfrage bei diesen das jeweils gewünschte Arbeitspersonal zu beschaffen oder geeignete offene Stellen nachzuweisen, ohne daß auch hieraus bis auf weiteres besondere Kosten erwachsen. Für die Beschaffung bezw. Entsendung durch den Arbeitsnachweis vermittelter Arbeiter bezw. Arbeiterinnen steht dem Arbeitsnachweis eine besondere Fahrpreisermäßigung zum Kilometersatze von 1,5 Psg. auf sämtlichen Staatsbahnen zu, vorausgesetzt, daß die Entfernung mehr wie 25 km beträgt. Aus lokalem wie allgemein sozialpolitischem Interesse wird empfohlen, von dieser gemeinnützigen Einrichtung den größten Gebrauch zu machen. Anmeldungen von Stellengesuchen wie offenen Stellen werden beim Arbeitsnachweis in den Vormittags- Dienststunden entgegengenommen.
Hersfeld, 6. Juli. Ueber die Ursachen der merkwürdigenLichterscheinung, die in vergangener Woche wie in anderen Städten so auch hier abends beobachtet wurden, sind sich die Gelehrten nicht ganz einig geworden. Man weiß nicht, ob es sich bei dem Phänomen um eine dem Nordlicht ähnliche, auf gesteigerter Sonnentätigkeit beruhende magnetische Lichterscheinung oder aber um Lichtbrechung in atmosphärischen Staubschichten handelt. Gegen die erstere Annahme scheinen die scharf begrenzten, unbeweglichen, schichtartig aneinander gereihten Färbungsstreisen zu sprechen, wie sie in dieser Art bei Nordlichtern, die aus beweglichen Lichtgebilden mannigfacher Form bestehen, nie beobachtet worden sind. Um so größer scheint jedoch die Wahrscheinlichkeit, daß es sich wiederum um Wolken vulkanischen Staubes, wie nach der Krakataua-Explosion vom 27. August 1883 handelt, die eine Brechung der bis in diese enormen Höhen reichenden Strahlen der unter dem Horizont stehenden Sonne bewirken und so erst sür uns sichtbar werden. Auch nach der Explosion des Mont Pelse am 8. Mai 1902 wurden, zuerst im Juni 1903, ähnliche Wahrnehmungen gemacht. Der darüber befragte Direktor Archenhold von der Treptow-Sternwarte hält es übrigens nicht sür ausgeschlossen, daß das Phänomen mit größeren Veränderungen auf der Sonnenoberfläche Zusammenhänge, durch die in der Atmosphäre elektrische Entladungen erfolgen.
Casfel, 5. Juli. Die Ankunft der Kaiserin in Wi lhelm sh öh e, die ursprünglich auf den 10. Juli festgesetzt war, ist, wie wir hören, auf den 13. Juli vormittags verschoben worden. (T.)
Caffel, 4. Juni. Eine Maschinengewehrabteilung soll dem 83. Jnf.-Reg. vom 1. Okt. an gegliedert werden. Diese Zuteilung zu Jnfanterieregimentcrn besteht bekanntlich erst seit kurzer Zeit, nachdem sie im russisch-japanischen Kriege auf beiden Seiten und später in Südwestafrika erprobt worden ist. Im Gegensatz zu den selbständigen oder Kavallerieabteilungen beigegebenen Maschinengewehrabteilungen, die im Interesse der größeren Beweglichkeit eine der Feldartillerie nachgebildete Bespannung haben, werden hier die'Maschinengewehre nur mit 2 Pferden bespannt.
Casfel, 5. Juli. Die Passagiere des nachmittags von Frankfurt nach Casfel fahrenden Personenzuges waren am Donnerstag nicht wenig erschrocken, als plötzlich zwischen den Stationen Treysa und Kirchhain der Main-Weserbahn auf freiem Felde sämtliche Bremsen des Zuges unter großem Geräusch in Tätigkeit traten und den Zug mit plötzlichem Ruck zum Stehen brachten. Bestürzt schaute alles zum Fenster hinaus, um zu sehen, ob ein Unglück geschehen oder was sonst die Ursache des jähen Haltens sei. Geschäftig eilte das Begleitpersonal des Zuges hin und her, um festzustellen, in welchem Goupe die Notbremse gezogen sei. Bald sollte sich das Rätsel lösen. Es öffnete sich ein Coups dritter Klasse und herausspaziert kam mit heiterem Lächeln eine junge Dame, die erklärte, daß sie die Notbremse gezogen habe. Beim Heraussehen aus dem Fenster sei ihr durch einen heftigen Windstoß der neue — Svmmerhut entführt worden. Um das Objekt, das einen Wert von etwa 12 Mark habe, wieder- zuholen, sei von ihr die Notbremse in Tätigkeit gesetzt worden. Die Männer vom geflügelten Rad zeigten indessen für derartige
Argumentationen wenig Verständnis und waren ungalant genug, ohne den Hut weiterzufahren. Für die junge Dame aber, welche den Aufenthalt veranlaßt hatte, dürfte die Geschichte noch unangenehme Folgen haben, da die mißbräuchliche Benutzung der Notbremse unter hohe Geldstrafe gestellt ist.
Marburg, 3. Juli. Nachdem erst vorige Woche vor der hiesigen Strafkammer ein Fall wegen unmenschlicher Mißhandlung eines Kindes verhandelt worden war, mußte heute schon wieder über einen solchen Fall abgeurteilt werden. Das vorige Mal war der Weißbinder Dietrich hier angeklagt, sein Stieskind in scheußlicher Weise mißhandelt zu haben. Er mußte jedoch freigesprochen werden, weil sich nicht nachweisen ließ, ob er oder seine Frau die Mißhandlungen verübt hatte. Heute war die Ehesrau des Bergmanns Diehl aus Berghosen beschuldigt, ihre sieben Jahre alte Stieftochter Elisabeth in einer das Leben gefährdeten Weise mißhandelt zu haben. Die Kleine, das zweitjüngste von fünf Kindern, besand sich in so schlecht genährtem Zustand, daß sie eßbare Gegenstände von dem Misthaufen, weggeworfene gefrorene Möhren usw. auflas, um sie zu verspeisen. Bei einer Untersuchung ihres Körpers fanden sich blaue Flecken in Menge, blutunterlaufene Stellen, Beulen, ungeteilte Frostbeulen. Am 25. Januar starb sie. Nach dem ärztlichen Gutachten ist die Kleine an einem sehr . starken Bronchialkatarrh gestorben, obwohl ihr Körper Spuren sehr starker Mißhandlungen zeigte. Das Urteil lautete auf Freisprechung, weil nicht erwiesen sei, wer die Mißhandlung verübte, die Mutter oder die Großmutter.
Carlshafen, 3. Juli: Gestern abend gegen 8 Uhr ertrank im Nachbardors Lauensörde beim Baden in der Weser der Holzschneidemaschinenbesitzer Schmidt.
Wanfried, 3. Juli. Heute mittag ereignete sich am Kreuzungspunkte der Landstraße und der Eisenbahn zwischen hier und Frieda ein schwerer Unglücksfall. Der Landwirt Karl Kremmer aus Wanfried wollte, von Frieda kommend, den Uebergang mit seinem Wagen noch vor dem ankommenden Personenzuge passieren, doch war die Zeit zu kurz, die Maschine erfaßte die beiden Pferde und zermalmte sie. Der Wagen ging in Trümmer, Kremmer entging nur mit genauer Not einem jähen Tode.
Schmalkalden, 2. Juli. Der 6 Jahre alte Schul- knabe Rehdanz, Sohn des Böttchermeisters Rehdanz, der sich hinten an einen Wagen gehängt hatte, um ein Stückchen mit- zufahren, fiel infolge eines plötzlichen Ruckes des Wagens unter die Räder und wurde aus der Stelle getötet.
Suhl, 5. Juli. Am Freitag abend wurde aus dem Wege von Schwarze nach Dillstädt im Walde abseits im Gebüsch die 13jährige Pflegetochter des Landwirts Z. in Dillstädt tot aufgesunden. Es liegt ein Lustmord vor. Der 21jährige Elend aus Dillstädt wurde unter dem dringenden Verdacht gestern verhaftet und in Suhl eingeliefert.
Bacha, 4. Juli. Seitens der Gemeindebehörde wird, wie die R. Z. hört, Quartier sür eine Abteilung Genietruppen zum 16. ds. Mts. gemacht. Hierbei handelt es sich um eine Probefahrt von Krastlastwagen aus ihre Brauchbarkeit als Kriegssahrzeuge hin. Etwa 15 Lastkraftwagen mit je einem Anhängewagen und etwa 10 Personen-Automobile werden am 16. d. Mts. nachmittags von Eisenach hier eintreffen und am nächsten Morgen nach Hersseld weiterfahren.
Gensungen a./Eder, 3. Juli. Der aus dem Postamt Felsberg beschäftigt gewesene Briefträger Eckert ist beim Baden in der Eder ertrunken.
Gladenbach, 2. Juli. Wie gemeldet, wurde am 24. Juni bei Sechshelden die Leiche eines jungen, unbekannten Mannes auf dem Gleise gefunden. Jetzt sind in Dillenburg drei Backsteinmacher unter dem Verdacht verhaftet worden, den Mann beraubt und ermordet zu haben.
Windecken, 2. Juli. Als gestern nachmittag gegen 6 Uhr ein Güterzug die Station Windecken in der Richtung nach Hanau verließ, fiel der Hilssbremser Zirb der Schlußbremse, vermutlich infolge eines Hltzschlages, von seinem Stand. Die Schiebemaschine brächte ihm Verletzungen am Kops und an der einen Hand bei, die seine Ueberführung in das St. Vinzenz- Krankenhaus zu Hanau notwendig machten. Während der Nacht war er noch in bewußtlosem Zustande.
Frankfurt a. M., 1. Juli. Nach aus Newyork hierher gelangten Meldungen haben etwa 500 deutsch-amerikanische Turner die Ueberfahrt angetreten, um am 11. deutschen Turnfest teilzunehmen. Andere Turner werden in den nächsten Tagen folgen. An den zurzeit in Chicago tagenden nord- amerikanischen Turnerbund hatte die Frankfurter Turnerschaft ein Begrüßungstelegramm gesandt, worauf folgende Antwort eingetroffen ist: Der nordamerikanische Turnerbund erwidert den Gruß der Turnerschaft der Feststadt Franksutt mit einem dreifachen Gut Heil. Möge u Die Turnerfahrt der Turner Amerikas den Freundschastsbund noch fester knüpfen, der sich um die Stammesgenoffen diesseits und jenseits des Weltmeeres schlingt.
Mainz, 3. Juli. Ein junger Bahnarbeiter aus Birstein wurde am hiesigen Hauptbahnhos beim Rangieren totgedrückt. — Gutsbesitzer Schlamp vom Hose in Bürstein wurde wegen Weinsälscherei zu 1500 Mark Geldstrafe und sein Geschästs- sührer zu 500 Mark verurteilt. 4 Stück Wein wurden ein- gezogen.
Büdingen, 3. Jnli. Dem „Mainz. Tgbl." entnehmen wir folgende Mitteilung: Zu einer sensationellen Ueberraschung hat der Konkurs des Bankhauses Wertheimer in Büdingen geführt. Der Inhaber, Bankier Hofrat Rothschild, war vor mehreren Monaten flüchtig geworden. DaS Bankhaus fallierte darauf mit zehn Millionen Passiven, denen fast gar keine Aktiven gegenüberstanden. Tausende kleine und mittlere Leute verloren alle ihre Ersparnisse, die Szenen des Elends und der persönlichen Verarmung, die sich vor dem Bankhause abspielten, waren herzzerreißend. Mehrere Personen begingen infolge des Schicksalsschlages Selbstmord. Hofrat Rothschild wurde in Zürich unter anscheinend ärmlichen Verhältnissen verhaftet; er war ohne Mittel und gab als Ursache des Zu- sammenbruches verfehlte Spekulation an. Jetzt nach mehreren Monaten gelang die Entdeckung, daß Hofrät Rothschild in London acht Millionen Mk. Depositengelder eingezahlt hatte und durch die Vorspiegelung von Spekulationsverlusten einen Riesenschwindel ausgesührt hat. — Soweit bekannt ist, haben die Passiven nicht zehn Millionen, sondern zwei Millionen Mk. betragen. Der Meldung ist sehr skeptisch gegenüber- zustehen, denn wenn der Fallierte noch acht Millionen Aktiva besessen hätte, hätte er doch die zwei Millionen decken können ohne ein armer Mann zu werden.
Ilmenau, 4. Juli. Unter dem dringenden Verdacht der Falschmünzerei wurde der hier wohnhafte Arbeiter Hugo Wobst aus Dresden festgenommen und dem hiesigen Gerichtsgefängnis zugeführt. In Wobsts Wohnnng wurden Gipsmodelle und andere Gegenstände, die auf Falschmünzerei schließen lassen, vorgefunden und beschlagnahmt.
Aus dem Kreise Münden, 2. Juli. Gestern morgen wurde das Nachbardors Jmbsen plötzlich in „Kriegszustand" versetzt. Kam ein Sergeant mit 4 Mann eines Kavallerie-
Regiments und machte für 80 Mann und 80 Pferde Quartier. Sofort wurde alles in Bewegung gesetzt. Die Hausfrauen sahen sich nach einem ordentlichen Schinken um, der Fleischer wurde herzitiert, Waffeln wurden gebacken und dergleichen mehr, um unsern Vaterlandsverteidigern einen recht angenehmen Tag zu bereiten. Aber welches Staunen! Am Nachmittag trafen statt 80 Mann mit Pferden nur 8 Mann ein, die Bewirtung dieser 8 war nun natürlich keine schlechte, konnte doch jeder sür zehn essen!
Riesenbrand im galizischen Petroleumgebiet.
Ein verheerendes Feuer wütet seit gestern im galizischen Rohölgebiet, ohne daß es möglich wäre, dem entfesselten Element Einhalt zu gebieten.
Wien, 4. Juli. Wie aus Drohobycz gemeldet wird, steht der Oil-City-Schacht, der ergiebigste des ganzen Rohöl- territoriums, in Flammen. Der Brand brach um 12 Uhr mittags auf dem Schacht der Firma Domberg in Tustanowice aus und griff auf den Oil-City-Schacht über, wo sich daS Feuer mit ungeheurer Schnelligkeit ausdehnte und den benachbarten Schacht der galizischen Karpathen-Petroleum-Gesellschast ergriff. Die Rettungsaktion, an der auch Militär teilnimmt, ist bisher erfolglos. Es gelang noch nicht, den Brand zu lokalisieren. Es besteht vielmehr die Gefahr, daß uoch mehr Schächte von den Flammen ergriffen werden. Da die Erdreservoire geborsten sind, besteht Gefahr, daß die Flammen in den nahen Fluß schlagen und weitergreisen. Als Ursache des Brandes wird Blitzschlag bezeichnet. Nach einer andern Version liegt eine Selbstentzündung des Rohöls vor. Der Schaden wird auf eine Million Kronen geschätzt. Erst kürzlich weilte der Eisenbahnminister Derschatta im Rohölgebiet, um über staatliche Maßnahmen zur Sanierung der Rohölkrise zu beraten, zu der die Überproduktion, namentlich in dem jüngst erschlossenen Oil-City-Schacht, geführt hat.
Wien, 5. Juli. Der Brand im Petroleumgebiet hat weitere Ausdehnung gewonnen. Es brennen bereits zwei Schächte der galizischen Karpathenpetroleum-Gesellschaft und vier andere Schächte in Tustanowice. DaS Feuer breitet sich weiter gegen Osten aus; bei Oil-City-Schacht brennen fünf Reservoire, die sünszehnhundert Zisternen enthalten. In Tysmienicafluß brennt das Rohöl auf einer Strecke von 800 Metern. Der Brand soll durch zwei gleichzeitige Blitzschläge während eines Gewitters entstanden sein. Er dürfte vor vierzehn Tagen nicht bewältigt werden können.
vermischter.
— Ein Fliegenstich hat den Tod der in Fürstenwalde wohnenden Frau des Tischlermeisters Miehlke Her- beigesührt. Als Hausmittel versagten, nahm sie ärztliche Hilfe in Anspruch, aber leider zu spät. Trotz eines vorgenommenen operativen Eingriffs ist Frau M. nach den Feststellungen des Arztes an einer Milzbrandvergistung verstorben.
— Metz, 4. Juli. Heute wurde hier der 18V2jährige Dienstknecht Emil Thouvenin aus Ancy, der am 12. Dezember vorigen Jahres in Lorry den Landwirt Franz Donnet und dessen Mutter Barbara Donnet ermordet und beraubt hatte, durch den Scharsrichter Siller aus Württemberg hingerichtet.
— (Die Mutter als Mörderin.) In Lichtenberg bei Berlin ermordete eine Witwe ihre 20jährige Tochter, die durch den Tod ihres verheirateten Liebhabers lebensüberdrüssig geworden war; sie durchschmtt dem Mädchen die Kehle und die Pulsadern. Hierauf öffnete sie sich selbst die Pulsadern und erhängte sich am Bettpfosten. Vorher hatte sie einer Freundin 350 M mit der Bitte geschickt, für ihre und der Tochter Beerdigung zu sorgen und auf den Grabstein schreiben zu lassen: „Was die Erde trennt, wird der Himmel vereinen."
— (Unter dem Verdacht des achtfachen Kindermordes.) Großes Aufsehen erregt, wie aus Friedland, Bezirk Breslau, gemeldet wird, das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittelungsverfahren gegen ein Ehepaar in Göhlenau, das in Verdacht geraten ist, von seinen elf Kindern acht vorsätzlich getötet zu haben. Die Kinder starken stets im zartesten Alter und auffallend schnell. Vor wenigen Tagen erfolgte wiederum die Beerdigung eines unter gleichen verdächtigen Momenten plötzlich verstorbenen, mehrere Monate alten Kindes dieses Ehepaares. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist dieses Kind jetzt wieder ausgegraben und obduziert worden.
— Cleveland (Ohio), 3. Juli. Bei einem Brande, der in einem Magazin, wo Feuerwerkskörper aufbewahrt wurden, ausbrach, sind sieben Personen in den Flammen um- gekommen. Zwölf dort beschäftigte junge Mädchen konnten sich dadurch retten, daß sie aus dem Fenster sprangen.
Hetzte Nachrichten.
Friedrichshasen, 5. Juli. Der hier weilende Vertreter des preußischen Kriegsministeriums hat eine bevorstehende bedeutende Erweiterung des bisherigen Lustschifferkorps der deutschen Armee angekündigt.
Lemberg, 5. Juli. Wie aus Boryslaw berichtet wird, sind vier Schächte abgebrannt. Der Schacht Oil City brennt noch fort. Erst in mehreren Tagen wird daS Feuer ganz gelöscht werden können. Im ganzen sind 100—150 Zisternen Rohöl verbrannt, während die Jahresproduktion 200 000 Zisternen beträgt.
Paris, 5. Juli. Aus Casablanca und Tanger wird hiesigen Blättern gemeldet, daß der dem General D'Amade erteilte Verweis unter der dortigen französischen Kolonie einen betrübenden und entmutigenden Eindruck hervorgerufen und dem französischen Ansehen sehr geschadet habe. Der Temps meldet aus Casablanca, daß der Vorstoß gegen Azemur von Admiral Philibert gemeinsam mit General D'Amade vorbereitet worden war, weil er für die allgemeine Pazifizierung deS Schaujagebiets als notwendig erachtet wurde. Nunmehr werde General D'Amade getadelt, weil er die empfangenen Weisungen befolgt habe. Man halte dort die Entscheidung der französischen Regierung für gefährlicher als sogar eine wirkliche Schlappe der französischen Truppen.
Oeffentticher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (LandwirtschaftSschule)., Wetterausfichten für Dienstag, den 7. Juli:
Vorwiegend heiter, trocken, warm.