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nichtamtlicher teil.

Azemmnr.

Ohne die Anwesenheit ftanzösischer Schiffe und Truppen an der marokkanischen Küste wären die Hasenorte längst zu Mulay Hafid übergegangen. Es ist auch kein Zweifel, daß die Anerkennung des neuen Sultans an der Küste trotz der Anwesenheit jener Streitkräste schon erfolgt wäre, wenn die französische Gesandtschaft in Tanger und die anderen zivilen und militärischen Behörden dort nicht unter der Hand alles täten, um die Küstenbewohner einzuschüchtern und sie bei der Fahne des bisherigen Sultans Abdul Asts zu halten. Dieser selbst soll die Hülflvsigkeit seiner Lage einsehen und die Ab­sicht abzudanken ausgesprochen haben. Französischer Rat aber hindert die Ausführung dieser Absicht. Als die Hafenstadt Tetuan sich für Mulay Hafid erklären wollte, wurde sie von einem der Minister des Sultans Abdul Asis mit der Landung französischer Truppen bedroht. Trotzdem ist in Paris unter Berusung aus die Erklärung des Ministers Pichon immer wieder bestritten worden, daß eine Einmischung in den marok­kanischen Thronstreit stattfinde.

Jetzt ist nun durch den Uebereiser der in Marokko tätigen Vertreter Frankreichs ein Ereignis eingetreten, das die Regierung in Paris in die Verlegenheit setzt, selbst einen Widerspruch zwischen ihren eigenen Worten und den Taten ihrer Vertreter anerkennen zu müssen. General d'Amade hat unter Ueber- schreitung seiner Instruktionen, die ihm eine allmähliche Räumung des Schaujagebietes vorschrieben, ^en außerhalb dieses Gebietes liegenden Hafen Azemmur besetzt. Dieser Ort gehört nicht zu den sogenannten Vertragshäsen, die dem freien Verkehr geöffnet sind und für die das Frankreich und Spanien übertragene Polizeimandat gilt. Für die Besetzung Azemmurs kann also auch keinerlei Mandat geltend gemacht werden. Sie ist eine unleugbare Einmischung in innere marokkanische Verhältnisse. In Paris hat man sich denn auch beeilt, den General d'Amade an seine Instruktionen zu erinnern und ein gewisses Erstaunen auszudrücken. Damit wird wenigstens bekundet, daß das Ministerium nicht durch Maßregeln seiner in Marokko tätigen Organe kompromittiert zu werden wünscht, für die es kein Bestreiten und keinen Vorwand gibt.

Mulay Hafid hat bisher den ungeduldigen französischen Marokkopolitikern nicht den Gefallen getan, für die Unterwerfung der Küste gewaltsame Mittel anzuwenden und Zwischenfälle zu schaffen, die einen verstärkten Schutz der Fremden erfordern würden. Der beste Beweis dafür, daß er die tatsächliche Herr­schaft im Innern erlangt hat, liegt darin, daß noch keine blutigen Parteikämpfe vorgekommen sind. Wenn sich die fran­zösische Regierung vor weiteren Verlegenheiten wie der durch die Besetzung Azemmurs verursachten sichern und ernstlich zur Beruhigung des Landes entschließen will, so wird sie gut tun, nunmehr mit der Anerkennung Mulay Hafids vorzugehen.

* *

Paris, 3. Juli. (Agence Havas.) Auf die Meldung des Generals d'Amade von seiner vorübergehenden Besetzung von Azemmur, die er mit dem Verhalten der Bevölkerung dieser Stadt begründete, als er mit einem Expeditionskorps die Verbindung zwischen dem Schaujagebiet und Mazagan sicher stellen wollte, hat die französische Regierung Veranlassung genommen, den General aus seine Instruktionen hinzuweisen. Sie bringt hierbei zum Ausdruck, daß die Instruktionen ihm nicht erlaubt hätten, den Um er Rebia zu überschreiten. Es genüge auch nicht, wenn er seine Truppen aus Azemmur wieder zurückziehe, sondern er hätte sich gleich aus der näheren Umgegend der Stadt zu entfernen und sich bis zu seiner Operationsbasis zurück zu begeben. Die Regierung hat außerdem die Instruktionen des Generals erneuert und ihm wiederholt, daß er sich in den wirklichen Grenzm seines Okkupationsgebiets zu halten habe, ohne sich hinreißen zu lassen, Punkte, die ihm als äußerste Grenze für seine Operationen bezeichnet worden seien, zu überschreiten.

Paris, 4. Juli. Wie der Agence Havas aus Mazagan unterm 30. Juni gemeldet wird, ist die dorttge aus 300 Mann asisischer Truppen bestehende asisische Garnison, die nach Azemmur ausgebrochen war, um diese Stadt in ihren Besitz zu bringen, bei ihrer Ankunst durch Gewehrfeuer empfangen worden. Ihre Artillerie wurde von den Hafidisten genommen. Die asisischen Truppen hatten 10 Tote und 25 Verwundete.

Sie Sarganfit in NM

Aus Tiflis wird wieder einmal ein echt russisches Räuber­stückchen gemeldet. Die von Schutzleuten begleitete Post wurde

Und noch immer taub und blind für alles andere, drängte Crayford Franz mit Bitten.

Sie gaben soeben selbst zu, Sie wenig an Strapazen gewöhnt sind. Sie fühlen, müssen fühlen, wie schwach Sie noch von der letzten Krankheit sind. Sie fühlen, wie wenig Sie dazu geeignet sind, der Kälte und den langen Märschen auf dem Schnee zu trotzen."

Durch Craysords Beharrlichkeit bis zum äußersten gereizt und Zeichen der Unentschlossenheit auf Franz' Gesicht lesend, vergaß sich Wardour so weit, daß er Craysords Arm ergriff und versuchte, ihn von Franz weg zu ziehen.

Richard", sagte Crayford ruhig.Sie sind nicht mehr Sie selbst. Ich bedaure Sie. Lassen Sie meinen Arm loS."

Wardour ließ die Hand mit der finsteren Unterwerfung eines wilden Tieres gegen seinen Wärter loS.

Die eingetretene Stille gab Franz endlich Gelegenheit zu reden.

Ich fühle dankbar das Interesse, welches Sie an mir nehmen, Crayford"

Und Sie folgen meinem Rate?" unterbrach ihn jener eifrig.

Ich bin vollständig einig mit mir, alter Freund", fuhr Franz fort.Seien Sie mir nicht böse, wenn ich Sie ent­täusche. Ich bin für die Expedition bestimmt. Ich gehe mit der Expedetion."

Dabei ging er auf Wardour zu, klopfte ihn in seiner Un­schuld herzlich auf die Schulter und rief:Wenn ich Mattig­keit suhle, dann helfen Sie mir weiter, nicht wahr, Kamerad, das wollen Sie? Und nun vorwärts!"

Wardour riß einem Matrosen das Gewehr, welches dieser für ihn trug, aus der Hand. Sein finsteres Gesicht überstrahlte plötzlich entsetzliche Freude.

Kommen Sie!" rief er.Kommen Sie über Schnee und Eis! Kommen Sie dorthin, wo noch kein mensch­licher Fuß getreten und noch keine menschlichen Spuren zu finden sind."

Craysords Bemühungen schlugen also alle fehl! Was um Gotteswillen konnte er noch tun? Konnte er Wardour auf den bloßen Verdacht hin bei Kapitän Helding verklagen, ohne

von einer Anzahl von Räubern übersallen, die drei Bomben warfen und Schüsse abgaben. Ein Postbeamter wurde getötet; ein zweiter Beamter und der Kutscher wurden schwer verwundet; über 20000 Rubel fielen den Räubern in die Hände. Die Schutzleute töteten einen der Räuber und verhafteten einen anderen. Ein weiterer räuberisches Intermezzo ereignete sich in der russischen-polnischen Industriestadt Lodz. Dort wurde Freitag früh der Fabrikant Steigert auf offener Straße in seinem Wagen von drei Bewaffneten überfallen. Die frechen Banditen raubten dem Fabrikanten 1100 Rubel, hießen ihn dann aussteigen und enttarnen in seinem Wagen.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 5. Juli 1908.

Se. Majestät der Kaiser verblieb gestern, wie aus Travemünde gemeldet wird, längere Zeit an Bord des Meteor. Gegen 6 Uhr trafen Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Luise in Travemünde ein und begaben sich an Bord des Meteor. Um 6 Uhr 30 Min. liefen die Hohenzollern und der Kreuzer Stettin ein und gingen auf der Rhede vor Anker. Ihre Majestät die Kaiserin begab Sich alsbald in einer Motor­pinasse an Bord des Meteor. Um 7 Uhr kehrten der Kaiser, die Kaiserin, der Prinz und die Prinzessin, vom Publikum mit andauernden Hochrufen begrüßt, nach der Hohenzollern zurück. Prinz und Prinzessin Eitel-Friedrich trafen in Travemünde an Bord der Lensahn ein.

Wir haben das Recht und die Pflicht, eine Flotte zu halten, die der Größe unserer Handel-interessen entspricht," sagte Fürst Bülow. Aus dem Vergleich zwischen nachstehenden Zahlen wird man finden, daß unsere Flotte noch einer recht bedeutenden Verstärkung bedarf, ehe sie in dem richtigen Ver­hältnis zu unseren Handelsinteressen steht: England besitzt ca. 6250 Dampfer mit 9 780 000 t, demgegenüber 94 Kriegs­schiffe (Linienschiffe und Panzer) mit 260 000 t; Deutschland besitzt ca. 1762 Dampfer mit 3 121412 t, demgegenüber 34 Kriegsschiffe mit 367 000 t; die Vereinigten Staaten besitzen ca. 900 Dampfer mit 1 209 000 t, demgegenüber 39 Kriegs­schiffe mit 531000 t; Frankreich besitzt 600 Dampfer mit 700 000 t, demgegenüber 50 Kriegsschiffe mit 480 000 t.

Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: In der Presse ist kürzlich die Behauptung aufgestellt worden, der Spiritismus des Fürsten Eulenburg habe höchst schädlich aus die Umgebung deS Kaisers gewirkt. Seine Majestät selbst habe spiritistischen Sitzungen beigewohnt und lange Zeit in seiner Uhr ein Stück Zeug getragen, das angeblich bei einer Geister­erscheinung zurückgeblieben war. Wir sind ermächtigt, die An­gaben als glatt ersunden zu bezeichnen.

Der Fürst zu Salm-Horstmar hat seine Wiederwahl zum Präsidenten deS d e u t s ch e'n F l o t t e n v e r e i n s, die aus der jüngsten Tagung des Flottenvereines in Danzig erfolgte, nicht angenommen. Nunmehr wird Groß-Admiral V. Köster an die Spitze des FlottenvereinS treten.

Das württembergische Königspaar, welches seit vorigem Freitag in Friedrichshafen Sommervilleggiatur hält, unternahm am genannten Tage mit dem Grafen Zeppelin in dessen lenkbarem Luftballon eine wohlgelungene Fahrt. Am gleichen Tage erbat und erhielt in der Württembergischen Kammer der Präsident Payer die Ermächtigung des Hauses, dem Grasen Zeppelin zu seiner bahnbrechenden Lösung des Problems der Durchsteuerung der Lust, die Glückwünsche und den Dank der Kammer cruszusprechen.

Die Berwendung der neuen Feldküchen im Kaisermanöver ist für dieses Jahr in Aussicht genommen, sie sollen für größere Verbände täglich während des Marsches die Mahlzeiten garkochen, sodaß die Truppen ohne Zeitverlust ihre Verpflegung sofort erhalten können, sobald dies eine Pause in den Unternehmungen gestattet. Daß hierdurch die Schlag- sertigkeit der Kämpfenden beträchtlich vermehrt werden wird, liegt aus der Hand. Auch die Bevölkerung des Manöverge­ländes wird diese fürsorgliche Maßnahme der Heeresverwaltung freudig begrüßen. Da die diesjährigen Uebungen möglichst kriegsmäßig abgehalten werden sollen, so ist die vorherige Anlage von Magazinen, aus denen die Verpflegung der Truppen bisher geschah, in diesem Kaisermanöver nicht mehr vorgesehen, sondern die erforderlichen LebenSmittel sollen erst an Ort und Stelle aufgekauft und je nach der Gefechtslage in einem ge­eignet gelegenen, von Fall zu Fall neuzuerrichtenden Magazin gesammelt werden, aus dem dann die Ausgabe wie bisher er­folgt. Für den Train und die Intendantur wird diese dem Ernstfall angepaßte Verpflegungsart sehr lehrreiche Gefechts­bilder ergeben.

Der kürzlich gemeldete Diamantenfund in Deutsch-

den leisesten Schatten eines Beweises zur Rechtfertigung seiner Beschuldigung anführen zu können? Der Kapitän würde ein­fach glauben, daß Craysords Geist unter dem Druck der Kälte und der Entbehrung gelitten habe. Keine Hoffnung, buch­stäblich keine Hoffnung mehr, als der Schutz der anderen Offiziere und Mannschaften, denn alle ohne Ausnahme hatten Franz lieb. So lange sie noch eine Hand oder einen Fuß rühren konnten, würden sie ihm beistehen und dafür sorgen, daß ihm kein Leid widerführe.

DaS Kommando zum Ausbruch ertönte, die Tür wurde geöffnet und schnell leerte sich die Hütte. Dahin zog der kleine Trupp über den unbarmherzig weißen Schnee, dahin unter dem unbarmherzig schwarzen Himmel!

Die Kranken und Hülflosen, deren Hoffnung auf Rettung im Auszug ihrer Kameraden gipfelte, faßten wieder schwachen Mut.

Einige, deren Tage gezählt waren, schluchzten und weinten wie die Kinder. Auch Franz' Stimme zitterte, als er sich an der Tür noch einmal umdrehte, um dem Freund, der ihm Vater gewesen, die letzten Abschiedsworte zu sagen.

Gott segne Sie, Crayford!"

Crayford eilte auf ihn zu, ergriff ihn bei beiden Händen und drückte ihn an sich, als ob er ihn nimmer loslassen wollte.

Gott erhalte Sie, Franz, ich würde alles in der Welt hingeben, könnte ich bei Ihnen bleiben. Leben Sie wohl! Gott schütze Sie!"

Franz schüttelte ihm noch einmal die Hand, zerdrückte die Tränen, die sich in seinen Augen sammelten und stürzte hinaus.

Craysord rief ihm die letzte, die einzige Warnung, die er ihm geben konnte, nach:So lange Sie Ihre Füße tragen, halten Sie sich mit all' Ihrer Kraft aufrecht, Franz!"

Wardour, der die anderen hatte vorangehen lassen und Franz auf der weißen Schneefläche folgte, blieb stehen, ging zurück und sagte zu Crayford:So lange ihn seine Füße tragen, wird er an meiner Seite sein!"

10.

Allein, allein auf der gefrorenen Tiefe.

S ü d w e st a s r i k a ist einer Berliner Juweliersirma gut Beurteilung übergeben worden. Die Sachverständigen er­kannten ihn als einen echten afrikanischen Diamanten an, der aber nur von geringem Werte sei. Der Diamant wurde nicht im Mutterboden, dem sogenannten Blaugrund, gefunden, sondern im Dünensand. Die Firma warnt vor einer Ueber- schätzung des Fundes, da es sehr daraus ankomme, ob die Diamanten in größerer Masse vorhanden sind und ob Wasser in der Nähe ist, was zum Grubenbetrieb unbedingt erforder­lich sei.

Aus Paris wird berichtet: Die Vereinigung der Sozia­listen des Seine-Departements veranstaltete gestern Abend eine Prote st Versammlung gegen dieReise des Präsidenten F a l l i e r e s nach Rußland. 2000 Personen nahmen daran teil, unter ihnen viele russische Flüchtlinge. Die Redner kündigten an, daß diese Versammlung nur das Vorspiel zu einer allgemeinen Protestversammlung in ganz Frankreich bilde.

Der Gesamtschiffbau der Welt im Jahre 1907 verzeichnete einen Gesamttonnengehalt von 3 177 894 Tonnen. Hiervon sind die einzelnen Staaten mit folgenden Summen beteiligt: England mit 1814 961 Tonnen, Amerika mit 455 713 Tonnen, Deutschland mit 321372 Tonnen, Holland mit 117 991 Tonnen, Frankreich mit 113 345 Tonnen und Japan mit 127 752 Tonnen.

Aus Provinz u. Dachbargebitt.

* Da der Winterrogen vielfach schon Anfang oder Mitte Juli den Reigen der einheimischen Getreideernte eröffnet, hat die Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftrats erstmalig den Versuch gemacht, eine vorläufige Schätzung der voraus­sichtlichen Winterroggenernte nach dem Saaten st and am 1. Juli, ausgedrückt in Prozent einer Mittelernte, vorzu- nehmen. Die Schätzung soll am 1. August und 1. September wiederholt und dann auch auf die übrigen Getreideernten aus­gedehnt werden. Bei der Berechnung der Durchschnitte sind die Anbauflächen der einzelnen Produktionsgebiete berücksichtigt. Das Ergebnis für das gesamte Deutsche Reich ist eine wahr­scheinliche Winterroggenernte von 100,8 pCt. einer Mittelernte, für Preußen 100,2 pCt., für Bayern von 100,5 Prozent, für das Königreich Sachsen von 105,2 pCt. und für Mecklen­burg-Schwerin von 96 Prozent. Die Preisberichtstelle hofft mit dieser Art der Schätzung für die Beurteilung der Ernte­aussichten eine brauchare Grundlage geschaffen zu haben. Der Wert der Erhebung wird sich von Jahr zu Jahr erhöhen, wenn die Prozentzahlen mit den gleichzeitigen der früheren Jahre verglichen werden können. Die voraussichtliche Stroh- ernte von Winterroggen ist für das gesamte Deutsche Reich gleichzeitig auf 100 pCt. einer Mittelernte geschätzt worden, für Preußen ist sie zu 99,4 pCt., für Bayern zu 101,2 pCt., für das Königreich Sachsen zu 104 pCt. und für Mecklenburg- Schwerin zu 100 pCt. ermittelt. Im übrigen steht der Saaten- stand aller Feldfrüchte unter dem ungünstigen Eindruck der andauernden Trockenheit. Doch sind die Klagen über an­haltende Dürre im Süden Deutschlands weniger eindringlich als in nördlicher gelegenen Gebieten, wo das Wetter auch in der zweiten Hälfte seinen trockenen Charakter beibehalten hat. Ersreulicherweise scheinen die Aussichten auf besriedigende Wintergetreideernten bisher nicht sonderlich getrübt zu sein, wenngleich vereinzelte Andeutungen betreffs vorzeitig eiuge- tretener Reife bei Roggen den amtlichen Saatenstandsbericht von Mitte Juni heute vielleicht als zu günstig erscheinen lassen. ^ Winterweizen hat sich den verschiedenen Witterungseinflüssen gegenüber bisher am widerstandfähigsten erwiesen; die Berichte über feine Fortentwicklung lauten übereinstimmeud günstig. Sehr ungünstig werden demgegenüber die Aussichten für Sommergetreide geschildert, das insolge der andauernden Trocken­heit im Wachstum zurückgeblieben ist. Hafer hat meist ein ungesundes Aussehen, ist kurz im Stroh und dürfte, wenn nicht bald Regen eintritt, ein flaches, leichtes Korn liefern. Brand ist unter der Sommerung stark verbreitet und wird namentlich bei Gerste häufig erwähnt, deren Stand nur im Süden einigermaßen günstig beurteilt wird. Im allgemeinen dürfte viel zu Brauzwecken gebaute Gerste den Anforderungen nicht entsprechen. Die nach Menge und Beschaffenheit sehr befriedigende Futterernte ist bei günstiger Witterung zum grüßen Teil bereits eingebracht; der zweite Schnitt läßt indes nur mäßige Erträge erwarten. Kartoffeln stehen sehr ungleich und lückenhast und haben gleichfalls sehr unter Unkraut zu leiden. Regen ist überall dringend erwünscht.

* (Erweiterung der Sonntagsfahrkarren.) Eine aus Interessentenkreisen der Rheinprovinz und der Provinz Hessen-Nassau kürzlich an das preußische Ministerium der

Die nordische Sonne stieg matt an dem traurigen Himmel empor. Die Strahlen des kalten nordischen Mondes mischten sich eigentümlich mit dem Dämmerschein und färbten die weißen Ebenen mit schwarzgelbem Grau. Ein Eisfeld bewegte sich vom fernen Horizont her südwärts in dem geisterhasten Licht. Näher rollte ein Strom fließenden Wassers seine schwarzen Wellen an den Rand des Eises. Näher noch streckte ein Eis­berg seine Spitzen und Zacken gen Himmel, hier im Monden- schein glitzernd, dort in dem aschfarbenen Lichte geisterhaft ver­schwommen emporragend.

Was bewegte sich dort halbwegs auf dem langen Rücken seines unteren Abhanges und unterbrach die trostlose Ein­förmigkeit der Szenerie? Konnte es in dieser entsetzlichen Ein­samkeit Zeichen menschlichen Lebens geben? Ja. Die schwarzen Umrisse eines auf den Berg hinaufgezogenen Bootes zeigten sich. Von Zeit zu Zeit flackerten in einer Eishöhle die letzten Funken eines ersterbenden Feuers über den Gestalten zweier Männer auf. Einer von ihnen saß, den Rücken an die Wand der Höhle gelehnt, der andere lag ausgestreckt, mit dem Kopfe auf des Kameraden Knie ruhend. Der erstere war wach, in Gedanken verloren, der zweite hatte das stille, weiße Gesicht dem Himmel zugewandt: schlief er, war er tot? Tage um Tage waren verstrichen, seit die beiden von ihren schwachen, hinsälligen Kameraden als verloren und verdorben betrachtet wurden.

Er, der in Gedanken versunken da saß, war Richard War­dour; er, der schlafend oder tot in dessen Schooße ruhte, Franz Aldersley.

(Fortsetzung folgt.)

(Im Kampf mit Mädchenräubern.) In Coalinga in Kalifornien wurde ein 16jähriges Hirtenmädchen von zwei Räubern aus dem elterlichen Hause zu nächtlicher Stunde entführt. Berittene Hirten verfolgten sie. Der eine der Räuber entkam, während der andere, der das Mädchen vor sich auf dem Pferde hatte, eingeholt wurde. Er benutzte die Geraubte als Kugelfang, doch gelang es dem Bruder des Mädchens, den Räuber von hinten zu packen und zu über- wältigen. Der Räuber wurde sofort zu Tode gelyncht.