etwa 30 Pserde herübergebracht waren, wurden einige scheu, liefen umher und suchten durchzubrechen, was zweien unter Umwerfen des Zaunes gelang. Die übrigen Pserde konnten von den wenigen Dragonern nicht mehr zurückgehalten werden, brachen sämtlich aus und rannten weserauswärts auf Vecker- Hagen zu. Auf dem Wilhelmsplatz stand ein Heuwagen im Wege. Zwei Pferde glitten aus und fielen darunter, ein Teil wandte sich und rannte die Trift hinaus dem Hemelberg zu, wo noch zwei ausgefangen wurden. Fünf Pferde konnten bei der Kirche von dem Gastwirt Gunkel und dem Infanteristen Hagemann ausgehalten werden. In der Amtsstraße suchte der Schuhmacher Länemann die Pferde mit einer Wagenleiter auszuhalten, wurde aber dabei umgerissen und erlitt dabei so starke Verletzungen am Hinterkopse, daß er an starker Gehirnerschütterung ohne Besinnung darniederliegt und an seinem Aufkommen gezweifelt wird. In Vaake und Hilwartshausen sind ebenfalls noch Pferde aufgefangen worden. Die abgehetzten Tiere haben fast sämtlich die Hufeisen verloren und mehr oder weniger Verletzungen erlitten.
Geluhauseu, 30. Juni. Ueber den Tunnelbau Schlüchtern- Flieden ist mitzuteilen, daß endgültig beschlossen worden ist, bereits Ende September mit den erforderlichen Vermessungen den Anfang zu machen. Zu diesem Zweck treffen in Schlüchtern mehrere Ingenieure und Landmesser ein, welche sich aus längeren Ausenhalt einrichten müssen. Der Bau des Tunnels soll schon im Winter 1909 beginnen. An der Eisenbahnstation Schlüchtern wird ein Gebäude ausgeführt, in welchem die Baubureaus und später die Wohnungen der Beamtenfamilien eingerichtet werden.
Geluhauseu, 30. Juni. Beim Baden in der Kinzig ertrank gestern der Dachdeckergeselle Franke aus Jserlohn.
Marburg, 1. Juli. Heute nacht zwischen 3 und 4 Uhr brach in dem unmittelbar in der Nähe der Universität gelegenen städtischen Elektrizitätswerk Feuer aus, das rasch um sich griff. Die Feuerwehr- war bald zur Stelle. Obwohl sie mit allen Mitteln energisch gegen das Feuer vorging, gelang es ihr doch nicht, das Gebäude zu retten, das im Innern fast vollständig ausbrannte bis auf einen Teil der Wohnung des Monteurs, der unversehrt stehen blieb. Die Grundmauern und massiv gebauten Seitenwände erlitten nur wenig Schädigung. Man glaubt, die Ursache des Feuers auf Kurzschluß oder Warmlaufen des Motors zurückführen zu müssen. Jetzt ist jede Gefahr beseitigt. Wie wir hören, wird der elektrische Betrieb nur auf kurze Zeit Unterbrechung erleiden müssen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
Niederzwehren, 30. Juni. Heute nachmittag ertrank beim Baden in der Fulda der 9jährige Sohn eines hiesigen Einwohners, des Invaliden Textor.
Friedberg, 30. Juni. Den seit dem 12. Juni vermißten hiesigen Bureaugehilfen Kersting fand man gestern in einem Abzugsschachte der Bad-Nauheimer Saline, wo der Abflußkanal in die Usar mündet. Man nimmt an, daß Kersting in einen der offenen Schächte eingestiegen und darin verhungert ist. Durch das in dem Schacht vorhandene wenige Wasser wurde er in die Usar gespült. Die Leiche war unkenntlich, man erkannte aber an der Kleidung die Person des Toten.
Königsee, 1. Juli. Tödlich verunglückte der Landwirt Christian Iahn hier, beim Laden eines Heufuders. Beim Festmachen des Heubaumes gab dieser nach und fiel dem Manne auf den Kopf. Iahn war 72 Jahre alt und ein arbeitsfreudiger Bürger.
Blankenburg a. H., 1. Juli. Selbstmord durch Erschießen beging hier der Einjährig-Freiwillige Zander. Z. befand sich Pfingsten aus Urlaub in Ritzahn, wo ihm seine Uniform gestohlen wurde. Der Vorfall soll dem Hauptmann in entstellter Form mitgeteilt worden sein, worauf dieser Z. zur Rede stellte. Zander glaubte feine Karriere verdorben und erschoß sich.
Beverungen, 1. Juli. Bei der Verhaftung dreier als Raufbolde bekannten Männer erhielt der Gendarmerie-Wachtmeister einen Schuß in die Brust, der Polizist einen Schuß in den Arm. Zwei der Verbrecher konnten verhaftet werden, dem dritten gelang es, zu entfliehen.
Heiligenstadt, 1. Juli. Anläßlich des 625jährigen Allodialbesitzes des Rittergutes Leistungen in der Familie von Westerhagen hat der Kaiser den Senior der Familie zum Majoratsherrn erhoben und ihm die Kammerherrnwürde verliehen. Letzterer spendete 3000 Mk. zum Bau einer neuen katholischen Kirche in Leistungen. Den Glanzpunkt des Festes bildete ein historischer Festzug. An den Kaiser wurde ein Dank- und Huldigungstelegramm gesandt.
Gera, 1. Juli. Ein 19jähriger Gefangener, der von dem 50jährigen Transporteur Raedel aus Hof in Bayern nach dem Arbeitshaus in Zeitz gebracht werden sollte, warf sich auf dem hiesigen Hauptbahnhof unter den um 12 Uhr 50 Min. hier einsahrenden Zug und riß den Transporteur mit unter die Räder der Lokomotive. Beide Personen wurden augenblicklich getötet. Die Leichen wurden vollständig verstümmelt, da der ganze Zug über sie hinweg ging.
Pößneck, 30. Juni. Beim Heuabladen auf dem unteren Bahnhof trat der Arbeiter Büchner fehl, so daß er von dem beladenen Fuder abstürzte. Dabei stach sich der Mann eine Spitze der Heugabel so unglücklich in den Hals, daß sie die Gesichtshälfte durchstach und in der Nähe der Schläfe wieder
herauStrat. Trotzdem die Verletzung eine schwere ist, hofft der Arzt, den Verunglückten am Leben zu erhalten.
Aus Waldeck, 1. Juli. In dem Städtchen Fürstenberg ereignete sich gestern bei der Heuernte ein bedauerlicher Unglücksfall. Die Frau eines Landwirts war mit Heuaufladen beschäftigt. Sie stürzte dabei und fiel unglücklicher Weise nach hinten und brach das Genick, so daß der Tod eintrat.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
Wie es um die jetzige Jahreszeit — kurz vor der Ernte — eigentlich selbstverständlich ist, hat die Beurteilung der Ertrags- aussichten an den Getreidemärkten den nahezu ausschließlichen und entscheidenden Einfluß auf die Preisbewegung. Was Deutschland angeht, so sieht man für Brotgetreide einer guten, teilweise glänzenden und auch frühzeitigen Ernte entgegen. In der Umgegend Berlins hat der Schnitt des Roggens bei günstigen Ertragsaussichten bereits begonnen. Unter diesen Verhältnissen müßte man eigentlich eine Preisabschwächung für unausbleiblich halten. Aber die Abhängigkeit von der Entwickelung der Auslandsmärkte wirkt einer solchen Bewegung entgegen. Für Weizen haben die Nordamerikanischen Märkte in letzter Zeit eine entschiedene Festigkeit bekundet und zwar im Zusammenhang mit der bedeutenden Ermäßigung, welche die Ertragsschätzung der Weizenernte in den Vereinigten Staaten erfahren hat. Auch die hohen Preise Rußlands, welche auf sehr geringe Vorräte an dieser Frucht schließen lassen, sowie die recht unsicheren Ernteaussichten dieses Landes machen Verkäufer vorsichtig. So ist es gekommen, daß hier zwar für Juli ein kleines Nachgeben des Preises festzustellen ist, dagegen die Notierungen für Lieferung in den Herbstterminen etwas angezogen haben. Noch schärfer ist eine derartige Preisbewegung für Roggen in die Erscheinung getreten. Trotzdem man die Hoffnung auf eine im allgemeinen recht gute Ernte hegt, stiegen die Preise für die Herbsttermine um 1Vi Mark mit Rücksicht aus unser großes Nachbarreich im Osten, dessen unbefriedigende Ernteaussichten eine deutsche Roggenaussuhr wahrscheinlich machen. Auf nahe Lieferung haben die Preife um 1 Mark nachgegeben. Eine erhebliche Steigerung, nämlich um 4Vs Mark, ist für Hafer auf Lieferung im Herbst eingetreten, weil die langandauernde Dürre teilweise sehr nachteilig auf den Stand der Felder eingewirkt hat. Mais befestigte sich nach vorübergehender Abschwächung. Am 1. Juli stellten sich die Notierungen für Lieferung im laufenden Monat wie folgt: Weizen 210,50 Mark, Roggen 188,75 Mark, Hafer 161,75 Mark, Mais 147,50 Mark.
Vermischtes.
— Hannover, 2. Juli. In dem hiesigen Gerichtsge- sängnis war der Arbeiter Josef Erdmann wegen Diebstahls eingeliefert worden und mußte wegen epileptifcher Tobsuchts- ansälle in die Zwangsjacke gesteckt werden. Trotz der Zwangsjacke brächte es Erdmann fertig, sich die beiden Beine buchstäblich selbst abzubrechen, und zwar hat er sich bie Beine nicht beim Toben und Schlagen abgehauen, sondern sie mit den Händen und Armen an mehreren Stellen gebrochen. Nach dem Ausspruch eines maßgebenden Psychiaters muß der Verhaftete einer bestimmten Wahnidee folgend diese schreckliche Verstümmelung vorgenommen haben. Die gebrochenen Gliedmaßen haben nach verschiedenen Seiten hin lose baumelnd gehangen. Das Merkwürdige dabei ist noch, daß Erdmann ohne jede Schmerzempfindung gewesen ist, da er trotz der schweren Verletzungen weiter tobte. Er wurde sofort in eine Irrenanstalt überführt.
— Ein folgenschwerer Unfall hat sich auf dem städtischen Elektrizitätswerk in Köln ereignet. Als dort heute vormittag auf den städtischen Elektrizitätswerken ein mehrere hundert Zentner schwerer Kessel montiert werden sollte, riß plötzlich eine der Ketten, mit denen der Eisenkoloß in senkrechter Stellung gehalten wurde. Er stürzte um und begrub den Monteur und drei Arbeiter unter sich. Nachdem man eine große Anzahl von Arbeitern herbeigerufen hatte, gelang es, die Verunglückten unter den Kessel hervorzuziehen. Sie sind alle tödlich verletzt und wurden ins Hospital gebracht.
— Hamburg, 2. Juli. Eine Familientragödie spielte sich hier heute ab. Der Ingenieur Bernhard Sontag erschoß nach vorangegangenem Streit seine Frau und dann sich selbst.
— (Vergiftung durch Waldbeeren.) Große Aufregung rief, wie aus München berichtet wird, das Gerücht hervor, daß zwei Knaben im Alter von 11 und 14 Jahren die Opfer eines Mörders geworden fein sollten. Man hatte im Walde die Leichen der beiden Knaben gefunden. Bei der Untersuchung stellte sich aber heraus, daß die Knaben giftige Waldbeeren gegessen und infolgedessen gestorben waren.
— (Schwere Folgen eines Rausches.) In Bruck ist ein schwer betrunkener 18jähriger Bauernbursche durch eigene Unachtsamkeit nachts mit dem Licht im Bett verbrannt und mit ihm der ganze stattliche Bauernhof. In der eisernen Bettstelle liegend, wurde das verkohlte Gerippe deS Burschen mit über der Brust gekreuzten Armen nach dem Brande aufgefunden.
— In Rellinghausen ertranken beim Baden itv der Ruhr an einer gefährlichen Stelle drei zwanzigjährige junge Leute, darunter zwei Brüder.
— (Der höchste Wolkenkratzer.) Die LebenS- versicherungsgesellschast Equitable in New Iork beabsichtigt, ein etwa 280 m hohes, 62 Stockwerke fassendes Gebäude zu errichten und darauf einen 45 m hohen Flaggenstock zu setzen. Das Haus, das höher sein wird als der Eiffelturm, wird 38 Aufzüge erhalten, und man schätzt die Kosten auf zehn Millionrn Dollar.
— (Schwerer Hagels chlag in Frankreich.) Ueber vier Millionen beträgt der durch das gestrige furchtbare Hagelwetter in Zentralfrankreich angerichtete Schaden. Die schwersten Verluste erlitten die Departements Loire und Puy de Dome. Auch mehrere Menschenleben sind zu beklagen.
— Eine Heldentat zweier Hennen wird aus Liegnitz berichtet: Ein Hühnerhabicht stieß auf einen Hof herab, mitten in eine Schar von Küchlein, die entsetzt auseinander- stoben. Die beiden Glucken, denen die Küchlein gehörten, stürzten sofort auf den Räuber los und hieben mit ihren Schnäbeln so kräftig auf ihn ein, daß er tot liegen blieb. Die mutigen Tiere waren dabei so in Wut geraten, daß sie auch von dem Leichnam des Gegners nicht ablassen wollten und nur mit Mühe fortgebracht werden konnten.
— Eine mysteriöse Bluttat, deren Motive völlig unaufgeklärt blieben, spielte sich in Verona unter Zollwächtern ab. Die Zollsoldaten Piazzetta, Berna und Natoni kehrten abends spät vom Dienst zurück und legten sich sofort schlafen. Kurze Zeit darauf erhob sich Piazzetta aus seinem Bett, ergriff seinen Dienstrevolver, schoß seine beiden schlafenden Kameraden tot und feuerte, als andere Zollsoldaten ihn bändigen wollten, einen dritten Schuß auf sich selbst ab, der ihn tot zu Boden streckte.
Letzte nachrichten.
Schweres Grubenunglück.
Iusewka, 2. Juli. Gestern Nacht wurden infolge einer Gasexplosion in einem Schacht der Katharinengesellschaft 200 Arbeiter getötet; 73 wurden lebend geborgen, von denen aber noch zehn starben.
I u s e w k a (Gouvernement Jekaterinoslaw), 2. Juli. Nach weiteren Nachrichten über das Grubenunglück wurden bisher 157 Leichen geborgen, die sämtlich starke Brandwunden auf- wiesen. Die Rettungsarbeiten werden eifrigst fortgesetzt.
Berlin, 3. Juli. Das Königliche Opernhaus brcnnt. Nähere Einzelheiten schien noch.
Paris, 2. Juli. Die Meldung über das gegen 200 französische Soldaten in Hanoi unternommene VergistungS- Attentat hat lebhaftes Auffehen erregt. Die „PetiteRepublique" meint, der Vorfall beweise, daß mit der Möglichkeit eines Handstreiches der Eingeborenen gerechnet werden müsse. Die Unzufriedenheit der Eingeborenen sei infolge des übermäßigen Steuerdrucks zweifellos ganz allgemein geworden und gebe zu ernster Beunruhigung Anlaß. Vor allem werde die Regierung genötigt sein, die seit vorigem Jahre stark verminderte Besatzung Jndo-Chinas wieder aus den früheren Stand zu bringen.
Düsseldorf, 2. Juli. In der rheinischen Zündhütchenfabrik zu Kyppersteg fand nachmittags eine folgenschwere Explosion statt. Drei Fabrikräume flogen in die Luft. Im weiten Umkreis wurden große Verwüstungen angerichtet. Ein Arbeiter wurde lebensgefährlich verletzt._________________________
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 5. Juli. Vormittags 9 Uhr: Herr Superintendent Schasst.
Vormittags V2II Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Schröder. Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zu Petersberg.
Ev. Männer- u. Jünglingsverein. Sonntag 8 Uhr: Geselliges Beisammensein. Donnerstag 83/< Uhr: Bibelstuude. Sonnabend 83A Uhr: Gebetstunde. Jugendabteilung Sonntag Nachmittag 3V2—6 Uhr. Zungfrauenverein Sonntag von 4—6 Uhr sämtlich im Vereinshaus.
Hierzu eine Beilage, sowie Nr. 26 des
„Illustrierten Sonntagsblattes."
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Wetteraussichten für Sonnabend, den 4. Juli:
Zunehmende Bewölkung, kühler, strichweise etwas Regen-
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Größter Viehmarkt im Regierungsbezirk Cassel.
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