ausführte und dann rasch in der Richtung nach Luzern verschwand. Das Fahrzeug fuhr außerordentlich ruhig, die Steuerung funktionierte ausgezeichnet. — Um 2 Uhr 45 Min. kam das Fahrzeug nach voller Rundfahrt um den Vierwald- stätter See über die Albiskette wieder nach Zürich zurück und stieg hier bis zur Häuserhöhe herab. Ungeheure Menschenmassen bedeckten im Nu alle Dächer und Plätze und tausendstimmige Jubelrufe erfüllten die Luft. Telegramme mit der Nachricht vom Erscheinen des Ballons flogen sofort nach allen Himmelsrichtungen. Nachdem das Luftschiff etwa 5 Minuten über dem Stadthaus und der Kreditanstalt stillgestanden hatte, erhob es sich plötzlich zu einer Höhe von 400—500 m, aus den dichtbesetzten Gondeln wurde durch Tücherschwenken gegrüßt und dann steuerte der Ballon mit großer Schnelligkeit direkt gegen den Nordwind nach Friedrichshafen zu.
Der Kaiser sandte noch gestern abend an den Grasen Zeppelin ein herzliches Glückwunschtelegramm, in dem er die gelungene Dauerfahrt als den Beginn einer neuen nationalen Tat begrüßt. Graf Zeppelin gönnt nach der angestrengten und von so glänzendem Erfolge gekrönten Tätigkeit sich und seinen Arbeitern gestern einen Ruhe- und Festtag. Das gesamte Personal wurde nachmittags in eigenen Booten zu der Insel Mainau und von dort abends nach Jmmenstaad gebracht, wo festliche Bewirtung stattfand und Feuerwerk veranstaltet wurde. Die gräfliche Familie und auch der Reichskommissar Hergesell nahmen an dieser Festlichkeit teil. Am Freitag wird eine Uebungsfahrt stattfinden, welche sich lediglich aus den Seebezirk ausdehnt, wobei namentlich Messungen der Brems- stärke des Luftschiffes vorgenommen werden sollen. Das Württembergische Königspaar wird diesen Uebungen beiwohnen.
Die Dauerfahrt des Grafen Zeppelin nach Mainz findet erst in einigen Wochen statt.
Mr In- «nü Ausland.
Berlin, den 3. Juli 1908.
Se. Majestät der Kaiser besuchte gestern, wie aus Kiel gemeldet wird, den russischen Kreuzer Aurora, der mit dem russischen Kriegsschiff Diana, von Libau kommend, in Kiel eingctroffen ist.
DaS „Kolonialblatt" enthält drei Berichte, aus denen her- vorgeht, welche ersreulichen Fortschritte die deutschen Bahnbauteu in Afrika gemacht haben. Bei der Manengubabahn (Kamemn) sind die Räumungsarbeiten bis km 100, die Erdarbeiten bis km 60 im ganzen fertiggestellt, der Oberbau ist bis zur Bomonobrücke auf km 9,5 vorgestreckt ; an dieser Brücke hat die Ausführung der Pfeiler begonnen. Auf dem Ausgangsbahnhof Bonaberi sind die Be- amtenwohnhäuscr und das Stattonsgebäude fertig gestellt. — Bei der im Betrieb befindlichen Strecke Lüderitzbucht-Aus (Südwestafrika) sind die Einnahmen aus dem Privatverkehr bedeutend gestiegen; sie betrugen auf der 140 km langen Strecke im März etwa 25 000 Mark. Die Vorarbeiten auf der Baustrecke bis Keetmanshop sind beendet, Unter- und Oberbau nebst Telegraphenlinie bis Seeheim vorgerückt. Eröffnet wurde die Strecke bis Feldschuhorn. Dicht hinter dieser Station hat eine. (Überschwemmung und ein Dammbruch an einer Stelle stattgefunden, die als eigentliches Rivier nicht zu erkennen war. Die neu genehmigte Sttecke Seeheim-Kalk- fontein wird unverzüglich in Angriff genommen werden. — Die Bahn Otavi-Grootfontein (Südwestafrika) ist am 13. März landespolizeilich abgenommen und dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Die neue Bahn hat eine Spurweite von 60 cm und eine Länge von rund 91 km. Wöchentlich verkehrt in jeder Richtung je ein Zug. Im übrigen Verkehren nur Bedarsszüge.
Die neuen Straßenkrawalle, welche von den englischen Frauenrechtlerinnen auf dem Parla- mentssquare in London als Demonstration für das Frauen- stimmrecht ins Werk gesetzt worden sind, werden in der Londoner Bevölkerung allgemein verurteilt. Das Londoner Polizeigericht hat denn auch sofort seine Strafen über die wegen der begangenen Ausschreitungen verhafteten Demon- strantinnen verhängt. Die meisten von ihnen wurden zu Geldstrafen von 10 bis 25 Psd. Sterling verurteilt, während die beiden Frauen, welche die Fensterscheiben in der Amtswohnung des Premierministers Asquith eingeschlagen hatten, zu je 2 Monaten Gefängnis verurteilt wurden.
Von der Schreckensregierung de§ Schahs Mo- Hamed Ali von P e r s i e n werden jetzt neue schauderhafte Einzelheiten bekannt. Im Militärlager des Schahs sind schandbare Greuel an einer Anzahl hervorragender Gefangenen begangen worden, mehrere von ihnen wurden von der Soldateska zu Tode gemartert. Sejjid Abdullah, Sejjid Mahomed, der Jman Juma von Teheran und der Jman Khoi, vier hervorragende Geistliche, wurden mit Blut beschmiert und mit zerschlagenen Köpfen und Gliedern und zerzaustem Bart von einer johlenden Abteilung Soldaten ins Lager geschleppt. Malik, der große nationale Prediger, wurde vor den Augen aller Gefangenen erdrosfelt. Als er erst halbtot war, wurde der Strick gelockert und die Henker schnitten ihm darauf das Fleisch mit stumpfen Messern vom Leibe. Als er tot war, wurde fein Leib den Hunden vorgeworfen. Das Volk beginnt auS dem Traum, der die ganze Woche gedauert hat, zu erwachen und entdeckt, daß sein Verlust unwiderruflich ist. Der Medschläß ist zerstört, alle Dokumente, auch die Verfassungsurkunde, sind untergegangen und was noch schlimmer ist, die moskowitische Wirtschaft ist in Teheran eingeführt. — Ueber die Lage in der Provinzialhauptstadt Täbris, dem eigentlichen Hauptquartier der persischen Revolutionäre, herrscht noch immer Unklarheit. Nach einer offiziösen Petersburger Meldung auS Täbris haben sich mehrere dem Schah oppositionell gesinnte Stadtbezirke ergeben. Am Dienstag ist nach einigem Widerstand Reiterei in die Stadt eingezogen. Den längsten Widerstand haben die Einwohner des Stadtbezirks Khieban geleistet, sie sind jedoch von der Reiterei gezwungen worden, sich zu ergeben. Dagegen wird nach Londoner Privatdepeschen in Täbris noch Tag und Nacht gekämpft; die Bevölkerung hat auf den Straßen Barrikaden errichtet.
In Hanoi in Tonking ist ein seltener verbrecherischer Anschlag gegen die dortigen europäischen Soldaten der Kolonial- infanterie ausgesührt worden. Etwa 200 von ihnen erkrankten unter Vergistungserscheinungen — man glaubt, daß eingeborene Unteroffiziere eine Massenvergiftung der französischen Soldaten ins Werk setzen wollten, um dann eine revolutionäre Erhebung gegen die Franzosen zu predigen.
Das neue englische Kreuzerschlachtschiff I n f l e x i b l e, das neulich Maschinenproben und Geschwindigkeitsversuche im Clyde machte, soll eine für Schlachtschiffe bisher beispiellose Schnelligkeit von fast 27 Knoten in der Stunde erreicht haben, obgleich die von den Unternehmern garantierte Schnelligkeit nur 25 Knoten beträgt. Diese große Schnelligkeit ist dem Standard zufolge angeblich durch Verminderung des Gewichts des Panzerbelags erzielt worden.
Eine rätselhafte atmosphärische Erscheinung.
Kopenhagen, 1. Juli. Nach dem Sonnenuntergang wurde gestern Abend in den oberen Schichten der Atmosphäre ein sehr starkes gelbliches Licht beobachtet. Das Licht folgte der Sonne und war so stark, daß man ohne künstliches Licht lesen konnte. Es liegt noch keine wissenschaftliche Erklärung vor. Man weiß nur, daß das Licht durch einen sehr hohen Sonnenreflex in den oberen Luftschichten hervorgerufen wurde.
Berlin, 1. Juli. Die aus Kopenhagen berichtete ausfallende atmosphärische Erscheinung an dem nördlichen Himmel wurde in vergangener Nacht auch hier allgemein beobachtet. Der Himmel erschien in leuchtendem rotem und gelbem Licht in weiter Ausdehnung. Direktor Archenhold von der Treptower Sternwarte stellte fest, daß die gestern beobachtete Helligkeit an die bekannten Dämmerungserscheinungen von 1883 erinnerte, welche auf Vulkanausbrüche des Krakabau in der Sundastraße zurückzuführen waren. Beobachtet wurden leuchtende Nachtwolken in einer ungefähren Höhe von 80 Kilometern über der Erdoberfläche mit auffallend scharfen Umrissen, was sonst nicht der Fall ist. Offenbar liegt eine außerordentlich merkwürdige, charakteristische Erscheinung von besonders starker Intensität vor. Vielleicht hängt die Erscheinung mit größeren Veränderungen auf der Sonnenoberfläche zusammen, wodurch in der Atmosphäre elekttische Entladungen erfolgten. Bestimmteres konnte noch nicht sestgestellt werden. Aus Königsberg i. Pr. wird gemeldet, daß die Erscheinung dort und an der ganzen Ostseeküste beobachtet wurde.
Strandung des neuen deutschen MlitSrballons.
Das neue deutsche Kriegsluftschiff hat gestern nachmittag nach einer unglücklich verlaufenen Fahrt unfreiwillig im Grunewald landen müssen. Man hatte in der fünften Stunde das Luftschiff bei klarem Sonnenschein über Charlottenburg schweben sehen, wobei es hier und da bereits auffiel, daß es anscheinend dem Steuer nicht mehr gehorchte. Als eS sich über dem Grunewald befand, richtete es Plötzlich seine Spitze nach unten und sauste in anscheinend scharfem Tempo abwärts. Wie sich herausstellte, war der Ballon in die Aeste mehrerer Bäume des Grunewalds geraten und saß fest. Ueber die näheren Umstände der Fahrt und die Ursache der Havarie erhält der „L. A." folgenden Bericht:
Um 472 Uhr war das Luftschiff vom Schießplatz in Reinickendorf mit Major Sperling als Führer, Hauptmann George, Leutnant Kirchner, Oberingenieur Basenach und einem Werkmeister der Motorenfabrik Körting, welche die beiden Luftschiffmotoren geliefert hatte, aufgestiegen. Mit großer Sicherheit und Stabilität manövrierte der Motorballon sodann in einer Höhe von ca. 300 Meter über der Jungfernheide, als plötzlich eine vertikale Luftströmung denselben erfaßte und ihn zu einer Höhe von 1000 Meter emporriß, Zu gleicher Zeit begann das Fahrzeug, vom Wirbel erfaßt, zu kreisen und wurde, trotzdem der eine Motor arbeitete, steuerlos, da zu dem starken Ventilzug noch das Heck des Ballonkörpers erschlaffte. Gegen 5Vt Uhr befand sich das Schiff in einer Höhe von 1650 Meter auf Charlottenburger Terrain. Major Sperling, der eine Landung über dem Häusermeer vermeiden wollte, ließ nun beide Motoren einsetzen, und trotzdem das Seiten- steuer durch den herabhängenden hinteren Ballonkörper behindert war, gelang es ihm, freies Terrain zu erreichen. Zwischen den Stationen Eichenkamp und Grunewald an der Lisiere einer Schonung beschloß er daher um öVa Uhr zu landen. Das Fahrzeug, welches auf den Fichten niederging, ist nur in geringem Maße beschädigt, die Lustschiffer, ebenso die Ballonhülle sind völlig unverletzt. Der Kommandeur des Lustschiffer-Bataillons, Major Groß, der mit den Offizieren des Bataillons per Automobil herbeigeeilt war, leitete mit Major Sperling und Hauptmann von Jena die Entleerung und Bergung des Ballons, die das Fällen einiger Baumstämme notwendig machte. In der elften Stunde war bereits daS Trägerwerk, auf dem der Ballonkörper ruht, abmontiert, so daß er völlig entleert werden kann. Man hofft, in der Nacht noch das in seinen Teilen zerlegte Fahrzeug nach Reinickendorf bringen zu können. Zahlreiches Publikum hatte sich in der Schonung eingefunden, um einmal in nächster Nähe einen solchen Riesenballon zu sehen, der, von der Station Grunewald aus beobachtet, gleich einem ungeheuren Projektil über den Fichten hinweg majestätisch gegen den Abendhimmel sich abhob.
Aus Provinz u. Dachbargebkt.
* (Personal-Chronik.) Versetzt: der Gerichtsvollzieher Preßler in Windecken an das Amtsgericht in Boppard, der Kanzleigehülfe Götting bei dem Landgericht Marburg an daS Amtsgericht daselbst, der Straßenmeister Mantel in Gudensberg vom 1. Juli d. Js. ab an Stelle des erkrankten Straßenmeisters Kranz nach H e r s f e l d. — Verliehen: dem Kanzleigehilfen Frischkorn bei der Amtsanwaltschaft zu Cassel die unwiderrufliche Anstellung. — Gestorben: der Obersekretär bei dem Landgericht Hanau, Landgerichtssekretär Bächstädt, der Wärter Jesionowski bei dem Landkrankenhaus in Cassel.
* In Machtlos im Kreise Rotenburg (Fulda) ist eine Telegraphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fern- sprechstelle in Wirksamkeit getreten.
* Die neue Eisenbahnverkehrsordnung, die im Entwurf dem Bundesrat zugegangen ist, dürfte voraussichtlich am 1. April des nächsten Jahres zur Einführung gelangen. Unter den „allgemeinen Bestimmungen", für die die Oeffentlichkeit ein Interesse hat, ist nach der Ztg. des V. Deutscher Eisenbahn-Verw. unter anderm hervorzuheben, daß das Beschwerdebuch, das längst nur noch höchst selten benutzt wird, künftig fortfallen soll. Die Warteräume aus denUeber- gangsstationcn sollen auch während der Nachtzeit für ankommende Reisende, die weiterfahren wollen, geöffnet sein, wenn die Zeit von der Ankunft des letzten bis zur Abfahrt des ersten Zuges weniger als vier Stunden beträgt. — Jetzt sind die Reisenden oft genötigt, während eines solchen kurzen Aufenthalts ein Hotel auszusuchen. Auf kleinen Stationen kann in den oft beschränkten Warteräumen das Rauchen im Interesse der Frauen und Nichtraucher verboten werden. Personen, die wegen Krankheit oder aus anderen Gründen den Reisenden lästig fallen, darf der Aufenthalt in den Warteräumen untersagt werden. Bei Betriebsstörungen wird in Zukunft eine namhafte Erleichterung dadurch gewährt, daß die Eisenbahn-Verwaltung die Reisenden bis zur fahrbaren Strecke ohne Erhebung der Mehrkosten zu befördern hat. Zugverspätungen werden durch Anschlag nur dann bekanntgegeben, wenn sie 15 Minuten übersteigen.
p Hersfeld, 4. Juli. (Große Ferien.) Heute beginnen sie, die lang herbeigesehnten freien Tage und Wochen. Hei, was für ein leichtes Abschiednehmen vom Schulzimmer
und seinen Lehr- und Lernmitteln! Der vielgeplagte Bildner der Jugend darf seine Korrekturen weit hinter sich lassen, und keine Schülerunart wird ihn aufregen. Die Kinder werden anstatt des Schulstaubes reine, frische Lust atmen, und auch die vielen, die zu Hause bleiben müssen, können sich im Freien nach Herzenslust tummeln. Große Ferien! Holdes, liebes Zauberwort! Ost bedeutet es eine freudige Umwälzung für die ganze Familie. Vater richtet sich ein und macht sich auch mal frei, und der Mutter wirds nicht minder gut tun, wenn sie den vielen Wirtschaftstrubel einmal auf ein paar Wochen los wird. Ein Verlangen nach körperlicher und seelischer Auffrischung, welcher arbeitsame, tagtäglich von Berufssorgen umsponnene Mensch verstände das nicht! Und die liebe Sommerszeit ladet und lockt so freundlich: Kommt, ihr abgespannten Menschenkinder und erholt und erquickt euch am Born der ewig jungen, Kraft und Freude spendenden Natur! Es ist darum ein Widerspruch in sich selber, wenn man die geschäftlichen Alltagsdinge mit ihren Sorgen als Extragepäck mit in die Ferien nimmt. Am schönsten ist's jedenfalls, wenn man davon nichts zu sehen und zu hören braucht. Zum Glück ist man in unsern Schulen auch immer mehr dahinter gekommen, daß zu den großen Ferien die unglückseligen Ferienaufgaben wie die Faust aufs Auge passen. Wenn auch ein paar Sprüche, Vokabeln, grammatische Regeln oder mathematische Formeln vergessen werden, das schadet nichts. Die langen, im Anfang schier unübersehbar ausschauenden großen Ferien werden so unheimlich rasch vergangen sein, und dann wird's mit neuen Kräften weitergehen, und das Ziel wird schon rechtzeitig erreicht werden. Die Ausspannung soll ja gerade eine Hülfe und ein Segen sein. Und nun allen, die es angeht, ein fröhliches Glückauf für die großen Ferien!
):( Hersfeld, 3.Juli. Gestern nachmittag entwendete ein fremder Arbeiter am hiesigen Bahnhof ein Fahrrad und fuhr bamit nach Bebra, woselbst er das Rad verlauste. Der hiesigen Polizei gelang es jedoch noch rechtzeitig den Gauner in Bebra festzunehmen. Derselbe wurde in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert.
§ Hersfeld, 2. Juli. In dem Saale der hiesigen Stadtschule fand heute.die Jahreskonferenz der hiesigen städtischen Lehrer und Lehrerinnen und der Lehrer des Bezirks Rotenburg III statt. Herr Schminke -Hersfeld hielt zuerst eine Lehrprobe mit einer Knabenklaffe über unsere afrikanische Kolonie Togo. Leider war die Einleitung zu der Lektion so ausführlich angelegt, daß die eigentliche Lehrprobe wegen Zeitmangel gar nicht ausgeführt werden konnte. Herr Kreisschul- inspektor Schröder sprach sodann über Johs. 14,6: Ich bin der Weg, die Wahrheit rc. Diesen Spruch müsse jeder Lehrer über seine Tür schreiben. Herr Lehrer Schmidt hier hielt hieraus einen äußerst lehrreichen Vortrag über das Thema: „In welcher Weise ist im Unterricht das Interesse der Schüler für die deutschen Kolonien zu erwecken?" Lehrprobe und Vortrag riefen eine lebhafte Debatte hervor. Nachdem der Vorsitzende noch Ratschläge und Winke auf Grund der bei der Revision gemachten Erfahrung gegeben und man das Thema für die nächste Konferenz festgesetzt hatte, begaben sich die Teilnehmer in die hiesige Stadtkirche, um die Orgelvorträge der Herren B o d e -Lispenhausen, Stamm -Niedergude und B l e t t n e r -Blankenheim zu hören. Um 2 Uhr fand im Hotel zum Stern ein gemeinsames Mittagsmahl statt.
):( Hersfeld, 2. Juli. (Schöffengericht.) Ein Mann aus Kathus erhielt wegen Uebertretung der Bau-Polizei- Ordnung 5 Mark Geldstrafe ev. 1 Tag Haft. — Ein Bäckergeselle von hier wurde wegen Sachbeschädigung zu 20 Mark ev. 4 Tagen Gefängnis und wegen ruhestörenden Lärms zu 3 Mark ev. 1 Tag Hast verurteilt. — Ein hiesiger Arbeiter erhielt wegen Beamten-Beleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Hausfriedensbruchs 6 Wochen Gefängnis und wegen ruhestörenden Lärms 1 Woche Haft. — Ein hiesiger Metzgermeister wurde wegen Nahrungsmittelfälschung mit 3 Mark ev. 1 Tag Haft bestraft. — Ein Fabrikarbeiter aus Sorga erhielt wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung 4 Wochen Gefängnis. — Ein Tagelöhner aus Friedlos wurde wegen Diebstahls zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. — Ein Bettler erhielt wegen Bettelns 10 Tage, ein anderer 1 Woche und ein dritter 3 Tage Hast.
§ Hersfeld, 3. Juli. (Reise nach der Wasserkante.) Wir möchten unsere Leser nochmals auf diese von der Kreisgruppe Mainz des Deutschen Flotten-Vereins in der Zeit vom 15. bis 21. Juli cr. veranstaltete hochinteressante und belehrende Reise von Mainz nach Bremen, Helgoland, Hamburg und Kiel aufmerksam machen. Der Preis einschließlich Eisenbahn, Dampfer- und Wagenfahrten, Besichtigungen, sowie einschl. Hotels und voller Verpflegung beträgt nur 110 Mk., und sind Anmeldungen baldigst an das Reisebureau L. Lyssenhop und Co., G. m. b. H. Mainz, Kaiserstr. 7 zu richten, woselbst auch das ausführliche Programm erhältlich. Der Sonderzug hält zur Ausnahme von Reiseteilnehmern noch in Coblenz, Cöln, Duisburg und Wanne.
):( Hersfeld, 3. Juli. Auf eine Bekanntmachung der Landeskreditkasse zu Cassel, betr. Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren, in der heutigen Nummer d. Bl. machen wir besonders aufmerksam.
Caffel, 2. Juli. Der Zimmergeselle Jakob Ring aus Sand, der heute vormittag im Bühnenraum des neuen Königl. Theaters arbeitete, stürzte infolge eines Fehltritts von der Leiter herab und war sofort tot. Der unglückliche Sturz erfolgte aus einer Höhe von ca. 6 Metern.
Caffel, 1. Juli. Ein hiesiger Hauswirt ist aus ein eigenartiges Mittel verfallen, um die Mieter in seinem Hause seßhaft zu machen. Er spielt für sie ein Viertel-Los der preußischen Klassenlotterie, und das Los hat schon wiederholt gewonnen. Erst dieser Tage wurden jedem Mieter 40 Mark ausbezahlt.
Homberg, 2. Juli. Heute ereignete sich hier ein bedauerlicher Unfall. Als Herr Tierarzt Z. mit seinem Wagen das sog. Steinkreuz passiert hatte, begegnete ihm kurz vor dem Wege nach Mardors ein Automobil, während ein anderes ihm folgte. Das entgegenkommende Automobil machte Halt. Das folgende setzte jedoch trotz der Unruhe des Pferdes feinen Weg fort. Hierdurch wurde das Pferd scheu, sprang mit dem Wagen vom Wege ab, wobei letzterer in Stücke ging, und raste fort, die Wagenschere nachschleisend. Bald daraus drang ihm ein Scheinende in den Leib, so daß die Eingeweide austraten. Das Tier verendete alsbald. Der Kutscher sowie Herr Dr. Z. kamen mit leichten Verletzungen davon.
Fulda, 1. Juli. Die Kreisbrandmeister des Reg.-Bez. Cassel sind heute hier versammelt und halten im Stadtverordnetensitzungssaale eine Sitzung ab. Nachmittags soll eine Feuerwehrübung stattfinden.
Beckerhagen, 1. Juli. Das Dragonerregiment von Hofgeismar hatte gestern vormittag eine Uebung an der Weser bei Bursselde. Es wurde in den verschiedensten, in der Gegend zusammengebrachten Fahrzeugen das Uebersetzen über die Weser versucht. Die Pferde mußten nebenher schwimmen. Die Landungsstelle war rasch notdürftig umzäunt worden. Als