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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 77. Sonnabend, den 4. Juli 1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 27. Juni 1908.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 10. April d. Js., I. Nr. 3816 — Kreisblatt Nr. 45 — betreffend das Sollauskommen an Beiträgen zur Landwirtschastskammer für das Jahr 1908 noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit einer Frist von 8 Tagen erinnert.
I. 6645. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 1. Juli 1908.
Der von dem Landwirt Asmus Burghardt in Ransbach nach der diesjährigen Frühjahrskörung angeschaffte Bulle, 14 Monate alt, Simmentaler, Gelbschack mit weißer Stirn, ist von der Körungskommission am 13. Juni d. Js. besichtigt und zur Nachzucht für tauglich befunden worden.
J. A. 3689. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung.
Caffel, den 9. Juni 1908.
Auf Grund des § 105 e der Reichsgewerbeordnung bestimme ich in Abänderung der Bekanntmachung vom 25. März 1895 — Amtsblatt Seite 74 ff. — unter I. c. „Bäckerei- und Konditoreigewerbe" zu 2, daß in Zeile 2 dort das Wort „zehn" in „acht" verändert wird. Danach dürfen künftig in Konditoreien Arbeiter an allen Sonn- und Feiertagen nur während acht Stunden, jedoch längstens bis Mittags 12 Uhr beschäftigt werden.
Im übrigen behält es bei den Bestimmungen unter 2 sein Bewenden. (A. II. G. Nr. 515.)
Der Regicrungs-Präsident. I. V.: gez. Schenk. * *
Hersseld, den 30. Juni 1908.
Vorstehendes bringe ich hiermit zur allgemeinen Kenntnisnahme.
I. Nr. I. 6362. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 27. Juni 1908.
Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober-Prästdenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landratsamtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 24443, im Kreisblatt Nr. 20), wonach die Abhaltung von Hauskollekten wegen Beschädigungen durch Hagelschlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, die Landwirte in ihren Gemeindebezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Verficherung ihrer Feldsrüchte gegen Hagelschaden hinzuweisen.
I. 6634. Der Königliche Landrat.
J. A.:
F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 29. Juni 1908.
Die Schweinepest unter dem Bestände des Bürgermeisters Ehrhardt in Oberthalhausen ist erloschen. 1. 6687. Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 27. Juni 1908.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 15. April 1879, 1 Nr. 4433, — Kreisblatt Nr. 31 — betreffend Hagelversicherung noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit einer Frist von 8 Tagen erinnert. L 6633. Der Königliche Landrat.
I. A.:
F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
c Hersseld, den 30. Juni 1908.
Vielfach haben Hinterbliebene aus Unkenntnis der bestehenden Vorschriften Orden und Ehrenzeichen den verstorbenen Inhabern mit ins Grab gegeben. Da ein solches Verfahren den Bestimmungen zuwiderläust, bemerke ich zur Begegnung etwaiger Zweifel Folgendes:
1. die am Erinnerungsbande (weißes, fechsmal schwarzgestreiftes Band, mit rotem Vorstoß) verliehenen Königlichen Kronenorden 3. und 4. Klasse und allgemeinen Ehrenzeichen mit dem Kreuz und ohne dieses,
2. das Rechtsritterkreuz des JohannitterordenS,
3. die rote Kreuzmedaille 3. Klaffe,
4. die Krönungsmedaille,
5. die Kriegsdenkmünze für 1864,
6. die Kriegsdenkmünze für 1870/71,
7. die Kaiser Wilhelm-Erinnerungsmedaille,
8. die Chinadenkmünze,
9. die Hannoversche Jubiläumsdenkmünze,
10. die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr und
11. die Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse
bleiben von der Rückgabe ausgeschlossen, während das Düppeler Sturmkreuz, das Alsenkreuz, und das Erinnerungskreuz für 1866 bei demjenigen Kirchspiel auf- zubewahren sind, zu dem der Verstorbene gehört hat. Das Dienstauszeichnungskreuz, die drei Klassen der Dienstauszeichnung und die Landwehrdienstauszeichnung 1. Klasse sind den zuständigen Bekleidung§ämtern zu überweisen.
Alle anderen Orden und Ehrenzeichen, einschließlich des Frauenverdienstkreuzes sind nach dem Ableben des Inhabers von den Hinterbliebenen alsbald an mich zwecks Rücksendung an die General-Ordenskommission zurückzureichen.
J. I. Nr. 6659. Der Königliche Landrat. I? A.:
F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 27. Juni 1908.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 29. Juni 1880, I. Nr. 7650, — Kreisblatt Nr. 52 — betreffend Einreichung der Verzeichnisse über die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit einer Frist v o n 8 Tagen erinnert. Fehlanzeige ist erforderlich.
I. 6635. Der Königliche Landrat.
I. A.:
F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.
Gefundene GegeiMnde:
1 Stock, 1 Weste, 1 Filzhut und 1 Regenschirm. Mel- dung der Eigentümer bei dem Ortsvorstand zu Asbach.
nichtamtlicher CeiL
Politischer Wochenbericht.
Die kurze Sommertagung des neuen preußischen Abgeordnetenhauses hat ihren Abschluß gefunden. Höchst bezeichnend war das erste Debüt der sozialdemokratischen Abgeordneten. Gleich bei der zweiten Rede, die ein Sozial- demokrat im preußischen Landtage überhaupt hielt, sah sich der Präsident genötigt, den Redner in aller Form zur Sache zu rufen. Ein solcher Ruf zur Sache ist ein Vorkommnis, das sich in den Annalen der parlamentarischen Geschichte Preußens höchst selten verzeichnet findet, und es wird dadurch die Richtigkeit der Befürchtungen, die man auf bürgerlicher Seite an den Einzug von Sozialdemokraten in das preußische Parlament für den unerschütterten Fortbestand der Disziplin des Hauses knüpfte, unwiderleglich bewiesen. Mit Freude muß es begrüßt werden, daß die Vorlage über Erhöhung der landeskirchlichen Umlagen eine nahezu einstimmige Annahme gefunden hat. Bringt dieses Gesetz doch nur nachträglich einem Teile der Geistlichkeit das, was den Beamten und Lehrern noch vor Schluß des alten Landtages bereits gesichert war.
In O e st e r r e i ch ist der Staatsvoranschlag diesmal vom Abgeordnetenhause rechtzeitig erledigt worden, und das ist für Oesterreich ein Ereignis. Hat doch seit einem halben Jahrzehnt das österreichische Abgeordnetenhaus gerade zu der Erfüllung dieser wichtigsten Pflicht keine Zeit gesunden. Die Befriedigung aber über die diesjährige rechtzeitige Erledigung des Budgets ist umso größer, als das Haus mehrfach schwere Belastungsproben, wie solche beispielsweise in dem böhmischen Gerichtssprachenkrieg und dem Hochschulstreik gegeben waren, zu überstehen hatte. Das Hauptverdienst an dem richtigen Funktionieren des Verfasfungsapparatcs in diesem Jahre darf sich der Block der deutschen Parteien zuschreiben. Es hat sich damit auch bei dieser Gelegenheit wieder bestätigt, daß die deutsche Gemeinbürgschaft nicht bloß eine nationalpolitische Notwendigkeit, sondern zugleich auch eine österreichische Staatsnotwendigkeit ist.
In I t a l i e n hat der Streik der Landarbeiter von Parma, der bereits seit dem 1. Mai andauerte, mit einem gänzlichen Mißerfolg der Streikenden geendet. Die Ernte konnte dank dem militärischen Schutze, der den Arbeitswilligen zuteil wurde, glücklich eingebracht werden, und damit ist die Arbeiternot der Besitzer beseitigt; die Ausständigen mögen nun weiter streifen, solange sie wollen. Kaum je hat ein Streik der Volkswirtschaft und dem Wohlstände eines Landes so tiefe Wunden geschlagen wie dieser. Viele Millionen sind verloren, unersetzliche Werte für immer vernichtet, zahlreiche Familien ihres Wohlstandes beraubt, zahlreiche andere dem Elende und Hunger überantwortet. Systematisch an dem Parmaneser Landarbeiterstreik sind die blutigen Begleiterscheinungen, die zahlreichen Ausruhrszenen und Exzesse. Herr Herold und die übrigen Befürworter des Koalitionsrechtes der Landarbeiter, das gewollt
oder ungewollt allemal zugleich ein Streikrecht sein wird und muß, sollten aus diesem Streife eine warnende Lehre entnehmen. Allen ländlichen Besitzern unseres Vaterlandes, ob groß oder klein, aber kann nur geraten werden, sich die Vorgänge von Parma recht gründlich einzrrprägen. Wer nach solchen Erfahrungen noch an dem Streikrechte für die Landleute festhält, ist nun und nimmer ein wahrer Freund der Landwirtschaft.
Die in Reval über Mazedonien getroffenen russisch- französischen Vereinbarungen sind noch nicht zur Kenntnis der übrigen Mächte gelangt. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber laufen sie doch wohl auf eine Minderung der Souveränetäts« rechte des Sultans hinaus. Deutschlands Stellung kann natürlich erst dann festgelegt werden, wenn jene Vereinbarungen in allen ihren Einzelheiten bekannt sind. So viel aber darf wohl als sicher angenommen werden, daß wir jeder Aenderung der Machtverhältnfffe im europäischen Orient, die mit einer Schmälerung unserer wirtschaftlichen Einflußsphäre verknüpft ist, kraftvoll widerstreben werden.
M erste Meliusche TmenM
Friedrichshafen, 1. Juli. Heute morgen gegen Vä9 Uhr stieg das Zeppelinsche Luftschiff aus und fuhr in der Richtung nach Konstanz. Gegen 12 Uhr befand sich der Ballon, eingetroffenen Telegrammen zufolge, .in der Nähe von Stein a. Rhein.
Friedrich sha sen, 1. Juli. Das Luftschiff des Grafen Zeppelin traf von Konstanz um V2II Uhr in Basel und dann von dort um V<2 in Luzern ein und wandte sich von hier nach Zug weiter i
Bern, 1. Juli. Der Ballon des Grafen Zeppelin erschien um 12 Uhr 30 Minuten über der Stadt Luzern, beschrieb über der Seebucht einen großen Bogen und fuhr dann nach Küßnacht. Um Vk Uhr fuhr er in nordöstlicher Richtung über den Zuger See. Das Volk brächte den Insassen begeisterte Huldigungen dar. Kurz vor 2V2 Uhr steuerte er über die Stadt Zürich hinweg, führte dort einige Evolutionen aus und wandte sich dann nach Norden.
Ueber die Fahrt des Zeppelinschen Luftschiffes nach Luzern wird Berliner Blättern noch aus Friedrichshafen gemeldet:
Bei ruhigem Wetter stieg das Luftschiff 8V2 Uhr direkt von der Halle auf, machte unmittelbar über der Halle eine Schwenkung und nahm seinen Kurs sofort nach Meersburg und weiterhin nach Konstanz und die Nordschweiz zu. Um 9 Uhr war es am westlichen Horizont verschwunden. Um V22 Uhr wurde aus Luzern telegraphiert, daß das Luftschiff über der Stadt und dem Vierwaldstättersee manöveriere. Es ist erstaunlich, mit welcher Präzision, Eleganz und Ruhe alle Manöver jetzt ausgeführt werden. Das komplizierte HerauS- bringen des gewaltigen Schiffskörpers aus der Halle geht wie am Schnürchen. Von dem Augenblick an, wo das Kommando: „Achtung, Luftschiff voraus!" ertönt, bis zu dem Moment des Emporsteigens vergehen kaum 5 Minuten. Etwa 30 Arbeiter besorgen das Heraufbringen. Militärische Hülfe ist gänzlich unnötig. Außer der Stammmanschaft befanden sich bei der gestrigen Fahrt: Gras Zeppelin, der Reichskommissar Hergesell aus Straßburg, sowie Emil Sand als Gäste an Bord. Es war, wenn keine Gewitterströmung eintritt, eine längere, bis zum Abend andauernde Uebungsfahrt beabsichtigt. Auch sind dementsprechende Vorräte mitgenommen worden. Diese Fahrt ist wohl die letzte mit der bisherigen .Mung. Sie wird hauptsächlich als Maßstab für die Mitte des Monats zu er- wartende offizielle Fernfahrt Anhaltpunkte liefern.
Die bis jetzt vorliegenden Meldungen lassen nur annähernd Schätzungen über die Länge des von dem Luftschiff zurückgelegten Weges zu. Gras Zeppelin ist jedenfalls bis Basel dem oberen Rheinlauf gefolgt, was eine Entfernung in Luftlinie von 120 Kilometer, oder wenn wir die Bahnstrecke Konstanz Basel als Grundlage nehmen, von 144 Kilometer entspricht. Die Luftlinie Basel-Luzern beträgt etwa 80 Kilometer, von dort nach Zürich 40 Kilometer. Von Zürich aus scheint Zeppelin direkt nördlich das Rheintal wieder aufgesucht zu haben, er hätte dann bis zu seinem Ausgangspunkt Friedrichshasen noch 70 Klm. zurückzulegen. Das würde einem Weg von mindestens 300—320 Klm. in der Luftlinie entsprechen.
Friedrichshafen, 1. Juli. DerZeppelinsche Ballon hat auf seiner Fahrt den Hohen Twiel umkreist und auf dem Züricher See mehrere Manöver ausgeführt. Nach 6 Uhr wurde der Ballon in Rohrschach erwartet, um dort Proviant für die Mannschaft aufzunehmen und weiter eine 3—Mündige Fahrt auszuführen, deren Ziel noch unbekannt ist. Gegen 7 Uhr näherte sich der Ballon Friedrichshafen.
Gras Zeppelin ist mit seinem Luftschiff von der gestrigen fast zwölsstündigen Fahrt, die sich bis Vierwaldstätter See ausgedehnt hatte, abends gegen Vs7 Uhr wieder am Bodensee eingetroffen. Das Fahrzeug setzte dann seine Fahrt zunächst noch fort und landete gegen Va9 Uhr abends. Die glückliche Rückkehr des Ballons wurde mit großem Jubel und Böllerschüssen begrüßt.
Zürich, 1. Juli. Heute kurz vor Mittag wurde hier 10 Minuten lang der Ballon des Grafen Zeppelin beobachtet, wie er eine Reihe Evolutionen westlich des Stadtgebietes