Februar, für die Herbstprüsung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.
Nach diesen Zeitpunkten eingehende Zulassungsgesuche dürfen durch die Prüfungskommission nur ausnahmsweise und nur dann berücksichtigt werden, wenn die Prüfung noch nicht stattgehabt und der im § 89, 1 der W.-O für den Nachweis der Berechtigung festgesetzte späteste Zeitpunkt nicht überschritten ist.
*) Bei Freiwilligen der seemännischen Bevölkerung genügt die Einwilligung des Vaters oder Vormundes (§ 15,4 der W.-O.)
nichtamtlicher teil.
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über neue Reformvorschlage für Mazedonien sollte schon in Reval vollzogen werden, ist aber bis jetzt noch nicht an die Oeffentlichkeit getreten. Auch den Regierungen der andern beteiligten Großmächte, Frankreich, Italien, Oesterreich-Ungarn und Deutschland, ist bis jetzt noch keine amtliche Mitteilung über die neuen Vorschläge zugegangen. Es scheint demnach, als ob sich noch Schwierigkeiten für die Vereinbarung ergeben hätten. Ein Pariser Blatt meldete, daß von London und von Petersburg zwei verschiedene Vorschläge zu erwarten seien. Dies ist aber nicht so zu verstehen, daß eine Einigung nicht zustande gekommen wäre; vielmehr würden die englische und die russische Regierung wahrscheinlich nur insoweit in separato vorgehen, als jede einen selbständigen Vorschlag macht, beide Vorschläge aber sich ergänzen. Das Programm erstreckt sich auf verschiedene Gebiete der Verwaltung und Justiz (Gendarmerie, fliegende Kolonnen, Dorfwächter, Finanzkontrolle, Justizreform), ist also nach Materien teilbar, so daß sich die zu erwartende englische Note mit der einen, die russische mit der andern Hälfte des Programms befassen könnte. Ein solches Vorgehen an Stelle eines einheitlichen gemeinsamen Programms läßt der Vermutung Raum, daß zwischen beiden Regierungen doch keine volle Einigung erzielt ist und jede sich eine gewisse Freiheit für die weitere Behandlung im Konzert der Mächte vorbehalten will. '
Inzwischen wird wieder einmal in ausländischen Blättem das falsche Gerücht von einem geheimen deutsch-türkischen Abkommen verbreitet, mit dem auch die Anwesenheit des Generalinspekteurs Freiherrn v. d. Goltz in Konstantinopel in Zusammenhang stehen soll. Frhr. v. d. Goltz war lediglich als Privatperson, ohne irgendwelche Mission, zum Besuche bei dem Sultan, bei dem er als ehemaliger Chef des Militärbildungswesens in hohem Ansehen steht. Es ist möglich, daß der Sultan dabei auch den militärischen Rat des deutschen Generals in Anspruch genommen hat. An äußerer Veranlassung dazu fehlt es nicht: mit dem östlichen Grenzlande des türkischen Reichs, Persien, besteht ein alter Grenzstreit, und welche Schwierigkeiten sich aus der inneren Lage Persiens noch entwickeln können, weiß niemand; auf der europäischen Seite aber muß die Türkei immer damit rechnen, daß der bulgarische Ehrgeiz noch nicht befriedigt und in diesem Nachbarlande eine Kriegspartei am Werke ist. Das beste, was der Sultan tun kann, ist die energische Unterdrückung des Bandenwesens in Mazedonien. Denn dieses ist viel mehr als die Mängel der türkischen Verwaltung und Justiz die Ursache der ganzen mazedonischen Frage.
Aus 3n- und Ausland.
Berlin, den 30. Juni 1908.
Heute morgen bald nach 7 Uhr begab Sich Seine Majestät der Kaiser an Bord des Meteor, Ihre Majestät die Kaiserin an Bord der Jduna. Beide Majestäten gedachten die Segelwettfahrt von Kiel nach Eckern- sörde auf Ihren Jachten mitzusegeln. Um 8 Uhr starteten etwa 30 Jachten zu der Wettfahrt.
Die Session des preußischen Landtags ist am Dienstag mittag in einer gemeinschaftlichen Sitzung des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses durch den Fürsten von Bülow geschlossen worden. Er war ja eigentlich nur der Form halber einberufen worden, um den Bestimmungen der Verfassung zu genügen. Da das Parlament aber einmal beisammen war, wurde ihm auch das Kirchen-Umlage-Gesetz unterbreitet, dessen Erledigung die Regierung für dringlich erachtete. Ihrer Ansicht ist der Landtag beigetreten. Das Abgeordnetenhaus hat die Vorlage heute in einer der gemeinschaftlichen Schlußsitzung voraufgehenden Sitzung definitiv nach kurzer Debatte angenommen. Von den Parteien fühlten nur die Freisinnigen und die Sozialdemokraten das Bedürfnis, ihren gegnerischen Standpunkt noch einmal durch die Abgg. Dr. Wiemer und Ströbel darlegen zu lassen, die anderen schwiegen und überließen die Beantwortung der Oppositionsreden dem Kultusminister Dr. Holle. Die Absicht der äußersten Linken, noch einen zweiten Redner vorzuschicken, wurde durch Annahme eines Schlußantrages vereitelt. Wie immer gingen die Mitglieder des Landtages erst auseinander, nachdem sie in einem dreimaligen, brausenden Hoch ihrer Anhänglichkeit für den Kaiser Ausdruck gegeben hatten.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gestern fand unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Reichsschatzamts eine Sitzung der an der Frage der Finanzreform beteiligten Bundesratsausschüsse statt, an der die Chefs der Finanzverwaltungen der Bundesstaaten persönlich teilnahmen. Dieser amtlichen Mitteilung der „Nordd. Allg. Ztg." kann das „Berl. Tagebl." noch einige Einzelheiten beifügen. Danach dauerte die Sitzung bis 7 Uhr abends. Die meisten Teilnehmer erklärten sich gegen die Einführung der direkten Reichssteuern und besonders sprach man sich gegen die Reichseinkommensteuer aus, die den Jnterressen der Einzelstaaten widerstrebe. Man war allgemein der Ansicht, daß die Haupt- guote der erforderlichen neuen Reichssteuern durch indirekte Steuern aufgebracht werden müsse und die Vorschläge des Reichsschatzsekretärs fanden im allgemeinen die Zustimmung der Konferenzteilnehmer. Von tiefen wurden mehrere, so der bayrische Finanzminister von Pfaff und der württembergische Staatsminister von Keßler vom Reichskanzler empfangen.
Wie der „L. A." von wohlunterrichteter Seite erfährt, werden die neuen Dreimark-Stücke, deren Einführung in der Bundesratssitzung am letzten Freitag beschlossen wurde, völlig in den Maßen des alten Talers gehalten sein. Sie werden aber das Bild Kaiser Wilhelms II. und die Aufschrift „Drei Mark" tragen. Mit der Wiedereinführung von Dreimark- Stücken wird ein vielseitig gehegter Wunsch erfüllt. Denn der Taler hatte sich recht gut bewährt, und das einzige Bedenken, das man gegen seine Zweckmäßigkeit erheben konnte, bestand darin, daß er sich nicht so gut in das Dezimalsystem einsügte wie die anderen Münzen.
Das Reichsgericht zu Leipzig verhandelte am Montag gegen den Fabrikbeamten Egensperger aus Kaisersberg wegen
Spionage zugunsten Frankreichs. Der Angeklagte ist beschuldigt, geheim zu haltende Angaben über Artillerieausrüstungen und dergl. an einen Vertreter eines Pariser Nachrichtenbureaus geliefert zu haben. Geladen waren drei Zeugen und zwei Sachverständige. Die Oeffentlichkeit wurde für die Dauer der ganzen Verhandlung ausgeschlossen. Das Urteil gegen den Angeklagten lautete auf drei Jahre Zuchthaus und fünfjährigen Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.
Von einem erfreulichen Fortschritt des deutschen Bergbaues in China berichtet folgende Meldung der Deutschen Kabeltelegrammgesellschaft in Tsingtau: DieSchantung-Bergbau- gesellschast hat den zweiten Hauptschacht in Fangtse fertiggestellt. Die Kohlenförderung wird dadurch zukünftig auf 2000 TonS täglich erhöht.
In der französischen D e p u t i e r t e n k a m m e r gab es am Montag eine große Debatte über den von der Regierung verlangten Kredit von 400 000 Francs für die in diesem Monate bevorstehende Reise des Präsidenten Fallieres nach Rußland zur Begegnung mit dem Zaren Nikolaus. Namens der Sozialdemokraten beantragte der Abgeordnete Vaillant, von dieser Summe 50 000 Francs zu streichen, als Zeichen des Protestes der französischen Sozialdemokraten gegen die Zusammenkunft des Präsidenteu Fallieres mit dem russischen Kaiser. Vaillant und die anderen Redner der äußersten Linken griffen die russische Regierung hierbei heftig an, woraus der Minister des Auswärtigen, Pichon, in längerer Rede die Re- gierungssorderungen verteidigte. Sehr geschickt appellierte Pichon an den Patriotismus der Franzosen und betonte, daß die Allianz Frankreichs mit Rußland die Grundlage der auswärtigen Politik Frankreichs bleibe. Pichon erklärte weiter, daß die jetzige französische Regierung sogar beabsichtige, die Allianz mit Rußland über alle anderen Fragen zu stellen und nichts zu unterlassen, um ihre Festigkeit zu sichern. Der Minister sprach weiterhin seine Verwunderung aus, daß die Begegnung des Präsidenten der Republik mit dem Kaiser von Rußland nicht die einmütige Zustimmung der Deputiertenkammer finde, und hob ferner hervor, wie diese Begegnung lediglich dazu bestimmt sei, den friedlichen und versöhnlichen Charakter des russisch-französischen Bündnisses zu bestätigen. Pichon schloß: „Ich hege keinen Zweifel, daß Sie, ohne den erhobenen Widersprüchen Beachtung zu schenken, die ebenso nichtig in ihrem Wesen wie unannehmbar in der Form sind, die Ihrer Beratung unterbreitete Vorlage genehmigen werden." Die Worte des Ministers riefen auf allen Seiten, mit Ausnahme der äußersten Linken, lebhaften Beifall hervor, und das Haus nahm schließlich den genannten Kredit mit der gewaltigen Mehrzahl von 489 gegen 62 Stimmen an.
Ueber die revolutionäre Bewegung, die in mehreren Staaten Mexikos ausgebrochen ist, liegen jetzt einige nähere Nachrichten vor, die freilich über die Ziele der Insurrektion noch keinen Ausschluß geben. Danach soll das Zentrum des Aufstandes in El Paso an der texanischen Grenze liegen, über die sich die Insurgenten auch schon einmal nach einem verlustreichen Gefecht zurückgezogen haben. Für die mexikanische Regierung wird es vor allem darauf ankommen, ob das Militär zuverlässig bleibt, was immerhin noch nicht so ganz sicher zu sein scheint. Nach New-Uorker Meldungen werden alle Depeschen aus Mexiko streng zensiert. Die mexikanischen Behörden ergriffen drakonische Maßregeln, um den revolutionären Ausbruch im nördlichen und mittleren Teile Mexikos zu unterdrücken. Die Insurgenten besetzten das Dorf Matamoras, 24 km von Torreon. 40 Extrazüge voller Truppen gingen durch Torreon^ und umfassende Verstärkungen wurden an die Garnisonen von Juarez und Ciudad Porfirio Diaz gesandt. Präsident Diaz befahl, alle gefangenen Insurgenten streng zu behandeln. Eine große Anzahl wurde bereits auf der Stelle ohne Kriegsgericht erschossen. Die Loyalität der Soldaten wird jedoch bezweifelt; nach den Berichten vom Schauplatz sind sie sehr um ihre Haut besorgt und verfolgen die Revolutionäre nachlässig. — Präsident Roosevelt hielt mehrere Konserenzen über den Ausstand mit dem Assistenzstaatssekretär Bacon ab; der mexikanische Gesandte in Washington Creel eilt vom Ferienurlaub nach Washington zurück.
Die belgische Regierung ließ am Montag den berüchtigten Spielklub in Ost ende schließen. Aus diesem Anlaß fanden dort große Kundgebungen statt. Mit mehreren Musikkapellen begaben sich die Manifestanten in einem langen Zuge nach dem Kursaal, wo sie Direktor Marquet, der wegen Spielkontraventionen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, lärmende Huldigungen darbrachten, und nach dem Rathaus, wo sie Eingaben um Aufhebung des Spielgesetzes für Ostende und Spaa zur Weitergabe an den König überbrachten., Der Kursaal ist beständig von Polizeibeamten besetzt.
Die russische Reichsduma wird immer regierungsfreundlicher. Am Montag abend verhandelte sie über die vom Finanzminister eingebrachte Gesetzesvorlage betreffend die innere Anleihe von 200 Millionen Rubel. Die Duma nahm in allen drei Lesungen nach Erklärungen des Finanzministers Kokowzew, die durch Beisallsäußerungen rechts und im Zentrum unterbrochen wurden, den Gesetzentwurf an. Die Sozialdemokraten und die Arbeitergruppen stimmten gegen die Vorlage.
Aus Provinz u. Dachhargchiet.
* D i e Witterung im Juli dürfte sich dem hundertjährigen Kalender zufolge in der ersten Hälfte des Monats angenehm gestalten. Die ersten beiden Tage sollen Nebel bringen, vom 3. bis zum 6. hätte man aus Niederschläge zu rechnen, während vom 7. bis 14. windiges Wetter herrschen soll. Die zweite Hälfte des Monats dürfte uns schöne warme Tage bescheren. Der Astronom Bruno Bürzel prophezeit für Anfang Juli veränderliches und regnerisches Wetter, die schlechte Witterung dürste nach Ansicht des Gelehrten bis zum 17. Juli anhalten, dann aber soll es warm, klar und ruhig werden. Im 13. Juli erblickt Bürzel einen kritischen Tag erster Ordnung, während er den 28. als einen kritischen Termin von nur untergeordneter Bedeutung bezeichnet.
* (Die Gefahren des Schwimmens.) Beim Schwimmen, dem schönsten und gesundesten Sport des Sommers, kommen immer wieder Unfälle vor, die Menschenleben kosten; ja, selbst die geschicktesten Schwimmer sind nicht davor sicher. Man hat verschiedene Gründe für den scheinbar unerklärlichen plötzlichen Tod beim Schwimmen angegeben, so Krämpse, Herzschlag, Ohnmacht und dergl., und hat ganz besonders das Baden unmittelbar nach der Mahlzeit als gefährlich hingestellt. Diese letzte Aufgabe scheint allein stichhaltig zu sein: tatsächlich hat die alte Volksweisheit, die anempfiehlt, zwischen dem Essen und dem Baden eine bis zwei Stunden verstreichen zu lassen, wieder Recht behalten. Vor einiger Zeit wurde in der Münchener medizinischen Wochenschrift "bet genauere Zusammenhang zwischen dem Schwimmen und dem Zustand des Magens erläutert. Es ist schon seit langem bekannt, daß das einfache Eintauchen des Körpers ins Wasser die Arbeit, die zur Atmung nötig ist, um 10 Prozent erschwert.
Durch das Schwimmen wird die Atmung noch um weitere 50 Prozent erschwert, und da überdies bei der großen Arbeit die Lungen viel mehr Luft verbrauchen (51 Liter in der Minute gegen 42 beim Bergsteigen), ist das Zwerchfell nicht imstande, die hierzu nötige Arbeit auszuführen, wenn der Magen gefüllt, also durch Nahrung oder Gasmassen ausgedehnt ist, zumal der Druck, unter dem der ganze Körper steht, erhöht ist. Der Tod sonn so eintreten, ohne daß der Schwimmer vorher irgend ein drohendes Anzeichen merkt, und ohne daß an der Leiche irgend welche ausfälligen Veränderungen nachzuweisen wären.
* (Die erste elektrische Vollbahn in Deutschland.) Der preußische Eisenbahnminister hat den Feiten und Guilleaume-Lahmeyer-Werken in Frankfurt a. M. die Genehmigung für die Vorarbeiten zum Bau einer elektrischen Schnellbahn Frankfurt-Wiesbaden erteilt. Diese Bahn dürste die erste elektrische Vollbahn in Deutschland werden. Sie wird 30 Kilometer lang sein und die Züge werden die Strecke in etwa 15 Minuten zurücklegen. Da gegenwärtig die Schnellzüge 45 Minuten Fahrzeit zwischen beiden Städten haben, so bedeutet das eine wesentliche Verbesserung. Die Baukosten werden, wie die Rh.-W. Ztg. erfährt, mit 10 Millionen Mk. angegeben, die Rentabilität gilt mit Rücksicht auf da§ stetige Anwachsen der Städte Frankfurt und Wiesbaden als gesichert. Ueber die Konzessionsdauer ist eine Entscheidung nicht getroffen, man darf aber annehmen, daß die Regierung die Konzessionsdauer so sehr als möglich beschränken wird, denn sie ist nicht geneigt, elektrischen Vollbahnen so unbeschränkte Konzessionen zu geben, wie irgend einer elektrischen Kleinbahn. Der Unternehmerin kommt es dagegen auf eine möglichst ausgedehnte Konzession an. Man darf gespannt sein, in welcher Weise eine Einigung über diesen Punkt erzielt wird, der für die Schaffung weiterer Schnellbahnen in Deutschland von weittragender Bedeutung sein wird.
§ Hersfeld, 1. Juli. Der ursprünglich auf den letzten Sonntag des Juli für hier angesetzte Renntag mußte auf den 16. August verschoben werden, da Ende Juli die meisten Truppenteile in ihren Garnisonen nicht anwesend sind. An dem nunmehr in Aussicht genommenen Tag sollen außer 4 Rennen für Offiziere und Herren-Reiter 2 Rennen für Landwirte stattfinden. Das erste, bei dem wie im Vorjahre 100 Mk. an Preisen zur Verteilung kommen, führt über eine Entfernung von 700 Meter. Die Ausschreibung, die demnächst hier veröffentlicht werden wird, enthält die Bestimmung, daß daran nur Pferde von solchen Landwirten teilnehmen können, die nicht mehr als 200 Morgen Land bewirtschaften. Es sollen durch diese Bestimmung die kleinern und mittlern Landwirte vor einer zu starken Konkurrenz geschützt werden. Im 2. Rennen kommen 200 Mk. an Preisen zur Verteilung. Hier sind Pferde von allen Landwirten ohne Beschränkung zugelassen. Sowohl können große Gutsbesitzer dort Pferde laufen lassen, aber nur solche, die sie in der Landwirtschaft beschäftigen, wie auch kleinere und mittlere Landwirte dort den Kamps mit den größern aufnehmen, denn wie leicht ist es möglich, daß ein kleinerer Landwirt ein Pferd im Stalle hat, das denen größerer Landwirte sich überlegen zeigt und sie schlägt. Für das erste Rennen hat der Kreis Hersfeld die zur Verteilung kommenden 100 Mk. bewilligt, das Rennen wird daher den Namen „Preis des Kreises Hersseld" tragen. Das erste Rennen, an dem übrigens nur Landwirte des Kreises Hersseld teilnehmen, wird also ganz dem entsprechen, das im Vorjahre Herr Orth-Asbach gewonnen hat, während das 2. größere eine Erweiterung der landwirtschaftlichen Rennen darstellt.
):( Hersfeld, 1. Juli. Die Zahl der Fremden, welche im Monat Juni in den hiesigen Gasthäusern übernachteten, betrug 456.
):( Hersfeld, 1. Juli. An Stelle des verstorbenen Rathauspsörtners I. Schmelz dahier ist heute der Militär- Anwärter Herr Justus Knoth von Tann als Rathaus- pförtner zunächst auf sechsmonatliche Probe angenommen worden.
p Hersfeld, 1. Juli. (I u l i.) Der Juli oder Heumonat bringt uns den Sommer in seiner vollsten und schönsten Entfaltung. Nach dem Mai ist er inbezug auf die Farbenpracht der Blumen der strahlendste, schon durch die Königin der Blumen, die Rose, die nun in üppigster Fülle blüht und ihren zarten Dust verbreitet. Mit freundlicher Miene tritt der Juli dem Menschen entgegen, ihm Lust und Freude spendend. Das Herz erfreut der goldene warme Sonnenschein, das Auge ergötzt die Blumenmenge und das satte Grün der vollbelaubten Bäume. Der Juli heißt auch Lindenmonat; denn jetzt blühen Linden, und lieblich süßen Duft strömen die zahllosen Blüten ihrer prächtig geformten Baumkrone uns entgegen. Schon seit altersgrauer Zeit war dem Germanen die Linde ein trauter, lieber Baum. Wie man die Eiche preist als die Verkörperung der deutschen Kraft und fester, unbeugsamer Sinnesart, so ist die Linde ein Bild deutscher Gemütstiese und Innigkeit. Die Linde ist uns allen lieb; denn sie ist unser Hausnachbar von altersher. Unter der Linde spielten wir als Kinder, unter der Linde treffen sich noch heute vielfach auf dem Lande die Brautleute und tanzen die Paare auf dem Gemeindeanger. Die alten Deutschen hielten am häufigsten unter der Linde Gericht und Volksversammlung ab. Im dichten Laube des echt deutschen Baumes spielen die Vögel und summen die Bienen, denen die Lindenblüte den köstlichen Honig gibt. Der Juli ist der Monat der Heuernte, die Wiese spendet den aromatischen Duft des Heues, und der Wald atmet gerade in der drückendsten Sonnenhitze augenstärkendes Ozon am meisten aus zur Er- quickung und zum Ergötzen des Wanderes. Dem Geschmacke nickt einladend die Kirsche zu und die Beere des Waldes. Ebenso reist die Julisonne die unendliche Zahl der mehlreichen Körner in den schwellenden Aehren, und die schwankenden Halme können oft kaum den Segen der Ernte tragen. Wenn je zu einer Zeit das Paradies auf Erden noch zu finden ist, so schafft es der Juli, der Wonne und Schönheit mit Reichtum paart.
Hersfeld, 27. Juni. In der Jahresversammlung der historischen Kommission für Heffen und Waldeck beantragte, wie dem jetzt erschienenen Jahresberichte zu entnehmen ist, Herr Oberregierungsrat a. D. von Baumbach-Cassel die Herausgabe eines Hersfelder Urkundenbuches. Die Notwendig- kcit eines solchen wurde von der historischen Kommission allseitig anerkannt, die Inangriffnahme der Arbeit von der Gewinnung eines geeigneten Bearbeiters abhängig gemacht.
Battenberg, 29. Juni. Die Frau eines Landwirts in dem benachbarten Frohnhausen stürzte sich in selbstmörderischer Absicht in den tiefen Ziehbrunnen und ertrank.
Casfel, 30. Juni. Das Reserve-Artillerie-Regiment, das vor 14 Tagen im Sennelager aus Mannschaften der Artillerie- reserve gebildet worden war, wird am heutigen Mittwoch aufgelöst. Da die Reservisten ihre 14tägige Uebung beendet haben, werden sie entlassen und kehren in ihre Heimat zurück. Ebenso kehren auch die von den Artilleric-Regimentern Nr. 11