Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile lOpfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bet Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^^^^
Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ;
Zernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 75. Dienstag, den 30. Juni 1908.
AdimmMs-Eiiikdmg
auf das ßcrsfelder Kreisblatt
Das „Hersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt die
Amtlichen Bekanntmachungen Gute Leitartikel,
Berichte über Politik des In- und Auslandes,
Einen umfangreichen lokalen und provinziellen Teil,
Gediegene Romane»
Vermischte Nachrichten usw.
8ST Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben.
—> An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein
„Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle |4 Tage eine ausgezeichnete
„Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".
Anfang Mai 4Md Oktober je einen
Auszug aus dem Gifenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.
Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mt., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.
Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein
Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.
Die Dordpolfabrt
Novelle von Theodor Werner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Knurren?" wiederholte Johann Want mit der Miene eines schwer Beleidigten, „Knurren? Sie finden Ihre Stimme wohl gar nicht verändert, Herr Franz? Ihm gebe ich", fuhr er vertraulich mit sich redend fort, „keine sechs Stunden mehr!"
„Was machen Sie da?" fragte Franz.
„Ich koche Knochensuppe, Herr, und denke darüber nach, warum ich eigentlich zur See ging."
„Nun, und warum?"
„Ich weiß es selbst nicht recht, Herr Franz", antwortete Johann. „Manchmal denke ich, es war Bestimmung, manchmal, es war falscher Stolz, die Seekrankheit zu besiegen, manchmal die Geschichte von Robinson Crusoe oder andere ^öch^r, die mich warnten, zur See zu gehen."
Gleich daraus kam Craysord in die Stube und setzte Franz durch seine unerwartete Frage in Erstaunen: „Haben Sie etwas Wertvolles hier in Ihrer Bettstelle, Franz?"
Iranz blickte ihn verwundert an.
„Nichts, woraus ich den geringsten Wert legte. Was soll Ihre Frage bedeuten?"
„Wir sind an Feuerungsmaterial fast eben so arm, wie an Lebensmitteln. Ihr Verschlag hier wird gut brennen und ich habe Bateson gesagt, er solle in zehn Minuten mit seiner Axt hier fein." ’ v
»Sehr aufmerksam und überlegt von Ihnen", sagte Franz. „Was aber soll aus mir werden, wenn mein Bett ins Feuer wandert?"
„Erraten Sie's nicht?"
„Ich fürchte, die Kälte hat mich verdummt. Das Rätsel? ist mir zu schwer, wollen Sie mir nicht auf die Sprünge
„Gewiß. Es werden bald Betten frei sein — endlich
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 24. Juni 1908.
Sonnabend, den 18. Juli d. Js. nachmittags 2Vs Uhr hält der Verband der Hessischen Viehversicherungsvereine im Regierungsbezirk Cassel seine erste Generalversammlung im evangelischen Vereinshause in Cassel ab. Den Vorständen der Rindviehversicherungsvereine des Kreises bringe ich dieses mit dem Ersuchen zur Kenntnis etwaige geeignete Vertreter zur Information über die Zwecke und Ziele des Verbandes entsenden zu wollen.
Durch die Generalversammlung ist auch gleichzeitig zu weiterer Propaganda für den Anschluß der örtlichen Versicherungsvereine an den Verband Gelegenheit gegeben.
Die Tagesordnung der Versammlung ist nachstehend abgedruckt: Tagesordnung der I. Generalversammlung des Verbandes der hessischen Viehversicherungsvereine für den Regierungsbezirk Cassel zu Cassel. Sonnabend, den 18. Juli 1908, nachmittags 2V2 Uhr, im Evangelischen Vereinshaus:
1. Festsetzung des Termins für Einzahlung der Beiträge an den Verband.
2. Beratung über den zweckmäßigsten Zeitpunkt zur Abhaltung der Generalversammlungen.
3. Anmeldung des Verbandes zur Eintragung beim Amtsgericht.
4. Besprechung über Einführung einer einheitlichen Buchführung.
5. Vortrag über Viehversicherung mit besonderer Berücksichtigung der Zwecke und Ziele des Verbandes. Reserent: Dr. Sprenger-Cassel.
6. Neuanmeldungen zum Verbände.
7. Anträge und Wünsche aus der Versammlung.
I. 6514. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 24. Juni 1908.
Unter dem Titel „Die Quartier- und Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden" ist ein von dem Regierungs- Supernumerar Fritz Schaumann in Flatow verfaßtes „Handbuch für Gemeinde- und Gutsvorsteher, städtische Verwaltungen, Gemeinde-Steuererheber, Stadtkaffen usw., sowie für Quartiergeber" im Druck erschienen.
In dem 84 Seiten starken Werke, das als Anlagen Tarife über die Tagesservissätze enthält, sind sämtliche bisher er- gangenen gesetzlichen Bestimmungen in übersichtlicher Form zusammengefaßt und durch Hinzufügung mehrerer praktischer Muster gemeinverständlich gemacht.
Die Magistrate, sowie die Herren Guts- und Gemeindevorsteher des Kreises mache ich daraus aufmerksam, daß das Werk zum Preise von 1,60 Mk. gegen Voreinsendung des Betrages oder 1,80 Mk. gegen Nachnahme von dem Re-
wird unser elendes Leben hier eine Aenderung erfahren. Verstehen Sie nun?"
Franz' Augen leuchteten.
Mit einem Satze sprang er aus dem Bett und schwenkte triumphierend seine Pelzmütze.
„Verstehen?" rief er. „Natürlich. Die Rekognoszierungstruppe soll endlich ausbrechen. Gehe ich mit?"
„Sie sind noch nicht lange aus den Händen des Arztes, Franz", entgegnete Crayford freundlich. „Ich bezweifle, daß Sie schon stark genug sind, um sich bei der Spedition zu beteiligen."
„Stark genug oder nicht", sagte Franz, „jede Gefahr ist besser, als hier zu darben und zu verkommen. Stellen Sie mich zwischen diejenigen, welche freiwillig mitgehen."
„Freiwillige werden in dem Falle hier nicht angenommen, Kapitän Helding und Kapitän Erbsworth sehen bei unserer Lage zu schwierige Hindernisse, um aus solche Weise zu verfahren."
„Wollen Sie etwa auf eigene Hand bestimmen, wer mitgehen und wer zurückbleiben soll? Ich für meinen Teil protestiere dagegen."
„Warten Sie einmal", sagte Craysord, „Sie spielten neulich mit einem Offizier Triktrak. Gehört das Brett Ihnen oder dem anderen?"
„Es gehört mir. Ich habe es hier in meinem Schubfach? Was wollen Sie damit?"
„Ich möchte den Würfel und den Becher. Die Kapitäns haben meiner Ansicht nach sehr richtig beschlossen, daß der Zufall unter uns entscheiden soll. Die Offiziere wie Mannschaften vorn „Wanderer" werden in wenigen Minuten hier sein, um ihr Los zu werfen. Weder Sie noch irgend ein anderer kann gegen diese Weise der Entscheidung Einwände machen. Die Mannschaften haben gleiches Recht mit den Offizieren; also niemand hat Grund zu murren."
„Gut, ich bin zusrieden. Ich kenne aber einen unter den Offizieren, der sich sicher dagegen auflehnen wird."
„Wer?"
„Sie kennen ihn auch sehr gut. Der „Expeditionsbär" Richard Wardour."
gierungs-Supernumerar Schaumann in Flatow, Westpr., bezogen werden kann.
J. M. 1097. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Sind wir bereit ?
Deutschland, so lange in sich uneinig und gespalten und der Tummelplatz fremder Einmischungen und Ränke, ist seit der Erkämpsung feiner Einheit im Deutschen Reich vom Auslande stets mehr gesürchtet als geliebt worden. Während deS ersten Jahrzehnts nach den großen Siegen von 1870 kam es daraus an, das Errungene innerlich zu festigen und nach außen gegen die Revanchesucht des französischen Volkes zu wahren. Den Neid gegen den Emporkömmling in der europäischen Staatengesellschaft zähmte der Respekt vor der glänzend bewährten militärischen Kraft. Wir standen gut mit Rußland, das feine alte Freundschaft für Preußen auf das Reich übertrug. Wir standen auch gut mit England, dessen Konkurrent Frankreich durch uns lahm gelegt war und das von der neuen Großmacht nichts für die Rivalität des Walfisches gegen den Bären im nahen und fernen Orient zu fürchten hatte. Aber nach dem türkischen Kriege kam in Rußland die panslawistische Welle und verstärkte die Sorge des großen Kanzlers vor einer russisch-französischen Koalition. Um dieser Gefahr zuvorzukommen, schloß das Deutsche Reich, aus seiner Isolierung heraustretend, den mitteleuropäischen Friedensbund. England stand diesem Bund wegen seines alten Gegensatzes zu Rußland und wegen seiner Interessen im Mittelmeer noch lange freundschaftlich nahe. Das Verhältnis zu England trübte sich erst, als wir wegen des fortdauernden Wachstums unserer Bevölkerung genötigt waren, expansive Polittk zu treiben, unsere Waren allmählich immer mehr den seinigen in der Uebersee begegneten und wir zum Schutze unserer wirtschaftlichen Interessen eine Flotte zu bauen begannen. Dem begreiflichen Streben Englands, den deutschen Einfluß einzuengen, kam die schwere Niederlage, die Rußland in Ostasien erlitt, madjtig zu Hülfe. Der ostasiatische Krieg gab ihm zugleich Gelegenheit, mit Frankreich alte koloniale Streitigkeiten zu begleichen und dieses an seine Seite zu ziehen.
Wer die Feindschaften gegen das Deutsche Reich unbefangen auf ihre Ursachen untersucht, muß finden, daß sie auf elementarem Grunde ruhen. Kein Staatsmann, auch der große Bismarck nicht, hätte hindern können, daß die Franzosen ihre Niederlage nicht verschmerzen und ihr früheres Uebergewicht auf dem europäischen Festland nicht vergessen wollen, daß sich England gegen die ungeahnten Fortschritte Deutschlands in Handel und Industrie zu wehren sucht, daß die Russen wie nach dem Türkenkriege so auch nach dem japanischen Kriege
„Franz! Franz! Sie haben die schlechte Gewohnheit, Ihre Zunge immer durchgehen zu lassen. Wiederholen Sie den dummen Spitznamen nicht, wenn Sie von meinem guten Freunde Richard Wardour, reden."
„Ihr guter Freund, Crayford! Ihre Vorliebe für diesen Mann setzt mich in Erstaunen!"
Crayford legte die Hand freundlich aus Franz' Schulter. Unter allen Offizieren der „Seemöwe" war er Crayford'S Liebling.
„Warum setzt Sie das in Erstaunen? Wie können Sie ihn so beurteilen? Sie und Wardour gehörten stets zu verschiedenen Schiffen und ich sah Sie niemals länger als fünf Minuten in seiner Gesellschaft. Wie können Sie sich ein richtiges Urteil über seinen Charakter bilden?"
„Ich halte mich an das allgemeine Urteil. Er erhielt den Spitznamen, weil er der unzugänglichste Mensch vom ganzen Schiffe ist. Niemand kann ihn leiden — das muß doch irgend welchen Grund haben."
„Nur den einen, daß ihn eben keiner versteht. Ich rede nicht etwa in's Blaue hinein. Erinnern Sie sich, ich fuhr von England aus mit ihm aus dem „Wanderer", und wurde erst zur „Seemöwe" versetzt, nachdem wir schon lange im Eise festsaßen. Ich war monatelang Richard Wardour's Schiffskamerad und lernte in der Zeit, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; und glauben Sie mir, unter der rauhen Außenseite schlägt ein großes, edelmütiges Herz. Halten Sie mit Ihrer Meinung zurück, mein Sohn, bis Sie meinen Freund so genau kennen, wie ich. Genug davon. Geben Sie mir die Würfel und den Becher."
Franz öffnete sein Schubfach.
Im selben Augenblicke wurde die Stille durch der Hütte näher kommende Stimmen unterbrochen, welche riefen: „See- möwe, Ohoi!"
6.
Der Wacht haltende Matrose öffnete die äußere Tür. Ueber den geisterhaft weißen Schnee kamen die Offiziere des „Wanderer" der Hütte zugelaufen und unter dem unerbittlich trostlos schwarzen Himmel standen die Leute mit den Hunden