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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 72. Dienstag den 23. Juni 1908.
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auf das Bersfelder Kreisblau.
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt die
Amtlichen Bekanntmachungen
Gute Leitartikel,
Berichte über Politik des In- und Auslandes,
Einen umfangreichen lokalen und provinziellen Teil,
Gediegene Romane,
Vermischte Nachrichten usw.
g^* Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben.
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Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.
Die Dordpolfabrt.
Novelle von Theodor Werner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Klara, Du hast mir nicht einmal die Hand gereicht! Was soll daS bedeuten?"
Den Blick fest auf sie gerichtet, hielt er Antwort erwartend inne, sein leidenschaftliches Temperament blitzte aus dem flammenden Auge und er wiederholte die letzten Worte in lauterem und strengem Tone: „Was soll das bedeuten?"
Sein Ton verletzte sie und gab ihr den sinkenden Mut wieder, sie erwiderte: „Es bedeutet, Herr Wardour, daß Sie sich von Anfang an im Irrtum befanden?"
„Wieso befand ich mich im Irrtum?"
„Sie lebten einer falschen Hoffnung und gaben mir keine Gelegenheit, Sie darüber auizuklären."
„Welcher falschen Hoffnung lebte ich?"
„Sie waren so eilig und zu vertrauensvoll gegen sich selbst und gegen mich. Sie haben mich vollständig mißverstanden. Es tut mir sehr leid, Sie zu betrüben, ich muß aber Ihretwegen offen reden. Ich werde jede^eit Ihre Freundin sein, Herr Wardour; Ihr Weib aber kann ich niemals werden."
Mechanisch wiederholte er Ihre letzten Worte, war eS ihm doch, als ob er sie nicht recht verstanden hätte.
„Du kannst niemals mein Weib werden?"
„Niemals!"
„Warum?"
Sie schwieg abermals. Die Unwahrheit konnte sie ihm nicht sagen; die Wahrheit zu gestehen, schämte sie sich. Er beugte sich über sie und bemächtigte sich ihrer Hand, und diese sesthaltend, neigte er sich noch tiefer zu ihr, um aus ihrem Antlitz die Antwort zu lesen.
Langsam verdüsterten sich währenddessen seine Züge, denn er begann die Wahrheit zu argwöhnen.
„Klara, etwas hat Dich mir gegenüber verändert. Es hat Dich jemand gegen mich beeinflußt. — Ist eS — Du zwingst mich zu der Frage — ist eS ein anderer Mann?".
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 19. Juni 1908.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Ein- reichung her vorgeschriebenen Nachweisung über den fest- gestellten Bestand an Kühen und deckfähigen Rindern sowie an sprungfähigen Bullen in der Gemeinde (am 1. Juni 1908) noch im Rückstand sind, werden hieran mit Stägiger Frist erinnert.
A. 3512. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 18. Juni 1908.
Als stellvertretender Gutsvorsteher für den Gutsbezirk Meisebach ist der Privatmann Herr Franz Roll dahier bestellt und heute verpflichtet worden. '
A. 3359. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Caflel, den 8. Juni 1908.
Im Anschluß an die Rundverfügung vom 18. September v. Js A. III. 444 a„ betreffend die wirksame Bekämpfung der Tollwut bei Hunden, bestimme ich noch Folgendes:
1. Die Polizeibehörde, welche aus Anlaß der Tollwut die Sperre über ein Gebiet des heutigen Regierungsbezirks verhängt, hat den innerhalb dieses Gebietes gelegenen Msenbahn- stationen von dem Ausbruch der Seuche unter Angabe der Dauer der Sperre und des Umfangs des Sperrgebietes un- verzüglich Mitteilung zu machen,
2. Die Ausführung von Hunden aus gesperrten Bezirken (§ 20 Abs. 2 der Bundesrat-Instruktion) ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde gestattet.
Soll die Ausführung von Hunden mittels der Eisenbahn erfolgen, so hat die Polizeibehörde zu diesem Zwecke einen Erlaubnisschein auszustellen und zwar aus Grund der Vorlage einer tierärztlichen Bescheinigung, daß der betreffende Hund kurze Zeit vor der Ausfuhr untersucht und frei von Tollwut und tollwutverdächtigen Erscheinungen befunden worden ist.
Der polizeiliche Erlaubnisschein erlischt mit Ablauf von 4 Tagen.
Ich ersuche hiernach im Sinne der Rundverfügung vom 18. September v. Js. A. III. 444 a. (vorletzter Absatz) das Erforderliche zu veranlassen. (J. Nr. A. III. 1499 a.)
Der Regierungs-Präsident. I. V.: gez. Rudolph.
An die Herrn Landräte des Bezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten Hier.
* *
Hersfeld, den 18. Juni 1908.
Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 24. September
„Sie haben das Recht nicht, mich danach zu fragen ?"
Ohne ihre Rede zu beachten, fuhr er fort: „Hat sich jener andere Mann zwischen Dich und mich gestellt? Ich spreche offen heraus, tue Du es auch."
„Ich habe gesprochen und habe nichts mehr hinzuzu- fügen."
Es entstand eine Pause. Sie sah den warnenden Schein, welcher ihr das Feuer seines Innern verriet, in feinem Auge Heller und Heller werden, sie fühlte, wie seine Hand die ihre fester und fester umklammerte.
„Bedenke", begann er noch einmal, „bedenke es, bevor eS zu spät ist. Dein Schweigen hilft Dir nichts. Wenn Du darin beharrst, so muß ich eS als Zugeständnis hinnehmen. Hörst Du?"
„Ja, ich höre."
„Klara Burnham! Ich bin nicht der Mann, der mit sich spielen läßt, Klara Burnham, ich bestehe darauf, die Wahrheit zu erfahren. Bist Du falsch gegen mich?"
Sie fühlte mit dem richtigen weiblichen Gefühl die Beleidigung heraus, welche in der forschenden Frage lag, die ihr inS Gesicht die Wahrheit ihrer Worte bezweifelte.
„Herr Wardour! Sie vergessen sich, wenn Sie von mir verlangen, Ihnen auf solche Weise Rechenschaft abzulegen. Ich habe Sie niemals ermutigt. Ich habe Ihnen niemals mein Wort gegeben —*
Leidenschaftlich unterbrach er sie, ehe sie mehr sagen konnte. „Du hast Dich während meiner Abwesenheit verlobt, Deine Worte verraten es! Deine Blicke verraten es! Du hast Dich mit einem anderen Manne verlobt."
„Und wenn ich es getan, welches Recht haben Sie, mir darüber Borwürfe zu machen?" entgegnete sie fest. „Mit welchem Recht kontrollieren Sie meine Handlungen?"
Die folgenden Worte erstürben ihr auf den Lippen. Er ließ schnell ihre Hand sinken.
Eine auffallende Veränderung ließ sich in seinen Augen wahrnehmen — eine Veränderung, welche ihr die grenzenlose, fürchterliche Leidenschaft verriet, die sie in ihm wachgerufen hatte.
Sie las deutlich ein Etwas in seinen Zügen, was sie er
1907 J. Nr. I. 8814 — Kreisblatt Nr. 115 — zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.
I. 6242. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 11. Juni 1908.
Unter dem Schwei ebestande der Frau Gustav Ratonde in Hersfeld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 6094. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 16. Juni 1908.
Die Rotlausseuche unter den Schweinen des BahnarbeiterS Johannes Aumann zu Holzheim ist erloschen.
I. 6295. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Abhaltung eines ZuchtviehmarkteS in AlSfeld.
(Oberhessen.)
Interessenten, insbesondere auch den Herrn Gemeindevorstehern die erg. Mitteilung, daß die Zuchtvereine der Kreise Lauterbach und Alsseld am 15. Juli d. Js. in Alsseld wieder einen Zuchtviehmarkt für Simmentaler Rindvieh, Deutsche Edelschweine und Saaner Ziegen abhalten werden. Ausge- trieben werden nur Tiere, welche in die Herdbücher der Land- wirtschastskammer eingetragen sind und von Original- bezw. reinrassigen Tieren abstammen.
Gemeinden und Zuchtvereinen ist besonders Gelegenheit geboten, vorzügliche Zuchttiere zu erwerben. Der Auftrieb findet am 15. Juli d. Js. vormittags 8 Uhr auf dem Linden- platz in Alsfeld statt. Marktordnung und Marktverzeichnis sind auf Wunsch vom 5. Juli ab durch den LandwirtschaftS- kammer-Ausschuß in Alsfeld erhältlich.
Alsfeld, 12. Juni 1908.
Der Vorsitzende des Landwirtschaftskammer-AuSschusses für Oberhessen: gez. Korell.
nichtamtlicher teil.
Kin ernstes Wort an Sas deutsche Seit
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht an der Spitze des Blattes folgende hochoffiziöse Note:
„In der Beurteilung der politischen Lage macht sich vielfach eine Unruhe geltend, die sich weniger auf greifbare Tatsachen berufen kann, als vielmehr in einer weit verbreiteten Unsicherheit darüber ihren Ursprung hat, ob etwa eine neue Konstellation sich bilden und eine friedliche Lösung schwebender Fragen erschweren könnte. Es wäre verfehlt, leugnen zu wollen, daß sich schwierige diplomatische Auseinandersetzungen ergeben
zittern ließ, — nicht für sich, für Franz. Nach und nach verschwand die hochrote Farbe aus seinem Gesicht; seine tiefe Stimme verfiel plötzlich in leisen, ruhigen Ton, als er die letzten Worte sprach:
„Sagen Sie nichS weiter, Fräulein Burnham — Sie haben genug gesagt. Ich habe meine Antwort — ich bin entlassen."
Einen Augenblick schwieg er und legte, dicht an sie herantretend, die Hand auf ihren Arm, dann fuhr er fort: „ES mag eine Zeit kommen, wo ich Ihnen vergebe. Dem Manne aber, der Sie mir geraubt hat, soll der Tag gereuen, an dem er Sie das erste Mal sah."
Darauf wandte er sich und verließ sie.
AlS Frau Crayford wenige Minuten später in das Zimmer trat, kam ihr ein Kellner mit den Worten entgegen: „Verzeihen Sie, Madame, haben Sie vielleicht ein Riechfläschchen bei sich. Dort ist eine junge Dame soeben ohnmächtig geworden."
Der folgende Morgen, an welchem die Schiffe ihre Anker lichten sollten, war hell und luftig.
Frau Crayford, welche beschlossen hatte, ihrem Manne bis ans Ufer zu folgen und ihn von dort aus abfahren zu sehen, ging zuvor noch einmal nach Klara'S Zimmer, um zu hören, wie ihre junge Freundin die Nacht verbracht hatte. Zu ihrem höchsten Erstaunen fand sie dieselbe nicht im Bett, sondern wie sie selbst bereits zum Ausgehen.
„Was heißt das, liebe Klara? Warum folgst Du nicht meinem Rate und bleibst ruhig im Bett, nachdem Du vergangenen Abend so viel gelitten nach dem Wiedersehen mit jenem Manne?"
„Ich kann nicht ruhen. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Warst Du schon aus?"
„Nein."
"Hast Du etwas von Richard Wardour gehört oder gesehen ?"
„Welch sonderbare Frage!"
„Beantworte meine Frage! Scherze nicht mit nur!
„Sei vernünftig, Klara, Ich habe von Richard Wardour