eines Sprengschusses wurde gestern aus der Grube Storch u. Schöneberg der Bergmann Schuhmacher aus Niederndorf getötet und der Bergmann Stein von dort schwer verletzt. — In der Grube Neuberg bei Oberschcld stürzten zwei Bergleute in einen Schacht und wurden schwer verletzt.
Alsfeld, 11. Juni. Gelegentlich eines FamilienauSfluges nach Vikertshausen erschoß ein 15jähriger Junge auS Unvorsichtigkeit seine 12jährige Schwester mit einer alten Pistole, die er gefunden hatte.
Höchst, 10. Juni. Ein Akt unerhörter Roheit wurde nach dem „Höchster Kreisblatt" in einem Stalle im Gasthaus „Zum Schützenhof" an einem Pony des Obst- und Gemüsehändlers Mayer hier ausgesührt. Dem Pferde wurden die vier Hufe durchbohrt, mit einem Strick durchzogen und das Tier mit den Beinen nach oben aufgehängt. Als sein Herr am frühen Morgen in den Stall kam, war das Tier dem Verenden nahe. Dem brutalen Täter ist man bereits auf der Spur.
Lauterbach (Oberhessen), 11. Juni. Eine Bluttat eines Neunjährigen hat sich hier zugetragen. Zwei Knaben spielten miteinander, sie gerieten jedoch in Streit, der eine zog sein Taschenmesser und stach den anderen in die Brust, daß er bewußtlos heimgetragen werden mußte.
Aus der Rhön, 11. Juni. In Bad Kissingen ist ein Kurgast dadurch, daß ihm eine Fischgräte im Halse stecken blieb und eine Eiterung erzeugte, nach zweitägigem Leiden gestorben.
Aus Südhannover, 12. Juni. Der Blitz schlug in den Hof des Gutsbesitzers Kröger in Wüstenhöfen, fuhr durch den Schafstall und tötete 150 Schafe aus der Stelle.
Hatzfeld, 12. Juni. Ein Mädchen von 28 Jahren wurde hier unter dem dringenden Verdacht des Kindesmordes verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Die Kindesleiche wurde im Keller vergraben ausgesunden.
Gießen, 12. Juni. Eine Familientragödie hat sich gestern in Betzdorf zugetragen. Der Monteur Lichtenthäler hat aus Eifersucht in Gegenwart seiner erwachsenen Kinder aus seine Ehefrau zwei Schüsse mit einem Revolver abgefeuert und die Frau auch beide Male in den Kopf getroffen, sodaß sie tödlich verletzt zu Boden stürzte. Dann richtete Lichtenthäler die Waffe gegen sich und schoß sich ebenfalls eine Kugel in den Kops. Beide Gatten, deren Zustand ein hoffnungsloser ist, wurden in die hiesige Universitätsklinik überführt.
Heiligenstadt, 12. Juni. Zur Teilnahme an der auf drei Tage berechneten Feier des 600jährigen Bestehens der Burg Hanstein versammelten sich heute vormittag 12 Uhr ungefähr 90 Mitglieder des eichsseldifchen Adels, sowie Vertreter verschiedener adlicher Familien der Provinz Sachsen. Unter den Festgästen befanden sich der Oberpräsident der Provinz Sachsen Hegel und der Regierungspräsident Fiedler aus Erfurt. Ferner waren vertreten die Adelsgeschlechter von Schweinsberg, Adelebsen und Hardenberg als Mitunterzeichner einer Burggründungsakte aus dem Jahre 1308, deren Original im Staatsarchiv zu München vorhanden ist. Die Feier wurde eingeleitet durch eine Familienkonferenz, zu der sich 17 stimm- berechtige Mitglieder eingefunden hatten. Um 12 Uhr erfolgte die Begrüßung der Gäste. Um 2 Uhr fand ein Festessen auf der Burg statt. Bei Eintritt der Dunkelheit findet eine Illumination der Burg statt.
Heiligenstadt, 13. Juni. Die Strafkammer verurteilte den „Wunderdoktor" Ausmeier in Küllstedt wegen fahrlässiger Körperverletzung abermals zu 6 Wochen Gefängnis.
M-M. Ein Nachtgewitter in den Alpen gehört zu den großartigsten und erhabensten Naturerscheinungen, die wir uns vorstellen können. Doch nur wenige Sterbliche erleben ein solches Wunder. Wir haben es, so wird in der Köln. Ztg. berichtet, im Mai d. Js. auf dem Gotthard mit eigenen Augen gesehen. 3179 Meter ragt die höchste Spitze der Levontischen Alpen, der Pizzo Rotondo, ein gewaltiger Felsgipfel, über das Meer. Schwer war's, doch lehrreich auch, in solche Höhen zu steigen, denn nur bis Göschenen sührt die Bahn; von hier aus waren alle weiteren Hindernisse zu Fuß zu überwinden. Obwohl erst Mai, war es furchtbar heiß. Als wir oben auf den Höhen spät Abends ankamen, waren wir todmüde, so daß wir den Abstieg nicht mehr wagten; auch unsere Führer rieten uns davon ab. Unten hatten tagsüber im Schatten 28° R. geherrscht, bei uns oben zeigte das Instrument nur 3°. Tiefe Dunkelheit regierte längst unten, bei uns oben war noch helllichter Tag. Ein unvergleichlicher Sonnenuntergang lohnt uns noch einmal für Mühe und Gefahr, und ehe wir's uns versehen, bricht tiefe Nacht auch über uns herein. Ein Sternenhimmel, kein Sterblicher mag ihn wundervoller je erschaut haben, breitet über uns sein glitzerndes, funkelndes Dach. Reckenhaften Gespenstern gleich ragen die Bergesriesen aus einem schwarzen Meer hervor, und die mit Schnee besäten Zacken erscheinen wie die unheimliche „Weiße Dame" in gigantischer Gestalt. Da plötzlich entdecken wir ein seltsames Gebilde, das, fortwährend feurige Risse zeigend, zu bersten scheint. Es ist ein beharrliches Blitzgeflacker, welches schwere Cumuluswolken, bergförmige Wolkenmassen, die, von uns unbemerkt, rasch am Himmelszelt sich wölbten, erleuchtet. In unserem Zenit, 6000 Meter über uns, bildet sich der Cirrusschirm, die aus Eisnadeln bestehenden Federwolken, die, am höchsten gelagert, oft den ganzen Himmel überziehen. Aus der Tiefe brechen gewaltige Nebelschwaden empor, die uns ganz umhüllen und, immer dichter und undurchdringlicher werdend, unsere Kleider mit zahllosen Perlen bedecken. Der wild heulende Sturm jagt Eiskörner, die von Augenblick zu Augenblick sich vergrößern, in fast wagrechter Richtung heran. Ein bläulicher Blitzstrahl durchzuckt die Lüfte, aber fosort ist das Elmsfeuer wieder verschwunden. Ein nur matter Donnerschlag folgt. In die Eiskörner mischen sich Flocken, ein furchtbares Schneegestöber hat sich entwickelt.
Der Sturm wird immer heftiger und heult immer wilder und schauriger. Die Felsen erscheinen wie von einem Leichentuch bedeckt; gleich dem Brodeln und Zischen in einem Kessel tönt es. An der Spitze einsam und verlassen emporragender Signale erkennen wir besenförmige Lichtbüschel, die in unvergleichlicher Art in das Scheegestöber flammen, wie Feuerfanale von meerumbrandeten Leuchttürmen hinaus in die endlose Flut. Wir sind Gefangene der Märchenwelt von Tausend und eine Nacht. Zu unserem maßlosen Erstaunen, ja zum Schrecken einzelner sehen wir den Fingern unser erhobenen Hände 1 bis 20 Zentimeter lange Lichtstrahlen entströmen, so daß wir uns selbst wie feurige unheimliche Geister auf endlosem Leichenfelde Vorkommen. Ein zweiter Blitz im Farbenglanze des Pfirsichs zerstört mit einem Zucken die Erscheinung; aber kaum ist der Donner verhallt, stellt sie sich von neuem noch großatiger ein, und immer höher schießen die zügelnden Flammen empor, bis sie durch die immer häufiger werdenden Blitze schließlich ganz gelöscht werden. Jetzt aber wäre uns allen ein schützendes
Dach willkommen gewesen, denn es wurde immer gefährlicher, der mächtigen Elektrisiermaschine in den Wolken, die sich uns immer bedenklicher näherten, den eigenen Körper als Funken- zieher oder Blitzableiter darzubieten. Doch es hieß ausharren. So müssen wir dem tobenden Gewitter, während dessen alle Höllenmaschinen losgelassen schienen, trotzen. Aber auch ein Nachtgewitter in den Hochalpen nimmt sein Ende. Der Morgen graut. Majestätisch steigt in nie gesehener Größe und Pracht die Sonne empor. Die Lust ist gereinigt; die Königin des Tages erwärmt uns längst, wenn 3000 Meter unter unseren Füßen noch tiefes Dunkel herrscht. Wir suchen in die Finsternis zu steigen, aber das Reich der Schatten weicht stetig vor uns zurück. Bequem und rasch geht der Talstieg von statten.
Vermischtes.
— (Von einem Löwen angefallen.) Im Nymphenburger Volksgarten in München stürzte sich der Löwe Negus beim Ringkamps aus seine Bändigerin Tilly Bobs, krallte ihr die eine Tatze auf die Brust, hielt ihre Hand mit der andern fest und wollte ihr die Kehle abbeißen. Mit heftigem Schlage gegen die Schnauze, lautem Anruf und plötzlichem Aufraffen entwand sich die Bändigerin dem Löwen und trat bluttriefend von dem Raubtier hinweg vor das Publikum, um sich für den Abend zu verabschieden. Tags daraus wurde die gefährliche Nummer im Löwenkäfig wiederholt und die Bändigerin begründete dies vor dem Publikum mit den Worten: „Ich darf ihn nicht merken lassen, daß ich mich vor ihm.fürchte."
— München, 13. Juni. Bei Fridolfing in Oberbayern ist heute vormittag ein heftiges Gewitter niedergegangen. Hierbei suchten 31 Bahnarbeiter in einem Heuschuppen Schutz. Der Blitz schlug ein und tötete einen Arbeiter sofort. Fünfzehn Arbeiter sind bis jetzt noch bewußtlos und es dürften noch mehrere von ihnen ihr Leben verlieren.
— Ein unheimlicher Geselle treibt bei Kaiserslautern in Bayern sein Unwesen. In jener Waldgegend, wo am Himmelfahrtstage einer Frau der Kopf abgeschnitten wurde, ist ein Mädchen Überfällen und mit Kopsabschneiden bedroht worden. Aus Bitten begnügte sich der Unhold damit, dem Mädchen die Haare abzuschneiden. Dem Bauersmann, bei dem das Mädchen dient, wurde in der Nacht die Scheune angezündet. Morgens lag ein Zettel aus dem Fenster, worin bei Wiederaufbau der Scheune mit abermaligen Niederbrennen gedroht wurde.
— (Wiederum ein Schülerseb stmord.) Im Jagen 37, unweit des Grunewalds-Sees, wurde die Leiche eines jungen Mannes aufgesunden. Dieser ist als der 18= jährige Schüler der Luisenstädtischen Oberrealschule, Oberprimaner Günter Stender, rekognosziert worden. Durch einen Revolverschuß hatte der Jüngling seinem Leben ein frühes Ziel gesetzt. Gekränktes Ehrgefühl trieb Günter Stender, das, einzige Kind hochachtbarer Eltern, in den Tod. Vorkommnisse in der Schule, unmittelbar vor dem Abiturientenexamen, waren die innere Ursache zu der unseligen Tat.
— (Wieder eine verstümmelte Knabenleiche.) In der Nähe von Köln ist die verstümmelte Leiche eines Knaben aufgefunden worden, der allem Anschein nach einem Lustmord zum Opfer gefallen ist. Beim Forsthause des sich an den Vorort Lindenthal anschließenden Stadtwaldes fand ein städtischer Ausseher gestern abend die verstümmelte Leiche eines Knaben. Wie Nachforschungen ergaben, handelt es sich um einen seit dem 9. d. M. vermißten Knaben aus Lindenthal, an dem ein Lustmord begangen wurde. Die Polizei recherchiert eifrig nach dem Täter.
— R e i n i ck e n d o r s, 12. Juni. Beim Spielen mit einem Kochapparat explodierte ein mit Spiritus gefüllter Behälter und setzte die Kleider der dreizehn, zwölf, elf und drei Jahre alten Kinder des Bürstenmachers Schwanbeiski in Flammen. Die Kinder wurden nach dem Pauluskrankenhause gebracht. Es besteht keine Aussicht, sie am Leben zu erhalten.
— Go eschenen, 13. Juni. Der beim Abstieg vom Fleckflock verunglückte Züricher Student Hans Puehrlen aus Wien ist in der vergangenen Nacht von der Rettungskolonne tot ausgefuuden worden. Die Absturzstelle liegt zehn Minuten vom Gipfel entfernt. Puehrlen hatte schwere Schädelverletzungen erlitten, denen er nach kurzer Zeit erlegen sein muß.
— (E i n M u st e r h o t el.) Im Gaulois liest man: Mark Twain beteuert, in Oklahoma ein Musterhotel entdeckt zu haben, und zur Bestätigung seiner Behauptung gibt er den Inhalt der Inschriften wieder, die als Ankündigungen für die Gäste in allen Zimmern hingen. „Die Reisenden, die sich schlafen legen, ohne ihre Stiefel auszuziehen, zahlen einen besonderen Zuschlag." „Drei Schläge an die Zimmertür bedeuten, daß im Hotel ein Mord begangen worden ist." „Es ist verboten, die Ziegelsteine aus den Matratzen mitzunehmen." „Falls es ins Zimmer regnet, so bittet man, sich der unter dem Bett bereitliegenden Regenschirme zu bedienen." „Falls zufällig Mangel an Servietten herrscht, bitte sich an den Tischtuchecken abzuwischen." Die schönen Inschriften gemahnen an das berühmte Plakat in einem Konzertsaal zu Klondike, das da besagte: „Das Publikum wird höflichst gebeten, nicht auf den Pianisten zu schießen; er tut, was er kann."
— (Warum man Sch irme einzeln kaufen soll.) Eine Dame der vornehmen Gesellschaft in Chicago erlebte neulich, laut „Franks. Ztg.", ein angenehmes Abenteuer. In einem Geschäft ergriff sie versehentlich den Schirm einer anderen Dame, den sie natürlich, auf ihr Versehen aufmerksam gemacht, mit vielen Entschuldigungen zurückgab. Infolge dieses Vorkommnisses fiel ihr bei, daß es an der Zeit sei, sür sich und ihre Familie einige Schirme zu kaufen. Sie kaufte also drei Schirme und bestieg mit diesen in der Hand den Straßenbahnwagen. Das Unglück aber wollte, daß ihr gegenüber die Dame faß, deren Schirm sie beinahe aus Versehen mit sich genommen hätte. Als diese die ihr nicht mehr unbekannte Dame mit den drei Schirmen sah, war sie zunächst völlig sprachlos; dann aber sagte sie mit bedeutsamem Lächeln in eisigem Tone: „Wie ich sehe, haben Sie gute Geschäfte gemacht!"
— Ein Liebesdrama ruft in Budapester Künstlerkreisen großes Aussehen und Teilnahme sür die jugendlichen Opfer hervor. Der Maler Johann Gundel, der 22jährige Sohn des gleichnamig gewesenen Hoteliers schoß heute nachmittag auf die 18jährige Malerin Helene Grünblatt, verwundete sie tödlich und erschoß sodann sich selbst. Er war sofort tot. Der Grund der Tat ist, daß der Vater Gundels seine Zustimmung verweigerte, daß der junge Mann eine Jüdin zur Frau nehme. Das Mädchen war unter dem Namen Manteffy in Künstlerkreisen als ausgezeichnete Malerin bekannt.
— (Ein e f u r ch tb a rc S t u r m k a t a st r o p h e.) Aus Batavia eingetroffene Nachrichten bringen Kunde von einer schrecklichen Katastrophe. Am 18. Mai gingen bei einem Sturm unweit Marunda acht Proas (Boote der Malaien) voll Reisschnittern und Schnittern nebst Kindern unter. Vierhundert
bis fünfhundert Menschen ertranken. In Priok und Tjilitjing wurden vom Meer am nächsten Morgen Hunderte Leichen angespült. Eine zweite schwere Katastrophe, die gleichfalls aus ein Naturereignis zurückzusühren ist und Hunderte Menschen dahinraffte, hat sich in China abgespielt. Aus Schanghai wird telegraphiert: In dem Gebirge bei Jtschang in China öffnete sich plötzlich ein mehrere Kilometer langer Schlund und verschlang mehrere Dörfer. Hunderte von Familien kamen um.
— (Teure Tannenzapfen.) Die Semstwo von Olonez gab jüngst bekannt, daß sie zu WaldanpflanzungS- zwecken Tannenzapfen brauche und für 1 Garnez (etwa 3 Liter) Zapfen 15 Kopeken zahle. Kurze Zeit darauf lieferten Bauern aus der Umgegend 300 Garnez Zapfen ab und nahmen den Betrag für die Ware, 45 Rubel, davkmd in Empfang. Zum Schrecken der Behörden stellte sich jedoch bald heraus, daß die klugen Bauern sich die Tannenzapfen aus folgende Weise verschafft hatten: zu saul und zu bequem, Tannenzapfen vom Waldboden aufzulesen oder gar aus die Bäume zu Heitern, um die Zapfen herunterzuholen, hatten sie ganz einsach in einem der Krone gehörenden Walde 6000 Tannen gefällt und die Zapfen in aller Ruhe abgepflückt. Jetzt werden sich die braven Muschiks wegen Waldfrevels vor Gericht zu verantworten haben.
— (D ie Folgen der Ueberproduktioü.) Folgenden heitern Beweis für Ueberproduktion veröffentlicht die „Newyorker Volksztg.": Ein Gentleman bestellte einen Anzug aus einem Kleider-Engros-Geschäjt in Chicago. AlS der Anzug ankam, untersuchte er den Ganzbestand der Taschen. In einer Hosentasche sand er einen Zettel: "Miß So und So, 20 Jahre alt, wünscht die Bekanntschaft eines Gentleman zu machen sür eine eventuelle Heirat." Unser Gentleman ist jung; denkt, du schreibst einmal hin. Gesagt, getan. Nach einiger Zeit erhielt er folgende Antwort zurück: „Ihr werteS Schreiben erhalten. Muß ihnen mitteilen, daß der Anzug, worin sich der Zettel besand, vor zwanzig Jahren gemacht worden ist. Die Miß von damals ist jetzt 40 Jahre alt, Mutter von sieben Kindern, und ich rate Ihnen nicht wieder zu schreiben, sonst komme ich und klopfe ihnen die Hosen auS. Achtungsvoll Der Ehemann."
— (Die Hühnerstadt.) Einige 80 Kilometer nördlich von San FranciSco, anmutig eingebettet in die letzten Ausläufer der großen Berge liegt ein kleines Städtchen von knapp 6000 Einwohnern, das sich rühmen kann, aus der Welt wohl schwerlich seinesgleichen zu haben. Denn die 6000 Bewohner nennen nicht weniger als eine Million sorgsam gezüchteter Bruthühner ihr eigen, und nicht weniger als 120 Millionen Eier nehmen alljährlich von der Hühnerstadt aus ihren Weg nach San Francisco und weiter fort bis nach dem Osten der Vereinigten Staaten. Mit Ausnahme weniger Handwerker und einiger Kleinkaufleute, deren Vorräte und Arbeit ausreichen, um die Ansprüche des täglichen Lebens zu befriedigen, gibt es nur ein Gewerbe, das in Petaluma auS- geübt wird, nur einen Beruf, dem ein jeder anhängt, die Hühnerzucht. Von dem kleinen Besitzer, in dessen Garten sich kaum einige Dutzend Hühner tummeln, bis hinauf zu den großen Züchtern, die in ihren sorglich angelegten Gärten Tausende, ja Zehntausende von Hühnern halten, gibt es keinen Hof und keinen Garten in Petaluma, aus dem einem nicht das eifernde Gackern der Hennen oder der stolze, herausfordernde Schrei des Hahnes entgegentönt. Natürlich haben die jahrelangen Erfahrungen und Versuche die Züchter von Petaluma zu hervorragenden Kennern ihre? Faches gemacht, und sie haben es auch verstanden, ihr Gewerbe zu einem außerordentlich nutzbringenden zu machen. Einer der bekannteren Züchter, der über die stattliche Zahl von 7000 Legehennen verfügt, erzielt im Jahre einen Reingewinn von über 24 000 M, und ein anderer, der bei Beginn seiner Tätigkeit nur über daS kleine Kapital von 4800 M verfügte, verdient sich im Jahre fast das Doppelte seines Kapitals, nahe an 9000 M. DaS freilich sind besonders gewiegte Geschäftsleute, und sie erzielen durchschnittlich pro Henne im Jahr 5,20 M. Im allgemeinen rechnen die Züchter mit einem Gewinn von 4 M pro Henne und Jahr. Der hochentwickelte Stand der Hühnerzucht von Petaluma hat sich nicht über Nacht entwickelt. Es fehlte zu Anfang nicht an manchen bitteren Erfahrungen, an Enttäuschungen und schlechten Geschäftsjahren, aber in kurzer Zeit rangen einige Zähe sich durch, und ihr Kapital an gewonnenen Erfahrungen und Kenntnissen kam der Mitbürgerschaft bald zu gute. Heute besitzen fast alle Einwohner von Petaluma ihre Brutapparate und ihre geheizten Räume für die jungen Küken, und mit der Praxis des Landmannes vermählen sich die Errungenschaften der Wissenschaft, um dem kleinen Städtchen in Kalifornien noch eine weitere Entwicklung zu eröffnen.
— Die L a g e i n P e r s i e n ist noch immer eine verwirrte. Nach einer Meldung der „K. Ztg." aus Teheran wollen die Provinzen den Schah absetzen. Ueber 500 bewaffnete Mitglieder der Geheimen Gesellschaft hielten die Gegend der Parlamente zwei Tage besetzt. Der Schah ließ sie auffordern, wegzugehen und sandte Kosaken hin, worauf sie sich zurück- zogen. Das Ansehen des Schah wächst. — Es verlautet, daß die nordpersischen Revolutionäre mit den Türken unterhandeln. Ueber das Schichal des rusiischen Konsuls in Urmia sind in Petersburg beunruhigende Gerüchte im Umlauf.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 14. Juni. Als die Kaiserjacht Alexandria auf der Rückfahrt von der Grünauer Regatta Treptow passierte, wäre ein mit einer Dame und einem Herren besetztes Ruderboot beinahe überrannt worden, wenn der Kaiser, der am Stern stand, nicht die Gesahr bemerkt und rechtzeitig das Signal,, Stopp, rückwärts" gegeben hätte. Ein Matrose ließ sich auf Besehl des Kaisers über Bord und stieß das Ruderboot mit dem Fuß ab. Hierauf setzte die Jacht mit Volldampf unter dem stürmischen Jubel des Publikums die Fahrt fort.
Paris, 14. Juni. Der Matin meldet, daß die Zarin herzleidend sei. Die Füße seien geschwollen. Den größten Teil des Tages müsse sie liegend zubringen. Die Zarin werde der Zusammenkunft mit dem Präsidenten Fallicres nicht bei- wohnen. __________
Kiel, 14. Juni. Ein mit vier Matrosen von der Torpedobootsdivision besetztes Segelboot wird vermißt. Da Teile des Bootes angeschwemmt worden sind, nimmt man an, daß es gekenntert und die Insassen ertrunken sind.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Wetteraussichten für Dienstag, den 16. Juni:
Nur zeitweise wolkig, höchstens Strichgewitter.