Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. wa

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 Pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsns»<Lv»

herrWer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 69. Dienstag, den 16. Jnni 1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 10. Juni 1908.

Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß in der Beilage zum Regierungsamts­blatt Nr. 19 vom 6. Mai 1908 der Verteilungsplan der Lehrer-Ruhegehaltskasse des Regierungsbezirks Casfel für das Rechnungsjahr 1908 veröffentlicht worden ist.

I. 5898. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 13. Juni 1908.

Gemäß 8 6 der Königlichen Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw. 21. Juli 1892 betr. die Einrichtung einer ärzt­lichen StandeSvertretung findet im Monat November d. Js. eine Neuwahl der Mitglieder der Aerztekammer für die Provinz Hessen-Nassau statt.

Die Liste der wahlberechtigten Aerzte des hiesigen Kreises liegt in der Zeit vom 16. bis einschließlich 30. Juni d. JS. in meinem Geschäftslokale zur Einsicht der Herren Aerzte aus.

I. 6147. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersseld, den 11. Juni 1908.

Dem Landwirt Johannes Psaff in Landershausen ist eine Kuh an Milzbrand verendet.

L 6092. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Zum Schutz der Reichs-Telegraphenanlagen sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen:

8 317.

Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängnis von einem Monat bis zu 3 Jahren bestraft.

§ 318.

Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbezeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Ge­fängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neun­hundert Mark bestraft.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§ 317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.

Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Steinwürfe rc.), teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt

Die Dordpolfahrt.

Novelle von Theodor Werner.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Um Gotteswillen!" rief der Kapitän.Sie wollen damit doch nicht sagen, daß Sie an solchen Unsinn glaubt? In unserer ausgeklärten Zeit?"

Frau Crayford sah ihren Partner mit spöttischem Lächeln an.

In unserer aufgeklärten Zeit, Herr Kapitän, glaubt man noch an tanzende Tische und an Botschaften aus einer an­deren Welt durch Geister, die nicht buchstabieren können. Im Vergleich zu derartigem Aberglauben ist sicherlich daszweite Gesicht" der poetischen Form wegen vorzuziehen. Bedenken Sie doch", fuhr sie ernsthaft fort,welchen Eindruck solche Umgebung, wie ich Sie Ihnen beschrieben habe, auf ein zartes, gefühlvolles, junges Geschöpf, auf ein Mädchen machen muß, welches von Natur mit reicher Phantasie begabt, ein einsames, vernachlässigtes Leben führt. Ist es da so sehr zu verwundern, wenn sie von dem Aberglauben, der sie umgibt, angesteckt wird? Und ist es ganz unfaßlich, daß ihr Nervensystem in einer so kritischen Periode ihres Lebens darunter leidet?"

Durchaus nicht, Frau Crayford, durchaus nicht, wie Sie die Sache darstellen. Und doch ist es für einen Alltags­menschen, wie ich bin, befremdend, eine junge Dame auf dem Balle zu treffen, welche an ein zweites Gesicht glaubt. Be­hauptet sie wirklich, in die Zukunft sehen zu können? Ver­stehe ich recht, daß sie tatsächlich in magnetischen Schlaf fällt und Leute in fernen Ländern erblickt und kommende Dinge Voraussicht? Nicht wahr, das nennt man doch das zweite Gesicht?"

Jawohl, Herr Kapitän. Und das tut sie wirklich."

Die junge Dame, welche uns gegenüber tanzt?" Dieselbe."

Der Kapitän schwieg einen Augenblick, um das soeben Gehörte noch einmal im Geiste zu überlegen. Darauf schritt

worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 <M hiermit zugesichert.

Cassel am 11. Mai 1908.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hofsmann. * *

Hersseld, den 5. Juni 1908.

Wird bekannt gemacht.

L 5613. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- vnd Gartenbau.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Lehranstalt 1. ein Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 3. bis 8. August d. Js., 2. ein Obstverwertungs- kursuS für Männer in der Zeit vom 10. bis 22 August d. JS. abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Ge­legenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden ein- zuüben. Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine, Bereitung von Essig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkoholfreien Getränken; Untersuchung von Reinhefen, Kahmhefen und Schimmelpilzen, ferner des Mostes auf Zucker und Säure. Bereitung von Mus, Gelee, Marme­lade und Pasten; Herstellung und Ausbewahrung von Konserven und Obstsäften, Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. Obsternte, Sortierung, Ausbewahrung und Ver­packung des frischen Obstes, Gurken-, Kraut- und Bohnen- säuerung usw.

Geisenheim a. Rhein, den 15. Mai 1908.

Die Direktion.

nichtamtlicher teil.

3m MNMDrizen ReMmzWiliim Kaiser Wilhelms II.

An diesem Montag vollenden sich zwei Jahrzehnte, daß Kaiser Wilhelm II. die Regierung als deutscher Kaiser und König von Preußen übernahm, es geziemt sich daher wohl, der zwanzigjährigen Wiederkehr dieses Gedenktages eine Betrachtung zu widmen. Als der älteste Sohn und Nachfolger des unvergeßlichen edlenFrühlingskaisers" Friedrich III. am 15. Juni 1888 den Thron bestieg, da zählte er noch nicht dreißig Jahre, und dies jugendliche Alter des

der Nordpolfahrer entschlossen weiter auf dem Wege zu neuen Entdeckungen.

Darf ich fragen, gnädige Frau, ob Sie sie mit eigenen Augen im Zustande eines solchen magnetischen Schlafes ge­sehen haben?" fragte er.

Meine Schwester sowohl als ich sahen sie darin vor un­gefähr einem Monat," entgegnete Frau Crayford.Sie war schon den ganzen Morgen über sehr nervös und reizbar ge­wesen und wir veranlaßten sie, mit uns in den Garten zu gehen, um frische Lust zu schöpfen. Plötzlich, ohne irgend welche erkennbare Veranlassung, wich die Farbe aus ihrem Gesicht, sie stand zwischen uns, unfähig, sich zu rühren, un­fähig, ein Wort zu verstehen, im Augenblicke regungslos wie Stein und kalt wie der Tod. Nach einigen Minuten be­merkten wir die erste Veränderung. Ihre Hand bewegte sich langsam nach vorwärts, als ob sie im Finstern tappte. Ab­gebrochene Worte kamen eins nach dem andern von ihren Lippen in schwachem, geistesabwesendem Tone, als ob sie im Traume spräche. Ob sich das, was sie sagte, auf Vergangenes oder Kommendes bezog, weiß ich nicht. Sie sprach von Per­sonen in fremden Landen vollständig fremde für mich wie für meine Schwester. Bald wurde sie wieder still. Einen Moment kehrte die Farbe wieder in ihr Gesicht zurück, ver­schwand aber sogleich wieder. Sie schloß die Augen die Füße versagten ihr den Dienst und ohnmächtig fiel sie uns in die Arme."

Fiel Ihnen ohnmächtig in die Arme", wiederholte der Kapitän.Höchst merkwürdig. Und bei so zerrütteter Ge­sundheit geht sie in Gesellschaft und tanzt. Das finde ich erst recht merkwürdig!"

Sie irren", sagte Frau Crayford.Sie ist heute abend nur mir zu Liebe hier und tanzt nur meinem Manne zu Ge­fallen. In der Regel meidet sie alle Gesellschaften. Der Doktor empfahl ihr zwar Zerstreuung und Vergnügungen, davon will sie aber nichts hören. Außer bei ganz seltenen Gelegenheiten, wie die heutige,' besteht sie daraus zu bleiben."

Bei der Erwähnung des Arztes stieg in Kapitän Helding eine neue Frage aus.

Von ihm, dem studierten Manne, mußte doch eine natür-

neuen Herrschers auf Deutschlands Kaiser- und Preußens Königsthrone gab damals im deutschen und preußischen Volke zu nicht wenigen Besürchtungen und Besorgnissen Anlaß. Sie traten namentlich in der Hinsicht hervor, daß der jugendliche Monarch, gestützt aus die ihm zu Gebote stehende große Macht- fülle und die ruhmreichen kriegerischen Ueberlieferungen der preußisch-deutschen Geschichte, sich vielleicht von kriegerischem Ehrgeiz und Tatendurst übermannen lassen und versuchen würde, nach dem blutigen Lorber der Schlachten zu langen, eine Befürchtung, welche vielfach auch im Auslande geteilt wurde. Aber es zeigte sich nach dem Regierungsantritte des jungen Kaisers sehr bald, daß ihm durchaus nichts ferner lag, als der Gedanke, kriegerischen Ruhm zu erwerben und das gewaltige, sieggewohnte deutsche Heer in einem großen Kriege aufs neue zu erproben. Im Gegenteil, Kaiser Wilhelm II. ist von Anbeginn seiner Regierung bis zur Stunde stets eifrig und überzeugt für die Erhaltung des Weltfriedens eingetreten, und hat er der deutschen auswärtigen Politik in diesem Sinne er­folgreichst die Direktiven gegeben, mit vollstem Recht darf man ihn daher als erprobten Friedenshort preisen. Dabei hat er es jedoch allezeit verstanden, die Würde und daS Ansehen Deutschlands im Rate der Völker Europas zu wahren und den deutschen Einfluß auf den Gang der Weltbegebenheiten zu sichern. Dies konnte allerdings nur dadurch ermöglicht werden, daß Deutschland auf der Höhe seiner militärischen Schlag- fertigkeit erhalten wurde, und rastlos hat denn auch Kaiser Wilhelm fort und fort daran gearbeitet, Deutschlands militärische Stärke zu wahren und noch zu erhöhen, während er zugleich auch bemüht war, die Wehrkraft Deutschlands zur See zu stärken. Die auswärtige Politik Deutschlands wurde in diesen zwanzig Jahren der bisherigen Regierung Kaiser Wilhelm- vor allem dadurch (barofvisiert, daß er getreulich an den Bündnissen mit Oesterreich-Ungarn und mit Italien festhielt, während bessere Beziehungen zu England und Frankreich geschaffen wurden und das gute freundnachbarliche Verhältnis Deutschlands zu Rußland aufrecht erhallen blieb.

Nach innen zeichnete sich die Regierung des Kaisers be­sonders durch eifrige Reformbestrebungen auf den verschiedensten Gebieten aus, wie auf dem Felde der Sozialpolitik, deS höheren Unterrichtes, der Künste, des Gefundheitswesens. Namhafte Fortschritte wurden nach zahlreichen Richtungen hin in den Gesetzgebungen des Reiches und Preußens gemacht, und ge­waltig entwickelten sich ferner trotz mehrfachen Krisen Handel und Industrie Deutschlands.

Dank seiner hervorragender Eigenschaften als Monarch wie als Mensch erfreut sich denn auch Kaiser Wilhelm II. größter Verehrung und Anhänglichkeit bei allen loyalen und patriotischen Deutschen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, und sie finden sich daher auch am Tage seines zwanzigjährigen RegierungS- jubiläums in dem innigen Wunsche zusammen, daß eS dem erlauchten Herrscher noch fernere lange Jahre vergönnt sein möge, das Szepter zum Heile des deutschen Reiches und Preußens zu führen.

liche Auslegung der Krankheit zu erfahren sein. Sicher mußte sich nun die dunkle Sache in neuem Lichte zeigen.

Was sagt der Arzt dazu?" fragte er,einfach vom medi­zinischen Standpunkt aus betrachtet?"

Er will darüber keine bestimmte Meinung äußern", ent­gegnete Frau Crayford.Er sagt mir nur, daß solche Fälle, wie der Klaras, der medizinischen Erfahrung durchaus nicht fremd seien. Wir wissen, meinte er, daß gewisse Störungen des Gehirns und des Nervensystems dieselben sonderbaren Folgen haben, wie Sie mir soeben geschildert haben, und da­mit ist unser Wissen zu Ende. Weder ich noch irgend ein anderer Mensch kann das Geheimnis dieses Falles lösen und Fräulein Burnham ist besonders schwer zu behandeln, da sie in ihrer frühen Jugend durch ihre Umgebung daran gewöhnt wurde, dieser hysterischen Krankheit eine abergläubige Wichtig­keit beizulegen. Versuchen Sie, Abwechslung in ihr Leben zu bringen, sie zu zerstreuen, vor allem aber ihr Gemüt von den geheimen Beängstigungen zu befreien, welche möglicherweise daraus lasten."

Der Kapitän lächelte beistimmend. Der Doktor recht­fertigte seine Voraussetzungen; er hatte eine praktische Lösung der Schwierigkeit anempsohlen.

So, so! Endlich haben wir den Nagel auf den Kopf getroffen. Beängstigende Geheimnisse. Ja, Ja! Nun ist alles klar! Eine unglückliche Liebe nicht, Frau Cray- sord ?"

Ich weiß es nicht, Kapitän Helding", erwiderte Frau - Crayford,mir ist die Sache völlig dunkel. Obgleich Klaras Vertrauen zu mir in anderen Dingen unbegrenzt ist, so hält sie den Gegenstand ihrer vermutlichen Beängstigungen auch vor mir geheim. Ich glaube selber manchmal, daß verborgene Sorgen auf ihr lasten und fühle mich zuweilen ein wenig ver­letzt durch ihr unbegreifliches Schweigen."

Der Kapitän war schnell bereit, sein eigenes, oft erprobtes Mittel zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten anzuraten.

Sie müssen sich ermutigen, verehrte Frau. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß es ganz in Ihrer Hand liegt. Machen Sie ihr Mut, Ihnen zu vertrauen, und sie wird Ihnen vertrauen." (Fortsetzung folgt.)