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Erzfelder Armblatt
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Zernsprech-^nschlutz Nr. 8
Rr. «8.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu dm Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3Va vormals 4 %igen Staatsanleihe von 1876—1879 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1918 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom6. Juni d. JS. ab ausgereicht, und zwar
durch die Kontrolle der Staatspapiere in Berlin 8. W. 68 Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandluug (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstraße 46 a,
durch die Preußische Zentral-GenossenschastSkasfe in Berlin C 2, am Zeughause 2,
durch sämtliche preußische RegierungShauptkassen, Kreis-
Sonnabend, den 13. Juni
kassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkasfen,
durch sämtliche Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehenen Reichsbanknebenstellen, sowie
durch diejenigen Ober-Postkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet.
Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Anweisungen, Talons) den Ausreichungsstellen einzu- liefern sind, werden von diesen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er- neuerungsscheine abhanden gekommen sind. (I. 1126.)
Berlin, den 26. Mai 1908.
Hauptverwaltung der Staatsschulden:
' gez. v. Bischosfshausen.
Verzeichnis
der im Kreise Hersfeld im Mai 1908 nachgekörten Bullen.
1908.
Cassel, den 1. Juni 1908.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die erforderlichen Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauptkasse, den Kreiskassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen der Bezirks verabreicht werden. (K. 968.)
Königliche Regierung, gez. Lücke.
Hersfeld, den 5. Juni 1908.
Nachstehend veröffentliche ich ein Verzeichnis der im Monat Mai d. Js. von der Körungskommission des Streifes nachgekörten Bullen.
Die Gendarmerie und die beteiligten Ortspolizeibehörden haben darüber zu wachen, daß die unter lfdr. Nr. 3, 6 und 7 aufgeführten Bullen vor den bestimmten Terminen zur Nachzucht nicht verwendet werden.
J. A. 3126. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
S
5
13
Anzahl der
Bullen.
Datum der Körung.
Resultate der Körung.
-
Gemeinde.
Namen
der Bullenhalter
Alter und Race der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
Abstammung
Bemerkungen.
1.
2.
3.
A'che'nffökz Landershausen Kleinensee
KathuS Motzfeld
1
1
1
1
1
Gemeinde
Otto Reinhard Georg Zierdt
Gemeinde
JohS. Rüger
23. 5.
25. 5.
25. 5.
25. 5.
25. 5.
17 Äon.
16 „
12 „
14 „
12 „
Kreuzungsbulle Simmentaler
W
Hellgelb, bläuliche Nase Gelbschack, weiße Stirn Rotgelbschack, w. Kopf
Hellgelb
Rotschack, w. Kopf
untauglich weil nicht rasseecht tauglich
tauglich darf aber vor bem
1. August nicht springen
tauglich
tauglich, der alte Bulle darf abgegeben werden
tauglich, darf vor dem 1. September nicht springen.
tauglich, darf vor dem 1. Oktober nicht springen. Zur Herbstk. noch mal besehen.
6.
7.
HerSfeld
Asbach
1
1
Otto Schimmelpfeng
Andreas Orth
25. 5.
25. 5.
11
10
n
n
Rotschack, w. Kops
Rotschack w. Kopf
nichtamtlicher teil.
Politische^Wochenbericht.
Die Pfingstfeiertage fielen diesmal in eine politisch bewegte Zeit: Wahlen im größten deutschen Bundesstaate und draußen Monarchenbegegnungen, Krisengefahren, Attentate, kurz eine Fülle bedeutsamer aktueller Ereignisse. Da bleibt für den Politiker wenig Zeit zur Sammlung und inneren Einkehr, und doch tut uns eine solche auch zur Gesundung des politischen Lebens dringend not; denn letztlich bergen doch alle politischen Fragen einen religiös-sittlichen Kern in sich und führm auf die Stellung zu Gott und seinem Gesetze zurück.
Die Pfingstwoche hat auch diesmal allerhand Kongresse und sonstige größere Versammlungen in Deutschland gezeitigt. So tagten, um nur einige dieser Veranstaltungen zu erwähnen, der evangelisch-soziale Kongreß in Dessau, der internationale Kongreß für Rettungswesen in Frankfurt a. M., der deutsche Lehrertrag in Dortmund, der allgemeine Tag für deutsche Erziehung in Weimar, in Bremen die Generalversammlung der deutschen Kolonialgesellschast u. s. w.
Auch eine interessante sportliche Veranstaltung ist in der Pfingstwoche ins Werk gefegt worden, diePrinzHeinrich - Automobil-Tourenfahrt, bei welcher eS sich um die Erringung des vom Prinzen Heinrich von Preußen auS- gesetzten Wanderpreises für Automobilisten handelt. Die Bewertung dieser neuesten Automobil-Konkurrenzfahrt erfolgt hauptsächlich in der Richtung der Zuverlässigkeit, dann erst auch nach der Schnelligkeit; verschiedene neue Bestimmungen sind für diese Fahrt erlassen worden. Sie begann am Dienstag früh auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin und endet nächsten Mittwoch in Frankfurt a. M.
In Oesterreich ist der Generalstreik der Studierenden nunmehr leider zur Tatsache geworden. ES beweist dies, daß die deutschnationale Studentenschaft Oesterreichs von dem Geiste Bismarcks, dessen Verehrung sie bei jeder Gelegenheit bezeugt, bisher keinen Hauch verspürt hat; dmu sonst würde sie sich doch ein klein wenig auf Realpolitik verstehen und einsehen, daß sie mit ihrer Behandlung der Wahrmundaffäre nur die Geschäfte der Juden, Tschechen, Polen usw. besorgt. Der alte Fluch der Deutschen, daß sie über die Verfolgung vermeintlicher Ideale ihre nationalen Lebensinteresfen preisgeben, bestätigt sich hier wieder einmal an einem besonders krassen Beispiel.
In Frankreich hat die Uebersührung der Leiche Zolas nach dem Pantheon zu einer lebhaften Protestbewegung Anlaß gegeben und sogar ein Attentat auf den Major Dreysus im Gefolge gehabt. Man kann daraus entnehmen, wie stark und weitverbreitet die nationalistisch-monarchische Unterströmung zur Zeit in Frankreich noch ist. Im übrigen ist es Franzosen, die auf die Ehre und Reputation ihre- Lande- halten, nicht gerade zu verübeln, wenn sie einen Zola nicht zu den ruhmvollen Trägern der Größe Frankreichs gerechnet wissen wollen.
Auf der Rhede von Reval hat die Z u s a m m e n k u n f t des Kaisers mit dem Könige von England stattgefunden. An diese Zusammenkunft haben sich eingehende Preßerörterungen geknüpft. Von dem größten Teil der russischen Presse wird das Ereignis zu deutsch-feindlichen Hetzereien benutzt. In erfreulichem Gegensatze hierzu aber stehen Auslassungen der offiziösen „Rossija" sowie des Präsidenten der Reichsduma, Chomjakow. Die „Rossija" stellt fest, daß neue Abkommen oder Verträge nicht zur Erörterung stehen, hebt alsdann hervor, daß die englisch-russische Annäherung keine Verletzung der alten freundschaftlichen Beziehungen Rußlands zu Deutschland bedeute, und weist endlich mit dankenswerter Schärfe und Deutlichkeit die Verdächtigungen Deutschlands als Störenfriedes zurück. Chomjakow ferner begrüßt zwar die Annäherung zwischen England und Rußland als ein Friedens- pfand, setzte dann aber hinzu: „Wir wollen bestnachbarliche Beziehungen mit Deutschland unterhalten. Aus einem etwaigen Bündnis mit England sind deutsch-russische Komplikationen zu erwarten, wobei England als Inselstaat ruhig zusehen und Rußland schließlich der verlierende Teil sein würde." Es wäre dringend zu wünschen, daß derartige Stimmen in stärkerem Maße, als dies bisher der Fall ist, bei der Masse in Rußland Gehör fänden.
Helgoland.
Seit Deutschland im Jahre 1890 seine Rechte auf Zanzibar gegen das damals im englischen Besitz befindliche Helgoland eingetauscht hatte, hat es nicht an Politikern und gut nationalgesinnten Männern gefehlt, die den Kaufpreis dafür zu hoch erachteten und immer wieder behaupten, daß wir unser Anrecht auf die wertvolle Insel Zanzibar viel zu billig abgegeben hätten. Diese Klagen sind durchaus unbegründet. Man sollte nicht vergessen, daß gerade bei dem Wiedererstarken Deutschlands zur See der Besitz einer unseren größten Seehäfen unmittelbar vorgelagerten Insel für uns von größter Bedeutung ist, und zwar schon aus dem Grunde, weil sie in der Hand des Feindes für diesen einen unübertrefflichen Stützpunkt abgeben würde, von dem aus er unseren Außenhandel schädigen und die Unternehmungen unserer Flotte lahmlegen könnte, während sie, in unserem Besitz und entsprechend ausgebaut, wie ein weit gegen den Feind vorgeschobenes uneinnehmbares Fort wirken würde.
Die Frage, welche Bedeutung der Besitz von Helgoland für uns hat, ist seinerzeit selbstverständlich gründlich von den zuständigen Fachmännern geprüft worden. Und wenn diese zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß der Besitz von Helgoland für uns gerade in kriegerischen Zeiten von größter Bedeutung ist, so wird es sich für Laien empfehlen, sich diesem Urteil von Sachverständigen anzuschließen. Zweifellos ist die heimatliche Erde von allergrößter Bedeutung für uns, weit mehr als alle überseeischen Besitzungen. Denn nur, wenn Deutschland an seinen eigenen Grenzen vor feindlichen Ueber-
griffen fest und gesichert dasteht, kann eS die Kraft entwickeln, um sich auch an anderen Stellen unseres Erdballes einen Platz an der Sonne zu sichern.
Unsere leitenden Persönlichkeiten haben feit dem Erwerbe der Insel nichts außer acht gelassen, diesen teuer erkauften Platz für uns wertvoller und bedeutungsvoller zu machen, so daß Helgoland in einem möglichen Seekriege auch wirklich die Rolle wird spielen können, die ihm darin zugedacht ist. In den letzten Jahren ist die Insel durch umfangreiche Schutzbauten gegen die verheerende Gewalt der Fluten gesichert worden, und im neuesten Etat hat die Reichsregierung nicht unbedeutende Mittel zur Vervollständigung des militärischen Ausbaues der Insel gefordert. Hierzu gehören 1,2 Millionen Mark für die Anlage von Befestigungen und vor allem 30 sich auf eine Reihe von Jahren verteilende Millionen für den Bau eines Torpedoboothafens. Von der letzteren Summe hat der Reichstag bereits 2 Millionen bewilligt. Außerdem ist beabsichtigt, auf der Insel eine Kaserne und ein Artilleriedepot anzulegen. Man wird erwarten dürfen, daß auch in den kommenden Jahren dem weiteren Ausbau der zwar kleinen, aber unendlich wichtigen Insel gearbeitet werden wird, deren Kanonen im Kriegsfalle einen großen Teil des für eine feindliche Flotte in Betracht kommenden Fahrwassers beherrschen. Erst dann wird sich die wahre Bedeutung Helgolands für unsere heimatliche Küste und unseren Außenhandel klar erkennen lassen. Möglich, daß Helgoland zu der Zeit, wo wir es erwarben, nicht unsere Anrechte auf Zanzibar wert gewesen ist; heutigentages möchte jedoch wohl niemand diesen Vertrag wieder rückgängig machen. Denn jetzt ist Helgoland sicher weit mehr wert für uns, als Zanzibar je für uns wert gewesen ist, und zwar vor allem dadurch, daß wir es zu dem gemacht haben, was es ist: zu dem wichtigsten Stützpunkt für unsere Flotte in einem Kriege.
Auch in England sieht man den Vertrag jetzt mit anderen Augen an, als vor 18 Jahren. Schrieben doch vor nicht langer Zeit erst die „Times" in einer Betrachtung über die durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal und Helgoland erhöhte Angriffskraft unserer Flotte: „Wir sind für die Abtretung Helgo- lands reichlich entschädigt worden. Es ist aber sehr fraglich, ob wir den Vertrag heute wieder abschließen würden, wenn uns dazu die Gelegenheit geboten wäre, da wir einsehen gelernt, haben, daß der geschlossene Handel nicht so gut war wie er es zu sein schien."
Die Mler Triikstrüche.
Für die Temperatur von Monarchenbegegnungen besteht ein eigener Thermometer in den Trinksprüchen, die bei der Galatafel gewechselt werden. Meist werden die Trinksprüche vorher gegenseitig mitgeteilt und Willkomm und Dank unter einander abgestimmt, wobei Aenderungen und Zusätze noch bis zur Zeit der gesprochenen oder abgelesenen Reden vorbehalten bleiben. Die Trinksprüche sind weniger für die Fest-