Brand gerieten, so daß die Stichflammen nach allen Seiten gingen. In fünf Minuten standen drei Stockwerke in Flammen. Die Arbeiterinnen flüchteten in das höchste Stockwerk, wo sie das Feuer ereilte. In einem äußersten Winkel wurden neun verkohlte Leichen gefunden, alle von jungen Mädchen. Zwei Arbeiter verbrannten im unteren Stockwerk, vier im Seiten- trakt, die Schwester des Chefs im Hinterhaus. Dir Rekognoszierung bei den zur Unkenntlichkeit entstellten Leichen war unmöglich. Abends verlautet, der Magistrat habe nach einer im Jahre 1905 erfolgten Explosion ein Verbot über den Betrieb der heute explodierten Fabrik ausgesprochen, doch habe die Statthalterei aus den Rekurs der Firma hin diese Entscheidung aufgehoben und den Betrieb bewilligt.
Wien, 6. Juni. Zur Brandkatastrophe in Ottakring wird noch gemeldet: Die bisher geborgenen Leichen sind völlig entstellt. Eine sehr große Anzahl Verletzter liegt in den Spitälern. Die Fabrik beschäftigte 53 Personen. Die Schwester der beiden Chefs, die die Oberaufsicht führte, befindet sich unter den Opfern. Der Brand entstand um IOV2 Uhr, als die Fabrik im vollen Gange war. Die Arbeiter versuchten durch die Bodentür ins Freie zu gelangen, jedoch versperrten Flammen ihnen den Weg. Dort wurden die meisten Toten gesunden. Ein Kontorist, der aus dem Fenster sprang, brach beide Beine.
Uermiscbtes.
— (Eine Mutter mit ihren drei Kindern in den Tod gegangen.) Der letzte Akt eines erschütternden Familiendramas spielte sich gestern im Norden Berlins ab. In der Kameruner Straße hat eine in ihren Kreisen hochgeachtete Arbeiterfrau in dem quälenden Gedanken an die Untreue ihres Mannes ihre drei Kinder getötet und dann ihrem eigenen Leben durch Erhängen ein Ende bereitet.
— Danzig, 9. Juni. Der aus Berlin kommende Werkarbeiter Albert Przitski, 22 Jahre alt, schoß hier auf seine Geliebte, das 25jährige Dienstmädchen Wirtz aus Berlin, und verwundete, sie schwer. Dann tötete er sich durch einen Schuß ins Herz.
— (Familientragödien) In Ellermühle bei Thorn erschoß der 31 Jahre alte Besitzer JahnS in angetrunkenem Zustande seine 32 Jahre alte Ehefrau, mit der er eine Auseinandersetzung hatte. Der Mörder floh in den nahen Wald wurde aber festgenommen und in das Gerichtsgefängnis ein- geliesert. — In Dresden erschlug der Mechanikergehilse Janett seine Frau und seine beiden Kinder und erhängte sich dann selbst. Bei der Entdeckung des Verbrechens gaben die Frau und ein Kind noch schwache Lebenszeichen von sich. Sie wurden in das Krankenhaus gebracht; ihr Zustand ist hoffnungslos.
— Ein großer Libellenschwarm hat, dem Ges. zufolge, viele Ortschaften Westpreußens in Schrecken gesetzt. Die Leute hielten die Libellen für Heuschrecken und sahen in dem Schwärm den Veckündiger eines Krieges, einer langen Dürre und anderer Ereignisse. Allerdings ist ein solcher Jnsektenschwarm selbst von alten Leuten noch nicht gesehen worden. Er hatte eine Breite von 2 bis 3 Kilom. und zog in der Richtung von Marienburg nach Elbing über Kommerau, Posilge, Stalle, Lichterfelde und anderen Ortschaften in fast einstündiger Dauer dahin. Stellenweise war die Luft von den Insekten wolkenartig erfüllt.
— (St 0 rchengericht.) Auf der Scheune des Gutsbesitzers Viktor Glatze! zu Landsberg O.-S nistet seit Jahren ein Storchenpaar. In diesem Jahre nun hat, als die Störchin mit dem Ausbrüten beginnen wollte, ein Nachbarsohn ein Gänseei inS Nest gelegt. Als das Brutgeschäft beendet war, da zierte ein munteres Gänslein das Nest, in dem noch drei junge Störchleiy sich ihres Lebens freuten. Der Storchpapa kam, sah und flog davon. Nach zwei Tagen kehrte er in Begleitung von vier Störchen zurück, die allesamt am Rande des Nestes Aufstellung nahmen. Nach ungefähr 15 Minuten fielen die Erschienenen über die Störchin her, die unter den furchtbaren Schnabelhieben nach kurzer Zeit verendete.
— (Ueberlebende aus der Seeschlacht von Tsuschima.) Der Pariser „Eclair" meldet aus Rio de Janeiro: Der brasilianische Dampfer „Constant" nach Ioko- hama unterwegs, hat auf einer einsam liegenden Insel Wakes 20 überlebende Schiffbrüchige des russischen Kriegsschiffes Siny angetroffen. Die Leute befanden sich schon feit Jahren auf der Insel, nachdem es ihnen gelungen war, sich aus der Seeschlacht von Tsuschima zu retten.
— I n n s b r u ck, 9. Juni. Während der Pfingstseier- tage sind über ganz Tirol schwere Unwetter niedergegangen, die großen Schaden anrichteten. Drei Lokalbahnen mußten den Verkehr einstellen. Aus. einer Bahn verursachte der Regen einen Dammrutsch in der Nähe des Bahnhofes Gerbenbach. Der Bahndamm senkte sich in einer Länge von 35 m und stürzte aus die Brennerstraße. Der Verkehr ist voraussichtlich 8 Tage unterbrochen. Die Bahn aus der Ritter bei Ober- Bozen mußte infolge des gemeldeten Felssturzes den Verkehr unterbrechen.
— Ein schweres Automobilunglück wird aus Braunschweig gemeldet. In der Ortschaft Meine (nördlich von Braunschweig) bremste gestern 7 Uhr Abends ein mit 80 Kilom. Geschwindigkeit fahrendes Automobil, um einer aus einer Nebenstraße kommenden Radlerin auszuweichen, so stark, daß es sich zweimal um die eigene Achse drehte und dann mit voller Gewalt gegen eine Planke schlug. Der Besitzer des Autmobils, Oberleutnant zur See Fritzsche aus Leipzig, und der Kapitänleutnant Max Aßmann aus Kiel wurden getötet, der Oberleutnant zur See Elmenhorst erlitt einen Schlüffelbeinbruch, der Chauffeur Eicke einen Schlüsselbein- und einen Unterschenkelbruch. Diese beiden sind als Schwerverletzte im Marienstift zu Braunschweig untergebracht. Die Herren kamen von Frankfurt a. M. und wollten über Braunschweig-Hamburg nach Kiel zurückkehren.
— Namur, 6. Juni. Ein mit 8 Ausflügern besetzter Wagen stieß bei einem Bahnübergang in der Nähe von Rochefort mit einem rangierenden Zuge zusammen. Fünf Personen sind tot und drei verwundet.
— Nowara, 8. Juni. Der von Varallo kommende Personenzug, der mit Pilgern besetzt war, die die Kirche der gekrönten Jungfrau besucht hatten, war infolge eines Maschinen- desektes aus dem Bahnhof Roccapietra liegen geblieben. Ein einlaufender Güterzug stieß mit voller Wucht gegen den letzten Wagen und schob diesen über die anderen. Die Getöteten und Verwundeten sind sämtlich Italiener aus Varallo und Umgegend. Nach bisher vorliegenden Meldungen sind 5 Personen getötet und 65 verwundet, darunter mehrere schwer
— Aus Plym 0 uth wird eine seltsame Tragödie berichtet. Das kleine Fischerboot „Fürchte nicht" ging nach den Eddistone-Fischgründen, an Bord befand sich der Eigentümer, ein fechzigjähriger wettergebräunter Greis, der Fischer William Rowe, und fein siebzehnjähriger Sohn, der schon oft den Vater bei seinen Fahrten begleitet hatte. Gegen Nachmittag kehrte das Boot nach Sutton Harburg zurück. Schon von der Küste her konnte man erkennen, daß der alte Fischer aufrecht, mit gekreuzten Armen regungslos in dem Fahrzeug saß, während der Sohn das Steuer führte. Es g'ng nur eine schwache Brise, und so dauerte es lange, ehe das Boot einlief. Die Fischer, die am Kai standen, begrüßten den heimkehrenden Kameraden mit freundlichem Zuruf und fragten nach dem Fang. Aber der Alte saß unbeweglich, und keine Antwort tönte zurück. Das erweckte die Aufmerksamkeit, man wiederholte die Rufe, und schließlich ruderte man hinaus zu dem langsam dahintreibenden Segler. Der alte Fischer war tot, sein Sohn halb besinnungslos und anscheinend geistesgestört. Erst am nächsten Tage kehrte sein Bewußtsein zurück, und er vermochte den Hergang zu erzählen. Sein Vater hatte den Anker gelichtet und war dann in die sitzende Stellung zurück- gesunken, in der er auch heimkehrte. Der Sohn sprach mit ihm, er erhielt keine Antwort, er berührte ihn, und schließlich merkte er, daß der Alte tot war. Eine glühende Hitze lag über dem Meere und raubte den Atem. Das Seltsame der Tragödie übte auf den Sohn einen wunderlichen Einfluß,
er geriet in einen Traumzustand, und mechanisch, ohne Bewußtsein, steuerte er das Fahrzeug nach dem Hafen zurück.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 9. Juni. Dem Verteidiger des Fürsten Eulen- bürg Justizrat Wronker sind am 9. Juni die außerordentlich umfangreichen Anklageakten der Staatsanwaltschaft über die Anklage zugegangen, die gegen den Fürsten Eulenburg wegen Meineids erhoben wird. Der Verteidiger kann erst nach Prüfung des Materials Anträge stellen. Von der Staatsanwaltschaft sind etwa 30 Zeugen geladen.
New-Aork, 9. Juni. Das Hotel Gramatan in Bronx- Ville brannte am 9. Juni in der Nacht vollständig nieder. 450 Gäste konnten nur mit Mühe das nackte Leben retten. Der Umstand, daß das Hotel nur zur Hälfte besetzt war, erleichterte den Gästen das Entkommen. Bei den RettungS- arbeiten spielten sich ergreifende Szenen ab. Der Schad n wird aus eine Million Dollars geschätzt.
Warschau, 9. Juni. Das hiesige Kriegsgericht fällte wiederum sieben Todesurteile, das Lodzer Kriegsgericht acht Todesurteile. Außerdem fanden in Lods vier Hinrichtungen von Personen statt, die schon früher verurteilt worden waren.
Z a b r c e, 9. Juni. Ein Rentier erhielt einen anonymen Drohbrief, worin er aufgefordert wurde, auf dem Postamt 10000 Mark niederzulegen, wenn er nicht dahingeschlachtet werden wolle. Den Kriminalbeamten gelang eS, einen 25jährigen Polizeiaffiftenten als den Urheber des Drohbriefes festzunehmen.
M ü n ch e n, 9. Juni. Bei der Besichtigung des Bamberger Ulanenregiments durch den Kommandierenden General erhielt der Leutnant Frhr. v. Seckendorff während der Attake von einem Einjährig-Freiwilligen einen Lanzenstich in den Oberschenkel. ______________
Mitten (Ruhr), 9. Juni. Anläßlich einer polnischen Hochzeit fand hier eine surchtbare Schlägerei statt. Mehrere Personen wurden tödlich verletzt.
Thorn, 9. Juni. In dem Vorort Mocker wurden zwei Fälle von Colera nostras konstatiert. Eine Frau ist gestorben und ein Arbeiter erkrankt. Die Behörden trafen sofort die schärfsten Vorsichtsmaßregeln.
Fernsprechmeldung.
Potsdam, Neues Palais, 10. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin erlitt heute morgen durch Sturz mit dem Pferde, wie durch Oberstabsarzt Dr. Winnemuth und Professor Dr. Wolff sestgestellt wurde, einen Bluterguß aus dem rechten Handrücken. Anderweitige Verletzungen, speziell deS Knochens, liegen nicht vor. Die Kaiserin blieb nach dem Sturze bei vollem Bewußtsein gez. Zuncker.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftkschule).
Wetteraussichten für Donnerstag, den II. Juni:
Veränderlich, vorläufig keine erheblichen Regenfälle, doch Wetterlage unsicher.
Holz-Verkäufe
in der
Ailigtichtil Lberförßerei Harrseld.
A. Montag den 15. Juni er.
von vormittags 10 Uhr ab
in der Gastwirtschaft von peter Schäfer in Untergeis.
I. Schutzbezirk Gittersdorf. Distrikt 52 Taubengraben.
Kiefern: 15 rm Stockholz I. Cl.
II. Schutzbezirk Gittersdorf-Biedebach. Distrikt 119, 121 Langegraben, 116, 117, 118 Hillersbach, 123 Harleberg, 129 Dockelborn, 158 Dickeliede, 160, 161, 162 Bloßeberg.
Eichen: 20 rm Nutzscheit II. Cl. in Rollen, 1 rm Knüppel, 260 rm Reis III. Cl.
Buchen: 20 rm Scheit, 71 rm Knüppel, 340 rm Reis III. Cl. Kiefern : 2 rm Scheit, 63 rm Knüppel, 44 rm Reiserknüppel, 10 rm Stockholz I. Cl.
sichten: 8 rm Knüppel.
B. Dienstag den 16. Juni er. von vormittags 10 Uhr ab
in der KeideVfc^en Gastwirtschaft in Cann.
Schutzbezirk ßiedebach. Distrikte 147, 151 Winterseite, 148 Thierbach, 149 Hergertseite, 153 Dornheckenrück.
eichen: 40 rm Reis III. Cl.
Buchen: 580 rm Reis III. Cl.
Kiefern: 3 rm Scheit, 71 rm Knüppel.___________________
3Mp Nur noch 2 Tage. 1BC Circus Wallenda.
Heute Mittwoch (vorletzter Tag) abends 8V2 Uhr ■■ Gala-Vorstellung. ■■
Zum ersten Male Cavallerie zu Fuss mit 10 Pferden, sowie Rennplatz-Imitation von 6 Jockey usw.
Donnerstag abend 8V2 Uhr 8 ______ Letzte Vorstellung. —
Mein schönes großes Lager in___ capeten u. Borden
halte bestens empfohlen.
F. Richter.
BekmtmchW.
Das Verzeichnis über das Er- geduis der Wahlmänner-Wahlen am 3. d. Mts. liegt gemäß § 24 des Reglements über die Ausführung der Wahlen zum Hause der . . 14. März 1903
«bg°°rdn°t-n°°m^- Okt. ISW in der Zeit vom 11. bis einschl. 13. d. Mts. im Stadtsteueramt, Zimmer No. 7 des Rathauses, während der Dienststunden öffentlich aus.
Hersfeld, am 9. Juni 1908.
Der Magistrat
J. V.
Auel.
III. St. 965.
Die auf hiesigem Schulhof stehende
Gemeindescheune aus Eichenholz errichtet, soll auf
Abbruch verkauft werden.
Reflektanten wollen sich bei dem hiesigen Bürgermeisteramt melden.
Niederaula, den 5. Juni 1908.
Der Bürgermeister Nuhn.
Soweit der Vorrat reicht, jeder Posten gesundes
Wtizeii-rOrH - SL (Wagen müssen leer u. voll auf der Molkereiwage Homberg gewogen werden.
Scheffer, Mardorf (Kr.Homb.)
In ruhiger Lage der Stadt ist ein überaus freundliches möbliertes
Zimmer zum 1. Juli zu vermieten.
Bei wem zu erfahren in der Expedition dieses Blattes.
Baußlielsteigemg.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung der in den Gemarkungen Niederaula und Mengshausen belegenen, im Grundbuche von Niederaula Artikel 585, von Mengshausen Blatt 471 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus den Namen
1. des Kellners Georg Heinrich Lerch zu Mengshausen
2. des Kaufmanns Selig Levi zu Rhiua je zu V2 Anteil eingetragenen Grundstücke
Niederaula
Ktbl. 5 Nr. 4 Wiese im Hegesfort 1 ha 73 ar 39 qm Mengshausen
Ktbl. 1 Nr. 73 Wiese in den Stöcken 41 ar 38 qm „ 20 „ 76 Weide in der alten Fulda 18 „ 68 „ besteht, sollen diese Grundstücke
am 18. September 1908
vormittags IOV2 Uhr
durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Zimmer Nr. 1 versteigert werden.
Der Versteigerungsvermerk ist am 7. Mai 1908 in das Grundbuch eingetragen.
Niederaula, den 25. Mai 1908.
Königliches Amtsgericht.
Kre visiern
v MAGGp
Bouillon-Würfel
3 Schaufenster (Eisenrahmen) mit Rolladen mehrere große Fenster 2 Ladentische
1 gut erhaltene Haustür u. 1 Treppe (Eichenholz) hat billig abzugeben.
Friedrich Baucke vorm. Carl Zickendraht Clausstraße 394.
Fahnen
Reinecke Hannover.