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wieviel Industrien mit dem Schiffsbau in Verbindung stehen und durch ihn Aufträge erhalten.

Das weiteste Interesse, vor allem auch bei der deutschen Jugend, findet der in der großen Haupthalle des Ausstellungs­gebäudes untergebrachte geschichtliche Teil der Ausstellung, der die Entwicklung nicht nur unseres Kriegs-, sondern auch unseres Handelsschiffsbaues während der letzten 50 Jahre darstellt. In erster Linie erregen die vorzüglichen Modelle unserer Kriegsschiffe die allgemeine Aufmerksamkeit, die das Reichsmarineamt ausgestellt hat, von den alten preußischen Schiffen aus den vierziger und fünfziger Jahren, die teilweise noch mit Rudern bewegt wurden, bis zu den letzten vom Stapel gelaufenen Schiffen, die zu den größten der Welt gehören. Eine Anzahl von ihnen, besonders aus der älteren Zeit, ist noch auf ausländischen Werften, besonders französischen und englischen, gebaut, wie zum Beispiel die noch jetzt im Gebrauch befindliche frühere königlich preußische JachtGrille", die am 3. Juni auf eine 50jährige Dienstzeit zurücksah und die zu den wenigen Schiffen gehört, die noch im Kriege 1870/71 mit der französischen Flotte Schüsse gewechselt haben. Auch manches andere, jetzt längst nicht mehr bestehende Schiff, an das sich ruhmreiche Erinnerungen knüpfen, befindet sich hier im Modell, wie das KanonenbootMeteor", das während des Krieges 1870 vor dem Hafen von Havanna das ihm bei weitem überlegene SchiffBouvet" angriff und zum Streichen der Flagge zwang.

Nicht minder stolz aber kann man als Deutscher aus die in der Ausstellung dargestellte Entwicklung unserer großen Privatwerften sein, deren Namen heute in aller Welt Munde sind. Von ihnen allen hat vor 50 Jahren kaum eine be­standen höchstens kleine Ansätze dazu, und unsagbar schwer ist es ihnen gemacht worden, sich gegen die bewährte englische Schiffsbaukunst emporzuarbeiten. Noch in den achtziger Jahren haben unsere großen Schiffahrtsgesellschaften sich nicht getraut, ihre Schiffe bei den heimischen Werften in Austtag zu geben, so daß allein in den Jahren 1881 bis 1887 der Norddeutsche Lloyd Schnelldampfer im Werte von über 40 Millionen Mark bei einer Glasgower Firma bestellt hat. Es ist in erster Linie das Verdienst unserer Marineverwaltung, die Entwicklungs­fähigkeit unserer heimischen Werften erkannt und planmäßig erweitert zu haben. Endgültig haben sich unsere großen Schiffahrtsgesellschaften erst feit dem Ende der achtziger Jahre von der Leistungsfähigkeit unserer Schiffsbauindustrie überzeugt, als die ersten großen Doppelschraubendampfer vom Stettiner Vulkan mit so großer Vollkommenheit erbaut wurden, daß bereits der dritte dieser Dampfer,Fürst Bismarck", das blaue Band des Ozeans für die schnellste Fahrt über den Atlantischen Ozean errang, das dann die deutschen Linien mit einer Unter­brechung von 2V2 Jahren ununterbrochen bis zum Jahre 1907 geführt haben.

Außerordentlich viel verdankt auch die deutsche Schiffsbau­industrie, ebenso wie die deutsche Seeschiffahrt überhaupt der Anregung unseres Kaisers, dessen zweifelloses Verdienst es ist, die Notwendigkeit, daß Deutschland sich neue Absatzgebiete in überseeischen Ländem suchen müsse, klar erkannt und für dieses Erkenntnis sich mit der Wucht seiner ganzen Persönlichkeit und seiner hohen Stellung eingesetzt zu haben. Deshalb ist es auch nur recht und billig, daß sein Standbild an hervor­ragender Stelle in der Ausstellung Platz gefunden hat unter dem von ihm geprägten geflügelten Worte:Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser." Von dem persönlichen In­teresse, das der Kaiser an den Errungenschaften der deutschen Seeschiffahrt nimmt, zeugt auch die Ausstellung der herrlichen silbernen Modelle von Schiffen aller Zeiten, die dem Kaiser anläßlich seiner silbernen Hochzeit von verschiedenen Seiten als Geschenk dargebracht sind, sowie die reiche Sammlung von kostbaren Ehrenpreisen, die er als erster Vertteter des deutschen Sportes bei verschiedenen Segelregatten errungen hat.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 9. Juni 1908.

Gestern abend begab sich Se. Majestät der Kaiser mittels Sonde^uges von der Wildparkstation ab nach Liegnitz zu der dort stattfindenden Einweihung der Kaiser-Friedrich- Gedächtnis-Kirche. Unter Glockengeläut traf der Kaiser um 9 Uhr 50 Min. mittels Sonderzug hier ein. Der Kaiser und Prinz Oskar begaben sich unter Hochrufen des Publikums in Automobilen zur Kirche, wo eine Gruppe von Schulmädchen mit Kornblumenkränzen im Haar das Spalier abjchloß. Der Kaiser schritt die Front der Ehrenkompagnie vom Königs- Grenadier-Regiment ab und begrüßte die direkten Vorgesetzten. Oberbürgermeister Oertel hieß den Kaiser in bewegten Worten namens der Stadt Liegnitz willkommen. Der Kaiser dankte auf das freundlichste und schüttelte dem Oberbürgermeister die Hand. Geheimrat Dr. von Heyer überreichte eine Plakette, die zur Erinnerung an den heutigen Tag geprägt ist. Fräulein Beleites, die Tochter des Pastors prim., überreichte ein Bukett. Hierauf folgte die Zeremonie der Schlüsselübergabe, nach der der Kaiser unter Vorantritt der Geistlichkeit das Gottesbaus betrat. In der Vorhalle der Kirche besichtigte der Kaiser das von ihm gestiftete Epitaphium für Kaiser-Friedrich, ein Profil- Brustbild in Bronze von Professor Vogel (Berlin), das in die Wand eingelassen wird, von Blattpflanzen umgeben. Die Inschrift lautet:Zum Gedächtnis im 20. Jahre nach seinem Heimgänge." Der Kaiser nahm dann in der Kirche links vorn Altar Platz. Generalsuperintendent D. Haupt hielt die Weiherede. Dann vollzog er den Weiheakt und sprach das Gebet. Nach Gesang und Liturgie sang die Gemeinde:Ein feste Burg." Nach dem Gebet vor dem Altar gab der General- fuperintendent den Segen. Der GemeindegesangNun danket alle Gott" schloß den Festakt.

Der Staatssekretär des Reichskolonial- a m t e s, D e r n b u r g, hat am Pfingstsonntag seinen mehr­tägigen Aufenthalt in Kapstadt wieder beendigt und seine Reise nach Deutsch-Südwestafrika zunächst nach Durban (Natal) fortgesetzt. Herr Dernburg empfing vor seiner Wiederabreise von Kapstadt mehrere dortige angesehene Deutsche und äußerte sich bei dieser Gelegenheit über die Wichtigkeit der nationalen Entwickelung der Vorposten des Reiches. Er hob daS freund­liche Entgegenkommen der britischen wie der Kapregierung an­erkennend hervor und betonte die Notwendigkeit für die Deutschen in Kapland, mit den Briten zusammenzuarbeiten an der Ent- wlcklung des Landes.

^ Gestern fand in N e u r u p p i n die feierliche Einweihung der neuerbauten Klosterkirchtürme und die Wiedereröffnung der Klosterkirche im Beisein des Kronprinzen statt.

DieKriminalstatistik fürHeer undMarine im Jahre 1907 wird veröffentlicht und gewährt im einzelnen ein günstigeres Bild als in dem Jahre zuvor. Wegen mili­tärischer Verbrechen und Vergehen wurden im gesamten deutschen Heere 6376 Personen bestraft und wegen bürgerlicher Straf­taten 3257 Personen verurteilt. Wegen Mißhandlung Unter- Sehnet erfolgten 391 gegen 408 Verurteilungen. In der Marine fanden 775 Bestrafungen statt. Gerade die schwersten

Verfehlungen gegen die militärische Unterordnung sind zurück- ^egangen.

Das englische Königspaar hatte am Sonntag an Bord der JachtViktoria and Albert" auf seiner Reise nach Reval den Kaiser-Wilhelm-Kanal und dann den Kieler Hafen passiert. Hierbei waren die englischen Herrschaften auf ihrer Jacht an der Holtenauer Schleuste vom Prinzen Heinrich von Preußen nebst Gemahlin begrüßt worden.

DerStaatsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wonach die engeren Wahlen bei der Wahl der Wahlmänner für die Wahlen zum Hause der Abgeordneten, soweit sie infolge der Einführung der Frist- oder Gruppenwahl nicht am 4. und 5. Juni haben durch­geführt werden können, an den dafür anderweit festgesetzten Wahltagen vorgenommen und spätestens am 12. Juni er. ab­geschlossen werden.

Aus Reval, 9. Juni, wird gemeldet: In zwei Hofzügen trafen aus Peterhof der Kaiser mit der kaiserlichen Familie, die Königin von Griechenland, die Großfürstin Olga Alexan» drowna, Großfürst Michael Alexandrowitsch, Prinz Peter von Oldenburg und ein zahlreiches Gefolge hier ein, worunter Ministerpräsident Stolypin, Minister des Aeußeren JSwolski, Marineminister Dikow, der russische Botschafter in London mit dem Militärattache und Marineattach4. Die Herrschaften be­gaben sich nach dem Hasen des neuen Bassins, wo sie vom Generalgouverneur und anderen Würdenträgern empfangen wurden. Die Bevölkerung begrüßte das Kaiserpaar mit be­geisterten Hurrarufen. Die Majestäten begaben sich an Bord des Standart, das Gefolge an Bord der Jachten Polarstern und Almas. Um 9 Uhr wurde das englische Geschwader ge­sichtet. Während die Salutschüsse gewechselt wurden, fuhr das englische Geschwader im Bogen um das russische herum; die englische JachtViktoria and Albert" stellte sich dem Standart gegenüber, während die beiderseitigen Geschwader Kiellinie formierten. Der Kaiser ging mit kleinem Gefolge an Bord derViktoria and Albert", wo die gegenseitige Begrüßung der Herrscher um 11 Uhr 10 Minuten stattfand. Der Kaiser verweilte kurze Zeit aus der englischen Jacht und begab Sich darauf mit dem Königspaar und der Prinzessin Victoria an Bord des Standart, wo sie von der Kaiserin und der Kaiserin- Witwe, den Mitgliedern des Kaiserhauses und den Ministern Stolypin, Jswolski und Dikow empfangen wurden.

Die Furcht um sein Leben, die den Schah von Persien in der vorigen Woche zu der unerwarteten Aus­fahrt vor die Tore seiner Hauptstadt veranlaßte, soll nach heute vorliegenden Nachrichten wohl begründet gewesen sein. Die Regierung war einer neuen Verschwörung auf die Spur gekommen und hat sie jetzt, nachdem zunächst der Herrscher selbst sich in Sicherheit gebracht, durch mehrere Verhaftungen unschädlich gemacht. Damit ist allerdings nicht gesagt, daß die vorhandene revolutionäre Spannung nicht alsbald wieder auf anderen Wegen zum Durchbruch gelangen werde. Die Situation hat sich wieder kritischer gestaltet. Der Schah ließ gestern drei hohe Persönlichkeiten, Ala ed Dauleh, früher Gouverneur von Teheran, Djellal ed Dauleh, Sohn von Zell es Sultan, und Sardar Mansur in Gefangenschaft setzen. Es verlautet, der Schah beabsichtige, viele Truppen um sich zu sammeln und sie aus der Privatschatulle zu bezahlen. Er wird seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort uicht verlassen, weil es hier sicherer ist, als auf seinem Sommersitz. Starke Ka­vallerie-Patrouillen der Kosakenbrigade durchstreifen die Stadt. Die Telegraphenleitungen nach Europa waren einige Stunden lang unterbrochen, da außerhalb Teherans in der Nähe von Bagschahgarten die Drähte durchschnitten wurden. Der Schah ließ durch Maueranschlag dem Volke bekanntgeben, daß er nicht gegen das Parlament fei, und bat, das Volk möge sich ruhig verhalten, er werde strenge Strafen gegen Anführer von Un­ruhen verhängen.

Infolge eines unliebsamen Vorfalles bei Phalong an der chinefisch-tonkinesischen Grenze, wo die chinesische Reguläre auf eine französische Truppenabteilung feuerten und dabei einen Offizier und sechs Mann töteten, hat der Pariser Vertteter Chinas dem Minister des Auswärtigen Pichon Entschuldigungen und die Zusage der Sühne seiner Regierung überbracht. Wie verlautet, soll der französische Gesandte in Peking heute der chinesischen Regierung die Liste der Forderungen überreichen, deren Erfüllung Frankreich als Genugtuung für den Ueberfall verlangt. Dem Petit Parisien zufolge befindet sich an der Spitze dieser Liste die entschiedene Forderung, daß der den Franzosen feindlich gesinnte Vizekönig von Juennan, Hsi-liang, abgesetzt wird.

Aus Provinz u. Dachbargebtet

* (Postkarten mit unfrankierter Antwort­karte.) Die Dessauer Handelskammer bittet den Staats­sekretär des Reichspostamts um Zulassung von Postkarten mit angebogener Karte für die Antwort, jedoch ohne Frankatur­zwang für die Antwortkarte. Eventuell soll der Privatindustrie gestattet werden, derartige Postkarten anzufertigen, die bei der Versendung lediglich auf der Vorderseite mit einer 5 Pfg.- Marke zu bekleben wären. Allzugroß scheint das Bedürfnis für solche Karten nicht zu sein; darum ist es auch zum mindesten fraglich, ob daS Reichspostamt den Wunsch er­füllen wird.

* (Lehrermangel im Reg.-Bez. Cassel.) Im letztenAmtlichen Schulblatt" sind wieder 27 vakante Lehrer­und Lehrerinnenstellen ausgeschrieben. Gegenwärtig sind im Bezirk Cassel nahezu 60 Lehrerstellen unbesetzt. Die Schul- stelle zu Schlitzenhausen bei Tann a. d. Rhön ist schon seit dem 1. Dezember v. Js. erledigt. An eine Beseitigung des Lehrermangels ist um so weniger zu denken, als fortwährend Lehrkräfte aus dem Schuldienst hier austreten, um anderswo, meist im Westen der Monarchie, besser dotierte Schulstellen zu übernehmen. Der Lehrermangel dürfte aber in Zukunft noch gewaltig steigen, da viele ältere Lehrer nur das in Aussicht stehende neue Besoldungsgesetz abwarten wollen, um sich dann pensionieren zu lassen.

):( Hersfeld, 10. Juni. Die Auszahlungvon Militärpensionen, Witwen- und Waisengeldern, fort­laufenden Unterstützungen usw. kann in Zukunft auch durch Giro-Ueberweisungen erfolgen, sofern die Empfänger bei einem an den Reichsbankgiroverkehr angeschlossenen Bank­haus ein Konto haben und die fälligen Beträge dem Bank­haus in voller Summe überwiesen werden. Eine teilweise Barzahlung erfolgt nicht.

):( Hersfeld, 10. Juni. Morgen (Donnerstag) nach­mittag 4 Uhr wird eine Sitzung der Stadtver­ordnete n-Verfammlung im Rathaussaale abgehalten werden. Tagesordnung: Jahresrechnungen der städtischen Gas- und Wasserwerke. Ergänzungswahl für die Stadtverordneten-Versammlung. Wahl der Abgeord­neten zum Städtetag. Ankauf und Verkauf von Grund­flächen. Eingemeindung der Landgemeinde Kalkobes. Kostenbewilligungen. Sonstiges.

):( Hersfeld, 10, Juni. Heute vormittag wurden hier einige auswärtige Männer verhaftet, welche in der Nähe von Schlitz einen Einbruchsdiebstahl ausgeführt hatten. Die hiesige Polizei war telephonisch benachrichtigt worden, daß die Einbrecher sich hierher gewandt hätten, und es glückte ihr, einen durch einen Stelzfuß kenntlichen Mann festzunehmen, der dann seine übrigen Komplizen verriet.

tV Philippsthal, 9. Juni. Am 15. April Meldete der Vorstand der Aktiengesellschaft Kaliwerke H a t t 0 r f den Aktionären, daß das obere Kalilager bei 656 m durchteuft sei. Nachdem ist der Schacht bis auf die Teufe von 711 m gebracht und das zweite Kalilager in einer Mäch­tigkeit von rund 8 m (von 694 bis 702 m reichend) aufge­schlossen worden. Die chemische Prüfung dieser Hartsalz- lagerstätte ergab aus Hackproben einen Durchschnittsgehalt der Salze von ca. 13,5 % K2O. Von 632 bis 711 m sind nur Kalisalze durchteuft. Das Abteufen ist nunmehr eingestellt und mit dem Aussetzen der Füllörter für die 702 m Sohle, sowie mit dem Einbauen der Spurlatten begonnen worden. Die Tagesbauten, Mühle usw. halten mit der Fertigstellung des Schachtes gleichen Schritt. Mit einem eingehenden Be­richt wird der Vorstand den Aktionären demnächst aufwarten.

Casfel, 6. Juni. Nach jahrelangen Versuchen ist es der Firma Dahlmann in Halle a. S. gelungen, aus der Dönche bei Wilhelmshöhe in einer Tiese von 1300 Meter auf eine Soolquelle zu stoßen. Das Wasser enthält 20 Proz. Soole und ist etwa 40 Grad warm. Professor Fresenius-Wiesbaden, der gegenwärtig hier weilt, hat der Quelle Proben entnommen, die nunmehr genauer untersucht werden, weil man annimmt, daß es sich um eine Kohlensäure enthaltende Quelle handelt, die möglicherweise aus Wilhelmshöhe einen Badeort machen wird.

Marburg, 8. Juni. Nach dem soeben erschienenen Verzeichnis der Studierenden auf hiesiger Universität für das Sommersemester 1908 beträgt die Gesamtzahl 1924, wovon 158 auf die theologische, 469 auf die juristische, 289 aus die medizinische und 1008 auf die philosophische Fakultät entfallen. Hierzu kommen noch weitere 91 Personen, die mit Erlaubnis des Rektors zum Hören berechtigt sind, darunter 38 Damen, sodaß die Zahl der Hörer insgesammt 2015 beträgt gegen 1676 im letzten Wintersemester und 1944 im vorigen Sommer­semester. Die Zunahme beträgt demnach gegen das letzte Semester 339, gegen das vorletzte 21.' Von den Studierenden im gegenwärtigen Semester entfallen aus Preußen 1542 (davon auf Hessen-Nassau 642), auf übrige Reichsländer 302, auf übrige europäische Staaten 63, auf außereuropäische Länder 17. Es wirken zur Zeit an unserer Universität 56 ordentliche, 18 außerordentliche Professoren, 46 Privat- dozenten.

Gersfeld, (Rhön), 8. Juni. Aus rätselhafte Weise ist seit Freitag, den 5. Juni, der 12jährige Sohn des Straßen- Vorarbeiters Nikolaus Müller aus Sparbrod verschwunden. Der Knabe Karl Müller, ein geweckter Junge, steht in Diensten des Landwirts Johann August Bohe im nahen Sandberg als Hütejunge. Er hatte am Freitag Nachmittag das Vieh aus die Weide getrieben; als er abends nach Hause kam, hatte er die zum Viehputzen mitgenommene Striegel verloren. Der Dienstherr gab ihm den Auftrag, dieselbe sogleich zu suchen. Der Knabe ging fort und ist seit der Zeit nicht wieder ge­kommen. Seit drei Tagen haben die Gemeindeangehörigen und der Vater des Jungen Wald und Feld der Umgegend vergeblich nach ihm abgesucht.

Schlitz (Oberhessen), 6. Zunft Zu der Streitigkeit zwischen dem Grasen Görtz und der Stadtverwaltung verlautet, der Erstere habe sich bereit erklärt, die städtische Jagd für eine jährliche Summe von 800 Mark aus die Dauer von 12 Jahren wieder zu übernehmen. Die Regelung der Grenzen soll in dieser Zeit vorgenommen werden. Wie man hört, will der Gemeinderat hierauf jedoch nicht eingehen, vielmehr soll die Jagd am 1. Juli öffentlich verpachtet werden und zwar auf einen Zeitraum von 6 Jahren und zwar ohne Rücksicht darauf, ob die Grenzregulirung erfolgt ist oder nicht.

Hof Radenhaufen bei Kirchhein, 7. Juni. Unter dem Viehbestände des Gutspächters hat ein vorgestern abend über das Ohmtal ziehendes Gewitter großen Schaden angerichtet. Der Blitz fuhr in das Stallgebäude und tötete 14 wertvolle Kühe. Merkwürdig ist die Art und Weise der Tötung. Der Blitzstrahl tötete eine Kuh in der Reihe, übersprang einige und traf dann mehrere andere, sprang dann in die gegenüberstehende Reihe, wo er in ähnlicher Weise Unheil anrichtete. Wie man hört, soll der Schaden durch Versicherung gedeckt sein.

Grotzalmerode, 7. Juni. Vier Kinder wurden hier durch den Bierverleger M. vom Tode des Erstickens gerettet. In der Wohnung des Arbeiters Paran ist gestern abend, als die Kinder schon zu Bett gegangen waren, die Decke plötzlich durchgebrochen. Balken, Schutt und Steine fielen direkt auf das Bett, in welchem die Kinder schliefen. Der zufällig in der Nähe befindliche Bierverleger, welcher der Einsturz gehört hatte, eilte sofort trotz drohender Gefahr aus dem Pferdestalle herbei und rettete die Kinder, die völlig verschüttet waren, aus ihrer hilflosen Lage. Die Eltern waren abwesend.

Bacha, 7. Juni. Vorgestern wurde im Walde zwischen Heimboldshausen und Friedewald die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche einer männlichen Person erhängt ausge­funden. Die Personalien sind bis jetzt noch unbekannt.

Dipperz, 5. Juni. Vorgestern abend wurde hier ein Knabe von 7 Jahren vermißt, der sich auf dem Wege nach Wolfcrts von seiner Begleiterin getrennt hatte, um Blumen zu pflücken. Nach langem Suchen fand man. ihn als Leiche in einem Tümpel; er scheint große Anstrengungen gemacht zu haben, sich zu retten, ist dann aber nach längerem Kämpfe unterlegen und ertrunken.

Harrarr, 6. Juni. Beim Baden im Main ertrank der 9jährige Knabe Rohmann von hier. Ein Bruder des Ver­unglückten kam vor 7 Jahren auf gleiche Weise ums Leben. In Lichenrotz durchschnitt sich der reiche Landwirt Löffert mit der Sense die Kehle. Das Motiv der Tat ist unglückliche Liebe.

Folgenschwere Zelluloid-Explosion.

Einer furchtbaren Explosionskatastrophe in einer Wiener Zelluloidfabrik sind 17 Menschenleben zum Opfer gefallen.

Wien, 6. Juni. Bei der Explosion in der Ottakringer Zelluloidsabrik, die unter den Arbeitern dietödliche Mäuse­falle" hieß und in der schon vor zwei Jahren infolge Explosion zwei Arbeiter getötet und viele verletzt wurden, sind 17 Ar­beiter verbrannt, zwei werden vermißt. Zweiundzwanzig Ar­beiter sind verletzt. Im ganzen arbeiteten 53 Personen in der Fabrik, auf drei Trakte verteilt. Um V2II Uhr vormittags drang eine Flamme aus dem Kellergeschoß, und zwar an der Stelle, wo der Saugapparat angebracht ist. Der Zelluloid­staub wird hier gesammelt, um sogleich entfernt zu werden. 50 Säcke Staub waren aufgestapelt, die nun gleichzeitig in