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Nun wandert frisch durch lvald und Flur Laßt uns des pfingstgeists We^en lauschen, Der uns heut' grüßt in der Natur!

H. Berthold.

vermischtes.

Im Alter von 104 Jahren ist im städtischen Armenhause zu Kattowitz die Witwe Marie Siegel gestorben. Am 1. v. M, feierte sie in verhältnismäßig großer Frische ihren 104. Geburtstag, bis vor etwa zwei Wochen ein rasch fort- schreitender Krästeverfall eintrat. Die Matrone hat alle ihre Kinder überlebt. Bemerkt sei, daß das Elisabethstift zu Katto­witz eine 108 Jahre alte Greisin beherbergt.

Essen (Ruhr), 3. Juni. Auf dem der Grube Gut Hoffnungshütte gehörigen Schacht Oberhausen erfolgte ein Rutschen der Schachtstöße auf Schacht 1. Auf eine Strecke von 200 Metern stürzten die Schachtwände ein. Mehrere Arbeiter wurden verletzt und einer wurde getötet.

Allenstein, 3. Juni. Wie die Allenst. Ztg. meldet, ereignete sich gestern ein schweres Unglück auf der Allenstein- Marienburger Bahn. Der um 1 Uhr 34 Min. nachm. Allenstein verlassende Zug Überfuhr den Wagen des Mühlen- besitzers Hillenberg, auf dem sich außer Hillenberg noch vier andere Personen befanden. Zwei Frauen wurden getötet, die übrigen blieben unverletzt.

Ein Zusammenstoß mit Wilderern wird aus Kalk berichtet: Als am Himmelfahrtstage gegen Abend der Besitzer des in der Nähe von Ostheim gelegenen Hosgutes Plantage mit seinen beiden Verwaltern einen Rundgang durch seine Besitzung machte, stieß er mit zwei Wilderern zusammen, die eben damit beschäftigt w.ren, ihre Waffen zusammenzusetzen. Die Ueberraschten setzten sich sofort zur Wehr, und es kam zu einem verzweifelten Kampfe. Die Wilderer wurden jedoch schließlich überwältigt, obwohl sie sich mit Gewehrlauf und Gcwehrschaft verteidigten, und nach Abgabe ihrer Waffen und Feststellung ihrer Personalien freigelassen, aber sofort zur An­zeige gebracht.

In Neuendo rf bei Lyck wurde am Sonntag, der

Lycker Ztg. zufolge, aus dem Hausflur seiner Wohnung, der Arbeiter Kurella mit gespaltenem Schädel als Leiche auf­gesunden. Die Ehefrau des Ermordeten, die mit ihrem Mann in Unfrieden gelebt haben soll, wurde verhaftet. Sie bestreitet die Tat und will die Nacht über nicht zu Hause gewesen sein. In ihrer Tasche wurde ein mit Blut befleckter Brief gesunden. Vorübergehende wollen um Mitternacht heftigen Streit gehört haben.

Einen tragischen Tod fand der 63 Jahre alte Zimmermann Karl Hause in Trebbin bei Berlin. Der bejahrte Mann, der die Feldzüge 1864, 66 und 70 mitgemacht hatte, war in Not geraten. An seiner Zukunft verzweifelnd zog er sich den besten Rock, mit den Denkmünzen geschmückt, an und erschoß sich mit einem Revolver. In einem hinterlassenen Briese teilte er mit, daß er, nun doch einmal zum Tode be­stimmt, nicht schmählich verhungern wollte, sondern den Helden­tod als alter Soldat gesucht habe.

(Die Flut in Texas.) Ueber die verhängnis­volle Ueberschwemmung, von der soeben Nord-Texas heimgesucht wurde, und die Hunderte von Menschenleben kostete, wird aus New-Iork noch des näheren gemeldet: In der Zeit von 10 Uhr Abends am Sonntag bis 3 Uhr am anderen Morgen stieg der Trinity-River um 30 Fuß und brach mit ver­heerender Gewalt über die an seinen Usern liegenden Stadtteile her. Die Einwohner lagen schon in tiefem Schlafe, aber einige Personen, die die Gefahr bemerkten, feuerten Gewehre ab und ließen Dynamitpatronen explodieren, um die Schläfer zu warnen. So wurden auch zahlreiche Menschenleben ge­rettet ; aber viele fanden ihre Häuser vom Wasser eingeschlossen und andere wurden noch in den Betten überrascht. Eine ganze Anzahl Häuser und Schuppen wurden weggerissen, bevor die Einwohner die Gefahr überhaupt bemerkt hatten. Am schlimmsten war die Verwüstung in Dallas und Fort Worth. In ersterem Orte sind wenigstens 100 Personen, fast alle Neger, ertrunken, und 2000 Personen haben ihre Heim­stätte verloren; in Fort Worth sind, soweit bisher bekannt ist, nur sieben Menschenleben verloren gegangen, aber der ganze niedrig liegende Teil der Stadt steht unter Wasser, und es sind wenigstens 5000 Menschen obdachlos. Die Polizei

nahm alle Privatboote, die sie auffinden konnte, und rudert« durch die überfluteten Straßen, um die hülfeflehenden Leute aus den oberen Stockwerken der Häuser oder auch von den Dächern zu retten. In der Umgegend der Orte wurden auch viele Personen aus den Baumwipseln herabgeholt, wo sie sich verzweifelt angeklammert hatten, um nicht von den Fluten hinweggerissen zu werden. Der Sheriff von Fort Worth ersuchte die Bundesbeamten, ein Dampsboot herzugeben, das für Flußregulierungsarbeiten gebraucht wurde. Da die Beamten das Boot nicht geben wollten, nahm der Sheriff mit einer Anzahl bewaffneter Leute den Dampfer mit Gewalt in Besitz, setzte die Bundesmannschaft an Land und suhr dann zu den einstürzenden Häusern, um bedrohte Frauen und Kinder zu retten. Eisenbahnbrücken und Viadukte sind in großer Zahl hinweggeschwemmt worden, und auch Tausende von Pferden, Rindern und Schafen wurden von der ein« brechenden Flut überrascht und ertränkt. Der Verlust an Eigentum wird, soweit sich dies bisher überblicken läßt, aus mehr als 20 Millionen Mark geschätzt.

Ein scheußlicher Kindesmord erregt gegenwärtig in der Bevölterung Londons großes Aussehen und Beun­ruhigung, da man von dem anscheinend wahnsinnigen Mörder noch weitere Verbrechen befürchtet. Gestern vormittag betrat ein ungefähr 30jähriger Mann, dem Aussehen nach ein an­ständiger Arbeiter, eine öffentliche Bedürfnisanstalt in Süd- London, unweit des besonnten GasthausesElephant and Castle" und ließ ein großes, braunes Papierpaket dort liegen. Der Aufwärter öffnete es und fand zu seinem Entsetzen die verstümmelte Leiche eines kleinen Mädchens. Dem Kind war der Hals von dem einen Ohr bis zum anderen durchschnitten und der Unterleib aufgeschlitzt; in der Kehle steckte ein Knebel. Die Leiche war mit Bandagen wie die eines Brathuhns hergerichtet. Die Polizei soll bereits ermittelt haben, daß die Leiche die eines sechseinhalbjährigen Mädchens namens Marie Ellen Bailis aus Jslington in Nord-London ist. Man hatte sie gestern abend mit einem Manne in einer dortigen Straße gehen sehen. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Mord erst wenige Stunden vor der Auffindung der Leiche begangen wurde.

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