nähme, die das schwedische Herrscherpaar daselbst fand, entsprach auch der jubelnde und festliche Empfang, der ihm von der Bevölkerung der Reichshauptstadt bereitet wurde. Die Politik, die König Gustav Deutschland gegenüber beobachtet, entspricht durchaus den auf die Pflege freundschaftlicher Beziehungen gerichteten Tendenzen, von denen sich sein Vorgänger König Oskar II. leiten ließ. Unter der Regierung König Gustavs sind bereits zwei bedeutsame Werke zustande gekommen, die beide zur Förderung und Festigung des deutschschwedischen Freundschaftsverhältnisses in hohem Maße zu dienen geeignet erscheinen: nämlich die Notifizierung des Vertrages mit Preußen wegen Einrichtung einer Dampffährver- bindung zwischen Saßnitz und Trelleborg, durch die der unmittelbare Verkehr zwischen Deutschland und Schweden eine wesentliche Stärkung erfährt, und die vor einigen Wochen erfolgte Unterzeichnung des Ostsee-Abkommens, an dem Schweden mit den übrigen Uferstaaten teilnimmt. Mögen die Eindrücke, die das schwedische Königspaar von seinem Besuche in Deutschland heimnimmt, die denkbar besten sein, und möge dieser Besuch dazu Beitragen, das Gefühl der Stammesverwand- schaft und Interessengemeinschaft zwischen dem deutschen und schwedischen Volke noch weiter zu vertiefen, zu stärken und zu festigen.
In O e st e r r e i ch hat die leidige Wahrmundaffäre nunmehr zu dem kindisch-albernen Schauspiele eines teilweisen Studentenstreiks geführt. Die „deutsch-freiheitlichen", richtiger wäre wohl „jüdisch-freiheitlichen" Studenten wollen sich die Sistierung der Vorlesungen des Gottesleugners und Kirchen- feindes Wahrmund in Innsbruck nicht gefallen lassen und antworten darauf an einzelnen Hochschulen mit der Einstellung des Besuchs der Vorlesungen. Hoffentlich setzen Behörden und Eltern den unreifen Herrchen bei Zeiten den Kopf zurecht und führen ihnen mit möglichster Deutlichkeit die Pflichten eines akademischen Bürgers vor Augen. Auss dringendste zu wünschen aber ist, daß sich die verantwortlichen Führer der deutschen Parteien durch solche Dummenjungenstreiche nicht die Zirkel ihrer Politik stören lassen. Eben erst haben sowohl der Obmann des deutschnationalen Verbandes, Dr. Chiari, wie der Obmannstellvertreter der Christlichsozialen, Prinz Aloys von Liechtenstein, im Parlamente durchaus versöhnliche, von staatsmännischem Verantwortlichkeitsbewußtsein getragene Erklärungen abgegeben, aus denen der feste Wille zur Fortsetzung der deutschen Gemeinbürgschaft Herausklang. Das ist auch die einzig richtige, dem Deutschtum Oesterreichs im Interesse seiner Selbsterhaltung vorgezeichnete Politik. So nichtige Dinge wie die Wahrmund-Affäre dürfen nicht zum Erisapfel zwischen den deutschen Parteim in Oesterreich werden; denn den Nutzen hiervon hat nur der im tiefsten Marke undeutsche Judenliberalismus und das Slaventum.
An den Besuch des Präsidenten der französischen Repu- blick Fallieres in London haben sich ausgedehnte Preßerörterungen geknüpft. Besonderes Aussehen erregte ein Artitel des Temps, in dem als Voraussetzung für den Abschluß eines förmlichen Bündnisses mit England die Forderung ausgesprochen wurde, daß England sich eine „zeitgemäße" Armee schaffe, die imstande sei, auch auf dem Kontinente zugunsten der französischen Bundesgenossen mit nachdrücklichem Erfolge einzugreifen. Gegenüber diesen Ausführungen hat die englische Presse nahezu einhellig in ablehnendem Sinne Stellung genommen. Für uns Deutsche aber sind die Ausführungen des Temps insofern von hohem Interesse, als sie uns zeigen, welchen Anteil an der entente cordiale mit England für weite französische Kreise die Revancheidee hat; denn daß als der künftige Gegner auf dem Kontinente, zu dessen Bekämpfung im Bunde mit Frankreich sich England geschickt machen soll, Deutschland zu gelten hat, ist doch sonnenklar. Wir entnehmen solchen Kundgebungen auss neue die Mahnung, unser gutes Schwert blank und unser Pulver trocken zu halten.
At Wirrt» in Rarnkko.
Paris, 3. Juni. Aus Mogador wird vom 29. Mai gemeldet, daß der Kaid der Anflus mit Unterstützung der scherifischen Mahalla unter starken eigenen Verlusten Mtugni geschlagen habe, welcher 150 Mann verloren haben soll.
Nach einer Meldung aus Rabat sollen die von den Stämmen gestellten Kontingente der Mahalla Bagdadis entlassen und reguläre Soldaten zur Besetzung Mehedias verwendet werden. — Für absehbare Zeit ist keine Expedition ins Innere zu erwarten.
Tanger, 3. Juni. Eine Abteilung französischer Truppen ist nach dem Dukalagebiet abmarschiert, um dort die Anerkennung eines von den Franzosen ernannten Kadids zu erzwingen. Auf die Nachricht von dem Anrücken der Truppen
Andacht bereitet. Ein liebliches Bild von Ruhe und Frieden mitten im wilden Kriegsleben. Lange, lange standen wir an dem Fenster und blickten durch die Scheiben in das festliche Zimmer. Endlich klopften wir an. Eine Frau öffnete uns. Wir baten sie, uns für die Nacht ein Obdach zu gewähren und Schutz vor dem Unwetter, das jeden Augenblick losbrechen könnte, wir seien versprengte Burensoldaten und hofften in ihr eine treue Patriotin zu finden.
„Ihr seid nicht in Transvaal, ihr seid in Natal," erwiderte die Frau, „auch trefft ihr in mir keine Landsmännin; ich und mein Mann sind Deutsche, aber wir stehen aus der Seite der Buren, wenn wir auch nicht nach Freund und Feind fragen, .sondern allen helfen, die der Hülfe bedürfen; kommt herein, ihr trefft noch andere Flüchtlinge von Transvaal hier, denn der Engländer ist übermächtig geworden, und die Republik wird unterliegen, kommt herein, laßt die Sorgen draußen und feiert heute mit uns das heilige Pfingstfest!" Sie führte uns in das Zimmer, durch desfen Fenster wir geschaut. „Setzt euch," sagte sie, „wir halten nur heut zur Vorfeier eine kurze Andacht, dann sollt ihr essen, oder ist euer Hunger zu groß, dann bringe ich vorher etwas. Wir verneinten beides, setzten uns auf die Ofenbank und lehnten uns müde zurück.
„Wir haben, ohne es zu wissen, die Grenze passiert", sagte Vanderstraten, „morgen ganz früh müssen wir zurück sein, damit es nicht heißt, wir wären desertiert." — Unterdessen traten die Hausgenossen langsam ein, sie nickten uns kurz zu, und wir dankten ebenso. Da legte sich auf einmal Vander- stratens Hand mit solch eisernem Druck auf meine Achsel, als wollte er mir die Schulter zerbrechen, und als ich ausstehe, steht der Mann kerzengrade aufgerichtet, sein Gesicht ist leichenblaß, sein Auge starr nach der Tür gerichtet, er läßt mich los, seine Hände greifen ins Leere, als ob er etwas zu fassen suche, und dann entringt sich ein Schrei seiner Brust, der nichts Menschliches an sich hatte: „Berta! Berta!"
Eine junge bleiche Frau, die mit ins Zimmer getreten ist, fährt zusammen und blickte nach ihm hin, um im nächsten Augenblick mit dem Rus: „Jean! Jean! Du hier? Welch ein Glück!" in seine Arme zu fliegen. Er eilt ihr
soll sich die Bevölkerung geflüchtet und die Bewohner von Azemmur sollen ihre Frauen und Kinder ins Innere gesandt haben, da ein Angriff auf die Stadt, die zu Mulay Hafid hält, befürchtet wird.
Paris, 4. Juni. Aus Rabat wird dem Matin berichtet, daß am 30. Mai unter dem Vorsitze Abdul Asis' eine Sitzung des Maghzen stattfand, welcher der französische Major Farau beiwohnte. Es wurde beschlossen, die irregulären Truppen der zurückgekehrten Mahalla Bagdadis zu ihren Stämmen zurückzuschicken und die regulären Truppen zur Verteidigung Rabats und Mehedjas zu verwenden. Irgend eine Expedition wird bis auf weiteres nicht unternommen. Alle Anstrengungen des Maghzen werden darauf gerichtet sein, durch sorgfältige Ueberwachung der Häfen die Versorgung Mulay Hafids mit Waffen, Munition und Geld zu verhindern.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 4. Juni 1908.
Se. Majestät der Kaiser hörte gestern nachmittag in Berlin noch den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Zivilkabinetts» Geh. Rats v. Eisenhardt-Rothe. Später be- gaben die Majestäten Sich im Automobil nach dem Neuen Palais. Heute morgen machten Beide Majestäten einen Spazierritt. Später hörte Se. Majestät die Vorträge des Kriegsministers v. Einem, des Chefs des Generalstabes der Armee, Generals v. Molkte, und des Chefs des Militärkabinetts, Generaladjutanten Grafen v. Hülsen-Haeseler. Um 1 Uhr folgte Se. Majestät einer Einladung zur Frühstückstafel bei dem Kommandeur des Leib-Garde-Husarenregiments, Flügeladjutanten Oberst v. Chelius.
Bis gestern abend 7 Uhr waren 382 Resultate von Wahlmännern bekannt. Es wurden gewählt: 121 Konservative, 55 Freikonservative, 59 Nationalliberale, 20 Freisinnige Volkspartei, 7 Freisinnige Vereinigung, 95 Zentrum, 14 Polen, 6 Sozialdemokraten, 5 bei keiner Partei. Stichwahlen sind in 20 Wahlkreisen erforderlich. Es fehlen noch 25 Wahlkreise mit 42 Abgeordneten. Eine genaue Uebersicht über die ziffermäßige Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses wird sich erst am 16. Juli aufstellen lasfen, nachdem die Abgeordnetenwahlen selbst stattgefunden haben. Gegenüber der obenstehenden halbamtlichen Feststellung, daß bereits 6 Sozialdemokraten als gewählt gelten könnten, teilt die „Voss. Ztg." auf Grund von Informationen an bester Stelle mit, daß der Sieg der Sozialdemokraten im 6. und 7. Berliner Wahlbezirk noch keineswegs gesichert sei, danach sind also in Berlin 3 sozialdemokratische Mandate sicher, in diesem Falle würde die Sozialdemokratie also nur über 4 Sitze verfügen.
Die d eu t sch e S ch iffsb a ua u s stell u ng, das stolze Werk des Vereins deutscher Schiffswerften, ist in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares und des schwedischen Königspaares eröffnet worden. Die Ausstellung prangte im schönsten Schmuck von Blumen und Flaggen und machte einen ungemein freundlichen Eindruck. Der Vorsitzende des Ausstellungsausschusses, Geh. Regierungsrat Professor Busley, hielt an die Majestäten eine längere Ansprache. Er gedachte darin mit dankerfüllten Worten des unablässigen Wirkens Kaiser Wilhelms für die Ausgestaltung der deutschen Kriegs- und Handelsflotte und schloß: „Wir verehren daher in Euerer Majestät: den gewaltigen Schöpfer der deutschen Kriegsflotte, den kraftvollen Förderer des deutschen Schiffbaues, den mächtigen Schirmherrn der deutschen Schiffahrt, und aus dankbarem Herzen steigt unser Ruf empor: Seine Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen Wilhelm II. Hurra! Hurra! Hurra!" Die Festversammlung stimmte laut ein. Nachdem die Nationalhymne verklungen war, sagte der Kaiser mit weithin vernehmlicher Stimme: „Ich erkläre die Ausstellung hiermit für eröffnet!" Nunmehr erfolgte unter Führung des Geh. Rats Busley ein Rundgang der Majestäten und der übrigen Herrschaften.
Am Mittwoch abend hat in Paris die feierliche Ueber- sührung des Sarges mit den Gebeinen Z o l a s vom Fried- Hofe Monmartre nach dem Pantheon stattgefunden. Der Leichenwagen traf abends 8 Uhr im Pantheon ein, wo eine große Menge die Ankunft des Trauerzuges erwartete. Unter den Anwesenden befand sich Dreyfus. Es fanden verschiedene Demonstrationen für und gegen Zola statt, doch ereignete sich kein Zwischenfall von Belang.
Die Erleichterungen im Automobilverkehr werden noch vor Beginn des Pfingstsestes eintreten. Der Bundesrat wird die Angelegenheit so regeln, daß die neuen Bestimmungen am Pfingstsonnabend in Kraft treten. In steuerlicher Hinsicht ist der Tagesausflugsverkehr insofern berücksichtigt, als nunmehr Tageskarten zum Steuerbetrage von 3 M. (gegenüber
entgegen, er preßt sie an sich, als ob er sie zerdrücken wollte, einmal, zweimal, dann stößt er sie zurück und „Die Kinder?" keucht er, „die Kinder, wo sind die Kinder?"
Er braucht keine Antwort zu erhalten, schon drängen sich um ihn drei, vier, fünf flachsköpfige Burenkinder. Na, was der mit denen getrieben, das kann kein Mensch beschreiben, der lachte und weinte und schrie in einem Atem. Nun, wenn man auch bedenkt, ein Vater, ein guter, zärtlicher Vater beweint die Frau und die Lieblinge für tot, gräßlich ermordet, hingeschlachtet, und aus einmal sieht er sie gesund und frisch vor sich, nein, das muß das stärkste Gemüt erschüttern; ich wenigstens, ich konnt's nicht lange ansehen, ich ging hinaus, hab mich ins Gras geworfen und dort meine Pfingstandacht gehalten.
Als ich wieder hineinkam, waren sie beim Erzählen. Die Farm,, ja, die war niedergebrannt, und auch einige von den Dienstleuten waren erschlagen worden. Die Frau zog dann mit den Kindern in der Oede herum, bis sie endlich in Natal Aufnahme fand; sie wußte nicht, daß der Mann sie und die Kinder betrauerte, sie hätte sonst, trotzdem das beinahe unmöglich war, versucht, ihm Nachricht zukommen zu lassen.
Nachdem sie beide ihre Schicksale berichtet, schloß der Erzähler. Darauf wurde noch ein Pfingstlied gesungen. — „Kinder, es war wirklich ein großer und erhebender Augenblick."
„Wie sie da alle hinknieten und das Pfingstlied fangen, Kinder, da kniete ich mit, und da sang ich mit, und das könnt ihr glauben, so von Herzen ist mir noch niemals ein Danklied gekommen."
— (Der „Kameruner".) In Schlesien erregt eine Köpenickiade große Heiterkeit. Dort hat ein Schwindler in der Uniform eines Schutztrupplers die Einwohnerschaft des Städtchens Freiburg monatelang düpiert. Infolge seines vornehmen Auftretens war er von allen Kreisen in auffälliger Weise geehrt worden. Das war um so mehr der Fall, als bekannt wurde, daß dem jungen Deutsch-Afrikaner eine glänzende Karriere beschieden sei, denn in einer Zeitung des Ortes war zu lesen, daß Leuchter — das ist der Name des Vielge
15 M. bisher) zur Ausgabe gelangen. In polizeilicher Hinsicht greift die Erleichterung Platz, daß die Lösung des Kennzeichens künftig für die Dauer der Steuerkarte nur in einmaligem Ge- bührenbetrage zu entrichten ist; bislang waren solche Gebühren beim jedesmaligen Eintritt in ein neues Hoheitsgebiet erforderlich. Im Inlands ermäßigt sich der Steuersatz von jetzt ab, je nach der Dauer des Aufenthaltes. Auslandskarten werden statt bisher für 30 Tage Aufenthaltsdauer für 90 Tage gelöst werden können.
Der bevorstehende Besuch desKönigsEduard beim Zaren Nikolaus in Reval wird von einem Teile der englischen Liberalen und von der englischen Arbeiterschaft mißgünstig betrachtet, weil ihnen die sich in dem Ereignisse bekundende Annäherung des freiheitlichen England an das absolutistische Rußland wider den Strich geht. Im Unterhause frug der Arbeiterdeputierte Throner am Mittwoch die Regierung, ob Sir Edward Grey den König benachrichtigen wolle, daß der Besuch in Rußland des Friedens wegen keinen staatlichen Charakter tragen dürfe. Der Staatssekretär erwiderte, er könne den König nicht in dem erwähnten Sinne benachrichtigen. Als Throner darauf fragte, ob dies so zu verstehen sei, daß die Regierung dem brutalen Morden in Rußland zustimme, griff der Sprecher (Präsident) ein und bemerkte, diese Sprache sei einem befreundeten Staate gegenüber nicht angemessen.
Der russisch-persische Grenzzwischensall kann als erledigt betrachtet werden. Der Führer der räuberischen persischen Nomadenstämme, Scheich Sewaner Haffar Khan, erschien mit den Nomaden-Aeltesten vor dem Oberbefehlshaber der russischen Grenztruppen, General Snarsky, und nahm alle von Snarsky gestellten Forderungen bedingungslos an.
Aus Provinz u. Kachbargeblet.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Referendar Wilhelm Friedrich zum Gerichtsassessor, der Referendar Dr. Herrmann zum Gerichtsassessor, die Rechtskandidaten Pitz in Marburg, Jber in Cassel und Hauptfleisch in Marburg zu Referendaren, der Rechtskandidat Konrad Langerhaus aus Celle zum Referendar unter Ueberweisung an das Amtsgericht in Hess. Oldendorf, der Bureauhilfsarbeiter, frühere Zahlmeister- Aspirant Kinzel zum Theatersekretär bei der Intendantur der Königlichen Schauspiele in Cassel, der bisherige Forstausseher Aulich zu Frankenhain, Obersörsterei Meißner, vom 1. Mai d. Js. ab zum Förster o. R. — Uebertragen: dem Ober- Postsekretär a. D. Bindewald aus Darmstadt die Verwaltung einer Ober-Postkaffenbuchhalterstelle in Cassel. — Versetzt: der Gerichtsschreiber, Amtsgerichtssekretär Kaiser in Weyhers an das Amtsgericht in Fulda, der Gerichtsvollzieher Seidel in Ziegenhain an das Amtsgericht in Elberseld.
* Für unsere Bienenzüchter scheint das laufende Jahr gerade wieder so ungünstig zu werden, wie das vorige. Im vorigen Herbst haben sie die Völker stark füttern müssen, und als das Frühjahr kam, gab es kaum einen Bienenstand, auf dem keine Völker eingegangen wären. Vielmals hatten die letzteren noch Honigvorrat, hatten aber vor Kälte nicht an denselben gelangen können. Das jetzige Frühjahr ist wieder nicht günstig, und Schwärme sind selten zu verzeichnen. Bekanntlich ist ein Schwärm im Mas ein Fuder Heu wert. Die Morgentemperaturen sind in ganz Westeuropa um 9 Grad gesalleu, sodaß naßkühle Witterung herrscht, die der rentablen Bienenzucht hinderlich ist.
* Die Witterung im Juni dürste sich, wenn wir dem hundertjährigen Kalender Glauben schenken wollen, ziemlich veränderlich gestalten. Vom 1. bis 3. soll es schön und warm bleiben, vom 4. bis 7. trübe und regnerisch sein, vom 8. bis 26. heiß, am 30. aber kalt werden. Der Meteorologe Bürzel stellt für den Juni nur wenig schöne Tage in Aussicht. Der Monat soll im Großen und Ganzen kühle, feuchte Witterung bringen, nur während der Tage vom 20. bis 25. ist auf fchönes, warmes, fonniges Wetter bei klarem Himmel zu rechnen. Den 14. Juni bezeichnet er als einen kritischen Tag von mittlerer Stärke, der Regen und Wind im Gefolge' führen dürfte, im 28. Juni aber erblickt Bürzel einen kritischen Termin von nur untergeordneter Bedeutung.
* (E r s a tz b e i E i s e n b a h n u n s ä l l e n.) Eine Streitfrage, die die ganze Reisewelt interessiert, hat das Reichsgericht entschieden. Es handelte sich dabei um Ersatz der Reisekosten und Effekten, den ein Reisender geltend machte. Jnsolge eines Eisenbahnunfalls war der Reisende nämlich nicht an das Endziel befördert, auch waren ihm Kleidungsstücke usw. ruiniert worden. Die Klage war aber erst nach Jahresfrist eingereicht worden; das Landgericht hatte sie deshalb abgewiesen: der Beförderungsvertrag fei dem Werkvertrag gleich zu achten, und Ansprüche aus diesem verjähren in sechs Monaten. Das
ehrten — zum „Polizeimeister von Kamerun" ernannt worden sei. Die betreffende M'tteilung war der Redaktion jenes Blattes telegraphisch aus Berlin zugegangen und trug offensichtlich amtlichen Charakter, um so mehr, als sie mit „D. R. K. A." unterzeichnet war. Eine Anfrage bei dem Herrn „Polzeimeister" bestätigte, daß das Telegramm vom Deutschen Reichskolonialamt aufgegeben sei, das bei derartigen wichtigen Beförderungen sowohl den „Reichsanzeiger" als auch die Zeitungen des Heimatsortes des Beförderten direkt benachrichtige. Bald erschien auch Leuchter in der auffälligen Uniform eines Polizeimeisters von Kamerun; doch damit noch nicht genug: auch ein breites schwarz-weißes Ordensband zierte seine Brust. Einige Zeitungen berichteten mit Stolz von dem berühmten Sohne seiner Vaterstadt; Leuchter bewegte sich in den besten Kreisen und erzählte mit überzeugendem Eifer von den Ruhmestaten, die er in fernen Weltcilen vollbracht und die ihm jene Orden und Auszeichnungen „aus allerhöchster Hand" eingebracht hätten. Täglich wechselte er mehrmals seinen Anzug, bald trat er im eleganten Zivilrock mit Glacs und Zylinder auf, um in den nächsten Stunden in der Uniform des „Polizeimeisters von Kamerun" aufzutauchen oder im hellen Tropenanzug ein feuriges Roß schweißgebadet vor den staunenden Augen der Freiburger in den Straßen umher- zureiten. Leuchter verlobte sich sogar mit der Tochter eines angesehenen Freiburger Industriellen. Selbstverständlich genoß der „Polizeimeister" unumschränkten Kredit, den er auch weidlich ausnützte. Seine Gläubigerzahl ist nicht gering. Jetzt ist jedoch, nachdem man sich im Kolonialamt erkundigt hat, das Kartenhaus zusammengebrochen und der Schwindler flüchtig geworden. Das angebliche amtliche Telegramm war gefälscht. Der Betrüger ist anscheinend mit dem ehemaligen Polizeisergeanten Karl Leuchter identisch, der im vorigen Jahre in Süd- westasrika geweilt hatte.
Duisburg, 4. Juni. In Marxloh erschoß der Arbeiter Kaninek seine Frau, als er sie bei einem zärtlichen Zusammensein mit ihrem Kostgänger überraschte und tötete sich selbst. Der Liebhaber, auf den er einen Schuß abgegeben hatte, wurde nur leicht verletzt.